indalo

22.04.2018 um 19:29 Uhr

Missgeschicke - Teil Eins?

von: indalo

Als ich im Dezember einen Teller zerdepperte, dachte ich: „Och nö, das kann doch nicht sein, dass da was dran ist.“ Wodran? Daran, dass man schusselig und tollpatschig in der Schwangerschaft wird. Ein Teller hat ja nicht viel zu sagen. Aber wenn man überlegt, dass ich diese Teller seit mehr als zehn Jahren habe und nie irgendwas zu Bruch gegangen ist, dann passt das schon gut zusammen. Trotzdem habe ich es niemandem gegenüber erwähnt, weil ich dem keine Bedeutung beimessen wollte. Als einige Zeit später der nächste Teller zu Bruch ging - aus sechs mach vier - hielt ich das noch für sehr großen Zufall. Doch die Häufigkeit mit der ich mir momentan die Zehen stoße oder mit der Schulter irgendwo hängen bleibe, finde ich wirklich nicht witzig. Trotzdem, das kann doch nicht wahr sein. Die Krönung passierte jedoch gerade eben. Da komm ich von einem wunderschönen Tag nach Hause (der Morgen begann schon mit zwei Kindern und Crêpes, dann war ich zum Grillen bei meiner Lieblingsgroßfamilie eingeladen und das knapp zweijährige Kind kuschelte sich intensiv an mich, als ich sie auf den letzten Metern unseres sonnigen Spaziergangs nach Haus trug), gehe ins Schlafzimmer um zu lüften und stoße mir den Fuß an irgendwas. Ach, es war der alte Kassenrekorder. Zweimal gehüpft, bis der Schmerz im Hirn ankam, aber dann gehe ich in die Küche, schneide mein frisch gebackenes Roggensauerteigbrot an, schmiere leckeres Kokosöl drauf und Erdbeermarmelade mit besonders viel Frucht, und drehe mich mit dem geschmierten Brot in der Hand schwungvoll Richtung Wohnzimmer, kehre noch einmal um damit ich mir etwas zu trinken mitnehmen kann und entdecke die Flecken auf dem Boden. Mehrere. Huch. Ich wusste nicht, dass ich so schwungvoll unterwegs war, dass mir die Marmelade vom Brot rutscht. Komisch. Mein Brot weist auch keinen Marmeladenverlust auf. Naja, hatte ich wohl doch dicker geschmiert als gedacht. Und als ich nach nem Schwamm greife, denke ich noch „krass, wie blutrot das aussieht“, nur um dann festzustellen, dass es Blut ist. Hilfe, ich blute. Wieso blute ich? Wo blute ich? Häää? Ich gehe zur Seite - noch ein Fleck. Läuft es mir am Bein runter? Ich versteh gar nichts mehr. Bis mir der Zeh einfällt, der doch gar nicht mehr wehtut. Und doch ist er für die Flecken verantwortlich. Mein armer kleiner Ringzeh blutet, und ich hab’s nicht gemerkt. Abgetupft, abgespült und Füße hoch gelegt. Jetzt pochert es im Zeh, aber der Blutfluss wurde dank kalten Wassers gestoppt und ich besinne mich wieder auf diesen wundervollen Tag. Danke, liebes Leben. 

15.04.2018 um 14:01 Uhr

...dass du über alles bestimmen möchtest

von: indalo

Da schreib ich meiner Mutter eine Nachricht mit einer kurzen Frage und nach zwei weiteren Nachrichten heißt es „Lass uns mal telefonieren. In 15 min“. Ich warte. Nach ner halben Stunde frage ich „Vergessen?“ und nach weiteren zehn Minuten ruft sie an „Hast du uns vergessen?“ Ach, ICH sollte anrufen? …wieder ein kläglich gescheiterter Versuch mir vorzuschreiben, was ich tun soll. Denn sie will doch telefonieren, dann kann sie doch einfach anrufen. (Sie kostet anrufen nichts, mich schon - und das weiß sie sehr wohl.)

Dann fragt sie mich, warum ich die CD von ihr noch nicht gehört habe. Nach einem anstrengenden Arbeitstag ist mir einfach nur nach Ruhe, das hab ich ihr in der letzten Woche bereits zwei Mal erklärt. „Aber du hast die CD?“ - „Bestimmt. Irgendwo in den Taschen von dir, ich hab sie noch nicht ausgepackt.“ - „Aha. Sie liegt nämlich noch hier.“ - Na besten Dank auch, dass sie mich erst testen muss in der Hoffnung mich beim Lügen zu erwischen. Nein, auch beim dritten Nachfragen innerhalb einer Woche lüge ich sie nicht an um meine Ruhe zu haben. „Das wäre so gut für dein Kind wenn du so entspannende Musik hörst.“ - „Es ist aber auch gut für mein Kind, wenn es mir gut geht. Und mir geht es gut, wenn es still um mich herum ist.“ - „Aber ich denk nicht nur an Indalo, ich denk an das Baby, und dem würde die Musik gut tun.“ Und nachdem ich ihr das mit der Stille noch ein weiteres Mal erkläre und sie wieder das gleiche sagt, fällt mir nur noch eins ein: „Sag mal, hörst du eigentlich, was ich sage?“ - „Nö.“ Also wiederhole ich zum dritten Mal innerhalb von fünf Sätzen die selbe Aussage. Ich gehe nicht einmal darauf ein, dass sie mir gerade unterstellt, dass ich nicht an mein Kind denke sondern lieber egoistisch bin. Sie sagt sogar „Vielleicht mag dein Kind andere Sachen als du.“ Ach? Aber dann ist ganz klar, dass mein Kind die von ihr ausgesuchte Musik mag? DAS ist ein Fakt? …nein, ich bin nicht schockiert. Ich bin auch nicht überrascht. Es ist die Leier meines Lebens.

Sie übergibt das Telefon an ihren Mann, ich kläre kurz etwas mit ihm und dann will sie mich wieder sprechen. „Du hast gestern gesagt, dass du das Telefon ausstecken möchtest.“ - „Ja, wenn ich dann tagsüber mit meinem Kind schlafen will, muss ich nicht von irgendwelchen Anrufern gestört werden.“ Und dann erklärt sie mir, wie bescheuert sie das findet. Es geht heiß her und ich werde bald sauer. Ich schaffe es aber noch ruhig zu fragen: „Wo ist denn das Problem?“ - „Dass du nicht erreichbar bist.“ - „Du kannst mir immer ne Nachricht schicken.“ - „Ich ruf auf allen Nummern an und du gehst nicht ran.“ - „Ja, dann schick mir ne Nachricht. Wie lange hat es denn das letzte Mal gedauert, bis du ne Reaktion von mir hattest.“ - „Es kann doch auch mal was sein, da muss man doch erreichbar sein.“ - „Wenn ich bei jemandem bin, dann bin ich ganz dort, dann gucke ich nicht auf mein Handy. Als ich neulich bei euch war, hab ich nie auf mein Handy geguckt, dann konzentriere ich mich auf euch. Auch als ihr bei mir wart hat dein Telefon geklingelt, nicht meins.“ - „Das war Familie.“ Ja, auch bei nicht Familie geht sie ans Telefon wenn ich da bin. Ist halt so, ich sag dazu ja nichts. Aber wenn sie anfängt mir Vorwürfe zu machen, versuche ich, ihr zu erklären, dass sie Dinge anders macht als ich und ich das auch einfach akzeptiere. Und dann regt sie sich wieder auf, dass ich das Telefon ausstöpseln möchte und ich frage wieder „Wo ist denn das Problem dabei?“ - „Ich finde es ätzend, dass du immer über alles bestimmen möchtest. Du entscheidest wann du erreichbar bist, du entscheidest einfach alles allein.“ - „Bingo. Ich bin erwachsen und es ist mein Leben. Ich entscheide über mein Leben, und das auch allein. Das Problem ist doch, dass du über alles entscheiden möchtest. Du willst entscheiden, dass ich dich zu meinem Geburtstag einladen soll. Aber das ist meine Entscheidung. Und ich feiere meinen Geburtstag nicht. Du hast gesagt ‚Ich hab was für dich, ich will dich sehen‘, nicht ich. Ich treffe meine Entscheidungen für mich, ich bin erwachsen und du kannst mir nichts mehr vorschreiben.“ Stille. „Was hat das denn damit zu tun?“ Sieht sie den Zusammenhang wirklich nicht? Versteh ich hier irgendetwas nicht? Sie sagt nicht „ich fände es unschön, wenn ich dich nicht erreichen kann“, nein, sie sagt, ich könne das nicht tun. Sie gibt keine Tipps, sie macht Vorschriften. Und nein, hierbei handelt es sich nicht nur um Kleinigkeiten in den Formulierungen. Es ist der Ton, es ist der Sinn des Satzes, es ist einfach alles. Ich bin nicht zu penibel - sie hat den Schlüsselsatz selbst formuliert. Denn das Problem ist eindeutig, dass du über alles bestimmen möchtest. Und ich finde, dass ich ein Recht darauf habe, über mein Leben, meinen Schlafrhythmus und meine musikalischen Präferenzen selbst zu entscheiden. 

