indalo

23.10.2017 um 23:35 Uhr

Du liebst mich wahrhaftig

von: indalo

Das zu fühlen ist sensationell. Sensational. Und es sind die kleinen Dinge, es sind die Berührungen und manchmal auch die Selbstverständlichkeit mit der du mir begegnest. Es geht um alles, und dabei so wenig um uns. Denn du hast mir bis heute kein einziges Mal gesagt, dass du mich liebst, geschweige denn, dass du mich magst. Und weißt du was? Das brauchst du auch nicht. Weder jetzt, noch irgendwann. Auch ohne je mit dir über die Vielfalt von Liebe geredet zu haben, kenne ich deine Sicht. Du liebst mich, ganz unabhängig von anderen Menschen. Du liebst mich, egal wer ich bin. Und das gerade auf so deutliche Art bestätigt zu bekommen, lässt mich so viele Dinge Revue passieren. War ich wirklich so blind? So taub? So unaufmerksam? 

Es war nie wirklich wichtig, was du für mich empfindest. Für mich war immer nur wichtig, was ich für dich empfinde. Und auch wenn manche Dinge, die du getan hast, mir hätten bestätigen sollen, wer ich für dich bin, so habe ich sie immer dem Zufall zugeschrieben. Oder deiner Art. Ich habe sämtliche Komplimente deinerseits in den Wind geschossen - auch wenn ich mich an einzelne erinnern kann. Ich habe sie nie auf mich bezogen, ich habe sie immer nur im Zusammenhang mit dir betrachtet. Was war ich doch ignorant. Und womöglich unsicher. Denn wer bin ich schon, dass du dich zu mir hingezogen fühlen könntest? Aber ja, warte, wer bin ich denn, dass du es nicht tätest? 

Auch wenn das hier irgendwann schief läuft - und ich fürchte so gar nicht, dass es das tut! - so habe ich dieses Mal zumindest die Bestätigung, nicht allein so irre gewesen zu sein, daran zu glauben. Zu glauben, dass es funktioniert. Ein Risiko einzugehen, von dem alle Beteiligten hoffen, dass es gut geht. Denn sonst würde keiner von uns dieses Risiko wagen. Und es ist ein Risiko, insbesondere weil du mich liebst. 

Taten sind wichtiger als Worte, wobei ich weiterhin dabei bleibe, dass Worte Taten sein können. Aber keine Liebeserklärung in Worten, egal wie lang sie auch wäre, könnte mir dieses Gefühl vermitteln, diese Sicherheit geben. Denn ich bin mir sicher, dass du mich liebst, und dass du dich vor diesem Gefühl nicht fürchtest. Und insbesondere für diese Furchtlosigkeit bin ich dankbar. 

Unsere Bindung ist so besonders, so stark, weil es nie um uns geht. Nichts, was ich tat, tat ich für uns. Und ich möchte meinen, dass das gleiche auf dich zutrifft. Es geht um den anderen. Alles, was ich tat, tat ich aus freien Stücken. Einfach, weil ich wollte. Für mich, oder für dich. Aber nicht für uns. Und all die Komplimente, all die immateriellen Geschenke, all das war für mich. Und zwar für mich allein. 

Das ist Liebe. 

22.10.2017 um 01:16 Uhr

Seit wir darüber reden

von: indalo

leuchten deine Augen. Noch mehr als ohnehin schon.

15.10.2017 um 21:42 Uhr

I am done

von: indalo

…I think.

Oder ich sollte es sein. Denn warum kämpfe ich so sehr darum, manche Menschen nicht aus meinem Leben zu verlieren? Insbesondere wenn ich ihnen diesen Kampf nicht Wert bin? 

Darauf habe ich eine Antwort, keine Sorge, aber ich sollte nun aufgeben. Und heute hockte ich am See, bewunderte das Glitzern der Sonne und dachte immer wieder „I am done.“ Ich muss akzeptieren, wenn Dinge sich ändern. Ich muss lernen, damit zu leben. Dinge hinnehmen. Das kann ich doch, bei so vielem. Nur bei Freundschaft hört es auf. Ich verstehe nicht, wie manche Freundschaften enden können. Oder ich will es nicht verstehen. Denn ich bin gewiss nicht mehr mit allen Menschen in Kontakt mit denen ich einst befreundet war. Doch bei dem ein oder anderen war es ein Ausschleichen, ein Prozess. Jetzt wurde mir bereits mehr als einmal von heute auf morgen nur die kalte Schulter gezeigt. Dann muss es an mir liegen, nicht wahr?

Vielleicht tut es das. Vielleicht liegt es an mir. Aber ich schrieb es Anfang der Woche: Ich werde erwachsen. Denn vielleicht liegt es an mir, doch ich gebe den kindlichen Traum auf, dass alles möglich ist. Es ist nicht alles möglich, nicht für mich. Ich kann niemanden von der Tiefe unserer Bindung überzeugen, der sie nicht wahrhaben möchte. „…vielleicht haben wir uns einfach auseinander gelebt.“ hieß es. Ganz gewiss nicht. Denn auseinander leben tut man sich über einen Zeitraum, nicht von heute auf morgen. Du machst es an einem Gespräch fest, du weißt noch, wo ich war. Es ist ein konkretes Gespräch, doch du willst mir nicht verraten, worum es ging. Das war das Ende. Und zu meinem Leidwesen erinnere ich mich so gar nicht an den Inhalt des Gesprächs. Außer womöglich an eine Sache. Und wenn das für unser Ende verantwortlich ist, dann fühl ich mich alles andere als schuldig. Dann hast du uns aufgegeben. 

Doch nichts davon ahnte ich, als ich heute am See hockte. Dort schickte ich lediglich die Nachricht, die zu diesen neuen Informationen führte. Am See dachte ich darüber nach, was Prioritäten sind und wer welche hat. Heute war ein wunderschöner Tag und ich hab diverse Menschen kontaktiert auf der Suche nach Gesellschaft für einen Spaziergang. Von der einen Person erfahr ich daraufhin, dass sie seit ein paar Wochen im Krankenhaus ist - seit Wochen! Und von jemand anderem heißt es „Wir haben heute schon was vor, sorry.“, woraufhin ich nur denke „Warum bin ich denn nie das, was sie vorhaben?“ Und ich bin es Leid, mich das zu fragen. Ich bin es Leid, Menschen hinterher zu laufen. 

11.10.2017 um 17:09 Uhr

Die Botschaft ist angekommen.

von: indalo

*seufz* 

So richtig weiß ich gerade nicht, wie ich das Chaos in mir bändigen soll. Ganz neues Chaos, so ungewohnt. Denn neben all den anderen Baustellen hat sich nun eine Neue aufgetan. Nicht gänzlich unerwartet, aber trotzdem hat sie mich aus den Socken gehauen. So sehr, dass ich das Gelände verließ und die Hände über dem Kopf zusammen schlug. So stand ich auf der Straße und fragte mich, wohin mit mir. Ja, wohin mit mir? Ich stand eine ganze Weile da, lauschte meinen Gedanken, meinen Gefühlen und meinen Reaktionen. Was jetzt? 

Ich habe Mist gebaut. Und ich habe eine Lektion fürs Leben gelernt. Ganz eindeutig. Wie die aussieht, wird sich noch herausstellen - denn so richtig akzeptieren möchte ich sie noch nicht. Denn wenn ich meinem Chef nicht vertrauen kann, wie geh ich damit um?

