indalo

30.05.2008 um 19:12 Uhr

Einspurigkeiten des Denkens

von: indalo

Wie einspurig mein Denken doch manchmal ist. Bzw. nicht vorhanden? Vielleicht habe ich nur einfach nicht richtig nachgedacht, vielleicht habe ich zu schnell gedacht. Doch letztlich habe ich nicht gedacht. Ich habe gedacht ohne zu denken. Macht das Sinn? Oder besser gesagt: hat das Sinn? Bestimmt! Denn manchmal denke ich ohne gedacht zu haben. Ich denke, dass etwas so ist wie in meinem Kopf, ohne dass ich die Gedanken erdacht habe, sie sind dann einfach so da. Grundlos nicht unbedingt, aber grundlagenlos. Denn wenn ich meinen Kopf mal ein bissl angestrengt hätte, wäre mir aufgefallen, dass das alles gar nicht so aussichtslos ist. Dann wäre mir vielleicht auch aufgefallen, dass ich im Grunde noch gar nicht angekommen bin. Jetzt erst, nach all den Wochen, hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Körperlich bin ich schon lange hier, funktionieren tue ich auch, doch ich, ich selbst, der Mensch der ich bin und das, was mich ausmacht, das war noch woanders. Ganz woanders und ganz weit weg.

Wow, was für ein Gefühl. Es ist ein schönes Gefühl. Gestern schon lief ich durch die Straßen, vergeudete im Grunde genommen meine wertvolle Zeit, doch... es störte mich nicht und widerstrebte mir auch nicht. Es war schön. Es tat gut. Ich fühlte mich gut. Nichts konnte mein Wohlbefinden beeinträchtigen. Weder ein verlorener USB Stick, noch das Thema, was mich die Tage zuvor zum Kochen brachte, konnte mir etwas anhaben. Ich fühlte mich frei - aber nein, meine langfristige Aufgabe, vor der ich mich schon so lange erfolgreich drücke, habe ich nach wie vor nicht erledigt.

Ob es am Wetter liegt? Denn... täuscht es, oder regnet es zur Zeit sehr wenig? Trügt mich meine Erinnerung so sehr? Ist Deutschland nicht das Land des Regens? Wo es ständig gießt oder zumindest nieselt? Ich hatte in den letzten Wochen keine bösen Gedanken gegenüber dem Wetter, im Gegenteil, oftmals legte es die Grundlage für mein morgendliches Aufstehen. Herrlich, einfach herrlich!

29.05.2008 um 14:22 Uhr

Eine kleine Geschichte

von: indalo

Tina ist eifersüchtig auf Hanna, weil Hanna mehr Zeit mit Suse verbringt. Im Grunde genommen kennen Tina und Hanna sich gar nicht, aber Suse erzählt Hanna viel von Tina und umgekehrt. Und so beschließt Tina Hanna nicht zu mögen. Hanna kann nichts dagegen unternehmen und akzeptiert es einfach. Wenn Tina und Hanna sich aber begegnen, spürt Hanna Tinas Abneigung. Ungeachtet dessen bemüht sie sich aber um einen neutralen Umgang. Dann macht Tina Werbung und aus geschäftlichen Gründen wirbt sie auch bei Hanna. Als Hanna entgegnet, dass sie dem Wunsch schon vorher nachgekommen ist, reagiert Tina mit den Worten "Willst du jetzt nen Orden?". Hanna freut sich über diese kesse Reaktion und antwortet mit "Wenn er aus Schokolade ist liebend gerne". Keine Reaktion. Erst Suse klärt Hanna darüber auf, dass Tina das alles andere als freundlich meinte.

Jetzt bleibt die Frage: Ist Hanna naiv und gutgläubig oder optimistisch und hoffnungsvoll?

28.05.2008 um 16:22 Uhr

Lustlos

von: indalo

Ich drehe mich im Kreis. Ich will dies, ich will das. Und ganz nebenbei möchte ich natürlich noch diesda. Jaja, ich überfordere mich selbst ganz gerne, und das auch öfter mal - weiß ich doch. Und ich möchte mich auch gar nicht beschweren. Dazu gibt es viel zu viele Menschen die es schwieriger haben als ich. Ich bin gesund und munter, auch eher fit als schlapp. Ich tue das, was ich mir ausgesucht habe und bin auch zufrieden mit den Ergebnissen. Irgendwie wird alles, irgendwie wird immer alles. Doch allein die Tatsache, dass ich mit tagtäglich mehrmals sage "Alles wird gut" sagt schon aus, dass irgendwas nicht gut ist. Doch es ist gut. Mir geht's gut. Nur andere machen sich nichtsdestotrotz Sorgen, und dann muss ich sagen "Alles wird gut". Warum macht man sich Sorgen? Das will ich doch gar nicht. Ich gebe zu, es widerstrebt mir nicht, wenn andere wissen, wieviel ich gleichzeitig mache(n muss), aber doch nur, damit sie nicht über das jammern, was sie tun müssen, wenn es doch so offensichtlich einfacher ist. Ich mag jammernde Menschen nicht, wenn sie im Grunde keinen Anlass dazu haben. Deswegen mag ich mich auch öfter mal nicht, wenn ich meinen Jammrigen habe. Sicherlich darf und auch soll jeder mal jammern, aber doch nicht fortwährend, und auch nicht über Lappalien.

