indalo

31.01.2010 um 19:05 Uhr

Das Ernie und Bert Prinzip

von: indalo

Dieser Grundsatz gilt in der Liebe, in der Freundschaft und auch immer im Job: Einer ist immer der Ernie und einer der Bert.

Irgendwann waren wir alle mal Ernie. Als Ernie hat man einen großen Kopf und große Stauneaugen, man ist neugierig, freundlich und ziemlich süß. Man sitzt mit Quietscheentchen und Regenschirm in der Badewanne und wartet auf den Wolkenbruch im Bad. Man lässt sein Spielzeug liegen, wo man geht und steht, und wenn man aus dem Haus will, dann nimmt man alle wichtigen Sachen mit: das Entchen, den Hut fürs Entchen, die Kekse fürs Entchen, den Ball und das Märchenbuch – nur an den Haustürschlüssel, an den muss ein Bert denken. Zum Glück hat man solche Berts um sich, die sich um alles kümmern: Leute, die vernünftig sind, die einem erklären, wie die Welt funktioniert und die genau in dem Moment die Augenbrauen mahnend bis zum Haaransatz hochziehen, in dem man selbst am meisten Spaß hat. Meist sind diese Berts einen knappen Meter größer als man selbst und hören auf den Namen Mama oder Papa.
Nun sind Ernie und Bert aus der Sesamstraße in Wirklichkeit keinesfalls Vater und Sohn: Sie sind zwei Freunde, die das Schicksal irgendwie zusammengefügt hat. Ob ihre Beziehung eine sexuelle Komponente hat, sei der Fantasie der Gay Community überlassen. Sicher ist: Sie schlafen in zwei getrennten Betten, sie küssen sich nie, aber sie umarmen sich gern und gestehen sich ihre Zuneigung. Zwei gleichberechtigte Partner – von denen einer ein kindlicher Nichtsnutz ist und der andere vernünftig. Ein Paar, wie es einem überall begegnet: unter Arbeitskollegen, Freunden, Liebenden. Denn überall gilt die Regel: Ist der eine Ernie, wird der andere automatisch Bert, und ist der eine Bert, darf der andere Ernie sein.
Die Ernies in der Schule sind die, die ihre Buntstifte nie rechtzeitig anspitzen und regelmäßig ihre Butterbrote vergessen. Sie lachen dann nett, die Lehrerin verzeiht ihnen, und der Banknachbar schiebt die Hälfte seiner Brote rüber, und zwar die mit der leckeren Marmelade. Haben die Ernies Schnupfen, zücken die Berts neben ihnen die Taschentücher; haben die Ernies nicht gelernt, lassen die Berts sie abschreiben, mit leiser Verachtung im Blick. Man würde keine Ernies zum Klassensprecher wählen, aber lädt sie zu Partys ein – bei den Berts gilt das umgekehrt. Berts werden nicht auf den ersten Blick geliebt, sie werden gebraucht. Ernies kann man nicht gebrauchen, aber jeder liebt sie.

Wer einmal an einer geführten Gruppenreise teilgenommen hat, weiß, wie gut man jederzeit zum totalen Ernie werden kann. Mit großen Augen trottet man hinter dem in die Luft gereckten Regenschirm des Reiseleiters her, verschwendet keinen Gedanken an Himmelsrichtungen, Stadtpläne und Tagesplanung und amüsiert sich dabei nach Kräften. Das Leben als Ernie ist wunderbar: Man schwebt in einer Wolke von Verantwortungslosigkeit und wirkt dabei so sympathisch, dass einem niemand widerstehen kann. Der Nachteil ist nur:
Wenn der Reiseleiter einmal Feierabend macht, findet man kaum mehr allein den Weg zur Toilette.
Aber auch zum Bert wird man schneller, als man sich in jugendlich-erniehafter Unbeschwertheit so ausmalt: Man muss nur mit einem Menschen zusammentreffen, der noch unvernünftiger ist als man selbst. Wenn die eine Freundin hemmungslos flirtet, wird die andere zumindest die schlimmsten Typen mit strengem Blick wieder vom Kneipentisch entfernen. Wenn ein Freund immer den hochprozentigen Cocktail trinkt, nimmt der andere irgendwann das Mineralwasser, einer muss ja fahren. Neigt der überaus kreative und sympathische Arbeitkollege, mit dem man das aktuelle Projekt gemeinsam durchstehen muss, zum Überziehen jeder Deadline und vergisst dabei auch noch, wichtige Dokumente weiterzuschicken, wird man selbst das Gröbste durch beherztes Eingreifen verhindern. Natürlich nicht, ohne gelegentlich ein paar strenge Worte in Richtung des unvernünftigen Kollegen abzulassen.
In größeren Arbeitsgruppen wird schnell klar, wer diejenige ist, die man immer bitten kann, eben noch ein Problem mit dem Computersystem zu lösen. Ist der Bert erst identifiziert, lehnen sich die anderen erleichtert zurück und wenden sich ihren Quietscheentchen beziehungsweise Kaffeetassen zu.
Man sollte dabei nicht glauben, dass Vorgesetzte immer zum Bert-Tum neigten und Untergebene zur Ernie-Seite. Sekretärinnen zum Beispiel sind meist Berts, und ihre Chefs Ernies. Spätestens wenn die Sekretärin ihren hart im Quietscheentchenbusiness arbeitenden Chef ermahnt, regelmäßige Mahlzeiten zu sich zu nehmen, und ihm die Hose in die Reinigung trägt, ist die Ernie-& Bert-Falle zugeschnappt. Wer jetzt an all die Ehepaare denkt, bei denen der Mann wochenends versonnen im Hobbykeller vor sich hin lötet, während seine Frau mit genervtem Gesichtsausdruck Kinder und Haushalt versorgt, liegt richtig. Gerade in Familien mit Kindern fällt die Bert-Rolle oft den Müttern zu, sie haben in den ersten Monaten nach der Geburt ja sowieso kleine Ernie-Traumtänzer zu versorgen, da kann die ernste Miene ja gleich stehen bleiben – und Männer entziehen sich dem Stress durch fröhliches Spiel mit der Eisenbahn oder Aktienkursen. Das heißt nicht, dass Ernie-Tum Männersache und der Bert-Job was für Frauen wäre. Auch in homosexuellen Partnerschaften macht oft einer die Steuer für beide, räumt auf und hat die Finanzen im Blick – während der andere irgendwie lustiger wirkt.

