indalo

09.02.2012 um 12:42 Uhr

Nicht genug

von: indalo

Anfang der Woche unterhielt ich mich mit zwei Freunden. Zeitgleich. Und ich regte mich auf. Es war ein schönes Telefonat, doch die Themen sprangen von ernst über traurig bis hin zu sehr amüsant. Es war ein Telefonat, wie man es nur mit wenigen Menschen führen kann. Eine Konferenz, genau genommen.
Worüber ich mich aufregte? Darüber, nicht genug zu sein. Keine Sorge, die Euphorie des letzten Beitrages hat sich nicht in Luft aufgelöst, ich mag mein Leben weiterhin, ich bin zufrieden mit mir und dem, was ich draus gemacht habe, und doch ist da das fortwährende Gefühl, nicht genug zu sein.

Nach der Schule ging ich wohl mit dem Gedanken, genug zu sein. Doch mein gesamtes Studium über hatte ich das Gefühl, einfach nicht genug zu sein. Nirgends. Meine Professoren hinterließen diesen negativen Beigeschmack nach jeder Besprechung einer Hausarbeit. Nach den mündlichen Prüfungen hieß es auch nur „das wollen wir gerade mal so durchgehen lassen.“ Ich habe viele Jahre meines Lebens mit diesem Studium verbracht, ich weiß, dass ich dort Leistung gezeigt habe und dass es im Grunde etwas wert ist (nur für wen?). Doch mein Gefühl, mein Selbstbild in Bezug aufs Studium schreit immer wieder „nicht genug“.

Wenn es doch nur das Studium wäre. Von meinem Job wollen wir gar nicht reden. Der läuft auch nur unter dem Titel „könnte besser sein“. Doch auch im Privaten zieht sich das Gefühl durch. Meine Mutter hat es besonders gut drauf, mir das Gefühl zu geben, nicht genug zu sein. Sei es Dankbarkeit, Häufigkeit beim Melden oder Nähe. Einfach nicht genug. Und trotzdem weiß ich, dass sie unheimlich stolz auf mich ist. Ich weiß (wenn auch nicht woher), dass sie oftmals gar nicht fassen kann, was für ein tolles Kind sie da hat. Doch all das wird überschattet von dem fortwährenden Zweifel, was ich noch machen könnte. Wie ich besser sein könnte. Und ich strebe wahrlich nicht nach Perfektion, denn ich bin zufrieden mit mir. Sehr sogar. Auch in dieser Rolle. Die Frage bezieht sich eher darauf, was ich in ihren Augen besser machen könnte.

Und als ich dann neulich noch auf meiner Couch saß und… ja, lest selbst:
„Ich hab dich lieb.“ – „mhm“ – „Ganz doll.“ – „Aber nicht genug.“
Da folgten Gefühle von Empörung und Entsetzen, aber auch Schmerz und Trauer. Denn wie kann meine Liebe nicht genug sein?

05.02.2012 um 19:34 Uhr

Ein Hallo an mich selbst

von: indalo

Da bin ich wieder. Ich selbst. Mein Lachen, meine Tränen, meine Freude, meine Trauer, meine Emotionen. Ich hab mich wieder. Wirklich.

Vor ein paar Monaten hab ich mich verloren. Irgendwo auf der Strecke bin ich liegen geblieben. Ich merkte es kaum, ich merkte nur, dass mein Leben… kaputt ging. Es brökelte, doch es tat nicht weh. Es zerfiel, doch ich hörte es nicht scheppern. Ich war taub, und doch so sehr am Boden, dass ich wusste, wo ich war. Ziemlich weit unten. Und dann kam mein Lachen wieder, zumindest etwas. Ich wollte es festhalten, ich musste es festhalten. Denn es war der Strohhalm, an dem ich mich festhielt. Doch jetzt, das ist mein richtiges Lachen. Von tief unten. Und das länger als nur einen Moment. Mehr, als nur teilweise.

Ich fühle mich nicht nur besser, ich fühle mich gut. Aus vielerlei Gründen. Und – herrje, das fällt mir gerade beim Schreiben dieses Satzes auf – ein wenig (oder auch sehr) erschreckend ist, dass… hat das alles mit ihr zu tun?! Vor wenigen Tagen tauchte eine alte Bekannte wieder auf, nachdem sie im Herbst verschwand. Sie ist schon ein besonderer Mensch in meinem Leben, und das seit Jahren, doch… so sehr, dass mein Grundgefühl davon abhängig ist? Nein, das glaube ich nicht. Ich hoffe, dass es nicht so ist. Und würde ich darüber nachdenken, würden mir Beispiele einfallen. Aber passend ist es, für unsere Beziehung.

Zurück zu den Gründen, warum ich mich gut fühle.
Einerseits hab ich den Teufel meiner Gegenwart seit vielen Wochen nicht ertragen müssen, und ich glaube wirklich, dass das dringend nötig war. Andererseits rückt das Ende einer Ära näher, die ich lange Zeit befürchtete. Da war wieder so ne Leistung, die ich erbringen musste. Schriftlich. Das ist nicht so meine Welt. Doch ich fühlte mich gut beim Schreiben. Die ganze Zeit. Na gut, die meiste Zeit. Ich habe in den Tiefen meiner Verirrungen angefangen, positive Gedanken zu denken. Ich habe mir immer wieder gesagt, dass man etwas nicht unbedingt wollen muss, man muss nur Willens sein. Und das ist ein wichtiger Unterschied. Und so habe ich dafür gesorgt, dass ich Willens war, dieses Werk zu vollbringen. Und als es dann soweit war, dass ich anfing zu schreiben, ging es viel leichter von der Hand.

Und dann hab ich mir noch selbst etwas geschenkt. Gleich zwei Dinge. Eins davon wollte ich vor nem knappen Jahr haben. Das andere… das war mehr ein Versehen, eine Folge des süchtig machenden Ebays. Also, ich nehm’s auch, ich bereu den Kauf nicht, aber es war auch kein lang ersehnter Wunsch. Und so ist meine Wohnung um zwei Sportgeräte reicher, die eher für draußen gedacht sind. Doch ich wäre nicht ich, würde ich die allgemein anerkannte Regel, dass in der Behausung nicht gefahren wird, nicht in Frage stellen.

Das alles zusammen macht mich glücklich. Und bringt mich zu mir selbst zurück. Denn das bin ich. Damit sage ich nicht, dass die nächste Zeit nicht auch schwer wird, dass es Ernüchterungen geben wird und ich auch da weiter auf mich aufpassen muss, aber dennoch kann ich in den Spiegel gucken und mich begrüßen. Mich anlächeln. Und ich kann lachen. Ich kann Emails schreiben und mich auf anderes besinnen als diese blöde Kuh, die mir meinen so heiß geliebten Job zur Hölle gemacht hat.

