indalo

23.06.2017 um 20:30 Uhr

Eine kurze Nacht endet unter dem Roller

von: indalo

Meinen Chauffeur des Nachmittags faszinierte ich auf der Hinfahrt damit, dass ich nachts um drei Uhr dreißig den ersten Termin hatte. Im Ausland. Denn ich erwachte keine zwölf Stunden zuvor noch im Süden. Naja, mein Wecker riss mich aus dem gut zweistündigen Schlaf. Es war kein guter Schlaf, da ich verärgert zu Bett ging. Doch dass ich nach dem nächtlichen Flug dann direkt eineinhalb Stunden beim Zahnarzt verbringe, das ist schon keine gute Kombi. Da stimmte ich dem Herren zu. Aber was soll ich machen, es passte anders einfach nicht. Dass ich in der vergangenen Woche mehr Schmerztabletten zu mir genommen habe als in den letzten zehn Jahren, ließ ich unerwähnt. So machten wir also eine halbstündige Spazierfahrt und er brachte mich zu meinem nächsten Termin. Wieder einmal ein Wildfremder, mit dem ich einfach so quatschen konnte. Ich brauchte wohl auch Ablenkung, denn einerseits war ich hundemüde, und andererseits ging mir zu viel durch den Kopf. Der nächste Termin drehte sich zwar auch um Zähne, war aber schmerzfrei. So schöne Zähne, transpa und mit irgendwas, das ich bereits wieder vergessen habe. Aha. Dann fuhr mein Chauffeur mich kurz am Geldautomaten vorbei eh er mich bei meiner ersten Fahrstunde absetzte. Er kriegte sich gar nicht mehr ein. Kaum geschlafen, ein ätzender Zahnarzttermin, Schmerzmittel und drei Spritzen später, keine vernünftige Mahlzeit und dann jetzt die erste Fahrstunde? Ob das gut gehen kann? Ich bin weder lebensmüde noch wahnsinnig, aber wieder einmal passte einfach nichts anderes. Und so erklärte er mir in aller Seelenruhe den Roller. Ich lachte in mich hinein, denn die Dinge, die ich nicht wusste, konnte er mir auch nicht erklären. Er nahm das vierte Licht gar nicht wahr, aber immerhin die überflüssigen Scheinwerfer. Dann drehte ich so noch ein paar Runden vor seinen Augen und dann ging’s in den Straßenverkehr. Momentchen Mal, ich dachte, ich dürfte nicht auf die Straßen, auf denen siebzig erlaubt ist? Nunja. Und dann war da diese enge Straße, in die ich nach links abbiegen sollte. Und ein Bordstein. Ja verdammt, ich guckte den Bordstein an. Und da kam ein Auto. Also wenn ich schon nicht vorher rumkomme, dann leg ich mich doch wohl dichter an den Bordstein als den Mittelstreifen. Das fand der gute Mann nicht so witzig. Ja, der Roller liegt auf meinem Fuß ohne Motorradstiefel, trotzdem geht’s dem gut. Also schnell rausziehen und aufspringen, damit er sieht, dass es mir gut geht. Also hockte ich vor dem Roller und überlegte, wie ich ihn am Besten wieder in die Senkrechte bekomme, als er schon neben mir stand „Auf den Fußweg, auf den Fußweg. Du sollst auf den Fußweg.“ Und ich weiß nicht, ob ich wirklich langsam reagierte oder es mir nur so vorkam, aber als nächstes stand ich auf dem Fußweg und guckte ihm dabei zu, wie er den Roller abstellte. Linker Fuß, check. Irgendwas war noch rechts, aber auch das ließ schon nach, check. Ich glaube, er fragte fünfmal nach. Ja, es ging mir gut. Wirklich. „Weißt du jetzt, wofür du die ganze Kleidung hast?“ Naja, also… wie gesagt lag mein Fuß unter dem Roller und trotzdem ist alles in Ordnung. Aber ja, er lag auch nicht direkt auf dem Knöchel. Nachdem er sich noch ein paar Mal versichert hat, dass es mir gut geht, fragte er, ob ich weiterfahren möchte. Klar. Sicher? Ja. Und mal ehrlich, rein psychologisch wär’s der völlig falsche Moment zum Aufhören. Doch ich glaube, ihm ging ganz schön die Pumpe. Denn als ich einige Zeit später einem parkenden, unbemannten LKW näher kam, bellte er mir mehrmals ins Ohr „Nicht so nah ran, nicht so nach ran“, was mich dermaßen verunsicherte, dass ich einfach anhielt. Sollte ich dem linken, fahrenden LKW nicht näher kommen, oder dem rechten, parkenden? Meiner einer fand den mitten auf zwei Spuren fahrenden LKW unheimlicher als den rechts neben mir, das hätte auch einfach ne Wand sein können, und wieso soll ich der nicht auf Armlänge näher kommen. Er für seinen Teil wollte mich vor dem rechten warnen, und dann vor meiner Bremsung. Aber die geht nun wirklich auf sein Konto. Und als er mir einige Zeit später rauchend seine Predigt hielt, war für mich wirklich klar, dass der Zahnarzttermin mir zwar zeigte, wie schwach mein Nervenkostüm ist (und wie schnell es Betäubungsmittel absorbiert), es aber auch nach all diesen Strapazen dem Straßenverkehr standhält. 

Erstaunlich, da fahr ich in drei bis vier anderen Ländern völlig unfallfrei und leg mich hier direkt hin. Ich glaube, ich bin einfach nicht dafür gemacht, etwas unter Anleitung zu tun. Blödes, bürokratisches Deutschland.

21.06.2017 um 09:37 Uhr

Te echo de menos

von: indalo

Es war ankommen, hier, in diesem Land. Es warst du, im Supermarkt, in der Pizzaabteilung. Es hat mich umgehauen, dieses Gefühl. Ich vermisse dich so sehr. So verdammt sehr, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Vor drei Jahren war ich schon hier, mit anderen. Es war toll, es war ein Erfolg, doch ich erinnere mich nicht daran, dich da auch so vermisst zu haben. Was war da anders als jetzt? Der selbe Ort, die selben Straßen, die selben Supermärkte. Ich habe seitdem so viel gesehen, so viel erlebt - vielleicht ist es das? Womöglich schlussfolgerte ich aus der letzten Reise, dass es aufgehört hat, so sehr weh zu tun. Doch es ändert nichts, die Jahre ziehen ins Land, die Kiste ist die meiste Zeit gut verschlossen, doch ein Blick auf die Pizza, über die wir immer wieder diskutierten, und die Kiste springt auf, lässt alle Gefühle raus. Du wirst immer Teil meines Lebens sein, ganz egal was passiert, ganz egal wie viel Zeit vergeht. Vergessen werde ich dich nie, aber ich dachte, die Gefühle verblassen mit den Jahren. Vielleicht hoffte ich auch einfach, sie würden verblassen. Denn es war der schlimmste Abschied meines Lebens, es war der endgültigste. Ich vermisse dich, mein wunderschönes Leben. Und der Spruch im Truck hatte ja so recht... you will never feel completely whole again. And I don't.

12.06.2017 um 22:12 Uhr

Vierte Verspätung meines Lebens

von: indalo

Wieder einmal weiß ich nicht im Geringsten, wo ich anfangen soll. HIIIILFE, mein Leben überholt mich gerade wieder. Was für ein Tag. Und nachdem ich das nach acht Stunden Arbeit mit den Worten „mal sehen, was heute noch so passiert“ abschließen wollte, erzählt mir mein hoch geschätzter Kollege, dass er für einige Jahre weg will. Ich dacht, der will mich verarschen. Das passt mir ja so gar nicht. Aber was passte heute eigentlich?

