indalo

23.05.2017 um 18:22 Uhr

Versprichst du mir etwas?

von: indalo

Unser Gespräch war mal wieder konfuser als jedes Labyrinth. Doch wir sehen noch durch, und nur das ist wichtig. Es war die selbe Stelle, nicht wahr? Ich schob schon einmal den Kinderwagen diesen Weg hoch, mitten durch den großen Spielplatz, und drehte mich zu dir „Es ist schön, dich zu kennen.“ Ich sagte es heute zweimal, falls du das erste Mal nicht gehört hast. Doch das letzte Mal war auch da, und es war kein déjà-vue, es war eine Erinnerung. Warum auch immer ich es das letzte Mal sagte, es hat sicherlich nicht an Bedeutung verloren. Heute waren es die Worte „nicht nur da“ auf meine Frage „Ist dir aufgefallen, dass sie im November die ganze Zeit am Handy war?“

Es ist ihr aufgefallen. Schon vorher. Und es hieß einige Zeit später: „Und ich möchte erwähnen, dass ich dir nicht nach dem Mund rede. Mir ist das auch vorher schon aufgefallen.“ - „Ich weiß, und gerade heute hatten wir zwei Beweise dafür, dass wir ganz unabhängig die gleiche Meinung haben.“ Denn dieses Thema begann mit den vorsichtig nachfragenden Worten „Also Sven ist ihr ganz schön wichtig, oder?“ und ging mit „Vielleicht kompensiert sie da ja irgendwas.“ weiter. Der Hammer. Meine liebe Freundin, mein Sonnenschein, mein unabhängiger Richter, ich danke dir ganz besonders für heute. Auch wenn ich dir womöglich mehr die Augen geöffnet habe als du mir, so wurde die Geschichte unsere Freundschaft weiter an den Fels gemeißelt. Und schon gestern wollte ich dich um dieses Versprechen bitten. Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, so wollte ich es trotzdem von dir hören. „Versprichst du mir etwas?“ - „Na?“ - „Ich weiß, das kommt darauf an, was ich jetzt sage. Daher ist es ein doofer Anfang, doch ich wollte trotzdem mit dieser Frage beginnen, denn ich überlegte, wie ich sonst anfangen könnte und mir fiel nichts besseres ein. Versprichst du mir, dass egal was du von anderen hörst - egal von wem - du mich nach meiner Sicht der Geschichte fragst?“ kurze Denkpause ihrerseits „Egal von vom. Von ihr, von deiner Mutter, von deinem Mann. Bitte gib mir einfach immer die Chance, dir meine Sicht zu erklären.“ - „Das fällt mir schwer, aber doch, das tue ich. Auch wenn es mir schwer fallen wird, bei dir würde ich das tun. Das verspreche ich dir.“ Und ich liebe sie dafür, dass sie darüber nachdenkt, dass sie sagt, was sie denkt, und mir nicht einfach nur ein Versprechen gibt. Bitte bleib, für immer. 

Dass ich jetzt auf dieses Versprechen komme, kann ich ihr anhand der anderen beiden Damen leicht erklären. Doch damit hat es gar nichts zu tun. Neulich, beim königlichen Schnellessen, da passierte etwas, das ich erklären könnte, aber nicht erwähnen möchte. Und wenn andere es erwähnen, möchte ich die Chance haben, es erklären zu können. Und ich glaube auch, dass sie sich daran halten wird. Ich glaube außerdem, dass sie es vor dem Versprechen getan hätte, aber vielleicht fällt es ihr so etwas leichter, mich darauf anzusprechen. 

 

„Kann ich das sagen? Ich glaube schon. Also, es geht ja nicht um Seiten, aber: Ich steh auf deiner Seite.“ Danke. Vorgestern hörte sich das noch anders an, denn es hieß „Das ist jetzt nicht euer Ernst?!“ Da fühlte ich mich ein wenig angegriffen, denn ich finde nicht, dass ich mich da kindisch oder anderweitig fehlverhalten habe. Insofern tat es gut, das heute zu hören.

Auch wenn mir wichtig ist, dass du keine Partei ergreifst. 

16.05.2017 um 16:04 Uhr

Ein regnerischer Dienstagmorgen

von: indalo

Es war ein Dienstag im Mai, ich war auf dem Weg zur Arbeit und es regnete. Es war ein sonniges Wochenende, was überhaupt nichts zur Sache tut. Ich weiß auch nicht, was es an diesem Morgen ausgelöst hatte, ich weiß nur, dass ich plötzlich handfestere Pläne machte. Ich gab dem ganzen einen Namen. Mein Lebensplan ist und bleibt der gleiche, er wird nur ergänzt. Ein zweites Standbein? Ein Traum? Allemal eine Vorstellung. Eine schöne noch dazu. Es war Dienstagmorgen und ich malte mir die Zukunft aus, meine Zukunft. Fragte und frage mich noch immer, was die Zukunft für meine Gegenwart bedeutet, was ich einbauen will, was später umgebaut wird. Da springen Gedanken durch meinen Kopf, die irgendwann Hand und Fuß bekommen. Oder auch nicht. Denn es ist wieder eins dieser Dinge bei dem es total egal ist, ob es Realität wird, allein der Gedanke macht mich glücklich. Das hier ist ein Luftschloss, und wer weiß, vielleicht werde ich ihm eines Tages Leben einhauchen. Doch dann möchte ich erzählen von diesem Dienstagmorgen, als mir der Name kam. Bis zum Nachmittag fielen mir weitere Namen ein, überlegte ich, wie es umgesetzt werden könnte. Ja, ich googlete sogar die ein oder andere Bestimmung, während ich meine heißbeliebten Waffeln aus Kokosmilch mit frischen Erdbeeren aß. Auch Mitarbeiter fallen mir schon ein, mein Hirn scheint wieder Kapazitäten zu haben, um weiter zu machen. Auch wenn du fehlst. Gestern noch viel mehr als all die Tage und Wochen davor. Dabei waren es zwei vollkommen unabhängige Situationen, ausgelöst durch Zufall. Du fehlst. 

15.05.2017 um 22:47 Uhr

Trauzeuge auf der Hochzeit der Ex am eigenen Geburtstag

von: indalo

…und das brauteigene Kind lehnt das Trauzeugendasein ab. Wie geht es einem wohl damit? Fast die Hälfte des Lebens schon die wichtigste Frau, alles hat er ihr gegeben, bis zum großen Knall. Dann gab es eine kurze, distanziertere Phase, doch noch bevor der nächste Mann auftaucht, geht es weiter wie zuvor. Und nun die Hochzeit auf der sie sich zur Standesbeamtin dreht und meint „Nee, der soll’s sein.“ und auf den anderen Mann im Raum zeigt. Denn ja, so wie heute der Raum betreten wurde, war überhaupt nicht klar, wen von beiden sie jetzt heiraten würde. Beinah wär’s der Falsche gewesen. Aber er hat seinen Personalausweis im Vorzimmer gezeigt und wurde dann mit falschem Namen als Trauzeuge eingetragen. Auch nach mehreren Jahrzehnten achte ich noch auf die richtige Schreibweise und nutze den Moment, indem er sich um sein klingelndes Handys kümmert, um die Standesbeamtin auf ihren Fehler hinzuweisen… Erstaunlich, wie das Leben manchmal spielt. Denn sie wollte ganz bewusst an diesem Tag heiraten, und eigentlich hätte sie ihn damals heiraten wollen. Stattdessen fahren sie nun zu dritt in den Urlaub, zumindest für ein paar Tage. 