Wen mochte man denn lieber in der Sesamstraße? Ernie natürlich! Als Bert hat man zwar gelegentlich das gute Gefühl, sein Leben im Griff zu haben; man ist erfolgreich im Job, man versinkt nicht im Chaos und steht auch niemals morgens um sieben in Unterhosen ohne Hausschlüssel vor der verschlossenen Wohnungstür. Doch leider wird man von den Ernies oft rettungslos ausgenutzt. Und während man sich über das Chaos der anderen wundert, rutschen einem die Augenbrauen bis zum Haaransatz hoch – und das sieht leider sehr unattraktiv aus. Selbst wenn man, wie Bert, zu Partyzwecken seine Nase abnehmen und sich ans Ohr stecken kann, wirkt man steif und schlecht gelaunt. Doch das Gute ist: Jenseits der Sesamstraße ist niemand immer Bert und niemand immer Ernie.
Weil alle als Ernies geboren wurden, dürfen alle auch immer mal wieder Ernies werden, mit ihrem Quietscheentchen reden, ihre Hausschlüssel verlieren und sich mit einem Regenschirm in die Badewanne setzen. Alle müssen auch mal Bert sein, ihren Schreibtisch aufräumen, ihre Steuererklärung machen und die Ernies in ihrem Leben zur Raison bringen. Und wer das Glück hat, als Ernie oder auch als Bert mit seinem Pendant im Bett zu landen, der möge die wichtigste Regel beherzigen: Beim Küssen aufpassen, dass die Nase nicht abfällt.

30.01.2010 um 21:34 Uhr

Eingeschneit

von: indalo

Heute morgen wachte ich auf. Viel zu früh, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit ich ins Bett gegangen bin. Und ich sah sofort Schnee. Nur Schnee. Ich war eingeschneit. Im wahrsten Sinne des Wortes eingeschneit. Meine Balkontür zu öffnen glich Idiotie. Zweiundzwanzig Zentimeter Schnee standen vor der Tür. Die wären sofort reingefallen. Nein, nein, Lüften war heute keine gute Idee. Es müssen weit mehr als zweiundzwanzig Zentimeter Neuschnee in der Nacht gefallen sein. Unglaublich. Wunderschön. Einfach nur toll.

Ich liebe Schnee wirklich, und ich wünsche den Menschen, dass sie ihn genießen können. So wie die Kinder mit ihren Schlitten durch die Gegend rennen und jubeln. So wie manche Erwachsene sich Skier unterschnallen und durch die Stadt streifen. Skier, in dieser meiner Stadt?! Das hätte ich wirklich nicht für wahrscheinlich gehalten. Doch ich habe heute mehr als eine Person auf Skier gesehen. Und das nur auf der Kreuzung, die mir zu Füßen liegt. Und so oft stehe ich nun wirklich nicht auf um rauszugucken. Erstaunlich.

Autos wussten nicht, wo ihre Fahrbahnen sind, Menschen nutzen lieber die Straße statt den Gehweg um die Anhöhe zu erklimmen und der Nahverkehr wurde komplett eingestellt. Das ist es, worüber die Leute meckern und jammern. Sie entfernen sich von der Natur, wollen sie beherrschen und stellen an Tagen wie diesen fest, dass es ihnen nicht gelingt. Dass sie sich geschlagen geben müssen bei dieser Naturgewalt. Man sollte sich irgendwann damit abfinden. Die Natur bekommt, was sie will. Und wir sollten dankbar sein.

30.01.2010 um 03:11 Uhr

Nachtrodeln

von: indalo

Heute war ein toller Tag. Ein grandioser Tag. Ein erinnerungswürdiger Tag.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am Anfang? Am Morgen? Letzter Tag des Semesters, Scheine sammeln. Da gab’s dann Schwierigkeiten, aber letztlich hab ich die ersten Scheine meines neuesten Hobbies erworben. Erfolgreich, sehr erfolgreich.

Dann zwei Klausuren geschrieben und mit den Leuten Spaß gehabt. Ich gehör da nicht zu, bin Einzelgänger. Immer gewesen. Doch manchmal kann man so richtig Spaß haben. Anonym, ohne Name, ohne Geschichte. Und doch gibt es Namen und Geschichten, wenn auch anders.

Als nächstes nach Hause und zum Essen verabreden bevor's zum Spieleabend geht. Schöner Abend. Die Zeit verflog, ich war nicht müde, nicht erschöpft. Es war nett. Wirklich nett. Vorher hab ich noch mein Geschenk an mich selbst abgeholt. Ich habe es noch nicht ausgepackt. Auch jetzt noch nicht. Das hat Zeit. Heute war schön genug, das kann bis morgen warten.

Zu Hause angekommen, so gegen ein Uhr morgens, sah ich auf meinen verschneiten Balkon. Der Weg vom Transportmittel nach Hause war tief verschneit und ich bin so richtig durch die dicksten Schneeschichten gestapft. Das war toll. Es fühlte sich wunderbar an. Und die Nachwehen dieses Gefühls haben mich dazu verleitet, einen Anruf zu tätigen und zum Nachtrodeln zu animieren. Los ging’s. Schlitten geschnappt, in Unterwäsche durchs Haus um den Skianzug rauszukramen. Und dann los. Ab in den Schnee, wunderbarer Neuschnee.
Am Ziel angekommen begegneten mir drei Herren mit Snowboard. Mit SNOWBOARD. Ich war neidisch, so richtig. Offen wie ich bin, quatschte ich die doch glatt zu und sie boten mir von sich aus an, mal mitm Snowboard runterzufahren. Oh yeah. Traumhaft, genial. Okay, es könnte besser sein, denn Neuschnee fährt sich echt bescheiden und ich bin auch absolut kein Profi. Aber geniale Sache. Ich stand heut aufm Snowboard! Zweimal! Absolut genial.

Nachdem mir das alles aber zu flach war und ich mich auch gleich zweimal – zwei, welch schöne Zahl *gg* - so richtig aufm alten Eis lang gelegt hab, zogen wir weiter zu einem richtig steilen Abhang. Lebensmüde bin ich bei weitem nicht, der Schlitten musste oben bleiben. Auf den Hintern und runter den Hang. Die Nähe zur Natur ist der Reiz. So schob ich eine Bahn frei und dann ging’s ab die Post. Das hat gefetzt. So richtig. Das Erklettern des Hangs hingegen war die Herausforderung des Abends. Aber hey, so konnte man gleich das geschickte Klettern üben. Ich sag’s ja, meine Nacht! Es war toll. Und als man sich den Hintern genug zerrodelt hat und eher kraftlos den Hang heraufkraxelte, stieg man dann zum Runterrollen über. So genial. Der Hang hat den richtigen Grad und die richtige Länge. Gerade wenn es zu schnell wird und man wirklich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, fällt man in den Schneehaufen. Traumhaft. Perfekt. Doch leider muss man ja wieder hochkraxeln. Die letzten Kräfte wurde gesammelt und man rollte noch ein paar Mal den Abhang hinunter. So habe ich das Rodeln kennengelernt. Ich hatte keinen Schlitten, im Bestfall hatte ich ne Plastiktüte. Aber meist ging’s doch eher kullernd den Berg runter. Einfach wundervoll, daran erinnert zu werden. Auch wenn es keine richtige Erinnerung ist, sondern einfach nur ein Gefühl. Ein schönes Gefühl. Ein schöner Tag.