03.02.2012 um 19:06 Uhr

Runde Tage

von: indalo

Es gibt Tage, die laufen einfach rund. Die sind einfach gut. Und heute ist so ein Tag. Obwohl die Öffentlichen heute der Meinung waren, dass ein halber Zentimeter Schnee genug Grund sind, Störungen im Betriebsablauf zu verursachen, und ich dadurch in zeitliche Nöte kam, war’s ein richtig schöner Tag. Schon morgens aufzuwachen und den Schnee auf meinem Dachfenster zu sehen, erfreute mich sehr. Dass die Busse und Bahnen dann nicht so wollten wie ich, war zwar weniger schön, aber erträglich. Und dann der Beruf. Schöner Beruf. An Tagen wie heute mag ich ihn sehr. Ich weiß nicht, warum heute alles so glatt lief. Vielleicht war es die kurze Arbeitswoche, vielleicht war heute auch einfach nur ein besonderer Tag, wer weiß. Oder aber es hat damit zu tun, dass ich gestern Abend zum ersten Mal das Gefühl hatte, mich auf den kommenden Tag richtig vorzubereiten. Ich ging mit dem Gedanken ins Bett, dass es werden wird. Ich war mir noch nicht ganz klar darüber, wie es werden wird, aber ich glaubte daran, dass es gut wird. Vielleicht hab ich das auch einfach ausgestrahlt, und so wurde mir diese Zufriedenheit widergespiegelt. Wer weiß. Womöglich. Jedenfalls war heute ein guter Tag.

01.02.2012 um 23:13 Uhr

Flirtereien

von: indalo

Ich genieße mein Leben gerade so richtig. Jetzt, in diesem Moment. Nicht im großen Rahmen, nur im ganz großen. Und auf jeden Fall im Moment selbst, in den Augenblicken des Tages, in denen ich aus tiefstem Herzen lache. In denen ich sprachlos am Telefon sitze und den Worten eines Mannes lausche, der in mein stolperte und nie mehr gehen wird. Er stolperte, nicht weil er zu fallen drohte, sondern weil er bei unserem ersten Zusammentreffen nicht ahnen konnte, dass das der Beginn einer lebenslangen Bindung ist. Er hat sie geheiratet, und an dem Tag wurde auch unser Verhältnis schriftlich festgehalten. Junger Mann, der du so oft schon Ziel meiner Schwärmereien warst, mögest du immer so liebevoll und liebenswert sein, wie du es jetzt bist. Mögen deine Anrufe weiterhin so natürlich wirken, wie Streicheleinheiten für die Seele.

Hätte man mir vor ein paar Jahren gesagt, dass es nicht lange dauern wird, bis ich so erwachsen bin, dass ich mit den Ehemännern und Ehefrauen meiner Freunde telefoniere, weil wir wirklich eins geworden sind, ich hätte es wohl bezweifelt. Denn so oft es auch heißt, dass man nicht erwachsen werden möchte, so sehr gehört dies für mich zum Erwachsensein. Und das hat offensichtlich auch sein Gutes.

Doch mal abgesehen davon, dass wir nicht nur Telefonate flirtend verbringen, sondern auch ganze Nächte auf der Reeperbahn, sollte es um andere Flirtereien in diesem Beitrag gehen. Denn für gewöhnlich sind eher Frauen Ziel dieser Übung. Und so habe ich zwei Opfer gefunden, die sich bereitwillig mit mir die Tage um die Ohren schlagen. Das macht ein Spaß. Es ist dabei wieder einmal völlig irrelevant ob vergeben oder anderweitig interessiert, für mich zählt nur die Freude, die ich beim Schreiben dieser Mails empfinde. Und nicht nur beim Schreiben, auch beim Lesen, und beim davon erzählen. So habe ich eben meinen Gesprächspartner am Telefon mächtig irritiert, als ich kichernd und glucksend von mir gab, wie sehr ich diesen Mailverkehr genieße. Es tut unheimlich gut, so viel Nebenbeibeschäftigung zu haben. Vor allem wenn man bedenkt, was ich eigentlich tun sollte.

Ach, ich liebe es Hochzeiten zu planen!

26.01.2012 um 18:35 Uhr

Alles nur Schein?

von: indalo

Ich finde meinen Beruf immer mal wieder schwierig. Aus vielerlei Hinsicht. Insbesondere meine aktuelle Situation. Ich lerne und lehre gleichzeitig. Man ist weder das eine, noch das andere. Was ich völlig okay finde, denn im Grunde ist es immer so im Leben. Das ganze Leben hindurch lernt man und lehrt auch. Doch ich soll anders wirken als ich bin. Ich soll ausstrahlen, alles zu können, fehlerlos zu sein. Und das liegt mir nicht. So gar nicht.

Macht. Es geht auch immer wieder um Macht. Ich habe Macht, die ich nicht haben möchte. Ich will nicht, dass Menschen immer nur Ja und Amen sagen. Ich möchte, dass sie mir widersprechen, frei von Angst. Doch ich fürchte, das funktioniert nur selten. Sehr selten.
Es ist so vieles falsch in diesem Beruf – oder von mir aus auch überall in der Berufswelt. Taktiken, die braucht man. Ständig fährt man irgendeine Taktik und ständig muss man versuchen herauszufinden, ob das Gegenüber nur einer Taktik folgt oder ausnahmsweise mal hinter dem steht, was er oder sie sagt.
Ich selbst bin nicht frei davon. Ich bemerke, wie manche Gespräche eine Wendung erfahren, weil mir auffällt, dass es mir etwas nützen könnte. Und doch stocke ich immer wieder und schelte mich für diesen Gedanken. Warum besser erscheinen, als man ist? Ich will das nicht. Ich will normale Beziehungen zu meinen Mitmenschen führen, frei von Taktik, frei von Macht und dafür voller Ehrlichkeit. Doch irgendwie… funktioniert das nicht. Oder nur selten.

Und so stolpere ich vor allem in Konferenzen mit meinen Kollegen über diesen Schein. Hier wird das gesagt, dort jenes, und letztlich weiß ich nicht mehr, was davon wahr ist und was falsch. Stänidg ändern meine Kollegen ihre Meinung, oftmals um Arbeit zu vermeiden. Und das passt mir so wenig in den Kram. Und dann sitz ich im Auto auf dem Heimweg und schüttel den Kopf über die Geschehnisse des Tages.

Besteht das Leben, das erwachsene Leben, wirklich so sehr aus Schein?

