Inner city blues/vagina

30.12.2004 um 09:53 Uhr

Ay Dede!

von: hibou

 

An einem andern Morgen. Herr Berisha fegt Blätter weg. Ernesto zeigt nach dem Mond. Das milchige Vormittagsblau scheint fast durch ihn hindurch.

Ay Dede! juchzt Mehtab aus der Karre. Schrotteil! sagt Safije, die die Karre schiebt. Wenn Wörter sich so begegnen, daß sie anfangen, miteinander zu ringen, sich zu befehden, sich selbst zu verändern, zu leben...

Fettlebe. Zilpzalp. Schrottteil. SCHROTTTEIL! SCHACHTELHALM. BAUMGARTEN. Lies mich! Ich gehöre Mini Mulvanike, aska mi eleivana. Phidias schuf mich. Dino trug mich. Vom Hafen quer durch die Stadt. Mann der tausend Demos. Punk. Hausbesetzer. Straßenkämpfer. Lief mir ein Loch in die Sohle, so groß! Meine Schwester/ das Marleneken, nahm alle meine Beneken...

Bist Du Pauker? fragt Adrienne

28.12.2004 um 15:08 Uhr

Zwei Gedanken über Penner

von: hibou

Durchnächtigt kommt Ernesto um zehn nach sieben die Tür zum Frühstücksimbiß herein

'Nen Kaffee?, sagt Theo, und nen Croissang?

Wollen doch nicht von alten Gewohnheiten abweichen.

Warum nicht, meint Theo listig, sich zu den Blechen mit frischem Gebäck herumdrehend, zwei Croissangs?

Theo und Natalia stehen Schulter an Schulter hinter den gläsernen Auslagen mit belegten Brötchen, ihre roten Schürzen von Fett und Blätterteigkrümeln dunkel verfärbt. Er schneidet mit flacher Hand - wie beim Pferdefüttern - Schrippen und bestreicht sie mit Butter, sie ordnet Salatblätter und Käsescheiben darauf. Sie wiegen sich etwas im Rhythmus des Nr.1-Hits im Radio: All You Zombies...

Ernesto mag diesen Ort. Er nimmt den ersten Schluck Kaffee und schaut die Frau an. Mit leicht abwärtsgezogenen Mundwinkeln schenkt sie ihm ihr tägliches Lächeln, ihm wie allen anderen, die da an der Wand hinter den hohen Tischen aufgereiht sitzen. Wie Sittiche, denkt sie, sie denkt es polnisch, lächelt noch immer.

Ist das euer einziges Brot? schnauzt ein Kunde.

Zur Zeit ja, sagt Theo gleichmütig, schwarzgestoppelt, eine Locke in der Stirn. Er rollt die Augen beim sprechen.

Eine Frau will sieben Baguettebrötchen, eine Handvoll Butterportionen, Marmelade und Honigpackungen und einen Flachmann mit Korn, welche sie nach und nach einpackt, um dann einen großen Schein auf die Platte zu legen. Dabei sagt sie: Die tun einem ja leid da draußen in der Kälte, obwohl sie selber schuld sind!

Wie sie schon in der Tür steht sagt Theo, halb zu sich selbst: die sind gar nicht schuld...

27.12.2004 um 11:26 Uhr

Silbersackstraße, Eisregen

von: hibou

Mit blendend hellem Spinnaker prescht der Mond vor dem Wind übern Abendhimmel, Venus zögert in Kälte.

Eisesglätte überzieht jeden Fleck freien Bodens. Wie endgültig fallen die Betrunkenen, gleich schweren Säcken, wenn den Müller die Kraft verläßt. Sie fallen auf den Arm, auf den Arsch, auf den Kopf. Sie kriechen auf allen Vieren übers Kopfsteinpflaster oder rutschen mit ausdrucksloser Miene auf einer Aktentasche vorüber. Sogar die Zuhälter in den schnittigen Daimler-Coupés halten erstaunt an. Sowas!

Alte Damen segeln pinnaswärts. Schüler rudern mit Stöcken. Die Huren aber: unbeirrt Wärme anbietend, und ach! würden sie nur selbst davon bekommen!!