Irgendwo zwischendrin hieß es „Aber wenn man im anderen Raum ist, hört man doch das Telefon nicht.“ - „Habe ich dir nicht gerade erklärt, dass ich meine Nachbarn höre.“ - „So laut?“ - „Ja, so laut, dass ich davon wach werde.“ Ich höre die Klingel, das Telefon und seit neuesten Erkenntnissen auch den Wecker. Und ich weiß, dass sie es sich nicht vorstellen kann, aber warum kann sie mir nicht einfach glauben? Warum sollte ich sie anlügen? Warum sollte ich übertreiben? Das ist ihr Sohn, das bin nicht ich. Und statt irgendwelcher Geschenke zum Geburtstag (überraschenderweise hat sie dieses Mal tatsächlich an mich (und nur halb an sich) gedacht beim Schenken) wünsche ich mir nur eins: Dass sie mich endlich so akzeptiert wie ich bin. Wie ich seit Jahren bin. Denn nichts davon ist eine Veränderung der letzten Zeit oder gar eine Phase. Ich feiere meinen Geburtstag seit über zehn Jahren nicht, ich kümmere mich seit weit mehr als zehn Jahren um alles allein und als logische Konsequenz daraus ergibt sich, dass ich allein entscheide. Ja, auch darüber ob, wann, wo, wie und mit wem ich ein Kind in die Welt setze. Und das nicht, weil sie es will, nicht weil ich irgendwelche Bedürfnisse befriedigen muss, sondern weil ich darüber nachgedacht habe, was im Sinne des zukünftigen Lebewesen gut wäre. 

12.04.2018 um 18:19 Uhr

Der egoistischste Mensch meines Lebens

von: indalo

…ist und bleibt meine Mutter. Es ist erstaunlich. Seit Wochen denke ich das immer wieder und will es einfach nicht aufschreiben. Ich will es nicht festhalten, weil ich es vergessen möchte, weil ich es nicht so betrachten möchte, weil ich es einfach anders haben möchte. Doch ich komme nicht umhin. Diese Frau ist dermaßen egoistisch, das haut mich regelmäßig aus den Latschen. Das war schon mein gesamtes Leben so, doch muss es deswegen so bleiben? Sie versteht absolut nicht, wer ich bin oder was mich ausmacht. Sie ignoriert es, sie versucht konstant mich zu ändern. Das macht mich rasend. Ich will ihr doch eine Chance geben - warum nutzt sie sie denn nicht einfach? 

Mein ganzes, verdammtes Leben musste ich um alles bitten. Zum Betteln bin ich nie übergegangen, etwas, das sie vermutlich rasend gemacht hat. Denn ihr wäre es am Liebsten, wenn ich sie anflehen würde. Doch stattdessen stand ich schon auf Kindesbeinen und sagte „Dann halt nicht!“ Das hat sich bis heute nicht geändert. So stehe ich vor ihr und sage „akzeptier mich doch einfach so, wie ich bin“ und weigere mich auf der anderen Seite, sie so zu akzeptieren. Ich kann ohne sie leben, sehr gut sogar. Es wäre schade, zumindest für mein Kind, aber ich brauche sie nicht in meinem Leben. Ich dulde sie und wir können uns auch gut verstehen, doch immer wieder, viel zu oft, kommt sie wieder an „Du musst uns einladen.“ Wieso muss ich das? Wenn sie essen gehen möchte, soll sie das tun. Ich tue das nicht. Das bin ich nicht. Wieso sollte ich also - wenn sie mich in nem Restaurant treffen will - sie einladen? Dann soll sie das doch tun. Wenn ihr meine vier Wände nicht angenehm und mein Essen nicht gut genug ist, dann soll sie dafür zahlen. Sie geht doch jeden Tag essen. 

Und der Aufreger der letzten Woche? Sie fährt jeden Tag irgendwohin. Sei es zum Frühstückskaffee ins Café, zum Mittagessen, in den Garten, oder sonst wohin. Ständig ist sie unterwegs. Aber zu mir kommt sie nicht, ich soll zu ihr kommen. Denn zu mir zu kommen, oder mich mit dem Auto einzusammeln, das ist ihr zu viel Arbeit. Als sie dann aber hörte, dass mein Vater die Immobilie schon gesehen hat, da kann sie dann direkt losfahren, völlig unnötig ne Tour bei mir vorbei machen, um ein Gebäude von der Straße aus zu betrachten, das sie genauso gut auf den Fotos im Internet sehen kann. 

Es ist also keineswegs anstrengend für sie, sich in Bewegung zu setzen. Sie tut es nur, wenn es für sie gut ist. Nicht für mich. 

…und ich Idiot zog in Erwägung, sie um ihretwillen mal mit zum Gynäkologen zu nehmen. 

09.04.2018 um 18:30 Uhr

innen und außen

von: indalo

Und vier Tage später ist der Boxkampf sichtbar. Von außen! Wer hätte das gedacht?! Ich jedenfalls nicht. Klar fühlt man irgendwann etwas. Aber ich ging - ohne darüber nachzudenken - davon aus, dass mehr Zeit zwischen dem inneren Gefühl und der äußeren Betrachtungsmöglichkeit vergeht. Aber liebe Zuschauer, macht es euch nicht allzu gemütlich, das passiert noch selten. Ganz unverhofft legte ich eine Hand auf den Bauch und wurde getreten. War das Absicht? 

…und ja, diesmal eher ein Tritt als ein Schlag. 

In mir passiert schon wieder so viel - und nein, auch jetzt meine ich nicht das neue Wesen. Da sind hoffnungsvolle Gedanken, aber auch Ärgernisse. Ganz grundsätzlich gibt mir die Sonne der letzten vier Tage so viel Energie, dass ich wirklich nur so durchs Leben schwebe. Und dann passieren die unverhofftesten Dinge. Zufall? Schicksal? Oder einfach nur die große Anziehungskraft? Denn heute habe ich nicht nur den zweiten Teller als Scherben in den Müll geworfen, ich habe sogar meinen Schraubenzieher gleich dazu gepackt. In die riesige Tonne, in die ich nicht einmal reinklettern kann. Ätzend. 

Was das mit mir macht? Es bringt mich zum Schulter zucken. Es ist keine Gleichgültigkeit, die mir von manchen Zeiten in meinem Leben nur allzu bekannt ist, es ist Akzeptanz. Auch, dass mein Roller letzte Nacht vor meiner Tür geklaut wurde, bringt mich nicht aus der Ruhe. Ich kam am Vormittag nach Hause und weg war er. Das muss nachts gewesen sein. Letzte Nacht. Als ich unheimlich unruhig schlief und mich nicht schmerzfrei drehen konnte. Keine Ahnung, was das war. 

Und jetzt springen meine Gedanken von Finanzierungen über Immobilien bis hin zu lebenslangen Freundschaften. Wie fühlte ich mich damals im Januar, als ich dabei war, eine Wohnung zu kaufen? War ich guter Dinge? Oder hatte ich Zweifel? War ich innerlich ruhig, so wie jetzt? Oder war ich nervös?

Ich lasse es auf mich zukommen. Alles. Ich habe genug in Bewegung gesetzt. Jetzt ist das Leben wieder dran. Ich hab mein Inneres nach Außen gekehrt, und gehe nun wieder zurück zum Inneren. Denn da draußen versteht trotz all der Worte, all der Erklärungen, all der offen gelegten Gedankengänge, jeder etwas anderes und niemand das, was ich meine, was ich will, was es mir bedeutet. 

