Message in a bottle

27.03.2007 um 16:47 Uhr

Park der Guten Hoffnung

von: hibou

Hier die wundersame Geschichte des "Parks der Guten Hoffnung"

Im Zentrum von Grand Turk, nicht allzuweit der Jenny-Bar, liegt ein wunderschönes Plätzchen, ganz grün, ganz Blühen und Fruchten, voller Sonnenschein und Mondschatten. Niemand weiss, warum dieser Ort "Park der Guten Hoffnung" heisst (Naipaula kalauert zuweilen herum "weil die Pärchen des Nachts verzweifelt suchend hineingehen und eine Zeit später guter Hoffnung wieder herauskommen....").
Würde man aber nur wenige Dezimeter unter die Grasnarbe graben, würde man auf Fundamente ehemaliger Bauten stossen. In der Tat stand hier das städtische Irrenhaus. Die uralten BürgerInnen erzählen, dass die Menschen im Quartier ganz gut mit der Anstalt zurechtkamen. Ärzte und Pfleger hatten damals allerdings weder von Siegmund Freud noch von C.G.Jung irgendwas gehört - es war dies ja Jahre, bevor Jones die ersten Bücher von Lacan oder Foucault auf die Inseln brachte -und behandelten die ihnen Anvertrauten weitgehend mit kalten Wassergüssen und Schlägen. Dann wurde am selben Ort die Polizeizentrale gebaut. Seltsam! Als die Polizei hier tätig wurde, tat sie genau das gleiche, sie traktierte die, die ihr ins Netz gegangen waren ebenfalls mit kaltem Wasser, Schlägen, Elektroschocks, Lobotomie und Gehirnwäsche.... Was erklären täte, warum manche behaupten, es gäbe so was wie den Genius Loci. Jetzt ist ja die Polizei abgeschafft und die Zentrale abgerissen; einige Leute aber sind überzeugt, sie würden noch heute manchmal ein Schreien und Stöhnen im Park hören......

07.03.2007 um 18:04 Uhr

ortlosigkeit

von: hibou

BeitragVerfasst am: 07.03.2007, 17:02    Titel: Ortlosigkeit Antworten mit Zitat Beitrag bearbeiten oder löschen Beitrag löschen

Gestern gingen wir mal wieder zum Strand. Zuerst die Dorfstrasse hinunter (wir wohnen ca. 24 km von Grand Turk entfernt), am Café vorbei, dann die Abkürzung durchs hohe Gras ("Osy osya osy" gegen Schlangen murmelnd), an Salims Rikscha-Stand vorbei den pfützenreichen Weg an den Dutzenden von bellenden Hunden bis zu unserem, naja, zweiten Wohnzimmer namens "Friend's Beach" längs. Saadi und sein Onkel (der mit ihm gleichaltrig ist, er hat die Tante seiner Frau geheiratet, diese ist Tatarin und lächelt nur mit den Augen über hohen Wangenknochen) waren draussen aufm Steg angeln, die Frauen wie es sich gehört im Geschäft hehe... Aber auf diese Weise bekamen wir nach einer Weile Wolfsbarsch vom Grill, frisch gefangen, dazu Chips und Salat. Derweil der Grill sich erwärmte lasen wir, ich hatte "Lettre" dabei und erfuhr von der digitalen Ortlosigkeit dieser modernen Zeiten. Wie wahr! Sobald wir ins weltweite Netz gehen, brauchen wir nur noch die Fingerspitzen am Touchscreen, an der Maustaste oder über dem Manual zu bewegen, und es ist völlig egal, wo wir grade weilen!!
Dieses "egal" hier gefiel mir ausnehmend. Es roch nach der Glut von Holzkohle, das Meer plätscherte so am Strand rum, die Sonne lachte lauthals, Sütlac bellte jeden Fremden energisch aus. Ich erfuhr weiter, dass das Fritiern von Fisch und Gemüse den Briten lange unbekannt war (sie kochten bloss mit Wasser), bis dass eingewanderte Juden vom Mittelmeer diese Technik nach England brachten. Sofort teilte ich das Saadi mit. Der beschloss spontan, sein Strandlokal in "Fish n Chips" umzubenennen. Nach Stunden schlenderten wir nach Hause, kauften noch Linsen bei Sherife... Asphodelos und Riesenfenchel, Kirschen und wilde Birnen standen in voller Blüte und die Mandeln waren schon erntereif.
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I may have slept for an hour
I may have slept for a day
For a woke in a bed of white linen
And the sky was the colour of clay