Nunja, und so jammere ich jetzt nicht über mein Leben, sondern rede, bzw. schreibe darüber. Mal hektisch, mal ruhig. Mal beobachtend, mal lebend. Immer abwechselnd, so hoffe ich doch. Man muss nicht das ganze Spektrum nutzen, aber ein wenig Abwechslung sollte schon vorhanden sein.

Ich habe die angekündigte Email doch nicht geschrieben. Ich habe auch sonst noch ein paar Dinge nicht getan, die ich eigentlich schon längst getan haben wollte. Vielleicht sollte ich sie jetzt schreiben. Doch wenn ich das tue, vernachlässige ich wieder etwas anderes, was ich jetzt in diesem Moment tun wollte. Genauso wie mich das Blogschreiben davon abhält...
So, die Email selbst habe ich noch nicht verfasst, aber ich habe so eben angekündigt, dass ich etwas zu sagen habe. Und wenn er interessiert daran ist, bin ich also gezwungen, meine Meinung kundzutun und werde dies dann natürlich auch machen.

Da stand noch mehr auf meiner imaginären Liste, nicht wahr?
So, die nächste lang Email ist auch raus. Ich seh schon, die eigentliche Aufgabe, die für diesen Zeitrahmen geplant (weil am eiligsten) ist, wird wieder nicht angegangen... Das mag an einer Unkoordiniertheit liegen, oder schlicht weg daran, dass ich so gar keine Lust dazu habe...
Ich sollte... ich sollte einfach anfangen und es hinter mich bringen... doch es gibt kleine Dinge die mit der Zeit immer größer werden und irgendwann wie riesengroße und beängstigende Berge vor einem liegen... so ist es auch dieses mal...

25.05.2008 um 20:04 Uhr

Ich bin ein Hamster

von: indalo

Im Ernst. Es ist nicht mein Lieblingstier, und ich hatte auch nie einen. Aber wenn ich ein Tier bin, dann wohl ein Hamster. Warum? Weil ich Hamsterbacken habe. Nicht im figürlichen Sinne, nein, sondern im Sinne des Sicherheitsvorrates. Egal wann man bei mir in die Tür fällt, egal ob ich vorgewarnt wurde oder nicht, ich habe immer jede Menge zu essen zu Hause. Wenn hier ma nen Atomkraftwerk explodiert, würd ich mindestens eine Woche lang noch unverstrahlt essen können. [Dass man die Strahlen nicht nur übers Essen aufnimmt, ist mir durchaus bewusst.] Ich kann einfach nicht bis Null runterwirtschaften. Auf meinem Konto liegen auch immer mehr als 100€ rum. Denn es soll mir nie passieren, dass ich plötzlich blank bin und ich auf andere angewiesen bin. Es soll mir aber auch nicht passieren, dass ein Freund Hilfe nötig hat, und ich sie ihm nicht bieten kann, weil ich so hart an der Grenze wirtschafte. Nein, nein, nein. Das wär nichts für mich. Ein Sicherheitspolster ist das A und O für mich. Ob im kleinen Sinne oder im großen.

 

Ich hatte öfter mal ne Diskussion mit ner befreundeten Person, wie man denn mit Geld umgeht. Vieles davon ist wohl anerzogen oder sonst wie aus der Kindheit mitgenommen. Wenn die Eltern nicht mit Geld umgehen können, wie kann ein Kind das dann lernen? Meine Eltern konnten immer mit Geld umgehen, es war zwar nie viel da, aber das was da war, wurde richtig genutzt. Man muss keine Designer Klamotten haben, man muss auch nicht ständig essen gehen. Ab und zu mal nen Eis, aber doch nicht jeden Tag ne Tüte Süßigkeiten im Schulkiosk kaufen. Hier mal nen kühles Getränk an nem heißen Sommertag, aber grundsätzlich nur in normalen Einkaufsläden, nicht aber ständig der kleine schicke Laden am Bahnhof, in dem alles doppelt so teuer ist. Nein, nein, das muss alles nicht sein. Und so geh ich richtig einkaufen und lager die Sachen dann bei mir zu Hause. Freitag Abend 19:50 und ich hab Hunger auf ne Tüte Chips? Kein Ding, liegt im Schrank, muss ich nicht zum dichtesten Laden springen und was teures holen. Sonntag früh Gelüste nach nem Mittag, an das man Samstag noch nicht denken konnte? Null Problemo, alle Varianten machbar. Es gibt nen Angebot für Hackfleisch? Na, dann nehmen wir doch gleich mehr, einfrieren geht auch. Und so spart man T€uro um T€uro, sodass man ihn irgendwann doch wieder €uro nennen kann.