„Er ist jetzt dein Stiefvater.“ - „Nein, ist er nicht.“ Und es folgten Diskussionen über Begriffe wie Stief- und Adoptivvater. Ich weigere mich, ihn als meinen Stiefvater zu betrachten, der letzte Mann ihrerseits ist es auch nie gewesen, und eine Stiefmutter akzeptiere ich genauso wenig. Diese würde nun gerne eine Mutterrolle einnehmen, aber was bin ich froh, dass zumindest er heute ebenso resolut ablehnte, mein Stiefvater zu sein. Da sind wir uns einig. 

07.05.2017 um 18:34 Uhr

Ich bin dein Alkohol

von: indalo

Manchmal fehlt einem die richtige Erkenntnis um in Worte zu fassen, was man doch eigentlich schon die ganze Zeit weiß. Und dies ist meine neueste Erkenntnis: Ich bin dein Alkohol. Ich bin dein Suchtmittel. Und: Du hast mich nie geliebt. Du hast es geglaubt, du hast danach gelebt, aber du hast mich nie geliebt. Du hast mich gebraucht, du warst süchtig nach mir, dachtest, du könntest ohne mich nicht leben. All das denken Alkoholiker über ihren Alkohol. Und du bist krank. Du hast kurzfristig anerkannt, krank zu sein. Hältst du dich jetzt für geheilt? Irrelevant. Für mich war einzig die Erkenntnis relevant. Es reichte nicht zu erkennen, dass du krank bist. Nicht für mich. Ich musste auch erkennen, dass ich für dich nichts anderes bin als das Suchtmittel. Und mit dieser Erkenntnis erkannte ich die Zukunft. Denn was machen selbst geheilte Alkoholiker mit Alkohol? Ihn aus der Ferne betrachten, aber nie wieder anfassen. Wie passend, wie treffend, denn genau das möchtest du, nicht wahr? Wie unpassend, dass genau diese Form der Beziehung für mich ganz persönlich nie in Ordnung war und aller Wahrscheinlichkeit auch nie sein wird. Entweder jemand ist in meinem Leben, oder eben nicht. Ich wehre mich gegen Beobachter und werde das auch weiterhin tun, weshalb du und ich immer weiter kämpfen werden. 

Und auch wenn du das nicht hören möchtest und vielleicht nie einsehen wirst, aber du hast mich nie geliebt. Und ein Teil von mir wusste das immer. Doch ich hätte einen Teufel getan, dir das zu sagen, denn es hätte dich nur verletzt. Du hättest nicht verstanden. Vielleicht wirst du es eines Tages verstehen, vielleicht gibt es dann doch Hoffnung. Doch ich werde auf diesen Tag nicht warten. Ich werde auf dich nicht mehr warten. Der Mensch, der du jetzt bist (und vielleicht immer warst), gefällt mir nicht. Und auch wenn mein tief verwurzelter Glaube, dass ich dich an die Melodie deines Herzens erinnern könnte (und sollte), immer wieder ums Überleben kämpfte, so kann kein Alkohol der Welt einen Alkoholiker heilen. 

06.05.2017 um 16:13 Uhr

Ich bin neidisch auf Anna und Marie

von: indalo

Gestern klingelte mal wieder das Telefon, als ich kurz davor war ins Bett zu gehen. Es ging um Müsli, selbstgemachtes. Und darum, dass der Mann nun umsteigen möchte und gesundes Müsli essen wird. Wie schön. Doch ich musste direkt das Thema wechseln, denn anderes beschäftigte mich. Das Sorgenpaar im Freundeskreis. Neue Informationen kamen ans Licht - oder waren es alte Informationen, die mir nur wieder in Erinnerung gerufen wurden? Ich bin mir nicht sicher, und es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, was nun passiert. Kann ich ihnen helfen? Ist es richtig, ihnen zu helfen? Und falls ja, welchen Weg soll ich nehmen? 

Wir quatschten also einige Zeit über Freundschaften, Veränderungen, das Leben. Und auf einmal sagte sie „Ich bin neidisch auf Anna und Marie.“ Etwas irritiert fragte ich bloß „Wieso?“ Denn was haben die beiden denn nun miteinander zu tun? „Weil du öfter bei denen bist als bei mir.“ Das verschlug mir kurzzeitig die Sprache. „Öhm…“ Ja, und dann kamen verschiedene Gedanken. Einerseits stimmt das so nicht unbedingt, andererseits hab ich im Herbst jedes Wochenende bei ihr verbracht und die anderen ignoriert, doch letztlich ist kein Argument davon irgendwie wichtig, denn ich nehme ihre Kritik an. Und das sagte ich ihr auch in diesen Worten. Und: „Ich sehe das Problem. …und vielleicht habe ich bald auch eine Lösung dafür.“ Sie kommentierte das nicht. „Danke, dass du mir das sagst.“ - „Ja, es ist irgendwie komisch, so etwas zu sagen.“ - „Ich weiß, aber dafür sind Freunde doch da.“ - „Trotzdem ist es komisch.“ Sicherlich. Und sie warf auch noch ein, dass es ihr gar nicht um sich selbst geht. Sie meinte damit, dass es ihr auch um ihren Sohn geht. Doch ich glaube, dass es ihr genauso um sich selbst geht. Es geht um beides. Und wenn ich die Lösung in den Händen halte - eine Lösung, an der ich seit ein paar Wochen arbeite - werde ich sie an dieses Gespräch erinnern. Aber ich möchte ihr keine Lösung versprechen, ich möchte sie ihr geben. Also Geduld, meine Liebe, Geduld. 

Und nicht nur das war eine tiefgreifende Aussage von gestern. Da passierte viel. Sehr viel. Doch zwei Sätze von Anna möchte ich festhalten. „Du stehst übrigens auf der Liste der Kita.“ Aha? Was für ne Liste? Die Liste derer, die ihre kleine Tochter abholen dürfen. Ohne mich zu fragen, haben sie mich auf die Liste geschrieben. Und sie erzählt es mir irgendwie auch nur nebenbei. Spannend, und bedeutend. Ebenso wie der Satz „Ich wünsche dir, dass du auch mal so eine tolle Freundin haben wirst wie ich.“, den sie kurze Zeit später zu ihrer großen Tochter sagt. Und ich genieße es, die drei zur Tanzstunde zu begleiten - und das nicht zuletzt weil die Leiterin unglaublich heiß ist!