Gestern noch stellte ich freudig fest, dass ich schon lange durchschlafe und erst am Morgen (wenn auch manchmal zu früh) wach werde. Dann wurde ich heute wach, ohne Klingeln und begab mich Richtung Bad. Es war hell, aber hey, im Sommer wird es früh hell. Also guckte ich auf keine Uhr, denn dann rechnet man ja doch nur wie viel man noch zum Schlafen hat. Grober Fehler. Denn ich legte mich wieder ins Bett, die zwei Wecker werden schon klingeln. Und so schlief ich selig wieder ein, bis ich dann doch irgendwann mal auf die Uhr guckte. Nach neun. Was? Wie jetzt? Ein Blick aufs andere Handy verrät, dass mein Chef bereits versucht hat, mich zu kontaktieren. Nicht schon wieder. Verschlafen… ich?! Das passt nicht. Verdammt. Aber warte! Ich war pünktlich wach, ich wette ich war zur richtigen Zeit im Bad. Hätte ich doch nur auf die Uhr geguckt. Man ey. Also kam ich mit zwei Stunden Verspätung auf Arbeit an. Du lieber Himmel. Mein Chef streckte mir zuerst die Hand entgegen „Herzlichen Glückwunsch“ und ich murmelte nur ein „Achso, erst das Gute?“ vor mich hin, eh ich mich mit reuigem Blick für meine Verspätung entschuldigte. Aus mir unerklärlichen Gründen hat er nicht für eine Vertretung für meine Person gesorgt - wusste er, dass ich noch kommen würde? Und er lachte mich an: „Ach, ich finde es schön zu sehen, dass du auch mal Fehler machst.“ Und ich meine, er sagte noch „Sonst ist immer alles perfekt.“, aber da bin ich mir gerade nicht sicher. Gemeinsam gingen wir dann zur Chefin, die mir nicht gratulierte, sondern hin- und hergerissen war, zwischen vielem, nehme ich an. Ihr Stresslevel dürfte zu meinem passen, denn ich habe ja nun eine neue wichtige Rolle, die auch nur vergeben wurde, weil nächste Woche ein Termin ansteht, für den man jemanden in dieser Position braucht. Blöd nur, dass ich nächste Woche auf Dienstreise bin. (Das wollte ich schon immer mal sagen :)) ) Ein Vögelchen hat ihr dies schon am Morgen geflüstert, sodass sie noch während des Gesprächs mit mir eine Nachricht an alle Kollegen verfasste: aus den Zweiplatzierten wird nun als Stichwahl eine Vertretung gewählt. 

Mich persönlich nervt tierisch, dass ich meine erste Amtshandlung direkt abgeben muss. Ein großer Scheiß ist das! Andererseits - ich suche ja immer das Positive - muss ich mir nun keine Gedanken um meine Neutralität machen. Etwas, das die betroffene Person anscheinend auch beschäftigt, denn der gute Herr umarmte mich heute mit den Worten „Jetzt kann ich dich ja umarmen. Jetzt, wo du nicht mehr für mich zuständig bist. Das wär ja sonst komisch.“ Tja mein Lieber, das wird auch hinterher komisch sein. 

Sagte ich schon: „Du lieber Himmel?“ Das waren die ersten vierzig Minuten meines Tages. Danach blieb es spannend, von schwangeren Kolleginnen, deren Bereich ich übernehmen könnte und wöllte, über meckrige Verlierer der Wahl der letzten Woche bis eben zu meinem Kollegen, der uns verlassen will. Und, was irgendwie noch viel spannender ist, mir das unbedingt erzählen wollte. Da waren noch andere… ach ja. Eine meiner Vorgesetzten ist alles andere als meine Freundin. Wir haben schon diverse Auseinandersetzungen hinter uns, in den meisten Fällen, weil ich etwas zur Sprache brachte. Jetzt kommt sie auf mich zu und sagt, dass sie etwas Unverschämtes gelesen hätte. Ich wusste sofort was sie meinte, auch wenn das vor Mooonaten verfasst wurde. Ein Angriff mir gegenüber, den ich mit meinem Angreifer nie klärte, da ich - nach reifer Überlegung - entschied, wütende Menschen wüten zu lassen, da ich nichts mit dem Angreifer zu tun hatte. Betroffene Personen auf die ich einwirken kann, wirkte ich ein, aber für den Verfasser verspüre ich keine Verantwortung. Besagte Vorgesetzte hätte sich das anders gewünscht, schwenkte aber auf Grund meiner Begründung um, stimmte mir zu und versicherte mir, dass ich ihren Rückhalt gehabt hätte, wenn ich gegen den Angriff hätte vorgehen wollen. 

An dieser Stelle endet die Beschreibung und beginnt die Spekulation. Hat sie das wirklich gerade jetzt gelesen? Oder wählte sie diesen Zeitpunkt, weil sie wusste, dass ich heute etwas durch den Wind bin und dadurch womöglich gefügiger? Oder wollte sie mir ihre Unterstützung zusichern, da ich jetzt offiziell das Vertrauen der Kollegen genieße? Ich werde nicht schlau aus dieser Frau. Ich weiß nur, dass ich ihr nicht trau’ - was ein Reim. 

11.06.2017 um 10:16 Uhr

64 Stunden barfuß und ein Elbspaziergang

von: indalo

Es war letztes Wochenende. Da war ich nur barfuß unterwegs. Ich kam abends an und zog meine Schuh aus. Dann lief ich rum, das ganze Wochenende, nicht ein einziges Mal dachte ich überhaupt an meine Schuhe. Nicht einmal, als ich Montagmittag meinen Rucksack aus dem Zirkuswagen holte und draußen fertig packte. Ich hatte meine Wasserflasche aufgefüllt und mich verabschiedet, ich war fertig. Und als ich gerade Richtung Bahnhof gehen wollte, kam mir die Erkenntnis, dass ich meine Schuhe mitnehmen sollte. Naja, und anziehen. Denn im Bus ist es meist nicht so schön, barfuß zu sein. Ich war wirklich wieder einmal total in meiner Welt, und es wär schön, das auf diese Weise zu bestätigen. 

Ein paar Tage vorher machte ich mir Sorgen, ob ich für diese entscheidenden Tage gewappnet bin. Direkt davor fühlte ich mich gewappnet. Währenddessen nicht unbedingt. Besonders die ersten vierundzwanzig Stunden waren die reinste Achterbahnfahrt. Freude, Angst, Schmerz, Wut, Trauer, Hoffnung. Da war alles dabei. Reue? Nein. Aber auch das Wissen, dass ich das erst nach dem Wochenende entscheiden kann. Und jetzt ist nach dem Wochenende. Es ist nichts Neues danach passiert, doch trotzdem bereue ich es keineswegs. Es war die richtige Entscheidung, für mich. Ich mache mir immer noch Gedanken, gar Sorgen, aber um andere Dinge. Das Leben wird nicht langweilig, in diesem Fall leider, und als mein Gesprächspartner am Telefon auf der Rückfahrt sagte „Ich möchte wirklich nicht in deiner Haut stecken.“ konnte ich - auf einen Bereich meines Lebens bezogen - nur zustimmen. Sagte aber auch, dass mein Leben endlich wieder gut, gar grandios ist. Denn das Telefonat war wichtig, es war heilsam und machte den Elbspaziergang danach überhaupt erst möglich. Mit dem Durcheinander in mir wäre ich nicht mit ihm spazieren gegangen. Denn er möchte da rausgehalten werden, und das hätte ich nicht bewerkstelligen können, wenn ich nicht zuvor meine vielen Gedanken jemandem hätte äußern können. Und so konnte ich am frühen Abend noch einen lieben Freund treffen und mit ihm am Wasser einen Krebs entdecken, mich ins Gras setzen und später noch ein kleines Versteck erkundschaften. Als wir aus dem Gestrüpp wieder ans Wasser traten und ein großes Containerschiff an uns vorbei Richtung Sonnenuntergang fuhr, umarmte ich ihn ganz fest und sagte „Du sollst bleiben. Für immer.“ und wie er eben so ist, hieß es „Da mach dir mal keine Sorgen drum.“ Mach ich auch nicht. Aber ich wollte es gesagt haben. 

Wir redeten über alles - außer das Wochenende - und er sprach unsere Unterschiede an. „Du änderst so viel, ich brauche da mehr Beständigkeit.“ hieß es. Also fragte ich, sehr interessiert: „Bedeutet das im Umkehrschluss, dass ich nicht beständig bin?“ Er überlegte. Auch laut. Und das Ergebnis lautete: „Nein, das kann man so nicht sagen.“ Und als ich meinte, dass unser Freundeskreis größtenteils meinetwegen immer noch besteht, konnte er mir nur zustimmen. Also mag ich vielleicht unbeständig wirken, bin aber in meinem sozialen Umfeld die Beständigkeit in Person. Und diese Differenzierung ist mir sehr wichtig. 