23.05.2008 um 16:52 Uhr

Letzte Nacht

von: indalo

Gestern Abend ging ich ins Bett um zu schlafen. Logisch, nicht wahr? Gut, man kann auch aus anderen Gründen ins Bett gehen, aber darauf wollte ich gerade nicht eingehen. So legte ich mich hin und wollte mir eine gesunde Portion Schlaf holen. Doch es war wieder eine der Nächte, die sich kürzer gestalteten als ich erhoffte. Ich lag noch lange wach. Ich war zu müde um aufzustehen, meine Augenlider waren auch schon verklebt und so vermochte ich nichts produktives mehr zu Stande zu bringen. Doch meine Gedanken wollten noch etwas von mir.
Der Tag war lang, der Tag war anstrengend. Im Grunde hätte ich erschöpft umfallen müssen. Doch selbst dieser Dosis an Stress folgt nicht zwangsläufig eine kurze Einschlafphase. Nein, denn mit irgendwas war ich unzufrieden. Einerseits hatte ich eine traurige Erkenntnis. Mir ist so, als hätte dieser Gedanke schon mal meinen Kopf gestriffen, aber gestern tat’s nicht gut, gestern traf es mich auf eine unschöne Art. Ich kann nichts mit meinen engsten Freunden unternehmen. Ich werde (aus meiner derzeitigen Situation herausbetrachtet) nie mit meinen beiden besten Freunden zu dritt losziehen können. Nicht zu dritt. Wir können alle drei unterwegs sein, mit dem selben Ziel und dem selben Weg, doch wir werden nie zu dritt sein. Wir werden immer zwei und einer sein. Es wird immer ein sie und ein ich geben. [Sicherlich sollte man jedes immer und jedes nie in Anführungszeichen setzen, doch es geht gerade um das Jetzt.] Egal wie lieb ich sie beide habe, egal wie wichtig ich jedem Einzelnen bin, egal wie wir unterschiedliche Zweierkombis zustande bringen, und auch egal, wie gut ich sie unabhängig voneinander kennen gelernt habe, ungeachtet all dessen – denn es ändert alles nichts – wird es immer so sein, dass ich das dritte Rad am Wagen bin. Nicht weil sie sich so verhalten, sondern schlichtweg weil es so ist.

 

Und andererseits – irgendwo weiter oben versteckt sich ein einerseits – drehten sich meine Gedanken um Jemanden. Ich kenne diesen Menschen nicht gut, und schon gar nicht lange. Ich habe ihn bisher keine 10mal gesehen, und unsere Begegnungen waren alles andere als besonders. Sie fallen unter die Verpflichtungen des Lebens. Einmal die Woche trifft man sich in einem Raum mit 40 anderen Menschen. Ich werde ihm nicht einmal aufgefallen sein. Und doch kreisten meine Gedanken letzten Nacht einige Stunden um ihn und die Dinge, die ich ihm sagen möchte. Ich bin nicht wütend auf ihn – das wäre bekanntlich auch ein guter Grund, wach zu bleiben – und ich habe auch sonst keine spezielle Meinung zu ihm. Er ist da, mehr nicht. Doch jetzt tut er mir leid. Er wirkt so unsicher, so hilflos, ja gar inkompetent. Doch wer bin ich, dass ich ihm sagen möchte, was er besser machen könnte? Wieso maße ich mir an, besser zu wissen, was er schon längst wissen sollte? Woher nehme ich mir das Recht, ihn belehren zu wollen statt von ihm etwas zu lernen?

22.05.2008 um 19:32 Uhr

Überforderungsgefühl

von: indalo

Es ist wieder so weit, ich fühle mich überfordert. Ich bin es nicht, nein, denn noch gelingt mir ja alles. Aber gefordert bin ich, und das sogar sehr. Hier den einen Vertrag unterschreiben, da wartet der nächste. Erst A anrufen, um B fragen zu können, was C dann bestätigt, aber wenn C nein sagt, geht B auch nicht, und das ganze im Kreis telefonieren geht von vorne los.

Persönliche Differenzen werden auf Eis gelegt, bald gibt's ja den nötigen Abstand. Irgendwann wird's geklärt, entweder richtig, oder von allein. Es wird auf jeden Fall wieder verändert, anders also. Besser würd ich glatt sagen. So soll's nicht weitergehen.

So soll es im Allgemeinen nicht weitergehen. Und im Grunde weiß ich das schon lange, nur immer mal wieder ende ich hier. In diesem Zustand des Chaos. Ein Chaos mit dem ich leben kann, ein Chaos, das ich kurioser Weise noch überblicke, manchmal sogar stolz darauf bin. Ja doch, ich gebe es zu, ich bin stolz darauf all das hinzubekommen. Man könnte fast sagen Organisationstalent, doch da tönt ja mit, dass ich organisiert oder gar ordentlich wäre, was wiederum nicht zutrifft. Egal, ich drehe mich weiter im Kreis wie der Brummkreisel, und ich fühle mich nicht schlecht dabei. Das ist ein Teil von mir, das bin ich. Ich muss mich dann auch nicht setzen und runterkommen, denn dann würde alles zusammenbrechen. Dann würde ich zusammenbrechen.

Verrückt. Widersprüchlich. Schön und gut, gestresst und vollkommen ruhig. Ich könnt's nicht richtig beschreiben, würde immer wieder widersprechen, wenn jemand anders zusammenfassen würde, was in mir vorgeht. Denn es ist nicht so, aber auch nicht so und am allerwenigsten so. Es ist. Ich bin. Das war's. Nicht mehr, nicht weniger.

19.05.2008 um 10:39 Uhr

Was ist ein Kompromiss?

von: indalo

Was ist ein Kompromiss? Was versteht man unter dem geflügelten Satz „man muss auch mal Kompromisse eingehen“? Heißt das, ich soll etwas aufgeben, woran mir gelegen ist? Oder reicht es, wenn ich stattdessen was anderes anbiete?

 

Grundsätzlich bin ich der Meinung ein kompromissbereiter Mensch zu sein. Ich dachte immer, mein ganzes Leben besteht aus Kompromissen, gar selten setze ich durch, was ich möchte. Doch letztes Jahr wurde mir mehrfach vorgehalten, ich gehe keine Kompromisse ein, ja schon vor Jahrzehnten hieß es, ich würde scheuklappenblind durchs Leben laufen und immer nur eine Variante sehen. Ist das wirklich so?