Eine Kollegin beschwerte sich bei mir, ich musste das an den Chef weiterleiten, damit das Problem geklärt wird. Dann ging es um Namen, hin und her, ich schickte den Chef zum Nachfragen - und genau das war mein Fehler. Das, und das ich ihm vertraute. Ich sagte wörtlich, dass ich möchte, dass die Kollegin da rausgehalten wird. Und was macht der Vollidiot? Zieht los und berichtet, dass besagte Kollegin sich beschwert hat. Und schon bekam die Kollegin eine Email. Ja, es ist Kindergarten, das weiß ich wohl. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass es so ist. Und dass ich einen Fehler gemacht habe. 

Als das alles ans Licht kam, ging ich zurück zum Chef und sprach an, dass er doch den Namen der Kollegin für sich behalten sollte und warum er das nicht getan hatte - und ich geb' Brief und Siegel darauf, dass es vollkommen unnötig war. Also diskutierten wir und ich blieb zwar äußerlich ruhig, aber meine innere Welt brach gerade in sich zusammen. Er verstand es nicht, und ich fragte „Du verstehst das wirklich nicht, oder?“ - „Nee.“ - „Und ich weiß nicht, wie ich dir das noch verständlicher erklären soll.“ - „Das ist Kindergarten.“ - „Du willst es auch nicht verstehen, nicht wahr?“ - „Nee.“ Und damit war der Kampf verloren. Ich kann niemandem etwas erklären, was er nicht verstehen will. Und auch nie verstehen wird (so wie ich neuerdings so vieles verstehe, was ich nie verstehen wollte), denn er wird es nicht mehr am eigenen Leib erleben können.

Wir liefen uns einige Zeit später im Flur über den Weg, und ich glaube, er merkte, dass das Thema für mich noch nicht erledigt ist. Womöglich hat er auch von der Zwischenetage noch einen Kommentar dazu bekommen, aber nach einem langen Gespräch mit einer anderen Kollegin, ist die Situation für mich geklärt. Und sollte er - ja, ich bin so naiv - morgen anbieten darüber zu reden, werde ich dankend ablehnen und ihm sagen „Die Botschaft ist angekommen.“ Aber nein, ich gehe nicht davon aus, dass er darauf noch einmal zurück kommt. Muss er auch nicht, nur ich muss meine Konsequenzen daraus ziehen. 

09.10.2017 um 19:49 Uhr

Hilfe, ich werde erwachsen

von: indalo

Im vergangenen Jahr habe ich so viel gelernt. Gar nicht mal über mich, übers Leben, über andere. So vieles, was ich nie lernen wollte. So vieles, was ich nie verstanden habe und auch jetzt sagen kann, dass ich es nicht verstehen wollte. Doch ich verstehe es jetzt, ich bin erwachsen geworden. 

Als ich überlegte, welchen Beruf ich ergreifen möchte, gab es immer die Überlegung, ob ich hinter meinen Kollegen stehen könnte, wenn es notwendig wäre, auch wenn ich ihre Handlungen nicht gut heiße. Ich überlegte auch, wie ich im Team mit ihnen arbeiten könnte, wenn sie entgegen meiner Überzeugungen handeln. In den ganzen letzten Jahren habe ich meinen Weg verfolgt, meine Entscheidungen beobachtet und kann schon eine ganze Weile sagen, dass es möglich ist. Für mich. Ich habe mich in dem Wirrwarr zurecht gefunden, schon lange, und es gibt auch keine Abstriche. Ich stehe voll und ganz hinter dem, was ich beruflich tue. Ohne wenn und aber. 

Privat sieht das momentan etwas anders aus. Es passieren Dinge, die ich nicht gut heiße, aber dulde. Im Laufe meines Lebens habe ich einige Entscheidungen getroffen, die gesellschaftlich betrachtet moralisch verwerflich sind. Ich habe sie bewusst getroffen und bis heute nicht bereut. Ich stehe hinter diesen Entscheidungen und die Chancen stehen gut, dass sich das nie ändern wird. Doch im Moment finde ich mich in Situationen wieder, die meine ganz persönliche Moral auf die Probe stellen. Ich habe immer an Ehrlichkeit und Offenheit geglaubt. Ich habe manches Mal geschwiegen, weil ich es für besser hielt. Nicht besser für mich, besser für die betroffene Person. Doch ich habe mir auch fest vorgenommen, keine Entscheidungen für andere zu treffen. Ein Widerspruch, nicht wahr? Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde, die ich schweige, treffe ich eine Entscheidung für jemanden. Und ich würde wahnsinnig werden, würde ich das weiter auseinander nehmen. Nun glaube ich an Offenheit und Ehrlichkeit, Werte, die ich in meinen Beziehungen auch lebe. Ich glaubte aber auch daran, dass manch andere so leben. Ich glaubte, denn das scheint ein Irrtum zu sein. 

Nun habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen mir vertrauen, sich mir anvertrauen, und das in einem Ausmaß, welches mir manches Mal unheimlich wurde. Bedenklich fand ich es immer schon, wenn man mir mehr vertraute als dem eigenen Partner - denn was in aller Welt sagt das über die Partnerschaft aus? Doch mein ganz persönliches Dilemma ist nun, dass Menschen meinetwegen ihren Partner hintergehen würden. Das ehrt mich, ehrlich. Denn es spricht für unsere Bindung, für die Bedeutung meiner Person, für die Rolle, die ich in ihrem Leben spiele. Aber neben der Ehre ist es auch eine Bürde. Denn ich möchte nicht der Keil zwischen ihnen sein. Ich möchte nicht zwischen ihrer und meiner Glückseligkeit entscheiden. Und ich danke dem Leben, dass ich das auch nicht muss. So weit, so gut. 

Die Problematik ist nun aber Folgende: Indem man mir diese Ehre erwiesen hat, hat man mir zeitgleich etwas genommen. Denn ich glaubte an die Offenheit und Ehrlichkeit dieser Menschen, jene, die nun meinetwegen den augenscheinlich wichtigsten Menschen in ihrem Leben hintergehen würden. Jede Medaille hat zwei Seiten, und ich laufe am Rand entlang. Doch ich möchte nicht aufhören daran zu glauben, dass es auch im Erwachsensein Integrität gibt. Ich weiß, dass die Dinge nicht immer schwarz oder weiß sind. Ich lebe grau, ich lebe bunt. Es funktioniert. Aber zum Schutze mancher Menschen bewege ich mich nun auf manchem schwarzweiß Feld.  

Das größte Geschenk kann zum Verhängnis werden. Dieses Oxymoron ist mir bereits vor Jahren begegnet. Es ist nicht aufzulösen. Schachmatt. Und doch geht es weiter. Undankbare Dankbarkeit - denn ich werde mich nicht bedanken, nicht dafür. 

Vieles fühlt sich wie eine Probe an. Denn ich war schwach, ich war verwundbar, ich war verwundet. Doch meine Integrität war stärker, sie muss jetzt nur stark genug bleiben um es niemandem vorzuhalten. Weiter zu schweigen, für mich. Immer zu wissen, mich immer daran zu erinnern, warum ich welche Entscheidung getroffen habe. Mich aktiv daran zu erinnern, wenn es im sonstigen Chaos vergessen wurde. Ich muss hinter mir stehen, ein Leben lang. 

Und was hat das Ganze jetzt damit zu tun, erwachsen zu werden? Ich verstehe immer mehr von dem, was mein kindliches Ich nie verstanden hat und auch nie verstehen wollte. Ich akzeptiere die erwachsene Welt, die Menschen in ihr, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die von meinem hoffnungsvollen, naivem Ich erträumte Welt möglich ist. Und ich hoffe, diesen Glauben bis zum Ende meiner Tage aufrecht halten zu können. 


08.10.2017 um 15:55 Uhr

Drei Nationen und eine vierte Sprache

von: indalo

Und ich werde mich an den feuerroten Mond erinnern, wie er über den Bergen aufgegangen ist. Ich werde mich aber auch an die große Mondscheibe erinnern, die beim Aufstehen am hellblauen Himmel hing. Er schafft Atmosphäre, er bringt Abwechslung in den sonst eintönigen Himmel. 

