Message in a bottle

16.12.2007 um 08:47 Uhr

Der rote Teppich

von: hibou

Bei jedem Staatsbesuch, bei jedem Staatsempfang wird ein roter Teppich ausgerollt, über den dann feierlich und zu Blasmusik geschritten wird. Es schreiten Javier Solana, Mugabe, Ghaddafi, Steinmeier, Rice oder im Hosenanzug und verbiestert aus ihren Augenfalten schauend Angela Merkel.... Der rote Teppich ist der Archetyp des Herrscherstolzes. Lassen wir unsern Terrier dran schnüffeln. Riecht es da nicht auch noch ganz entfernt nach Blut? Die Farbe stimmte schon mal. Mir dämmert Mythologie. Hatte nicht Klytaimnestra ihrem aus Troja heimgekehrten Gatten vor Mykenes Burg einen roten Teppich ausgebreitet? Der Trojanische Krieg war vorbei. Troja gefallen, alle oder fast alle Frauen und Kinder niedergemetzelt oder geschändet. Der Oberbefehlshaber der Griechen, Agamemmnon, war dort durch Ströme von Blut gewatet, hatte nebenbei seine fern in Hellas wartende Gattin betrogen (Moment mal: was war doch der Anlass des Feldzuges gewesen?). Nun schritt er über den Teppich aus rotgefärbter Schafschur. Am andern Ende wartete ein Bad auf ihn. Darin würde ihn Klytaimnestra mit der Axt erschlagen. Von einem Ende des Teppichs zum anderen verwandelte er sich vom Henker zum Opfer.Der rote Teppich aber ist bis heute beherrschendes Symbol der Macht geblieben. Ob Die-über-ihn-Schreiten bedenken, was sie erwartet?

11.12.2007 um 13:04 Uhr

religiöse lügen

von: hibou

Neulich sah ich ein die Übertragung eines Adventskonzertes aus der Frauenkirche in Dresden. "Er ist auf Erden kommen arm" sangen sie in praechtigen Anzügen und "Grosser Heiland, ach wie wenig achtest Du der Erde Pracht" und die Kamera zeigte pausenlos goldene Engel und anderen teuren Zierrat der wiedererrichteten Frauenkirche (Danke, Dresdner Bank! Den Kommunisten haben wirs gezeigt gell?) und natürlich die gutgefüllten Baeuche der Honoratioren und des weiblichen Anhangs in Brillanten- und Perlenketten...

Am 20 12. beginnt hier Kurban Bayramı, das islamische Opferfest, diesmal faellt es mit Weihnachten zusammen. Millionen von Tieren werden geschaechtet werden. Ein Glaeubiger MUSS dies Opfer bringen (Hier in der Türkei  herrscht  der Sunni-Glaube a la Hanefi, d.h. das Schlachten der Tiere ist "wajib", ein religiöses Muss waehrend es in anderen islamischen Laendern bloss "sunna", eine gute Tat, ist). Aber im Ernst (und alle Atavismen mal beiseite gelassen): glaubt jemand wirklich, Gott naeher zu kommen, indem er Tiere tötet?