Unter Gefrorenem der Knallermatsch vom Neujahr. Gerade noch sichtbar im pissefarbenen Bernstein Vergangenheit.

26.12.2004 um 18:01 Uhr

In der Kälte

von: hibou

Hoffnungslos romantisch lachsrot markiert die flache Sonne die Schneise hin zur Straßenkreuzung. Häuser wie ältliche Zähne mit freiliegenden Zahnhälsen, bröckelnden Kellertreppen und fleckigem Putz umgeben sie. Sternförmig benachbart sind "Millers", "Doppeleck", Haus Bethlehem. Dazwischen flächendeckend Autos, liegengeblieben wie sattgefressene, glänzende Aaskäfer.

Kora sitzt auf einem Stahlhocker in Millers Bar und blickt über die Kaffeetasse hinweg direkt in die Annenstraße hinein. Vor dem Fenster geht eine ziemlich lärmige Schulklasse vorbei, zum nahen Hallenbad. Manche haben da schon Scheiße im Schwimmbecken treiben sehen.

Aber Kora freut sich auf den Frauentag morgen im Bismarckbad, Dampf, Wärme, Zuneigung.

Annen-? ach ja, nördlich der Reeperbahn trugen die Straßen Frauennamen! Jetzt trifft ihr Blick das Haus. Wohnt da nicht Ingo Kleist, der Herrscher über die Kleingärtner?

Für Uscha waren es nur ein paar Schritte von ihrer Wohnung hierher, aber der Wind hatte ihre Augen schon tränen lassen und den Schal hatte sie dreimal um den schmerzenden Hals gewickelt. So viele Wochen ist es her, daß die Geliebte sie verlassen hatte, und noch immer drückt es ihr wie Grönlands Eis auf die Brust. Weinen vor Selbstmitleid oder den harten Charlie markieren, oder beides zugleich? Im Hinsetzen die Hände abspreizen, cool lächeln, die Brauen hochziehen, husten.

Hi Kora!

Die Stadt hat den Sommer eingesogen, weggeatmet. Kälte ist vom Himmel zwischen die Häuser gefallen, bis in die verdreckten Souterrains, die schäbigen Ecken, die Ritzen, in denen Franzosenkraut blühte. Bis unter die BHs und zwischen die Beine der Berufstätigen, dort, wo auch Mitmenschen schreckliche Abkühlung bringen können. Der feuchte Nebel der Dämmerung kennt wie diese keine Kleider, keine Haut. Vom Riesengebirge her zieht er bis in die Knochen.

Die lederne Rosa hat unter den Obdachlosen einen gefunden, den sie an der Hand nehmen kann. Strahlend zahnlos und zielsicher geht sie mit ihm daher und berichtet jedem Passanten: Ganz schön kalt heute, was?

Tamer, wie eine Katze über den Spielplatz streifend, friert auch nicht. Hüsein summt eine mazedonische Melodie, ein Wachen hinter kaum geöffneten Lidern. Uscha glüht!

Mensch, ich hab' doch auch ne Vergangenheit, bin doch keine 21 mehr, meine Güte! Und sie hat mir sonst immer nachgegeben. Wie Siegellack: was ich ihr gab, hat sie sich ganz zu eigen gemacht, weißt du, als ob's ihr's wäre. Und nun das! Von einem Tag zu anderen verläßt sie mich!--

Hey, Uscha, es ist doch nun schon wieder fast drei Monate her....

Kora legt begütigend ihre Hand zwischen sie beide, und Uscha die ihre darüber.

Ich verstehs trotzdem nicht. Es will mir nicht hier rein! Wir hatten nen Bombenurlaub, einmal quer durch die Karpaten gewandert...

Gab's Anzeichen?

Wenn ich genau überlege...eine Geistesabwesenheit manchmal, ein Abgleiten...aber sonst? Keinen Streit, kein Gehacke, gar nichts! Die macht sich über meinen Arsch lustig!!

Bei dem Gefühl lodern Flammen zur Tür herein, röhren brennende Ölfelder, fauchen lohgelbe Föhrenwaldbrände von Malibu her, steigen riesige, rundblähende Rauchmassen hoch.--

 

25.12.2004 um 11:26 Uhr

Von Damaskus nach St.Pauli

von: hibou

Unter diesem Titel beginnt heut eine neue Serie. Fußball kommt wenig darin vor. Obwohl: St.Pauliiiii!