05.04.2018 um 22:01 Uhr

Knochenmarktransplantation

von: indalo

So fühlt sich das an? Die Realität, der Boden? Bin ich wirklich abgehoben? Puh. 

Da schwebe ich lächelnd und strahlend durchs Leben, werde gefragt „Na, worauf freust du dich?“ und sage „Eher worüber. Das Leben, mein Leben.“ Ja, auch mit der Frustration um das Thema Eigenheim gehe ich glücklich durchs Leben. Es hält mich nicht davon ab von einem Ohr zum anderen zu grinsen. Und dann steh ich da vorm Haus, total hin und hergerissen und lese diese Nachricht. Genau genommen diese drei Nachrichten. Und die Musik wird ernst. Es wird ruhig. Ich führe das Gespräch mit meinem Vater und einer der wichtigsten Freunde meines Lebens einfach weiter, aber in mir passiert irgendwas - und diesmal meine ich keineswegs meinen Bauch. Ich gucke sie an, sie redet weiter. Sie weiß nicht, was ich gerade gelesen habe. Sie weiß nicht, dass ich es weiß. Denn die Nachricht kam von ihrem Mann. Er braucht eine Knochenmarktransplantation. Ich sehe die kleinen roten Äderchen in ihren Augen und frage mich, warum sie überhaupt vor mir steht. Dann echot plötzlich der Satz von vor einigen Minuten durch meinen Kopf „Ich muss nirgends hin, ich habe Zeit.“ Wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte er mich irritiert. Aber ich war aufmerksam genug, sodass er wieder nachhallen konnte. Sie will bleiben. Bei mir. Doch da ist mein Vater… was nun? Als er ein paar Schritte weg geht, sage ich leise zu ihr „Ich habe da gerade etwas gelesen… wenn du reden möchtest, können wir das gerne tun. Ich muss nur erst mit meinem Vater reden, dann hab ich alle Zeit der Welt für dich.“ Sie guckt entsetzt, ihr Blick verändert sich. „Nein, nein, schon in Ordnung, ich hab ja jetzt Ablenkung.“ Meint sie es so? Ich bin unsicher. Sie macht einen Rückzug. Warum gerade jetzt? Warum in diesem Moment? Nicht der Rückzug, sondern die Info. Denn die ist von heute, auch für sie. Davon bin ich überzeugt. Doch mein Vater ist extra auf meinen Wunsch hier, und ich muss das noch schnell mit ihm abschließen. Doch sie sagt, dass wenn sie erst einmal zu Hause ist, das schon in Ordnung sei. Und so würde ich sie auch einschätzen. Wir gehen getrennte Wege, und sobald mein Vater losfährt, schreibe ich ihr. Dann schreibe ich ihm. Und ich fühle mich so verloren. Ich suche im Internet nach Informationen. Warum? Was bedeutet das? Ich verstehe doch nichts davon. Aber es klingt nicht gut. Es klingt gar nicht gut. Einige Zeit später schreibe ich ihr nochmal. Denn es lässt mich nicht los. Heute hat sich erledigt, aber morgen jederzeit. Ich sagte ihr beim Auseinandergehen, bis wann ich morgen arbeite, doch ich schrieb ihr jetzt, dass das irrelevant sei. Ich kann mit meinem Chef definitiv klären, dass ich Wichtigeres zu tun habe. Denn ich würde mich niemals grundlos krank melden, doch das hier, ihr Gesichtsausdruck, seine drei Nachrichten, das ist wichtiger als alles andere. Und das würde mein Chef in meinem Gesicht lesen können. Ich würde keine Worte brauchen, er würde es einfach hinnehmen. Mal sehen, ob sie es annimmt. 

Und dabei ist heute doch eigentlich der Tag der ersten Runde eines monatelangen Boxkampfes. Mein Kind hat sich zwar gestern schubsen lassen, aber heute schlägt es zurück. Denn so etwas lässt es sich nicht gefallen. Wieso auch. Ich bin gespannt auf Runde Zwei, auch wenn ich mir sicher bin, dass auch bei dieser die Gebärmutter den Sieg davontragen wird. 

04.04.2018 um 17:59 Uhr

Der erste direkte Kontakt

von: indalo

Häufig werde ich gefragt „Spürst du schon Tritte?“ Und ich reagiere immer wieder mit den selben Worten: „Ich spüre keine Tritte, aber ich spüre schon lange immer mal wieder etwas.“ Und zwar echt lange, so circa zwei Monate. Aber Tritte? Nein, das ist es nicht. Und eben tobte es wieder durch meinen Bauch und als ich mich hinlegte, taste ich meinen Bauch ab und huch, was ist denn das? Das ist aber hart. Der Kopf? Der Hintern? Man weiß es nicht. Es wirkte schon recht groß, sodass ich nicht auf die Extremitäten tippen würde. Aber da fühlte ich auf der rechten Seite etwas Hartes. Mein Baby. Ich übte Druck aus und es verschwand. Ein kurzes Hallo und nun paddelt es woanders weiter. Es wollte keinen Widerstand leisten, es ließ sich einfach treiben. Doch während ich diese Zeilen mit dem Computer auf dem Bauch tippe, frage ich mich - war das ein kleiner Tritt? Ich bin mir nicht sicher, ich werde es weiter beobachten. Und wieder einmal geht mir durch den Kopf: Wäre ich nicht darauf gefasst gewesen, dass ich viele sonderbare Dinge erleben und erspüren werde, so würde ich mir vermutlich wahnsinnige Sorgen machen. Ja, es ist ein Wunder, aber es ist doch wirklich sonderbar…

29.03.2018 um 23:08 Uhr

Projekt Eigenheim

von: indalo

Wo fangen wir an? 

Ich mag mein Leben und ich glaube, unheimlich großes Glück zu haben. Ich fühle mich glücklich, ich liebe meinen Job, denn er ist mehr als nur Mittel zum Zweck, und mir begegnen immer wieder Wunder. Alles in allem kann ich weder klagen, noch will ich es. Doch dieses Thema bereitet mir arges Kopf zerbrechen, und das nicht erst seit heute. 

Vor einigen Jahren begann ich, mich damit zu beschäftigen, ob und was für ein Eigenheim ich haben möchte. Einfach nur eine Ferienwohnung am Wasser? Womöglich. Denn ich brauche für mich nichts Eigenes. Dann zog ich in Erwägung, vielleicht doch Kinder in die Welt zu setzen. Da wär so etwas Eigenes, etwas mit ein wenig mehr Luxus als jetzt, schon nicht verkehrt. Dann entschied ich, das Projekt Kind in die Tat umzusetzen und es stand fest, dass damit auch ein Eigenheim einhergeht. Denn in dieser Wohnung werde ich mein Kind nicht groß ziehen. Punkt. Also suchte ich und fand die ideale Wohnung, sie war bezahlbar, lag sehr gut und passte flexibel in meine unfertige Lebensplanung. Ich unterschrieb den Kreditvertrag und als ich am nächsten Morgen einen Notartermin vereinbaren wollte, nahm man mir den Boden unter den Füßen. Ich wurde schlichtweg verarscht und alles war umsonst. Ich fiel so tief, dass ich gar nicht wusste, wie ich da wieder rauskommen sollte. 

Plötzlich stand eine ominöse Person auf dem Grundstück meiner Wahl und ich bekam Kontaktdaten. Das Wiedergutmachungsangebot des Lebens? Offensichtlich nicht. Denn mittlerweile stellt sich heraus, dass auch die mich nur verarschen. Denn es hieß vor ein paar Monaten, dass ich auf der Warteliste stehe - sogar ganz oben - und auf mehrmaliges Nachfragen, erfahre ich nun, dass das Grundstück mir nicht mehr angeboten wird, sondern ins Gebotsverfahren gehen soll. Ich muss nicht erwähnen, was das mit mir macht, oder?

