indalo

19.01.2018 um 22:34 Uhr

Mein armer Chef

von: indalo

Da ich heute ein paar Stunden zu viel auf Arbeit hatte, entschied ich kurzerhand, meinem Chef mitzuteilen, dass ich ihm nur noch ein paar Monate zur Verfügung stehe. Mir persönlich lag viel an der Reaktion des Stellvertreters, aber ich fand schon, dass ich es dem Chef auch persönlich sagen sollte. Also zog ich meine Runde durchs Gebäude. Beim Stellvertreter war jemand, sodass ich dann doch zuerst beim Chef aufschlug. Der war absolut sprachlos. Ich konnte mir auch ein "Du musst keine Freude vortäuschen" nicht verkneifen, was er mit einem Grinsen quittierte. Denn gefreut hat er sich nicht - was ja wieder für mich spricht. Da er so gar nichts sagte, meinte ich "Gut, du hast die Info jetzt." und drehte mich zum Gehen. Dann brachte er doch noch etwas heraus und kam direkt mit Organisatorischem. Aye, aye, Captain. Und ja, er war überfordert. Ich sah ihn schon davor ne Weile total entspannt vor sich hinarbeiten, sodass ich auch fand, dass heute ein guter Zeitpunkt war. Doch dass er so geschockt war, dass er erst einmal eine rauchen muss, das war nicht in meinem Plan. Noch weniger, dass er dafür den Stellvertreter mitnimmt, damit er seinen Schock direkt verarbeiten kann. Denn ich ging vom Chef zum Stellvertreter, der gerade im Gespräch war, und als kurz darauf seine Gesprächspartnerin bei mir auftauchte, ging ich zurück zum Stellvertreter, der schon weg war. Da lagen keine fünf Minuten dazwischen, der Chef muss echt auf ihn gelauert haben. Noch mehr als ich. Und als die Herren vom Rauchen zurück kamen, folgte ich unauffällig dem Stellvertreter zu seinem Büro. Als ich in der Tür stand, grinste er schon, als ich die Tür schloss, sagte ich nur "Ich muss nichts sagen, stimmt's? Du weißt es schon?" Er nickte. Schade. Ich hätte zu gern seinen Gesichtsausdruck gesehen, seinen Ersten, den Ehrlichsten. Bei ihm war mir das wichtig. Aber nun ist es zu spät. Schön war, dass wir danach ne ganze Weile quatschten und er sich nicht verstellte. Ich sah zwar nicht den ersten, ehrlichen Blick, aber ich bekam trotzdem noch den ersten, ehrlichen Eindruck. "Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet.", "So ein Mist." und "Du kommst aber wieder, oder?" waren klare, nicht vorher durchdachte Äußerungen. Er fragte allen Ernstes, für wie lange ich wieder komme, wenn ich denn wieder komme. Und ich stellte erst nach zwei oder drei Sätzen fest, dass ich ihn missverstand. Denn es hieß noch "Du hast da auch schon wieder was geplant, oder?" als ich meinte, dass das ja nicht immer so klar zu sagen ist, und ich gewiss noch keine Pläne mache, bevor das erste Kapitel nicht geschrieben ist. Doch er meinte, dass ich schon wieder ein Jahr Urlaub geplant hätte. Als ich dies verstand, meinte ich, dass er mir das ja auch verwehren könne. Da guckte er mich an "Ach so?", überlegte kurz und sagte "Das würden wir aber nicht tun. Denn die Gefahr wäre doch, dass du dann einfach woanders hingehst." Und das war wirklich herzerwärmend. Denn sie verzichten lieber freiwillig ein Jahr auf mich, als Gefahr zu laufen, mich ganz zu verlieren. Hach ja. Er und ich, wir sind echt auf Augenhöhe. Der Chef hingegen war neulich nämlich sehr erfreut über die Möglichkeit, mir einen solchen Urlaub nicht genehmigen zu müssen. Und so werde ich jetzt nicht mehr in die Verlegenheit kommen, im Fall der Fälle zu sagen "Sorry Leute, wenn ihr mir das nicht genehmigt, dann kündige ich hiermit." Denn das wäre mein Weg, wenn man sich mir in den Weg stellen würde. Nicht, dass ich das wirklich befürchtet hätte, aber ich weiß, dass ich meinen Weg gehe.

Und besonders süß - da so absolut überraschend - fand ich die Info, dass er es besonders schade findet, da er mir gerne in ein paar Monaten seinen Sohn anvertraut hätte. Ich spiele in der Tat eine solche Rolle in seinem Leben, dass ich sogar in Bezug auf seine Familie Thema bei ihm bin. Unglaublich... Wer weiß, was noch so passieren wird. 

Amüsant war noch, dass unser Mädchen für alles bei dem kurzen Gespräch zwischen dem Chef und mir den Kopf rein steckte "Stör ich?" und mein Chef unumwunden "Ja" sagte. "Schnelle Reaktion" hieß es nur von mir, da ich von der Klarheit überrascht war, und er meinte "Ja, ist ja auch ein klarer Fall". Spannend, irgendwie. Bei uns sind so oft so viele Dinge so unklar, dass es mich irritiert, wenn mal etwas so klar ist. Der selbe Herr kam bei dem langen Gespräch zwischen dem Stellvertreter und mir nach einiger Zeit rein und fragte nicht, sondern sagte "Wer so viel lacht, kann nicht arbeiten" und drängte sich somit einfach auf. Nun vermute ich, dass er ahnt, dass irgendwas im Busch ist - wie oft schließe ich auch Türen, wenn ich mit irgendwem rede? 

...ich glaube, das war das erste Mal. Zumindest bei den beiden Herren. Denn bei der Chefin erinnere ich mich daran, die Türklinke mal betätigt zu haben. 

 

So, aber nun geh ich mit dem sicheren Wissen schlafen, dass ich mindestens in drei Haushalten heute Abend Thema war. Denn endlich kam ich auch dazu, einer Freundin davon zu erzählen. Einer, die sich wirklich für mich freut. Auch wenn sie mich für bescheuert hält ;-)

16.01.2018 um 21:54 Uhr

Ich sei brilliant

von: indalo

Schon Ende letzter Woche dachte ich darüber nach, unter welchen Bedingungen ich eigentlich welche Art von Komplimenten annehme. Es gibt immerhin zig verschiedene Arten von Komplimenten, und ebenso viele unterschiedliche Dinge, die man komplimentieren kann. Angestoßen wurde dieser Gedankengang durch die zusammenhangslose Aussage "Sie haben wirklich wunderschöne, lange Wimpern." Ich bin vielleicht nicht gänzlich frei davon, über mein Äußeres nachzudenken, aber ich kann guten Gewissens sagen, dass mich Wimpern nie beschäftigen. Naja, bis auf einmal, vor bald zwanzig Jahren, als ich vor einem Tisch hockte und mir genau das gleiche Kompliment gemacht wurde. Damals wie heute von jemandem, mit dem ich kaum bis gar nichts zu tun hatte bzw. habe, beide Male total zusammenhangslos und für mich mehr als überraschend. So überraschend, dass ich es mir all die Jahre gemerkt habe - denn wie bedeutend sind denn bitte Wimpern? 
Festhalten kann ich jedenfalls, dass bei all den sonstigen Komplimenten, die man gelegentlich unter den fragwürdigsten Umständen zu hören bekommt, ich mir einer Sache wohl relativ sicher sein kann: Meine Wimpern sind eher lang als kurz und sonst auch nicht negativ auffallend. Denn in keinem der beiden Momente sollte irgendwas mit diesem Kompliment erreicht werden. Es wurde gesagt, ich bedankte mich und verließ die Situation. Fertig. 
 