Wer den Schnee nicht liebt, der hat vergessen, was es bedeutet, ein Kind zu sein.

27.01.2010 um 17:47 Uhr

Tage mit Bedeutung

von: indalo

Gestern war ein komischer Tag. Er war... so normal, irgendwie. Und doch so bedeutend. Komisch. Genau wie Montag. Hmm.

Montag früh hab ich ne Klausur geschrieben. Die war in Ordnung. Hab mal wieder viel früher abgegeben. Was sollte ich auch machen, ich war fertig. Und dann ging’s weiter, gute Neuigkeiten abholen. Sie hat bestanden. Sie ist fast fertig. Doch eine Entscheidung musste her. Weiter kämpfen, nicht weiter kämpfen? Was ist wichtiger? Abends hat sie entschieden. Sie hat sich dagegen entschieden, obwohl sie bestanden hatte. Ich bin stolz auf sie und ich glaube, dass es die richtige Entscheidung war. Doch das erzählte sie mir erst gestern. Erst gestern konnte ich mich darüber freuen. Das machte gestern zu einem wichtigen Tag.

Doch zurück zu Montag. Ich ging zu einem Treffen für ein Job. Das war wirklich spannend. Und ich tat dies, obwohl mich am folgenden Tag drei Klausuren erwarteten. Drei. Ungelogen. Und ich bin gespannt, ob ich sie bestanden habe. Alles ist möglich. Bei jeder einzelnen.
Wie auch immer, ich war bei diesem Treffen. Irgendwie kam dabei raus, dass der Job war irgendwie toll wäre, wie für mich gemacht. Nicht perfekt, aber doch schon sehr toll. Doch wenn ich vernünftig wär – und ja, ich sage wär, nicht bin – dann sollte ich ihn nicht annehmen. Es wäre zusätzliche Arbeit, zusätzliche geistige Arbeit, die ich mir nicht aufbürden sollte. Nunja... das wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

So viel zu Montag. Dann kam Dienstag. Drei Klausuren. So weit so gut. Zeitlich habe ich alle drei in einem kleineren Zeitrahmen geschrieben, als er für nur zwei vorgesehen war. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Mir jedenfalls geht’s gut damit. Ergebnisse bleiben wie gesagt abzuwarten. Doch viel spannender als diese Klausuren war ein junger Mann. Ein junger Mann, dessen Gesicht mir zwar bekannt vorkam, mit dem ich aber nie ein Wort wechselte. Er sprach mich an, wollte irgendwas wissen, lächelte. Dann ging er. Soweit, so gut. Das war normal, das war nett, das war freundlich. Doch er kam wieder, er wollte wieder mit mir reden, mit mir. Ich glaube, er flirtete mit mir. Ich glaube ernsthaft, dass er nicht einfach nur zurückkam um mir diese Frage zu stellen. Dazu sollte ihm aufgefallen sein, dass ich nicht der Mensch zum Ansprechen bin.
So weit, so gut. Doch das war gestern. Heute kam er wieder an. Schlich sich von der Seite an und fragte mich irgendwas. Suchte Blickkontakt. Fragte nach. Ouh man, ich glaube allen ernstes, der gute wollte mit mir flirten. Dabei bin ich doch so gar nicht zu sprechen in diesen Seminaren. Dabei bin ich doch eigentlich gar nicht da. Und es hat bisher gut funktioniert. Nur auf einmal scheinen alle der Meinung zu sein, sie können mit mir reden, mich beschäftigen und heute sogar nach Hause begleiten. Was ist bloß los mit den Leuten?

Amüsant, amüsant. Der Magnetismus hat mich also wieder eingeholt. Jetzt nicht der Flirt, nein, eher das Geschwätz der weiblichen Bevölkerung. Und so langsam scheinen sie nicht mehr zu wissen, ob sie mich hassen oder etwa doch mögen sollen. So langsam kommen sie durcheinander. Und es ist Zeit, die Bühne zu verlassen und klare Grenzen zu setzen. Gut, dass das Semester nun vorbei ist.

Und eben weil das Semester nun vorbei ist, ich gerade so viel geleistet und geschaffen habe. Eben weil ich gerade so viel verdient habe, habe ich mir wieder ein Geschenk gemacht. Diesmal teurer als das letzte Mal, diesmal nicht mit dem Hintergrund von Weihnachten oder anderen Ausreden. Einfach so, weil ich eine Email bekam, dass das, was ich seit kurzer Zeit haben möchte, nun auch noch im Angebot ist. Ich habe zugeschlagen, einfach so. Ja, ich habe begonnen zu leben. Willkommen, mein Leben :-)

26.01.2010 um 21:52 Uhr

Sie hat sich entschieden

von: indalo

Sie hat sich entschieden. Gestern schon. Doch heute hat sie’s mir erzählt, wenn auch erst auf Nachfragen. Sie hat sich endlich entschieden. Was bin ich froh.

Sie hat sich dagegen entschieden. Gegen das anstrengende bevorstehende Semester. Das heißt ich werde mich dem wirklich allein stellen. Zumindest sobald ich dieses Semester hinter mir habe. Wenn das vom Tisch ist, geht es auf zum nächsten. Allein. Das kann ja was werden.
Ich sehe Vor- und Nachteile darin. Letztlich finde ich es auf jeden Fall gut, dass sie sich dagegen entschieden hat. Aus egoistischen Gründen wie eben dem Umstand, dass ich mich so nicht mit ihr vergleichen kann, oder denjenigen, dass ich mich dann nicht um sie sorgen oder kümmern muss, sondern weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann, aber eben auch aus nicht egoistischen Gründen wie beispielsweise dem, dass es sie kaputt machen würde. Seit vier Monaten seh ich ihr dabei zu wie sie immer kleiner wird, immer schwächer und immer ruheloser. Das ist wirklich unschön. Doch ich konnte und durfte nicht für sie entschieden. Manche Dinge muss jeder für sich lernen, und ich bin froh, dass sie – wenn auch wirklich sehr, sehr spät – selbst die Notbremse gezogen hat. Wozu sich tot machen? Wir sind noch jung. Das ist genehmigt. Es ist gut so wie es ist. Es war die richtige Entscheidung, und ich bin froh, dass sie sie jetzt gefällt hat und nicht erst kurz vor Torschluss. Das erspart uns eine nervenaufreibende Zeit. Sie hat sich entschieden, juhu.