09.06.2017 um 16:49 Uhr

And the winner is

von: indalo

Du lieber Himmel. Da sind noch zwei ungeschriebene Einträge in meinem Geiste, doch dieser muss heute sein. Denn da hat mich meine Chefin ja dazu angestachelt, mich selbst aufzustellen - was ich nicht getan habe! - und dann kopiert sie den Wahlzettel ohne mich. Der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen, ich sei auf die zweite Seite gerutscht. Unwahrscheinlich, aber was soll’s. Ich glaube ihr, dass sie es nicht absichtlich gemacht hat und bin daher eher froh, dass sie mich und nicht einen anderen Kandidaten weggelassen hat. Doch weil ein Kollege gleich am Morgen seine Stimme für mich abgeben wollte, fiel es sofort auf und es wurde schnell korrigiert. Und dann stand vier Tage lang die Wahlurne auf dem Tisch. Schon als ich meine Stimme abgegeben habe, stand ich vor der Frage, ob ich das denn wirklich sein möchte. Und warum eigentlich? Dann entschied ich mich, für mich abzustimmen, da die anderen für mich keine Option waren. (Beim letzten Mal wählte ich einfach gar nicht, da mir keine Option so wirklich gefiel.) Und dann beobachtete ich die Box immer wieder. Möchte ich das wirklich sein? Vertrauensperson. Was bedeutet das? Was bedeutet das für mich? Der Titel klingt toll. Ich mag es, wenn Menschen mir vertrauen - aber möchte ich wirklich das machen, warum wir gerade jetzt neu wählen? Nein. Also ja. Aber nein. Denn da werde ich mich ganz schön anstrengen müssen, private und berufliche Wünsche nicht zu vermischen. Ich traue mir zu, fair zu bleiben, aber ich werde bewusst erst nach abgeschlossenem Verfahren (und dann auch je nach Ausgang) meine persönliche Meinung kundtun. Nun fragte ich mich die letzten Tage, ob ich Joker ziehen soll, da ich von mindestens einer Person weiß, dass sie mich wählen würde, wenn sie einen Wahlzettel in die Hand bekäme. Ich entschied mich nie dafür, da ich immer wieder dachte: Wenn ich wirklich die Vertrauensperson sein soll, dann auch nur, weil die Mehrheit für mich ist. Auch ohne mein sonstiges Gefolge. 

Dann schaute ich gestern wieder eine Serie in der es um Bewerbungen bzw. positive Rückmeldungen ging. Da dachte ich darüber nach, dass es einfach Menschen gibt, die immer alles bekommen. Diese doofen Menschen, die das nicht einmal zu schätzen wissen. Und manchmal stelle ich fest, dass ich einer dieser Menschen bin. Ich bin schon so oft gewählt worden von meinen Mitmenschen. Das begann in der Grundschule, zog sich durch die Schule bis zum Ende und jetzt im Job ist mir das auch schon mehrfach passiert. Ich war gerade mal ein paar Wochen da und bekam sofort wichtige Aufgaben. Und es scheint kein Ende zu nehmen, denn kaum dass ich heute auf die Couch fiel, bekam ich eine Nachricht auf dem Handy „Cool! Herzlichen Glückwunsch!“ mit Daumen hoch und Blumenstrauß. Hä, wieso gratuliert meine hochschwangere Kollegin mir? Wozu? Wenn dann hat doch sie das Kind bekommen. Ach warte, Moment, Freitagmittag, ist die Wochenendmail schon raus? Und siehe da, es gibt eine Mail. Ich wurde gewählt. Und irgendwie wusste ich das gestern schon. Danke für das Vertrauen, wir werden sehen, ob ich den Erwartungen gerecht werde. 

07.06.2017 um 22:29 Uhr

Der größte Fehler deines Lebens

von: indalo

Je mehr Zeit vergeht, je mehr Dinge passieren und mir auffallen, desto häufiger denke ich, dass du den größten Fehler deines Lebens begangen hast. Zumindest des Lebens, welches ich mitbekommen habe und mitbekomme. Und das tut mir unheimlich Leid für dich. Du tust mir Leid. Ich leide mit dir, oder ich fühle mit dir? Ich leide für dich? Du kannst mir sagen, was du willst - du bist nicht glücklich. Du wirkst nicht glücklich. Du kommst zurecht, aber das tatest du auch vorher. Aber so schnippisch und bissig wie du bist, kannst du nicht glücklich sein. Und wenn du mich attackierst, obwohl ich rein gar nichts mit der Situation zu tun habe, dann sollte dir auffallen, dass irgendwas schief läuft. In deinem Leben, nicht in meinem. Und wenn ihr zwei, die ihr euch so sagenhaft nahe stehen sollt, mich braucht, um eure Differenzen zu klären, dann läuft da noch mehr schief. Ich bin und bleibe der Mensch, der ich bin. Anscheinend auch in diesem Konstrukt. Mal sehen, wie viele Monate es dauern wird, bis es sich zurecht ruckelt. Denn nachdem wir drei Monate kein Wort gewechselt haben, vertraut sie mir immer noch mehr, noch intimere Details an als dir. Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie sind intim. Und sie kamen einfach so ans Licht, weil wir uns zum ersten Mal nach Monaten des bewussten Schweigens unterhielten. Nicht, weil ich es forcierte. Und diese ganzen Zusammenhänge betrachtend, stelle ich fest, dass sich einfach nichts ändert. Scheiß blödes Leben. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, so zu sein wie ich bin, und doch tut es mir unheimlich Leid für dich. 

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du glücklich wirst. Ich wünsche dir, dass du jemanden findest, der einfach gerne mit dir zusammen ist - so wie ich es war. Jemanden, der Zeit mit dir verbringt, und das nicht, weil du ihn darum bittest, nicht, weil du es brauchst, sondern weil er möchte. Und den einzigen Menschen in deinem bisherigen Leben, der einfach da war, weil er wollte, der alles für dich getan hätte, nicht weil er es brauchte oder sich etwas erhoffte, diesen Menschen hast du aus deinem Leben geschubst. Und ich wünsche dir, dass es irgendwann nicht mehr der größte Fehler deines Lebens war, sondern vielleicht die Ebnung des Weges, der dich zu diesem Menschen - den ich dir so sehr wünsche, immer schon wünschte und auch gerne selbst gewesen wäre - führen wird. 

„Ich weiß nicht, wer bzw. ob jemand das alles auffängt..“ - „Das kann niemand auffangen.“ - „Doch, ich glaube, dass ich das könnte.“ - „Ja, womöglich.“ - „Aber ich darf nicht.“

04.06.2017 um 23:59 Uhr

Zähne putzend über den Pfingstmarkt

von: indalo

Es ist Sonntagnacht, aber das Wochenende ist noch nicht vorbei. Der morgige Montag ist frei. Wie schön. Und seit vielen Jahren verbringe ich dieses verlängerte Wochenende mit zwei der wichtigsten Menschen meines Lebens. Mit den beiden und einer Gruppe anderer Menschen, die dieses Wochenende zu dem machen, was es ist, aber ansonsten eine mindere Rolle spielen. Leider haben sich diese beiden Menschen vor einiger Zeit von der Gesellschaft vereinnahmen lassen, zumindest wenn es um mich geht. Das hat meinem Herzlein ganz schön zu gesetzt, doch ich wollte nicht auch noch diese Tradition aufgeben, sodass ich entschied, mich entgegen jeder Vernunft in die Höhle des Löwen zu begeben. Das war es mir Wert. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, womit ich rechnen sollte, weniger als gar keine. Und als ich am Vortag las, dass sie mich womöglich ausquartieren, tauchte der Gedanke auf, sofort wieder abzureisen. Ich glaub, das hätte ich auch getan. Himmel sei Dank war das nicht nötig, doch die Begrüßung, ja schon die Hinfahrt und dann die ersten Stunden nach der Begrüßung waren die übelste Achterbahnfahrt. Dass sie noch mehr Wendungen am nächsten Morgen nehmen würde, ahnte ich nicht im Geringsten. 