Vor knapp zwei Wochen schrieb ich einer Freundin zig Texte in denen ich meine Grundfrustration zu erklären versuchte. Sie klärte mich darüber auf, dass es ein Grundproblem gibt, was es zu lösen gilt. Und dies nennt sich Eigenheim. Sie hat Recht. Das löst keineswegs alle meine Sorgen, aber einen Großteil derer, die andere einfach nicht nachvollziehen können. Also raffte ich mich gezwungenermaßen auf um diesen, vor mittlerweile Jahren eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Ich telefonierte an einem Nachmittag sämtliche Angebote ab und bekam zwei Besichtigungstermine für die darauf folgende Woche. Der eine wurde am Tag davor abgesagt, da es bereits jemandem zugesagt wurde. Der andere war gestern und stellte mich einerseits vor diverse Herausforderungen, brachte aber auch viele neue Gedanken und teilweise auch Erkenntnisse mit sich. Alles hinfällig, da ich soeben ein Angebot fand, dass auf jenem Grundstück ein Bauprojekt geplant ist. Da lagen ganz knapp vierundzwanzig Stunden zwischen dem Besichtigungstermin und dem Verkauf. Muss ich noch irgendwas sagen?

Zum Jammern kam ich nicht hierher. Nur zum Erzählen. Denn von Ferienwohnung am Meer wandelten sich meine Pläne über Eigentumswohnung zu einem freistehenden Haus. Damit sind die Chancen arg gesunken, das ist mir wohl bewusst. Insbesondere da die Möglichkeiten der Lage eines solchen Hauses sehr eingeschränkt sind. Doch warum ein freistehendes Haus? Warum keine Wohnung und auch kein Reihenhaus? …weil ich seit geraumer Zeit nachts um vier wach werde. Ich habe früher schon schlecht geschlafen, doch seit ich hier wohne und meine Nachbarn mich nicht mehr dazu zwingen, des nachts die Polizei zu rufen, schlafe ich gut. Doch vor einiger Zeit änderte sich das, ich wurde nachts wach, wollte nicht wissen, wie spät es ist, doch gab gelegentlich nach. Es dauerte Monate bis ich eins nach dem anderen erkannte. Erst stellte ich fest, dass ich ziemlich genau gegen vier Uhr morgens wach werde. Immer und immer wieder. Egal wann ich ins Bett ging. Das gab mir nicht zu denken. Auch, dass ich beim üblichen Toilettengang die Spülung meiner Nachbarn hörte, half noch nicht. Erst als ich diverse Male merkte, dass über mir nicht nur jemand aufs Klo ging, sondern danach weiter rumlief, sprich aufstand, stellte ich folgende Theorie auf: Ich werde vom Wecker meiner Nachbarn geweckt! Ja, ich hielt mich ebenso für verrückt. Doch mit der Zeit äußerte ich meine Theorie, da ich mir ihrer immer sicherer wurde. Und ich erntete ungläubige Blicke. Man wollte mir glauben, aber ernsthaft? Kann man aus dem Tiefschlaf gerissen werden, wenn beim Nachbarn der Wecker klingelt? Und ich möchte betonen, dass ich den Wecker NICHT höre. Zumindest nicht bewusst. Also muss es Einbildung sein, womöglich mit meinen lebensverändernden Umständen zusammenhängen - dabei war das doch schon vorher so! Auch wenn ich es vorher nicht verstand. Und als mein Nachbar heute morgen an der Bushaltestelle neben mir stand, beschloss ich, ihn zu fragen: „Steht einer von euch um vier Uhr auf?“ Er bejahte. Und er guckte ebenso ungläubig, als ich sagte, dass ich davon wach werde. Doch er muss es mir glauben - denn woher sonst sollte ich wissen, dass dort oben jemand so früh aufsteht?

Tja, und so kam es nun zu der Feststellung: Es muss ein freistehendes Haus sein. Denn auch bei einem Reihenhaus besteht die Gefahr vom Weckerklingeln meiner Nachbarn geweckt zu werden. 

23.03.2018 um 17:40 Uhr

Mein liebes Kind

von: indalo

Es tut mir Leid, dir das sagen zu müssen. Doch ich habe den Eindruck, dass ich etwas klarstellen muss. Du bist mein Kind, und du bist erwünscht, du bist gewollt. Es gibt dich, weil ich es entschieden habe. Nicht aus einer Laune heraus, sondern weil ich mir das gut überlegt habe. Es war ein Prozess, ein Beobachten, ein Entdecken. Ich habe mich hinterfragt, meine Gedanken, meine Beweggründe, meine Instinkte. Aber ich habe auch die Welt betrachtet, denn ich werde zwar einen großen Einfluss auf dich haben, aber du wirst nicht nur in meinem Kosmos leben, du wirst in dieser Welt zurecht kommen müssen. Und ich werde dir mit Rat und Tat zur Seite stehen, und so hoffe ich, dass du verstehen wirst, wie ich Folgendes meine: Du bist nicht die Erfüllung all meiner Träume oder Wünsche. Du bist nicht der Sinn meines Lebens, auch wenn du ihm sicherlich eine Menge Sinn geben wirst. Ich habe keine Zweifel daran, dich bedingungslos zu lieben, aber ich bezweifle, dass du die Bedingung für mein Glück bist. Ich bin maßlos gespannt auf den Moment, dich in den Armen zu halten. Ich freue mich unbändig darauf, dich dabei zu beobachten wie du alles um dich herum entdeckst. Ja, auch das Staubkorn auf dem Sofa oder die Krümel auf der Fußmatte. Alles davon. Ich werde mich daran erfreuen, es genießen und auch immer wieder denken „ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“. Daran habe ich keine Zweifel. Doch ich möchte verhindern, dass all das Andere in Vergessenheit gerät. Ich wehre mich schon jetzt dagegen, dass sich alles nur um dich dreht. Es gab schon so viele Dinge in meinem Leben, die nicht zu toppen sind. So viele Momente, in denen ich dachte „ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“. Und ich freue mich auf dein Lachen, denn es wird Musik in meinen Ohren sein. Doch genauso ist das Lachen Anderer Musik in meinen Ohren. Und meine größte Hoffnung ist, dass du dich nicht weniger geliebt fühlst, nur weil ich Andere(s) ebenso liebe. 

22.03.2018 um 17:57 Uhr

Du bist anders

von: indalo

Da saß ich im Auto meiner Kollegin auf dem Weg zum Italiener und höre mich die Worte „Ich bin schwanger“ sagen. Huch, das hatte ich mir nicht vorgenommen, und doch sage ich es plötzlich. Sie freut sich, sie strahlt mich an. So weit, so gut. In mir bleibt die Frage „Wollte sie eigentlich Kinder?“ Sie hat keine und im Laufe des Nachmittags wird auch deutlich, dass dies keine eigene Entscheidung war. Es hat nicht sollen sein und die Zeiten, in denen andere immer wieder fragten, waren schwere Zeiten. Doch „er wäre ein begnadeter Vater gewesen“. Es ist ein so schöner Satz, auch wenn er seine traurige Seite hat. Aber wie viel Liebe, wie viel Bewunderung da aus ihr spricht. Ich empfinde den Moment als schön. Ganz anders als bei meiner anderen Kollegin, die heute noch trauert. Auch wenn sie genau heute das Gespräch im Vorraum der Toilette suchte, als meine Essenbegleitung schon auf mich wartete. Nun gut, nun weiß auch sie es. 

Dann quatschen wir über alles Mögliche. Die Arbeit, den Alltag, das Leben und das Reisen. Und immer wieder „bei dir erwartet das wohl niemand“ oder „damit hätte keiner von uns gerechnet“. Sie redet nicht nur von sich, sie redet von allen. Und da sie eine besonders gestandene und betagte Kollegin ist, darf sie das auch. „Du bist anders als wir.“ Und ich stocke. „Also werde ich wirklich so wahrgenommen?“ Und sie rudert zurück. „Das ist nur meine Meinung.“ - „Ich weiß, aber du bist ein Teil davon, und du nimmst mich so wahr.“ Mich überrascht nicht, dass dem so ist, mich überrascht aber wohl doch, dass sie es so sagt. Ich weiß, dass ich anders bin, aber dieses Anderssein ist für mich ja die Normalität. Also muss ich mir immer mal wieder in Erinnerung rufen, dass andere mich als anders empfinden. Und: Offensichtlich wird über mich geredet. Nichts grundsätzlich überraschendes, aber doch macht es mich neugierig - in welchem Rahmen? Wann? Wo? Mit wem? Nein, ich mache mir keine Sorgen, ich bin nur äußerst neugierig. Denn auch meine Freunde vergessen immer wieder, dass ich anders bin. Meinen Kollegen scheint das sehr deutlich zu sein. Und sicherlich ist „anders“ nicht das direkte Gegenteil von „normal“, aber… was ist es dann? Gleich? Niemand ist gleich, alle sind anders. Und doch weiß ich, was sie meint. Ich falle aus dem Rahmen, anscheinend mehr als alle anderen. Und auch wenn sie es nicht extra sagte: Das ist keineswegs negativ gemeint. 