24.01.2010 um 22:22 Uhr

Was das wohl wird?

von: indalo

Wieder ein Wochenende vorbei. Ja, ich brauche Urlaub. Verflucht. Und eins nach dem anderen. Oh je. Der Dienstag wird kein schöner Tag. Der Montag auch nicht. Dabei bin ich doch jetzt schon müde. Das wird was werden... ich freu mich auf Dienstag Nachmittag oder eher Mittwoch. Ja, Mittwoch wird diese Woche ein schöner Tag. Auch Donnerstag. Freitag wird wie immer, nehme ich an. Und dann das große Wochenende... das sind Aussichten. Eins nach dem anderen, sonst überschlag ich mich. Gucken wir mal, ob alles gut geht.

Jetzt geh ich ins Bett. Zwei anstrengende Tage stehen mir bevor und ich weiß noch nicht richtig, wie ich sie gestalte. Schwierig, schwierig. Erst mal schlafen, dann sieht die Welt wieder anders aus, nicht wahr? Es war auf jeden Fall ein angenehmes Wochenende.

20.01.2010 um 22:12 Uhr

Das war's also?.

von: indalo

Heute ist einer der wichtigsten Tage meines Studiums. Für mich persönlich wohl der wichtigste, auch wenn er sich gerade nicht mehr so anfühlt. Zwischendrin kam ich ausm Grinsen nicht raus. Die Blondinen gegenüber die nichts besseres zu tun hatten als über mich zu lästern und sich in Grund und Boden schämten als ich sie breit angrinste, konnten meiner Laune so gar keinen Abbruch tun. In diesem Semester habe ich definitiv die Feststellung gemacht, dass es mich nicht kratzt, wenn manche Menschen – mit denen ich keine wirkliche Interaktion hatte – mich nicht leiden können. Es juckt mich wirklich nicht. So, meine Laune war also gut, doch so richtig realisiert habe ich es nicht.

Vor zwölf Stunden betrat ich das Büro meines Professors. Er setzte sich mir gegenüber, faltete die Hände und guckte mich erwartungsvoll an. „Soll ich... jetzt von mir aus was erzählen?“ – „Sie sind doch wegen einer Konsultation hier.“ – „Nein, wegen einer Prüfung.“ – „Oh, dann bin ich gleich wieder da.“ So verschwand er um einen Beisitzer fürs Protokollführen zu holen. Seit wann ist der gute Mann so verwirrt? Letzte Woche haben wir den Termin ausgemacht, letzte Woche wusste er sogar noch, worüber wir vor über vierzehn Monaten geredet haben und jetzt hat er das vergessen?
Als er mit einem Kollegen zurückkam, fragte er nach, welches Fach denn Inhalt der Prüfung sein sollte und ging von einer anderen Art Prüfung aus, als ich sie wollte und brauchte. Was ist bloß heute mit ihm los? Nunja. So begann die Prüfung und eh ich mich versah, schüttelte er meine Hand und wünschte mir einen schönen Tag. Wie jetzt? Das war’s? Ich mein... also... hä? Ich war zwischendrin öfter mal verwirrt, kam total durcheinander und war trotzdem zuversichtlich. Doch nicht einmal eine Besprechung? Keine wirklich offizielle Ansage? Ich war irritiert.
So wünschte ich ihm einen schönen Tag und verließ das Büro. Nebenan fand mein Seminar statt, dass ich wegen der Prüfung frühzeitig verließ. Ich beschloss, zurückzugehen, und der Blick der dort sitzenden Menschen war sehr herrlich. Nein, ich glaube sie hielten es nicht für möglich, dass ich bestanden hatte. Nicht in so kurzer Zeit. Doch ich nickte grinsend, setzte mich und wollte in die Seminarsdiskussion einsteigen. Das ging nicht so richtig, da ohnehin alles drunter und drüber ging. Eine Stunde vorher fragte mich ein Kommilitone wann denn die Prüfung sei „In einer Stunde.“ – „In einer Stunde?“ quietschte er und der Dozentin fielen die Augen aus dem Kopf. Das allein war es wert so früh aufgestanden zu sein. Ich mag es, Menschen zu überraschen.

Nun denn, ich hatte also bestanden. Sacken muss das noch. So ging ich zu meinem nächsten Seminar und traf unterwegs einen wichtigen Menschen in meinem Leben. Ich flog ihr entgegen, rannte auf sie zu und strahlte sie nur an. Sie brauchte eine Sekunde um zu begreifen und ich nickte nur. Da wurde es ein wenig realer. Ich konnte es jemandem sagen, zeigen. Jemandem, der wusste, was das bedeutet, was es mir bedeutet. Und so brachte ich die nächsten Seminare grinsend hinter mich. Ich mag mich. Ich mag mein Leben, und der heutige Tag ist der Beweis dafür, dass all die Entscheidungen der letzten Monate richtig waren. Allesamt. Denn ich habe geschafft, was ich schaffen wollte. Ich habe das Unmögliche möglich gemacht. Zum zweiten Mal. Und das ist etwas ganz großes.

Das war’s jetzt also? Keine Ausreden mehr, keine Hindernisse mehr, ich muss mein Studium jetzt beenden? Einfach so. Das soll’s gewesen sein?
Vor vier Jahren konnte ich mir nicht ansatzweise vorstellen, was vor mir lag. Und ich wiederhole mich zwar, aber manchmal muss man das: Das war gut so. Ich weiß nicht, wie ich auf das Pensum reagiert hätte, wäre mir von Beginn an das Volumen bekannt gewesen. Ich weiß es wirklich nicht. In meinem Studium habe ich gelernt, eins nach dem anderen zu machen. Das heißt nicht, dass ich nicht tausend Dinge parallel gemacht hätte, das habe ich. Doch ich habe mir alles eingeteilt. Ich habe festgelegt, wo meine Grenzen sind. Und ich habe sie nicht überschritten. Darauf bin ich stolz.

18.01.2010 um 20:13 Uhr

Superlative

von: indalo

Vor einigen Wochen dachte ich über „den schönsten Tag des Jahres“, „die besten News des Jahres“ und noch irgendwas nach. Über Superlative. Sie kamen mir einfach so in den Kopf. Der schönste Monat, das tollste Erlebnis... was weiß ich. Man sollte nicht vergleichen, man sollte nicht werten. Nicht so, dass anderes in den Schatten gestellt wird. Und doch möchte ich sagen: Der schönste Monat des ohnehin schönen Jahres 2009 war der September. Der Monat hatte es in sich, inklusive erschreckender Nachrichten, aber er war schön. Er war toll, er war umwerfend und rührend. Ein wichtiger Monat in meinem Leben.