Ich habe in den letzten Tagen alle mir bekannten Gefühle durchlebt, einige mehrfach. Leider gehörte Freude nicht dazu. Also doch, ich empfand Freude, aber nicht unbedingt mehrfach. Und ich stellte fest: Da muss ich allein durch. Und wie eher selten in meinem Leben, wollte ich hier so gar nicht allein durch. Es war kein selbst auferlegter Druck, es war auch nicht der Gedanke, dass es so besser wäre, es war nur die Feststellung, dass die Menschen in meinem Leben, die mich dabei hätten unterstützen können, bereits vor Ort waren. Wie also agieren? Was tun? Einfach machen. Das war der Plan, und den habe ich umgesetzt. Wenn alle Welt so tun will als wär alles normal, dann mach ich da mit. Denn manches ist so normal, das hier, das ist so normal. Nur warum blutet mein Herz dann so?

Es kostet mich sooo viel Kraft, diese Gedanken nicht zu denken. Und wenn ich sie denke, dann werde ich wütend. Ich möchte nicht wütend sein, denn gegen wen soll sich meine Wut richten? Es ist sinnlos. Aber ich will die Wut auch nicht runterschlucken, also darf sie gar nicht erst aufkommen. Doch es ist gar nicht nur Wut, da keimt auch Hoffnung auf. Kleine Dinge, große Dinge. Dieses Wochenende ist eine Weggabelung, und je mehr gehandelt und je weniger theorisiert wird, desto besser geht es. Einfach machen.

Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen in Worten (nicht nur Beleidigungen) um sich schlagen. Und beide tun das. Beide haben das getan. Und ich wünschte, die Vergangenheit wäre die richtige Zeitform. Ich kann das vergessen, nein, warte, ich kann das übergehen, akzeptieren, aber es muss aufhören. Mein Herz hat bereits genug verloren, es muss irgendwann aufhören zu bluten. Und so spazierte ich eben Zähne putzend über den Pfingstmarkt nachdem wir gemeinsam eine schöne Zeit frierend auf Strand-Hänge-Liegestühlen verbracht haben. Ich kann es mir gut machen (nicht schön reden!), aber ich wünsche mir (und habe Hoffnung darauf), dass es zumindest mit einer von beiden wieder anders werden kann. Ich habe Hoffnung und hoffe jetzt nur, dass sie sie morgen nicht wieder mindert.

01.06.2017 um 17:30 Uhr

Dann sind wir keine Freunde mehr.

von: indalo

In der Tat finde ich mein Leben lustig. Amüsant. Und grandios. Oftmals frage ich mich, wie so viele Dinge an nur einem Tag passieren können. Wofür soll ich mich entscheiden, was davon will ich erinnern? Alles, am Liebsten alles. Und es erfüllt mich, das alles (wieder?) wahrzunehmen. Alles aufzusaugen, das Gute wie das Schlechte. Denn heute Morgen bin ich noch ziemlich aufgebracht ins Büro der Chefs gestürmt. Und ich muss doch sagen, dass unsere derzeitige Chaossituation viel zu all dem beiträgt. Denn seit einiger Zeit sitzt die Chefin höchstpersönlich bei den anderen Vorgesetzten und kriegt nun alles mit. Und mischt sich überall ein. So wie sie eben ist. Genauso wie sie gespielt eingeschnappt war, dass ich schon wieder nicht zu ihr, sondern zu ihm gehe. Auch der Dritte im Büro beschwerte sich „immer willst du nur zu ihm“. Ja, ich war aufgebracht, aber über so etwas kann ich trotzdem schmunzeln. Ich diskutierte meinen Ärger, welcher sich nicht gegen ihn richtete, mit ihm und die Chefin hat mal wieder beruhigende Worte dazu beigetragen. Einfach wohltuend.

Dann stürmte ich in den nächsten Raum und warf den dort Anwesenden andere, mich frustrierende Dinge vor die Füße. Sie schienen ein wenig irritiert, doch ich muss sagen, dass sie es gut aufgenommen haben, sodass ich mehr als lachend zur Kenntnis nahm, wie einer davon erzählte, dass ein anderer Kuchen in seinem Rucksack versteckt hat. Keine Ahnung, wieso er uns diese Geschichte auftischen wollte, aber wir zogen das bis zum Ende durch. Leider fiel einer aus der Rolle, sodass ich am Ende nur meinte: „Kannst du dich bei deinem Rucksack für den Kuchen bedanken?“ und er dies grinsend tat. Mein Kopf schwirrte, und es machte Spaß. 

Anschließend fragte mich jemand, ob ich mir der guten Neuigkeiten von gestern sicher bin, worauf ich meinte, dass ich es nun doch noch einmal nachgucken muss. Gestern verkündete ich gute Neuigkeiten, schaute auch da schon ein zweites Mal in den Unterlagen nach, kramte heute dann aber noch tiefer, sodass sie auf mich zustürmte: „Wenn Sie sich da irren, dann sind wir keine Freunde mehr.“ Und ich fragte nur: „Sind wir Freunde?“ Denn das sind wir nicht. Und das musste ich auch noch ein zweites Mal fragen. „Sind wir Freunde?“ - „Nein.“ Gut, okay. Und dann sagte sie „Dann gibst du mir…“ und ich schaute sie nur an. „Also erst sollen wir Freunde sein und jetzt sind wir beim Du?“ Sie guckte kurz erschrocken, nahm dann aber mein amüsiertes Grinsen wahr und redete weiter. Halleluja, ich hab sie auf meiner Seite. Ich habe es endlich geschafft, den Großteil davon zu überzeugen, dass ich kein Unmensch bin. 

30.05.2017 um 18:31 Uhr

Man kann sich auch selbst drauf schreiben.

von: indalo

Es war total banal, wirklich. Doch der Satz geht mir nicht aus dem Kopf. Auch das Lächeln danach nicht. Es war wieder so… so alles. Es war wieder sie, und ich. Ach man, was werde ich sie vermissen. 

Ich setzte mich zu einem nicht allzu schönen Gespräch zu meinem Chef ins Büro und er tat mal wieder so, als würde er kluge Ratschläge haben. Amüsant, doch ich durchschaue sein sicheres Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit. Nebenbei sah ich, wie meine Chefin eine Datei auf ihrem Computer anfertigte, in der sie Namen vertrauenswürdiger Kollegen notierte. Keine von ihr geschriebene Liste, eine Liste mit Vorschlägen der Kollegen, die sie nur zusammentrug. Ich nahm es einfach nur zur Kenntnis und ahnte nicht, dass mir das zum Verhängnis werden könnte. Denn als ich mich verabschiedete, sagte sie - weiterhin mit dem Rücken zu mir auf den Bildschirm starrend - „Man kann sich auch selbst drauf schreiben.“ Vermutlich war sie längst bei etwas anderem, doch ich wusste sofort, was sie meint. Und sie guckte mich nicht an, sie blickte nicht einmal auf. Sie sagte es ganz einfach, laut und deutlich. Ich grinste von einem Ohr zum anderen. „Ja, ich weiß.“ und mein Chef grinste mich verschmitzt an „Weißt du, an welchen Kollegen ich spontan denken musste?“ Ihn auffordern anzugucken, ist sinnlos, da wiederholt er nur seine Frage. „Nee, aber ich dachte du verrätst es mir, wenn ich dich auffordernd angucke.“ - „An Indalo.“ Und ich lachte. „Na, dann schreib mich doch drauf. Du gehörst doch auch zu den Kollegen.“ und der zukünftige Chef ruft ein ironisch überraschtes „Nein!“ zu ihm rüber. Ja doch, er ist doch auch ein Kollege. Ich wünschte allen lachend einen schönen Tag und hüpfte von dannen. Ja, das tat mal wieder sehr gut. Und ich freue mich darüber, wie entspannt ich mit all dem umgehe. Ich brauche keine Sonderrollen mehr, mir gefallen solch kurze Begegnungen viel mehr. 

Und ich ging grinsend nach Hause. Grinsend, bis zu dem Telefonat, welches meine Tagespläne verhinderte. Da sank meine Laune spontan, irgendwie klar. Und auch nicht dramatisch. Jetzt kann ich wieder breit grinsend zu Hause sitzen. Es ist okay, dass es meine Laune und mein Leben beeinflusst. Ich erwarte nicht (mehr), dass das von heut auf morgen erledigt ist. Das wird noch Monate so weitergehen, aber es wird besser. Ich kann endlich wieder sagen, dass ich glücklich bin. Nicht dauerhaft, aber genug um es ehrlich sagen zu können. Ich hab so viel, für das ich dankbar bin. So viel Gutes in meinem Leben, dass ich auch ohne sie glücklich sein kann. Und in einem kuriosem Anflug bezeichnete ich meine Mutter und mich als Gewinner der Herzen - und das obwohl wir beide gerade sowieso die Gewinner des Spiels waren. Keine Ahnung, was mich da geritten hat, aber ich hab mein Leben wieder im Griff. Und darauf kommt es an. 