01.05.2017 um 20:26 Uhr

Die Gesellschaft hat gewonnen

von: indalo

Der Kampf begann vor ein paar Jahrzehnten. Die Gesellschaft und ich. Es gibt Regeln, und es gibt Regelbrecher. Ich sehe manche Regeln einfach nicht ein, also breche ich sie. Ganz einfach. Und so kämpfte ich Jahr um Jahr. Und mein größter Kampf geht um Freundschaft. Denn überall geht die Familie vor, doch weder sah ich das je ein, noch tue ich es jetzt. Und nach langem Suchen fand ich Menschen, die - ohne es zu wissen - den gleichen Kampf kämpften. Wir kämpften gar nicht miteinander, wir lebten einfach unser Leben. Jahr für Jahr verbrachten wir miteinander, mit unseren Höhen und Tiefen, aber immer der gleichen Front gegen die Gesellschaft. Keiner glaubte uns, alle steckten uns in Schubladen und ich ging über Leichen in diesem Kampf. Denn wer mir nicht vertraut, wer mir nicht glaubt, dass wir einfach ganz besondere Freunde waren, der sollte gehen. Und so kam die Einsicht bei anderen, wir waren einfach nur Freunde, gute Freunde, die alles teilten. Ganz nebenbei gewann ich dann noch einen anderen Kampf, als eine Freundin sagte „Ihr bleibt. Für immer.“ Es war ein ruhender Kampf, der auch bestimmt ein Jahrzehnt anhielt. Doch ha, Gesellschaft, ich habe gesiegt. Es war kein lauter Sieg, es war ein leiser. Klammheimlich verließ ich triumphierend das Schlachtfeld. 

Doch, und vielleicht soll ich das daraus lernen, man sollte sich nie zu früh freuen. Denn urplötzlich habe ich verloren. Ich weigere mich noch immer, über eure Leichen zu gehen, doch ich muss erkennen, dass die Gesellschaft euch zurück erobert hat. Euch beide. Denn nicht nur du willst mich dazu bringen alles in Frage zu stellen, auch sie leugnet, was gewesen ist. Und ich bin mir so sicher, dass es gewesen ist. Es ist gewesen, und an diesem Wochenende wurde mir von einem Beobachter dieser Zeit unseres Lebens vehement, ohne große Aufforderung, bestätigt, dass es so war. Mit euch beiden. Wir drei waren ein tolles Paar. Das gibt mir Sicherheit, denn nicht nur hatte ich da einen Menschen vor mir sitzen, der zwar in der Gesellschaft lebt, mich aber versteht, sondern ich hatte auch noch die Bestätigung, nicht völlig verblendet durchs Leben zu laufen. 

In wenigen Stunden erzählte ich ihr die Geschehnisse der vergangenen Monate. Sie ist sprachlos, so richtig. Denn wie sagte sie mehrmals über die Tage verteilt? „Ich habe mit allem gerechnet, nur damit nicht.“ Und ich glaube ihr. Alles war möglich, aber das schien unmöglich. Und hätte man es mir prophezeit, so hätte ich gelacht. Laut gelacht. Denn das sah ich nicht einmal ansatzweise kommen. „Ich hab euch immer um eure Freundschaft beneidet.“ Mein Grunzen wurde als Lachen ausgelegt. „Lach nicht. Ich habe euch wirklich immer beneidet. Ihr wart so eng, so vertraut, ihr konntet euch alles erzählen, ihr wart immer füreinander da, und doch konntet ihr machen, was ihr wolltet, denn ihr wart Freunde, nicht in einer Beziehung.“ Und genau da erkannte ich, dass ich euch an die Gesellschaft verloren habe. Alle beide. Und ich bin mir sicher, dass es nicht daran liegt, dass ich euch als selbstverständlich betrachtet habe. Ich wusste, was ich an euch habe, ich habe euch eingeladen um zu feiern, was wir haben. Ich habe es (und euch) geschätzt, auch nach all den Jahren. Und genau deswegen mache ich mir auch keine Vorwürfe. 

Die Gesellschaft hat gewonnen, aber ich werde mich nicht geschlagen geben. 

Und während ich diese Zeilen einige Bahnstationen später wieder lese, möchte ich mir bereits widersprechen. Hätte ich gelacht? Womöglich. Aber ich wusste immer, ich ahnte immer, ich fürchtete immer das Ende dieses Traums. Dieser Realität. Ich glaubte an die Möglichkeit, ich glaubte an die Hoffnung, aber ich wusste auch immer, dass nur ein ganz bestimmter Faktor sich ändern müsste, und alles kopf stehen würde. Ich wusste es immer, auch in den letzten Monaten. Und doch trifft mich das jetzt mit so einer Vehemenz, wie ich sie nicht erwartet habe, nicht in Erwägung gezogen hatte. Denn es hat sich kein bestimmter Faktor geändert, und doch ist alles anders. Ich habe verloren. Dich. Dich und einen Teil von mir. Denn ich stand in Tränen vor dir und sagte: „Ich weiß nicht, ob du mir verzeihen kannst und willst. Ich weiß aber auch nicht, ob ich mir verzeihen kann.“ Und jetzt weiß ich zumindest eins. Ich verzeihe mir. 

26.04.2017 um 21:24 Uhr

Es tut mir nicht Leid

von: indalo

Immer und immer wieder taucht in meinem Kopf der Satzanfang „Es tut mir Leid, dass…“ auf. Ständig, wenn ich imaginäre Gespräche zwischen dir und mir führe. Jedes Mal. Aber egal wie ich den Satz weiterführe, es tut mir einfach nicht Leid. Es tut mir nicht Leid, was geschehen ist. Es tut mir nicht Leid, was ich getan habe. Es tut mir nicht Leid, dass wir uns so nahe waren. Es tut mir nicht Leid, anders zu sein, auch wenn ich leide. Ich stehe zu dem, was ich getan und gesagt habe. Es tut mir Leid, so zu sein, wie ich bin, denn ich habe nun das Leid. Aber ich bereue nicht so zu sein. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht so zu werden, wie ich sein will. Im Grunde mein ganzes Leben, doch da ich schon eine ganze Weile das Leben führe, was ich für richtig halte, bin ich schon angekommen. Also wirklich nur die meiste Zeit, denn den letzten Abschnitt war ich schon so, wie ich sein möchte. Ich führte das Leben, was aus meiner Sicht richtig ist. Und es tut mir nicht Leid, dir dieses Leben ermöglicht zu haben. Es tut mir Leid, wenn du das anders siehst, aber es tut mir einfach nicht Leid. Und auch wenn du gelitten hast, so tut es mir nicht Leid. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dich so behandelt zu haben, wie ich es getan habe. Denn ich habe nichts falsch gemacht. Ich habe dir alles gegeben, was ich zu geben hatte, ich habe dich geliebt und tue es immer noch, zumindest den Menschen, der du einst warst. Und ja, für mich ist sich nicht verändert zu haben etwas Gutes. Nicht umsonst war ich so lange dein Fels in der Brandung, dein Rettungsanker, die führende Kraft in deinem Leben. Und auch wenn du jetzt sagst, dass das nicht gut für dich war, so werde ich mich nicht dafür entschuldigen. Ich würde es wieder so tun, auch wenn ich beim nächsten Mal gewiss Mauern um mein Herz bauen werde, denn diesen Albtraum möchte ich kein zweites Mal erleben. 