Der schönste Tag? Keine Ahnung. Der schönste Moment? Der Schmetterling. Der Moment mit dem Schmetterling, einer der schönsten Momente meines Lebens. Und damit spreche ich auch für den Rest meines Lebens. Das war ein magischer Moment, und deswegen darf er als der schönste dastehen. Womöglich auch, weil es der einzig greifbare Moment war. Denn es war nur ein Moment. Es gab viele schöne Tage, viele schöne Stunden. Aber das, das war nur ein Moment, ein Augenblick. Ein wundervoller Augenblick.

Und die schönsten News? Die größte Überraschung des Jahres? Mist, letzteres bekommt wieder Konkurrenz. Vom Ring. Hmm. Egal, die schönsten News? Mein Vater und seine Freundin. Das Highlight des Jahres. Das, was mich glücklicher macht als alles andere. Ich liebe alles andere, alles andere ist aber mein Leben. Dinge, die von mir beeinflusst werden können, Dinge, die ich ändern kann. Sie sind schön, sie sind wunderbar, doch die meisten habe ich mir selbst verdient. Die meisten Dinge kamen nicht überraschend, sie kamen nicht unerwartet. Sie wurden erarbeitet. Deswegen sind sie nicht weniger schön, ohne Frage. Im Gegenteil, oftmals heißt es doch, Dinge werden schöner, wenn man dafür gekämpft. Doch das hier... das mit meinem Vater und seinem Liebesglück, das ist ein Geschenk. Ein wahres Geschenk.

Gerade bekam ich eine Email von ihr. Ich habe herzhaft gelacht, herzhaft. Mein Herz hat gelacht. Ich habe Hoffnung. Ich kann sein Glück fühlen, seine Liebe, sein Aufleben. Und ich habe die Hoffnung, dass es bleibt, dass es vielleicht etwas für immer ist, oder zumindest für länger. Auch wenn ich Angst vor dieser Hoffnung habe, denn Hoffnungen kosten Mut, und ich habe Angst vor der Enttäuschung. Denn ich möchte nicht daran denken, wie es ihm hinterher gehen würde. Vorher war’s okay, doch hinterher wäre schlimmer. „I was okay until I met you.“ heißt es irgendwie. In einem Lied, in einer Serie, in einem Film. Ich weiß es nicht mehr. Aber die Aussage brannte sich in mein Hirn. Denn ja, ich war auch okay... doch muss ich sagen, dass ich jetzt noch viel mehr okay bin als vorher :-)

17.01.2010 um 18:32 Uhr

Sometimes I really miss you

von: indalo

Im Grunde versuche ich ja wirklich, nur die deutsche Sprache zu nutzen. Aber manchmal geht es nicht anders. Denn manchmal sind die einzigen Worte, die mir durch den Kopf gehen, in einer andren Sprache. Und ich kann sie nicht anders ausdrücken... nicht ins Deutsche übersetzen, denn es ist wirklich was anderes. Sometimes I really miss you. I really do.

Nun liege ich hier und Tränen kullern mir die Wangen runter. Ich weiß gar nicht genau wieso. Ich vermisse sie. Doch wen eigentlich? Warum weine ich? Wegen des Menschens, mit dem ich gerade telefonierte? Oder wegen ihr? Meinem Engel? Herrje.

Sie redete gerade. Die ganze Zeit. Erzählte mir dies, erzählte mir jenes. Es war richtig spannend. Ich würde sie gerne besuchen. Doch daraus scheint so schnell nichts zu werden. Leider. Und so lag ich da und lauschte ihr. Einfach nur zuhören. Ich hörte wirklich zu, nicht nur ihre Stimme. Denn ihre Stimme ist nicht das, was zählt. Sondern dass sie redete, einfach so. Durchgängig. Von irgendwas. Nach all der Zeit haben wir so viel zu reden und konnten nur einen Bruchteil davon decken. Es fehlt so viel. Und so lag ich und lauschte. Und ich merkte diesen Kloß im Hals. Die Tränen auf der Wange. Warum? Ich dachte nach. Fand es schade, dass wir uns nicht sehen werden. Also doch, womöglich werden wir uns sehen, aber ich werd wohl nicht hinfahren können. Und dann kam mir irgendwann der Vergleich. Der Vergleich zu ihr. Denn jetzt am Telefon konnten wir reden, obwohl wir wirklich selten Kontakt haben. So stell ich mir Freundschaften vor. Die funktionieren, immer und zu jeder Zeit. Okay, nicht immer immer, aber eben auch nach Jahren. Doch bei ihr... da ist nichts mehr? Sie sagte, es ist nicht mehr so wie früher? Wir sind nicht mehr füreinander wer wir einmal waren? Sprich für dich, sagte ich. Für mich war sie immer noch, wer sie all die Jahre gewesen ist. Doch sie wollte es nicht mehr sein. Vorbei, einfach so. Bis heute. Bis heute kein Wort. Nicht von meiner Seite. Wir redeten ein paar Tage später noch mal. Das letzte Mal. Dann zu Weihnachten eine SMS. Ich reagierte nicht. Ich konnte nicht, ich wollte nicht. Es fühlte sich nicht richtig an. Und jetzt hatte sie Geburtstag. Ich hab mich nicht gemeldet, in keiner Form. Ich hab sie nicht vergessen, ich will ihr auch nicht das Gefühl geben, dass ich es hätte. Doch... ich kann auch nicht mit ihr reden. Da ist zu viel. Da ist Schmerz, da ist Bitterkeit, da ist Verständnislosigkeit, Unwissen, Unsicherheit, Angst. Sie wurde sauer, das letzte Mal. Das letzte Gespräch, es war kein schönes Gespräch. Und eben weil es nicht schön war, weil es so nach hinten losging, werde ich kein neues Gespräch suchen, mich womöglich nicht mal einem stellen. Ich werde warten. Einfach warten, bis dieses Gefühl geht, bis all diese Gefühle gehen. Bis wir wirklich von vorne anfangen können. Oder bis ich ihr was bieten kann, bis es sich lohnt, darum zu kämpfen sie zurückzugewinnen, weil ich ihr dann auch wirklich etwas bieten kann. Die beiden Varianten gibt es. Alles dazwischen wär nichts Halbes und nichts Ganzes. Sie hat mehr verdient, wir haben mehr verdient.

Sometimes I really miss you

12.01.2010 um 19:31 Uhr

Wünsche und Wünsche

von: indalo

Ich bin wirklich, wirklich weit davon entfernt, dass ich mir Sorgen darüber machen sollte, wie ich mein Alter gestalte. Doch schon vor zwei Tagen erwischte ich mich bei dem Gedanken mein Leben durchzuplanen. Nichts konkretes, nur überhaupt mal Ideen dazu. Ich hatte bisher keine Ideen, keine Pläne, keine Gedanken. Ich hatte ein Ziel, ich wusste, was ich werden wollte, aber nicht wie, nicht wo und auch nicht: Was dann?