Als ich den letzten Eintrag schrieb, war die Sonne untergegangen und es war dunkel genug um Sterne zu sehen. Der Tag war vorbei, doch ein Teil von mir wollte die Nachtszene besuchen. Ein kleiner Teil, denn ein großer Teil von mir macht sich überhaupt nichts aus der Nachtszene. Doch da waren diese Erinnerungen voller Bedeutung, ich wollte sie noch einmal anfassen können. Ich wollte mit meinem neuen Ich den Club von damals betreten und sehen, wie meine Vergangenheit sich mit meiner Gegenwart verträgt. Doch zehn Jahre sind eine lange Zeit, offensichtlich eine zu lange Zeit für manches, denn der Club existiert nicht mehr. Geschlossen, schon seit ein paar Jahren. Doch es gibt einen neuen Club, der sich als Nachfolger präsentiert, und weil ich nicht bereuen wollte, nicht gegangen zu sein, verließ ich des nachts meine Unterkunft. Ich hätte genauso gut liegen bleiben können, doch ich bin es nicht. Ich ging raus in die Nacht und folgte meinem Orientierungssinn, welcher sich an Himmelsrichtungen orientierte. Denn offensichtlich war ich unterwegs zu neuen Orten. Ich fand den Club und obwohl Mitternacht gar nicht so weit weg war, herrschte gähnende Leere. Ein Blick genügte und ich machte auf dem Absatz kehrt. Ich ging nach links, und dann nochmal. Keine Ahnung, was mich noch trieb. Ich folgte irgendwelchen Straßen, weil mich irgendetwas zog. Und dann stand ich vor ihm, dem Indalo. Ich hätte ihn ganz woanders vermutet, ob er wohl gewandert ist? Vermutlich nicht. Ich war überrascht. Erfreut. Ich grüßte und ging weiter, doch ich kehrte noch einmal um und berührte ihn. Dann ging ich weiter und befand mich plötzlich in einer Eisdiele. Warum? Keine Ahnung. Es war neu für mich, doch ich ließ mich treiben. Ich stand ne Weile da, konnte mich lange nicht entscheiden und kaufte dann einen Becher weiße Schokolade. Ich verließ die Eisdiele und drehte mich nach links, schmunzelte ob all der spontanen Planänderungen. Ich überquerte eine Straße, sah mich um und plötzlich sah ich sie. Die verrückte Französin. Von all den Menschen von damals, von denen ich wusste, dass sie zum Zehnjährigen vor Ort sein würden, wollte ich sie als Einziges wirklich sehen. Doch ich schrieb, dass es nicht hat sollen sein, und das war okay. Das war wirklich okay. Es war so sehr okay, dass ich sie im Frühstücksraum an mir vorbei flitzen sah und sie nicht ansprach. Es freute mich, sie für diesen Augenblick zu sehen, sie zu erkennen, zu spüren, dass sie sich nicht verändert hat. Zehn Jahre sind vergangen, kein Kontakt, und doch fühlte ich, dass sie der gleiche Mensch von damals ist. Mir reichte diese kurze Begegnung, aber das Schicksal wollte es anders, es stellte uns in dieser Straße voreinander. Sie erkannte mich nicht, zumindest nicht sofort. Doch dann umarmte sie mich als wär es gestern gewesen. 

Nach kurzem hin und her machte sie auf dem Absatz kehrt und schloss sich meinem ziellosen Spaziergang an. Als wir am Hafen waren, setzten wir uns auf die Mauer. Die Mauer, auf der ich sonst gelegentlich auf nächtlichen Spaziergängen Halt machte. Sie erzählte von ihrem Leben, genauso chaotisch wie eh und je. Ich sprach wenig, warf mit Floskeln um mich und als sie sehr präzise und vehement fragte, kam ich nur zu dem Schluss: „Ich weiß nicht, was ich erzählen soll. Ich habe mit niemandem wirklich Kontakt gehalten. Ich konnte nicht. Als ich damals ging, starb ein Teil von mir.“ Es war eine Offenbarung, aber nichts Neues für mich. „Ich ging zurück nach Deutschland und alles war so wie vorher. Nur ich nicht, ich war anders.“ Und ich bin mir nicht sicher, ob sie verstand. Es machte auch keinen Unterschied. Sie fragte nach einzelnen Menschen, ich berichtete von meinen Begegnungen in Madrid und Athen. Es war alles mehr Zufall als geplant. Doch so auch unsere nächtliche Begegnung. Wir gingen weiter und auf einmal machte sie mich auf den Organisator des Zehnjährigen aufmerksam. Er stand in seinem Restaurant, welches er vor nem halben Jahr eröffnete. Ich wusste davon, aber ich hatte nicht die leiseste Ahnung von den Örtlichkeiten. Er stand hinter dem Tresen und putzte. Wir gingen rein und er umarmte mich innig. Auch an ihn erinnere ich mich. Doch ich legte keinen besonderen Wert darauf, ihn wieder zu sehen. Am Vorabend entschied ich mich, ins Bett zu gehen statt ihn wieder zu sehen. Und an all die anderen hab ich keine wirkliche Erinnerung. An ihn schon. Und so konnte ich fragen, ob dieses Restaurant ein Traum gewesen ist. War es nicht, es war einfach nur ein weiteres Restaurant seiner Familie. Für mich wäre es ein Traum gewesen. 

Und wieder entschied ich mich dagegen, die anderen noch zu treffen. Ich hatte doch bereits damit abgeschlossen, irgendwem zu begegnen. Irgendwem anders als mir selber. 

Wir gingen also nach Hause, sie und ich. Wir verabschiedeten uns kurz und schmerzlos, wir würden uns zum Frühstück wiedersehen. Und sowohl abends als auch morgens gab es Küsschen. Diese Gewohnheit, die ich vor so vielen Jahren begrub. Es fühlte sich natürlich an. Und dann ging ich Richtung Bus, legte mich noch einmal unter mein Fenster von damals, lauschte den Wellen und stand dann an der Bushaltestelle, an der ich damals nahezu täglich wartete. Manchmal vergeblich. Ich stieg ein und wir fuhren am Wasser entlang. Es war kein Abschied, es war einfach nur ein Weg, den ich zurücklegte. Am Ort nahe des Flughafens stieg ich aus und ging die letzten Kilometer zu Fuß. Und nun sitze ich mit mehreren Stunden Verspätung im Flieger, sah die Halbinsel unter mir langziehen bis der Atlantik auftauchte und über ihm eine Wolkendecke. In einer halben Stunde geht mein nächster Flieger, wir sind noch nicht einmal im Senkflug. Ich fürchte, ich werde meinen Flug verpassen. Trotz all der positiven Gedanken, trotz all des Optimismus und Daumendrückens. Ob ich wohl heute noch nach Hause komme?

Es wird seine Gründe haben. Mir war es das Abenteuer Wert. Ich genoss die Zeit am Strand, den Spaziergang entlang des Meeres und auch den Nächtlichen. Wie viele kleine Entscheidungen ich an dem Abend wohl traf? Und jede einzelne Entscheidung führte dazu, ihr des nachts zu begegnen. 

07.10.2017 um 20:33 Uhr

Ich war im Mittelmeer schwimmen

von: indalo

und was hast du so am Wochenende gemacht?