„You only reassess your life if you did something wrong.“ - I didn’t do anything wrong. 

25.04.2017 um 21:10 Uhr

Die Ironie meiner Mutter

von: indalo

In meiner Lebenszeit gab es im Leben meiner Mutter vier Männer. Den Ersten hat sie geheiratet, den Zweiten nicht, den Dritten dann schon und nun soll’s beim Vierten wieder zum Standesamt gehen. Das überrascht mich nun nicht mehr, doch ich finde es einerseits spannend mit welcher Eile diese Hochzeit nun stattfinden soll, und andererseits ist das Datum sehr… interessant. Die Gästeliste sowieso, denn der Ex ist neben meinem Bruder und mir der einzig geladene Gast. Der Ex, der es nicht bis zur Hochzeit geschafft hat. Meine Überraschung tat ich kund, sodass es hieß, dass wenn er bei der Scheidung schon dabei war, er ja nun auch bei der Hochzeit dabei sein kann. Klar, warum nicht. Ich stelle nun in den Raum, dass sie mit ihm einfach zum Standesamt möchte und Ja sagen will. Denn, es kommt noch besser: Ihm zu Ehren findet diese Eheschließung nun auch noch an seinem Geburtstag statt. Mein Bruder wird nicht anwesend sein, und wenn mein Chef mich nicht hinschickt, würden sie glatt zu Dritt heiraten. Aber das ist meines Wissens nach in Deutschland noch nicht erlaubt. Aber immerhin heiratet sie dann in der Anwesenheit und an dem Geburtstag des Mannes, bei dem sie verpennt hat ihn zu heiraten. Kann es überhaupt noch mehr solcher Verstrickungen geben?

13.04.2017 um 15:54 Uhr

Dein Wort hat Gewicht

von: indalo

Mein Tag hatte einen ganz normalen Anfang und wurde dann über die Stunden irgendwie schlechter. Nur Vollidioten kreuzten meinen Weg und schon um halb zehn war ich genervt. Das wurde danach nicht besser, sodass ich eigentlich am frühen Nachmittag nicht mehr beim Chef meckern wollte. Seit zwei Wochen will ich mich bei ihm beschweren, warte dafür aber auf eine ruhige Minute. Nicht zwischen Tür und Angel, denn es ging nicht darum, meinen Ärger los zu werden, sondern ruhig über Missstände zu reden. Auch nichts langes, aber etwas, das ankommen soll. Trotzdem guckte ich heute ins Büro und er hatte tatsächlich Zeit. Also schilderte ich ihm die Situation, er sah seinen Fehler ein und wir optimierten für die Zukunft. Während er dazu noch irgendwas sagte, warf er den Satz „Schließt du mal eben die Tür?“ ein und wechselte dann das Thema. Elegant. 

In unserer Chefetage ist Bewegung, jemand geht in Rente und ein anderer rutscht dadurch höher. Das wurde gestern beschlossen. Das heißt aber auch, dass der Platz des Nachrutschenden nun frei wird. Ja, und da ist die Chefetage heute mal die Namen der Kollegen durch gegangen und blieb direkt bei meinem hängen. Mein Hirn kommt so schnell nicht hinterher. Ich weiß, dass der gute Mann bereits vor ein paar Monaten verschriftlichte, dass er in meiner Zukunft eine solche Position sieht, dass er mir die nun noch für dieses Jahr andrehen möchte, überfordert mich doch arg. Das meint der jetzt nicht ernst, oder? Er redete weiter, dass sich alle einig waren, dass ich dafür geeignet bin. Offensichtlich haben sie auch darüber geredet, mit mir darüber zu reden. Und das hat er direkt mal in die Tat umgesetzt. Ich versuchte, ihm aufmerksam zu lauschen, während mein Gesicht immer mal wieder zu einem breiten Grinsen wurde. Denn… ernsthaft jetzt? Das trauen die mir zu? 

Nein, ich möchte den Job nicht, wirklich nicht. Aber er wird mir hier gerade vor die Füße gelegt. Da stolper' ich doch, wenn ich das Angebot nicht wahrnehme. Ich meine nicht annehmen, ich meine wahrnehmen. 

Die beiden mir in Erinnerung gebliebenen Argumente sind, dass ich organisieren kann (das ist mittlerweile ein etablierter Fakt) und dass mein Wort Gewicht hat. Dass… ist das so? Legen meine Kollegen Wert auf meine Meinung? Und wenn ja, wer? Hmm, hat er noch mehr gesagt? Ich weiß es nicht. Ich dankte ihm jedenfalls, da ich mich geehrt fühlte, aber ich lehnte auch ganz deutlich ab. Er warf ein, dass er jetzt keine Antwort von mir möchte, ich begründete also mit Alter. Da wurde er fuchsig, wieso solche Jobs immer nur an die alten Knacker gehen sollen. Halt, stopp. Es geht mir nicht ausschließlich um das biologische Alter, sondern hauptsächlich um das berufliche. Ich arbeite gerade mal drei Jahre aktiv und offiziell in diesem Beruf. Gefühlt und nach Erfahrungen gehend sind es Jahrzehnte, aber die Fakten sagen etwas anderes. Und doch möchte er, dass ich diesen Job mache. Faszination pur. Meinerseits. Doch unabhängig von der Anzahl der Jahre geht es mir auch um den konkreten Bereich, der mir einfach fremd ist. Denn dann soll ich eine Abteilung leiten von der ich selbst keine Ahnung habe. Das werde ich nicht tun. 

Und doch merke ich, dass es mich in den Fingern juckt. Nein, ich werde mich nicht bewerben. Aber es kribbelt doch unter den Nägeln zeigen zu können, was alles auch in jungen Jahren möglich ist. Was fänd' ich es lustig, den Titel zu haben. Machen möchte ich den Job trotzdem nicht, denn dazu mag ich meinen jetzt viel zu sehr. 

Auch nach dem heutigen Tag. 

Doch zum Abschluss sagte er nochmal, dass er mich darauf hinweisen wird, wenn der Job offiziell ausgeschrieben wird. Er will einfach nicht aufgeben. 