Und nun, heute. Nach zwei Folgen Golden Girls beginne ich, mir Sorgen um mein Alter zu machen. Was ist, wenn dann keiner mehr da ist? Was ist, wenn man plötzlich keinen Job mehr bekommen kann? Im Grunde glaube ich nicht, dass das passieren kann, eigentlich wäge ich mich in Sicherheit. Doch... mit welchem Recht? Wieso kann es anderen passieren und mir nicht?
Nein, keine Sorge. Ich bin jetzt nicht richtig besorgt, empfinde es aber durchaus als spannend, dass mir diese Gedanken überhaupt in den Kopf kommen. Und das, wo mein Leben doch erst vor kurzem angefangen hat. Erstaunlich.

Doch dabei ist mir noch was aufgefallen. Ich habe Träume. Ich habe Wünsche, und Vorstellungen. Nichts, was ich erreichen muss, aber Dinge, die schön wären. Dinge, von denen ich träume. Wer mir eine Freude machen will, findet immer irgendwas. Es gibt viele Dinge die ich mir wünsche, auch wenn ich glücklich bin, wenn ich sozusagen wunschlos glücklich bin.
Man muss wohl unterscheiden zwischen Wünschen und Wünschen. Das eine sind Wünsche, die man hat, weil man ohne deren Erfüllung nicht glücklich ist. Solche Wünsche habe ich nicht. Aber ich habe Wünsche ohne die ich nicht glücklich wär. Ich brauche diese Wünsche, Träume, Vorstellungen. Es sind wohl Träume, diese zweite Art von Wunsch. Ich träume gerne, stelle mir Dinge vor, überlege mir immer neue Sachen, die ich machen möchte. Ja, ich habe Träume.

Doch neben meinen Träumen hab ich auch ein Gefühl, eine Intuition. Und diese sagt: Meine Träume werden wahr. Ich bin überzeugt davon, ein schönes Leben zu haben.
Ich war schon immer ein positiver Mensch, Sarkasmus und Zynismus waren mir gewiss nicht fremd, aber ich war nie negativ. Doch... seit so langer Zeit schon überrasche ich mich selbst. Je tiefer ich in mich gehe – wenn auch nicht bewusst – desto mehr entdecke ich von diesen Träumen und von dem Gefühl, sie erreichen zu können. Ich suche nicht danach, es kommt einfach.

Ich bin wirklich ein verdammt glücklicher Mensch.

11.01.2010 um 10:46 Uhr

Oh yeah

von: indalo

Das war's. Ich hab's geschafft. Oh yeah. Ich hab ihn bezwungen! "Die Lücken, die Sie haben, lassen sich nicht in zwei Wochen füllen." Ja nee, ist klar. Wie er wohl darauf reagieren würde, wenn ich ihm sagen, dass ich sie in zwei ganzen und zwei halben Tagen gefüllt habe? Alle? Da würd er staunen, was?

Ich verließ den Raum mit einem Lächeln. Die Hände über den Kopf zusammenschlagend und nur denkend "Yessa". Neben mir telefonierte jemand und als sie auflegte meinte sie "So schlimm ist's bestimmt nicht gelaufen." - "Das stimmt. Ich bestehe darauf bestanden zu haben. Ernsthaft. Das war gut." Und sie war irritiert. Warum ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage? Weil ich es nicht fassen kann. Nicht, dass ich so gut war, sondern überhaupt, was ich in den letzten Tagen alles gelernt habe. Alles verstanden habe. Wie gut ich mich dabei fühlte. Dass es jetzt wirklich weitergeht. Dass... so viel, dass ich nicht greifen kann. Sich überschlagende Gefühle, die rauswollen und dann auch wieder nicht. Ach, ich freu mich einfach.
...muss nur gleich mit nem Prof reden um ne weitere Prüfung festzusetzen. Der Stoff ist definitiv schwieriger, aber ich hoffe trotzdem, dass des gut ausgeht. Ich bin optimistisch.

Oh yeah!

10.01.2010 um 21:34 Uhr

Morgen, der Tag der Tage?

von: indalo

Das letzte Mal fühlte ich mich bereit. Ich ging nicht davon aus zu bestehen, ich zog es in Erwägung. Ich sah großen Chancen für einen positiven Ausgang des mündlichen Gespräch. So positive Chancen wie bei keiner Prüfung zuvor – auf Prüfungen dieser Art beschränkt. Und doch ist es nichts geworden.

Diesmal ist es anders. Diesmal gehe ich davon aus. Ja, ich gehe davon aus, dass ich morgen bestehe. Wenn ich nicht bestehe, habe nicht nur ich ein Problem, sondern auch mein Prof. Er hat dann eins mit mir, denn all das, was ich heute weiß, werde ich auch morgen noch wissen. Und das musst zum Bestehen reichen. Ich weiß nicht alles, aber mehr als genug. Ich werde morgen bestehen, aber so richtig.

Ich bin zuversichtlich, sehr sogar. Und optimistisch. Ich fühle mich rundum gut, freue mich auf die nächste Zeit. Nicht auf morgen, denn morgen muss ich in elendiger Arbeit noch einmal alles runterbeten, was ich heute schon aufgeschrieben habe. Mehrmals. Ich habe wirklich so richtig gelernt. So langsam können die Endprüfungen wirklich kommen. Ich habe gelernt zu lernen. Zumindest für dieses Fach. Zumindest unter diesen Voraussetzungen. Es hat mich mehrere Jahre meines Studiums gekostet, das zu lernen. Doch auf einmal kann ich es, und ich könnte sogar fast behaupten, dass es Spaß macht. Aber nur fast. Und auch nur, weil ich ein Ziel habe. Ohne das Ziel, ohne die Motivation seh ich nämlich keinen Sinn darin, das alles auswendig zu lernen. Wirklich, gar keinen.

So werde ich mir jetzt noch ein paar Dinge angucken und versuchen, sie über Nacht im Gedächtnis zu speichern. Morgen ist dann der große Tag, der sich nicht annähernd so groß anfühlt, wie er wohl ist. Wir werden sehen. Möge alles gut gehen.

08.01.2010 um 15:33 Uhr

Geniaziös

von: indalo

Geniaziös ...ich liebe dieses Wort. Es ist mein Wort. Ich hab’s erfunden, ich hab’s auf die Welt gebracht. Ich kannte es nicht, habe es nie irgendwo gehört oder gelesen. Aber ich finde es wunderschön. Mein Wort. Ein Wort, dass ich mit jedem von euch teilen möchte. Eben weil es so schön ist.