Die Sonne ist vor kurzem untergegangen und der Himmel spielt mit rötlichen Farben. Ich sitze auf lauter kleinen Steinchen und spüre die Wärme unter mir. Vor mir plätschern die Wellen, hinter mir spielt jemand ein Instrument. Es wir dunkler und dunkler, der Wind nimmt zu, doch meine Füße finden Wärme unter den runden Steinchen. Es ist gemütlich, auch wenn es kein feiner Sand ist. Es ist Heimat. Es könnte überall sein auf der Welt, es ist nur mein Hirn (und mein Herz), das weiß, dass ich hier zu Hause bin. Ich habe mich zehn Jahre nicht getraut, zurück zu kehren. Zu Recht, zumindest ein wenig. Denn auch wenn ich weiß, dass noch andere von damals gerade das zehnjährige hier feiern, so hat es nichts mit mir oder damals zu tun. Das ist vorbei, es war einmal. Und wie schön, während des Sonnenuntergangs einem Algerier zu erklären, dass meine Freunde fürs Leben sind, dass ich nicht auf der Suche bin, weil ich glücklich bin. Genau hier, genau jetzt.

Ich hätte niemanden mit hierher nehmen können. Es würde niemand verstehen. Ich habe versucht, hier jemanden zu treffen, Menschen von damals. Es hat nicht sollen sein. Doch ich habe jemanden mit hierher genommen, und das bin ich. Mein neues Ich. Denn auch wenn so vieles von damals geblieben ist, so hat sich auch manches verändert. Und was immer ich mir damals für mein zukünftiges Ich gewünscht habe, es tut nicht weh. Ich weiß gar nicht, was ich mir ausgemalt hatte, ich weiß nur, dass ich seelenruhig unter meinem damaligen Fenster sitzen kann. Seelenruhig, weil meine Seele ruht. Mein Leben ist nicht fertig, es gibt noch eine Menge Potential, aber ich bereue nichts, ich bin meinen Weg gegangen, und genau der hat mich nach zehn Jahren hierher zurück geführt. Unter den Sternenhimmel am Strand. Nur der Mond von gestern fehlt noch, er war erinnerungswürdig.

03.10.2017 um 19:56 Uhr

Eule bei mir zu Besuch

von: indalo

Gestern Abend lag ich auf meiner Couch, total entspannt auf dem Bauch und lauschte Eule, wie sie mit zwei Kindern und dem Papa sprach. Eule sagte mir Hallo und freute sich, dass ich nicht merkte, wie ungewaschen sie war. Eule kicherte und hatte Spaß. Aber dann las Papa die Geschichte vor. Ich hörte zu, doch ich verstand kein Wort. Ich weiß beim besten Willen nicht, worum es in der Geschichte ging, ich lag einfach nur da und lies mir eine Geschichte vorlesen. So wie früher, als ich noch klein war. 

Es war ein schöner Abend und ein ebenso schöner Morgen. Es gab Pfannkuchen und Fruchteis zum Frühstück, und als sie um Viertel vor elf aufbrachen, guckte ich auf die Uhr und dachte „was man nicht alles in den frühen Stunden schaffen kann“. Es erfüllte mich, total. Und es freut mich, dass er es annehmen konnte, dass ich Essen mache. Ein wenig Überwindung kostete es ihn, aber er hat sich bedienen lassen. Denn er ist seit so vielen Jahren immer Vater und kümmert sich um die zwei, da kann ich ihm doch mal aushelfen. 

Später schrieb er mir, dass meine Lebensweise ihn an den Spruch „Niemand anderes ist für dein Glück verantwortlich als du selber“ erinnert. Und ich tue alles in meiner Macht stehende um glücklich sein. Denn ich habe einige Jahre verfrüht umgesetzt, was ich für die Kinder meiner Freunde plane. Gemeinsam mit ihnen Nudeln selber machen, sie gekeimte Linsen und selbst gemachtes Obsteis probieren lassen. Ihnen zeigen, wie Dinge entstehen und sie genießen lassen, was es zu genießen gibt. Und seien es nur Walnüsse aus der Heimat. Es funktioniert, es kann funktionieren, und ich war gestern Abend schon unheimlich dankbar, das erleben zu dürfen. Es war wieder das Leben eines Indalo. Ich landete spät abends in einer Stadt, besuchte wildfremde Menschen und auf einmal habe ich das Leben eines Menschen tiefgreifend berührt und fühle mich so bestätigt in meiner Lebensweise. Alles ist möglich, alles. 

02.10.2017 um 10:49 Uhr

Ich kann mit dir nicht über mich reden

von: indalo

So viele Gespräche werden in meinem Kopf geführt. Und es mag irre sein, weil sie vielleicht nie in der Realität geführt werden, doch es ändert nichts an den Gedanken, an den Überlegungen. Es wird Fragen geben. Du wirst Fragen stellen. Und ich kann darauf nicht reagieren. Vielleicht wirst du sie deswegen auch nicht stellen. Weil du merkst, dass ich auf so vieles nicht angemessen reagiere. Denn ich schaff es nicht. Ich kann nicht halb. Ich kann nur ganz oder gar nicht. Du und ich, wir sind verloren. Oh wie sehr wünschte ich mir, das nicht gelernt zu haben. Ich habe nie verstanden, wie Menschen, die sich einst so nahe waren, plötzlich nicht mehr miteinander können. Doch auch das hast du mich gelehrt. 

Ich habe akzeptiert, dass du nicht mehr in meinem Leben bist. Ehrlich. Ich kann damit leben, ich kann damit umgehen, ich habe es verstanden. Aber ich kann nicht damit leben, dass du es beobachten willst, dass du Komparse sein willst. Das funktioniert für mich nicht. Und seit Monaten versuche ich, das zu verstehen. Denn ich kann stundenlang mit dir auf der Straße stehen und reden. Stundenlang. Und das verstehen andere auch nicht. Verstehst du es? Wir können über unsere Freunde reden, wir können über dich reden, aber keine Chance, über mich können wir nicht reden. Doch du hast es versucht, ich habe geblockt und ich werde es wieder tun. Denn ich komme nicht gegen den Teil von mir an, der dir alles erzählen würde. Der dir gegenüber so ehrlich wäre wie früher, wie immer. Ich möchte, dass du die Wahrheit erfährst, alle meine Gedanken, nicht diese Halbwahrheiten, die ich anderen gebe und immer geben werde. Ich kenne die Menschen in meinem Leben, und ich weiß, wem ich was erzählen kann und möchte. Ich weiß, wer mich auf welcher Ebene versteht. Und ich weiß, dass du mich in aller Tiefe verstanden hast. Ich weiß nur nicht, warum du das aufgegeben hast. 

Jedes Mal, wenn ich mich frage, warum ich nicht einfach ehrlich antworte, taucht die Überlegung auf, dass ich dir das nicht gönne. Vielleicht auch, dass ich dich verletzen möchte. Doch jedes Mal glaube ich, dass ich besser bin als das. Denn ich schweige seit so vielen Monaten, ich schweige, weil ich dich nicht verletzen möchte. Und womöglich schweigst du aus den selben Gründen. Und jedes Mal, wenn ich die Dinge, die dich verletzen würden, von den anderen Dingen getrennt bekomme, stelle ich fest, dass ich dir auch die anderen Dinge nicht sagen kann. Und die Erklärung habe ich vor knapp einem Jahr schon gefunden: Ich vertraue dir nicht. Du hast mir alles genommen, und solange darüber nicht geredet wird, wird es mit uns beiden nicht weiter gehen. Ich - ja, ich - stehe einem Neuanfang im Weg. Und nur ich. Denn du möchtest ihn, du möchtest so tun als ob nichts gewesen wäre, du möchtest mich freudig umarmen, weil du vermutlich einfach so weitermachen möchtest wie früher. Doch so sehr du womöglich glauben magst, dass ich dich verarscht habe, so sehr hast du es getan. Es ist skurril bei all den Fakten davon zu reden, dass du diejenige bist, die mich belogen, betrogen, verarscht und allein gelassen hast. Aber das ist meine Realität. Und ich bin mir ziemlich sicher, dir all das verzeihen zu können, aber ich muss auch einsehen, dass das nicht geht, ohne dass du um Verzeihung bittest. Denn ohne das bin ich nicht bereit, dieses Risiko einzugehen. Der Schmerz ist zu groß, die Wunde zu tief. Ich bin durch mit uns beiden. Wenn von dir nichts kommt, bleiben wir verloren. Vergessen werde ich dich und das alles trotzdem nie. 