09.04.2017 um 22:03 Uhr

Wettkampf vs. geselliges Beisammensein

von: indalo

Ende des Monats werde ich einen Wettkampf einem geselligen Beisammensein vorziehen. Ich hadere mit mir, aber ich denke, das wird meine Entscheidung. Ein Freund, der am selben Tag zum selben Wettkampf antritt, hatte schon für heute diese Entscheidung getroffen. Auch heute zog er den Wettkampf der Geburtstagsfeier vor. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir beide diesen Gedanken haben, doch das ändert nichts an meiner Überzeugung: Es war richtig so. Nicht, dass der heutige Wettkampf für mich irgendeine Relevanz gehabt hätte, aber mir kam der Gedanke, dass er schön blöd war, den Tag mit uns heute zu verpassen. Es war nichts spektakuläres, aber es war wichtig. Es tat gut. Und ich möchte mich immer wieder für meine Freunde und damit gegen alles andere entscheiden. Irgendwie geht es dabei um Prioritäten. Und ich merke, dass es nicht mehr um Gespräche geht, oder einzelne Verbindungen, es geht um die Gemeinschaft. Um uns. Um diese Gruppe. Es ist so wunderbar, alle miteinander interagieren zu sehen. Wir. Wir sind das Wertvollste, was wir haben. Und weil du das erkennst, bleibst du. So etwas wirst du nie wieder finden. Wirklich nie wieder. 

Es geht nicht darum, worum es geht, sondern dass es geht. Ich bin die letzten Male überhaupt nicht mehr… anwesend. Ob ich da bin oder nicht, macht keinen Unterschied. Ich rede mit niemandem, ich spiele entweder mit den Kindern, oder ich liege irgendwo rum. Und es ist genau das, was zu dieser Lebensphase passt. Die anderen haben etwas zu reden, sie haben ein Thema. Und einzeln kann ich mit ihnen reden, nur in der Gruppe bin ich irrelevant. Denn mein Leben ist nicht mehr ihr Leben. Momentan verbindet uns nur unsere Vergangenheit. Oder ein Gefühl. Nichts sichtbares. Und doch bleibt es existent. Wie lange? Das wird man sehen. Aber ich glaube daran, dass es überleben wird. Und sei es nur, weil ich daran glaube. 

01.04.2017 um 23:32 Uhr

Die Feuerprobe haben wir bestanden

von: indalo

Da waren sie gerade vier Monate weg und wir sehen uns zum ersten Mal. Erst ein Eis, dann gemütliches Beisammen sein und zur Schau stellen der ganzen Schätze. Viel erzählt und diskutiert, auch über meine Pläne, und dann, als ich am späten Abend gehen will die Frage, was ich für Pläne im Sommer habe. Doch es war mehr als Interesse, es war eine konkrete Nachfrage, sodass ich mich grinsend wieder ins Wohnzimmer begab und meinte „Das scheint eine Frage zu sein, für die ich mich lieber wieder setze.“ Ich wusste, was kommen würde. Ich sagte auch „Fragst du jetzt, was ich montags so mache?“ Sie war irritiert, zu Recht. Denn dass mein Vater mit dieser Frage dazu überleitete, dass er heiratet, muss sie ja nicht wissen. Und Tatsache, sie heiraten. Und auf einmal passen auch die zwei Sätze „Wir machen auch alles lieber jetzt als irgendwann.“ und „Wir haben die Feuerprobe schon bestanden.“ wunderbar zusammen. Denn im nächsten Monat soll die Hochzeit sein, zumindest wenn es da einen Termin gibt. Aber seine Scheidung ist noch nicht ganz durch, das müssen sie noch klären. Und wie schön pragmatisch sie das sehen. Ich muss mich also nicht freuen - auch wenn ich es tue, ein wenig zumindest. Aber ich kann einer Hochzeit gerade echt nichts abgewinnen, denn auch wenn ich nie heiraten wollte, so steht für mich gerade mehr denn je fest, dass ich es auch nicht tun werde. Versprechen dieser Art sind eine Lüge, und ich weigere mich, zu lügen. 

Witzigerweise ist das die zweite Hochzeitseinladung in dieser Woche. Die andere wurde mir Dienstag angekündigt und drei Tage später zog ich das Kunstwerk aus dem Briefkasten. So ganz anders. Und bedeutend, wenn auch ganz anders. Ich gehöre zur Familie. 

Heute morgen sagte ich noch zu einer Freundin, dass dieser Mann jetzt bleiben muss. Sonst gehen mir die Bezeichnungen für die Männer ihres Lebens aus. Da sagte sie nur trocken „Der Mann ihres Lebens war offensichtlich noch nicht dabei.“ Doch vielleicht ist es ja dieser. Auch wenn ich nicht in Erwägung zog, dass sie jetzt sofort heiraten. Aber sei’s drum, alle gute Dinge sind schließlich drei. Auch wenn die sehr begrenzte Gästeliste mehr als skurril ist und er wieder einmal nervöser ist als sie. 

 

…und sie sagte - ohne dass ich auch nur ansatzweise daran gedacht hätte - „Das ist auch kein Aprilscherz.“

26.03.2017 um 17:37 Uhr

weicher Saft

von: indalo

Ein Wochenende bei Freunden. Es sind nicht mehr nur Bekannte, es sind Freunde. Ich war Teil der Familie, einfach so, ganz natürlich. Ich fühlte mich wohl, ich gehörte dazu. Wir redeten, über alles. Und ganz besonders wichtig war die Rückfahrt gestern. Die Hinfahrt machte auch schon etwas, denn schon da vertraute sie mir. Auf der Rückfahrt stellte ich ihr eine persönliche Frage, ohne zu fragen, ob ich sie fragen darf. Und sie fragte ebenso persönlich. Es war gut und wichtig. Es fühlt sich richtig an. Ich fühle mich wieder richtig. Das ist meine Welt, mein Leben. Ich war gerade länger glücklich als nur einen Moment, nur einen Tag. Es ist noch kein Zustand, doch das ist okay. Kleine Schritte. Und genau das ist dieses Wochenende. Ein kleiner, aber bedeutender Schritt, den ich mit unglaublich viel leckerer Nahrung machte. Ich habe den weichesten Saft meines Lebens getrunken, frische Kakaofrucht gegessen und farbenfrohe sowie abwechslungsreiche Kuchenstücke. Da war noch mehr, aber das gehört jetzt einfach zu meinem Leben dazu. Ich muss es nicht extra erwähnen.

"The winner takes it all" ertönt im Radio. 

21.03.2017 um 21:30 Uhr

Alles, außer dich zu belügen und zu betrügen

von: indalo

Durch dich weiß ich, dass ich war, wer ich sein wollte. Dass meine Realität auf mich zutrifft. Meine Vorstellung der Welt ist möglich, für mich. Und womöglich sollte ich dir dafür danken. Doch ich bin nicht dankbar. Denn was nützt es einem zu wissen, was wahr ist, wenn es doch nicht möglich ist? Denn nur weil ich tatsächlich so lebe wie es mir gefällt, heißt das nicht, dass andere da mitmachen. Und genau das verfluche ich jetzt. Denn wenn ich nicht so wäre, würde ich jetzt nicht so leiden. Mich so einsam fühlen. Mit dir stirbt ein Teil von mir. Keine Kindheitsträume, keine Luftschlösser, sondern wirklich ein Teil von mir. Sogar ich lasse mich im Stich. Und womöglich werde ich eines Tages dankbar sein können, dich kennen gelernt zu haben, doch momentan war es der größte Fehler meines Lebens, dich an mich heran zu lassen. Denn ein ähnlicher Fehler wird mir so schnell nicht noch einmal passieren. 

