und hier endet das Logbuch: mit einer kurzen erwaehnung der beiden patenonkel hans und franz
km 2499
ich frag sie nach ihrem make-up. mal mehr die augen, mal mehr die lippen, sagt sie. meist mehr die lippen. alberta weiht mich dann nach und nach in ihre pläne ein. für widerstand war ich schon immer, sagt sie. doch jetzt sind langsam andere mittel gefragt! das neue konzept der USA über mini-atomwaffen, du weißt? das system bush verhält sich als schurkenstaat, ich mein, genau was sie denen vorwerfen tun sie selbst. mein großvater meldet sich aus dem jenseits, aus far-rock-away-beach, im schwarzen einteiligen badeanzug mit schmalen trägern über die schultern, ein auswanderer, ein ehemann von wallis simpson in spe. von appenzell nach NY. die utopie amerika. sie hielt in etwa bis 1945, für mich jedenfalls. er hat noch diesen resignierten zug im gesicht, ganz im gegensatz zu alberta, die entschlossenheit im mundwinkel zeigt. wie gerne wäre ich da geblieben! stattdessen mit der lusitania mitten im u-bootkrieg nach europa zurück. der vietnamkrieg hat mein wunschbild dann endgültig zertrümmert. mein großvater ernst verschwindet wieder. und meine amerikaner, sage ich. ich entdeckte sie in der besatzungszone, großgewachsen, kaugummikauend, vielfarbig, "lässig" war das wort, damals, als noch nicht alles cool war. wie sie aus den jeeps sprangen! später die besuche in den patton-barracks, marshmallows vom px und unglaublich große und wohlschmeckende steaks. beide patenonkel von mir waren juden.....der eine hieß hans der andere frank. frank löw floh vor den nazis nach osten durch russland, sibirien, von wladiwostok aus nach san francisco, und kam als major frank lion wieder nach deutschland zurück. ich besuchte ihn in friedberg, wo er stationiert war. er wurde mit der umerziehung befasst. einmal um die erde und dann die übriggebliebenen neu erziehen. er fuhr einen silbernen studebaker. wir sitzen noch immer im auto, die nacht vergeht. früher, sagt alberta, zog ich mich schwarz an, meist weil ich mich schlecht fühlte. heute zieh ich mich ganz normal an. sie ist ganz in schwarz. mein anderer patenonkel hans floh in die schweiz. nach dem krieg fand er nur noch seinen hund. die ganze familie war vergast worden. honzo, nannten wir ihn. er war musiker. seine wohnungseinrichtung bestand außer in büchern aus einem flügel, um den ein halber meter platz bis zu den wänden blieb. wenn er erzählte, ging er fahrig um ich herum. draußen ist‘s eisig, die fensterscheiben frieren zu. alberta kratzt sie mit einer der kassetten frei, ich glaube es ist die mit luca bloom drauf. die rückseite r.e.m. „ you shugar sweet, you cinnamon“. nicht ist besser zum enteisen als eine audiokassette, sagt sie. zurück zu den amerikanern. ich würde keine hochhäuser mehr in die luft pusten, obwohl, merke: der symbolische wert war unübertrefflich. aber kämpfen müssen wir.