Dann gibt es neben Äußerem ja auch Innerliches. Und ich persönlich lege mehr Wert auf die inneren Werte und freue mich über Komplimente dazu mehr als zu meinem Äußeren - denn wie krumm oder schief meine Nase ist kann ich nicht beeinflussen. Ebenso wenig die Länge meiner Wimpern. Doch wie ich bin, was mich ausmacht, das kann ich beeinflussen. Doch nun werde ich wirklich nahezu täglich mit Komplimenten überhäuft, die falsch sind. Und da es mir zu anstrengend ist, bei allem zu eruieren, welcher Wahrheitsgehalt dahinter steckt, übergeh ich einfach sämtliche Komplimente. Was schade ist, denn im Grunde sind sie doch etwas Positives. So erörterte ich gelegentlich mit Kollegen, dass Komplimente über Dritte mich eher erreichen als solche, die direkt an mich gerichtet werden. Schon früher freute ich mich, als meine Cousine mir erzählte, dass sie im Flur hörte, wie man über mich sagte, dass ich wirklich sympathisch sei. Davon hab ich meist mehr, als wenn jemand sagt "ich mag dich". Wobei es da natürlich Ausnahmen gibt. Wie dem auch sei, es ist nun mein hocherfreuliches Hobby, jedes Kompliment, welches ich über einen Kollegen aufschnappe, brühwarm an ihn weiter zu leiten. Das tat ich heute Morgen mit großer Freude, um dann kurze später die Quittung des Universums zu bekommen. Eine Kollegin erzählte mir von ihrem Gespräch mit jemandem, mit dem ich vor drei Jahren zuletzt zu tun hatte. Dort wurde meine Kollegin gelobt, aber eben auch gesagt, dass ich einfach noch besser, ja gar brilliant sei. Ha, ich glaube brilliant hat mich noch niemand genannt. Ich grinste mir einen, da es doch wirklich runtergeht wie Öl. Nichtsdestotrotz sind da jede Menge Aber-Reaktionen in meinem Kopf, und Entschuldigungen, da ein Teil des Gesprächs darauf beruhte, dass jene Person sich tierisch darauf freut, bald wieder mehr mit mir - dieser brillianten Person - zu tun zu haben... und dem leider nicht so sein wird. Wofür ich verantwortlich bin. Doch ich habe im Laufe der Jahre gelernt, mich nicht schuldig zu fühlen. Ich muss mein Leben leben, ich muss für mich leben, nicht für andere. Das weiß ich, und das tue ich auch. 
 
Wie auch immer, Komplimente hin oder her, ich bevorzuge Taten über Worte. Lächel mich ehrlich an statt mir grinsend zu sagen, wie toll ich doch sei. Ich möchte Komplimente sehen, nicht hören. Zumindest generell. Denn wie könnte man Brillianz sehen können?

14.01.2018 um 19:00 Uhr

Ausreden über Ausreden

von: indalo

Einerseits habe ich vorgestern mit einer Freundin darüber geredet, wie grundentspannt ich bin, aber andererseits merke ich, wie mich manche Dinge auch grundlegend ärgern. Doch ich versuche, mich nicht davon ärgern zu lassen. Ich merke, dass mich manches verletzt, ich mir zweitrangig vorkomme und das Gefühl habe, niemandem mehr wichtig zu sein. Das ist nicht grundsätzlich so, aber es taucht immer und immer wieder auf, die Kleinigkeiten sind es. Nichts scheint mehr möglich, nichts ist mehr planbar. Immer kommt irgendwas dazwischen, und wenn mal nichts dazwischen kommt, dann kann man es auch nicht richtig genießen. Alle sind gestresst, irgendwie genervt, und ich sehe mich nicht in der Position, das auszugleichen. Im Gegenteil, ich mache mir Sorgen. 

Da läuft ein Ehepaar streitend durchs und der kleine Sohn guckt mich mit großen Augen an. Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Er braucht nicht so lange wie ich und stellt mir irgendeine Frage. Ich reagiere, einfach so, doch in mir entsteht Chaos. Fragt er mich, um uns abzulenken von dem Streit? Redet er mit mir, weil er offensichtlich keine Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommen kann? Ich fühle mich zurück versetzt in meine Vergangenheit und leide mit ihm, auch wenn ich gar nicht weiß, ob er leidet. Doch wenn die Wogen etwas geglättet sind und ich es angemessen rüber bringen kann, dann möchte ich die Eltern darauf ansprechen. Denn das ist doch nicht der Weg. 

Und heute von einer anderen Freundin die Nachricht mit den Worten „Ich bin heute echt genervt und leicht reizbar…“ Ich lehne das Angebot ab, sie zum Spazieren gehen zu begleiten, denn unter den Umständen lieber nicht. Da heißt es prompt „Nicht bei dir. Versprochen!“ Aber möchte ich wirklich mit jemandem Zeit verbringen, der sich nur beherrscht? 

Es wird wieder bessere Zeiten geben, da bin ich mir sicher. Durchhalten. Doch währenddessen umtreibt mich die Frage: Werde ich auch so? Denn das möchte ich nicht. Ich möchte nicht diese ständigen Ausreden von mir geben. Überall hört man sie: „Ich würde so gern, aber…“ Sei es was Kleines wie ein Spaziergang, der nur im Dunkeln geht, weil das Kind ja nachmittags schliefe, oder was Großes, wie ein Urlaub, den man einfach nie plant. Diejenigen Ausreden, die mich nicht betreffen, kann ich mir ruhig anhören, aber wenn sie in meine Richtung gehen, mich bzw. uns an etwas hindern, dann verletzt es mich. Der Mensch ist Egoist, und er merkt es nicht einmal. Doch was wird passieren, wenn ich anfange, egoistisch zu werden und mich nicht mehr nach den Zeitplänen meiner Freunde richte? Habe ich mich dann verändert? Liegt es dann an mir? 

…oder lag es viel mehr an mir und meiner Flexibilität, dass es so lange so gut lief?

11.01.2018 um 21:37 Uhr

Menschen erkennen

von: indalo

Menschen ändern sich, nicht wahr? Insbesondere ihr Äußeres verändert sich. Das ist nicht zu leugnen. Und als ich vor vielen Jahren eine ältere Frau wieder sehen sollte, fürchtete ich, dass ich sie nicht wieder erkennen würde. Ich weiß noch, wie ich zum Wasser ging, über den See blickte und dachte „Was, wenn ich sie nicht erkenne?“ Als ich sie dann sah, kam ich mir albern vor. Nie im Leben wäre ich an ihr vorbei gelaufen ohne sie zu erkennen. Das lehrte mich einiges. 

Vor ein paar Jahren begegnete ich absolut unverhofft meinem Onkel. Ich hatte ihn viele, viele Jahre nicht gesehen, weit mehr als ein Jahrzehnt nicht gesprochen, und doch gab es keinen Zweifel daran, dass er es war. Und auch er erkannte mich. Das empfand ich trotz besagter anderer Begegnung als sehr überraschend. Insbesondere da wir uns nie nahe waren und ich mich nicht einmal an zehn Begegnungen mit ihm in meinem Leben erinnere. 

Gestern ging ich von der Arbeit nach Hause. Einen Weg, den ich jeden Tag gehe - außer am Wochenende. Mir begegnen auf der kurzen Strecke immer wieder Menschen, alle Farben und Formen, das ist nichts ungewöhnliches. Doch gestern gingen vor mir zwei Frauen. Die eine eindeutig älter als alle Menschen, die ich kenne, die andere komplett in Klamotten gehüllt. Weder Haut noch Haare zu sehen. Ich ging hinter ihnen und dachte auf einmal an meine Tante. Ich musste schmunzeln, denn meine Tante fänd bestimmt nicht witzig, wenn ich die Person vor mir für sie halten würde - denn die hat echt nen riesigen Hintern gehabt. Ich beobachtete sie weiter und fragte, was in aller Welt mich auf die Idee brachte, dass es meine Tante sein könnte. Ich wollte ihr nicht begegnen, trotzdem kam ich ihr unwillkürlich näher und wollte dann zumindest ihre Stimmen hören. Ich hörte etwas und fand so gar nicht, dass es wie sie klang. Puh, ist sie also doch nicht. Doch gerade als ich zum Überholen ansetze, sehe ich ihr Gesicht von der Seite und erkenne sie. Ich bremse ab um hinter ihnen nach rechts abzubiegen. Die letzten Meter schüttel ich mit dem Kopf - keins der Kleidungsstücke kam mir bekannt vor, ich würde auch nicht behaupten, dass das ihr Stil war, und doch wusste ich intuitiv, dass sie es war. Auch ein Mensch, den ich in den letzten zehn Jahren vielleicht drei oder vier Mal gesehen habe.  

Was ist es, das uns Menschen erkennen lässt? Sind es wirklich nur Bewegungen? Sind unsere Bewegungen so individuell, dass man uns daran immer und überall erkennen kann? 

Und wie erklärt sich, dass mich jemand, der mich nie gesehen hat und auch nie ein Foto von mir sah, mich an einem riesigen Bahnhof erkennt? Wir kannten uns, wir waren verbunden, doch was gab ihr damals die Sicherheit, dass wir verabredet waren? 

Ja, ich bin mir bewusst, dass manche Menschen wartend aussehen, ich erkannte früher immer Mitfahrgelegenheiten am suchenden Blick, aber ich suchte da nicht, im Gegenteil, ich wich aus und wurde trotzdem erkannt. 

