Musik: Why does it allways rain on me?
Ich lese grad “Trockenes Denken” von Paul Carter und bin
angetan!:
“...das Paradies ist vorbei. Seine vier Flüsse sind
ausgetrocknet. Die Stadt – mit ihren philosophischen Säulengängen und Hainen –
ist unbewohnbar gemacht worden, bevor sie je erreicht wurde.”
Man steige nie zweimal in denselben Fluss, meinte Heraklit,
doch keiner fragte je, welchen Fluss er meinte. Heraklit lebte in Ephesus, aber
der dortige Fluss mitsamt dem lebendigen Hafen ist – ausgetrocknet. “Mit der
Zeit zog sich die Küstenlinie von Ephesos zurück, und der grosse Ort des
Austauschs – an dem nichts stillstand, sondern durch Zirkulation an Wert zunahm
– wurde im Schlamm begraben. Was für eine Art von Allegorie über die Bewegung
des Denkens ist dies? Sie legt eine mentale Geographie nahe, die keinen Kontakt
mit der Umwelt hat, die sie abbildet.” Selbst Freud wollte die Sümpfe des Unbewussten
trockenlegen, war sich aber noch bewusst: Man interpretiert nie zweimal
denselben Traum.
Unsere Ideallandschaft sieht etwa wie Holland aus: alles
eingepoldert, alles rechteckig, alles bewirtschaftet, ja keine Knicks zwischen
den Feldern! Und doch lauern ringsum die Leviathane von Überschwemmung und
Tsunami........
Ich denke jetzt an folgende zwei: Beuys: Flüssig werden, das
ist’s! Und Charlotte Roche: Feuchtgebiete J Einer der wenigen andern flüssigen Denker ist Robert
Pirsig (“Zen oder die Kunst, ein Motorrad zu warten”), weil seine Ideen
fliessen und dabe die Materie mitreissen. So ist sein Motorrad noch immer
dasselbe, obwohl er mit der Zeit ALLE Teile ausgetauscht hat, genauso wie der
Brahmssee noch immer der Brahmssee ist, obwohl jeder Tropfen seines Wassers
x-mal ausgetauscht wurde. Im Grunde müssen wir von fliessenden Ideen leben,
wenn wir überhaupt etwas mit Erkenntnis erfassen wollen. Die Küste z.B.: real
ist sie nicht zu fassen (wie viele km misst die Meeresküste etwa der Türkei? Im
Atlas nachzurechnen, aber da sind kleine Buchten, die, vom Landvermesser nicht
erfasst, die Küstenlinie verlängern, in den Buchten noch kleinere Aus- und Einbuchtungen,
und dort hat ein Kind ne Sandburg ans Ufer gebaut und damit die Küste
verlängert, naja und jedes einzelne Sandkorn hat eine Umrisslinie, die sich der
Küste einfügt und diese damit ins Unendliche verlängert. Und doch “denken” wir
die Küste nicht unendlich. Die Idee erfasst spielend, was in der Realität
irreal ist........
Denken wir weiter so trocken, verwüsten wir die Welt! Unser
Autor lebt in Australien und weiss von Trockenheit.