29.09.2017 um 23:19 Uhr

noch fahren wir Fahrrad

von: indalo

Ich glaube, das war das schönste Grinsen heute. Ich sagte es zu jemandem, den ich noch nie in meinem Leben gesehen habe, vermutlich nie wieder sehen werde und definitiv nicht wiederkennen würde. Doch nichts davon spielt eine Rolle, das Grinsen bleibt, der Moment zählt.

Eins dieser Dinge, die ich letzten Endes einfach nur gemacht habe. Ich hab nicht allzu lange nachgedacht. Geld zusammen gekratzt, auf den Tisch gelegt, Termin gemacht, hingegangen, alles grün. Ach, da war ja noch ein Grinsen. Denn ich tippte vor mich hin, eins nach dem anderen und dann nochmal zurück zur fünfzehn. Dann weg damit, was soll ich noch warten? Als Erstes. Ein Erfolg. Er guckte, er klickte, er grinste, ich erhob mich und ging. Ich war mir schon sehr sicher, aber nicht absolut. 

Wenn mir nicht vor der Tür bekannte Menschen begegnet wären, wäre es mein kleines Geheimnis geblieben. Es ist mein kleines Geheimnis. Ich habe keiner Menschenseele bisher davon erzählt. Es wissen jetzt eine Handvoll Menschen, die ich kenne. Durch Zufall. Einfach weil sie zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren. Gesagt habe ich es niemandem. Erfahren haben sie’s. Und irgendwie amüsiert es mich. Ein Geheimnis zwischen ihnen und mir. Unbedeutend bedeutend. 

Und sonst so? Reiht es sich ein in meinen Lebenslauf. „Ich hatte Glück“ ist meine Erklärung.  Doch ich weiß, dass es auch Können war. Die Mischung macht’s perfekt. 

26.09.2017 um 23:32 Uhr

Tinnitus

von: indalo

Vorgestern war ich auf Mückenjagd. Trotz meiner Serienmorde vernahm ich ein Summen im Zimmer als ich mich schlafen legte. Dank Mückenstecker schlief ich trotzdem ein und hatte auch keine Stiche am Morgen. Gestern dann lag ich am Nachmittag im Wohnzimmer und hörte etwas. War es ein Surren? Ein Piepen? Ein Rauschen? Mücken bewegen sich doch sonst mehr. Ich ignorierte es. Vielleicht gibt der Router neuerdings Geräusche von sich. Doch schon als ich mich erhob und das Geräusch sich nicht ansatzweise änderte, war ich irritiert. Und als ich dann gestern Nacht schlafen wollte, nutzte ich keinen Mückenstecker, da mir so langsam dämmerte, dass dieses Geräusch nicht in meiner Wohnung war. Denn egal wie ich mich drehte, egal wo ich mich befand, das Geräusch änderte sich nicht. Dafür gab es nur eine Erklärung: Das Geräusch ist in mir. Und dann ging mir der Begriff Tinnitus durch den Kopf. Und es folgte „jetzt nicht im Ernst, oder?!“ Denn ich kenne Lautstärke, und ich kenne Stress. Beides verbinde ich nicht mit gestern, oder vorgestern. Vielleicht war das Wochenende zu ruhig? Meine Gedanken suchten nach Antworten. Soll das jetzt Tinnitus sein? Wirklich? Und… warum? Ich lag also noch eine Weile wach und lauschte, versuchte das Rätsel zu lösen, versuchte es hinzunehmen, anzunehmen und auf morgen zu vertagen. Ich schlief. Doch morgens war es nicht weg. Auf dem Weg zur Arbeit fiel mir der ein oder andere Stressfaktor des Vortags ein, aber nichts davon rechtfertigt einen Tinnitus. 

Mein Arbeitsalltag ist zu laut um ihn zu hören. Ich wusste, dass ich bis abends warten musste. Doch dank meines aktuellen Kommunikationsbedürfnisses sagte ich heute „bei mir piept’s“ und wurde natürlich nicht verstanden. Ich führte es aus, wir sprachen darüber und es hieß, ich müsse direkt zum Arzt gehen. Ärzte sind ja nicht so meins, und im Ernst, was soll der denn beim Piepen im Ohr machen? Ich arbeitete lang und sitze nun schon eine Weile zu Hause. Ich erinnere mich an dieses kurzzeitige Piepen, was andere auch kennen. Kennt das eigentlich jeder? Manchmal piept’s einfach in einem. Doch das ist kurz und veränderlich, das jetzt war es nicht. Es war konstant, monoton. Und wenn ich jetzt lausche, könnte ich etwas vernehmen. Auf Mückenjagd gehe ich nicht, dazu ist es zu subtil. Möge es wegbleiben. Ich bin ein Mensch der Ruhe, der Stille, ich vertrage keinen Tinnitus. 

25.09.2017 um 23:18 Uhr

Vielleicht möchte ich doch mal wieder reden

von: indalo

Gestern schrieb ich unbedeutende Nachrichten zu den von mir erlegten Mücken. Ich kam mir albern vor. Nicht ob der Mücken, sondern ob der Nachrichten. Was tue ich da gerade, fragte ich mich. Das interessiert niemanden. Und Tatsache ist, dass es niemanden interessiert. Niemanden. Nicht einmal mich. Und ich merkte, dass das komisch ist. Ich ahnte, was dahintersteckt. Und heute wurde es noch offensichtlicher. Ich vereinsame. Ha, was klingt das deprimierend. Doch mal ehrlich, es ist so wahr. Denn da verletze ich eine Freundin damit, dass es über ein Jahr dauert, bis ich ihr etwas unglaublich wichtiges in meinem Leben mitteile, doch es ändert nichts. Sie ist verletzt, ich bin mir dessen bewusst, sie ist nicht beleidigt, sie sieht es ein, sie entschuldigt sich, doch die nächsten Wochen bestätigen nur, dass es nicht anders ging. Denn ich bekomme einfach keine Aufmerksamkeit. Ich kann sie mir holen, doch das war noch nie mein Ding. Und so weit bin ich auch noch nicht. Noch nicht. Dieses Wochenende werde ich mir Aufmerksamkeit besorgen, naja, zumindest Gesellschaft. Denn das letzte Wochenende habe ich zwar sehr bewusst allein verbracht, doch wenn die Folge davon ist, dass ich sonntagabends sinnfreie Nachrichten verschicke und montags auf Arbeit zwischen Frustration, Amüsement und Erschöpfung schwanke, dann passt da etwas nicht. 

Also, wer hat Lust mein Leben mit mir zu teilen? Ja, mein Leben. Nicht sein Leben. Denn ich habe wahrlich genug Menschen in meinem Leben, die ihr Leben mit mir teilen. Daran mangelt es mir nicht. Und das ist gut so, damit geht es mir auch gut. Was mir gerade fehlt ist jemand, mit dem ich mein Leben teilen kann. Jemand, dem ich all diese kleinen Dingen erzählen kann, die sonst niemanden interessieren. Andererseits suche ich auch jemanden, mit dem ich all die großen, furchtbar spannenden und ungemein wichtigen Dinge teilen kann. Doch da steh ich mir gerade selbst im Weg. Zu viel, das ich mit mir allein ausmache. Und das ist zum Teil eben auch mein eigenes Verschulden, das weiß ich. Aber eben auch nur teilweise. Das scheint aber gerade überhand zu nehmen, weshalb der kommunikative Teil meiner Persönlichkeit zumindest über die unwichtigen Dinge reden möchte. Die Dinge, die nächste Woche schon wieder vergessen sind, heute aber ihre Kreise in meinem Bewusstsein ziehen. 