23.01.2012 um 23:22 Uhr

Sag mal

von: indalo

…war der Betreff meiner letzten Mail. Es folgte ein Frage, eine einfache, planungsrelevante Frage. Zurück kam eine Email, die von Schmerz und Angst zeugte. Eine, die ich so noch nicht bekam und keinesfalls erwartete. Ich schrieb sofort zurück und entschloss spontan, dass wir reden sollten, nicht mailen. Gedacht, gesagt, getan. Und so verbrachten wir die letzten dreieinhalb Stunden miteinander. Einfach so.

Ich wurde vorgewarnt. Auf meine Frage „Magst du reden?“ kam nur „wenn du damit leben kannst, dass ich spontan losheule.“ Und so kam es dann auch. Es war emotional, und ich versuchte tapfer zu sein, und ihr aber auch gleichzeitig Halt zu geben. Das war nicht einfach. Und doch auch irgendwie schon. Es war so natürlich. Und das, obwohl wir gerade ne sehr lange Sendepause hatten. Und womöglich auch wieder haben werden. Doch wenn was ist, bin ich da. Und das weiß sie. Das spürt sie. Und ich danke ihr dafür, dass sie es annimmt. Denn so sehr ich auch viele ihrer Aussagen analysiere und ihre Beziehungen zu anderen Menschen mit unserer gemeinsamen Vergleiche, so sehr ich auch alles auseinandernehme und immer wieder Bestätigung suche, so sehr weiß ich aber auch, dass wir zusammen gehören. Immer wieder. Wir haben so viel durchgestanden, und trotzdem ist da so ein natürliches Gleichgewicht. Wir haben schwierige Phasen hinter uns, insbesondere auch miteinander, und doch ist da diese Vertrautheit. Mal Gefühl, mal Wissen. Irgendwie tut es gut.

Und so singe ich die ganze Zeit – schon lange vor der Email – vor mich hin, immer und immer wieder die Textzeile „Sag mal weinst du, oder ist das der Regen, der von deiner Nasenspitze tropft.“ Ich erinnere mich an den Eintrag, der diesen Titel trug. Heute weiß ich, dass es damals nicht der Regen war. Wir haben nicht darüber geredet, und doch weiß ich es jetzt. Spannend, wie manche Dinge sich einfach klären. Und spannend, wo dieses Lied nach all den Jahren wieder herkommt. Einfach so.

Eine Vorahnung?

22.01.2012 um 14:33 Uhr

Wohnungsbewerbung

von: indalo

Soeben habe ich eine Bewerbung für eine Wohnung rausgeschickt. Nicht für eine konkrete, sondern bei einer Wohnungsgesellschaft für Wohnungen bestimmten Typs. Wobei mein Wohnungstyp noch nicht sehr konrekt ist. Ich will nur irgendwas bezahlbares in der passenden Größen und am richtigen Ort. Ansonsten bin ich flexibel. Denn „bezahlbar“ und „passende Größe“ sind mittlerweile sehr flexibel. Nur der Ort nicht, denn nicht nur die Stadt, sondern auch der Stadtteil stehen fest. Zumindest gibt es Fixpunkte, von denen aus der Radius startet. Muss also nicht mal die gleiche Stadt sein, solange es nah genug ist. Ich will zurück.

Schon vor zwei Tagen saß ich auf meiner Couch, oder besser lag ich auf meiner Couch, und begab mich auf Wohnugssuche. Es dauert noch viele Monate, eh es soweit ist, und es steht noch nicht einmal hundert prozentig fest, dass es dann auch wirklich sein wird. Und doch habe ich den inneren Drang, mich damit zu beschäftigen. Ich brauche etwas, worauf ich mich freuen kann, ein Ziel, auf das ich hinarbeite. Damit ich arbeite. Denn zur Zeit bin ich faul, unmotiviert und irgendwie resigniert. Nicht besonders schlimm, eher normal bequem. Und doch sollte ich langsam in die Puschen kommen. Aufhören, meine Zeit zu verschwenden und loslegen. Doch stattdessen suche ich Wohnungen. Überlege mir, was meine Vorstellungen sind und versuche herauszufinden, ob ich sie realisieren kann. Denn ich möchte eine bestimmte Dusche. Einen bestimmten Typ Dusche, den ich total toll finde. Nur weiß ich nicht, ob ich den überhaupt finden kann. Und schon gar nicht, wie ich ihn finden soll. Und ich glaube, ich möchte wieder einen Balkon. Ich brauche mehr Frischluft als ich es hier bekomme. Definitiv nicht Erdgeschoss, das konnte ich auch angeben. Und nen Wunschtermin, der mir auch sehr schleierhaft war. Aber ich habe was eingetragen und hoffe, dass es nicht zu meinem Nachteil wird, dass ich so früh begonnen habe. Ich träume von einer Fußbodenheizung, doch ich weiß, dass das ganz schön viel verlangt ist. Aber man muss auch träumen können.

Doch alles in allem, so sehr ich auch bereit für den Rest meines Lebens und den vorerst letzten Umzug bin, so sehr ziehe ich auch in Erwägung, dass auch die nächste Wohnung nur ein Zwischenstopp ist. Der Anfang vom Ende meines Lebens. Sie würde mich an den richtigen Ort bringen, sie würde mich vor Ort bringen, sodass ich dann ganz in Ruhe über längere Zeit suchen kann. Entspannt, zurückgelehnt und ohne Hin- und Herfahrerei. Das ist der Plan.

20.01.2012 um 20:15 Uhr

Glücksmomente

von: indalo

Es sind die kleinen Momente, die das Leben so schön machen. Das Lächeln, welches so herzerwärmend ist, dass alles um einen herum egal wird. Und so ein Lächeln durfte ich heute wieder erleben.

Meine Woche war wieder hart und anstrengend. Ich zähle nach wie vor die Wochen bis zum Ende dieser Zeit. Und es werden weniger, immer und immer weniger. Und das ist verdammt gut so. Es gibt Zeiten, da kann ich nicht schlafen, es gibt Momente, in denen möchte ich alles hinschmeißen, und im Grunde kann ich die Frage nach meinem Gemütszustand schon viel zu lange nicht mehr beantworten. Ich will sie nicht beantworten. Nur heute, da geht es mir wieder richtig gut.

Heut Abend stand ich da mit diesem Jungen in der Eingangshalle. Wir jonglierten alle fröhlich durcheinander und dann erinnerte mich ein Mann daran, was man noch alles beim Jonglieren machen kann. Und so schnappte ich mir den Jungen und meinte, mir ist noch etwas eingefallen, was ich ihm zeigen könnte. Ich forderte ihn auf zu jonglieren – Mann, bin ich stolz auf das, was er in der kurzen Zeit, die ich ihn kenne, schon gelernt hat! Er legte los und dann klaute ich ihm grinsend einen Ball nach dem anderen. Während ich dies tat, beobachtete ich sein angestrengtes Gesicht, was ganz plötzlich zu einem breites Grinsen wurde. Dieser Moment war bezaubernd, vor allem da ich es gar nicht so extrem erwartet hätte. Zudem kicherte er noch. Er war unheimlich fasziniert. Also spielte ich noch ein paar Mal das gleiche Spiel mit ihm. „Das ist lustig.“ sagte ich verträumt, und jedes Mal wieder entspannte sich sein Gesicht zu einem Grinsen. Und er kicherte. Er kicherte als würde ich ihn kitzeln.