In meiner aktuellen Serie hieß es heute „We are not friends anymore. And I am starting to wonder if we ever were.“ Du hast es anders gesagt. Denn aus deiner Sicht sind wir noch Freunde, du willst Freunde sein, aber du sagst, dass wir es nicht waren. Du sagst es, du stellst es nicht in Frage. Du teilst es mir nur mit. Und nicht du allein, sie tut es auch. Sie bezeichnet mich als Ex - welch Ironie. Sich nicht, aber mich. Das ist nicht nur ironisch, das ist absurd. Aber wohlwissend, dass sie gerade der Mensch deiner Wahl ist, kann ich sagen, dass du das ebenso siehst. Sie beeinflusst dich. Sie und ihre aktuelle Weltsicht, in der es nur schwarz und weiß gibt. In der wir keine Freunde waren. Sicherlich bin ich gerade der letzte Mensch, der das beurteilen sollte, aber sie tut dir nicht gut. Sie spielt voll rein in deine Selbstzerstörung. Denn sie würde nicht einmal zu deinem Geburtstag kommen? Nur, weil sie verhindern will, dass du dich in den Zug setzt, kommt sie. Nicht deinetwegen. Sehr schade. 

Wisse, dass ich alles für dich tun würde. Alles, außer dich zu belügen und zu betrügen. 

19.03.2017 um 23:49 Uhr

I will survive

von: indalo

Ein Ukulele Konzert mit meinem Lieblingsmenschen. Dieses Lied wurde gesungen. Musik, die Magie der Musik, sie berührte mich leicht. Und dieses Lied habe ich mir von heute rausgepickt. Man hört nur, was man hören möchte. And I will survive. …as long as I know how to love, I know I’ll stay alive. Und ich sagte dir im Herbst, dass ich in Erwägung zog, meine Sachen zu packen und zu verschwinden. Wirklich zu verschwinden. Es kam die blöde Reaktion „schon wieder?“, die mir zeigte, dass du meine Worte nicht verstehst. Denn ernsthaft, ich wollte gehen und alles hinter mir lassen. Doch dann tauchten einzelne Menschen in meinem Geiste auf. Menschen für die ich lebe. Menschen, denen ich genug bin. Nicht nur genug, nicht nur gut genug, sondern für die ich genau richtig bin, für die ich wichtig bin. Und es zeigte mir, dass es nicht mein Job ist, der mich hier hält. Es ist nicht der Ort selbst. Es sind diese einzelnen Menschen, wegen derer ich bleibe. Nicht für sie, sondern ihretwegen. Weil sie es mir Wert sind. Die nächste Brücke zu nehmen war nie eine Option, denn Leben lohnt sich. Auch mit Schmerz zu leben lohnt sich, doch das heißt nicht, dass man nicht auch vor dem Schmerz weglaufen darf. Er wird bleiben, für immer. Diese Wunde wird nie heilen, aber es wird andere gute Dinge geben, die mich ablenken. Und irgendwann werden die anderen Dinge mehr werden und dann werde ich auch eines Tages wieder sagen können, dass ich glücklich bin. Für länger als einen Moment, für länger als einen Tag. 

It took all the strength I had not to fall apart

Kept tryin' hard to mend the pieces of my broken heart

And I spent oh so many nights just feeling sorry for myself

I used to cry, but [some day] I hold my head up high

And you see me, somebody new

I'm not that chained up little person still in love with you

And so you felt like dropping in and just expect me to be free

But now I'm savin' all my lovin' for someone who's lovin' me

Für jemanden, der mich für den Menschen liebt, der ich bin. Für den ich genug bin, so wie ich bin. Denn schon viel zu lange bin ich dir nicht genug. 

18.03.2017 um 00:09 Uhr

Ohne Freunde glücklich?

von: indalo

Soll man, kann man, darf man? Mir fehlt das passende Hilfsverb. Daher einfach nur: Ohne Freunde glücklich? Geht das?

Um mal wieder das Offensichtliche zu kommentieren: Ich liebe meine Freunde. Es ist mehr als mögen, es ist lieben. Es ist brauchen. Es ist wollen. Und auch wenn ich ein Jahr ohne meine Freunde am anderen Ende der Welt unterwegs bin und lange niemanden gesprochen und gesehen habe, bin ich absolut glücklich. Nicht, weil sie mir nicht wichtig sind, sondern weil ich weiß, dass es sie gibt. Also nein, ich glaube, dass ich ohne meine Freunde nicht glücklich bin. Nicht sein kann. …soll man das denn? Es ist logisch und natürlich, andere Menschen zu brauchen - wäre es trotzdem besser, unabhängig zu sein? 

Mein Leben war perfekt. Ich war glücklich, lange genug um es nicht nur als Phase zu bezeichnen. Es war einfach so. Jetzt bin ich unglücklich. Ich bin nicht undankbar, denn ich habe so viele Dinge. Ich finde sie in anderen Menschen, die Qualitäten nach denen ich suche. Ich sehe sie, ich fühle sie, ich liebe sie. Also muss es doch möglich sein, glücklich zu sein. Und ich sehe die Ironie darin, nach so vielen Monaten zu sagen „Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen, aber ich kann ohne dich glücklich sein.“ Denn auf die letzte Zeit zurückblickend muss ich mir kein Leben ohne sie vorstellen, ich kann es betrachten. 

So, mein Leben ist nicht mehr perfekt. Das tut weh, insbesondere mit meiner Art des Perfektionismus. Doch jetzt den zweiten Menschen zu erleben, wie er ebenso kalt und abweisend mir gegenüber ist, kostete mich bereits die letzten zwei Nächte. Auch den gestrigen Tag, denn da hab ich knapp vierundzwanzig Stunden eine Serie geguckt um mich zu betäuben. Es hat nichts genutzt. Wie auch immer, auch da zu sehen, wie… irrelevant Freunde sind, macht so viel mit mir und meiner Welt. Zurück zum Anfang. Es war ne schöne Zeit, aber ich habe mich geirrt. Ich spule zurück, ungefähr ein Jahrzehnt. Alle Prognosen von damals sind eingetroffen. Über diese beiden Menschen gab es keine Prognosen. Ich erinnere mich an keine. Ich hatte auch nie Zukunftsvisionen mit ihnen - erstaunlich, nicht wahr? Oder spricht da der Selbstschutzmechanismus, der sie nun alle ausblendet? Wer weiß. Doch es bleibt ironisch, dass während sie versucht zu beweisen, dass sie ohne Freunde glücklich sein kann, ich versuchte zu zeigen, dass es nicht ohne sie geht. 