10.09.2017 um 23:24 Uhr

Er hat sich einfach nur gefreut

von: indalo

Vor ein paar Wochen starrte jemand entsetzt meinen Desktop Hintergrund an und ich reagierte mit den Worten „sobald ich mein Leben wieder auf der Reihe habe, wird der auch wieder geordnet“. Mich erstaunte diese Aussage auch ein wenig, aber ich glaube, das trifft es. Ich habe mein Leben im Griff, das schon, aber so richtig geordnet ist nichts. Weder mein Desktop, noch meine Emailadresse - heute versuchte ich dem Chaos dort zumindest etwas Herr zu werden. Von meiner Wohnung wollen wir lieber nicht reden… Oder doch? Denn ich kenne mein Chaos, und ich kenne meine Grenzen. Ich kannte meine Grenzen. Denn sie weiten sich. Der Müll trifft nicht immer den Eimer, Hauptsache die Richtung stimmt. Der Weg zwischen Bett und Bad ist nicht mehr frei, er gleicht einem Hindernislauf. Abwasch? Alle paar Wochen. Ich versinke im Chaos, mehr denn je. Ich muss mir wieder Ziele setzen, Ordnung schaffen. Um mich herum, und in mir. Doch gerade das „in mir“ fällt schwer. Irgendwie sind bestimmte Aspekte meines Lebens aus den Fugen geraten. Unerwartet. Auch wenn ich andererseits in den Tiefen meiner Überzeugungen bestätigt wurde. Gleich mehrmals diese Woche. Und heute Abend auf überraschend schöne Weise. Denn er hat sich einfach nur gefreut. 

Ich stand in seiner Küche, er ging am Fenster vorbei und strahlte seine kleine Tochter an. Dann fiel sein Blick auf mich und… sein Blick war herzzerreißend. Vielleicht las ich es auch nur in seinen Augen, doch es brachte mich seufzend zu der zweifelsfreien Aussage „ich werde es ihm sagen“. Seine Frau guckte mich an „keine Hektik“, doch ich würde es nicht ihretwegen tun, sondern seinetwegen. So schnell wie möglich. Das bin ich ihm schuldig. Und im Auto sitzend freute er sich, die Geste war deutlich, die Arme flogen in die Höh’ eh die Ellenbogen zur Hüfte gezogen wurden. Ein Erfolg. Nicht sein Erfolg. Und selbst wenn ein Teil von ihm die aktuellen Ereignisse bedauert, so war diese Reaktion so spontan, so ehrlich, dass ich weiß, dass sie vom Herzen kam. 

„Du hast mir Hoffnung gemacht, und dafür bin ich dir unheimlich dankbar.“

06.09.2017 um 22:46 Uhr

Willkommen in meiner Stadt

von: indalo

Ich weiß, ich hab ne große Klappe. Wirklich. Und ich lass mir von niemandem etwas sagen. Genauso wenig stehe ich daneben, wenn andere unnötig angepöbelt werden. Doch ich weiß auch, wann ich meinen Mund besser halte. Und ich weiß noch nicht, was ich über diesen Vorfall denken soll. 

Da steh ich mit einer Freundin an der Kasse. Vor ihr kaufen zwei… zwei was? Zwei Männer. Zwei Männer, die bestimmt total nett sein können, aber auch gewiss etwas davon verstehen, nicht nett zu sein. Das merkt man. Während der eine bezahlt, will der andere noch eine Tüte kaufen. Er rief noch rüber, dass die dazu kommt. Doch es war bereits eingegeben, die Geldkarte steckte schon im Gerät, er war dabei seinen Pin einzugeben. Dann kramen sie nach zehn Cent, die Tüte kostet aber fünfundzwanzig. Der andere packt also die Sachen in die Tüte, der eine ist schon weggegangen, als der andere sich wegdreht und meint „Ist ja nicht mein Problem.“ In mir beginnt es zu brodeln, denn die klauen doch jetzt nicht einfach diese Tüte, mit vollem Bewusstsein und so ner blöden Art. Ich starre ihm wütend hinterher, drehe mich in seine Richtung und als mein Hirn noch den Sinn und Unsinn davon, ihn jetzt darauf anzusprechen, debattiert, merke ich einerseits wie die Kassiererin das achselzuckend hinnimmt, er aber andererseits sich eines besseren besinnt und zurückkommt. Er pöbelt sie an, dass er doch gesagt habe, sie solle das in die Kasse geben. Murmelt sie noch, dass es bereits eingegeben war? Ich jedenfalls sagte dies laut und deutlich, da ich es selbst auf dem Gerät sah. Meine Freundin sagt in etwa das gleiche wie ich, ohne das Gerät gesehen zu haben. Er dreht sich zu mir, von Angesicht zu Angesicht und pöbelt mich an „Mischen Sie sich ja nicht ein.“ - „Du hast mich angeguckt.“ gebe ich zurück. „Ich gucke an wen ich möchte.“ poltert es. An dieser Stelle steht für mich fest, dass ich es versucht habe, und es nun einfach weiter laufen kann. Meine Freundin reißt jedoch ihren Mund wieder auf „Das können Sie auch in einem ruhigen Ton sagen.“ und ich denke nur „lass es sein, bitte“. Ich sage nichts. Denn ich stehe leider nicht zwischen ihnen. Uns trennt eine Absperrung, und das gefällt mir gar nicht. Er dreht sich also zu ihr, sie zuckt. Ich merke nur, wie sie zuckt und hoffe, dass ihr das Zeichen genug ist. Der Adrenalinspiegel steigt, und der lauteste Gedanke dreht sich darum, dass sie schwanger einen pöbelnden Mann (ja, mich fasziniert, dass er mich siezte) provoziert und ich nicht weiß, ob ich rechtzeitig dazwischen komme. Wie kann ich diese Situation bloß deeskalieren? Ich glaube an die Spannungen im Raum, ich kann sie fühlen. Er hat ne große Klappe, aber das würde er nicht wagen, nicht wahr? Er pöbelt rum und meine Freundin grummelt sich noch etwas in den Bart, was er Himmel sei Dank nicht hört. Beim Weggehen höre ich noch das Wort „Schlampen“ und weiteres. Die Kassiererin atmet auf, meine Freundin zahlt und die Frau hinter ihr kommt wieder dichter und kommentiert einiges. Unter anderem, dass sie ein ganzes Stück zurück gewichen ist. Erstaunlich, so weit reichte meine Aufmerksamkeit diesmal nicht. Es gab nur ihn und den gewölbten Bauch. 

