Mein Leben mit der Schuld...
...die ich trage und die doch gar nicht die Meine ist.
Als ich 6 Jahre alt war, hat mich ein Nachbar erstmals sexuell Missbraucht. Das ging über eine Zeit lang und ich als Kind, das ich war, konnte es nicht einordnen, fand es wohl auch „normal“.
Natürlich hat er mir eingeprägt, dass ich mit niemandem darüber reden darf. Und das tat ich auch nicht.
Als ich 9 Jahre alt war traf ich diesen Nachbarn, nach gefühlten 100 Umzügen, wieder. Und wieder hat er es versucht. Mit meinen inzwischen weit gereiftem Verstand (ein wahrscheinlich zwangsläufiger Umstand, nach dem Leben, dass ich bis dahin bereits hinter mir hatte), erkannte ich dieses Mal, dass das nicht in Ordnung ist und vor allem, dass ich das einfach nicht will.
Also habe ich das gemacht, was jedes Kind tun sollte: Ich bin abgehauen und habe es meiner ach so liebenden Mutter erzählt. Welche daraufhin auch mit dem Abschaum gesprochen hat.
Sie hat mir nicht geglaubt.
Als ich 12 Jahre alt war stand sie vor mir und teilte mir mit, sie werde sich nun mit dem Abschaum (nein, sie hat ihn natürlich nicht so genannt) treffen. Sie wüsste ja was er gemacht hat (dies war mir in Anbetracht der Tatsache, dass Spaß haben.
Jetzt, 13 Jahre später, spreche und schreibe ich erstmals darüber. Ich lebe noch immer mit der Schuld, dass ich es geschehen lassen habe.
Ich lebe in dem glauben, dass ich es wohl gewollt haben muss, denn ich bin beim ersten Mal nicht weggelaufen noch habe ich gesprochen. Ich habe es geschehen lassen.
Mein erwachsener Verstand sagt mir, dass ein Kind von 6 Jahren, nicht Schuld sein kann und sich solche Storys auch nicht einfach ausdenkt. Leider kommt das nicht in meinem Gefühl und bei meinem inneren Kind, welchem nicht einmal die Mutter glaubte, an.
Und so lebe ich weiter mit der Schuld. Bis ich mir verzeihen kann.