08.01.2018 um 20:12 Uhr

Mein Körper und ich

von: indalo

Mein Körper und ich, wir sind ein Team, und das schon seit ein paar Jahrzehnten. Und insbesondere in den letzten zehn Jahren sind wir wirklich zusammen gewachsen. Wir verstehen uns und harmonieren gut. So wie es sein sollte. Ich sag, was ich will, mein Körper wägt ab und letztendlich einigen wir uns. Zugegeben, oft gehen die Kompromisse zu meinen Gunsten aus, aber ehrlich, ich frag immer nach seiner Meinung. Das klappt super. Wenn er zu viel hat oder ne Möglichkeit sieht, mal wieder ein paar Fremdkörper loszuwerden, macht er das. Nicht immer fragt er vorher, aber er soll ja schließlich auch mal seinen Willen bekommen, nicht wahr? Und so begeben wir uns gemeinsam durchs Leben, als Team, oder vielmehr als Einheit. Doch jetzt hat diese Saubacke sich mit jemand anderem verbündet! Als hätte ich hier gar nichts mehr zu sagen, so ne Frechheit! Ich fühle mich verraten, hintergangen, verarscht. So hab ich mir das nicht vorgestellt. Es ist ja schön und gut, dass die zwei sich verbündet haben, aber hallo? Wir können das auch zu dritt meistern, lasst mich doch wenigstens etwas mitreden, tz. Nee, also wirklich, so geht das nicht. Das müssen wir bei nächster Gelegenheit ausdiskutieren. Ich bin zu jeglichen Kompromissen bereit, ganz ehrlich, aber ich möchte nicht nur mit geschliffen werden. Also lasst uns offen und ehrlich reden, wie auch immer das aussehen mag. Ich mach mit, versprochen, nur sagt doch bitte deutlich, was ihr wollt und zwingt mich nicht einfach in die Knie. 

30.12.2017 um 16:54 Uhr

Honigmelone mit frisch gepresstem Osaft

von: indalo

Irgendwie komm ich heute nicht ausm Tritt. Ich mache dies und das, aber dabei nichts so richtig. Ich genieße meinen roten Stuhl, aber ich räume einfach nicht auf. Manchmal ist das so, und bei mir ist das meistens so. Doch zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich gerade tolle Dinge online finde. Denn da erneuerte ich einen Tab und es hieß, es gibt eine Kiste Lebensmittel zu verschenken. Einfach vorbei gehen und mitnehmen, was man haben möchte. Es regnet, aber ich ging trotzdem aus dem Haus - so dicht wird mir nie wieder was geboten. Und plötzlich stehe ich vor einer riesigen Kiste Lebensmittel. Obst und Gemüse - gut aussehendes Obst und Gemüse! Ist das wirklich eine Honigmelone? Ich greife mir den Salatkopf in der Tüte, werfe den zweiten dazu, noch die beiden Paprika und überlege, ob ich den Blumenkohl möchte. Grünkohl lass ich gerne liegen, so viele Möhren brauche ich nicht, und Bananen hab ich auch noch da. Dann stopfe ich mir die Orangen in die Taschen, stecke ein paar Möhren dazu und nehme Honigmelone und Blumenkohl unter den Arm, während ich versuche die Salatköpfe zu balancieren. Du lieber Himmel, das ist besser als Einkaufen - so nah ist kein Einkaufsladen! Gut, dass ich seit ner Woche nichts gekauft habe. Zu Hause fällt mir eine Möhre im Treppenhaus runter und die Honigmelone in der Küche. Macht nichts, die matschige Stelle esse ich einfach direkt nach dem ich meinen Orangensaft frisch presse. Und so fühle ich mich zwar schlapp vom Nichtstun, bin aber hellauf begeistert von dem Obst! Wenn ich ein größeres Gefrierfach hätte, würde ich noch die Bananen mitnehmen. Aber vielleicht geh ich gleich doch nochmal hin und nehme zwei mit, und ein paar Mandarinen? Was man wohl mit der Aubergine anfangen könnte? Die Pilze lasse ich definitiv da, aber was ist mit dem Suppengrün? Na, erst einmal lassen wir anderen noch eine Chance, auch wenn ich glaube, dass bei Regen die meisten zu Hause bleiben werden…

29.12.2017 um 21:01 Uhr

Mein Körper baut um

von: indalo

Neulich Nacht lag ich im Bett und dachte nur „Mein Körper baut wirklich um.“ Ich fühle es, jeden Tag. Er verändert sich, und würde ich dem nicht offen gegenüber stehen, so würde ich mir echt Sorgen machen. 

„Das fängt erst später an.“ hieß es vorgestern auf die Frage eines anderen. Aber gestern lag ich auf der Couch und puzzelte auf dem Boden, als ich dachte „Moment, sie sagte doch, das finge erst später an.“ Nix da, später. Als ich mich gestern Abend ins Bett legte, blieb es bei dem Gefühl. Heute ist noch eindeutiger, wie kurios. Und so absolut ungewohnt… 

Ungewohnt, aber nicht ungewöhnlich. Ich nehme so vieles gerade einfach nur mit einem Lächeln hin. So auch die reizende Frau, die mir heute ihren Wippsessel vom großen Schweden schenkte. Er ist wunderhübsch, knallrot und mein Eigentum. Seit Jahren will ich so einen Stuhl haben, vor knapp fünf Jahren wollte man mir einen schenken und tat es bis heute nicht. Und vor wenigen Tagen fand ich ihn in den Kleinanzeigen. Einfach grandios. Es rundet die Aktionen der letzten Monate irgendwie ab. Nichts steht mehr aus, nichts bleibt zurück, alles geht voran. Das sieht auch mein Körper so. Kaum, dass er mit einer Baustelle fertig zu sein scheint, macht er mit der Nächsten weiter. Und nun beobachte ich gespannt, was als Nächstes folgt. 

 

„Du bist dir ja auch noch nicht sicher.“ - „Doch, ich bin mir sicher. Ich habe nur noch keine offizielle Bestätigung bekommen.“ 

28.12.2017 um 19:21 Uhr

Es tut mir Leid

von: indalo

Erst heute wird es mir so richtig bewusst. Gestern schon ein wenig, vorgestern noch gar nicht. Ich entschuldige mich nicht dafür, so zu sein, wie ich bin. Aber für dich tut es mir unendlich Leid. Wirklich, unendlich Leid. Ich bin so wie ich bin. Ich will etwas, ich hole es mir. Ich stelle mir etwas vor, ich verwirkliche es. Ich träume von etwas, ich setze es um. Mein ganzes Leben lang. Und du bist der Leidtragende. Immer und immer wieder. Das ist eine Schuld, die man mir schon sehr früh eingeredet hat. Ich habe mich dagegen gewehrt, denn was kann ich denn dafür, dass es so ist? Soll ich deswegen anders sein? Das ergibt doch keinen Sinn. Immer und immer wieder gab es Diskussionen dazu, Vorwürfe, Unterstellungen, manchmal auch nur Feststellungen. Nie von dir. Kein einziges Mal hast du mir die Schuld für irgendetwas gegeben. Auch jetzt ging es nicht um Schuld. Aber da war Traurigkeit. Einfach nur Traurigkeit. Und leider eine Traurigkeit, die ich ausgelöst habe. 

Da fallen mir wieder Kuba und die Galápagos Inseln ein. Zwei Momente der langen Reise, in denen mich beschäftigte, dass ich einfach etwas mache, verdammt spontan, und andere ein Leben lang davon träumen und es nie erreichen. Ich fühlte mich irgendwie schuldig, auch wenn ich es nicht an konkreten Menschen festmachen konnte. Es war mehr der allgemeine Blick auf die Situation. Von heute auf morgen, von jetzt auf gleich habe ich entschieden dahin zu fliegen und kurz darauf war ich da. Ich habe es geliebt, geschätzt, genossen. Und doch weiß ich darum, dass der alleinige Umstand dort zu sein, für manche Menschen so viel mehr bedeutet hätte als für mich. 

Und jetzt? Jetzt sprichst du aus, was ganz offensichtlich der Realität entspricht. „Du wolltest es nie und machst es jetzt, und ich wollte es immer und werde es nie haben.“ Warum gerade du? Warum habe ich darüber nie nachgedacht? Bin ich wirklich so blind, so egoistisch? Es tut mir Leid. Es tut mir von Herzen Leid. 

…auch wenn mich wirklich keine Schuld trifft. 

