Nicht genug
Worüber ich mich aufregte? Darüber, nicht genug zu sein. Keine Sorge, die Euphorie des letzten Beitrages hat sich nicht in Luft aufgelöst, ich mag mein Leben weiterhin, ich bin zufrieden mit mir und dem, was ich draus gemacht habe, und doch ist da das fortwährende Gefühl, nicht genug zu sein.
Nach der Schule ging ich wohl mit dem Gedanken, genug zu sein. Doch mein gesamtes Studium über hatte ich das Gefühl, einfach nicht genug zu sein. Nirgends. Meine Professoren hinterließen diesen negativen Beigeschmack nach jeder Besprechung einer Hausarbeit. Nach den mündlichen Prüfungen hieß es auch nur „das wollen wir gerade mal so durchgehen lassen.“ Ich habe viele Jahre meines Lebens mit diesem Studium verbracht, ich weiß, dass ich dort Leistung gezeigt habe und dass es im Grunde etwas wert ist (nur für wen?). Doch mein Gefühl, mein Selbstbild in Bezug aufs Studium schreit immer wieder „nicht genug“.
Wenn es doch nur das Studium wäre. Von meinem Job wollen wir gar nicht reden. Der läuft auch nur unter dem Titel „könnte besser sein“. Doch auch im Privaten zieht sich das Gefühl durch. Meine Mutter hat es besonders gut drauf, mir das Gefühl zu geben, nicht genug zu sein. Sei es Dankbarkeit, Häufigkeit beim Melden oder Nähe. Einfach nicht genug. Und trotzdem weiß ich, dass sie unheimlich stolz auf mich ist. Ich weiß (wenn auch nicht woher), dass sie oftmals gar nicht fassen kann, was für ein tolles Kind sie da hat. Doch all das wird überschattet von dem fortwährenden Zweifel, was ich noch machen könnte. Wie ich besser sein könnte. Und ich strebe wahrlich nicht nach Perfektion, denn ich bin zufrieden mit mir. Sehr sogar. Auch in dieser Rolle. Die Frage bezieht sich eher darauf, was ich in ihren Augen besser machen könnte.
Und als ich dann neulich noch auf meiner Couch saß und… ja, lest selbst:
„Ich hab dich lieb.“ – „mhm“ – „Ganz doll.“ – „Aber nicht genug.“
Da folgten Gefühle von Empörung und Entsetzen, aber auch Schmerz und Trauer. Denn wie kann meine Liebe nicht genug sein?