 

Für mich bedeuten Kompromisse, etwas zu tun, was man von sich aus nicht tun würde. Für oder wegen jemand anderem etwas tun, was man ohne ihn nicht getan hätte. Aber es stimmt, ein Kompromiss beinhaltet für mich nicht zwangsläufig das Aufgeben einer meiner Pläne. Vielleicht eines Wunsches, einer Vorstellung, aber ein schon gemachter Plan wird nicht so leicht übern Haufen geworfen.

 

Wo ist also der Haken, den ich nicht sehe? Welche Art von Kompromissen gehe ich nicht ein? Was nehme ich nicht wahr?

18.05.2008 um 12:20 Uhr

pärchenhafte Pärchen

von: indalo

Wenn die Pärchen von heute nicht so pärchenhaft wären, würden sich die Singles auch nicht so miserabel fühlen.
Dies ist meine neueste Erkenntnis. Womöglich ist sie gar nicht so neu, aber sie kam mir erneut. Und manches sieht einfach neu aus, wenn man es von einem anderen Standpunkt betrachtet. Oder in einer anderen Situation.

 

Mein Leben lang (haha, so lang ist es ja noch gar nicht) hatte ich kein Problem als einziger Single irgendwo zu sein. Es hat mich nie gestört, dass um mich herum nur Pärchen waren. Es ging mir auch nicht gegen den Strich, wenn mir meine Freunde, ob Jungs oder Mädels, Männer oder Frauen, rund um die Uhr von ihrem Schwarm bzw. Partner erzählten. Andere Singles haben das nicht verstanden. Mir wurde oft unterstellt, ich würde nur so tun, als störe es mich nicht. Und das wiederum hab ich nicht verstanden. Es hat mich wirklich nicht gestört. Ich habe nichts runtergeschluckt, ich habe es nicht nur ignoriert. Da war einfach kein Groll.

 

So lief es jahrelang. Meine Freunde führten immer längere Beziehungen, zogen zusammen und heiraten mittlerweile auch schon. Selbst als ich verlassen wurde, empfand ich kein... wie soll man sagen? Komisches Gefühl gegenüber Pärchen. Dann kam eine Zeit, in der ich auf einmal Singles kannte – mal was neues. Wir hatten unsere eigene Umgangsart. Wir konnten gemeinsam blöde Sprüche über Paare ablassen, uns künstlich aufregen und Spaß haben. Doch wenn ich mal innegehalten hätte, wär mir aufgefallen, dass das gar nicht so gemeint war. Klar wurde es mir, als mein Leben mich wieder einholte und eine sehr gute Freundin mir von womöglichen Hochzeitsplänen erzählte. Da trat mich die Realität. Mir fiel auf, wie sich mein Leben verändert hatte, auch wenn es nur eine Phase war. Vorher war mir nicht bewusst, wie es eine andere Richtung eingeschlagen hatte. Keine schlechte, keine bessere, einfach nur total anders. Doch dieser Weg wurde wieder verlassen, wir (die Singles) gingen alle in andere Richtungen und ich trat zurück in mein altes Leben. In das Leben umgeben mit ernsten Beziehungen, mit seriösen Zukunftsplänen und ständigem Aufeinanderhocken.

 

Da fällt mir ein, dass es doch mal einen Tag gab, wo ich mich über Pärchen aufregte. Das muss schon fünf Jahre her sein, und verschwand auch wieder sofort. Da hab ich eine Woche mit einer Zicke verbracht, weil meine Freunde paarweise (im Sinne von Beziehungspartnern) die Flucht ergriffen und ich allein zurückblieb. Zu allem Überfluss saßen mir dann noch stundenlang knutschende Pärchen im Blickfeld, als wir Filme guckten. Normalerweise kann man ja zwischen den Köpfen durchgucken – nur leider nicht, wenn sie alle zehn Sekunden rumknutschen. An dem Abend wetterte ich dagegen, ich erinnere mich noch genau. Aber nächsten Tag war alles vergessen und wie immer.

 

Und so musste ich gestern feststellen, dass es manchmal kein so schönes Gefühl ist, das dritte Rad am Wagen zu sein. Bisher kam ich auch damit klar, habe oft was mit nem befreundeten Pärchen unternommen. Doch gestern traf es mich. Wir waren unterwegs im Heide Park. An sich ne tolle Sache, doch jeder, der schon mal zu dritt dort gewesen ist, wird verstehen, was ich meine, wenn ich sage, dass der Heide Park auch seine Tücken hat. Die meisten Fahrgeräte haben zwei Plätze nebeneinander. Wunderbar für Pärchen. Ganz herrlich, um andere auszugrenzen. Ich erinnerte mich daran, schon mal zu dritt dort gewesen zu sein. Kein Problem, bin ich halt immer allein oder mit Fremden gefahren, hat mich nicht gestört. Ich bot es den anderen sogar an, dass sie jedes Mal zusammen sitzen können. Hätte ich auch gestern gemacht. Bzw. war für mich selbstverständlich, denn diesmal war es sogar ein Paar, und nicht nur zwei Freunde. Als sie mich dann aufforderten, mich woanders hinzusetzen, damit sie während der allerhöchsten einminütigen Fahrt zusammen sitzen können, dacht ich zwar schon „sie hätten’s das eine Mal auch überlebt, aber was soll’s“. Da störte es mich nicht. Ich merkte zwar schon, wie ich das Foto anguckte und mir dachte „sie halten nicht mal Händchen“, aber nahm das noch mit nem Achselzucken hin. Als mir die eine dann aber – ich vergaß leider in welchem Zusammenhang – in einem blöden Ton an Kopf warf „man redet doch eh nicht, ist doch egal, neben wem man sitzt“ entglitten mir die Gesichtszüge. Nein, das wollte ich da nicht diskutieren, aber mein Gesicht sprach wohl Bände. Sie war irritiert, wusste nichts mit meinem Blick anzufangen, und ich konnt’s nicht mehr rückgängig machen. Wir einigten uns wortlos darauf, es dabei zu belassen, doch ich fürchte, ich muss sie drauf ansprechen, einfach um es einmal gesagt zu haben. Denn sie hat vollkommen Recht, es ist völlig wurscht, neben wem man sitzt. Es ist nur wichtig, mit wem man da ist, mit wem man den Tag verbringt. Doch zu sagen, dass es anderen doch egal sein kann, wenn man selbst nen Aufstand drum macht, seh ich nicht ein.

