Revue de Presse: GQ Style Herbst/Winter 08/09
Stimmung: weiß net
Musik: keine
So, ich klaue mir jetzt mal von Marion die Kategorie "Revue de Presse" und bespreche hierin die aktuelle "GQ Style", mein favorisiertes MMM (MännerModeMagazin).
Zu beginn erwartet mich der überaus großzügige Anzeigenteil der derzeit bekanntesten Marken...die Amerikaner (Hilfiger, Lauren, DKNY), die Italiener (Gucci, Prada, Dolce&Gabbana), die Engländer (Burberry), die deutschen (Hugo Boss, Jil Sander, Joop!) und natürlich die Franzosen (Dior) und viele andere...für den Modeinteressieten ist dieser Teil fast wichtiger als die eigentliche Berichterstattung, zeigen die großzügigen Anzeigen sowohl die Looks und Keypieces der aktuellen Kollektionen als auch das Image, die Atmosphäre die das jeweilige Label zu erzeugen versucht...
Die Botschaft ist eigentlich kurz und bündig: für den, der es sich leisten kann ist Luxus der absolute Trend. Krokotaschen (ca. 29000 €), handgenähte Anzüge, Pelzmäntel, Edel-Uhren und hochwertigste Schuhe, Straußenlederhandschuhe bei Burberry für Schlappe 450 € das Paar, nichtzuvergessen die Renaissance des Kaschmir sowohl im klassischen und eleganten Segment als auch in der Luxus-Sportswear (Kaschmir-Jogginghose von Cuccinelli für 1100 €)...wer das nötige Kleingeld hat darf diesen Winter wieder dezent die Größe seiner Portokasse zeigen, den selbstverständlich wird all das Gentlemanlike mit dem nötigen Understatement getragen.
Neue Proportionen sind eines der großen Themen die sich schon im Sommer anbahnten und sich im Winter noch verstärken. Die Ära der superschmalen Schnitte und messerscharfen Shilouetten á la Hedi Slimane ist vorbei, der New Yorker Thom Browne ist vorreiter der neuen Mode die mit den Proportionen spielt, mit Sakkos die zu klein und Hosen die zu kurz wirken. Ausserdem rollt die breite Schulter aus den achtzigern wieder an, vor allem von Margiela verfochten. Statt schmaler Mäntel dürfen wir wieder voluminöse Hüllen tragen, Step und Strick sei Dank.
Der aktuelle Einfluß der Architektur auf die Mode wird erläutert, das Spiel mit Proportionen und Shilouetten, Oberflächeneffekten, Flächenaufteilung und Farbgestaltung...unterstrichen wird der Text mit Modellen von CK Collection, Dior, Sander und vor allem Prada. Der italienische Moderiese ist DER Trendsetter wenn es darum geht Kunst und Mode zu verbinden und beschert uns auch dieses Jahr wieder eine der erstaunlichsten und interessantesten Kollektion mit verblüffenden Materialien, Schnitten und perfekt abgestimmten Accesoires.
Werbung, Werbung und dann: Farbe! Nicht das der Winter uns farblich gesehen ins Neon-Wunderland vergangener Jahre und Jahrzehnte zurückversetzt, nein, Farbe wird als einzelnes Element eingesetzt um ein einfarbiges (dunkles) Outfit zu ergänzen und zu koplementieren. Und da wir schon mit der Farbe an sich Sparsam sein sollen dürfen die Nuancen in einer verschwenderisch breiten Palette benutzt werden...Sieger Couture bietet Seidenkrawatten in 36 Farbtönen an. Herausragend unter den Farben ist diesen Winter allerdings Violett. Und das nicht nur als Hightop Sneaker bei Demeulemeester oder als Blouson bei Joop! sondern auch als dezentes Überkaro auf klassischen Wollstoffen, zu sehen bei Pal Zileri und Ralph Lauren.
Weiter gehts mit Holzfällerkaro, Hirtenlook bei D&G mit Lammfellmänteln und Grobstrickpullovern und dem etwas dezenteren Glencheck bzw. Prince-of-Wales-Check...rebellisch alla Grunge, Natürlich-Derb oder Hoheitsvoll Elegant und Gepflegt - Karo passt immer ist die Botschaft. Mann muss nur das richtige wählen.
Es folgen diverse Trendaccesoires, Schnürstiefel, Hüte, Schmuck und Daunenwesten, ein Artikel über das wiederentdeckte Schweizer Luxushaus Bally, weiter Anzeigen und nochmal Stiefel, diesmal sportlicher im Wanderlook...es scheint das Eleganz in gewisser Weise neu erfunden wird und weniger eine Frage dessen ist was man trägt als der Attitüde mit der man etwas trägt. Trotz aller modischer Interpretationen der klassischen Herrenmode weicht die Sportswear nicht etwa zurück ins Fitnessstudio, sondern verändert Ihr Wesen von der reinen Freizeitkleidung zur sportlichen Alltagskleidung aus hochwertigeren Materialien in bester Verarbeitung. Letzlich bleibt die Jogginghose eine Jogginghose, auch wenn sie aus Kaschmir ist. Der Unterschied besteht darin das man selbige Tragen kann und darin gepflegt und durchaus passend gekleidet sein kann...
...hui, ist das lang geworden... ich geh jetzt ins Bett. Fortsetzung folgt. Wir sind noch lang nicht fertig. *GG*
cu
Adam