13.03.2017 um 21:47 Uhr

Die schönste Antwort und der Pamperspo

von: indalo

Fragen sind echt mein Ding. Viel mehr als Antworten. Insofern stelle ich unheimlich gern Fragen. Und neulich fragte ich endlich meinen Lieblingsmenschen, seit wann er Kinder möchte. Erst kam eine Jahreszahl und als ich verwirrt feststellte, dass er das anscheinend sehr genau an etwas festmachen kann, musste ich nochmal nachfragen, was es auslöste. Und die Antwort war total simpel, was sie noch schöner macht. „Als ich Marie kennenlernte.“

Das war der eine schöne Moment letzte Woche, am vierten Geburtstag seiner Tochter. Dass seine Frau mir heute erzählt, dass sie das vorher gar nicht wusste, löst in mir ein stolzes Grinsen aus. Sie sind im dreizehnten Jahr ihrer Beziehung, mehr als die Hälfte davon verheiratet, und dieser Liebesbeweis wurde bisher nie kommentiert. 

Wir gehören zusammen, ganz klar. 

Doch eigentlich möchte ich seit dem Tag etwas anderes festhalten. Die Magie. Das Unausgesprochene, was manchmal ausgesprochen wird. Das Unerklärliche, was manchmal so klar wird. Denn da saß ich im Schneidersitz auf dem Boden und sprach mit dem Geburtstagskind, als ihre bald dreijährige Cousine zweiten Grades, die ich vor nem halben Jahr das erste und bis zu dem Tag letzte Mal in ihrem Leben sah, zu mir kam und sich in meinen Schoß fallen ließ. Weder guckte sie mich vorher an, noch interessierte sie im Geringsten, ob das für mich okay ist. Ich hab zwar mit dem Geburtstagskind versucht zu interagieren, das gelang aber eher schlecht als recht. Auch die kleine Schwester hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht beachtet. Keine meiner Handlungen ließ darauf schließen, dass ich Kinder mögen würde. Doch sie ließ ihren Pamperspo in meinen Schoß fallen und saß dann da. Sie wollte auch gar nicht meine Aufmerksamkeit, sie spielte mit irgendwas in ihrer Hand. Ich war - wie man womöglich mittlerweile merkt - ziemlich irritiert. Eine meiner Theorien, warum die kleinen Kids in meinem Umfeld trotz einjähriger Abwesenheit sofort gut auf mich zu sprechen waren, ist ja, dass sie sehen, wie ihre Eltern auf mich reagieren. Doch die Mama der Kleinen war nicht einmal anwesend, sie war mit dem Opa da, und dem hab ich brav die Hand geschüttelt. Also warum in aller Welt lässt sie sich mit völliger Selbstverständlichkeit in meinen Schoß fallen?! Sicherlich kenne ich auch die Theorie, dass kinderliebe Menschen das einfach ausstrahlen - aber so sehr? Ich weiß ja nicht. Als sie später wieder das gleiche tat, guckte ich meine Freundin achselzuckend an und bekam als Reaktion „Ja, sie ist so. Sie wird von Menschen, die gut mit Kindern können, total angezogen. Wenn ich mit ihr zum Kinderturnen gehe, wuselt sie immer nur bei der Leiterin rum und ist nie in meiner Nähe.“ Dazu fällt mir als erste Reaktion nur ein, ihr eine Hand aufs Bein zu legen und mit einem tiefen Blick in die Augen zu sagen „Du kannst auch gut mit Kindern.“ - „Aber nicht so.“ Und ich weiß, was sie meint. Und dass es kein fishing for compliments ist. Faszinierend. Dieses Kind geht lieber zu wildfremden Menschen (und das bin ich nun einmal für sie), statt zu ihren Verwandten. Auch als andere anwesende Omas ihren Schoß anboten, schüttelte sie den Kopf und bog in meine Richtung ab. Wäre das irgendwie ein Wettbewerb, hätte ich da triumphieren können. Doch um dieses Kind haben die Oma und ich uns nie gestritten, also kam ich auch nicht zu meinem Triumph. Trotzdem ging das runter wie Öl, und ich bin dankbar. 

11.03.2017 um 09:05 Uhr

Ich bin die Bedrohung

von: indalo

Darum dreht es sich. Mein Leben lang. Mein ganzes, verdammtes Leben lang. Und es ist verdammt. Denn ich weiß, dass der ein oder andere immer wieder meint mir sagen zu müssen, dass das hier nicht meine Schuld ist. Dass es nicht an mir liegt. Und ich reagiere darauf seit Monaten mit den Worten „Doch, es liegt an mir, an meiner Persönlichkeit. Und nur daran.“ Du scheiterst an mir. Du bist an mir gescheitert. Du willst nicht so sein, und ich will auch nicht so sein. Ich verdränge, vergesse, ignoriere es. Immer wieder. Auch das wird mir gespiegelt. Wie sympathisch es mich macht, das scheinbar nicht zu sehen. Nicht zu sehen, wie toll ich bin. Ein Teufelskreis aus dem ich nicht herauskomme. Vielleicht scheiterst du auch daran, mich davon nicht überzeugen zu können. 

Und genau das war gestern mein Gedanke zu meinem sichersten Menschen. Es gibt kein Konfliktpotenzial zwischen uns, weil sie kein Konkurrenzdenken hat. Null. Sie wird bleiben. Weil sie nicht gegen mich antritt. Also abgesehen vom Sport, und da lebt sie seit Anbeginn damit, zu verlieren. (Und da geht die Rutsche wieder runter, denn dann bin ich an ihrem Leben Schuld? Hilfe! Dieser Gedankengang würde gerade in der Hölle enden. …vermutlich der Grund, warum ich es nicht wahrhaben möchte.)

Jetzt hast du den Spieß umgedreht. Denn ja, wir haben uns gedreht. Du zeigst mir nicht mehr, wie gut ich bin, sondern du willst dir jetzt beweisen, dass ich es eben nicht bin. Grandios, und da komme ich ins Spiel und weigere mich, das Gute in mir aufzugeben. Schachmatt, wir beide. 

10.03.2017 um 22:58 Uhr

Bin ich gut so wie ich bin? - Ja.

von: indalo

Im Grunde versuche ich gerade für Veränderungen offen zu sein. Für Verbesserungsvorschläge, explizit zu meiner Person. In einer der Verzweiflungsphasen vorgestern rief ich eine Freundin an um zu fragen „Bin ich gut so wie ich bin?“ Sie ging nicht ans Telefon. Ich erreichte eine andere Freundin über Nachrichten, sie antwortete sofort mit Ja. Abends fragte sie ihren Mann, der ebenso schnell Ja sagte. Nächsten Morgen bekam ich eine weitere Nachricht, dass ich jetzt nicht alles in Frage stellen soll. 

Doch, vielleicht sollte ich genau das. Vielleicht sollte ich alles hinterfragen um mir dann dieser Dinge wieder sicher zu sein. So sicher, dass man sie mir nicht irgendwann nehmen kann. Denn eins der Grundprobleme momentan ist, dass sie mir alles nimmt. Alles. Ich schaff es nicht, mir meine Realität zu bewahren. Und wenn ich das nicht schaffe, dann war sie nicht stark genug. Die Realität, nicht der Orkan, der sie (bzw. mich) gerade umhaut. 