29.05.2017 um 23:23 Uhr

Stimmt, das wäre vielleicht unangenehm geworden.

von: indalo

Es ist soweit, ich mache mir Sorgen. Denn wenn die anderen anfangen, eine Begegnung zwischen dir und mir als unangenehm zu betrachten, dann wird’s schwierig. Und das hast du neulich verbockt. Oder er. Mit diesem blöden Fahrrad. Man ey.

Wenn das Gelingen einer Situation von zufälligen Faktoren abhängt, dann ist das Leben ein Glücksspiel. Dann gibt es keine Sicherheit, denn mehr als blöde Zufälle sind das alles nicht. Es könnte so einfach sein. Aber das ist es nicht. Und das wird es auch nicht. Doch dass sie diese Worte wählt, wenn ich sage, dass wir uns beinah zufällig begegnet wären, dann ärgert mich das. Erst ärgert es mich, doch ich reagiere humorvoll. Dann kommt noch so eine Reaktion und ich beginne, mir Sorgen zu machen. Ich darf sarkastisch und gemein sein, ihr nicht. Ihr müsst das cool übergehen. Sonst wird das nichts. Ich kann euch nicht beruhigen, ich schaffe es gerade mal, ruhig zu bleiben. Doch heute verlässt mich meine Ruhe, weil es - mal wieder durch blöden Zufall - mein Leben einschränkt. Weil ich eine Freundin nicht besuchen kann, weil du da bist. Und ich möchte schreien, ich möchte meckern, doch ich weiß, dass niemand Schuld an dieser Situation hat. Manchmal möchte ich, dass du das auch fühlst, dass du das auch merkst, aber dann weiß ich wieder, dass es auch nichts nützen würde. Oh, wie sehr verfluche ich, dass er dich hat sitzen lassen. Wäre er bloß geblieben. Dann wär alles anders gekommen, nicht weniger schmerzhaft, aber anders, und mit ziemlicher Sicherheit besser. 

Bis heute früh war alles gut. Das Wochenende mit der Nachtwanderung steckte mir noch in den Knochen, und das machte mich anfällig für die Frustration, die mich nach wenigen Minuten auf Arbeit einholte. Irgendsoein Vollidiot hat die Flure mit nem Feuerlöscher verwüstet. Also kletterte man mehr oder weniger durchs Fenster rein. Aber nicht nur das, es wurden auch noch Räume getauscht, und dann ging die Technik nicht. Mehr hätte nicht schief laufen können. Ich war gefrustet und ging zur Chefetage um mir technische Hilfe zu holen. Meine Chefin begrüßte mich freudig, doch als ich sagte, dass nicht alles gut ist, hieß es gleich: „Wer ärgert dich? Du weißt, wir hauen die dann.“ Und ich konnte nur trocken antworten: „Die können auch alle nichts dafür. Manchmal geht’s nicht anders, aber doof ist es trotzdem.“ Diese Reaktion irritierte sie, doch ich befragte den Herren an ihrer Seite zu meinem technischen Problem. Er wollte mich erst mit Worten abfertigen, merkte dann aber, dass mir das nicht reicht und fragte mich „Soll ich mir das mal angucken?“ - „Ja, bitte.“ und wir verließen den Raum. Er verbrachte einige Zeit damit eine Lösung zu suchen, ich glaub einerseits wollte er bleiben, andererseits merkte er, dass ich eine Lösung nötig habe. Erstaunlich, dass er für mich tatsächlich ein Gefühl entwickelt hat. …oder meine Ausstrahlung war einfach so intensiv, dass er es nicht ignorieren konnte. 

Ich dankte ihm, denn ich war ihm wirklich dankbar. Doch mein Tag wurde nicht besser. Ich bin heute so viel unnötig im Kreis gelaufen, hab so viel dämliche und teilweise falsche Antworten bekommen, dass meine Laune nicht besser werden konnte. Immerhin wurde sie auch nicht schlechter. Leider hat auch all die Schokolade und der leckere Salat nicht geholfen. Ich werde irgendwann - weit nach Mitternacht - gefrustet ins Bett gehen. 

Nach diesem Wochenende werde ich schlauer sein. Je nachdem, wie (un)angenehm die Begegnungen verlaufen werden. Ich möchte nur nicht gefrustet in die Situation starten.
…mir stehen sieben entscheidende Tage bevor, und ich wünschte, ich wäre dafür besser gewappnet. 

28.05.2017 um 11:33 Uhr

Damit du nicht ganz aus der Welt bist

von: indalo

Da verschickt man nichts ahnend ein Angebot zu selbst gemachtem Kuchen und Spaziergang, und plötzlich landet man in einer Ehekrise. Damit hab ich nicht gerechnet. Erst schrieben wir und nach zwei Stunden wurde der Spaziergang dann doch angenommen, und eine weitere Stunde später stand man sich dann gegenüber. Oha. Leicht angeschäkert und mit viel Chaos im Kopf. Blöd nur, dass es bald Mitternacht ist und ich schon echt müde auf der Couch lag. Nun denn, wir drehten zwei Runden um den Flugplatz und kamen nach drei Stunden wieder zu Hause an. Es ist mitten in der Nacht, die Taxen grüßen schon mit „guten Morgen“, wollen einen aber auch nicht abholen. Kein freies Fahrzeug. Ist klar. 

Es war ein interessantes Gespräch, und ich nehme ein wenig irritiert zur Kenntnis, dass ich die erste Person bin, die von der Ehekrise erfährt. Ich unterstelle, dass mir eine Portion des Gedankenchaos vorenthalten wurde, merke aber auch, dass das kein Problem für mich darstellt. Ich ruhe wirklich in mir, was das angeht. Doch der Satz „Damit du nicht ganz aus der Welt bist“ geht mir nicht aus dem Kopf. Als er gesagt wurde hielt ich das „du“ für ein „man“, doch das tat ich zuvor schon fälschlicherweise. Womöglich bin mit dem „du“ tatsächlich ich gemeint, doch das wären viel zu große Zugeständnisse. Von mir sollte man den neuen Wohnort nicht abhängig machen, denn die Wohnungssuche läuft bereits. 

26.05.2017 um 14:43 Uhr

back on track

von: indalo

Schon seit ein paar Wochen merke ich es, Stück für Stück geht’s voran, komme ich voran. Mein Leben ist zwischenzeitlich auf einen falschen Kurs geraten, naja, geraten worden. In einer der emotionalsten und unsichersten Phasen wurde mein Leben auf fürchterliche Weise attackiert und in Frage gestellt. Dem konnte ich nicht standhalten, sodass ich vom Weg abkam und ziemlich verwirrt durchs Gebüsch stolperte. Kein Licht am Ende des Tunnels, nur Dickicht um mich herum. Und Stimmen. Da waren immer wieder diese Stimmen, die sagten, was sein wird, was gut ist, dass ich mich gedulden soll. Doch manchmal wollte ich ihnen nicht zuhören. Stattdessen suchte ich einen Weg aus dem Dickicht, versuchte mich freizubuddeln und bekam noch mehr Steine in den Weg gelegt, fiel und stolperte erneut. Frustration pur. Und dann hörte ich auf zu strampeln und blieb stehen. Ich könnte mich um dieses und jenes kümmern, aber ich wollte nicht mehr. Nein, ich wollte gar nichts mehr. Also blieb ich stehen, sah mir meine Umgebung genau an und machte das Beste daraus. Gut war es nicht, aber es war das Beste, was ich erreichen konnte. Ich wurde mir nicht gerecht, aber ich machte mir keine Vorwürfe daraus. Ich ließ einfach alles um mich rum liegen. Rechnungen stapelten sich, meine Wohnung ist ein noch größeres Chaos als sowieso schon immer gewesen, doch es war mir alles egal. Immerhin ging ich noch zur Arbeit, denn irgendwie war das der Hoffnungsschimmer am Horizont. Solange ich meinen Job habe und liebe, wird es weitergehen und ich mich eines Tages finden. Und so merkte ich kleine Erfolge, schaffte es letzte Woche zum ersten Mal weiter als bis zum nächsten Tag zu denken. Mein Handy erinnerte mich seit letztem Jahr sehr regelmäßig daran, was ich alles tun müsste. Rechnungen bezahlen, Flüge buchen und vieles mehr. Die Liste wurde immer länger, doch erst letzte Woche schaffte ich es, die Flüge für meinen Sommerurlaub zu buchen. Die Reise selbst hatte ich bereits vor Rückkehr gebucht, als mein Leben noch Sinn ergab. Nun habe ich die Flüge dazu. Und gestern kümmerte ich mich endlich um all die Rechnungen seit Jahresbeginn. (Ich glaub um Weihnachten rum hatte ich mal kurz all meine Energie gesammelt um zumindest dringende Dinge der Monate davor zu bearbeiten.) Ein Wunder, dass mir bisher keine Mahnung ins Haus geflogen kam. Stattdessen brachte ich es aber fertig, einige Rechnungen doppelt zu bezahlen… und heute machte ich eine Kostenaufstellung für meinen Zwischenmieter. Ja, er ist bereits vor knapp neun Monaten ausgezogen, doch ich hatte keine Muße dazu. Gar keine. Bis heute, und es fühlt sich gut an. Schon gestern fühlte es sich gut an. Auch dass ich gestern (ja, ich weiß, dass es ein Feiertag war) zur Arbeit ging um dort einigen Papierkram zu erledigen, fühlte sich gut an. Mein Leben geriet aus der Spur, but now I am back on track !

