Inner city blues/vagina

06.10.2004 um 19:48 Uhr

Castafiore alias Callas

von: hibou

Das nächste Rendezvous mit Bianca Castafiore findet im Band „Kohle an Bord“ (1958) statt. Die Luxusyacht „Sheherazade“ nimmt drei Schiffbrüchige an Bord, unsere beiden Helden und Pilot Klap.

 

Der Bösewicht Rastapopoulos alias Marquis de Gorgonzola gibt darauf eben ein Kostümfest, an dem auch die Mailänder Nachtigall teilnimmt.

„Per la Madonna! Das ist doch… Das ist doch Tintin und sein Freund, der Fischer Murdock! Ich muss sie begrüßen. Die Kunst schließt das Abenteuer in die Arme!

Im Namen des Marquis di Gorgonzola: Herzlich willkommen an Bord, carissimi miei!“

Sie ist sich keine Sekunde lang bewusst, dass sie damit die Aufmerksamkeit des Schurken , der natürlich ihr Gegner ist, auf die beiden lenkt. Haddock widersetzt sich einer Umarmung mit Hinweis auf das Seuchengesetz. Sie: „Aber ich bin doch nicht krank!“

Diese Episode bildet wohl die Grundlage für die Vermutung, Castafiore sei der Callas nachempfunden – die Yacht, der ölige Milliardär -, ansonsten hat die Callas ein völlig anderes Wesen. Bianca Castafiore eignet sich eben für jegliche Identifikation. So haben schwule Leser auch behauptet, sie sei ein Transvestit…..

05.10.2004 um 19:07 Uhr

Szohôd

von: hibou

Das nächste Zusammentreffen unserer Protagonisten geschieht in Szohôd, der Hauptstadt Borduriens. Im Hotel Zsnôrr trifft Bianca zeitgleich mit Haddock und Tintin ein.

„Hallo! Ist das nicht Tintin? Guten Abend, lieber Freund, wie schön….

Kleiner Schmeichler… Sie sind gekommen, mich zu beglückwünschen, nicht war? Sie und dieser Fischer, Herr … ähh, Kodack?“

Wir erleben das Abenteuer „Der Fall Bienlein“(1956). Auch in der bordurischen Metropole gastiert die Castafiore in der Oper. Anschließend versteckt sie Tintin und Haddock, die von der Obrigkeit verfolgt werden, in ihrer Garderobe, genauer gesagt in den Kostümschränken, und sie rettet sie, indem sie Oberst Sponsz mit ihrem Lächeln und ihren ständigen Deklamationen verstört und ablenkt.

03.10.2004 um 11:35 Uhr

Com um temperamento claramente histérico......

von: hibou

Bianca Castafiore
Tintin conhece a famosa cantora do Scala de Milão na Sildávia (“O Ceptro de Ottokar”), mas ela torna-se uma referência assídua na vida do jovem repórter, livrando-o de alguns apertos. Com um temperamento claramente histérico, tem todas as “qualidades” de uma diva — imodéstia, vaidade e um narcisismo compulsivo. Tiraniza os que a rodeiam e desmaia na menor situação de tensão. A sua relação com Haddock (“As Jóias de Castafiore”) é absolutamente deliciosa

02.10.2004 um 22:26 Uhr

Bianca Castafiore und Ramon Zarate

von: hibou

Wir begegnen ihr wieder in „Die sieben Kristallkugeln“. Tintin und Kapitän Haddock sind von Mühlenhof aus ins Varieté gegangen, um den Zauberer Bruno zu sehen. Aber ausserdem bewundern sie den Fakir Ragdalam mit seiner schönen Assistentin Madame Yamilah und dann den Messerwerfer Ramon Zarate, welcher ihnen sehr bekannt vorkommt. Tatsächlich handelt es sich um General Alcazar, den ein Putsch aus seinem Präsidentenamt vertrieben hat. Endlich tritt SİE auf: die italienische Nachtigall!

„Ha, welch Glück,

mich zu sehn, so schön

Bist du es, Margarete?

Gib Antwort, schnell, oh gib Antwort!

            (Tintins Hund Struppi jault)

Nein, nein, du bist es nicht!“

01.10.2004 um 20:17 Uhr

Bianca Castafiore = Blankflos

von: hibou

Sie ist offensichtlich Mitglied des Ensembles der Mailänder Scala, welches wir allerdings in allen Bänden des Comic-Strips nur in Form von ihr selbst kennen lernen. Immer und immer singt sie dieselbe Arie, die sogenannte Juwelenarie aus Gounod’s Oper „Margarete“: „Ah, je ris, de me voir si belle dans ce miroir!“, zu Deutsch: „Oh, wie schön, mich zu sehn, so schön!!“, was oberflächlich wiederum ihre Egozentrik herausstellt. Werden wir uns aber klar, dass Gretchen, Fausts Geliebte, dies singt, als sie die ihr von Mephisto untergejubelte Perlenkette anlegt und sich im Spiegel wie eine Prinzessin sieht, wird auch die Brechung und Ambivalenz dieses Bewusstseins deutlich. Ebenso, wenn wir uns daranmachen würden, den Wortsinn ihres Namens herauszufinden: der ist nämlich „die weiße, keusche Blume“. (Ein mittelalterliches provencalisches – oder spanisches? Bianca von Kastilien.. – Ritterepos heißt „Flos und Blankflos“ Bianca… Fiore…, darin landet Blankflos als Gefangene oder gar Sklavin im Morgenland, bis ihr Geliebter und Bräutigam Flos sie unter abenteuerlichen Umständen befreit). Könnte die Mailänder Diva also einen Künstlernamen, der zugleich ihr Wesen charakterisiert, tragen? Wir wissen es nicht