Also, alles hinterfragen. Nachfragen, ob man mir sagen würde, wenn ich etwas ändern sollte. So weit, so gut. Mein sicherster Mensch bleibt das auch. Sie wird nie gehen, da ist einfach kein Konfliktpotenzial. Die Nächste schafft es, mir zufällig einen Liebesbeweis zukommen zu lassen, denn ich gehöre zur Familie. Und die Familie sieht das ebenso!

Wie auch immer, ich versuche gerade, offen zu sein. Und da sitzt madame vor mir und knallt mir etwas vor die Füße, was mich dazu bringt, die Arme vor der Brust zu verschränken und sie auffordernd anzugucken. Autsch. Das scheint gesessen zu haben. Bin ich wirklich so naiv? Also, ist es wirklich so naiv zu glauben, dass ich damit leben kann? Was sie mir da vor den Latz knallt, das weiß ich schon lange. Den Umstand an sich. Verdammt lange. Sie ist nicht der einzige Mensch in meinem Leben, der seinen Finger da schon unangenehm drauf gehalten hat, aber dass sie es jetzt wieder tut - ebenso unverhofft - das bringt mich zu der Frage, ob ich wirklich jahrelang eine Lüge lebe. Verdränge ich es? 

Ich mache zu, denn ich möchte einfach nicht einsehen, dass mir das das Leben erschwert. Ich glaube in der Tat, dass ich damit umgehen kann, dass es mir damit gut geht, ich meinen Weg damit gefunden habe. Vielleicht indem ich es meistens ignoriere, aber auch das ist eine Form des Umgangs. Hmm. Und nun? Selbst wenn es so wäre, was würde ich ändern?

Ja, manchmal wünsche ich mir ein simpleres Leben. Weniger Gefühle. Denn würde ich sie nicht so sehr lieben, würde es jetzt nicht so sehr wehtun. 

09.03.2017 um 11:46 Uhr

Und die Achterbahnfahrt geht weiter

von: indalo

Das Fatale der Situation ist, dass mit jedem Fünkchen Kraft, den ich wiederfinde, ich gleich wieder baden gehe. Ich kämpf mich aus dem Schlamassel raus, erklimme die Leiter und nehm' gleich wieder (absichtlich?) die Rutsche. Das ist ein Teufelskreis. 

Gestern hab ich mich davon getrennt. Von dir, von mir. Auch wenn du immer von einem Uns redest… Das hat mich vielleicht aufgeregt. Ich soll es abhaken. Was? Dich? Und deine Antwort ist „uns“. Denn dich soll ich nicht abhaken, nicht wahr? Du hast diese Entscheidung (welche war das doch gleich?) ja auch weder für dich, noch für mich getroffen. Nur für uns. Hör auf, dich hinter diesem Uns zu verstecken. Es gibt kein Wir. Es gab auch nie das Wir, von dem du redest. Und vielleicht hast du das immer noch nicht begriffen. Mein Wir gab es, für dieses Wir tust du das gerade aber nicht. Sondern für dein Uns. Und das zeigt mir doch nur, dass es zum Scheitern verurteilt ist. Ich sage „So wird das nichts.“ und ich werde Recht behalten. Ich will es nicht, aber es wird so sein. Denn so wird das nichts. 

Und ich sage dir noch etwas. Es ist nicht beängstigend, wie wichtig du mir bist, es ist jedoch beängstigend, mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben zu müssen. Und das kannst du nicht. Ganz offensichtlich nicht. Wenn ich dir alles Gute wünsche, schreibst du zurück. Danach nicht mehr. Denn die Panik kam, nicht wahr? Sie ist wieder verflogen, weil du weißt, dass du mich immer noch am Haken hast. Ich muss konsequent sein. Ich muss gehen. Du musst sagen können, dass ich dich verlassen habe. Denn die Welt verlässt dich. Alle gehen, keiner liebt dich. 

Ja, die Erkenntnis, dass du zu schwach bist und ich das Ruder übernehmen soll, die hatte ich in den letzten Monaten immer mal wieder. Aber eben auch die Erkenntnis, dass wenn ich jetzt das Steuer übernehme, es gegen den nächsten Baum fährt. Das weiß ich. Und deswegen sitze ich im Schachmatt. Oder gerade eher Patt. Denn egal, was ich tue, es ist falsch. Weil du im Irrglauben lebst. (Natürlich kann auch ich mich irren, doch davon musst du mich dann endlich mal überzeugen.)

Solange du in deiner Scheinwelt leben willst, in der alle dich verlassen und die Welt so unfassbar ungerecht ist, kann ich nichts tun. Auch wenn alles in mir danach schreit, dir diesen Denkfehler zu nehmen. 

Guck nicht, was von dem Uns in dein Leben passt. Guck, ob ich in dein Leben passe. 

Und es geht nur um eine große Entscheidung. Eine Entscheidung mit deren Konsequenzen du nicht leben möchtest. Denn ich soll sie untergraben, die Entscheidung. Ich soll um dich kämpfen, auch wenn du mich verlassen hast. Und ja, ich treffe die Entscheidung, dass du mit den Konsequenzen deiner Entscheidungen leben lernen musst. Eine Entscheidung, die ich vor ewigen Jahren getroffen habe. Für dich? Vielleicht. Aber hauptsächlich für mich. Denn ich möchte nicht, dass jemand Entscheidungen für mich trifft. Jeder trifft alle seine Entscheidungen für sich selbst. Und wenn ich das in einigen Tagen auch noch so sehe, dann werde ich dir eine neue Email schicken. Ob mit oder ohne Ankündigung, mich zu verändern. Denn da spricht vermutlich der Bock in mir. Ich brauche Klarheit, und möchte nicht nur aus Trotz sagen: „Lerne mit den Konsequenzen deiner Entscheidungen zu leben. Akezptier' einfach, dass du meine Welt zerstört hast.“

08.03.2017 um 03:40 Uhr

Glückliche Menschen sind Egoisten

von: indalo

Dieser Gedanke, nein, diese Erkenntnis kam mir gerade. Und das kann gemein klingen, ist es aber nicht unbedingt. Glückliche Menschen sind Egoisten. Als ich vor ‘nem Jahr hier etwas dazu schrieb, wie glücklich ich bin, hieß es, dass das sehr harte Worte waren. Auch da wusste ich, wie das gemeint war. Jetzt stehe ich nur auf der anderen Seite und diese harten Worte werden mir gesagt. Also ist es an der Zeit, meine Sachen zu packen. Denn du bist glücklich. Der Mensch, der für mich erreichbar und zeitgleich vermutlich einer deiner intensivsten Gesprächspartner ist, sagt das. Du bist auf dem richtigen Weg. Und da ich mir nicht vertrauen kann, werde ich auf diese Aussage vertrauen. 

Egoisten sind scheiße. Du bist so etwas von scheiße geworden, dass egoistisch die treffendste Bezeichnung ist. Ergo, du bist glücklich. (Und nein, diese Rechnung geht nicht immer auf.)

Und auch ich wünsch dir alles Gute