26.12.2017 um 10:03 Uhr

Du bist immer wieder für Überraschungen gut

von: indalo

Zwischen meiner das Gespräch eröffnenden Frage und seinem Verstehen meiner Intention lagen genau vierundzwanzig Stunden. Ich hätte das Gespräch auch dort im Auto auf der Autobahn geführt. Ich bin ihm nicht ausgewichen, er brabbelte vor sich hin, meckerte über soziale Kontakte und Zeitfresser und kam damit vom Thema ab. Das war okay, ich musste es ihm nicht sagen. Ich wollte, aber es war genauso in Ordnung es nicht zu tun. Die Karte von der Insel im März war schon vorformuliert: „Meilenstein in Sicht“ und „Damit gehen keinerlei Erwartungen an dich einher“ Doch dann kam des nachts die nachfragende SMS. Er war vermutlich an der gleichen Stelle der Autobahn. Also antwortete ich und nach einigen verwirrten und überforderten Nachrichten rief er an. Erst ne Stunde auf dem Handy, dann noch vierzig Minuten auf dem Festnetz. Es war spannend, positiv, allumfassend und ich finde für meine Geschichte schön, dass er es nun als Erstes erfahren hat. Irgendwie macht es das rund, für mich. Und seine Worte am Ende zeigten auch, dass es gut für ihn war. „Danke für die vielen Informationen.“ sollte vielleicht eher „Danke, dass du mir davon erzählt hast.“ heißen, aber ich weiß ja, wie er ist. Und auch wenn er ein paar wenige Bedenken hat, so lachte er mehr als alles andere. Er freute sich, wenn auch nur für mich. Und er zweifelt nicht an mir, kein Stück. Vermutlich auch der Grund, wieso ich vorher nicht ansatzweise über dieses Gespräch nachgedacht habe. Andere Gespräche gehen mir seit sehr langer Zeit schon durch den Kopf, sind vorbereitet und haben dabei unterschiedliche Verläufe. Doch das Gespräch mit ihm war nicht durchdacht, und dadurch vermutlich noch entspannter. Die drei Gespräche stehen also noch an. Das Erste davon ist das Unberechenbarste, auch wenn Freude und Sorgen starke Stützpfeiler sein werden. Das Zweite wird euphorisch und hektisch, und das Dritte womöglich trotzig, allemal mit unterdrückten Gefühlen. 

„Wie soll ich denn heute schlafen? Wie soll ich denn morgen arbeiten?“

21.12.2017 um 22:15 Uhr

Schlittschuhlaufen

von: indalo

Beim besten Willen kann ich mich nicht daran erinnern, ob ich jemals Schlittschuhlaufen war. Das Konzept ist mir bekannt, ich weiß sogar, wo man das in meiner Nähe tun kann, aber… war ich jemals Schlittschuhlaufen? Ich weiß es nicht… und wenn, dann ist es mehr als nen Jahrzehnt her. Doch ab heute kann ich sagen, dass ich nicht nur mal Schlittschuhlaufen war, ich kann sogar sagen, dass ich dazu in der Lage bin. Die ersten zwei bis drei Runden schlich ich noch vor mich hin und versuchte, mich ans Fahren zu gewöhnen - mit Erfolg. Denn nicht viel später zog ich die ersten Teenager übers Eis und bot ihnen eine stützende Hand - was war das süß. Es gehört zu den Dingen, die ich einfach gemacht hab. Nicht lange nachdenken, einfach machen. Und es hat funktioniert, alles. Ich bin hochzufrieden mit dem heutigen Tag. Meine Großen haben sich als sehr sozialstark bewiesen, auch das Einschleusen seiner Freundin hat reibungslos geklappt und ich war überzeugend genug um auch die Ängstlichste aufs Eis zu bekommen. Es war gar nicht so sehr mein Ziel, dass sie auf dem Eis steht, ich wollte, dass sie es selbst will. Denn zwingen würde ich dazu niemandem, das hat doch keinen Zweck. Ach, ich bin nicht nur zufrieden, ich bin glücklich! Als sie die Richtung wechselten um mich zu begleiten und auch der Flachwitz („Was geht denn da ab?“ - „Der Motor.“) überraschend gut ankam, schien der Tag perfekt. Und als mein Moe noch eine neue Batterie bekam, waren auch die nächsten Tage geklärt. Einfach wunderbar. 

Übers Eis zu gleiten, Menschen um mich herum wahrzunehmen, aber mich nicht um alles kümmern zu müssen, das war toll. Ich sein, mich bewegen, andere unterstützen und irgendwie doch Teil des Ganzen zu sein, das fühlte sich gut an. 

Doch wieso schafft man es kaum durch nen Bahnhof ohne angerempelt zu werden, aber auf einer Eisfläche zu gleiten ohne sich in die Quere zu kommen - woran liegt das?

18.12.2017 um 21:03 Uhr

"Ich bekomme ein Kind."

von: indalo

Wird es je aufhören, weh zu tun? Wird es besser werden? Wird es weniger werden? 

Denn eigentlich tut es doch gar nicht weh. Es ärgert mich. Ich versteh es nicht. Und ich führe diese verfluchten Gespräche alle nur in meinem Kopf. Wie bescheuert ist das bitte?

Ich sollte darüber nicht nachdenken. Ich will darüber nicht nachdenken. Doch es ist da, ständig, fortwährend, laufend. Es hört nicht auf. Die Monate vergehen, ja, gar die Jahre ziehen schon ins Land, und trotzdem vergeht kein einziger Tag ohne… Es ändert sich, es schwankt, aber ich merke doch immer und immer wieder, dass mich manche Dinge nur stören, weil ich offensichtlich verletzt bin. Doch ich habe den Schmerz abgeschaltet oder ich ignoriere ihn. Lange genug hab ich gelitten, jetzt bin ich genervt. Verletzt genervt. Aber wenn man mir mal wieder Dinge unterstellt, mir die Worte im Mund herum dreht oder mich links liegen lässt, dann bin ich nicht traurig, dann bin ich verärgert. Letzteres wäre super, mich einfach mein neues Leben leben lassen, damit könnte ich umgehen. Aber diese unterschwelligen Vorwürfe, mir was davon zu erzählen, dass mein Verhalten sozialstressig wäre oder ich andere vor der Gruppe anschnauze - DAS geht nicht. Ich könnte traurig sein, dass man mir so etwas vorwirft, aber ich bin nicht traurig, ich bin verärgert. Aber ich weiß, mein Kopf weiß, dass ich verärgert bin, weil ich verletzt bin. 

Und ich merke, dass ich mich rächen möchte. Ich möchte, dass sie wissen, wie es ist. Doch andererseits schweige ich die ganze Zeit, führe all diese verletzenden Gespräche nur in meinem Kopf, weil ich niemanden verletzen will. Ich möchte, dass sie verstehen, ohne zu leiden. Ist das möglich?

Wir sind keine Freunde. Ihr seid nicht mehr meine Freunde. Wir sehen uns, wir reden, wir umarmen uns. Doch das ist nicht mein Konzept einer Freundschaft. Was bedeutet es (für mich), eine Freundschaft zu führen? Das fragte ich mich heute mehrmals. Meine derzeitige Antwort ist: „Dass man die Dinge, die für den anderen wichtig sind, ernst nimmt.“

Und ich werde nicht ernst genommen, von keinem von beiden. Und wenn ich die Muße hätte, könnten wir daraus auch mehr bröckelnde Beziehungen machen. Doch dazu habe ich keine Energie. Im Gegenteil. Eine Schranke ist gefallen und jetzt gibt es eine Hierarchie, nach der ich handel’. Ich habe vorher - und dessen bin ich mir sicher - meine Freunde nicht hierarchisiert. Es war immer alles in Bewegung, doch ich hätte zu jedem Zeitpunkt für jeden davon alles getan. Das ist vorbei. Es gibt die Menschen auf meiner Seite der Schranke, die, für die ich immer noch alles geben würde, und dann gibt es die anderen. Ende, aus, vorbei. 

Mein neuester Aufreger? Sam und Chris haben eine Beziehung geführt. Das ist schon etliche Jahre her. Sam wollte keine Kinder, Chris schon. Schon immer. Doch das war nicht der Grund der Trennung, der ist zur Zeit weniger relevant. Relevant ist, dass Sam so sehr keine Kinder wollte, dass Chris darauf verzichtet hat bzw. hätte. Nun hat Chris ein Kind. Und obwohl zwischen den beiden geraume Zeit Funkstille herrschte und auch so diverse Differenzen, soll nun im Zweifelsfall Sam dieses Kind bekommen. Hat jemand mal darüber nachgedacht, wie bescheuert das ist?! Es geht in wirklich keinerlei Hinsicht darum, dass sie eine gescheiterte Beziehung hinter sich haben. Ich verstehe nur nicht, wie man jemandem, für den man auf den (in diesem Fall) so grundlegenden Kinderwunsch verzichtet hätte, nun das eigene Kind geben möchte. 