 

Die Einleitung übernimmt als Gast  Marcusz Golschinsky:

Ich wache auf in einem Ozean aus Stille

St.Pauli ist ein Ozean aus Schweiß

Da ist ein Schiff das will im Hafen Ladung löschen

Doch jeder Liegeplatz hat leider seinen Preis

Weil ich ein Schiff bin nehm ich eine Pille

Die Pille färbt die Ladung blütenweiß

Ich werd ersaufen wenn ich nicht die Ladung lösche

St.Pauli ist ein frecher Naseweis

Ich wünschte mir du würdest nicht so gucken

Und besser wärs ich wüsst nicht was ich weiß

Dein süßer Arsch in sämtlichen Destillen

Du tanzt mit all den Schwuchteln auf den Kais

Und jede ist dir irgendwann zu Willen

Erst wenn sie wiederkommen wird es dir zu heiß

Im Hafen liegen kaum noch fremde Schiffe

Kein Tropfen Liebe bloß ein Ozean aus Schweiß.

Danke, Markus!

23.12.2004 um 09:42 Uhr

Hände (Dossier St.Georg)

von: hibou

Hände hängen in schlotternden Hosen//Hände heben sich zum Zeichen des Friedens//Hände sprechen Taubstummensprache//Hände schütteln sich//eine wäscht die andere!//Finger in die Nase ins Ohr ins Haar an die Lippen//Daumen im Mund//Zeigefinger besserwisserisch//Finger tragen Ringe Nägel Lack//Fingernägel kratzen Haut blutig//Hände halten Bierdosen Vermouthflaschen Frankfurter Würstchen Zeitungen Periodica Gläser mit Faber gefüllt//schwingen hin und her zucken kratzen am Hinterkopf//fragen liegen an Hüften//schultern Taschen//streicheln schlagen//halten kleinere Hände fest//beschmutzen Tisch und Wände//sind amputiert//halten Berliner und Zuckerwaffeln//ziehen mit kurzem unauffälligen Ruck den BH zurecht und den Slip//drehen Zigaretten ziehen Expander schwingen den Besen und das Nudelholz//drücken Knöpfe Schalter Entertasten//tasten tasten tasten//spielen Liebe//dämpfen den Fall/beschatten die Augen//puhlen am Schorf//zeigen deuten fragen zögern bestätigen zweifeln drohen bitten beschwören schwören falsch und richtig//binden und arrangieren das Kopftuch//schreiben mit Stift Pinsel Feder//halten etwas in ihrem Inneren verborgen//Ringlein Ringlein, du mußt wandern//liebkosen Haut und Haar// finden die Töne//greifen zu und an//bilden die Faust//wischen die Nase//falten sich//halten den Schal vor den Mund//greifen zum Werkzeug//und zur Brieftasche zum Schlüssel zum Zahnstocher zum Taschentuch //binden Schnürsenkel//schleichen in fremde Taschen und unter fremde Kleider//bezahlen riskieren spekulieren kassieren//öffnen Knöpfe und Reißverschlüsse und Schnallen//streifen Kleider ab//PFHUUUUIIIT//wischen Hintern//zielen beim Pinkeln//halten Taschenspiegel Puderquasten Lippenstifte Kämme Haarbürsten Krawatten Akten Stöcke Schirme Krücken Karren//klatschen schnipsen schnalzen//werfen Schnipsel Schalen Flaschen Steine Granaten//öffnen Pistolenhalfter//Finger liegen am Abzug//Hände FLEHEN beten zucken estarren

 

mehr über das Dossier

22.12.2004 um 16:15 Uhr

Soulmusik (Dossier St.Georg zum Vorletzten)

von: hibou

Schlafe mein Kind//Wenn der Tschetschene kommt//Ein Bus Bundesgrenzschützer//Kim ("Scheißbullen")//Ein Lohgerbergesell// Russell Means und Uwe M.Schneede - reif für die Museumsinsel//Ulrich Tukur mit Quetschkommode//Kundrie - sie überbringt ihre Hiobsbotschaften mit einem Schanzenviertelfahrrad//Mediterrane Schnurrbärte Schnauzer Moustaches Menjoubärtchen //Die verhaltene Erotik von Soulmusik//"Bei Ruth geruht, bei Angela angelangt"//Eine hochschwangere Niederländerin//Ich küsse ihre Hand, Madame//Ein Schwarzer mit Gazelle zagt im Rezrawsch nie//Wo läßt Gott Haare wachsen?//Auf den Händen nicht//