„Das ist ein großer Verlust für uns, wenn du dann weg bist.“ sowie das mehrfache Nachfragen „Du kommst aber wieder?“ schmeichelten mir natürlich sehr. 

21.03.2018 um 18:06 Uhr

Wertsteigerung

von: indalo

Mir ist durchaus bewusst, dass es lebensverändernd ist, wenn man ein Kind bekommt. Alles steht Kopf, alles ist anders. Aber mir war nicht klar, dass bereits die Schwangerschaft mein Leben dermaßen verändern würde. Natürlich habe ich von Schwangerschaftsbeschwerden gehört, von Übelkeit, von körperlichen Veränderungen und vielem mehr. Doch den Teil meine ich nicht. Schon vor Monaten habe ich mich damit abgefunden, dass ich nicht mehr auf dem Bauch schlafen kann, dass sich immer mal wieder etwas verändern wird und ich mir gar nicht vorstellen kann, was noch alles kommt. Das ist das Eine. Doch das Andere ist mein Umfeld. Himmel, was ist da los? Bin ich jetzt ein anderer Mensch? Erfahre ich jetzt schon die Aufmerksamkeit, die bald meinem Kind zuteil wird?

Mein Bruder hat sein Verhalten kein Stück mir gegenüber verändert. Meine Freunde… nunja… nicht der Rede Wert. Aber der Rest der Welt? Meine Eltern drehen am Rad - das sei ihnen gegönnt. Die wissen einfach nicht wohin mit sich und sind nun einmal meine Eltern. Wir kämpfen seit so vielen Jahren darum, dass sie mir etwas sagen wollen und ich mir nichts sagen lasse. Das sind wir schon lange gewohnt. Irritieren tut mich jetzt, dass ich noch weniger darf als vorher. Ich dachte, die ganzen letzten Jahre hätten ihnen gezeigt, dass es absolut sinnlos ist, mir etwas vorschreiben zu wollen. Und ein wenig anstrengend ist es schon, dass man mir jetzt sinngemäß unterstellt, nicht auf mein Kind zu achten. Dafür finde ich andererseits unheimlich rührend, dass ich eine Karte bekomme, die mir sagt, dass sie immer für mich da sind - aber war das vorher denn nicht so? War ich vorher weniger Wert? Warum tut man jetzt mehr für mich? 

Als ich vor drei Jahren Hunderte von Euro in Impfungen investierte, sprach ich scherzhaft davon, dass mein Körper eine echte Wertsteigerung erlebt. Hätte ich doch damals bloß gewusst, dass die viel bedeutendere Wertsteigerung kostenfrei mit Hilfe eines Spermiums möglich ist…

Spaß bei Seite. Meine Chefs und Kollegen - die wenigen, die es wissen - irritieren mich. Auf einmal werde ich gefragt „Wie geht es dir?“ Und diese Frage hebt sich deutlich ab. Es ist keine beiläufige Frage, und es verwirrt mich trotz allem. Werde ich nun gefragt, oder wird mein Kind gefragt? Das beginnt verdammt früh, das man als Mutter in den Hintergrund gerät…

Und nein, nichts hiervon ist eine Beschwerde. Es sind Gedanken, die ich mir mache. Und ich mache mir so viele Gedanken, das ist nicht auszuhalten. Und ständig bremse ich mich in meinen Gedanken, denn ich weiß doch, dass sie es nur gut meinen, und ich verstehe es auch als nette Aufmerksamkeit, als Zeichen der Zuneigung, doch ich kann meinen Kopf nicht davon abhalten, dieses Verhalten zu hinterfragen. Das ist wie mit den Glückwünschen. Klar weiß ich wie die gemeint sind, aber mein Kopf denkt sich seinen Teil. Und je nach Situation und Beziehungsgrad äußere ich die Gedanken, oder lass es bleiben. Und manchmal muss ich mich nicht beherrschen, denn witziger Weise hat mein Vater mir nicht gratuliert.

16.03.2018 um 12:47 Uhr

Morgen ist es endlich so weit

von: indalo

Morgen ist es so weit. Und ich freu mich. Ich bin aufgeregt. Hibbelig. Absolut vorfreudig. Seit bald zwei Jahren freue ich mich darauf, ihnen zu sagen, was ich morgen endlich aussprechen werde. In meinem Kopf hat dieses Gespräch schon Hunderte von Malen stattgefunden. Es entstanden unterschiedliche Formulierungen, doch die Quintessenz ist dieselbe. „Ihr werdet Großeltern.“ Das ist der Schlüsselsatz. Es gibt Vorlauf, ganz unterschiedliche Einleitungen. Aber werde ich es überhaupt einleiten? Das Danach ist schwammig. Stille. Ich erwarte Stille. Denn keiner von beiden will vor dem anderen reagieren. So war es bisher. Sie hätte ganz viel zu sagen, aber ich bin doch sein Kind. Also schweigt sie. Er… weiß oft nicht, was er sagen soll, also hofft er vermutlich insgeheim, dass sie etwas sagt. Und ich bin seit so langer Zeit so unheimlich gespannt auf diesen Tag. Geplant ist das Treffen offiziell seit sechs Wochen, der grobe Termin steht für mich seit ein paar Monaten. Und ich bin sooo froh, dass es endlich so weit ist. Ich kann diese Warterei nicht leiden. Auch wenn ich an den letzten Wochen selbst Schuld habe. 

Ja, ein wenig nervös bin ich auch. Angst habe ich keine, aber ich bin nervös. Oftmals drehten sich meine Gedanken darum, wie ich direkt deutlich machen kann, dass es etwas Gutes ist. Ohne viele Worte, ohne lange Einleitung. Denn ich sehe Sorgen in seinem Gesicht, so sehr und so viele, dass ich mir nicht sicher bin, ob er sich überhaupt freuen wird. 

Das ist so aufregend, dass ich die letzten Tage fast wie gelähmt zu Hause sitze und nichts mache. Ich warte darauf, dass die Tage vergehen. Dass endlich Samstag ist. Nun habe ich netterweise heute Abend Besuch, sodass ich den Tag zum Aufräumen nutzen kann und auch den Abend abgelenkt bin. Nur schade, dass ich nicht zum Arbeiten gekommen bin. Dazu bin ich gerade zu sprunghaft. Also, auf morgen!

 

…doch eigentlich griff ich zur Datei um folgenden, kurz aufblitzenden Gedanken festzuhalten: Sie haben KEINE Ahnung, dass sich morgen ihr Leben verändern wird. Völlig ahnungslos werden sie mir begegnen und aus dem Hinterhalt kommend werde ich ihnen eine neue Rollenkarte verpassen. Das ist schon irgendwie gemein. 

15.03.2018 um 19:58 Uhr

Schwanger sein macht Freude

von: indalo

„Ihrer guten Laune entnehme ich, dass auch heute alles gut war?“ Ich grinste. „Ja. Aber ich hatte auch gerade Urlaub, da kann es einem nur gut gehen.“ war meine Antwort. Doch während ich noch nach meinem Kalender kramte, stellte ich fest, dass ich tatsächlich gute Laune hatte. Die Treppen hüpfte ich runter und grinste von einem Ohr zum anderen. Das tat ich davor nicht. Nicht so. Auch im Urlaub erinnere ich mich nur an wenige Momente. Zum Beispiel als ich auf der Eisscholle stand. Und auf dem Gletscher. Wobei auch der Moment behangen war von dem Gedanken „ständig einen auf dicke Hose machen und sich dann nicht einmal an nem albernen Schild vorbei trauen“. Ach, ich mag Menschen wirklich nicht. Und das sind vielleicht die Hormone, aber zur Zeit gehen Menschen mir noch mehr auf den Keks. Da kommt der eine gestern Abend zu Besuch und ich merke, dass er nur fordert, Ansprüche stellt und sich unheimlich witzig findet. Ich mochte ihn doch mal, sehr gern sogar. Ich machte Pläne mit ihm, in meinem Kopf. Aber allein ein paar Nachrichten frustrieren mich so sehr, dass sich jegliche Gedanken für die Zukunft in Luft auflösen. Und die Dritte ist mir zu negativ, alles ist schwierig, nirgends passt sie richtig hin und so sprunghaft wie sie war noch keine. Nee, also das ist mir alles zu viel. 