 

Merken die Pärchen von heute nicht, wie sehr sie aufeinander hocken? Wie sie aneinander kleben und dabei sogar sehr gute Freunde verdrängen?

16.05.2008 um 13:27 Uhr

Auf der Suche nach...

von: indalo

Bei anderen Blogianern zu lesen ist oftmals sehr interessant. Doch besonders heute merke ich, wie es mich zunehmen verwirrt. Meine Gedankengänge überschlagen sich ja ohnehin immer mal wieder ganz gerne, und wenn ich dann noch bei anderen lese und somit ja neue Gedankenanstöße bekomme, geht's noch weiter holter die Polter. Ich setzte mich an den Computer mit einem Gedankengang zum Blogschreiben. Dann laß ich bei jemandem und hatte ne neue Idee für den heutigen Eintrag, doch bevor ich sie niederschrieb, laß ich beim Nächsten. Und was passierte? Eine völlig neue Richtung wurde eingeschlagen. Und jetzt weiß ich weder die erste, noch eine der anderen beiden. Jetzt bin ich einfach nur verwirrt und frage mich, was in meinem Inneren gerade so schief läuft.

Ich wachte so gegen 6h morgens auf - mitten in der Nacht für mein Empfinden. Ich drehte und wälzte mich, träumte mal von diesem Gedankengang, mal vom Nächsten. Alles stand irgendwie im Bezug zu aktuellen Situationen, zu Dingen, die mich bewusst oder auch unbewusst beschäftigen.
Ich habe gelernt, dass Dinge, die mich beschäftigen und es doch nicht sollten, gerne wieder in meinen Träumen auftauchen. Also habe ich versucht, mir eizugestehen, dass sie mich beschäftigen, damit ich sie tagsüber in meinen Gedanken verarbeiten kann und nicht nachts, wenn ich mich erholen möchte. Doch nicht einmal das scheint jetzt etwas zu nützen. Mir flattern Gedankenfäden durch meine Träume, die ich doch schon bewusst bearbeite.
Meine Nächte sind bald anstrengender als meine Tage!

Und dann habe ich in diesem ganzen Wirrwarr auch noch die Hoffnung, herauszufinden, was ich möchte? Wie es mir geht? Ich muss wahnsinnig sein! Komplett irre! Ich sitze da und merke, wie meine Laune sinkt, wie ich nüchtern werde und alles rational betrachte. Oder wo ich einfach nur ehrlich zu mir bin? Mir nicht vormache, dass das Leben doch grundsätzlich wunderschön ist und ich glücklich bin? Jetzt taucht wieder diese eine anstrengende Person vor meinem inneren Auge auf, die der Meinung war, mir nicht glauben zu müssen, dass ich glücklich bin. Da war ich glücklich, da war ich wirklich glücklich. Doch wenn ich da glücklich war und es jetzt nicht mehr bin - wo habe ich mein Glücklichsein gelassen? Wo ist es verloren gegangen?

12.05.2008 um 19:29 Uhr

Es ist vorbei

von: indalo

Es ist vorbei. So richtig vorbei. Ein für alle Mal. Ich... sah es in den letzten Tagen kommen und wollte es nicht wahrhaben. Befürchten tu ich es schon seit Wochen, und zwar wirklich fürchten. Und vor einigen Monaten machte ich die Feststellung, dass dies das Schlimmste ist, was mir derzeit passieren kann. Vor genau einer Woche schrieb ich schon davon, dass man dies nie denken sollte. Ich bleibe dabei, es darf nicht im Kopf umherfliegen. Doch damals war ich mir dessen nicht bewusst, damals war es nur dazu gedacht, zu unterstreichen, wie gut es mir geht. Ich wollte einfach nur zeigen, dass mir nichts passieren kann, denn eben jenes Ereignis hielt ich nicht für möglich.

 

Und nun ist es geschehen. Er ist ausgezogen, sie haben sich getrennt. Die Beziehung ist beendet, der Schlussstrich wurde gezogen. Und es haut mich um. Es nimmt mir so viel von dem, wofür ich seit einigen Jahren gekämpft habe, genauso wie es mir Dinge nimmt, die mir plötzlich geschenkt wurden. Und es nimmt mir Hoffnung. Hoffnung auf Liebe, Hoffnung auf das Ändern einiger Menschen... es macht mir Angst, setzt mich unter Druck und gibt mir ein unwohles Gefühl. Es zerstört mich, von innen heraus. Es reiht sich in die Dinge ein, die an mir fressen und es nicht sollten. Es gehört zu den Dingen, bei denen mein Umfeld nicht versteht, wieso es mich so trifft. Verdammt, die alten Verhaltensmuster, sie scheinen wieder aufzutreten. Ich bekämpfe sie, steuere bewusst dagegen an und spüre, wie ich auf einer bestimmten Ebene nachgebe. Und ich wünschte, ich könnte sagen „das wird nicht passieren, das will ich nicht“, doch das wäre gelogen...