Heute habe ich eine Rede gehört, eine Rede über Wörter in Wörterbüchern. Dass nicht alle Wörter im Wörterbuch erfasst sind (genauso wie geniaziös nicht enthalten ist), dass Wörter, die nicht erfasst sind nicht automatisch schlechte Wörter sind (genau!) und dass wir Wörter erfinden dürfen, hinzufügen können und verbreiten sollen (mach ich grad). Die Rede war gut, sie war lebendig und amüsant. Sie wurde von einem Menschen gehalten, der nichts darauf gab, mit all dem zu prahlen, was er schon erreicht hat und Werbung dafür zu machen. Etwas, das mich beeindruckte. Doch das beeindruckte mich erst, als ich wusste, was sie erreicht hat. Verrückt, denn ich wäre nicht halb so beeindruckt, hätte ich es nie erfahren. Dafür benötigt man die Menschen drumherum, nicht wahr? Um das Wissen über die Person selbst zu verbreiten. Psychologisch wertvoll.

Wie auch immer, diese Rede hat mich dazu angestiftet, diesem meinen Wort einen Beitrag zu widmen. Denn das hat es verdient, so sehr wie es mich erheitert. Und es soll andere erheitern.
Obendrein passt es ganz wunderbar zu meiner Situation. Geniaziös. Wirklich geniaziös finde ich nämlich, dass ich diesen Brief bekommen habe. Ich bin immer noch nicht darüber weg, ich musste ihn heute morgen noch einmal aus dem Umschlag nehmen, noch einmal drüber fliegen und feststellen, dass es wirklich ein wichtiger Brief ist. Von recht weit oben ist er gekommen. Mit dem gleichen Kopf wie der letzte wichtige Brief. Sie kommen von der gleichen Ebene und sagen doch so unterschiedliche Dinge. Wichtig sind sie beide, doch der eine kam viel überraschender als der andere. Dieser gestrige Brief... geniaziös, einfach geniaziös :-)

07.01.2010 um 20:56 Uhr

Der Brief

von: indalo

Er ist heute gekommen, der Brief. Ein wichtiger Brief. Ein entscheidender Brief. DER Brief.

Um meine Zukunft soll es mal wieder gehen, um meinen Plan A. Um meinen einzigen derzeitigen Plan. Zwischen den Feiertagen, oder auch zwischen den Jahren, wie man manchmal sagt, dachte ich darüber nach, noch einen Brief hinterherzuschicken, also zu meiner Bewerbung. Noch einmal betonen, wie viel mir daran liegt, deutlich machen, dass es für mich mehr als nur eine Bewerbung ist. Ich kam nicht dazu. Seit meinem Urlaub ist der Gedanke wieder aufgetaucht. Dann setzte ich mir das Ultimatum, dass wenn ich in dieser Woche keinen Brief erhalte, ich am Wochenende einen schreibe. Einfach, weil es mir wirklich wichtig ist, ich aber auch nicht drängeln mag.

Heute kam ich nach Hause. Das Telefon am Ohr öffnete ich den Briefkasten. Ich nahm zwei Briefe heraus, einer war unwichtig, der andere versprach, wichtig zu sein. Es war nur ein einfacher Brief. Nicht mehr, nicht weniger. Er konnte nur einen Zettel enthalten. Ich fühlte die Spannung, wollte sie mir aber nicht anmerken lassen. Tat dies auch nicht. Für den Fall, dass es eine Absage ist, wollte ich lieber allein sein. Für den Fall, dass es eine Zusage ist, auch irgendwie. Zumindest nicht mit jemandem mitfiebern. Ich bin Einzelgänger, das ist nun einmal so. Zumindest solange, bis etwas sicher ist.

Ich telefonierte weiter. Ging in meine Wohnung, öffnete beide Briefe und legte sie neben mich. Beim Reden nahm ich erst den anderen Zettel heraus. Unwichtig, wie ich es erwartet hatte. Dann lag der geöffnete Brief neben mir, das Telefon noch immer am Ohr. Ich wartete. Ich war ruhig, ich hatte Zeit. Ich fürchte, ich fürchtete die Antwort. Ja, doch, ich glaube ich ging davon aus, dass es negativ war. Ich bereitete mich darauf vor. Es war nur ein einziger Zettel, genau wie die andere Absage. Weder zitterte ich, noch raste mein Herz, noch sonst irgendwas. Sogar meine Gedanken waren irgendwie ruhig. Dann zog ich ihn irgendwann raus, immer noch am Telefonieren. Ich faltete den Zettel auseinander und sah ein Datum. Ein Datum?! Eine Adresse?! Heißt das... soll das bedeuten... ich mein... bin ich? Haben sie mich zu einem Gespräch eingeladen? Ich fass es nicht. Hat mein Gefühl der letzten zwei Tage doch recht? Wahnsinn. Ich bin eingeladen, zu einem Gespräch. Sie scheinen meine Bewerbung zu akzeptieren, die Formalien sind vollständig. Trotz der zwei großen Schwierigkeiten lehnen sie mich nicht von vornherein ab. Wow. Ich... bin sprachlos. Ich freue mich. Da taucht immer mal wieder dieses kleine unschuldige Lächeln auf. Dieses Lächeln, das von ganz weit drinnen kommt, das Lächeln, gegen das man sich nicht wehren kann. Ein ehrliches, schönes und glückliches Lächeln.

Wow. Ich glaub es immer noch nicht richtig. Sie haben mich tatsächlich eingeladen. Zu einem Gespräch.
Ich weiß, das bedeutet noch nichts. Das hat nichts zu sagen, und nur weil man dorthin fährt, heißt das nicht, dass man weiter kommt. Aber sie geben mir eine Chance, wollen mich kennen lernen, mich persönlich befragen. Jetzt liegt es an mir, nicht mehr an meinen Voraussetzungen. So denke ich zumindest. Wow. Das ist unglaublich. Wow.

05.01.2010 um 21:00 Uhr

Fünfter Januar

von: indalo

Nichts neues. Ich fühl mich wie gelähmt. Gestoppt in meinem Tatendrang. Zurück in dem Leben, in dem Rhythmus, in dem ich vor mich hingammel und mich mit allen Mitteln davor drücke, zu lernen. Ich hasse es. Und genau deswegen sollte ich es endlich hinter mich bringen. Verdammter Mist.

Heute hat sie mir so richtig zu spüren gegeben, dass wir nicht mehr auf der gleichen Ebene stehen. Heute fühlte ich, dass sie nicht nur fürchtet, nicht zugelassen zu werden, sondern obendrein davon ausgeht, dass ich es werde. Und das war keine schöne Situation. Denn letztlich hätte sie es genauso verdient wie ich. Letztlich waren wir immer auf einer Höhe bei diesem Rennen, Nase an Nase. Doch irgendwo habe ich sie verloren. Leider.

04.01.2010 um 22:14 Uhr

Guten Morgen, liebe Sorgen

von: indalo

Die sogenannte Realität hat mich wieder. Und ich verfalle in alte Muster. Ablenken, mich drücken, anderes machen. Kein direkter Zeitdruck und schon häng ich durch. Blöd. Doch ich muss es schaffen, ich muss diese Prüfung bestehen. Das ist mir sehr wichtig, es ist auch wichtig für mein Leben.