Leider müssen wir den beiden Männern folgen um das Gebäude zu verlassen. Sie stehen am Eingang. Nein, sie warten nicht auf uns, sie erledigen etwas. Doch ich wechsele ganz bewusst die Seiten, um zwischen meiner Freundin und ihnen lang zu gehen. Keine Ahnung, was er uns entgegen wirft, ich gehe dies ignorierend weiter. Mein Fuß ist schon draußen, als ich höre, wie sie reagiert. Warum um Himmels Willen reagierst du noch? Sie steht, er kommt auf sie zu und ich trete ihm entgegen, gucke ihn an mit diesem vielsagenden Blick. Ich weiß, dass ich das kann. Wenn du zu ihr willst, musst du an mir vorbei. Er weicht zurück. Ich sage kein Wort, sie hinter mir schon. Was? Das weiß ich nicht. Das höre ich auch nicht mehr. Dann drehe ich mich wieder zum Gehen, sie kommt diesmal mit. Er setzt wieder an zu seinen Pöbeltiraden, sie sagt etwas zu mir, doch ich muss nachfragen. „Wie schön es doch ist, schwerhörig zu sein. Ich verstehe nicht mehr, was er sagt.“ Ich schon. Ich verstehe seine Worte, doch ich werde sie nicht weiterleiten. Seine Worte sind so viel lauter als ihre, so viel klarer, so viel deutlicher. Wir gehen weiter. Und alles, was mir zu sagen einfällt, ist: „Willkommen in meiner Stadt.“ 

03.09.2017 um 02:16 Uhr

Spielen Sie mit uns ticken?

von: indalo

Es war die richtige Entscheidung, auf so vielen Ebenen. Ein Wochenende weg, nicht weit, recht nah, und doch wieder in einer anderen Welt. Ich fühle mich hier wohl. Sehr sogar. Ich gehöre dazu, bin Teil des Ganzen, so sehr, dass ich mit erschaffe. Denn nicht nur spielen wir Fußball auf Waveboards (Waveboardball), sondern ich fuhr noch mit nem anderen mit sechs Bällen passend durch die Halle. Das war eindeutig meine Idee - und ich hielt mich immer für nicht verrückt genug 😁

Und als ich später wieder in die Halle kam, hieß es von der Kleinen "Spielen Sie mit uns ticken?" Wohlwissend, dass ich viel zu langsam bin, willigte ich ein und bestieg das Waveboard - das war jetzt schon klar, dass wir nicht laufen würden, nicht wahr? Schnell gesellten sich noch andere dazu und so langsam hatte ich auch ne Chance. Und damit's nicht langweilig wird, wechselten sie zwischendurch auf Einräder. Kinder, Kinder, ihr haltet mich ganz schön auf Trab!

01.09.2017 um 23:41 Uhr

Danke fürs Zuhören

von: indalo

…waren die Worte eines Kollegen, als er das Gelände verließ. Wie so vieles nehme ich es einfach zur Kenntnis. Wundere ich mich noch? Ich weiß es nicht. Er erzählte mir zuvor von seiner Freundin, seiner Exfrau und der Einschulung seines Sohnes. Er saß an den Tisch gelehnt im Raum, seufzte leise und ich fragte „Was los?“ Und er redete. Er erzählte mir seine Gedanken, Sorgen und Gefühle. Ich weiß immerhin schon, dass er einen Sohn hat, seit kurzem auch, dass er nicht mehr mit der Mutter zusammen ist. Dass er ne Freundin hat, das ist mir neu - denn wir kennen uns nicht. Und das scheint wirklich mein Markenzeichen zu sein. Ich kenne meine Kollegen, ich kann sie einschätzen, aber ich weiß privat nichts über sie. Um so irritierender war sein Öffnen. Wir sprachen darüber und letztlich einigten wir uns darauf, dass es das Beste sei, wenn er seine Mutter fragt. Die kennt immerhin beide involvierten Frauen und kann die Situation besser einschätzen. Er telefonierte, ich erledigte was und als ich ihn gehen sah, rief ich ihm die Frage hinterher, was nun das Ergebnis sei. Er kam mit den Worten „du bist ja doch noch da“ zurück, berichtete und ging mit der Aussage im Titel dieses Beitrags. Einige Zeit später ging ich kopfschüttelnd übers Gelände. Was passiert da gerade wieder?

Und es passt zu gestern - oder war es heute? Das Wochenende verbringe ich mit einer Kollegin. Wir sprachen kurz darüber und dann sah ich ihren Freund, wir schauten uns an, und er erzählte mir aus heiterem Himmel von seinen Wochenendplänen. Warum? Warum hat er bloß das Bedürfnis mir das zu erzählen? Nur weil er zum ersten Mal weiß, was ich am Wochenende mache? Um gleich zu ziehen? Oder ist es ihm einfach ein Bedürfnis geworden, mir von sich zu erzählen? Da war doch neulich schon diese Offenbarung…

So drehe ich mich also irgendwie darum, dass meine Kollegen sich mir öffnen, mir anvertrauen, und gleichzeitig steht im Raum, wieso du mir dieses Foto geschickt hast. Von ihr. Obwohl sie nicht einmal von der Existenz dieses Fotos weiß. Auch nicht wissen soll. Aber ich habe es nun auf meinem Handy. Tausend mögliche Gedanken. Sie ziehen nicht durch meinen Kopf. Sie existieren, allzeit bereit gedacht zu werden, doch sie drängen sich nicht auf. Ganz im Gegensatz zu der Feststellung, dass dein sich mir öffnen sich für mich genauso anfühlt wie das meiner Kollegen. Fremd.

30.08.2017 um 23:54 Uhr

Die Liebesgeschichte geht weiter

von: indalo

Es ist unglaublich. Auch nach all den Jahren, nach all der Zeit, all den Erfahrungen, bleibt es aufregend. Es faszinierte mich schon früher, doch es ist einfach nicht zu leugnen und mir bleibt zur Zeit nur eine Formulierung: Die Liebe meines Lebens ist mein Beruf. 

Das mag für den ein oder anderen bedenklich sein, oder traurig klingen, womöglich auch einsam, aber für mich ist es das größte Glück überhaupt. Bin ich verrückt? 

Gestern stand ich strahlend und begeistert auf Arbeit und eine relativ neue Kollegin guckte mich skeptisch an. Ich ließ meinen Blick im Raum schweifen und meinte wieder einmal: „Es tut mir ja Leid für euch, aber ich freue mich wirklich darüber, dass ich arbeiten darf.“ - „Bist du noch in der Phase?“ kam es zurück. Ja, sie dürfte älter sein als ich, aber ob sie mehr Berufserfahrung hat, weiß ich nicht genau. Ich ließ mich nicht bremsen in meiner Euphorie, wollte ihr jedoch auf den Zahn fühlen: „Wie lange hielt diese sogenannte Phase denn bei dir an?“ - „Gar nicht.“ - „Dann kannst du aber auch nicht davon reden, dass es bei mir nur eine Phase ist, die bald enden wird.“ Ha. Von wegen. Das hier ist keine Phase. Also ja, es ist wieder eine Hochphase, und es wird auch wieder Tiefphasen geben, aber das ist das normale Auf und Ab des Lebens. Meine Liebe für meinen Beruf ist keine Phase, sie ist lebendig und fasziniert mich immer wieder. Denn ich mache das hier schon seit einigen Jahren, es ist Routine, mich erwartet nichts wirklich Neues, und doch bin ich aufgeregt, vielleicht auch ein bisschen nervös, keineswegs ängstlich, total zuversichtlich und absolut glücklich. 

27.08.2017 um 22:11 Uhr

ein abruptes Ende

von: indalo

Sonderbar. Dieses Leben ist sonderbar. Da mache ich ganz entspannt Urlaub, lasse alles hinter mir und komme nach wunderbaren Erfahrungen wieder in meine Heimatstadt, treffe einen Freund noch eh ich in meine Wohnung heimkehre und sage zu ihm: „Morgen geht’s wieder los, aber heute ist noch nicht vorbei.“ Dann bewege ich mich zum Bahnhof, bekomme eine Fahrkarte geschenkt, freue mich des Lebens, finde noch nen Cent und gehe beschwingt nach Hause, nachdem ich heute mehreren älteren Damen beim Koffer heben geholfen habe und jüngeren Damen noch Hilfe bei der Orientierung anbot. Es war ein wunderbarer Tag. Ich sammelte eilig die Post aus dem Briefkasten, da ich wusste, dass ein Freund anrufen will, sobald ich die Wohnung betreten habe. Kurz darauf tut er das auch und meint „Ich rufe im Auftrag meiner Frau an.“ Soweit ahnte ich das schon. Den Satz „Halt dich kurz fest“ nahm ich irgendwie nicht ernst, und auf den nächsten Satz war ich keineswegs gefasst: „Ihre Mutter hat sich heute umgebracht.“ Auf einmal wurde auch klar, was mit der Nachricht „Moin, sag bitte einmal Bescheid, wenn man dich telefonisch erreichen kann“ gemeint war. Selbstmord. Nein, damit haben wir nicht gerechnet. 