…ja, mir ist auch die Bedeutung dessen bewusst. Denn es gibt offensichtlich keine andere Möglichkeit, keine bessere Möglichkeit. Doch wenn man das betrachtet, finde ich das einfach nur traurig. Trauriger als traurig. 

10.12.2017 um 21:02 Uhr

Bockshornklee

von: indalo

Dann ist wohl heute der Tag, nicht wahr? Der Tag, an dem du mir den Bockshornklee mit einem Grinsen geben kannst. Ob du gegrinst hast, weiß ich nicht. Ich jedenfalls tat es. Für mich hat das Bedeutung - erinnerst du dich noch an die Bedeutung?

Vor über zweieinhalb Jahren hast du die Packung gekauft und mir ein bisschen abgegeben. Warum du das damals gemacht hast, wusste ich nicht - ich habe darüber schlichtweg nicht nachgedacht. Du hast es halt einfach gemacht. Vor weit mehr als einem Jahr hast du mir genau diese Packung unter die Nase gehalten und gesagt: „Das habe ich nur gekauft in der Hoffnung, dass du dich doch noch in mich verliebst.“ Sinngemäß folgte noch: „Und wenn sich das erledigt hat, dann werde ich sie dir mit einem Grinsen überreichen.“

Damals hatte ich gehofft, dass ich sie früher überreicht bekäme. Doch im Laufe der Zeit - und der Aktionen - hörte ich auf daran zu glauben, sie je zu bekommen. Nicht, weil ich glaubte, dass du nie darüber hinweg kämst, sondern weil du dich so sehr verändert hast, so sehr verändern wolltest, dass du dich an dieses „Versprechen“ nicht mehr erinnern oder es gar halten würdest. Und dann gibst du mir heute ein kleines, eingepacktes Geschenk plus die Packung. Ich stelle beides hin und du erklärst, ich solle es zeitnah öffnen. Beim nächsten Hände waschen dann. Als ich wieder dahin schiele und grinse, weil ich über diesen Boxhornklee grinsen muss, heißt es „das ist nichts Schlimmes“. Und du meinst das Geschenk. Mich interessiert das Geschenk nicht, was auch immer es sein möge. Kurz darauf packe ich es aus und auch das ist etwas, das du letzten Herbst im gemeinsamen Urlaub mit meinem Freund gekauft hast. Weil ihr es witzig fandet. Und heute bekomme ich es. Weil du einiges durch gegangen bist und aufgeräumt hast. Aha. So wie den Boxhornklee. 

Die Stunden ziehen ins Land und du redest nur mit mir, schüttest mir dein Herz aus, weil du für eine Freundin jetzt die Böse bist. Als ich gegen Ende der Erzählung sage „Wie schade.“ heißt es nur „Wieso?“ Du bist verletzt, du versucht dich mit Argumenten gegen die Gefühle zu wehren. Nur zu. Ich werde dir da nicht dazwischen funken. Und doch heißt es einige Zeit später, dass du es auch schade findest. Soso. Und dann erzählst du noch von deinem Job, der dich gerade frustriert, von deinen bestimmt schönen, aber auch vermutlich unruhigen Silvesterplänen und fragst „Bleibst du hier?“ Alle deine Fragen in meine Richtung sind vorsichtig. Auch - bzw. insbesondere - diese. Zu recht. Du fürchtest, ich könnte schnippisch werden. Eine tief gehende Antwort wirst du von mir auch nicht bekommen. Ich bleibe kurz angebunden. Auch deine Entscheidung, mich zur Verabschiedung zu umarmen, ändert daran nichts. Das ist dann wohl wieder der Auftakt, was? Wir werden sehen. Darüber geredet wird jedenfalls nicht. Die Metaebene existiert nicht mehr. 

Doch am allerirritierendsten war die Frage: „Ich schreibe dir?“

 

Was geht in dir vor, wenn du mich fragst, ob du mir schreibst, wenn sie ihr Kind bekommt? Weißt du, dass sie es mir nicht sagen würde? Meinst du, dass es mich interessieren wird? Mehr als die anderen? Ich werde nicht fragen. Weder sie, noch dich. Wer mich nicht in seinem Leben haben möchte, dem werde ich mich nicht mehr aufdrängen. 

09.12.2017 um 22:53 Uhr

Ein Wochenende weiterer erster Male

von: indalo

Gestern war ich das erste Mal in meinem Leben tanken, heute habe ich die ersten Autogramme gegeben und morgen gibt es das erste Backevent im Freundeskreis, welches sich hoffentlich zu einer Tradition entwickeln wird. 

Über morgen kann ich noch nichts berichten, gestern war nicht weiter spektakulär und heute könnte wieder Seiten füllen. Oder auch nicht. Denn irgendwie war es alles auch total normal. Aber es gab mehrere kurze Begegnungen, die mich belebten. Irgendwie sah ich weniger aus mir heraus als auf mich drauf. Ich war das, alles davon, aber es zog auch irgendwie an mir vorbei. Da war die junge Frau, die an der Seite der großen Halle stand und ich ihr wie wild zuwinkte. Später traf ich sie mit ihrer kleinen Schwester und umarmte sie - als wäre es das Normalste der Welt. Denn das ist es auch, oder nicht? Warum nicht? Sonst machte ich mir so viele Gedanken, heute tat ich einfach Dinge ohne darüber nachzudenken. Ein anderer junger Mann bat mich um ein Autogramm (ehrlich jetzt?) und auf meine Frage, wohin er es gerne hätte, zog er seinen Kragen runter. Ich lachte und konterte nur „das müsstest du dafür schon tiefer ziehen“ und nahm nur noch wahr, wie ein anderer junger Erwachsener in Schock und Amüsement sich wegdrehte und letztlich fürs Weggehen entschied. „Entschuldigung, aber bei ihm darf ich das.“ rief ich ihm nur hinterher. Er kam nicht darüber hinweg und mein Gedankenzug nahm mich mit. Das wollte er wirklich nicht sehen, der arme Kerl. Hätte ich das an seiner Stelle miterleben wollen? Vermutlich nicht. Ein wenig tat es mir wirklich Leid, aber andererseits war es einfach so ehrlich, so natürlich, so ich. Mal sehen, ob es die Runde macht. 

Zu Hause denke ich nur wieder darüber nach, wie verrückt das doch ist. Ein bis zwei Jahre trennen die beiden Männer. Doch das Alter ist absolut unwichtig, es geht ausschließlich um Rollen. Und ich überschreite neuerdings anscheinend die ein oder andre Grenze in dieser Rolle. Denn diese Woche erwischte ich mich dabei, wie ich meinem Chef über den Arm strich. Hilfe, was tat ich da gerade? Doch letztlich weiß ich mir ohnehin nicht mehr zu helfen, wenn genau dieser Herr momentan mehrmals die Woche in unterschiedlichsten Formen äußert, dass er sich vor mir fürchtet. Wenn ich dann noch da stehe und mich vor versammelter Mannschaft über ihn lustig mache - was mir erst klar wird, als ich die versammelte Mannschaft bemerke und diese zu lachen beginnt - dann möchte ich ihm doch mit einer Geste sagen, dass das nicht so gemeint war. 

Kommen wir zurück zu den Autogrammen. Denn auch wenn ich weit mehr als vierhundert Unterschriften im Jahr leiste, so scheint man trotzdem noch an meiner Unterschrift interessiert zu sein. Da stand ich bei der Zeitung um Kekse zu stibitzen und es hieß „Ich muss noch die Zeitung kaufen, da sind Sie abgebildet! Das weiß ich schon, aber ich darf nicht reingucken…“ Ich grinste nur. Und irgendwie nahm das Gespräch dann seinen Lauf und es hieß, dass ich den Artikel ja signieren könne. Dass sie das wollen würde, konnte ich mir ja noch irgendwie erklären, aber als er mir dann als erstes die Zeitung mit Bitte einer Unterschrift reichte, war ich ziemlich irritiert. 

Alles in allem war es ein guter Tag. Ich fühlte und fühle mich gut. Wobei ich auch schon wieder zu viel fühle. Wie geht das? Zu viel fühlen. Kann man das? Was ist das? Ich fühle so viel. 