Meine Mutter hingegen finde ich momentan ganz süß. Sie bemüht sich ungemein, nur leider auf mir widerstrebende Art. Sie meint, mein Kind sähe mir ähnlich. „Ja, es hat Arme (einen zumindest) und nen dicken Bauch“ war meine Reaktion. Aber sonst? Wie kann etwas mit dem Ultraschall aufgenommenes einem fertigen Menschen ähneln? Das ist doch Humbug. 

Und mich irritiert, wie sehr sie sich mit meinem Vater in Verbindung bringt. Weiß sie noch, dass sie verheiratet ist? Kann sie sich nicht mit ihrem Mann freuen, ist Blut wirklich so wichtig? 

…ich werde es nie erfahren. Das, was in ihr gerade vorgeht, werde ich nie erleben. Und manchmal wird mir das aufs Neue bewusst. Mal sehen, wie viele solcher Momente noch kommen. 

Und dann erreicht mich die Nachricht einer Freundin, die simple Frage, wie es mir geht. Auch ihr schicke ich die Aufnahmen vom Ultraschall. Der Smiley mit Herzaugen irritiert mich zwar, aber rührt mich zutiefst. Also finde nicht nur ich das so faszinierend? Es bewegt sich, es hat Schluckauf, und es hält sich die Ohren zu. Man sieht den Brustkorb, das schlagende Herz und eindeutig den Ellenbogen. Meine Mutter meint, sie hätte sich das schon tausend Mal angesehen. Ganz so oft ist es bei mir nicht, aber weit aus öfter als die letzten Aufnahmen. Das jetzt ist so viel spannender. Und ich freue mich unheimlich auf mein Kind. Auch wenn mir gruselt, dass ich schon jetzt absolut ungeduldig bin. Wie soll das bloß noch werden?

10.03.2018 um 19:21 Uhr

Die Herausforderung "zu sagen, was man will"

von: indalo

Warum ist es für so viele Menschen bloß so schwierig zu sagen, was sie wollen? Hängt es wirklich nur damit zusammen, dass sie gar nicht wissen, was sie wirklich wollen? 

Ich möchte sagen "Schon mein ganzes Leben nervt es mich, dass andere nicht sagen, was sie wollen." Korrekter wäre vermutlich "Den Großteil meines Lebens irritiert mich, dass andere nicht ausdrücken, was sie wollen." Doch wenn ich mal wieder darüber stolpere, dann macht es mich rasend. Was ist denn so schwierig daran? Und wieso bin ich dazu in der Lage, wenn es doch so schwierig zu sein scheint? Ich wüsste nicht, was in meinem Leben dazu geführt haben könnte. Weder musste ich mich gegen viele Geschwister durchsetzen, noch hab ich darunter gelitten, meine unausgesprochenen Wünsche nicht erfüllt zu bekommen. Ich scheine einfach so zu sein. Was dazu führt, dass ich noch weniger Verständnis dafür habe, wenn andere das nicht tun. Ich musste es mir schließlich nicht erarbeiten. Problem erkannt, Gefahr noch lange nicht gebannt. Denn auch mein logisch denkendes Hirn kann keinen Sinn darin entdecken, auf die Frage "Willst du weiter?" nicht ehrlich zu reagieren. Das war nur das Beispiel von heute. Die Antwort war "noch eine Minute", woraufhin ich sagte "ich hör mir auch noch das nächste Lied an" und es hieß lächelnd "okay" und man setzte sich um dem Orgelspiel zu lauschen. Warum muss ich das wieder erahnen, warum hätte die Antwort nicht einfach "ich würde gerne noch länger zuhören, es sei denn du willst weiter" lauten können?

Ja, ich bin schwierig, aber ganz im Ernst? Was solche Sachen angeht bin ich der unkomplizierteste Mensch der Welt, der Rest ist schwierig. Zu schwierig für mich. Damit komm ich nicht zurecht, und ich will es auch gar nicht.

Das Leben mit dir war so schön, weil ich genau wusste, was dir am Liebsten ist. Und es würde einen Haufen Arbeit kosten, wieder jemanden so gut kennen zu lernen, dass ich nicht bei allem zig mal nachfragen muss, was denn die ehrlichste Antwort ist. Du konntest das offensichtlich auch nicht, aber ich konnte - sofern ich es denn wollte - in dir lesen. Das hast du zugelassen. Doch das bringt mich zu dunklen Zukunftsprognosen. Ich werde den Rest meines Lebens mit meinem Nachwuchs allein bleiben. Auf dieses Gehabe und Getue will ich mich gar nicht einlassen und für alles andere wird mir die Energie fehlen. Und wie gesagt der Wille. Denn ich bin nicht gewillt nochmal harte Nudeln zu essen, nur weil mein Gegenüber die zwei Mal davor nicht in der Lage war zu kommunizieren, dass bissfestere Nudeln bevorzugt werden. Denn ja, dann leide ich darunter, dass jemand anders sich nicht äußern kann. Und das hab ich nicht verdient.

04.03.2018 um 23:07 Uhr

Das Pferd, das an meinem Bauch knabberte

von: indalo

Ein herrlicher Tag. Langsam werde ich im großen Bett unseres Deluxe-Doppelzimmers wach, genieße die kuschelige Wärme um mich herum und frage mich nicht einmal, was der Tag bringt. Neben mir ruschelt es auch langsam etwas mehr, sodass ich dann doch frage "Na, ausgeschlafen?" Die bejahende Antwort leitet eine längere Unterhaltung ein, bis wir nach ner Stunde doch beschließen aufzustehen. Es folgt ein gemütliches Frühstück mit frisch gepresstem Orangensaft, ein kurzes Gespräch mit unserem Gastgeber und dann ging es ins Auto. Die Sonne schien, die Laune war gut und die Gesundheit gab grünes Licht. Und so ging es vom Krater, zur Kirche und weiter zum Minibad bei ner heißen Quelle, es folgte ein wahnsinniger Wasserfall, ein mittlerer Geysir und der Versuch, noch einen anderen Wasserfall zu erspähen. Stattdessen trafen wir auf die berühmt berüchtigten  (wofür eigentlich?) Islandpferde und das eine löst sich von der Gruppe um zielstrebig zu mir zu laufen. Ich locke es nicht, denn ich hab Respekt vor Pferden, aber ich streichel es gerne. Es fühlt sich gut an. Doch es kommt näher. Ernsthaft, Angst ist es nicht, aber Respekt. So ein Pferd hat unglaublich viel Kraft. Also versuche ich, es ein wenig auf Distanz zu halten, doch es stupst meinen Bauch an. Nicht etwa die Taschen oder die Brust, es zielt auf meinen Bauch. "Du magst also meinen Bauch. Ich mag meinen Bauch auch." sage ich grinsend. Doch dann knabberte es an meiner Jacke, und das ist mir zu viel. Ich trete prompt einen Schritt zurück, doch es kommt hinterher. "Machst du ein Foto von mir mit dem Pferd?" höre ich im selben Moment. Ernsthaft? Und dann versuchen wir das, doch ich hab's dem Pferd angetan, es will nicht unbedingt mit anderen posen. Und bei mir poste es auch nicht. Doch ich mache das Foto und wir kehren um, was das Pferd dazu veranlasst, schnellen Schrittes zu folgen. Öhm... wie jetzt? Das ist mir wirklich zu viel. Vor allem da es wirklich immer zu mir zieht. Das macht es ein wenig unheimlich. Doch dann entkommen wir dem Pferd, halten noch kurz an einem anderen Thermalspa und fahren dann spontan weiter zum Nationalpark, wo wir ein Picknick auf einer Bank für Liliputaner für ein Foto faken, durch eine vollgeschneite Schlucht wandern, einen traumhaften Wasserfall (wieder)sehen und vor der endgültigen Heimfahrt einen Sonnenuntergang hinter einem riesigen See miterleben dürfen. Zu Hause kochen wir Nudeln mit Tomatensauce eh wir im Whirlpool die Sterne anhimmeln - ja, auch mein Orion ist vertreten. Und nun gehe ich selig schlafen, nachdem ich noch ein paar Muskelgruppen gedehnt habe.