Und ich erinnere mich sooo gut daran, wie jemand das das erste Mal mit mir gemacht hat. Auch ich musste kichern. Es ist kein Lachen, es ist nicht nur ein Schmunzeln, es ist wirklich ein Kichern. Und mich in ihm wiederzuerkennen fühlte sich gut an. Das Kind in mir regte sich und ich dachte darüber nach, warum das witzig ist. Denn es ist wirklich ein wenig wie das Kitzeln. Keine körperliche Berührung, sondern eine seelische. Das Gegenüber sieht was man macht und ist einem dabei sogar einen Schritt voraus. Nicht weil er oder sie besser oder schneller ist, nein, denn das Gegenüber muss ja meine Schritte erahnen, nicht etwa mit den eigenen davon rennen. Möge er sich dieses Kichern länger erhalten können als ich es schaffte.

28.12.2011 um 23:10 Uhr

Medizin

von: indalo

Manchmal ist die Medizin sehr trivial. Zu trivial um sie als solche wahrzunehmen.

Vielleicht hängt es mit dem Horoskop zusammen, über das ich durch Zufall stolperte. Einer dieser Fünfzeiler aus Zeitschriften, denen man keine Beachtung schenkt. Wann immer ich eine Zeitschrift in den Händen hielt, laß ich das Horoskop (und die Witze). Nicht, weil ich so sehr daran glaube, sondern vielmehr weil ich daran glaube, dass man ohnehin nur hört, was man hören will. Kommunikation funktioniert oft so. Jemand sagt etwas, und wir interpretieren genau das, was wir erwartet haben. Es ist subjektiv. Und genauso betrachte ich Horoskope. Meist lache ich darüber und habe sie eine Minute später schon wieder vergessen. Doch manchmal sagen sie mir das, was ich hören will. Was ein Teil von mir hören will. Und so sagte jener Fünfzeiler, dass ich jobmäßig nichts übereilen sollte, zumindest nicht am Ende des Jahres. Und so nahm ich dies als Erlaubnis, mir diese Tage frei zu nehmen. Zumindest gestern und heute habe ich mir wirklich frei genommen. Ich habe mir nicht selbst den Druck gemacht, dass ich anfangen sollte, diese blöde Arbeit zu schreiben.

Meine Medizin? Einen ganzen Tag lang eine alte Serie gucken. Eine Serie, die mich über viele Jahre begleitet hat und schon einmal vor vier Jahren neu auflebte. Es ist wahrlich nicht von Bedeutung, worum es sich handelt. Es brachte mich zum Lachen. Da bewegen sich Personen über den Bildschirm, die man zu kennen glaubt. Ich weiß, wie’s weitergeht, vor allem weiß ich aber auch, dass es weitergeht. Die Details hab ich vergessen, sie sind auch nicht von Bedeutung, es zählt einzig und allein, dass es immer weitergeht. Dass alle Probleme gelöst werden. Und während ich das gerade schreibe, scheint mir, dass das etwas ist, was ich erleben muss. Es geht weiter. Ich gehe weiter. Ich komme da wieder raus, aus dieser Situation. Eine Situation, die ich schon gar nicht mehr als so fatal empfinde. Ich möchte sie jetzt schon kleinreden. Abwarten.

Jedenfalls fühle ich eine gewisse Genesung, die mir gelegentlich auch von meinem Umfeld gespiegelt wird. Typische indalo Einträge? Das macht Hoffnung. Oder auch eine Email, von der ich weder weiß, mit welcher Intention sie geschrieben wurde, noch wie ich darauf zu reagieren gedenke. Doch diese Email entlockte mir ein Schmunzeln, ein Lachen, ein Lächeln, ein Stirnrunzeln. Emotionen. Nicht nur solche, die sich in mir bewegen, sondern auch welche, denen ich mich spontan hingab.

Und so habe ich Hoffnung. Auch Hoffnung darauf, dass meine Gedanken, ich wäre bereit für den Rest meines Lebens, nicht von ungefähr kommen. Ich spüre sich formende Gedanken, die ich schlecht in Worte fassen kann. Aber ich spüre, wie sich etwas formt und bin gespannt, wann und wie ich es in Worte fassen werde.

24.12.2011 um 14:49 Uhr

Vor einem Jahrzehnt

von: indalo

…hab ich das erste Weihnachten ohne meine Eltern verbracht. Ohne Eltern, ohne Freunde und doch mit meiner Familie, einer neuen Familie. Es ist zehn Jahr her, dass ich auf einem anderen Kontinent lebte. Es ist zehn Jahre her, dass ich mich von meinem Leben verabschiedete und ein neues begann. Allein, ganz weit weg. Und diese Zeit – so viele schreckliche Dinge auch passiert sind – gehört zu den schönsten Zeiten meines Lebens. Ich habe mich verändert, ich bin erwachsener geworden und doch ich selbst geblieben. Das haben nicht viele geschafft, die meisten sind erwachsen geworden und wurden ein anderer Mensch. Nicht ich.

Als ich wiederkam trennten viele Monate meine Freunde und mich. Viele Erfahrungen, die ich gemacht haben, die sie nie machen würden. Und sicherlich auch einige Erfahrungen, die sie gemacht haben, bei denen ich nicht dabei war. Und doch war es, als hätten wir uns nie getrennt. Meine Freunde und ich, wir blieben uns erhalten. Auch heute noch. Und meine Familie? Mit der konnte es nicht schwieriger werden, und so wurde es auch nicht leichter. Höchstens leichter für mich, weil ich erwachsener war und mit manchem besser umgehen konnte. Weil ich dadraußen in der Welt noch eine Familie gefunden habe, die mir gehörte. Ich hatte einen Zufluchtsort – wenn auch nur gedanklich.

Und heute blätterte ich das tonnenschwere Fotoalbum durch. Ich habe es damals mit viel Liebe gemacht, direkt in der Zeit danach. Und noch heute erinnere ich mich an einzelne Seiten, an viele Fotos und Geschehnisse. Manches habe ich auch vergessen, doch das meiste ist in meinem Herzen eingeschlossen. Es ist noch da. Ich fühle, wie ich mich fühlte, als die Dinge passierten, die auf den Fotos festgehalten sind. Ich erinnere mich daran, wie ich die Fotos einklebte. Und ich erinnere mich noch mit demselben komischen Gefühl daran, wie ich ein paar Tage oder Wochen später an meinem Schreibtisch saß, auf einen der mich umgebenden Bilderrahmen schaute und mich sehr ernsthaft fragte, ob das alles überhaupt wahr gewesen ist. Es war weg, und es würde nie wieder kommen. Ich war weg, doch ich würde wiederkommen. Das wusste ich. Doch das brachte nichts, denn alles war anders.