07.12.2017 um 15:34 Uhr

Es ist komisch, dass es so normal ist

von: indalo

Grundsätzlich finde ich es ziemlich normal, komisch zu sein. Ich weiß, dass ich nicht der Norm entspreche, aber für mich ist das normal. So versuchte ich gestern einer Freundin zu erklären, warum folgende zwei Sätze für mich nicht im Widerspruch stehen: „Für mich ist es total normal darüber nachgedacht zu haben, auf welche Art ich mich umbringen würde.“ und „Ich weiß, dass es nicht normal ist, über Selbstmord nachgedacht zu haben.“ Sicherlich spielt da auch meine Liebe zum Detail im Zusammenhang mit Formulierungen eine Rolle, aber auch unabhängig davon kann etwas für mich normal sein, auch wenn ich weiß, dass die meisten das komplett anders empfinden und meine Sichtweise demnach unnormal ist. 

Doch das bedarf keines Eintrages. Denn das ist für mich ja normal, gewohnt, Alltag. Auffällig war gestern, wie normal etwas total Ungewöhnliches war und dass genau diese Normalität es komisch wirken ließ. Im doppelten Sinne des Adjektives. 

Gestern habe ich etwas gemacht, was die allerwenigsten Menschen je tun werden oder auch nur tun würden. Ich bin damit nicht allein, ich kenne auch andere Menschen, die ähnliches taten, doch so auf die Gesamtbevölkerung betrachtet ist das schon sehr, sehr ungewöhnlich. Und das ist mir bewusst, unter anderem, da keiner meiner aktuellen Freunde das auch nur in Erwägung zögen. Doch trotz dieses Bewusstseins war es so unheimlich natürlich. Es war. Einfach so. Einfach. Einfach machen. Denn was anderes war es nicht. Es gab keine Zweifel, keine Gedanken drumherum, es war einfach machen. Nicht ansatzweise „Augen zu und durch“, sondern einfach machen. Meine Güte, ist das schräg. Und ich sah rote Wangen im Spiegel, ich sehe ein Lächeln, ich fühle es, immer und immer wieder. Danke liebes Leben, dass ich dich leben darf. 

Vor acht Monaten saß ich vor meinem Chef, hörte seine Worte und konnte nicht aufhören zu grinsen. Ich versuchte es zu unterbinden, wollte seriös wirken, doch es klappte nicht. Er redete, ich reagierte, er redete weiter und ich wollte ihm ganz normal zuhören, doch meine Gedanken nahmen mich auf eine Reise, die meine Mundwinkel nach oben zogen. Und genau so war es gestern. Denn auch wenn das Gespräch total normal war, so wirkte die Antischwerkraft so stark, dass ich immer und immer wieder zu grinsen begann. Zusammenhangslos. Es war einfach mächtiger als ich, mächtiger als alles andere. Ich erinnere mich nicht an ähnliche Situationen von früher, aber diese beiden, die werden in Erinnerung bleiben. 

Das klingt gar so als hätte es davor keine Momente gegeben in denen ich unwillkürlich oder dauerhaft gegrinst hätte. Die gab es, doch irgendwie waren diese Situationen besonders. Warum, das kann ich noch nicht genau sagen. Aber ich weiß (wieder) genau, was Funkeln in den Augen ist, wie es sich anfühlt, wie es jede noch so kurze Nacht in Vergessenheit geraten lässt, weil anderes für Energie sorgt. 

04.12.2017 um 18:24 Uhr

Flieg' Ego, flieg'!

von: indalo

„Indalo, ich glaub du hast nicht die geringste Ahnung, welch’ hohe Meinung die in der Chefetage von dir haben.“ Ich schwieg. „Wirklich, alle. ALLE.“ - „Okay.“

„Ich sag’s wie es ist.“ und dann noch einmal sehr nachdrücklich „Ich glaube, du hast nicht die geringste Ahnung!“

Sie sprachen neulich darüber, wer den nächsten Platz in der Chefetage besetzen könnte. Womöglich weil wir gerade wieder einen gefüllt haben. „Leider haben wir dafür niemanden. Außer Indalo. Aber Indalo will nicht.“ 

Das scheint immer noch bzw. wieder Thema zu sein. Es ist ja nun schon acht Monate her, dass mir davon berichtet wurde. Interessant finde ich jetzt, dass der Neuling in der Chefetage mir von diesem Gespräch berichtet, obwohl er sich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal auf diese Stelle beworben hatte. Es sind aktuelle Zitate. Zitate, die mit den Worten „ich weiß nicht, ob ich dir das erzählen darf“ eingeleitet wurden. 

Ich hörte mir das an, es freut mich. Doch als einzige Reaktion bleibt, dass ich dringend ein Gespräch mit dem Chef führen muss. Denn ich glaube diesen Worten nicht. Selbst nach allem hin und her überlegen, nach Abzügen für seine Überforderung oder einfach der Gedanke, dass wir nicht harmonieren, auch wenn ich all das einberechne, bleibt das Gefühl, dass er keine hohe Meinung von mir hat, ja, nicht einmal eine gute. Umso schöner waren diese wenigen Sätze. Sie taten gut. Wirklich gut. Wir redeten danach noch über anderes, doch als sich unsere Wege trennten, jubelte es in mir. Und in meiner Wohnung angekommen, dachte ich nur noch „Flieg’ Ego, flieg’!“

Doch:

„Das hast du nicht von mir.“

Pssst. 

02.12.2017 um 23:39 Uhr

Baby Gorilla

von: indalo

In dieser Familie fühle ich mich zu Hause. Vielleicht, weil ich mich von allen so richtig akzeptiert fühle, so wie ich bin. Vielleicht auch, weil ich mit beiden Eltern wunderbar entspannt allein sein kann. Da frage ich Kekse backen an und es heißt, dass Papa mit dem Ältesten Schwimmen geht. Ohne auch nur einen Ton dazu zu sagen, stellt sich heraus, dass Mama nun schwimmen geht und ich mit Papa backen werde... Und es macht für mich absolut keinen Unterschied. 

Da war dann noch deren Rumgezicke aus dem ich mich raushielt. Was für ein Theater. Er kommentiert es später mit den Worten "Du kennst mich doch" und meint damit, dass er eben schwierig sei. Doch ich kann nur ehrlich sagen "In diesem Fall sollte es eher heißen, dass ich sie kenne", denn da war definitiv sie die Unausgeglichene. Aber das ist ihr zumindest soweit bewusst, dass sie im Wohnzimmer auf mich zukommt und mir in die Arme fällt. Sie lässt mich gar nicht mehr los, auch nicht, als der Sohnemann fragte "Indalo, warum umarmst du Annemarie?" - "Weil sie eine Umarmung wollte." - "Und warum will Annemarie eine Umarmung?" - "Das musst du sie fragen." - "Mama, warum..." und ich bin fasziniert, dass er über sie mit ihrem Namen redet, aber die an sie gerichtete Frage dann doch mit Mama beginnt. 

Dann wurde noch viel gespuckt, geschlagen und gekniffen, aber eben auch mit Baby Gorilla gespielt, auf meinem Schoß Peppa geguckt und Obst gesammelt bevor der Rabe alles auffrisst. Es gab Brötchen, Kekse und Raclette - und nun bin ich fett. Da wird gelacht, gute Nacht.

29.11.2017 um 20:19 Uhr

Die Nachricht mit Witz

von: indalo

Boa, bin ich k.o. Ich schleppe mich gerade von einem Tag in den nächsten. Ich falle zu Hause kaputt auf die Couch und lasse mich berieseln - doch selbst das ist mir zu viel. Irgendwann fällt mir auf, dass ich noch arbeiten muss und ich quäle mich dadurch. Alles auf die letzte Minute. Das ist so anstrengend, und es liegt diesmal echt nicht an falschen Prioritäten, es ist einfach nur sehr viel momentan. So auch heute, als ich am Nachmittag auf Arbeit bin und feststelle, dass echt gar nichts mehr geht. Mein Arbeitstag ist ein einziger Kampf, und heute wollte ich nicht mehr kämpfen. Ich kam nicht dagegen an, ich verließ den Raum und stellte mich in die kalte Luft. Ich war weder sauer noch genervt, ich war einfach am Ende meiner Leistungsfähigkeit. Und: Es war zu laut. Ich ertrug diese Lautstärke nicht mehr, und es war total egal an welcher Stelle ich versuchte, etwas gegen den Lärm zu tun, prompt kam es aus einer anderen Ecke. Ich fühlte mich so machtlos wie lange nicht mehr. Also führte mich mein Weg zum Chef mit der Bitte um andere räumliche Bedingungen. Morgen wird er dem Nachkommen, da bin ich mir sicher. Noch einmal mach ich diesen Lärm nicht mit. 