01.03.2018 um 21:03 Uhr

Familienzuwachs

von: indalo

„Er findet es toll mit dem Familienzuwachs.“ Aha. Nicht aha? Sondern aha. Und dann noch ganz viel mehr. Denn ich reagiere darauf, bunt, nicht geradlinig. Und dann beginne ich zu analysieren. Wie reagiere ich eigentlich? Und warum? Was sind das für Reaktionen? Für Gefühle? 

Freude? Nein. Kein Stück. Ich reagiere verhalten. Ich hinterfrage die Aussage. Denn sie wurde so nicht getätigt. Nicht von ihm. Warum werden ihm diese Worte in den Mund gelegt? Was sagt das über meine Beziehung zu ihm aus? Bzw. seine zu mir? Und warum mischt sich da eine dritte Person ein? Wovor hat sie Angst? Was will sie verhindern? Und warum stört mich das so?

Es dreht sich im Kreis. Ich könnte es einfach achselzuckend hinnehmen. Aber ich will nicht. Denn ich habe die Befürchtung, dass wenn ich es jetzt einfach hinnehme, diese Situationen immer wieder kehren. Und das muss doch nicht sein. Wozu? Heiße Luft, mehr ist das nicht. 

Und dann fällt mir aber auch auf, dass ich eindeutig über den Begriff Familienzuwachs stolpere. Bitte was? Mein Kind ist kein Familienzuwachs. Nicht, weil ich irgendwem den Verwandtschaftsgrad absprechen möchte, sondern weil ich fragen möchte: Welche Familie?

Tut mir Leid, aber dieses Kind ist der Thronfolger von niemandem außer mir. Es ist für die gesamte Familie, ob väterlicherseits, mütterlicherseits, angeheiratet oder erweiterte Familie, das erste Kind. Aber weder wird es diesen Druck zu spüren bekommen, noch ihn haben. 

Nur weil es ein neues Leben gibt, wird dieser sogenannten Familie kein neues Leben eingehaucht. 

25.02.2018 um 22:24 Uhr

ehrenamtliche Naivität bei Schnee

von: indalo

„Du weißt, dass ich dich mag, nicht wahr?“ - „spätestens jetzt schon“ Und ich bin empört. Denn das habe ich ihr schon oft gesagt. Wobei sie vergesslich ist, und ich es in diesem Jahr vermutlich noch nicht aussprach. Aber ich mag sie, so sehr und immer wieder. Warum diesmal? Weil sie wieder einmal auf so wunderbar eindeutige Art gezeigt hat, wie naiv sie ist. Ich bin naiv, immer mal wieder. Und ich finde das in Ordnung. Ich schäme mich dafür nicht und hoffe, dass es ihr ebenso geht. Insbesondere, da wir oftmals in genau den selben Punkten total naiv durchs Leben laufen. Manchmal verliert sie ihre Unschuld zuerst, manchmal ich. Und in diesem Fall bin ich schon vor vielen Jahren darüber gestolpert, dass ehrenamtliche Tätigkeiten höchstselten etwas ehrenhaftes haben. Denn sorry Leute, aber wer Geld im Austausch für eine Tätigkeit erhält, der tut es nicht um der Ehre willen. Auch wenn das Geld unter dem Titel „Aufwandsentschädigung“ statt „Lohn“ oder „Gehalt“ läuft. Und seit ich das weiß, zweifle ich sämtliche Ehrenämter an. Manche bekommen derartige Aufwandsentschädigungen, dass sie mehr Geld in den Händen halten als andere nach einem richtigen Arbeitstag. Was hat das noch mit Ehre zu tun?

Und während ich mich gerade wieder über die Ironie der Bezeichnung „ehrenamtliche Tätigkeiten“ äußere, fällt bei ihr der Groschen, wieso sie seit Jahren zur Ehrenamtsfeier der Gemeinde eingeladen wird, obwohl sie schon lange nichts mehr ehrenamtlich macht. Dass sie Orgel spielt bezeichnet sie nicht als Ehrenamt, schließlich bekommt sie dafür Geld. Erst ich erklärte ihr, dass dieses Geld mit dem Titel Aufwandsentschädigung eben für das Ehrenamt des Organisten ist. Ich muss lachen, als ich ihren Groschen fallen höre. Ich finde es schön, das so deutlich mitzubekommen, dass sie sich nicht doof dabei vorkommt, dass sie es mich wissen lässt. Danke für diese Nähe!

Der perfekte Abschluss eines schönen Tages. Wobei es sehr zeitnah mit dem Zähne putzen auf dem Balkon passiert. Wieder einmal sitze ich da und bewundere mein Lieblingssternenbild. Wenn ich kurz innehalte, höre ich das Knistern der Hochspannungsleitung und denke „wenn ich hier bald wegziehe, werde ich das vermissen“, doch während ich weiter putze, denke ich wiederum „hör ich beim Putzen eh nicht“. Der Mond strahlt heute wieder besonders hell. So stark, dass die Bäume richtige Schatten werfen. Sicherlich unterstützt der zauberhafte Schnee die Deutlichkeit der Schatten, doch unabhängig davon strahlt der Mond heute wieder heller als in anderen Nächten. Das merkte ich schon, als ich auf meinem abendlichen Spaziergang meinen Schatten wahrnahm. Ich zweifelte kurz, ob er nicht doch durch die Lampen entsteht, doch der Winkel passt nicht. Und beim Betreten des Balkons bin ich mir absolut sicher, dass der Schatten des Geländers auf dem Boden nur vom Mond ausgelöst sein kann. Ich liebe die Natur. Und heute ganz besonders den Schnee, der durch die Luft tanzte und unter meinen Füßen knirschte. 

23.02.2018 um 21:23 Uhr

sechs Minuten sechzehn Sekunden

von: indalo

Ich freute mich schon über erste Telefongespräche mit Kindern, ich weiß, doch das jetzt war wirklich das erste ganze Telefonat mit einem Kind. Sie rief an, wir tauschten sogar richtige Inhalte aus, und dann legten wir auf. Mama und Papa liefen im Hintergrund rum, aber ich habe kein Wort mit ihnen gewechselt. Beeindruckend. Sie erzählte davon, dass sie sich am Morgen übergeben hatte, es ihr aber jetzt viel besser geht, dass sie eine Zahnlücke hat, aber noch kein anderer Zahn wackelt, und: Dass der Zahn schon abgeholt wurde. Von sich aus. Auf Nachfrage erzählte sie mir mehr von der Zahnfee, aber erwähnte wieder von selbst, dass sie später auch mal Zahnfee werden möchte. Dass sie dann alle Zähne sammeln könnte, interessierte sie weniger. Sie behält dann nur zwei. Auch dass sie abends, wenn die Kinder schlafen, die Zähne abholen würde, war kein Hindernis. Denn die Zahnfee kommt ja nur, wenn sie tief und fest schläft. Deswegen konnte sie nicht mit ihr reden. Hach wie süß. Und weil Mama und Papa genauso Abendbrot vorbereiteten, wie ich gerade dabei war mir Essen zu machen, legten wir dann auf. Die Frage, wie mein Tag war, ließ ich unbeantwortet. Ich reagierte mit Belanglosem, aber was kann ich einem fast fünfjährigen Kind schon von meinem Tag erzählen?