 

...was wirklich noch erwähnenswert wäre, ist die Tatsache, dass ihre Beziehung weiter oben auf meiner Prioritätenliste stand als meine eigene. Denn als ich dachte „das schlimmste, was mir passieren kann, ist das Ende ihrer Beziehung“, war ich selbst in einer Beziehung. Ich habe mein Leben und meine Gefühle mit jemanden geteilt, der dies nicht zu schätzen wusste und mich letztlich auch verließ. Das war sicherlich nicht schön, aber es war etwas, womit ich umgehen konnte, etwas, dass mein Leben zwar veränderte, aber nicht aus der Bahn warf. Jetzt ist es schlimmer, jetzt gleicht das Ende der Beziehung einem Weltuntergang...
Verrückt, wie ich mir aus dem Leben und Wohlbefinden Anderer mehr mache als aus meinem eigenen!

11.05.2008 um 23:54 Uhr

Gilmore Girls

von: indalo

Ich habe soeben die letzte Folge der letzten Staffel von Gilmore Girls gesehen (und davor noch so'n paar...). Jetzt geht es mir... emotional. Ich habe ja nun schon vor einiger Zeit erkennen müssen, dass auch ich so etwas wie Emotionen habe, und die sich doch ab und an in Form von Sturzbächen äußern können. Unglaublich, aber wahr. Und so habe ich des öfteren die ein oder andere Träne geweint, als ich mir die Gilmore Girls anschaute. Mal im Schönen, mal im Traurigen... und jetzt im Abschied. Abschied bedeutet so viel, und kann auch so verschieden sein. So auch diese letzte Folge. Sie geht in die große weite Welt hinaus und die ganze Kleinstadt schmeißt ne Party für sie. Alle sind dabei, alle sind gerührt. Und wieder einmal frage ich mich, was in meinem Leben so anders lief. Einmal waren alle traurig als ich ging, und da war klar, dass ich wiederkomme. Doch seitdem... ist niemand mehr traurig. Ich gehe, und keiner merkt's. Ich komme wieder, und alles ist wie vorher. Als wäre nichts gewesen. Es ist aber etwas gewesen, es ist so viel gewesen. Monate sind ins Land gegangen, die Welt hat sich verändert, ich habe mich verändert. Und niemand scheint es zu bemerken... nicht mal ich selbst.

Achja, die Gilmore Girls. Sie machen so viel richtig, sind in so vielen Dingen ein Vorbild. Sie sind für mich eine Art leben. Sie haben mich in einigen Schriten meines Lebens begleitet, mir ab und an ne andere, vielleicht deutlichere Sichtweise verschafft. Manches Mal stimmten sie mich wohlgesonnener gegenüber bestimmten Personen. Aber ab und zu, da machten sie das Leben auch schwieriger und schmerzhafter. Sie hatten etwas, was ich wollte und doch nicht bekommen konnte. Sie zeigten eine heile, wenn auch kaputte Welt. Genau weiß ich nicht, wie ich zu all dem stehe, aber irgendwas wollte ich loswerden...

...und das alles so passend zum Muttertag

09.05.2008 um 14:13 Uhr

Nervös...

von: indalo

...bin ich. Irgendwie. Nicht richtig. Ich will's nicht sein. Cool will ich sein, gelassen und ruhig. Doch es gelingt mir nicht. Den ganzen Tag schon sitze ich da und merke, wie sich in mir etwas überschlägt. Wenn ich reden müsste, würde ich quietschen. Peinlich! Und keiner merkt's, denn es geht nur in meinem Kopf vor.

Je weiter der Tag voranschreitet, desto mehr merke ich es. Es ist nicht zu unterdrücken. Ich bin nicht cool, ich bin nicht gelassen. Ab dem Moment, in dem sie vor mir stehen wird, die ersten Worte gewechselt sind, von da an werd ich wieder normal. Doch bis dahin muss ich mich ablenken. Den Weg zur Straßenbahn ruhigen Schrittes gehen und dabei auf meine Knie einreden, dass sie nicht nachgeben. Wackelpudding, wie kann ein Mensch aus Wackelpudding gemacht sein?

Also gut... wagen wir es... wir haben schon schlimmere Wege beschritten, das Herz hat auch schonmal schneller geschlagen und es standen schon schwerwiegendere Dinge auf dem Spiel. Doch es nützt alles nichts, nicht wahr? Denn egal was schon hinter einem liegt, das vor einem löst sich dennoch nicht in Luft auf.

Ach, was mach ich mir vor? Ich versuche doch nur, Zeit zu schinden... mir Mut zu machen... mich zu beruhigen... Komm wieder runter und mach den ersten Schritt!!

06.05.2008 um 19:55 Uhr

Unausgesprochene Dinge

von: indalo

Ich mag sie nicht, diese unausgesprochenen Dinge. Ich bin dafür, alles aufn Tisch zu packen. Sicherlich gibt es Moment, wo manches nicht angebracht ist, aber deswegen sollte es nicht untern Teppich gekehrt werden. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und natürlich gibt es auch Ausnahmen, Dinge, die man nicht unbedingt gesagt haben muss, aber das Grundprinzip lautet: Sprich aus, was dich beschäftigt.