Doch das Schöne war das, was danach kam. Ich schleppte mich aus dem Gebäude und griff nach meinem Handy. Mehrere Nachrichten warteten dort auf mich und ich musste lachen. Eine amüsanter als die nächste - und das nicht, weil sie witzig gemeint waren. Teilweise waren sie mit Witz geschrieben („Ich hab ein paar interessante Lösungen zu deinem Matheproblem.“ *gg* ), aber teilweise auch einfach nur so persönlich wie die Sprachnachricht eines neuen Freundes, der hauptsächlich ins Telefon grummelt, weil seine drei Versuche mir eine lange Sprachnachricht zu schicken, alle abgebrochen wurden. Es war so echt, so authentisch, so nah.

Vor einigen Wochen sagte ich auf zwei Spaziergängen mit unterschiedlichen Personen, dass ich aufhören sollte und möchte, Menschen hinterher zu trauern/laufen, die mich nicht wertschätzen. Es gibt schließlich Leute in meinem Leben, die gerne Zeit mit mir verbringen, warum nicht also mit diesen meine Zeit verbringen. Und meine beiden Spaziergänger gehören zu diesen neuen Menschen, die gerne mehr Zeit mit mir verbringen würden. Die mich amüsierenden Nachrichten sind zwei weitere. Also ja, ich habe wirklich ausreichend Menschen in meinem Leben, die mir gute Laune machen können - auch an bzw. nach so einem Tag. 


27.11.2017 um 22:33 Uhr

Du Dieb du

von: indalo

Das macht mich fertig. Da sind immer noch und immer wieder so viele Gedanken zu. Böse Gedanken, gute Gedanken. Und Gefühle, positive wie negative. Es geht einfach nicht weg. Und das wird es wohl auch nie tun. Manche Dinge bleiben ein Leben lang. Kann ich das schon in so jungen Jahren sagen? Ja, kann ich. Denn manche Dinge sind mein Leben lang geblieben. Und auch wenn das gerade noch in den Anfängen ist, so ahne ich, dass es in fünf Jahren noch genauso gefühlvoll ist wie andere Dinge, die momentan fünf Jahre auf dem Buckel haben. 

Du und ich, wir harmonieren. Immer noch. Siehst du das? Fühlst du das? Willst du das? Ja, es dreht sich alles nur darum, was du willst. Es geht nicht um mich, ich kann nicht zulassen, dass es um mich geht. 

„Na, hast du dich auch schön unterhalten?“ hieß es neulich Abend im Auto. „Ja, wir haben uns nett unterhalten.“ - „Das ist doch schön.“ - „Nein, nicht wirklich.“ Und ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Stille. Irritation. Er versteht es einfach nicht. Wie auch. „Es bringt mir nichts, mich unterhalten zu können. Es bringt mir nur neue Gedanken, neue Fragen. Als schön würde ich das nicht bezeichnen.“

Immer wieder stehe ich vor der Frage, ob ich einfach zu bockig bin, zu trotzig. Aber das ist es nicht. Ein Großteil ist Beherrschung. Denn auch wenn die Nachrichten mit nem anderen Freund sich am nächsten Tag nur wieder darum drehen, dass ich doch den Anstoß geben soll, so ist eins weiterhin glasklar: Das darf ich nicht. Wenn du und ich jemals eine Chance haben sollten - nein, Hoffnung mache ich mir darauf nicht - dann darf das nicht von mir ausgehen. Du musst es angehen und ansprechen, nicht ich. 

Und es ist so verdammt anstrengend. Denn ich bemerke jede noch so kleine Sache. Deine Hand auf meinem Rücken - was soll das? Es löst bei mir nichts aus, ich beobachte es nur. Denn im gleichen Flur legte mir mal jemand anders die Hand auf den Rücken, und das löste verdammt viel aus. Also nein, du löst einfach nichts bei mir aus. 

Und die Details auf die du achtest. Ich trinke meinen Cocktail bis auf den letzten Tropfen, bewege dabei den Kopf, bin wirklich und wahrhaftig nur bei mir - und du auch. Denn du reagierst auf mein Kopfschütteln, du beziehst es auf dich. Ich nehme das wahr, bemerke die Bedeutung, aber kehre wieder zu mir zurück um festzustellen, dass diese Verbindung zwischen dir und mir für mich keine Relevanz hat. Es gibt sie nicht mehr, nicht auf meiner Seite - bemerkst du das? 

Ich frage nicht nach den Rätseln, denn es ist offensichtlich, dass ich daran Interesse hätte. Ich frage auch nicht nach dem Bericht, wieso sollte ich? Von dir möchte ich nichts mehr. Ich komme nicht einmal auf den Gedanken, dich danach zu fragen. Und jetzt bietest du es mir an? Bin ich doch wieder in deine Gedanken eingezogen? Ist deine Bockigkeit jetzt vorüber? Erlaubst du dir wieder, für andere zu denken? Herrliche Normalität. 

Und das Zuwerfenwollen des Schlüssels. Sorry, ich brauche dich nicht. Denn beide Türen öffneten sich für mich, ohne deine Hilfe. Ja, ich stehe darüber. Du kannst uns begleiten, doch du gehörst nicht dazu. Und es interessiert mich nicht einmal, wie es dir damit geht, ob du es bemerkst, ob du es ignorierst. Wow, daran habe ich in der Tat keinen einzigen Gedanken verschwendet. Ja, ich führe Smalltalk und erzähle dir von dem Druckfehler. Ich gebe dir auch das Buch um es der Schwester eines ehemaligen Freundes zu geben - faszinierend, dass du auch nach über einem Jahr nicht weißt, dass die beiden verwandt sind. Mein altes Ich hätte mit dir gefühlt, hätte sich Gedanken darum gemacht, wie es dir damit geht, so offensichtlich außen vor zu sein. Krass, dass ich mich wirklich den ganzen Abend nicht um dich gekümmert habe. Esta parte ha muerto. De verdad. 

Ich halte fest: Ich bemerke, was du tust, aber ich fühle mich nicht mit dir verbunden.

25.11.2017 um 01:07 Uhr

Die kleine Schwester deines Schwarms

von: indalo

Wenn du die kleine Schwester deines Jugendschwarms siehst und denkst „Scheiße, sieht die alt aus!“, dann kannst du dir einer Sache sicher sein: Du bist alt.

22.11.2017 um 19:25 Uhr

Dieses Lächeln

von: indalo

Ein guter, guter Tag. Ein wichtiger Tag. Ein großer Tag. Ein ganz großer Tag. 

Heute habe ich mir einen Chef ausgesucht. Heute habe ich uns einen Chef ausgesucht. Oder: Heute habe ich den richtigen Menschen auf den Stuhl im Chefbüro gesetzt. Ha. Denn ich habe so viel mehr gemacht als der Betrachter von außen sehen konnte. Und auch wenn ich mich gerade heldenhaft erfolgreich finde, weiß ich, dass mein zukünftiger Chef heute die meiste Arbeit geleistet hat. 

Ich bin mit so vielen gemischten Gefühlen an diese Aktion rangegangen, dass es Bücher füllen würde, das alles auszuführen. Ich ganz persönlich möchte diesen Kollegen als Kollegen behalten und nicht an die Chefetage verlieren. Das habe ich ihm schon vor Monaten gesagt. Ich finde, dass wir ihn auf unserer Seite brauchen. Ich finde aber auch, dass wir jemanden wie ihn auf der anderen Seite brauchen. Also persönliche Gefühle hin oder her, das muss ich schlucken. Dann hatte ich zwar einen Favoriten, doch bin ich wirklich und ganz ehrlich ohne Vorentscheidung in diesen Prozess gegangen. Mich nervte nur, dass es eine Vorentscheidung gegeben zu haben scheint. Ganz unabhängig davon, ist meine persönliche Meinung, nicht einen Kollegen zum Chef zu machen, sondern von außen Kompetenz ranzuholen. Auch das spielte mit rein. Dass meine Kollegen alle unbedingt eine Frau auf dieser Position haben wollen, ließ ich dermaßen an mir abprallen, dass ich der Frau von ganz oben ins Wort fiel, als sie eben dies äußerte. Da sprudelte es aus mir heraus, dass ich das eben anders sehe. Zwar ist unsere Chefetage ausschließlich mit Männern besetzt, aber das ist für mich absolut kein Grund jetzt einer Frau den Vortritt zu lassen, einfach weil sie eine Frau ist. Ist nicht. Von fünf Bewerbern zog eine zurück, einer fiel aus biographischen Gründen raus und drei blieben im Rennen. Eine externe Frau mit Kompetenz - klingt doch ideal, nicht wahr? Und zwei Männer von uns. Moment, ich überspringe ein paar Schritte. Denn der Personalrat bat mich doch tatsächlich um ein Vorgespräch, worauf ich mit den Worten „Achso, man redet darüber vorher? Ich dachte, wir gehen da alle möglichst unvoreingenommen ran.“ reagierte. Erst sprach er mit dem Chef, dann mit mir. Das Wort loyal fiel. Joa, damit ist noch einmal bestätigt, dass der Chef einen Bewerber bevorzugt. Nämlich den, der ihm absolut loyal ist. Will mich jetzt ernsthaft der Personalrat dazu überzeugen, dem zu folgen? Ich war fassungslos und tat dies auch kund. So nicht. Nicht mit mir. 