Vor zwei Jahren starb der Vater einer Freundin auf nicht abschließend geklärte Weise und ich kann sagen, dass ich das bis heute nicht verarbeitet habe. Nun fühlt es sich ein wenig so an, als bekäme ich eine zweite Chance. Als dürfte ich diesmal für sie da sein, auch wenn es eine andere Freundin ist. Und es zeigt mir, dass damals mich immer noch beschäftigt. Weil es einfach nie geklärt wurde. Und eins weiß ich: Ich werde nicht denselben Fehler begehen. Ich werde nichts sagen, ich werde schweigen. Ich werde für mich behalten, dass ich anscheinend der herzloseste Mensch in meinem Umfeld bin. Denn der Gedanke, dass sie jetzt eine Sorge weniger hat, war sofort da. Doch sie leidet. Sie macht sich Vorwürfe. Sie weiß, wie irrsinnig das ist, aber sie tut es. Mal sehen, was sie mir morgen noch alles erzählt. Was in ihr vorgeht, was sie beschäftigt. Denn ihre Mutter hat es allen gegenüber erwähnt, nur ihr nicht. Denn ihre Mutter wusste, dass sie Maßnahmen ergreifen würde. Bin ich wirklich so allein damit zu sagen, dass man Menschen gehen lassen soll, wenn sie das wollen? Dass es vielleicht besser ist? Nein, ich maße mir nicht an zu wissen, wie das ist. Wirklich nicht. Aber diese beide Elternteile taten ihren Kindern wirklich nicht gut. Und ich sehe da eine Verbindung, auch wenn es gänzlich unterschiedliche Fälle sind. Bei allen anderen Freunden und ihren Eltern würde ich keine Sekunde zögern, eh ich mein Beileid aussprechen würde. Doch in diesen beiden Fällen fragte ich, ob das angebracht sei. 

Ich werde morgen für sie da sein. Ich werde hinfahren, weil sie es möchte. Und es ehrt mich, dass sie es möchte. Doch es erinnert auch schmerzlich an die letzte Situation, in der ich in Frage stellte, ob ich mit zur Beerdigung kommen würde und glasklar „Würdest du.“ zurück kam. 

Ja, das geht hier gerade in die Grätsche. Ich weiß nicht einmal, was mich mehr beschäftigt und werde den Weg wählen, mich gedanklich zu betäuben, eh ich müde ins Bett fallen werde. Morgen beginnt eine anstrengende Woche, auf die ich nicht ansatzweise vorbereitet bin. 

25.08.2017 um 23:44 Uhr

epic swim

von: indalo

Leider werden all die anderen kleinen Geschichten wohl nicht mehr ihren Weg hierher finden. Das Leben geht weiter, es bleibt keine Zeit zum Festhalten. Erinnern werde ich mich von Zeit zu Zeit an einzelne Dinge, aber nachlesen können werde ich es nicht. Schade, aber so ist das manchmal. Doch zumindest das Erlebnis von heute kann ich noch festhalten. Denn ich reite ja gerade eine Welle nach der anderen, doch heute passierte noch etwas Neues: Dem Surflehrer darf man die Vorfahrt nehmen, also tat ich das auch. Insbesondere da man sich eine Welle auch teilen kann - was wir auch taten. Ich bin gar nicht mehr in seinem Kurs, doch wir standen auf unseren Brettern, er strahlte mich an und dann fuhren wir aufeinander zu. Ich für meinen Teil wollte nur abklatschen, er hielt meine Hand jedoch fest, was mich ins Rudern brachte. Doch witziger Weise fiel er vom Board während ich weiter surfte. Amüsant, gewissermaßen surften wir Händchen haltend Richtung Strand. 

Und dann war da noch das Schwimmen im kalten Wasser. Ich fand es gar nicht so kalt. Zugegeben, es war kalt, saukalt, aber ich hab es dennoch kälter erwartet. Und so wie alle anderen schrieen und direkt wieder rausrannten, empfanden sie es auch als bitterkalt. Ich hingegen ging nicht nur drei Mal rein, ich ließ mich auch auf dem Rücken treiben, paddelte umher und genoss, was ich tat. Ganz ehrlich. Und zwar waren mir die entgeisterten und erstaunten Blicke der anderen bewusst, doch erst als der im dicken Parka eingepackte Zodiac Fahrer mir nachdrucksvoll und mit Bewunderung was von epic swim erzählte, wurde mir so richtig klar, wie ungewöhnlich das war. 

Ungewöhnlich, noch ein gutes Stichwort. Denn am Abreisetag sagte eine Frau zu mir, dass sie in all den Jahren, die sie schon da arbeitet, schon alles gesehen hätte. „Wie oft ist denn jemand nachts hier gelandet ohne eine Unterkunft gebucht zu haben?“ fragte ich interessiert. Sie guckte mich an, grinste und meinte „That was a first.“ Strike. 

Auch wenn ich es definitiv nicht darauf angelegt habe, für irgendwelche Überraschungen zu sorgen, so amüsiert es mich doch, Menschen zu zeigen, dass die Aussage „ich hab schon alles erlebt“ niemals richtig sein kann. 

23.08.2017 um 21:35 Uhr

Das Erfolgsmantra

von: indalo

Das Mantra hat geholfen. Nachdem ich gestern schon mit dem Vater einer Surfkursteilnehmern darüber sprach, zum Bodyboarden zu wechseln, hatte ich heute einen grandiosen Tag auf dem Surfbrett. Nicht nur stellte ich in der ersten Session fest, dass ich gar kein Bodyboard brauche um zu bodyboarden, sondern ich nahm auch gleich zwei Wellen. Und zwar stehenderweise! Insgesamt bin ich heute drei Mal ins Wasser und hab aufgehört zu zählen, wie oft ich aufgestanden bin. Immer ein Zeichen dafür, dass es oft genug war. Ich stehe, ich surfe, ich lenke. Jetzt läuft’s. 

Doch ganz ehrlich, bodyboarden ohne Board bockt voll. Da paddelt man ne Welle an, das Board rutscht unter einem durch (nach hinten) und man hängt auf der Welle. Sie zieht einen mit. Man paddelt irgendwie noch, aber jetzt im Gleichtakt, so wie beim Delphinschwimmen. Und mit der Bewegung nahm mich die Welle auch mit. Meine Brust lag auf der Lippe und ich surfte ein gutes Stück und drei Armschläge lang mit der Welle. Auch das machte ich nicht nur ein Mal, sondern zwei Mal. Auch ein tolles Gefühl. Ja, selbst die Missgeschicke beim Surfen bringen mir Spaß. Vermutlich gefällt mir Surfen deswegen so sehr. Auch wenn mein Kopf heute mit den Finnen meines Boards in Berührung kam. Alles ist gut gegangen und ich freue mich auf die nächsten Tage. 

Nicht ohne Mantra: Ich kann auf dem Board aufstehen. Ich kann auf dem Board aufstehen. Ab sofort stehe ich auf, sobald ich eine Welle bekommen habe.