21.12.2004 um 13:31 Uhr

Hasentypen (Dossier St. Georg)

von: hibou

//Annette Ohmschilling//Carla auf dem Weg in den Tod//Ein Hund kann seinen Herrn auf 137m Entfernung riechen//und ein Herr?//Ein Pärchen fast Kinder noch mit Rose//der Kellner hebt sie auf und riecht daran//Ein pausbäckiger Lütter in Pelzmütze und Lederjacke//Ist vier und geht wie ein Chef!//Ein Verfolgter mit fliehendem Kinn // Mähnen//Regenschirme wie Zugvögelscharen//Finnische Wollmützen//triefende Nasen//an den Schultern durchweichte Jacken//blaue Kapuzen orangerote Tücher hinten schwankt das Neugeborene//Karierte Westen//beschlagene Brillen//Tropfen im Schnurrbart//feuchte muffige Socken//Knoblauchgeruch//Klamme Mäntel//Schweißflecken im T-Shirt//schmutzige Unterwäsche//Brandstellen im Schal//Schwermut im Herz//Pläne im Eimer//abgetretene Schuhe//vorgefallene Bandscheiben//Mut, nur Mut!//El-Chidr, der ewig junge//Pierre Raphael Philippowitch//wir haben eine Nachricht für sie!//Ein feingliedriger Europäer (Hasentypus)// Domenica street working//Bianca Castafiore- oh, wie schön, sie zu sehn, so schön!//Ein Böhme mit lustigem Pepitahut//Ein Inder wie aus dem Bilderbuch//Ein rumänisches Paar - er mit Goldzahn// Ein Wolgadeutscher//Ein Scheineinheimischer//

19.12.2004 um 14:52 Uhr

Ein Schwein mit Flügeln (Dossier St. Georg)

von: hibou

See you later Alligator!//Bis irgendwann!//Schöntachnoch!//Mensch hier riechts nach Hasch!//Recht schönen Dank//Da nich für//Capito Signora?//Dorothea Pucknat erhobenen Hauptes endlich auf dem Weg zur Gesangsstunde//Rebbe-rebbe-rebbe-räh!//pôc pôc pôc!//Ein hagerer sensibler Mensch im Zopfmusterpulli//Autor des Buches: Wie werde ich mein eigner Chef?// Er hat gerade seinem Verlag gekündigt//Ein Deutscher wie Hans Albers//Ein Deutscher wie Friedrich Hebbel//Selda und Camer//Ein Hunkepuus//Ein Jack-in-Office//Eine flüchtige Änderungsschneiderin//Sammy Davis mit kaputter Hand und Kapuze//Haste mal ne Mark Kumpel//Ein Emigrant und ein Immigrant//Zwei freche Frauen in falschem Leoparden//Eine Sinti-Großfamilie//Ein Jäger//Er denkt an Singvögel//Eine ergebene Filippina//sie muß für ihren Mann, der vorher Gemüsehändler war, anschaffen//Zwei, die sichelförmig gebeugt gegen den Wind gehen//Eine frierende Hure//Ein spießiger Herr mit Knatterton-Mütze//Ein Mann mit Fischaugen//Ein Schülerliebespaar das Kaugummi kaut//Martina in Karottenhosen//Ein Rastafari//Zwei Kroaten// Der halbdunkle Durchgang zum Malersaal//Darin ein Pärchen im Stehen fickend//Sie hat ein Bein angewinkelt und schaut michig auf die Vitrinen mit den Schauspielerfotos//Reineke Fuchs, nach Goethe//Ein Typ langbeinig schmalhintrig kurzrückig hochgezogene Schultern wirre Locken// Ein Mantafahrer und sie in weißem Mohairpulli//Ein Freier auf der Suche//Ein Blick in den Abfallkorb // Eine mollige Mona mit müden Augen//Ein Augenblick und ein Atemzug// Ein Herzschlag//Ein Schwein mit Flügeln

