Message in a bottle

16.07.2009 um 08:58 Uhr

Addendum

von: hibou

...Im Schatten dahinter hatte eben ein Mann der Tochter des Hauses einen Heiratsantrag gemacht, nachdem er der Mutter höflich die Wangen geküsst hatte, wohl eher die Luft neben den Wangen? Er trat dabei wie ein Elefant mit Hospitalismussyndrom von einem Bein aufs andere. Ob der Antrag angenommen wurde, wissen wir nicht. Eine ander Frau sass als Chaperon auf der Bank. Die Vielleicht- Braut dachte an künstliche Befruchtung, In-Vitro-Verfahren, Samenspende, Leihmütter und die in allen diesen Bereichen höchst unsichere Rechtslage. Es ging ja viel einfacher, ein Kind zu machen! Und sie schaute dem Vielleicht-Bräutigam prüfend auf die Hosen. Wir aber, mit Oben, schauen der fast busenlosen, dürren Malergesellin zu,...

16.07.2009 um 08:56 Uhr

wieder in Silberdorf

von: hibou

Oben war heute wieder im Silberdorf, es fiel ihm auf, dass er auch die Palme vergessen hatte, die da kerzengerade stand, auf dem abgeschabten, leicht konischen Stamm, der wie abgeerntetes Döner aussah, noch die Spuren von Plakaten und Affichen. Dahinter eine der hier durchaus nicht ungewöhnlichen Landschaften aus ineinander verwinkelten angefangenen Häusern, Treppenstufen ins Nichts, halb geteerten Wassertanks und Stromkabelgewirr. Eine Rabenkrähe sass auf dem Spannring eines der Kabel. Ihr Name war Eric. Im üblichen Gehüpfe seiner Art kam ein Spatz auf sie zu. Du willst wieder Mensch werden? Dann wende Dich an Nina Hagen! Der Leser und die Leserin werden sich an dieser Stelle entrüsten. Gehört Nina Hagen nicht ins Buch “Hoffnung”, welches von Ernesto ja nur gelesen wird? Nun ja, vielleicht ist ja auch Oben Kundura da angesiedelt? Oder die verschiedenen Universen stossen wie Fischblasen aneinander und sind dort an einzelen, muttermalähnlichen schwarzen Punkten sogar durchlässig? Ansonsten bleibt es aber ganz und gar mir, dem Autor, und nicht einer schmalweltlichen, dürren Logik überlassen, wie sich die Handlung hier aufbaut, gell? (das waere ne andere Geschichte gell?)
In Distanz zur Strasse, jenseits des struppigen braunen Grases, sah man grade noch ein weiteres Haus, wie fast immer mit der weinbegrünten Pergola und den “Blumentöpfen” am Rande (es sind alte Ölkanister, mit Alufolie überzogene Plastikgefässe, Yoghurtbecher und Farbeimer, darinnen Rosen, Farn, Paprikastauden, Russelia und eine Art roter Canna). Im Schatten dahinter hatte eben ein Mann der Tochter des Hauses einen Heiratsantrag gemacht, nachdem er der Mutter höflich die Wangen geküsst hatte, wohl eher die Luft neben den Wangen? Er trat dabei wie ein Elefant mit Hospitalismussyndrom von einem Bein aufs andere. Ob der Antrag angenommen wurde, wissen wir nicht. Wir, mit Oben, schauen der fast busenlosen, dürren Malergesellin zu, wie sie in verschiedenen Läden Brot, Geflügel, Orangensaft und Papierservietten einkauft. Sie hat heut morgen wie an jedem Wochentag hastig eine zerknitterte schwarze Bluse, eine khakifarbene Armeehose mit weiten Taschen – die, mit den vielen Farb- und Gipsflecken, die es Oben erst ermöglicht, ihren Beruf zu bestimmen – und lilafarbene Gummigaloschen angezogen. Ihre struppigen schwarzen Locken hält ein Taschentuch zusammen. Die Stirn ist gerade, die Brauen buschig, die Stupsnase nicht weiter auffällig. Nur wenn sie sich bückt, um eine der vom Rollerarm heruntergeglittene Tüte wieder aufzuheben, sieht man auch ein dreieckiges Höschen sich abzeichnen. In dem hatte sie – traumlos! – geschlafen. Das war gut so, denn wir können hier nicht auch noch Träume wiedergeben......

16.07.2009 um 08:49 Uhr

Realität

von: hibou

Musik: talking heads

Der Hirsch, sagte jemand, ist ein Symbol der Hoffnung, wenn er mit seinen vielen Kühen über der Graswelle erscheint. Die ganze Welt, elukubriert dieser Jemand oder auch Niemand weiter, ist ein Theater, und wir sind nichts als die Schauspieler, die alle ihren Auftritt und ihren Abgang haben. Sass ihm hier der Schalk im Nacken? überlegte Ernesto, denn wenn die Welt ein Theater ist, so muss doch jemand zuschauen? Aber es stimmt andererseits auch wieder, denn der Prinz von Homburg ist ja nicht der Prinz von Homburg, sondern Gérard Philippe, und auch ein Advokat im “wirklichen Leben” meint nicht wirklich, was er sagt.

 

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Am Tisch auf hoher See – in Wirklichkeit zwischen all den Inselchen, die die Grenze markieren, und um die einmal beinahe Krieg geführt wurde – dachte Ernesto darüber nach, wie sehr wir doch alle konditioniert werden. Zum Beispiel die Pluderhosen. Automatisch denkt Mann dabei an “alte Frau”, wiewohl beim Näherkommen das darin befindliche Wesen sich als etwa im Alter von 25 – 30 herausstellt. Aber wir sind es gewöhnt “jung” mit “sexy” zu verbinden. Zum Beispiel Medikamente. Hat der Wirkstoff einen einprägsamen, suggestiven Namen, so muss er ja viel nützern: Antistax! Wobenzym! Crataegutt! Blend-a-Dent!! Und das Apotheken-Magnesium......Zum Beispiel Fernsehkrimis. Wir sehen gut als gut (Polizei) und bös als bös (Verbrecher), ganz egal wie diese aussehen und was sie tun. Da wird die Besetzung der Rolle zum Kinderspeil. Und in den Serien “kennen” wir ja schon alle und alles, so das Aufmerksamkeit sich erübrigt. Dann wird auch noch unser Lachen durch die Sitcom strukturiert.... Aber ob die Wirklichkeit wirklicher ist?