Message in a bottle

18.06.2005 um 06:16 Uhr

Fındık, alias Sütlaç

von: hibou

Wieder im Sanayı sitesi pide salonu, direkt an der Migros Strasse im Handwerkerviertel, am Bazar. Habe Dilek, Sevinç und Hatice, ein blondgelockte Künstlerin mit Beinprothese, und Fındık zurückgelassen.
Die letzte Türkischstunde am vergangenen Donnerstag war etwas gestört, da alle (Frauen) in Schreie der Begeisterung und der Zuneigung zu einem recht winzigen, strohbraunen, teddybärenartigen Hundchen ausbrachen. Noella schafft es schließlich, die Partie zu machen, ich hatte mich auch ein wenig beworben – eine der jüngeren Schülerinnen (Sina?) hatte das Tier angeboten.
Schade, dachte ich, das wäre genau das richtige für Dilek gewesen. Da kam sie auch schon und hütete das Fellbällchen für den Rest unseres Unterrichts. Einen Tag später ging das Telefon – Noella: Er greift unsere Katze an! (Wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen!! Klang es unhörbar mit) Wollt ihr ihn noch? Wir kommen. Gleich. Und tatsächlich fuhren Ahmet (ein Fotograf vor 2000 und ab 2006) und sie die ganze lange Strecke zu uns nach Akyarlar hinaus und wieder zurück, bloß um das kleine Mädchen wider loszuwerden.
Jetzt haben wir seit drei Tagen ein viel Aufsehen erregendes Wollknäuel mit Knopfaugen namens "F
ındık" (Haselnuss). Sie kommt überallhin mit uns mit, sie ist zutraulich zu allem und jedem. Das ist Unschuld. Selbst auf die fauchende Yadis stolpert sie zu.
(Ist es so? Kommen wir völlig zutraulich in die Welt und verlassen sie misstrauisch?)
Sie schläft viel, sie spielt gern und übt das Beißen. Nachts müssen wir raus mit ihr in den Wind. Wir sind nun Hundebesitzer. Es soll ein Terrier sein. Berti Vogts fällt mir ein: krumme Beine, Spieltrieb, Disziplin, stimmt.
Der Pidebäcker verbrennt Rebenholz im Ofen. Ein so vertrauter Geruch wie derder Pinien vor der Sieben-Mädchen-Apotheke…
Gegenüber ein ummauerter Garten, ein Pferd steht im Schatten der Zypressen, vielleicht gebe ich ihm deshalb das Attribut "traurig", vielleicht aber weil ich seine Rippen sich scharf unterm braunen Fell abzeichnen sehe. Es legt die Ohren an: wie Yadis, wenn sie beim Verlassen des Salons noch ortet, wo sich das neue seltsame Wesen befindet.
Die Moschee singt die ganze Zeit wie verrückt überm Lärm der Motoren. Ist wer gestorben?
F
ındık soll sechs Wochen alt sein. Bei der Veterinärin Yadigar, eine sehr nette vom Stamme Ziegentyp, legen wir den Geburtstag auf den 1.Mai fest.

Ein Stück weiter steht ein ? auf der Strasse. Niemand schreibt von ihm. Er ist so gut wie vergessen.


Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.