18.12.2004 um 16:23 Uhr

Ein Unentwegter (Dossier St.Georg)

von: hibou

Ein langhaariger lederjackiger lederhosiger Mensch//Lieber 'n toter Rocker sein//als ein altes Exischwein//Ein Junge mit Navajo-Ohrring und dem beflissenen Blick der Ideale//Ein Eco-Rundschädel//Eine gebürtige Hamburgerin mitsamt Filzhut und Eichelhäherfeder// Ein Strichjunge Blickkontakte taxierend//Ein Radfahrer leicht angetrunken// Ein Pathane//Ein Zivilfahnder//Zwei englische Jugendliche mit der Tochter eines reichen Texaners//Ein Graubart mit Prinz-Heinrich-Mütze////Ein junges chinesisches Ehepaar//Drei Algerier//fundamentalistisch oder nicht?//Eine getigerte Frau mit rotem Mann und grünem Schirm//Ein pralles Kind mit Riesennase, genannt "Kleine Scheibe vom Mond"//Deutschland Bleiche Mutter//Und wo ist denn die Schwester Käsetraut?//Sie sitzt in der Küche und schneidt' das Kraut//Ein Mann aus dem Untergrund, zur Dämmerung emporgestiegen//Eine Musikstudentin mit unbezwinglichem aschblonden Kraushaar//Eine Meute Hooligans blau-weiß//Eine fröhliche Frau mit Hakennase scheckiger Hornbrille dunklem strähnigen Haar runden Schultern mächtigem Busen kräftigen Hüften starken Beinen rosa Söckchen und Lachfalten//Ein roter Radler//Ein Nachkomme von Chief Spotted Tail//Wie man den Wolf auch füttert - er schaut immer zum Wald!//Wir alle sind Wölfe des Waldes Ewigkeit//Eine Unentwegte und ein Entwegter//

17.12.2004 um 11:04 Uhr

Sekrete (Dossier St.Georg)

von: hibou

Ein Sekretär Sekrete absondernd//Ein Fant in orangem Jackett mit rilkeschem Schnurrbart//Eine Jungfrau//Die drei Könige//Sie suchen das neue Land SCHAMBALLA//Eine mausgesichtige strahlende Dame mit auseinanderstehenden Schneidezähnen//Ein Junge mit geschulterter Guitarre//Ein Mann an Krücken//den rechten Schuh leer schlenkernd//Mireille Delacroix den Notizblock in der Hand die Manteltaschen mit Proviant gefüllt//Selda Ayla Fatma beim Abzählen: inci minci kim birinci...//Roland Renner im Fieber//Die bolivialischen Musiker wie kleine alte Frauen////Uwe Brinkmann hat Pinsel gekauft// Cengis Cihan Nihad beim Murmelspiel//Eine Kindergärtnerin, sie reist zu einer Tagung nach Eckwälden//Henning Voscherau inkognito mit einer Kiste Sekt für die Revierwache// Warum nicht für die Busfahrer?//oder Kunsthallenaufsichten?// Boris' neue Babs in Straps//Ein Engel, der mich nicht rufen hört//Ein Mann, die Haare mit Gel straff am Kopf gehalten//ein kaum wahrnehmbares Zucken im linken Auge//Ein halbes Hähnchen in Zeitungspapier//

15.12.2004 um 15:36 Uhr

ein lindenblatt (Dossier St.Georg)