Heute war kein so schöner Tag. Er war auch nicht schlecht, aber die grundlegenden existenziellen Dinge wurden angeknabbert, mal wieder. Nicht nur bei mir, auch bei meiner Freundin. Und sie ist nervlich am Ende. Die Tage Urlaub haben ihr gut getan, das habe ich gemerkt. Aber... sie ist ein nervliches Wrack. Schon seit nem halben Jahr. Und ich kann es nicht mitansehen. Ich bemühe mich, nicht mitzuleiden sondern die starke Schulter zu spielen. Doch einfach ist das nicht immer. Insbesondere da ich festgestellt habe, dass ich meine Sorgen und Gedanken ausspreche und sie sie sich schweigend anhört. Ich höre ihr qualvolles Schweigen und nehme es auf. Ein Ungleichgewicht, auch wenn es irgendwie zu funktionierend scheint. So ganz gefällt es mir nicht.

Zusätzlich zu ihren Problemen erinnere ich mich an meine. Mir werden neue Dinge klar, neue Sorgen bewusst. Und ich möchte sie nicht brodeln lassen. Sie sollen bleiben wo sie waren. Existent, aber ignoriert. Denn ändern oder helfen kann ich ohnehin nicht. Ich weiß, ich werde mein Ziel eines Tages erreichen. Und wenn es ewig dauert. Ich werde es schaffen, ich weiß, dass ich es schaffen kann und auch nicht aufgeben werde. Aber bei ihm bin ich mir auf einmal nicht mehr sicher. Ich habe mir nie Sorgen um ihn gemacht, ich ging immer davon aus, dass er es schaffen kann. Wirklich, ich war überzeugt davon ohne darüber nachzudenken. Doch auf einmal mache ich mir Gedanken, befürchte, dass ich darüber nachdenken sollte und dann zu einem anderen Schluss kommen könnte. Und das gefällt mir nicht. So ist er eine Sorge. Er und meine Eltern. Jeder für sich. Gar nicht schön. Denn der eine wird bald völlig am Ende sein. Doch er hält sich gut, ich bin stolz auf ihn. Es tut gut zu sehen, dass er den Kopf oben behält. Und sie? Sie ist redet vom Ende mehr denn je. Vom plötzlichen Ende, vom Sterben. Möchte vorher noch alles regeln, verschafft mir Zugang zu all ihren Unterlagen. Sie bekommt echt Torschlusspanik. Und ich weiß nicht, ob das berechtigt ist. Irgendetwas in mir ist unruhig, irgendetwas in mir ist beunruhigt.

So war es wirklich kein schöner Tag. Und ich möchte es alles in eine Kiste packen und zur Seite schieben. Denn den einzigen Gefallen den ich ihnen tun kann, ist mein eigenes Leben zu meistern. Ihnen zu zeigen, dass ich allein klarkomme und eher sie unterstützen kann als dass sie mich unterstützen müssten. Und all das hängt von dieser nächsten Prüfung ab. Ich muss sie einfach bestehen. Denn es verschafft mir Zeit. Und Raum, Gedankenraum. Möge es gut gehen.

03.01.2010 um 23:12 Uhr

Ein anderer Traum geht zu Ende

von: indalo

Mein Rechner behauptet es sei 2010. Die Technik spinnt zwar des öfteren, aber irgendwas sagt mir, diesmal ist dem nicht so. Wir schreiben wohl das Jahr 2010. Doch ich kann allen ernstes behaupten bis zum heutigen Tag nicht ein einziges Mal das Datum gebraucht zu haben. Nicht einmal heute.

Zurück aus einer Welt ohne Zeit. Ohne Tag. Ohne alles was stresst. Gefüllt von Liebe, Ruhe, Freude, Spaß und Entspannung. Ich hatte weder Uhr noch Handy dabei. Wir verließen das Haus wann immer uns danach war. Wir kamen zurück, wann immer es angebracht erschien. Wir aßen wenn wir Hunger hatten, wir duschten wenn uns gerade mal danach war. Was täglich war. Denn einerseits waren die Duschen echt toll – oder zumindest die eine, die ich jedes Mal in Beschlag nahm – und andererseits hatte man einfach die Zeit für entspannte heiße Duschen. Alles war entspannt. Ich war entspannt. Kein wirklicher Gedanke Richtung Uni, Richtung Heimat oder Richtung Pflicht. Stattdessen wurde der Lust nachgegangen. Und den Kindheitsfreuden. Denn wir haben uns nicht umsonst zum Affen gemacht, weil wir einen uralten Schlitten quer durchs Land schleppten. Nein, das wurde belohnt. Auf den Schlitten, runter den Berg. Doch bei der Menge an Schnee und Eis war das ne holprige Fahrt. Mein Hintern hat gelitten, sehr sogar. Ich hab diverse bunte Flecken über den Körper verteilt. Geschwollen war’s auch an manchen Stellen. Kurzum: Ich sah sehr lädiert aus. Und sehe es im Übrigen immer noch. Das Liegen auf dem Rücken ist mit Zähne zusammenbeißen verbunden und nach hinten lehnen kommt im Allgemeinen nicht gut. Ja, ich bin Invalid. Doch nichts ist gebrochen, nichts ist gestaucht. Sprich, ich bin gesund und munter. Letzteres sowieso. Auch wenn wir abends wie im Krankenlager stöhnten und jaulten, so war ich glücklich. Schnee, Schnee, Schnee. Saukalt und schön glatt. Wunderschöne Schneeflocken, traumhafte Gegenden und jede Menge Schneebäume. Glücklich. So würde ich meinen Zustand beschreiben.

Doch zusätzlich zu dem Schnee gab’s noch andere Dinge. Puzzlen zum Beispiel. Oder ein gutes Buch lesen. Wirklich ein gutes Buch. Mit Gänsehautfeeling inklusive. Ich hatte lange keine Gänsehaut mehr beim Lesen. Aber das Buch, oder die Geschichte, was immer genau es ist, es reißt mit. Ob selbstgelesen und zugehört. Mich fasziniert die Geschichte. Also Puzzle, Buch und dann noch andere Dinge, die man zu zweit so machen kann. Schöne Dinge, entspannte und entspannende Dinge. Es war eine wunderschöne Zeit. Doch ich fürchte, ich muss zurück in die Realität. Morgen. Heute schlafe ich nur noch. Warte draußen vor der Tür, liebe Realität, lass mich heute noch gut und ruhig schlafen, das wäre ein schöner Abschluss. Gute Nacht nun also. Bis es wieder einmal heißt: Auf ein Neues!