Und dann begann die Schlacht. Erst sie, dann die Männer und dann der andere. Und doch, der ist erwähnenswert. Er betrat den Raum, als Einziger schüttelte er allen die Hände und dann, während er sich darstellte, ließ er die Augen nicht von mir. Oha. Was soll das denn jetzt? Ich war eine von sechs Personen am Tisch, und er redete für eine so lange Zeit nur mit mir, dass mein Chef sich rüber beugt um meinen Gesichtsausdruck zu sehen und seine Irritation kundzutun. Es gab kurzzeitig den Gedanken, meinerseits klarzustellen, dass ich diesen Mann da noch nie gesehen habe. Ich verwarf ihn wieder und schaffte es auch, durch Gestik und Mimik dem Bewerber deutlich zu machen, dass dies nicht der Weg sei. Was in aller Welt hatte der bloß mit mir? 

Tja, und dann passierte so viel. Ich wusste, wohin ich wollte, ich ahnte, was der Weg sei, und ich ging ihn. Es gab Zweifel an meinem Favoriten, von denen wusste ich nun, Loyalität war gefragt. Und ich halte diesen Mann für absolut loyal - doch meine Mitmenschen scheinbar nicht. Also musste ich ihn dazu bekommen, seine Loyalität zu kommentieren - und das ohne ihn zu fragen. Was also tun? Eine Frage so stellen, dass er ins Schwanken gerät, dass er Themen anreißt und damit die Frage aus dem Chef raus zu kitzeln. Ich bin mir nicht sicher, ob der Chef sowieso gefragt hätte. Ich weiß es schlicht weg nicht. Aber es hat alles einwandfrei geklappt. In mir begann die Party, als er neben mir zuckte und sagte „da möchte ich einhaken“, denn es war die Steilvorlage, die er mit Bravur genommen hat. Herzlichen Dank. Ich habe gewonnen, ich habe erreicht, was ich für richtig halte, und ich meine, ich habe dazu sogar beigetragen. Egal wie, es war ein voller Erfolg. 

Die Nachbesprechung war auch faszinierend, da ich zwar wie gesagt keinen großen Wert auf eine faire Geschlechterverteilung lege, aber auf verschiedene Typen. Es müssen unterschiedlichste Charaktere vertreten sein um die große Bandbreite zu treffen, und das wollte ich deutlich machen. Ich hatte den Eindruck mich um Kopf und Kragen zu reden, ein wenig durchs Minenfeld zu laufen, aber mich auch aufs Glatteis zu begeben. Ich bin nicht eingebrochen, es ist keine Mine hochgegangen, ich bekam Zustimmung und Verständnis. Tschakka. Nur später, als der Chef zum Stellvertreter meinte „Indalo hat sich auch gut geschlagen“, blieb mir nur die amüsiert genervte Aussage „Dass ihr das wie die Kinder macht… immer dieses Schleimen“. Da hieß es von meinem Chef grinsend „Ich meinte das Ernst. Weißt du manchmal nicht, wie ich etwas meine?“ - „Äh, öh.“ Stille. Er guckte mich an, immer noch mit diesem Grinsen - was ist das eigentlich für ein Grinsen? „Naja, wenn ich etwas anders verstehe als du es meinst, woher soll ich wissen, ob ich es anders verstehe, wenn ich doch nicht weiß, was du meinst?“ - „Ja, also… wir haben ja noch genug Gelegenheiten um darüber mal zu reden.“ Oha. Ist da irgendwie meine Aussage von einem der Auswertungsgespräche hängen geblieben? Da verteidigte ich den einen Bewerber, dass er in der Rolle des Kollegen kein klärendes Gespräch geführt hat, weil man auf gleicher Ebene das nicht unbedingt muss, er aber eben noch nicht so weit dachte, dass er das als Chef tun sollte. Ich glaube, da klingelte es in den Ohren meines Chefs. Mal sehen, was daraus wird. 

Und dann trafen wir einstimmig eine Entscheidung. Gut so. Ich möchte händereibend, verschmitzt grinsend da sitzen. Doch stattdessen räume ich lieber auf und bringe die Tassen zurück. Auf dem Weg werde ich begleitet, und als ich mich von einem meiner Mitstreiter verabschiede, höre ich plötzlich folgende Worte: „Als ich dieses Lächeln sah, wusste ich sofort, dass ich es wieder sehen möchte und fragte mich, was ich tun könnte, um es möglichst oft zu sehen.“ Ganz ehrlich? Auch wenn ich schon fürchtete (nicht nur ahnte), dass er mich meint, wollte ich das noch nicht wahrhaben, und schlug ihm das Lächeln des heutigen Gewinners vor. Er grinste und sagte „Nein, dieses Lächeln.“ Und ja, ich grinste. Aber was in aller Welt? Ist das gerade sein Ernst? Will der wirklich mit mir flirten? Also, flirtet der gerade mit mir? Hilfe, wie komme ich da bloß wieder raus? 

Man, war das schräg. Möge er nicht so schnell wieder bei uns auftauchen. Das ist mir nichts…

Der glückliche Gewinner bedankte sich noch bei den anderen Teilhabenden, doch ich ging einfach weiter, denn wenn ich ihm gratuliere, dann richtig. Nicht vor Zuschauern. Ich glaube, das verstand er, weshalb er mir tatsächlich einige Zeit später folgte. Wir haben - bis auf eine zaghafte Umarmung zum Geburtstag - keine körperliche Ebene. Doch als er den Raum betrat, umarmte ich ihn einfach nur. Und lange. Krass, wie lange. Hach ja. Das tat gut. Er ist der richtige für diesen Job, auch wenn wir seit Anbeginn unserer gemeinsamen Arbeit oftmals sehr konträre Standpunkte haben, so halte ich ihn für genau richtig. Auch wenn jetzt noch mehr Baustellen entstehen, so finde ich nicht falsch, dass er jetzt die Seiten wechselt. Und ich konnte mir auch nicht verkneifen, ihm zu sagen „Ich hab dich noch nie nervös erlebt.“ Und er lächelte. Ich mag den Mann. Und ich war ein wenig froh, dass er nicht meinen Lieblingspullover angezogen hat - sonst hätte ich ihm unlautere Beeinflussung unterstellt. 

Ach, und dann war da noch anschließend das Gespräch mit einer jungen Kollegin. Wie sie lächelte, wie sie strahlte, aber auch, wie sie mich sorgenvoll und gefühlvoll ansah, als wir über eine sehr dunkle Zeit meines Lebens sprachen. Es war kein langes Gespräch, sie steckt nur gerade in der Situation in der ich damals steckte, wenn auch ganz anders, denn ihr Leben ist gerade positiv. Und sie guckte mich an „Wie hast du das damals durchgestanden?“ und mir blieb nichts anderes übrig als zu sagen „hab ich nicht, gar nicht“. Boa, meine Augen wurden feucht, sie guckte mich weiter so an. „Du siehst, dass mich das immer noch beschäftigt. Das hab ich nie verarbeitet, das will ich auch gar nicht mehr. Es geht mir gut, jetzt und hier, in der Gegenwart.“ Sie nickte. „Wie lange ist das her?“ - „Fünf/Sechs Jahre.“ Oha. 

 

Das ist die Vergangenheit. Das war nicht gut, das wird auch nicht mehr gut werden. Aber das muss es auch nicht, denn es ist vergangen. Und in der Gegenwart, gerade heute, fühle ich mich gut. Und Lächeln fällt mir heute besonders leicht.