Das Erwachen des Schmetterlings

31.10.2010 um 02:12 Uhr

Ein Wimpernschlag

von: das_kleine_tier   Kategorie: Gedanken

Jetzt ist es auch egal. Am Dienstag bin ich hier raus und bisher hatte mich das gegruselt, aber jetzt wo Karlchen nicht mehr hier ist...Wie sehr hatte ich mich gefürchtet vor diesem Tag. Wochen im Vorraus schon und viel zu schnell war er da.
„12 Wochen – ein ganzes Leben.“ Das sind die Worte unserer Oberärztin/Therapeutin. So siehts aus. Hier wird ein Leben auf 12 Wochen komprimiert. "Ein Wimpernschlag." Seine Worte. Das ein Mensch nach dieser kurzen Zeit solche Spuren zu hinterlassen vermag...


Du warst der Erste, den ich hier gesehen hab. Und so schnell warst du derjenige mit dem mich am meisten verband. Es war so einfach mit dir zusammen zu sein. Und so kompliziert. Wie oft musste ich mit meinem inneren Giftzwerg verhandeln, um dir zu vertrauen. Und ich würde es immer wieder so machen. Genau so.

Dass du mich gefragt hast, ob ich mit zum Auto komme... Das hat mir so viel bedeutet. Wie du mich verabschiedet hast und all deine lieben Worte...

„Es ist nicht in Ordnung, ok. Aber mehr ist es doch nicht, oder?“

Ich hätte dir auf diese Frage so viele Antworten geben können. „Doch, ich will hier nicht ohne dich sein! Ich will jeden Tag schon vorher wissen, wann du um die Ecke biegst, weil deine Schuhe durchs ganze Haus quietschen! Ich will hinter dir laufen, einfach um an dir Schnuppern zu können! Ich will dir gegenübersitzen und dein schiefes Grinsen sehen! Und vor allem, ganz unbedingt, will ich jeden Abend mit dir Stundenlang in der Kälte sitzen, rauchen und über alles und nichts und die Welt reden können!“


Nachdem du weg warst habe ich den ganzen Tag nur noch geheult. Am nächsten Tag nur noch hin und wieder. Heute hat mich die Lethargie eingeholt. Die Leere hat mich wieder.


„Ihr Gehirn funktioniert super!“ Das zumindest meint mein Therapeut. Schön. Ich mag ihn. Wirklich! Aber dieses eine Mal muss ich ihm widersprechen. Mag sein, dass, würde sich mein üblicher Abwehrmechanismus hier nicht einklinken, einige Schmerzen mich erwarten würden. Aber dieser Schmerz ist geboren aus Zuneigung und ich bin mir sicher, dass ich damit umgehen könnte. Ich würde das sogar sehr gern. Aber mein Hirn ist da wohl anderer Meinung...


Drei Tage, dann bin ich wieder zuhaus. Trotz all der Angst, welche mein künftiges Leben bereithält, ich freue mich, dann wieder in deiner Nähe zu sein. Ich hoffe, du hast bald Zeit für mich. Und wenn nicht, dann sehen wir uns spätestens auf dem Olymp! ;)

07.10.2010 um 19:03 Uhr

Mal wieder

von: das_kleine_tier   Kategorie: Erlebtes

Und da bist du wieder, fällst in mein Leben, einfach so, unerwartet und wieder trifft es mich völlig unvorbereitet.

Und ich weiß, dass ich nur darauf gewartet habe, auf diesen Moment, so flüchtig, viel zu schnell vorbei und doch werde ich wieder warten, bis der nächste Augenblick kommt.

Bei all der Leere in mir... Was du auslöst... Ich warte. Weiter. Immer.

06.10.2010 um 20:03 Uhr

Ein Schrittchen weiter

von: das_kleine_tier   Kategorie: Gedanken

"Weißt du, was mir aufgefallen ist? Du lachst mehr. Seit etwa einer Woche. Man hört dich jetzt auch, wenn man dich nicht sieht."

So etwas Schönes sagte man mir lange nicht. Und es bestätigt mein Empfinden. Warum das so ist? Keine Ahnung. Aber es ist gut. Und es hat nur acht Wochen gedauert... 

01.10.2010 um 22:13 Uhr

Wer hätte das gedacht... ;)

von: das_kleine_tier   Kategorie: Pics

 Sowas gibt´s wohl nur in der Psychiatrie... ^^

13.09.2010 um 16:36 Uhr

Mein Leben mit der Schuld...

von: das_kleine_tier   Kategorie: Erlebtes

...die ich trage und die doch gar nicht die Meine ist.

Als ich 6 Jahre alt war, hat mich ein Nachbar erstmals sexuell Missbraucht. Das ging über eine Zeit lang und ich als Kind, das ich war, konnte es nicht einordnen, fand es wohl auch „normal“.

Natürlich hat er mir eingeprägt, dass ich mit niemandem darüber reden darf. Und das tat ich auch nicht.

Als ich 9 Jahre alt war traf ich diesen Nachbarn, nach gefühlten 100 Umzügen, wieder. Und wieder hat er es versucht. Mit meinen inzwischen weit gereiftem Verstand (ein wahrscheinlich zwangsläufiger Umstand, nach dem Leben, dass ich bis dahin bereits hinter mir hatte), erkannte ich dieses Mal, dass das nicht in Ordnung ist und vor allem, dass ich das einfach nicht will.

Also habe ich das gemacht, was jedes Kind tun sollte: Ich bin abgehauen und habe es meiner ach so liebenden Mutter erzählt. Welche daraufhin auch mit dem Abschaum gesprochen hat.

Sie hat mir nicht geglaubt.

Als ich 12 Jahre alt war stand sie vor mir und teilte mir mit, sie werde sich nun mit dem Abschaum (nein, sie hat ihn natürlich nicht so genannt) treffen. Sie wüsste ja was er gemacht hat (dies war mir in Anbetracht der Tatsache, dass Spaß haben.


Jetzt, 13 Jahre später, spreche und schreibe ich erstmals darüber. Ich lebe noch immer mit der Schuld, dass ich es geschehen lassen habe.

Ich lebe in dem glauben, dass ich es wohl gewollt haben muss, denn ich bin beim ersten Mal nicht weggelaufen noch habe ich gesprochen. Ich habe es geschehen lassen.


Mein erwachsener Verstand sagt mir, dass ein Kind von 6 Jahren, nicht Schuld sein kann und sich solche Storys auch nicht einfach ausdenkt. Leider kommt das nicht in meinem Gefühl und bei meinem inneren Kind, welchem nicht einmal die Mutter glaubte, an.

Und so lebe ich weiter mit der Schuld. Bis ich mir verzeihen kann.