Ich erinnere mich noch an so viele, kleine Momente. An Ereignisse, die mich noch heute zu einem Lächeln bringen, an Aussagen, die ich nie vergessen werde. Und als ich zu Fotos von bestimmten, größeren Ereignissen kam, die jeder aus dem Fernsehen kennt, konnte ich nur denken: Ja, das ist wirklich wahr. Das ist nicht nur Fernsehen, die Menschen sind so.
Manche Dinge werden nie verstanden werden, und ich sitze hier, vor mich hinlächelnd mit diesem Wissen. Und auch mit dem Schmunzeln, dass höchstens eine Person das gleiche auf den Fotos sieht wie ich. Denn würde ich jetzt jemandem dieses Album zeigen, so würde er junge Menschen und kleine Kinder sehen. Er würde bunte Farben sehen, vermutlich Vorurteile bestätigen und eine jüngere Version meiner Person betrachten. Doch ich sehe etwas völlig anderes. Ich sehe Gefühle, ich höre Stimmen, doch am allerwichtigsten: Ich sehe keine jungen Menschen oder Kinder, ich sehe Menschen, die ihr Leben für eine Zeit mit mir teilten und heute genauso alt sind wie ich – oder älter. Ich sehe nicht mich mit Nase, Augen, Ohren und einer anderen Frisur, nein, ich sehe einen Teil von mir. Es ist, als sähe ich in mich hinein.

22.12.2011 um 20:57 Uhr

Energie

von: indalo

Energie. Damit meine ich nicht nur die Energie zum Aufstehen, also die Energie als Gegenteil der Erschöpfung. Nein, vielmehr meine ich auch Ausstrahlung, energetische Wellen, die wir aussenden und die von anderen aufgenommen werden. Im Grunde meine ich beides, alles in dem Wort Energie vereint. Kraft und Strahlen. Und damit geht die Aussage einher:

Solange ich Energie habe, kämpfe ich.

In meinem Leben habe ich viel gekämpft. Das fing in der Grundschule an – soweit ich mich erinnern kann. Bestimmt schon im Kindergarten, doch ich erinnere mich an große Kämpfe in der Grundschule. Kämpfe gegen alles und jeden, und meistens war ich allein. Oder zumindest allein auf der Suche nach Komplizen. Nach Verstärkung. Immer habe ich gekämpft. Ja, mir wurden viele Steine in den Weg gelegt, und ja, ich habe auch viel Unterstützung bekommen. Nur so hatte ich die Kraft weiterzumachen, nur so kam ich nicht auf den falschen Weg.
In den letzten Jahren kämpfte ich nur noch allein. Doch kämpfte ich nicht nur gegen die Ungeheuer meines jeweils aktuellen Alltags, nein, ich kämpfte auch noch gegen die Menschen meines Lebens, die meinen Weg in Frage stellten. Immer wieder diskutierte ich mit den „Erwachsenen“ darüber, wieso ich der Meinung bin im Recht zu sein, wieso ich überhaupt kämpfe statt mich zu fügen. Jahrelang ging das so, und ich hatte immer genug Energie um an beiden Fronten zu arbeiten. Doch die Ereignisse der letzten Monate haben mir alles genommen, was ich an Energie hatte. Ich hätte keine Energie gehabt, gegen die Ansichten der „Erwachsenen“ zu kämpfen. Ich hätte mich nicht verteidigen können und sicherlich auch nicht mehr wollen. Und das scheine ich ausgestrahlt zu haben. Das ist die Energie, die bei den Menschen meines Lebens angekommen ist. Warum ich das weiß? Weil ich auf einmal nicht mehr kämpfen musste. Im Gegenteil, sie stimmten mir unaufgefordert zu und meinten, ich wäre im Recht. Einfach so. Ob das wohl aus Mitleid geschah, weil ich nur noch ein Häufchen Elend war (hey, ich sage nicht mehr „bin“)? Gerade eben wurde mir das so richtig bewusst. Wer am Boden liegt wird nicht mehr getreten. Und offensichtlich war offensichtlich, dass ich am Boden lag.

Irgendwie auch erschreckend. Denn es zeigt, wie tief ich gefallen bin. Wie tief ich fallen musste um diese Art der Unterstützung zu bekommen. Es hat lange gedauert und wird in Zukunft womöglich nicht anhalten. Doch für den Moment reicht es mir. Denn bei dem fortwährenden Gedanken, dass ich zu schwach und stumpf bin um mir Sorgen zu machen, sich mein Leben zu dumpf anfühlt um verängstigt oder sauer zu sein, bei diesen Gedanken hätte ich nicht noch Zeit, an anderen Fronten zu kämpfen. Und so vertraue ich auf die Energie in mir und um mich herum, dass sie das ausstrahlt, was ich brauche. Das, was im Moment richtig ist.

13.12.2011 um 14:57 Uhr

Dinge, die im Dunkeln leuchten

von: indalo

Gestern saß ne Vierzehnjährige vor mir und fragte mich entnervt: „Müssen wir jetzt basteln?“ – „Ja.“ grinste ich zurück. Doch es war nicht nur ein Ja, nicht eine Silbe, es war ein… ach, ich weiß nicht, wie ich es beschreiben sollte, nichts käme der Realität so nah wie das Vormachen. Und die Kleine meinte grinsend: „Welch kindliche Freude Sie dabei haben.“ Und ich grinste und nickte. Ihr Nachbar grinste mich ähnlich debil an und ich meinte nur, dass auch in mir noch ein Kind lebt. Da sagte sie, so weise wie ich sie bisher nicht erlebte, dass man immer ein Stück weit Kind bleibt.

Ein wunderbarer Moment, ein Strahlen in meinem Inneren. Ich schaffte es mit meiner Antwort, dass sich ihr Genervtsein in Luft auflöste. Was will man mehr?

Kurze Zeit später fand ich im Büro nebenan ein Paket für mich. Oh, wie sehnte ich mir dieses Paket herbei. Es ist weit gereist, ganz aus Italien hat es sich auf den Weg gemacht. Und die ganze letzte Woche hibbelte ich vor mich hin, dass ich endlich dieses Paket wollte. Gestern war es dann soweit und ich freute mich wie’n kleines Kind als ich es auspackte. Denn ja, ich bin ein kleines Kind und es beruhigt mich, dass wenigstens dieser Draht nicht verloren gegangen ist. Und dann hielt ich sie in den Händen. Drei Bälle, die im Dunkeln leuchten. Hach, ich hab mich so gefreut, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, n paar Kinder neidisch zu machen. Mit einem schadenfrohen Grinsen stand ich im Dunkeln und zeigte ihnen die Bälle. Wie gut, dass es so dunkel war, dass ich meiner Schadenfreude ohne schlechtes Gewissen freien Lauf lassen konnte.

