Nuristan (5) Kemikler
Wir selber wohnen im Dorf Kemikler. Streuobstwiesen und unser bekanntes Fleckvieh beherrschen das Landschaftsbild. Wolltest du nicht immer schon einen Kuhschädel haben? Hier kann ich dir leicht einen besorgen. Aber erst muss ich noch zum Lottostand mein Minimum spielen. Wie hat die Finanzwelt gelacht als wir unser gesamtes Steuersystem auf Lotto umstellten! Aber noch immer sind wir das einzige Land der Welt, wo jeder ganz gern seine Steuern bezahlt und wöchentlich auf den Jackpot hofft. Da möchtest du auch wohnen? Ich werd den Gemeinderat fragen. Ganz recht, wir stimmen über jeden Neuansiedler ab, nimmt man einmal die 20% Leute aus, die durch das Los einen Siedlerpass erhielten. In Kemikler lieben sie Zuwanderer aus Ungarn, weshalb wir hier leicht vom Bevölkerungsquerschnitt abweichen. Außer den Nuri (unschwer an den riesigen schwarzgrünen Augen zu erkennen)(sofern es denn pure Nuris überhaupt gibt. Jede und jeder von uns hatte ne Ururgrossmutter aus Batabu, Tallaf, Freckenhorst oder Kazkeli) und den rätselhaften Mungglis gibt es reichlich Arnauten und Zigeuner, erstere wegen ihres Fleißes, letztere wegen der Musik immer erwünscht, aber auch Leute aus aller Frauen Länder und wie gesagt durch das Lossystem sogar einige US-Amerikaner. In unserer Vedokratie sitzen vornehmlich die erwähnten Söhne der Witwe oder Vaterlandslosen Gesellinnen nebst einigen unehelichen Sprösslingen zur linken Hand. Der Rat einer jeden Gemeinde ist von den Einwohnern gewählt und zu weitreichenden Entscheidungen, selbstverständlich nur des Rechts- und Geldwesen befugt. Er legt zum Beispiel die Höhe des Mindestgehaltes, das jede Person des Landes bezieht, fest.