 

Und bis eben dachte ich, gäbe es diese Dinge zur Zeit nicht. Bis eben saß ich tagelang da, ohne zu wissen, womit ich mein Tagebuch füllen soll, weil es einfach nichts zu erzählen gibt. Bis gerade eben staunte ich darüber, dass ich nicht mal wirklich Stoff für meinen Blog habe. Etwas, das vor 3 Monaten nicht so war. Da war alles anders, da war ich anders. Doch darum geht es gerade nicht. Es geht vielmehr um die Gegenwart, um das Gefühl, das mich gerade beschleicht.

 

Der Satz einer Freundin „kann es angehen, dass ich dich manchmal nerve?“... und kurz vorher fragte ich sie, was in ihr vorgeht, was sie beschäftigt, ob es ihr gut geht – denn herrje, ja, ich mache mir seit ein paar Tagen Gedanken darum, was los sein könnte. „Nichts“, sagte sie, „alles gut.“ Und dann, ohne Zusammenhang dieser Satz, kaum dass man sich den Rücken gekehrt hat. Also war die Antwort zuvor nicht ehrlich? Und das obwohl ich so explizit nachfragte – zum zweiten Mal! Mehr als Fragen kann ich nicht. Und meine Antwort? „Je nachdem, wie es gemeint ist, aber joa, genervt bin ich schon ab und an.“ Das schlechte Gewissen schleicht sich von hinten heran – hätte ich sie drauf ansprechen sollen? Vielleicht. Doch ich wollte nicht. Sie fragte mich „Wie geht es dir?“ – „Bestens.“ war meine Antwort. Denn so ist es, es geht mir bestens. Das heißt nicht, dass es nichts gibt, was mich stört, aber es heißt, dass mein Grundempfinden gut ist. Jetzt nicht mehr. Vorhin noch. Vielleicht hätte ich es von mir aus sagen sollen, vielleicht hätte ich mit den Dingen anfangen sollen, die mir alle paar Tage mal aufstoßen. Doch wieso immer ich? Wieso muss immer ich den Anfang machen? Sie kann auch mal!

 

...und ich trage die Konsequenzen, denn mir geht es jetzt so. Meine Laune sank in dem Moment, wo ich sie wiedersah, nicht ihre. Nein, meine. Verdammt, ich will was durchsetzen, etwas klarkriegen innerhalb unserer Beziehung und stell mir damit selbst ein Bein. Wie blöd muss man sein? So blöd! Genau so blöd wie ich gerade.

 

Und jetzt möchte ich mich rechtfertigen, mich erklären. Ich möchte die Arme verschränken und sagen: Aber das was mich stört, ist doch nur, dass sie nicht sagt, wenn sie was stört. Mich würde gar nichts stören, wenn sie nicht einfach mal was sagen würde, wenn ich etwas falsch mache. Stattdessen lässt sie es mich weitermachen, stattdessen ärgert sie sich still und leise weiter. Wo soll denn das hinführen? Was soll denn das bringen? Verdammt. Ich habe das innige Bedürfnis, sie mir zu schnappen, irgendwo hinzusetzen und das jetzt zu diskutieren. Doch was schießt mir im selben Moment durchn Kopf? „Wann immer was passiert ist, war es der denkbar schlechteste Moment“, ihre Aussage. Und so ist es mit heute wieder. Hätte es nicht gestern sein können? Oder morgen?

05.05.2008 um 18:02 Uhr

Selbsterfüllende Prophezeiung

von: indalo

Es ist Sommer. Bei mir ist offiziell Sommerlaune eingekehrt und ich weigere mich – bei allem, was mir bevorsteht – sie wieder herzugeben. Das Leben ist wie es ist, voller Höhen und Tiefen, und doch fliege ich. Sicherlich, vor nicht allzu langer Zeit gab es ne Bruchlandung, und es war auch nicht die letzte, doch ich werde weiterfliegen. Wie ein Freund gerade zu mir meinte „bezeichne dich als Glückskind und du wirst Glück haben. So war es bei mir auch, ich sagte, ich hätte Glück und schon hatte ich es auch.“ Er hat Recht, so funktioniert das. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt es sich, zumindest aus der psychologischen Sicht. Ich würde gerne noch die These anbringen, wo man durch eben diese Einstellung zum Leben verstärkt auf die positiven Dinge achtet, die einem widerfahren. Ich kann jeden Tag darüber nachdenken, was mir schon wieder schlimmes passiert ist, ich kann stattdessen aber auch über die tollen Momente nachdenken. Tolle Gedanken, tolles Gefühl, tolles Leben. Das ist die Schlussfolgerungskette. So einfach, so simpel.

 Und, um Himmels Willen, denke bloß niemals darüber nach, was das Schlimmste ist, was dir passieren kann. Denn die letzten Male, die ich dachte „oh wie ist das alles schön, es klappt alles wie am Schnürchen. Nur diese Sache könnte mich jetzt umhauen, und das gleich mit Karacho.“, da passierte es auch schon. Mir wurde genau das genommen, was mir meiner Meinung nach das größte Glück bescherte, bzw. den größten Stress verursachen würde, wenn es weg wäre. Also bloß nicht an die Dinge denken, die schlecht laufen könnten, denn sie laufen auch dann schlecht, wenn man es nicht für möglich hält. 