Als ich zu Hause war, konnte ich nicht aufhören darüber zu reden. Die Bälle, mein Highlight des Monats. Die sind einfach toll und ich bin froh, dass ich sie mir endlich besorgt habe. So quietschte ich auch am Telefon freudestrahlend vor mich hin. Meine Gesprächspartnerin fragte mich nur trocken – auch wenn sie sich sehr bemühte, sich für mich zu freuen – warum in aller Welt Menschen so begeistert von diesen Dingen sind, die im Dunkeln leuchten. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass sie mich schon immer faszinierten. Womöglich liegt es auch daran, dass ich absolut keine Ahnung habe, wie das funktioniert.
Jedenfalls freute ich mich absolut kindisch und bin echt stolz auf meine Freundin, die noch nie so erwachsen reagierte, wie in dem Moment, als sie mit mir quietschte vor Freude.

11.12.2011 um 19:58 Uhr

Naiv

von: indalo

Ich bin naiv. Ich bin blind. Ich habe so vieles der letzten Wochen und Monate nicht wahrgenommen, nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Ich bin ein positiver Mensch, drehe vieles so, dass es für mich passt, doch bisher war ich mir nicht im Klaren darüber, dass ich obendrein auch noch naiv bin.

Nicht ein einziges Mal hab ich in diesem Jahr darüber nachgedacht, dass jene Frau mir etwas schlechtes will. Schon mehrere Personen haben mir gespiegelt, dass dem so ist. Das war für sie ganz klar, zumindest nach den Erzählungen. Sie gingen davon aus, dass ich auch so denke. Doch ich tue es nicht. Auch jetzt noch nicht.

Gestern am Telefon hörte ich immer wieder Sätze à la „Boa, die Frau regt mich ja so auf.“, „Das geht ja wohl gar nicht, was die da treibt.“ oder „Ey, ich hasse sie, die macht mich richtig wütend.“ Und ich höre mir das an, verstehe, woher diese Sätze kommen, doch mein Gefühl macht nicht mit. Ich rege mich nicht auf, ich bin nicht wütend, ich bin nicht sauer. Ich hasse sie nicht. Ich bin soweit zu sagen, dass ich sie nicht mag. Und das ist schon ein großer Fortschritt. Aber – und ja, das macht mir durchaus Angst – ich hege keine Wut oder sonstige, negative Gefühle. Und ich fürchte, das liegt daran, dass ich dafür keine Energie habe. Wirklich nicht. In den letzten paar Tagen überlegte ich, ob ich sie nicht hassen sollte, ob ich nicht wütend werden sollte – für den Fall, dass ich mir das womöglich verbiete – denn Wut bringt Energie. Sie frisst auch Energie, das stimmt, aber es heißt nicht umsonst, dass man geladen ist vor Wut. Ich bin nicht geladen, ich bin entladen. Total leer. Ich fühle auch keinen Schmerz, auch wenn er da sein muss. Ach, ich kann wahrlich nicht sagen, auf welcher Emotion die Tränen basieren, die ich so gar nicht unter Kontrolle habe.

Dem ein oder anderen antworte ich gerade auf die Frage „Wie geht es dir?“ mit „Beschissen.“ Ich weiß nicht, wann ich das je geantwortet habe. „Gestresst.“, „Weniger gut.“, „Genervt.“ oder anderes sind eher Varianten, nur „Beschissen.“ ist so negativ, dass ich das nie sage. Doch ich tue es, denn eine andere Beschreibung habe ich nicht mehr. Und doch begreift mein Umfeld nicht, was es bedeutet, wenn ich mal eine derart negative Antwort gebe. Ich sage es mit einem Grinsen, denn Grinsen und Lachen schüttet Endorphine aus, nicht wahr? Vielleicht sollte ich es lassen, dann würde ich wenigstens nicht mehr so sehr schocken mit der Aussage, dass ich mittlerweile schon heulend vor meiner Chefin stand. Da ging einfach gar nichts mehr.

Und ich glaube, dass ich auch so naiv bin, dass selbst wenn ich manches hier schreibe, ich es nicht als solches wahrnehme. Denn wenn ich jetzt wieder lese, dass ich vor kurzem schrieb, dass ich mich von mir selbst distanziere, dann sagt mir mein Kopf, dass das doch Erklärung genug ist, für diese… für das alles. Für das stumpfe und dumpfe Gefühl, für das nicht gefühlte Gefühl. Und doch irritiert es mich. Womöglich glaub ich mir selbst nicht mehr.

 

09.12.2011 um 21:12 Uhr

Danke, dass ich dir helfen darf

von: indalo

Eins der schönsten Dinge, die mir in meinem Beruf passieren können, ist heute passiert. Trotz all des Ärgers, der in den letzten Wochen meinen Alltag beherrscht, trotz all der Sorgen, trotz all der Verzweiflung, einfach trotz allem, bin ich noch in der Lage, einer jungen Frau das Gefühl zu geben, gesehen zu werden. Trotz allem habe ich ihr vor einigen Tagen eine Perspektive gezeigt, ihr Hoffnung gemacht und ihr wohl auch irgendwie Geborgenheit vermittelt. Und das rührt mich sehr.

Nachdem der Tag heute gelaufen ist, nachdem zumindest das Offizielle vorbei war, kam sie auf mich zu: „Das Vorstellungsgespräch heute war richtig gut.“ Schon vorher erwähnte sie irgendwas von einem Gespräch heute, doch ich konnte nicht darauf eingehen. Ich sagte nur, dass ich mich für sie freuen würde. Doch dann musste es weitergehen. Und trotz dieser Reaktion, die womöglich nicht ganz ihren Hoffnungen entsprach, startete sie einen neuen Versuch am Ende des Tages. Obwohl sie schon hätte nach Hause gehen können, wartete sie um mir von dem ersten Vorstellungsgespräch ihres Lebens zu erzählen. Sie war so stolz, so glücklich. Das fühlte sich einfach gut an. Und die Tatsache, dass von all den Ansprechpartnern in ihrem Leben, sie sich mich aussucht um über ihre Zukunft zu reden, ehrt mich sehr. Ich konnte ihr ihre Fragen nicht eindeutig beantworten, weshalb ich sie fragte, ob sie nicht mal mit xy reden wolle. „Nein“ war die klare und sehr bestimmte Antwort. Okay. Danke.