 

Doch zurück zu unserer Sängerin, die im Übrigen den Spitz- oder Kosenamen „die Mailänder Nachtigall“ trägt. Tintins treuer Begleiter, Kapitän Haddock, ist ihr in ganz besonderer Hassliebe verbunden. Er leidet immer entsetzlich, sobald er sie singen hört. Auch andere scheinen ihre Arie nicht zu goutieren, so etwa Hund Struppi. Nur Tintin bleibt immer neutral und höflich. Andererseits eilen die beiden Abenteurer ihr auch zu Hilfe und befreien sie sogar aus dem Kerker. Madame Castafiore wiederum verunstaltet bei jeder Gelegenheit Haddocks Namen. „Ist das nicht dieser Leutnant Bardock?“

So sind Bianca Castafiores Auftritte mehr als nur running gags. Eines der Abenteuer Tintins trägt sogar ihren Namen und stellt sie ins Zentrum: „Die Juwelen der Sängerin“.

 

Zum ersten Mal aber begegnen wir ihr in dem Band  „König Ottokars Szepter“, den Hergé im Jahre 1939 zeichnete und schrieb. Danach wäre die Diva etwa um 1900 geboren. Wir wissen es nicht. In ihren Auftritten bleibt sie von nun an zeitlos und nicht alternd. Heute, mehr als 60 Jahre nach dem Erstdruck, ist sie uns noch immer dieselbe (Haben wir uns schon klargemacht, dass das für alle literarischen Figuren gilt? Effi Briest, Oskar Matzerath, Mackie Messer, Anna Karenina, Lolita und Lady Chatterley?).

 

Doch zurück Zur Handlung. Tintin begegnet ihr erstmals, als er auf dem Weg nach Klow (Syldavien) zu Fuß ein waldiges Gelände durchquert.  Sie nimmt ihn in einem blauen Wagen mit Kennzeichen PN – 12811 mit. Außer dem Chauffeur sitzt noch ihr Klavierbegleiter Igor Wagner im Auto. Bianca trägt Persianermantel und blauroten Hut. Sie singt. Die Hasen und Igel laufen davon.

Tim steigt in ЗЛУП aus. Er wird verhaftet und eingesperrt. In der Zelle hört er aus dem Radio des Reviers: „Hier Radio Klow. Sie hören als Direktübertragung aus dem Kursaal ein Konzert mit Bianca Castafiore von der Mailänder Scala“, dann ertönt die besagte Arie. Schnitt zum Konzert: Sie trägt ein lila Kostüm, einen helmartigen Hut und lange blonde Zöpfe, eine lange Perlenkette und ein Handtäschchen.

Einige Tage später. Wiederum ein Konzert, diesmal im Königsschloss vor den Majestäten und dem ganzen Hof. Sie singt geschlossenen Auges. Da zerbirst klirrend die Fensterscheibe und Tintin birst herein. Sie öffnet die Augen, fällt sogleich in Ohnmacht. Igor, ihr Begleiter, kümmert sich um sie, auch eine grüne Hofdame aus der zweiten Reihe.

 

(wird fortgesetzt)

01.10.2004 um 10:02 Uhr

Bianca Castafiore

von: hibou

Bianca Castafiore

Sie ist eine Figur aus den Abenteuern von Tintin, deutsch “Tim und Struppi” des Belgiers Hergé.

 

Schon von der üppigen, vollaufragenden Gestalt her ist sie als Opernsängerin zu erkennen. Das längliche Gesicht mit der Hakennase und die meist helmartigen Frisuren und Hüte tun ein Übriges zur Betonung der Senkrechten und ihres großen Selbstbewusstseins. Sie hält sich immer gerade, der riesige Busen gibt ihr minoische Masse (unten schmal, oben breit). Selbstverständlich ist sie immer der Mittelpunkt. Keine noch so gefährliche Situation kann ihr Angst machen, so wird sie etwa in einer (wie stets bei Hergé fiktiven aber sehr kenntlichen) Diktatur zum Tode verurteilt, herrscht aber noch im Kerker den Wächter an, weil die Spaghetti nicht „al dente“ sind.

 

Sie ist offensichtlich Mitglied des Ensembles der Mailänder Scala, welches wir allerdings in allen Bänden des Comic-Strips nur in Form von ihr selbst kennen lernen. Immer und immer singt sie dieselbe Arie, die sogenannte Juwelenarie aus Gounod’s Oper „Margarete“: „Ah, je ris, de me voir si belle dans ce miroir!“, zu Deutsch: „Oh, wie schön, mich zu sehn, so schön!!“, was oberflächlich wiederum ihre Egozentrik herausstellt. Werden wir uns aber klar, dass Gretchen, Fausts Geliebte, dies singt, als sie die ihr von Mephisto untergejubelte Perlenkette anlegt und sich im Spiegel wie eine Prinzessin sieht, wird auch die Brechung und Ambivalenz dieses Bewusstseins deutlich. Ebenso, wenn wir uns daranmachen würden, den Wortsinn ihres Namens herauszufinden: der ist nämlich „die weisse, keusche Blume“.

(à suivre)