Message in a bottle

02.08.2006 um 13:05 Uhr

Über Religion und die Religiösen

von: hibou

"Lange Zeit hieß es, ohne Religion würden wir auf das Niveau egoistischer Wesen reduziert, die ausschließlich um ihr eigenes Wohlergehen kämpfen und deren einzige Moral die des Rechts des Stärkeren sei, und nur die Religion könne uns von diesem animalischen Zustand befreien. Heute, da sich die Religion als Hauptursache der mörderischen Gewalt in der ganzen Welt erweist, ist man die Versicherung leid, die christlichen oder muslimischen oder hinduistischen Fundamentalisten missbrauchten oder pervertierten die noble spirituelle Botschaft ihres jeweiligen Glaubens. Wie wäre es mit einer Wiederherstellung der Würde des Atheismus? Vielleicht ist dies unsere einzige Chance auf Frieden??"

(Slavoj Zizek)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Azana schreibt am 02.08.2006 um 17:54 Uhr:Interessante Idee!

    Obwohl ich befürchte, dass sich dann andere Altäre der Mächtigen auftun, denen notfalls die halbe Menschheit geopfert wird. Aber vielleicht könnte man mit der Religion auch gleich die Mächtigen abschaffen - und schon hätten wir das Paradies auf Erden ;)...

    Apropos Altäre der Neuzeit: Statt altbackener Maiandachten bauen sich Teenies regelrechte Altäre im heimischen Kinderziommer, wo sie allabendlich die süßen Jungs von \"Tokio Hotel\" anbeten.



    Grüße aus der altarfreien Zone!

    Azana



  2. Rosengift schreibt am 02.08.2006 um 21:34 Uhr:Wenn es keine Religon gäbe als Grund für Gewalt und Kriege..dann würde es was anderes sein...
  3. herzland schreibt am 02.08.2006 um 21:54 Uhr:Die Sucht nach der Macht verkleidet sich nun mal zu gerne, am liebsten in \"harmlosen\" Religionsgewändtern...

    Aber den Atheisten und Anarchisten wird im allgemeinen mit noch größerer Angst begegnet, als ginge von ihnen irgend etwas schlimmes, ungewohntes, schockierendes aus, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, beispielsweise...
  4. herzland schreibt am 02.08.2006 um 23:06 Uhr:genuine, kennt jemand dafür eine übersetzung?

    ich bin sonst genuine heidin ohne machtgelüste...:-)
  5. Azana schreibt am 04.08.2006 um 21:02 Uhr:Machtlos und ausgeliefert zu sein, ist schlimm. Darum mein Motto: Niemals das Schaf sein, das sich widerstandslos zur Schlachtbank führen lässt.( Auch nicht tatenlos zusehen, wie andere Schafe...) Nur: ist das nicht auch schon Streben nach Macht?



    Macht hat -wie die Gewalt- so viele verschiedene Gesichter....sie kann politischer, finanzieller, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, emotionaler, physischer oder psychischer Natur sein - und gibt es nicht auch die Macht der Worte, die Macht der Poesie?



    Kunst als Macht - danach gelüstet es mich schon.

    Von der Macht der Liebe mal ganz zu schweigen

    ;-)...



    Azana, vom Thema Religion mal wieder abschweifend



  6. herzland schreibt am 05.08.2006 um 01:00 Uhr:Nein, Azana, du hast die (ursprüngliche Bedeutung der)RELIGIO voll getroffen!

    Viel Macht und Lust wünscht dir
  7. hibou schreibt am 05.08.2006 um 08:38 Uhr:danke slavoj zizek- hast nebenbei moch neue bekanntschaften geknüpft. genuin = von den ahnen her? :-))

    macht hat viele, auch einige positive konnotationen. man sollte deshalb vielleicht besser tyrannei sagen aber nu antwortet nicht, dass liebe auch tyrannisch sei! :-))
  8. vonWegen schreibt am 08.08.2006 um 02:29 Uhr:Das ist die Liebe halt leider doch - vor allem, wenn sie sich vergeblich müht, da schreckt sie auch vor Terror nicht zurück. Notfalls gegen sich selbst.
  9. Azana schreibt am 08.08.2006 um 09:41 Uhr:Aktionen, die aus verschmähter Liebe erwachsen, wären dann doch aber keine Liebe mehr, sondern nur noch Terror...oder?
  10. vonWegen schreibt am 08.08.2006 um 23:21 Uhr:Ach, wenn das so einfach und die Liebe das ausschließlich Gute wäre... die Liebe ist ja nun doch verwoben mit der Begierde - und diese greift oft genug zur Gewalt. Das Gegenteil vom Bösen ist nicht die Liebe, sondern das Gute. Auch die Liebe kann böse sein, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Das Christentum als Experte der Liebe behauptet zwar, die Liebe sei die Erlösung vom Bösen, die Geschichte und das Leben zeigen jedoch, dass das immer wieder ein zynisch oder unbewusst in Kauf genommener Rechtfertigungsgrund für Übeltaten ist. Ja, und trotzdem: Auch ich glaube an die Liebe - aber das funktioniert wohl nur, wenn man sie als steinigen Weg zu einer besseren Welt akzeptiert. Und das kann man - interessanterweise - auch als \"Ungläubiger\". Zu diesem Thema lese ich immer wieder gern in Camus\' \"Der Mensch in der Revolte\" und \"Der Mythos von Sisyphos\"...
  11. hibou schreibt am 09.08.2006 um 10:32 Uhr:von wegen: camus! jau :-))

    steinige wege mag ich. steine sind mit die schönsten dinge! und viel duldender und schweigsamer als wir hüpfinsfende (-bette). wobei ja auch steine flussbetten mögen. ihre einzige möglichkeit, weiterzukommen. ich sinne: kommen auch wir im schlaf weiter?

    grüsse an die getreuen flaschenpostöffner!!
  12. herzland schreibt am 09.08.2006 um 21:07 Uhr:Von Wegen, mit diesem macht- und mann?-verhafteten \"Begierde\"- Verständnis kann ich nichts anfangen... Viel Spaß beim Steinerollen weiterhin ;-)
  13. hibou schreibt am 10.08.2006 um 21:43 Uhr:liebe - heisst loslassen (sagte der vogelfänger :-))
  14. hibou schreibt am 11.08.2006 um 11:24 Uhr:papa was a rolling stone yeah

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