06.12.2011 um 20:41 Uhr

Entschlüsse

von: indalo

Ich habe einen Entschluss gefasst. Ich mag sie nicht. Ich mag diese Frau nicht. Und ich habe beschlossen, dass sie mich auch nicht mag. Nicht, weil ich das so entschieden habe, sondern weil ich mich jetzt damit abfinde. Bisher war sie mir suspekt, bisher konnte ich sie nicht einordnen, nicht greifen. Doch jetzt ist es soweit: Ich mag sie nicht.

Seit Monaten denk ich immer mal wieder, meine Sprache geht den Bach runter. Ich krieg kaum ganze Sätze hin, ich fange Sätze an, beende sie aber nicht. All sowas. Ich nahm das als Veränderung, als normal, als gegeben hin. Doch heute saß ich da und dachte darüber nach, dass ich vor anderen Menschen keine vernünftigen Sätze mehr rauskriege. Mir fiel auf, wie ich gestern Abend nur vor mich hinstotterte. Und heute kam ich zu dem Entschluss, dass sie daran schuld ist. Sie verunsichert mich in allem, was ich tue. Sie greift mich mit allem an, und das auf allen Ebenen. Ich komm da nicht gegen an. Überhaupt nicht. Und ich bin echt kurz davor, alles hinzuschmeißen. Heute mal wieder mehr als weniger. Nicht, weil sie mir irgendwas blödes gesagt, nicht, weil irgendwas passiert ist, vielmehr weil in mir drin so viel passiert. So viel kaputt geht. Und ich guck dem nur noch zu. Ich kann dagegen nichts mehr tun. Ich stehe da und schwenke die weiße Fahne. Doch es hilft nichts.

Vielleicht bin ich die letzten Monate meines Lebens wirklich total verblendet durch die Gegend gelaufen. Vielleicht habe ich das schlechte nicht sehen wollen. Womöglich hat mich die Euphorie darüber, dass ich endlich genau das tun kann, was ich mein Leben lang wollte, blind gemacht für all die Hinweise, für die Andeutungen, für das so Offensichtliche. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mit jedem Tag, mit jeder Stunde mehr feststelle, was ich alles nicht gesehen habe. Dass ich all ihre vagen Aussagen zu positiv interpretiert habe. Dass ihre Androhung, dass ich die Prüfung so nicht bestehen werde, nicht nur eine Aussage in Bezug auf den Tag war, oder auf das, was ich mache. Nein, es war vielmehr ihre Art auszudrücken, dass ich ihrer Meinung nach den falschen Beruf habe. Also dass ich nicht richtig bin für diesen Beruf. Doch nicht einmal das zu sagen war sie in der Lage. Wir haben keine Kommunikation, sie funktioniert einfach nicht.

Schön und gut, dass sie so denkt. Doch… mich macht gerade fertig, dass sie mich bei anderen schlecht macht. Dass sie meinem Chef eben jenes mitteilt und ich heute feststellte, wie sehr sie mich missversteht. Doch genau diese falsche Auffassung ist das, was meinem Chef vorgetragen wurde. Ich kann nicht damit umgehen, dass ich höre, wie sie mit meinen Kollegen reden. Ich kann nicht damit leben, mich fragen zu müssen, ob sie mich bei meinen Kollegen auch schlecht macht. Ich kann das alles nicht mehr.

Ich hasse sie für das, was sie mit mir macht. Was sie aus mir macht. Was sie mir antut.
Und all die letzten Male, die mich ein Mensch in den Wahnsinn getrieben hat, hieß es, ich lass das ja auch geschehen. Aber jetzt lass ich gar nichts geschehen. Ich kämpfe, doch ich kämpfe gegen Windmühlen. Sie sitzt soweit oben, sie ist so verstrickt in alles, was mich umgibt. Ich fühle mich gefangen in einem Spinnennetz und ich fange an, diesen Ort dafür zu hassen, dass hier alles so sehr miteinander verwoben ist. Ich komme mir vor wie der einzige Außenseiter auf weiter Flur. Und nicht nur wie ein Außenseiter, das bin ich ohnehin, sondern wie ein Ausgegrenzter.

03.12.2011 um 19:40 Uhr

Als du...

von: indalo

…mir Anfang das Jahres gesagt hast, dass du gelegentlich heulend auf der Couch sitzt, weil alles doof ist, wusste ich damit nicht viel anzufangen. Als du es damit begründet hast, dass du deine Nichten vermisst, war das okay. Das war dann einfach so. Das ist etwas, das ich nicht nachvollziehen kann. Ich habe keine Nichten. Also akzeptierte ich das.
Auch dass jene Bekannte von dir zu dem Zeitpunkt regelmäßig heulend auf der Couch saß, war okay. Ich kannte sie nicht, ich konnte sie nicht einschätzen. Was soll’s. Doch vielleicht hätte es mir schon da zu denken geben sollen, dass du mir das nicht einfach so erzählt hast, sondern dass du mir von deinen Tränen nur indirekt erzähltest, weil du mir davon erzähltest, wie du es ihr erzähltest. Vielleicht hätte mich das stutzig machen sollen.

Als du dann vor wenigen Wochen davon geredet hast, dass du selbst bei der Arbeit in Tränen ausbrichst, war ich schon längst beunruhigt. Doch auch da konnte ich das nicht nachempfinden. Denn bei der Arbeit in Tränen ausbrechen? Das kam nicht in Frage. Nicht für mich. Und doch stand ich diese Woche da und kämpfte mit allem, was ich hatte, dagegen an. Ich ignorierte den Menschen neben mir, der mir nur gut zu reden wollte. Doch das war genau das, was ich nicht hören wollte. Das machte alles nur noch schlimmer. Und so ging ich langsam aber sicher die Treppe hoch und fragte mich, was passieren würde, wenn ich im richtigen Raum ankäme. Ich atmete tief durch und legte los. Dann war alles gut. Ich mag diese Job nach wie vor, es ist und bleibt das, was richtig für mich ist. Doch dieser verdammte Zwischenschritt ist nicht richtig. Er macht mich kaputt. Immer mehr. Mittlerweile sitze ich regelmäßig heulend auf der Couch. Ich? Das hätte ich nie gedacht. Nie. Das bin nicht ich. Und das werde ich auch nicht. Nichts gegen Tränen, an die hab ich mich in den letzten Jahren gewöhnt, aber nicht aus Verzweiflung. Aus Wut, okay. Aus Freude, gerne. Aber aus Verzweiflung? Aus purer Macht- und Kraftlosigkeit?