24.05.2017 um 23:37 Uhr

Ich wurde nicht geschlagen

von: indalo

Es war wieder einer dieser Tage, an denen so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, was ich als erstes festhalten soll. Insbesondere da so viel Unabhängiges passierte. Gedanken kreisen, jede Minute wird gelebt. Heute passte wieder alles ineinander. Bis zum zehn Prozent Gutschein im Briefkasten meiner Nachbarn. Denn eigentlich wollte ich gestern in meiner Lieblingsdrogerie einen Großeinkauf machen, doch ich fand den Coupon mit den Extrapunkten nicht wieder, sodass ich den Einkauf auf Freitag verschieben wollte. Beim Heimkommen eben fand ich dann den noch viel besseren Gutschein und lächle in mich hinein. Wunderbar gelaufen. Und eine so banale Kleinigkeit, dass ich meine Leser damit langweile ;-)

Nun denn, heute habe ich es endlich geschafft, meinen Vater nach langer Zeit allein zu erwischen und konnte ihm die Frage stellen, die mich letztes Jahr beschäftigte. „Es gibt gute und schlechte Menschen, nicht wahr?“ Stille. „Man kann Menschen doch in gut und schlecht einteilen, oder nicht?“ - „Ja.“ - „Waren deine Eltern gute Menschen?“ - „Doch, ja. Ich wurde nicht geschlagen, nur von meiner Schwester.“ Und auch wenn ich an dieser Stelle einhaken könnte, ob geschlagen zu werden der Maßstab sei, so gingen meine Fragen in andere Richtungen weiter. Ich ahnte es, und er sagte es selbst „Man sieht es hinterher besser als es war.“ Mir reicht die Antwort, mir reicht die Reaktion. Mit allem drum und dran. Und ich bin offen gestanden total fasziniert davon, wie diese - wenn auch kurze - Unterhaltung verlief. Ganz ernst, ganz gelassen, ganz entspannt. Ich habe meine Antwort. Und sie passt. 

23.05.2017 um 18:22 Uhr

Versprichst du mir etwas?

von: indalo

Unser Gespräch war mal wieder konfuser als jedes Labyrinth. Doch wir sehen noch durch, und nur das ist wichtig. Es war die selbe Stelle, nicht wahr? Ich schob schon einmal den Kinderwagen diesen Weg hoch, mitten durch den großen Spielplatz, und drehte mich zu dir „Es ist schön, dich zu kennen.“ Ich sagte es heute zweimal, falls du das erste Mal nicht gehört hast. Doch das letzte Mal war auch da, und es war kein déjà-vue, es war eine Erinnerung. Warum auch immer ich es das letzte Mal sagte, es hat sicherlich nicht an Bedeutung verloren. Heute waren es die Worte „nicht nur da“ auf meine Frage „Ist dir aufgefallen, dass sie im November die ganze Zeit am Handy war?“

Es ist ihr aufgefallen. Schon vorher. Und es hieß einige Zeit später: „Und ich möchte erwähnen, dass ich dir nicht nach dem Mund rede. Mir ist das auch vorher schon aufgefallen.“ - „Ich weiß, und gerade heute hatten wir zwei Beweise dafür, dass wir ganz unabhängig die gleiche Meinung haben.“ Denn dieses Thema begann mit den vorsichtig nachfragenden Worten „Also Sven ist ihr ganz schön wichtig, oder?“ und ging mit „Vielleicht kompensiert sie da ja irgendwas.“ weiter. Der Hammer. Meine liebe Freundin, mein Sonnenschein, mein unabhängiger Richter, ich danke dir ganz besonders für heute. Auch wenn ich dir womöglich mehr die Augen geöffnet habe als du mir, so wurde die Geschichte unsere Freundschaft weiter an den Fels gemeißelt. Und schon gestern wollte ich dich um dieses Versprechen bitten. Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, so wollte ich es trotzdem von dir hören. „Versprichst du mir etwas?“ - „Na?“ - „Ich weiß, das kommt darauf an, was ich jetzt sage. Daher ist es ein doofer Anfang, doch ich wollte trotzdem mit dieser Frage beginnen, denn ich überlegte, wie ich sonst anfangen könnte und mir fiel nichts besseres ein. Versprichst du mir, dass egal was du von anderen hörst - egal von wem - du mich nach meiner Sicht der Geschichte fragst?“ kurze Denkpause ihrerseits „Egal von vom. Von ihr, von deiner Mutter, von deinem Mann. Bitte gib mir einfach immer die Chance, dir meine Sicht zu erklären.“ - „Das fällt mir schwer, aber doch, das tue ich. Auch wenn es mir schwer fallen wird, bei dir würde ich das tun. Das verspreche ich dir.“ Und ich liebe sie dafür, dass sie darüber nachdenkt, dass sie sagt, was sie denkt, und mir nicht einfach nur ein Versprechen gibt. Bitte bleib, für immer. 

Dass ich jetzt auf dieses Versprechen komme, kann ich ihr anhand der anderen beiden Damen leicht erklären. Doch damit hat es gar nichts zu tun. Neulich, beim königlichen Schnellessen, da passierte etwas, das ich erklären könnte, aber nicht erwähnen möchte. Und wenn andere es erwähnen, möchte ich die Chance haben, es erklären zu können. Und ich glaube auch, dass sie sich daran halten wird. Ich glaube außerdem, dass sie es vor dem Versprechen getan hätte, aber vielleicht fällt es ihr so etwas leichter, mich darauf anzusprechen. 

 

„Kann ich das sagen? Ich glaube schon. Also, es geht ja nicht um Seiten, aber: Ich steh auf deiner Seite.“ Danke. Vorgestern hörte sich das noch anders an, denn es hieß „Das ist jetzt nicht euer Ernst?!“ Da fühlte ich mich ein wenig angegriffen, denn ich finde nicht, dass ich mich da kindisch oder anderweitig fehlverhalten habe. Insofern tat es gut, das heute zu hören.

Auch wenn mir wichtig ist, dass du keine Partei ergreifst. 

