16.07.2009 um 08:58 Uhr
16.07.2009 um 08:56 Uhr
wieder in Silberdorf
In Distanz zur Strasse, jenseits des struppigen braunen Grases, sah man grade noch ein weiteres Haus, wie fast immer mit der weinbegrünten Pergola und den “Blumentöpfen” am Rande (es sind alte Ölkanister, mit Alufolie überzogene Plastikgefässe, Yoghurtbecher und Farbeimer, darinnen Rosen, Farn, Paprikastauden, Russelia und eine Art roter Canna). Im Schatten dahinter hatte eben ein Mann der Tochter des Hauses einen Heiratsantrag gemacht, nachdem er der Mutter höflich die Wangen geküsst hatte, wohl eher die Luft neben den Wangen? Er trat dabei wie ein Elefant mit Hospitalismussyndrom von einem Bein aufs andere. Ob der Antrag angenommen wurde, wissen wir nicht. Wir, mit Oben, schauen der fast busenlosen, dürren Malergesellin zu, wie sie in verschiedenen Läden Brot, Geflügel, Orangensaft und Papierservietten einkauft. Sie hat heut morgen wie an jedem Wochentag hastig eine zerknitterte schwarze Bluse, eine khakifarbene Armeehose mit weiten Taschen – die, mit den vielen Farb- und Gipsflecken, die es Oben erst ermöglicht, ihren Beruf zu bestimmen – und lilafarbene Gummigaloschen angezogen. Ihre struppigen schwarzen Locken hält ein Taschentuch zusammen. Die Stirn ist gerade, die Brauen buschig, die Stupsnase nicht weiter auffällig. Nur wenn sie sich bückt, um eine der vom Rollerarm heruntergeglittene Tüte wieder aufzuheben, sieht man auch ein dreieckiges Höschen sich abzeichnen. In dem hatte sie – traumlos! – geschlafen. Das war gut so, denn wir können hier nicht auch noch Träume wiedergeben......
16.07.2009 um 08:49 Uhr
Realität
Musik: talking heads
“Der Hirsch”, sagte jemand, “ist ein Symbol der Hoffnung, wenn er mit seinen vielen Kühen über der Graswelle erscheint. Die ganze Welt”, elukubriert dieser Jemand oder auch Niemand weiter, “ist ein Theater, und wir sind nichts als die Schauspieler, die alle ihren Auftritt und ihren Abgang haben.” Sass ihm hier der Schalk im Nacken? überlegte Ernesto, denn wenn die Welt ein Theater ist, so muss doch jemand zuschauen? Aber es stimmt andererseits auch wieder, denn der Prinz von Homburg ist ja nicht der Prinz von Homburg, sondern Gérard Philippe, und auch ein Advokat im “wirklichen Leben” meint nicht wirklich, was er sagt.
#
Am Tisch auf hoher See – in Wirklichkeit zwischen all den Inselchen, die die Grenze markieren, und um die einmal beinahe Krieg geführt wurde – dachte Ernesto darüber nach, wie sehr wir doch alle konditioniert werden. Zum Beispiel die Pluderhosen. Automatisch denkt Mann dabei an “alte Frau”, wiewohl beim Näherkommen das darin befindliche Wesen sich als etwa im Alter von 25 – 30 herausstellt. Aber wir sind es gewöhnt “jung” mit “sexy” zu verbinden. Zum Beispiel Medikamente. Hat der Wirkstoff einen einprägsamen, suggestiven Namen, so muss er ja viel nützern: Antistax! Wobenzym! Crataegutt! Blend-a-Dent!! Und das Apotheken-Magnesium......Zum Beispiel Fernsehkrimis. Wir sehen gut als gut (Polizei) und bös als bös (Verbrecher), ganz egal wie diese aussehen und was sie tun. Da wird die Besetzung der Rolle zum Kinderspeil. Und in den Serien “kennen” wir ja schon alle und alles, so das Aufmerksamkeit sich erübrigt. Dann wird auch noch unser Lachen durch die Sitcom strukturiert.... Aber ob die Wirklichkeit wirklicher ist?
