Message in a bottle

05.05.2008 um 12:22 Uhr

Es grüsst

von: hibou

Gestern wurden unserm Hund Sütlaç (einem irischen oder schottischem Terrier unklarer Herkunft, dessen Geburtstag wir auf den 1.Mai (Schwestern zur Sonne, zur Freiheit, Schwestern zum Lichte empor!)) festgelegt haben, die Eierstöcke wegoperiert. Die Nacht schliefen wir nicht, halb aus Sorge um das wimmernde Bündel, halb aus Vorwürfen – was haben wir getan? Wir wohnen grad für den Winter im Hotel, welches aus purem Zufall genau gegenüber der Tierklinik liegt. Heute morgen konnte das Mädchen von dort denn auch mit der Antibiotika-Spritze hier vorbeikommen – worauf das komische Tier in wildes Schwanzwedeln ausbrach, wo es mit uns zusammen nur Apathie zeigte!. Das Ehepaar Nabokov wohnte übrigens 20 Jahre lang im Hotel, im „Montreux Palace“ – ich lungerte dort zur gleichen Zeit nichts ahnend auf den Strassen herum und hatte bis dahin nur Karl May gelesen….. Vladimir sammelte Käfer und Schmetterlinge, wenn er nicht schrieb. Ich sammle Eindrücke. Heute von Hunden. Wo gibt es so viele philosophische und kontemplative wie in Bodrum? Sie liegen wie Steaks in der Novembersonne, sie mieten keine Yachten, sie benötigen kein Make-Up, sie haben keine Vorstellung vom Altwerden, das unterscheidet sie fundamental von den Zweibeinern bei „Sünger-Pizza“ nebenan. Die Luft ist sehr angenehm warm, und das, obwohl es heut Nacht gewittert hat (und der Strom für acht Stunden ausfiel) (ich habe immer die Fantasie, der Aufsichtsbeamte im Kraftwerk döse auf seinem Stuhl vor sich hin, kippelnd wie die meisten Männer, dann kommt der Donnerschlag, vor Schreck fällt er nach hinten und drückt mit seinen Schultern den Provinzhauptsicherungschalter auf „aus“). Sitzt man in Bodrum überhaupt jemals nicht draußen? Nein. Selbst im Winter sind die Tage wie Samt, und du kannst voll in der Sonne sitzen! „Wir trafen uns in einem Garten/wahrscheinlich unter einem Baum“. Na klar kann man auch in Wien im Schanigarten sitzen, aber doch nur ein Viertel des Jahres, gell? Das bringt mich auf die Viervierteleinteilung der Welt. Jeder Spießer hat sie intus („im Urin“, würde der deutsche Kneipengänger sagen): in der Welt gibt’s nur vier Qualitäten – stell Dir nun einen Kreis mit einem Kreuz, das ihn in vier Viertel teilt, vor. (Apropos: ist es nicht interessant, das man im Deutschen von Stadt“vierteln“ spricht? Quarters…. In Paris nennt sich das – seufz – Arrondissement….), also zum Beispiel „++“, „--„, „+-„, „-+“. Mann, ist das abstrakt! Also: Menschen mit dickem Hintern und X-Beinen, Menschen mit dünnem Hintern und O-Beinen, Menschen mit dickem Hintern und O-Beinen, Menschen mit dünnem Hintern und X-Beinen. Setze beliebige Faktoren ein. Mehr geht nicht. Zwischentöne sind nur Krampf – im Klassenkampf!, sagten auch die Sozis. Ach, ich liebe den Winter in Bodrum!!!
Es grüsst