16.05.2017 um 16:04 Uhr

Ein regnerischer Dienstagmorgen

von: indalo

Es war ein Dienstag im Mai, ich war auf dem Weg zur Arbeit und es regnete. Es war ein sonniges Wochenende, was überhaupt nichts zur Sache tut. Ich weiß auch nicht, was es an diesem Morgen ausgelöst hatte, ich weiß nur, dass ich plötzlich handfestere Pläne machte. Ich gab dem ganzen einen Namen. Mein Lebensplan ist und bleibt der gleiche, er wird nur ergänzt. Ein zweites Standbein? Ein Traum? Allemal eine Vorstellung. Eine schöne noch dazu. Es war Dienstagmorgen und ich malte mir die Zukunft aus, meine Zukunft. Fragte und frage mich noch immer, was die Zukunft für meine Gegenwart bedeutet, was ich einbauen will, was später umgebaut wird. Da springen Gedanken durch meinen Kopf, die irgendwann Hand und Fuß bekommen. Oder auch nicht. Denn es ist wieder eins dieser Dinge bei dem es total egal ist, ob es Realität wird, allein der Gedanke macht mich glücklich. Das hier ist ein Luftschloss, und wer weiß, vielleicht werde ich ihm eines Tages Leben einhauchen. Doch dann möchte ich erzählen von diesem Dienstagmorgen, als mir der Name kam. Bis zum Nachmittag fielen mir weitere Namen ein, überlegte ich, wie es umgesetzt werden könnte. Ja, ich googlete sogar die ein oder andere Bestimmung, während ich meine heißbeliebten Waffeln aus Kokosmilch mit frischen Erdbeeren aß. Auch Mitarbeiter fallen mir schon ein, mein Hirn scheint wieder Kapazitäten zu haben, um weiter zu machen. Auch wenn du fehlst. Gestern noch viel mehr als all die Tage und Wochen davor. Dabei waren es zwei vollkommen unabhängige Situationen, ausgelöst durch Zufall. Du fehlst. 

15.05.2017 um 22:47 Uhr

Trauzeuge auf der Hochzeit der Ex am eigenen Geburtstag

von: indalo

…und das brauteigene Kind lehnt das Trauzeugendasein ab. Wie geht es einem wohl damit? Fast die Hälfte des Lebens schon die wichtigste Frau, alles hat er ihr gegeben, bis zum großen Knall. Dann gab es eine kurze, distanziertere Phase, doch noch bevor der nächste Mann auftaucht, geht es weiter wie zuvor. Und nun die Hochzeit auf der sie sich zur Standesbeamtin dreht und meint „Nee, der soll’s sein.“ und auf den anderen Mann im Raum zeigt. Denn ja, so wie heute der Raum betreten wurde, war überhaupt nicht klar, wen von beiden sie jetzt heiraten würde. Beinah wär’s der Falsche gewesen. Aber er hat seinen Personalausweis im Vorzimmer gezeigt und wurde dann mit falschem Namen als Trauzeuge eingetragen. Auch nach mehreren Jahrzehnten achte ich noch auf die richtige Schreibweise und nutze den Moment, indem er sich um sein klingelndes Handys kümmert, um die Standesbeamtin auf ihren Fehler hinzuweisen… Erstaunlich, wie das Leben manchmal spielt. Denn sie wollte ganz bewusst an diesem Tag heiraten, und eigentlich hätte sie ihn damals heiraten wollen. Stattdessen fahren sie nun zu dritt in den Urlaub, zumindest für ein paar Tage. 

„Er ist jetzt dein Stiefvater.“ - „Nein, ist er nicht.“ Und es folgten Diskussionen über Begriffe wie Stief- und Adoptivvater. Ich weigere mich, ihn als meinen Stiefvater zu betrachten, der letzte Mann ihrerseits ist es auch nie gewesen, und eine Stiefmutter akzeptiere ich genauso wenig. Diese würde nun gerne eine Mutterrolle einnehmen, aber was bin ich froh, dass zumindest er heute ebenso resolut ablehnte, mein Stiefvater zu sein. Da sind wir uns einig. 

07.05.2017 um 18:34 Uhr

Ich bin dein Alkohol

von: indalo

Manchmal fehlt einem die richtige Erkenntnis um in Worte zu fassen, was man doch eigentlich schon die ganze Zeit weiß. Und dies ist meine neueste Erkenntnis: Ich bin dein Alkohol. Ich bin dein Suchtmittel. Und: Du hast mich nie geliebt. Du hast es geglaubt, du hast danach gelebt, aber du hast mich nie geliebt. Du hast mich gebraucht, du warst süchtig nach mir, dachtest, du könntest ohne mich nicht leben. All das denken Alkoholiker über ihren Alkohol. Und du bist krank. Du hast kurzfristig anerkannt, krank zu sein. Hältst du dich jetzt für geheilt? Irrelevant. Für mich war einzig die Erkenntnis relevant. Es reichte nicht zu erkennen, dass du krank bist. Nicht für mich. Ich musste auch erkennen, dass ich für dich nichts anderes bin als das Suchtmittel. Und mit dieser Erkenntnis erkannte ich die Zukunft. Denn was machen selbst geheilte Alkoholiker mit Alkohol? Ihn aus der Ferne betrachten, aber nie wieder anfassen. Wie passend, wie treffend, denn genau das möchtest du, nicht wahr? Wie unpassend, dass genau diese Form der Beziehung für mich ganz persönlich nie in Ordnung war und aller Wahrscheinlichkeit auch nie sein wird. Entweder jemand ist in meinem Leben, oder eben nicht. Ich wehre mich gegen Beobachter und werde das auch weiterhin tun, weshalb du und ich immer weiter kämpfen werden. 

Und auch wenn du das nicht hören möchtest und vielleicht nie einsehen wirst, aber du hast mich nie geliebt. Und ein Teil von mir wusste das immer. Doch ich hätte einen Teufel getan, dir das zu sagen, denn es hätte dich nur verletzt. Du hättest nicht verstanden. Vielleicht wirst du es eines Tages verstehen, vielleicht gibt es dann doch Hoffnung. Doch ich werde auf diesen Tag nicht warten. Ich werde auf dich nicht mehr warten. Der Mensch, der du jetzt bist (und vielleicht immer warst), gefällt mir nicht. Und auch wenn mein tief verwurzelter Glaube, dass ich dich an die Melodie deines Herzens erinnern könnte (und sollte), immer wieder ums Überleben kämpfte, so kann kein Alkohol der Welt einen Alkoholiker heilen. 

06.05.2017 um 16:13 Uhr

Ich bin neidisch auf Anna und Marie

von: indalo

Gestern klingelte mal wieder das Telefon, als ich kurz davor war ins Bett zu gehen. Es ging um Müsli, selbstgemachtes. Und darum, dass der Mann nun umsteigen möchte und gesundes Müsli essen wird. Wie schön. Doch ich musste direkt das Thema wechseln, denn anderes beschäftigte mich. Das Sorgenpaar im Freundeskreis. Neue Informationen kamen ans Licht - oder waren es alte Informationen, die mir nur wieder in Erinnerung gerufen wurden? Ich bin mir nicht sicher, und es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, was nun passiert. Kann ich ihnen helfen? Ist es richtig, ihnen zu helfen? Und falls ja, welchen Weg soll ich nehmen? 

Wir quatschten also einige Zeit über Freundschaften, Veränderungen, das Leben. Und auf einmal sagte sie „Ich bin neidisch auf Anna und Marie.“ Etwas irritiert fragte ich bloß „Wieso?“ Denn was haben die beiden denn nun miteinander zu tun? „Weil du öfter bei denen bist als bei mir.“ Das verschlug mir kurzzeitig die Sprache. „Öhm…“ Ja, und dann kamen verschiedene Gedanken. Einerseits stimmt das so nicht unbedingt, andererseits hab ich im Herbst jedes Wochenende bei ihr verbracht und die anderen ignoriert, doch letztlich ist kein Argument davon irgendwie wichtig, denn ich nehme ihre Kritik an. Und das sagte ich ihr auch in diesen Worten. Und: „Ich sehe das Problem. …und vielleicht habe ich bald auch eine Lösung dafür.“ Sie kommentierte das nicht. „Danke, dass du mir das sagst.“ - „Ja, es ist irgendwie komisch, so etwas zu sagen.“ - „Ich weiß, aber dafür sind Freunde doch da.“ - „Trotzdem ist es komisch.“ Sicherlich. Und sie warf auch noch ein, dass es ihr gar nicht um sich selbst geht. Sie meinte damit, dass es ihr auch um ihren Sohn geht. Doch ich glaube, dass es ihr genauso um sich selbst geht. Es geht um beides. Und wenn ich die Lösung in den Händen halte - eine Lösung, an der ich seit ein paar Wochen arbeite - werde ich sie an dieses Gespräch erinnern. Aber ich möchte ihr keine Lösung versprechen, ich möchte sie ihr geben. Also Geduld, meine Liebe, Geduld. 