von: hibou

Eine iranische Mutter ihr Kopftuch leuchtet in der Dämmerung//Ihr kleiner Junge schaut getrost in die Welt//Ein Witwer//Eine Obdachlose und ihr Hund//Mein Mann hat mich geschlagen und gequält// Ich mußte aus der Wohnung das war der Absturz!// Finito// Oh// Jugendliche//Gewohnheitsmäßig größer als ihre Eltern//Eine langgelockte Rothaarige in Troyer schwarzer Hose schwarzen Stiefeln brauner Jacke Stirnband// und gleich darauf eine weitere die  Annie Lennox nacheifert und der Mann wie ein Vater//Ein Pressefotograf//Ein romantisches Paar//Bonnie and Clyde?//Puh!//Ein Lindenblatt vom Winde verweht//Ein Witwer//Eine gütige lederhäutige Rumänin//Zwei Alte eifernd//Ein evangelischer Intellektueller der achtlos in eine Pfütze Drachenblutz tritt//Wenn die Großen sich streiten müssen ja wir kleinen den Puckel hinhalten//Ein Mann der hoffnungsvoll einen Schlitten kaufte/Zwei portugiesische Paare paarweise Pizza essend//Nanas Cicisbeo in Frack und Zylinder//Er schlendert und will nicht wieder zu früh kommen//Will ich in mein Gärtlein gehen//will mein Blümlein gießen//Steht ein bucklicht Männlein da// fängt gleich an zu niesen!//Ein Etazist und ein Itazist heftig streitend//Amalie Vogt noch nicht erblüht// Hey, kuck mal da//wo?// da geht Annette mit ihrem neuen Freund!//Geht die Süße wirklich aus mit ihm?//Ich trau meinen Augen nicht, irgend etwas läuft da schief!//Ein Mann ganz Muskel//Das Gemächt ausdrucksvoller als das Gesicht//Ein Franzose mit hochgezogenen Augenbrauen//Ein schwarzes Kind das oh-oh-oh singt und einen mächtigen birnenförmigen Schädel hat unter der weißen Wollmütze//

13.12.2004 um 15:33 Uhr

Bette Davis (Dossier St.Georg)

von: hibou

Ausschau halten//Wenn die Knie sich zuzwinkern fliegen die Absätze an längst entschwundene Pferdeleiber//Der Stock ist ganz in Bedacht getränkt//Eine Nase wie ein Schneepflug// oder wie ein Gewürzprüfer//Wie ein Eisbrecher//Die Hände flattern wie Schmetterlinge ums Gesicht//Cora in neuen Kleidern und wie eine verblühte Rose//Ein Anhänger der Bimbam-Theorie//Eine Frau mit Sternenhimmelbeinen//Ein Mädchen mit polygonaler Wollmütze voller Silberglitter auf den Gräten// Ein junges untersetztes Paar fröhlich tanzend//Ein schöner Mann mit langem ebenholzfarbenem Haar//Ein Oger fast am Rande des Wahnsinns://Ich rieche rieche Menschenfleisch!//Fünf ältere Männer mit großen Ohren und großen Fingerringen//Ein Reisender mit grauen Lederkoffern//Eine Schwergeprüfte//Sie sagt: J'en ai plein le dos!//Didon dina dit'on/Du dos d'un dodu dindon//Ein junger Mann mit Stetson//Ein Skinhead hält Ausschau nach Frustkillern//Ein blonder UV-gebräunter Jüngling in weißen Hosen und dunklem Jackett//Zwei Theatergänger mit Schirmen//Ein Mädchen so dünn daß es unter der Dusche hin und herrennen muß um überhaupt naßzuwerden//Bette Davis she knows you!//

12.12.2004 um 14:49 Uhr

gehen (Dossier St.Georg)

von: hibou

//Wie die Menschen gehen!  das Kinn vorgestreckt//verwerfen die Unterschenkel //wippen in den Schultern //vergraben die Fäuste in den Taschen //mit Haaren wie Feuerflammen//nur zum Teil von der Mütze erstickt//nonchalant mit wippenden Brüsten//mit einer Tüte Chips balancieren//mit steifen Armen rudern//auf den Innenballen tänzeln//oder mit Blei im Rücken//Die Sicherheit des Aktenkoffersj/Die Hände auf den RÜCKEN IN DER TASCHE VON JUJU gelegt//Flanieren!//Hand in Hand//Dazwischen Zukunft//Im Schnellschritt gestikulieren und die weißen Zähne zeigen//Vorsorglich die Feuerwerkstüte IN DER HAND  VON JUJU halten//Rauch ausstoßen;/Den Borsalino keck in die Stirn ziehen// Spackend rückwärts gehen// tänzeln verharren zusammenklucken//Aber die TASCHE VON JUJU sollte doch die Schulter eher hinunter als hochziehen?//In Reihen von dannen// Einen Bauch tragen wie ein Vermächtnis//Hinken  VON JUJU Fuß bis Stirn// Schau wie schön sind meine Beine!//Je höher du steigst//Desto mehr Arsch zeigst du//Asymmetrisch wie Astrid über den Platz//uralt grad wie ein JUJUman//Gehen wie in tiefem Sand//Von den Hüften an aufwärts mit verstärktem Stampfen wie ein Kolben//Working for the Yankee-Dollar//Sein Kreuz tragen//Heute mal nicht putzen!//Am Taxistand lungern wie Viehirten//die reglose weiße Herde bewachen//