Nix mehr mit kraftvoll, wenn auch weiterhin angstlos. Ich habe keine Angst vor der Zukunft, ich habe nur keine Energie auf sie zu zugehen. Wie denn auch, wenn meine Kraft nicht einmal ausreicht um die Gegenwart zu bewältigen. Und dein Bandscheibenvorfall, junge Frau (nein, das „junge Frau“ ist nicht beschönigend gemeint), macht das alles nicht einfacher. Schon gar nicht, wenn ich dabei zusehen soll, wie die Arbeit mal wieder wichtiger sein soll als die Gesundheit. Das bringt mich noch mehr zur Verzweiflung.

27.11.2011 um 21:52 Uhr

Das Fundament

von: indalo

Da ist ein Fundament, auf dem ich gebaut bin. Auf dem meine Persönlichkeit gebaut ist, auf dem mein Selbstbewusstsein steht. Ich würde nicht sagen, dass es wackelt, denn der Beton ist nicht angegriffen worden. Das, was bisher war, blieb. Es wurde nicht in Frage gestellt, was ich habe. Nicht die Vergangenheit. Und doch stelle ich meine Zukunft in Frage. Ständig. Täglich. Minütlich. Mal mehr, mal weniger. Zur Zeit eigentlich gerade wenig, aber ich glaube das ist mehr die bewusste Entscheidung gegen das Infragestellen. Denn in mir steht es in Frage. Und das merke ich ganz deutlich daran, dass wiederholte Komplimente der Vergangenheit Balsam für meine Seele sind.

Seit vielen Jahren schreibe ich Tagebuch. Neulich suchte ich etwas. Ein ganz bestimmtes Datum. Dabei blätterte ich einige dieser Bücher durch und las immer mal wieder in paar Zeilen. In einem hieß es: „Sie gehen weiter als andere, darum möchte ich mich Ihnen nicht in den Weg stellen.“ Und das ging runter wie Öl. Diese Worte habe ich mal von einem Mann gehört, der alles und jeden auseinander genommen hat? Diese Meinung hat er von mir? Ich würde weitergehen. Ich? Warum vergesse ich sowas? Warum begegnete ich ihm immer mit dem Gedanken, er würde mich nur gerade so bestehen lassen? War dem vielleicht doch nicht so? Hatte er etwa doch eine bessere Meinung von mir? Von meiner Person und meinem Können?

Dann führte ich gestern ein Telefonat. Man erinnerte mich an einen Tag, an dem ich in einer fremdem Stadt war, in einem Raum voller fremder Menschen. Man erinnerte mich daran, wie alle von mir angezogen wurden. Schon an dem Tag reflektierte man mir die Situation, beschrieb, was anders war als all die Tage. Wie ich den Tag veränderte. Auch Tage danach kam immer mal wieder ein Satz dazu, wie sich die Dinge seit meinem Erscheinen verändert haben. Ich habe das vergessen. Es ist irgendwo in einer Kiste in meinem Kopf. Nicht mal mehr eine Erinnerung. Doch bei diesem Telefonat wurde mir wieder davon erzählt. Man wollte mir damit sagen, wie ich auf Menschen wirke. Wie ich auf jene Menschen wirkte. Das tat gut. Es machte mir ein wenig Hoffnung. Denn momentan macht es mich unglaublich mürbe, dass meine Mitmenschen an mir zweifeln. Immer mehr. Sowohl immer mehr Menschen, als auch immer mehr Zweifel, als auch immer mehr mürbe machen.
Schon vor ein paar Wochen hörte ich die geschluchzte Fragen: „Warum sehen die dich nicht?“ Die Frage hat gesessen. Ich weiß nicht genau warum. Ich wage die Theorie, dass das genau die Frage ist, die ich mir stellen sollte. Warum sieht man mich nicht? Doch stattdessen frage ich mich: Gibt es überhaupt etwas zu sehen? Und das ist das Fundament, was gerade nicht mehr die Konsistenz hat, die es womöglich haben soll.

Ich sollte darüber nicht nachdenken. Ich sollte dem Hinweis folgen: „Dafür hast du keine Zeit.“ Denn die habe ich nicht. Und ich glaube, das ist es, was mich gerade durch die Tage bringt. Ich hechte dem Ende entgegen. Ich möchte einen Hechtsprung machen und da ankommen, wo diese Fragen aufhören. Und ich habe ein Datum. Ich habe das Datum fixiert, was mir zumindest ein wenig Erlösung bringen wird. Oder die totale Verzweiflung.

26.11.2011 um 23:56 Uhr

Zwillinge in der Gebärmutter unterhalten sich

von: indalo

"Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"

"Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet."

"Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?"

"Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?"

"So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz."

"Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."

"Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel."

"Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen."

"Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"

"Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!"

"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."

"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...." 

24.11.2011 um 17:42 Uhr

Ein paar Komplimente

von: indalo

„Eins sagte meine Tochter jedoch: „Sie wissen ganz genau, wie jeder einzelne von ihnen tickt.“ Und ich konnte mich nur bedanken. Mehr war nicht in meinem Kopf. Denn das halte ich doch für ein sehr großes Kompliment und endlich mal eine Beschreibung, die ich als zutreffend bezeichnen würde. Nicht wie die anderen Dinge, die man mir an Kopf wirft. Ich sei negativ, pessimistisch und neuerdings dann auch unkooperativ und unsozial mit geringem Integrationsvermögen. Ich passe einfach besser in die Welt der Kinder, als in die der Erwachsenen.

Und als es kurz darauf um Prinzipien und bestimmte Regularien in diesem Beruf geht, denen ich nicht zustimme und die für mich ein Grund sind, den Job zu wechseln, bekam ich von jemandem, der ständig von sich gibt, derselben Ansicht zu sein, nur zu hören. „Du bist krass drauf.“ Ja, das bin ich und ja, das nehme ich auch als Kompliment. Denn was bringt es uns beiden, wenn wir ein Problem damit haben und nichts sagen? Ich weiß, dass ich wenig anrichten kann, aber ich kann mich dagegen wehren. Und wenn mein Zur-Wehr-setzen nur darin besteht, nicht mitzumachen. Denn einen Satz zuvor wurde ich gefragt: „Aber mal ehrlich, würdest du deswegen einen Job nicht annehmen?“

22.11.2011 um 14:45 Uhr

Ich hab mein Lächeln wieder

von: indalo

Ich hab mein Lächeln wieder. Das wollte ich kurz notieren. Denn ich verlasse wieder mit einem Lächeln den Raum. Ich kann schmunzeln über die unsäglichen Ideen mancher Jugendlicher. Ich kann lachen, über ein idiotisches Buch. Und ich kann noch viel mehr, was ich gerade nicht festhalten möchte… denn es soll positiv sein. Ich kann wieder lachen, und solange ich das kann und ich das denke, muss ich es aufschreiben. Denn ich fürchte, es sehr bald wieder zu verlieren. Aber ich kann jetzt lächeln, und darauf konzentriere ich mich.