Und nicht nur das war eine tiefgreifende Aussage von gestern. Da passierte viel. Sehr viel. Doch zwei Sätze von Anna möchte ich festhalten. „Du stehst übrigens auf der Liste der Kita.“ Aha? Was für ne Liste? Die Liste derer, die ihre kleine Tochter abholen dürfen. Ohne mich zu fragen, haben sie mich auf die Liste geschrieben. Und sie erzählt es mir irgendwie auch nur nebenbei. Spannend, und bedeutend. Ebenso wie der Satz „Ich wünsche dir, dass du auch mal so eine tolle Freundin haben wirst wie ich.“, den sie kurze Zeit später zu ihrer großen Tochter sagt. Und ich genieße es, die drei zur Tanzstunde zu begleiten - und das nicht zuletzt weil die Leiterin unglaublich heiß ist!

01.05.2017 um 20:26 Uhr

Die Gesellschaft hat gewonnen

von: indalo

Der Kampf begann vor ein paar Jahrzehnten. Die Gesellschaft und ich. Es gibt Regeln, und es gibt Regelbrecher. Ich sehe manche Regeln einfach nicht ein, also breche ich sie. Ganz einfach. Und so kämpfte ich Jahr um Jahr. Und mein größter Kampf geht um Freundschaft. Denn überall geht die Familie vor, doch weder sah ich das je ein, noch tue ich es jetzt. Und nach langem Suchen fand ich Menschen, die - ohne es zu wissen - den gleichen Kampf kämpften. Wir kämpften gar nicht miteinander, wir lebten einfach unser Leben. Jahr für Jahr verbrachten wir miteinander, mit unseren Höhen und Tiefen, aber immer der gleichen Front gegen die Gesellschaft. Keiner glaubte uns, alle steckten uns in Schubladen und ich ging über Leichen in diesem Kampf. Denn wer mir nicht vertraut, wer mir nicht glaubt, dass wir einfach ganz besondere Freunde waren, der sollte gehen. Und so kam die Einsicht bei anderen, wir waren einfach nur Freunde, gute Freunde, die alles teilten. Ganz nebenbei gewann ich dann noch einen anderen Kampf, als eine Freundin sagte „Ihr bleibt. Für immer.“ Es war ein ruhender Kampf, der auch bestimmt ein Jahrzehnt anhielt. Doch ha, Gesellschaft, ich habe gesiegt. Es war kein lauter Sieg, es war ein leiser. Klammheimlich verließ ich triumphierend das Schlachtfeld. 

Doch, und vielleicht soll ich das daraus lernen, man sollte sich nie zu früh freuen. Denn urplötzlich habe ich verloren. Ich weigere mich noch immer, über eure Leichen zu gehen, doch ich muss erkennen, dass die Gesellschaft euch zurück erobert hat. Euch beide. Denn nicht nur du willst mich dazu bringen alles in Frage zu stellen, auch sie leugnet, was gewesen ist. Und ich bin mir so sicher, dass es gewesen ist. Es ist gewesen, und an diesem Wochenende wurde mir von einem Beobachter dieser Zeit unseres Lebens vehement, ohne große Aufforderung, bestätigt, dass es so war. Mit euch beiden. Wir drei waren ein tolles Paar. Das gibt mir Sicherheit, denn nicht nur hatte ich da einen Menschen vor mir sitzen, der zwar in der Gesellschaft lebt, mich aber versteht, sondern ich hatte auch noch die Bestätigung, nicht völlig verblendet durchs Leben zu laufen. 

In wenigen Stunden erzählte ich ihr die Geschehnisse der vergangenen Monate. Sie ist sprachlos, so richtig. Denn wie sagte sie mehrmals über die Tage verteilt? „Ich habe mit allem gerechnet, nur damit nicht.“ Und ich glaube ihr. Alles war möglich, aber das schien unmöglich. Und hätte man es mir prophezeit, so hätte ich gelacht. Laut gelacht. Denn das sah ich nicht einmal ansatzweise kommen. „Ich hab euch immer um eure Freundschaft beneidet.“ Mein Grunzen wurde als Lachen ausgelegt. „Lach nicht. Ich habe euch wirklich immer beneidet. Ihr wart so eng, so vertraut, ihr konntet euch alles erzählen, ihr wart immer füreinander da, und doch konntet ihr machen, was ihr wolltet, denn ihr wart Freunde, nicht in einer Beziehung.“ Und genau da erkannte ich, dass ich euch an die Gesellschaft verloren habe. Alle beide. Und ich bin mir sicher, dass es nicht daran liegt, dass ich euch als selbstverständlich betrachtet habe. Ich wusste, was ich an euch habe, ich habe euch eingeladen um zu feiern, was wir haben. Ich habe es (und euch) geschätzt, auch nach all den Jahren. Und genau deswegen mache ich mir auch keine Vorwürfe. 

Die Gesellschaft hat gewonnen, aber ich werde mich nicht geschlagen geben. 

Und während ich diese Zeilen einige Bahnstationen später wieder lese, möchte ich mir bereits widersprechen. Hätte ich gelacht? Womöglich. Aber ich wusste immer, ich ahnte immer, ich fürchtete immer das Ende dieses Traums. Dieser Realität. Ich glaubte an die Möglichkeit, ich glaubte an die Hoffnung, aber ich wusste auch immer, dass nur ein ganz bestimmter Faktor sich ändern müsste, und alles kopf stehen würde. Ich wusste es immer, auch in den letzten Monaten. Und doch trifft mich das jetzt mit so einer Vehemenz, wie ich sie nicht erwartet habe, nicht in Erwägung gezogen hatte. Denn es hat sich kein bestimmter Faktor geändert, und doch ist alles anders. Ich habe verloren. Dich. Dich und einen Teil von mir. Denn ich stand in Tränen vor dir und sagte: „Ich weiß nicht, ob du mir verzeihen kannst und willst. Ich weiß aber auch nicht, ob ich mir verzeihen kann.“ Und jetzt weiß ich zumindest eins. Ich verzeihe mir. 

26.04.2017 um 21:24 Uhr

Es tut mir nicht Leid

von: indalo

Immer und immer wieder taucht in meinem Kopf der Satzanfang „Es tut mir Leid, dass…“ auf. Ständig, wenn ich imaginäre Gespräche zwischen dir und mir führe. Jedes Mal. Aber egal wie ich den Satz weiterführe, es tut mir einfach nicht Leid. Es tut mir nicht Leid, was geschehen ist. Es tut mir nicht Leid, was ich getan habe. Es tut mir nicht Leid, dass wir uns so nahe waren. Es tut mir nicht Leid, anders zu sein, auch wenn ich leide. Ich stehe zu dem, was ich getan und gesagt habe. Es tut mir Leid, so zu sein, wie ich bin, denn ich habe nun das Leid. Aber ich bereue nicht so zu sein. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht so zu werden, wie ich sein will. Im Grunde mein ganzes Leben, doch da ich schon eine ganze Weile das Leben führe, was ich für richtig halte, bin ich schon angekommen. Also wirklich nur die meiste Zeit, denn den letzten Abschnitt war ich schon so, wie ich sein möchte. Ich führte das Leben, was aus meiner Sicht richtig ist. Und es tut mir nicht Leid, dir dieses Leben ermöglicht zu haben. Es tut mir Leid, wenn du das anders siehst, aber es tut mir einfach nicht Leid. Und auch wenn du gelitten hast, so tut es mir nicht Leid. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dich so behandelt zu haben, wie ich es getan habe. Denn ich habe nichts falsch gemacht. Ich habe dir alles gegeben, was ich zu geben hatte, ich habe dich geliebt und tue es immer noch, zumindest den Menschen, der du einst warst. Und ja, für mich ist sich nicht verändert zu haben etwas Gutes. Nicht umsonst war ich so lange dein Fels in der Brandung, dein Rettungsanker, die führende Kraft in deinem Leben. Und auch wenn du jetzt sagst, dass das nicht gut für dich war, so werde ich mich nicht dafür entschuldigen. Ich würde es wieder so tun, auch wenn ich beim nächsten Mal gewiss Mauern um mein Herz bauen werde, denn diesen Albtraum möchte ich kein zweites Mal erleben. 

„You only reassess your life if you did something wrong.“ - I didn’t do anything wrong.