03.05.2008 um 11:53 Uhr

Begegnungen sind wie Sanduhren

von: indalo

Bei jedem Menschen, dem wir begegnen läuft der Sand dieser Begegnung in unsere Hände. Dabei liegt es an uns, ob wir einfach nur die Handflächen geöffnet halten, die Finger geschlossen, oder gespreizt sind. Bei für uns wertvollen Menschen, oder denen die wir lieben bilden wir eine Schale, um die Berührung mit dem Sand des Anderen lange zu spüren. Beim Gegenteil drehen wir die Hände sogar um und lassen die Sandkörner auf unsere Handknochen prasseln, wobei das uns selbst sicher ebenso schmerzt.

Sobald wir das erkannt haben, werden wir immer seltener unsere Hände umdrehen und vielleicht manche erstaunliche Erfahrung machen. Es gibt große Sanduhren, die uns eine lange Zeit begleiten, vielleicht ein Leben lang, und es gibt sehr kleine, deren Sand kaum spürbar ist. Es gibt sie in allen Größen. Eines haben alle gemeinsam. Ob gewollt oder befürchtet, wir können den Sand nicht halten. Mal langsamer, mal schneller wird er durch unsere Finger rieseln. Und das ist auch gut so, denn nichts, was mit Gewalt gehalten wird ist von Bestand.

Wir können ein wenig pusten, um auch die letzten Krümelchen einer unangenehmen Begegnung von unseren Finger zu entfernen, damit wir frei davon sind. Und wir können unsere Finger schützend um den Sand legen, um ihn ein bisschen länger liebevoll zu betrachten.

Doch halten können wir ihn nicht.

 

(eine Geschichte von Nicole Schrader) 

01.05.2008 um 22:09 Uhr

Wie war dein Tag?

von: indalo

Eine so simple Frage. Es gibt immer eine Antwort, und sie kann nicht falsch sein. Sie ist subjektiv und keiner darf dir widersprechen. Du kannst erzählen, wonach dir ist und verschweigen, was du möchtest. Einfacher geht’s doch gar nicht mehr. Und doch... so simpel diese Frage auch ist, so kompliziert sind die Gedankengänge, die sie in mir hervorrufen. So intensiv sind die Emotionen, die sie auslösen. Woher sie kommen oder was sie bedeuten, weiß ich nicht, fest steht nur, dass ich diese Frage nicht ausstehen kann.

 

So lag ich heute morgen auf der Couch und sinnierte darüber, wieso ich so auf diese Frage reagiere, und wie bekloppt das doch eigentlich ist. Doch vielleicht ist es gar nicht so bescheuert. Ich fragte meine derzeitige Mitbewohnerin und enge Vertraute, und sie gab eine lange Antwort. Mehr als ich erwartet hätte, aber genau das, was ich mir erhoffte. Sie verstand, worum es mir ging, fragte gar nicht erst nach, sondern sagte genau das, was ich hören wollte. Ich fühlte mich besser, doch ausm Kreuzverhör entließ ich mich noch nicht. Denn gesund ist es trotzdem nicht, sich derart darein zu steigern. Also überlegte ich, was bedeutet diese Frage? Was steckt dahinter? Wieso fragt man das?

 

Sicherlich kann sie Interesse bedeuten, doch würde wahres Interesse nicht beinhalten, dass man eine ungefähre Vorstellung vom Tag des anderen hat und somit eine spezifischere Frage stellen kann? Natürlich!

Dann ist es eine Aufforderung zum Reden. Erzähl mir was. Doch wie blöd kommt diese Frage, wenn man gerade fünf Minuten ohne Punkt und Komma geredet hat? Hat man dann nicht gerade genau das erzählt, was einen beschäftigt? Auch wenn es vielleicht eine nichtige Begegnung mit dem Müllmann war?

Und nicht zuletzt verbirgt sich der Wunsch dahinter, dass man gefragt werden möchte, wie der eigene Tag war. Doch ich steh nicht auf solche Spielchen.

 

Komisch, da ich doch grundsätzlich sehr für Spiele jeder Art zu haben bin, besonders kommunikative Spiele. Wortspiele, Ironie, Wortwitz, Sarkasmus, Antwort in Form einer Gegenfrage, stichelnde Provokationen, rhetorische Fragen, und vieles mehr. Man kann so viel mehr mit Sprache ausdrücken als die meisten erahnen. Die Stimmlage, die Sprechgeschwindigkeit, der Gesichtsausdruck, die Sprache (im Sinne von Fremdsprache oder nicht), die Intonation und sämtliche durchdachte Pausen variieren die Aussage manchmal mehr, als beabsichtigt. Sie verraten so viel über den Sprecher und seine Beziehungen zum Gegenüber, sie geben Informationen, die der Sprechende vielleicht verbergen möchte, oder aber auch bewusst reingelegte Interpretationsmöglichkeiten. Ach, das ist alles nur ein Bruchteil dessen, was man mit ihr erreichen kann... und ich bin vom Thema abgekommen *ups*

 

Zurückfinden tue ich gerade auch nicht. Dazu gibt es sicherlich noch viel zu sagen. Doch das muss warten, ein anderes Mal vielleicht. Fest steht, dass man mir diese Frage nicht stellen sollte. Nicht so. Frag mich, was ich tolles erlebt habe, oder erkundige dich nach den missglückten Dingen des Tages. Interessiere dich für das, was ich getan habe, aber frage mich niemals „Wie war dein Tag?“, frag mich lieber „wie war’s?“. Nuancen, die ein ganz komisches Gefühl verhindern können!