22.02.2018 um 20:53 Uhr

Bist du schwanger?

von: indalo

„Bist du schwanger?“ sagte sie neckisch in die gefüllten Taschen der dicken Jacke piksend. „Willst du darauf eine Antwort?“ Es folgt ein skeptischer Blick. „Die Antwort wäre nämlich ein Ja.“ Der Blick bleibt. „Das ist mein Ernst.“ Es wird ein Grinsen, ein freudiger Blick. Sie glaubt es. Weiterhin verstört sagt sie leise „Ich wusste gar nicht, dass du den Mann dazu hast.“ - „Hab ich auch nicht.“ - „Hast du die Frau dazu?“ - „Nein.“ Kurze Pause. „Wolltest du das?“ Kurzes Überlegen. „Ja.“ Wieder eine kurze Pause. „Das Kind. Nicht den Mann dazu.“ - „Das meinte ich auch.“ Noch eine Pause. „Bei dir hätte ich das am Allerwenigsten erwartet.“ - „Ich weiß.“ - „Du bist doch auch ständig unterwegs.“ Nicken. Und dann todernst: „Jetzt bin ich neidisch.“ - „Das tut mir Leid. Ich wollte nie jemanden neidisch machen.“ - „Auch nach all der Zeit gehen die Gedanken immer wieder dorthin.“ Stille. „Du kommst dann einfach vorbei und spielst mit dem Kind. Ich weiß, das ist was anderes, aber wenn du möchtest…“ Stille. „Dann genieß mal, dass du mich sprachlos gemacht hast.“ - „Ich hab das nicht gemacht, um bei anderen die Kinnlade fallen zu sehen.“ - „Aber es amüsiert dich schon.“ - „Oh ja.“

17.02.2018 um 21:05 Uhr

Indalo redet man nichts aus

von: indalo

Du kannst dein Leben lang wissen, dass du anders bist, doch es nützt alles nichts, wenn du nicht danach lebst. Wenn du es nicht akzeptierst, wenn du es nicht wahrhaben willst. Denn warum ist es so relevant, anders zu sein? Anders als wer? Anders als was? Wollen alle anderen so sein? Oder sind sie einfach so? 

ich habe so viele Dinge nie verstanden und immer mehr erkenne ich, dass ich es auch nicht verstehen kann, oder auch nur konnte. Ich bin einfach nicht so gestrickt. Ich bin anders, ich weiß das schon so lange, doch immer wieder vergesse ich es. Das ist einfach nicht meine Welt, und wenn mir eines Tages jemand sagt, dass ich von nem anderen Planeten komme, so würde ich ihm glauben. Ich verstehe diese Welt nicht, also doch, ich verstehe sie, aber ich funktioniere nicht so. Meinem kindlichen Ich wurde vorgeworfen, mit Scheuklappen durch die Welt zu laufen. Es war ein Vorwurf, ganz klar. Und so versuchte ich seit damals mich auf links und rechts zu konzentrieren, doch ich frage mich wozu? Warum ist so wichtig, was links und rechts vom Weg, von meinem Weg, liegt, wenn dies doch mein Weg ist? Warum darf ich nicht einfach meinen Weg verfolgen, so wie ich ihn für richtig halte? Warum muss ich vergleichen, mir anhören, dass ich dieses oder jenes nicht machen sollte? So vieles sollte ich nicht machen, vor so vielem wurde ich gewarnt. Und ich bin all diese Warnungen Leid. 

In letzter Zeit schwebt immer wieder im Raum, dass ich über viele Dinge nicht rede. Und ich kann gerade auch benennen, warum das so ist. Weil man mich vor allem, was ich in meinem Leben machen wollte, gewarnt hat. Es ist nicht das, was andere wollen. Überall sind Gefahren, doch muss ich die wirklich alle kennen? Ich wurde gerade gefragt „Seit wann planst du das?“ - „Seit zwei Jahren.“ Und ich glaube, meine Antwort war verletzend. Denn wieso habe ich in diesen zwei Jahren nicht darüber geredet? Weil ich vielleicht die Energie, aber keineswegs die Lust gehabt hätte, darüber zu diskutieren. Alles wird zur Diskussion, so wenig ist noch Gespräch. Und manchmal sieht man nur, dass das Gegenüber diskutieren möchte und es nicht tut. Doch das macht es nicht besser, trotzdem möchte man sich rechtfertigen, verteidigen oder zumindest erklären. Und einer Freundin rutschte neulich raus, dass ich bescheuert sei - oder mein Vorhaben es ist? Sie erschrak selbst darüber, mich und dieses Wort in Zusammenhang zu setzen. Doch als sie den Schreck überwunden hat, nahm sie es hin. Sie kennt mich, auch wenn ich sie überraschen kann. 

Ein anderer Freund sagte auf dem letzten Spaziergang „vielleicht wären die Reaktionen anders wenn du vor der Umsetzung davon erzählt hättest“, als ich äußerte, wie überrascht ich davon bin, dass ich so wenig sorgenreiche Gesichter zu sehen bekomme. Und er hat Recht, doch genau deswegen habe ich es erst umgesetzt und dann darüber geredet. 

Und da war noch das Gespräch zwischen einer Freundin und einer Bekannten, in dem sie ihr von meinen Plänen erzählte und die Bekannte sagte „Das reden wir ihr aus.“, woraufhin meine Freundin nur konterte „Indalo redet man nichts aus.“ Und dabei will sie mir das noch nicht einmal ausreden, im Gegenteil, diese Freundin ist die größte Befürworterin dieses Planes. 

Warum meinen andere ständig, mitreden zu dürfen? Wenn das erwünscht ist, dann frage ich nach. So wie ich meinen Bruder diese Woche mit Mails bombardierte, weil ich nicht mehr allein entscheiden wollte. Ich brauchte seine Meinung, eine Tendenz, irgendwas. Und dann konnte ich entscheiden. Also ja, wenn nötig, dann hole ich mir, was ich brauche. 

13.02.2018 um 20:44 Uhr

Gedanken über Gedanken

von: indalo

Heute ist wohl wieder viel passiert. Und erst gerade eben dachte ich daran, dass dreizehn Jahre vergangen sind… Das ist eine lange Zeit… für mich, für sie, für uns alle. Doch das war nicht in meinen Gedanken, als ich die Datei öffnete. Da springen anderen Sachen durch meinen Kopf. Vieles. „Indalo, das ist dramatisch.“ - „Was?“ - „Das finde ich wirklich dramatisch.“ - „Was findest du dramatisch?“ - „Diese ganzen Veränderungen.“ - „Dass du jetzt mein Chef bist?“ Nein… das meinte er nicht. Er traute sich nicht, es auszusprechen. Er wollte über mich reden, über mein Leben, meine Veränderungen. Traut er sich nicht mehr, weil er jetzt mein Chef ist? Oder ist ihm das alles zu suspekt? Jedenfalls sollte es um mich gehen. Zwei Chefs der mittleren Etage sprachen schon mit mir, als der Stellvertreter hinzukam. Er setzt sich. Die Tür war zu - wer hat eigentlich die Tür geschlossen? Und wann? Wir sprachen. Über alles mögliche. Und der rote Faden war, dass ich in dieses Büro soll. Ich will immer noch nicht, doch es gibt neue Argumente. Welche, denen ich nicht widersprechen kann. Und tatsächlich zog ich dort, in dem Moment, zum ersten Mal in Erwägung, mich dem hinzugeben. Ich will das für mich immer noch nicht, aber ich habe aufgehört nur für mich zu denken. Ich habe eine Entscheidung getroffen, die nach sich zieht, dass es nicht mehr nur um mich in meinem Leben geht. Und das Denken daran beginnt schon jetzt. Es hat schon lange begonnen, doch die Auswirkungen ziehen jetzt immer weitere Bahnen. Sie scheinen sogar meinen Job zu betreffen, und das fasziniert mich. Also möchte ich festhalten, dass ich heute zum ersten Mal in Erwägung zog, meinen Aufgabenbereich zu verändern. Zum ersten Mal. Nicht für dich, aber deinetwegen. 

Und erst als ich mit einem Freund und seinem Hund spazieren ging, fiel mir die Bedeutung des heutigen Gesprächs auf. Denn ich dachte im vergangenen Jahr, dass sie aufhören werden mich zu beschwatzen, wenn sie von meinen Lebensplänen erfahren. Doch siehe da, es war beides im selben Gespräch Thema. Sie haben es nicht vergessen, nicht verdrängt, es stört sie schlichtweg nicht. Sie wollen mich, trotz allem, mit allem, so wie ich bin. Faszinierend. 

Doch auch der Spaziergang war gedankenreich. Tausend Sachen, alle Richtungen. Doch noch eh wir den Flugplatz umrundet haben, erzählte ich ihm von meinen Plänen für den Sommer. Er war überrascht, ohne Frage, doch er hat sich gefreut. Er legte einen Arm um mich, ließ mich eine Weile nicht los. Ich hoffe wirklich, dass es ihm gut damit geht. Und er will es seiner Frau sagen. Mal sehen, was da kommt. 

Und dann ist da noch das Geburtstagskind. Wir telefonierten. Das war schön. Sie verbringt den Abend mit mir am Telefon statt mit ihrem Mann auf der Couch. Auch wenn es plötzlich heißt „Emil fragt gerade, ob er anrufen darf. Darf er?“ Ja. Auch wenn ich abrupte Enden von Telefonaten nicht leiden kann. Er darf. Denn ich hab genug zum Denken.