11.12.2004 um 17:00 Uhr

der Orinoco (Dossier St.Georg)

von: hibou

Ein Mädchen mit Radlerhosen über braun-schwarz gestreiften Leggins//Ein Hut-einStock- ein Re-gen-schirm//und vorwärts rückwärts seitwärts Schluß//oder//Stock am Bein Klavier vorm Bauch wie lang ist die Chaussee?/links ne Pappel rechts ne Pappel in der Mitt' ein Pferdeappel//oder//Un kilometre à pied ça use ça use un kilometre à pied ça use les souliers//Missionar Jack gelbvon Malaria// Amanda das Riesenweib//WIEM? YASSER?//Jutta Öztürk, die völlig unerwartet am 13.1.92 von uns gegangen ist// Eine alte fremde Frau in abgeschabtem Persianer und türkisem Wolltuch//Sie bindet sich gerade ein blaues Troddeltuch um den Kopf//Ein Drachenreiter und eine einarmigeSphinxreiterin auf den Zinnen des Schauspielhauses//Zwei autonome Nikoläuse in Alltagskleidung//Ein Eiliger und ein Scheinheiliger//Ein Beamter der Ausländerpolizei mit einem Aktenordner voller detaillierter Pläne für einen Staudamm unterm Arm//Aber der ORINOCO fließt! ! //

09.12.2004 um 17:27 Uhr

Frankie and Jonny (Dossier St.Georg IV)

von: hibou

Ein kleiner feiner schnurrbärtiger Herr gedankenverlorenen Blicks//Ein Paar grün und schwarz//Verena Weiß im Pantherfell// Eine Sekretärin mit helmartiger Frisur und rotem Schal und Zigarette im Mund// FRANKIE AND JONNY IN THE CLAIR DE LUNE//Ein Mann um die 30 in Jeansjacke verblichener roter Trainerhose Turnschuhen//Der Kellner mit der Speisekarte/2 Mädchen eingehängt//Ein Hornochse//Muhammet Midilli pfeift kommst du heute?//Ufuk mit der Mundharmonika//Horst der Konditor die Pranke an die Hüfte gelegt der Gattin listige Worte ins Ohr flüsternd//Eine mollige Frau in roten Woll-Leggins blauem Pulli Hornbrille und Bubikopf//Ein Laster fährt um die Ecke//auf der Plane steht: Ferdinand Gregorovius Internationale Spedition//Ein oder zwei Großserben//Gabriella Melone//leicht gebeugt//Ah que me semble longue la journée quand je ne vois pas Dulcinée!//Ein Junge mit wattierte grüner Weste auf dem Rücken ein Medaillon mit der Inschrift Naf Naf à travers l'univers//Ein grauer gebrochener Mensch mit einer Flasche Eau de Vie//Eine Frau mit Wespentaille den Schal bis unter den Gürtel//

08.12.2004 um 11:57 Uhr

Dossier St.Georg III

von: hibou

Ein Typ mit Schädeldach-Frisur Ohrring kaugummiweißem Hemd mit rostroten Tupfen rostroten Hosen gepflegt brutal//3 Ossis//Eine nackte Frau mit Muttermal am Knöchel//Ein alter Herr in Hut und Mantel//Blendende Sonne über dem Bellmann-Haus//Jonny? Yes,Sir!//Eine als Mönche verkleidete Pfadfindergruppe unterwegs zur Burg Ludwigsstein//Ein graubärtiger Getränkelieferant//Schatten die ihre Träger überholen auf der Glasfront//Michail Sergeijewitsch Gorbatschow hält flimmernd seine Abschiedsrede //Eine japanische Mutter mit zwei Kindern//Ein schwarzhaariger Typ mit einem Buch von Stanislav Lem in der Hand //Eine sehr alte Dame mit ausdrucksstarken Augen schlohweißem Haar und einigen amüsierten

Falten um die Mundwinkel//Sie erzählt: da war ein Gehilfe, der aß die Klüten in der Buttermilchsuppe nicht. Als dann der Krieg kam, mußte Jonny weg. Ich sag: kannst du mich von dem jungen Mann befreien? Opa meint: nö, sei froh, daß du Hilfe hast! Der Junge sagt: die guten Leute werden eingezogen, der Nusch bleibt hier. Damit meinte er sich. Er war ein Hochdeutscher. Nachdem der Praktikant nun auch noch weg war, war ich allein mit Willy Jpsch, dem Lehrling. Ein Dröhnbüdel. Ich sag: wenn der auch noch an die Front kommt, verlieren wir den Krieg. Und genauso ist es gekommen!//

06.12.2004 um 18:56 Uhr

Dossier St.Georg II

von: hibou

Ein Liebespaar//YUPPIES//Ein Reisender in hellem Trench mit orthopädischer Halskrause//Michael Bogdanov im Taxi auf dem Weg zum Flughafen//Frau-Tausend-Zöpfchen-und-ein-Glas-Tee//Ein unrasierter Bienenzüchter//Ein junger Mann mit kurzem Kraushaar markant hüpfendem Adamsapfel und rosa Handflächen mit denen er sich sorgfältig übers Gesicht streicht//Ein gutgekleideter Mann mit akkurat geschnittenem Vollbart und Hornbrille mit konkavenGläsern//also ein Italiener ausTurin oder Bologna//Ein Glatzkopf über rotem Rucksack getragen//Zwei oder drei Tagediebe//Frau Kaasmann der anläßlich eines Autounfalls Jesus personifiziert und nicht kosmologisch erschienen ist auf dem Weg ins Hebräisch-Seminar//Ein Mannschaftswagen voller gerüsteter Bullen//Drei schlecht frisierte in gebeugter Haltung gehende Männer in Jeansjacken und mit Plastiktüten in den Händen//Zwei Straßenarbeiter in Latzhosen und blauweißen Mützen mit Pick-Up und Kompressor auf dem Nazis raus! gesprüht steht//Mehrere Schulklassen in bunt pink ocker lila blaßgrün//Lehrerinnen/Wie Rosen blüht Frau Muckelmann//Ein Mädchen in schwarzem Tschador und schwarzem Mantel redet//

05.12.2004 um 10:59 Uhr

Dossier St.Georg

von: hibou

Zwei Tunesier groß mit olivgrüner Haut kugelförmigen Bäuchen und Köpfen und Nasen und jenem abwesenden und doch wachen Blick//Eine lebhafte mollige Frau ganz in schwarz

nur die Haut weiß und die Ohrringe silbern und die zausigen Haare im Pferdeschwanz rotbraun//Eine abgelebte Frau mit Löwenmähne in rotem Mantel//Eine Blondine mit kurzen Fingern und Stupsnase//Ein langer gelockter Mann in Fliegerjacke aber Kellnerhose ihr gegenüber//Ein junger Mann mit Turnschuhen Schirm und Brille//Ein Biertrinker mit braunem Aktenkoffer in der rechten Hand//Eine kurzhaarige rostrote heterosexuelle Frau in Lederhosen// die an Liza Minelli erinnert//Ein durchschnittliches Paar in blauen Anoraks //  lachen und unterhalten sich//Zwei Jungens in schwarzen Baseballmützen und -jacken und roten Trainingshosen//Eine schlanke langhaarige junge Frau //die zwischen Leggins und dunkelbraunen Stiefel zwei Ringe nackter WADE sehen läßt//

04.12.2004 um 12:56 Uhr

Das war's mit Poacher und seiner Liebsten...

von: hibou

...weiter sind die Stories noch nicht gediehen.

 

Inzwischen aber: Dossier St.Georg! (Exposé siehe hier im Nachtexpress). Bis gleich also!

hibou