indalo

23.04.2010 um 17:19 Uhr

Ziellos

von: indalo

Wenn ich darüber nachdenke, welche Ziele ich in meinem Leben habe, dann fällt mir grad kein aktuelles ein. Ich hatte das Ziel, jetzt Prüfung zu machen. Dafür musste ich diese und jene Prüfung bestehen, mich für anderes tot arbeiten und am Ende halb erschlagen vor Ort stehen um die gesammelten Zertifikate abzugeben. Das hab ich geschafft. Doch ich hatte nie ein Ziel, wie ich meinen Abschluss gestalten wollte. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht. Womöglich weil ich das früher nie tat und immer wusste, dass es gut ausgeht, womöglich aber auch, weil ich es früher nie musste und wusste, dass wenn ich es jetzt täte, ich manches hätte adjustieren müssen. Etwas, das ich zwischenzeitlich auch tat. Ich senkte die Stange die meinen Maßstab markierte. Erfolgreich. Doch wie gesagt redeten die anderen viel und ich sah auch nur gute Noten. Mittlerweile komme ich zu dem Schluss, dass ich einfach nur von Genies umgeben bin. Ganz egal wo ich hinsehe, alle sind besser. Doch es muss doch auch Menschen geben, die nur einen mittelmäßigen Abschluss machen. Wo sind diese Menschen? Warum springen mir nur Menschen in den Kopf, die einen Einserschnitt haben? Verdammt – sieht die Welt wirklich so aus? Das ist doch mächtig verzerrt.

Eine Freundin erzählte mir neulich von einer Note, die sie bekam. Die Art, wie sie es erzählte, ließ darauf schließen, dass sie ne schlechte Note hat. Eine Zwei ist es gewesen. Für sie der Weltuntergang. Ganz ehrlich? Würde ich eine Zwei bekommen, würde ich einen Luftsprung machen. (Zumindest sage ich das jetzt.)
Eine andere Freundin schrieb mir mitten in ihrer Prüfungsphase, dass sie Blut geleckt habe und jetzt weiterhin gute Noten möchte. Zum Blut lecken hatte ich nie eine Chance... denn motivierend ist gar nichts an diesem Studium. So denke ich derzeit. Doch habe ich nicht gerade neulich eine Note mit einer Eins vor dem Komma bekommen? Genau wie letztes Jahr? Da gab es doch Lichtblicke. Nur was sagt mein Hirn sofort? „Die Klausuren waren ja auch leicht.“ Ich sage ja, gesund ist das nicht. Aber so funktioniert mein Hirn, und mein Gefühl folgt bei Fuß. Meine Gedanken überschlagen sich. Heute sind sie schon besser als gestern, aber von gut kann noch keine Rede sein.

Gestern Abend fragte ich mich, ob ich meine Studienwahl in Frage stelle. Ich stellte sie nicht in Frage, aber ich fragte mich, ob ich es sollte. Ob ich wirklich die ganze Zeit so verblendet durchs Leben ging, dass ich erst am Ende meines Studiums feststelle, dass es falsch ist. Doch dann versuche ich krampfhaft mich an den ein oder anderen Blogeintrag zu erinnern, weiß sofort, wo ich ihn finde und lese ihn wieder. Doch es hilft nichts. Die Worte wirken leer. Geben mir nicht das Gefühl zurück.
Dann versuche ich es wieder über andere Logiken. Denn mir war doch immer bewusst, dass mein Studium mir nichts für den späteren Beruf bringt. Außer das eine Fach. Und womöglich fühle ich mich jetzt so klein, weil gerade dieses Fach so schlecht ausging. So viel schlechter als erwartet oder auch so schlecht wie nur möglich. Nein, deswegen ändere ich meine Meinung nicht, das bleibt der einzige Bestandteil, der mir für später etwas nützt, da ändert es auch nichts, dass ich miserabel abgeschnitten habe. Auch wenn ich es gerne ändern würde.

Und so geht das ganze wieder von vorne los. Ich weiß nicht, wo meine Maßstäbe liegen sollen. Wo ich sie ansetzen soll. Mit jeder Note oder mit jeder Notentendenz, die ich erfahre, rutschen die Maßstäbe höher. Egal was man mir sagt, es hätte besser laufen können, es hätte besser laufen müssen. Eins steht fest: Ich bin nicht zufrieden mit mir. Und damit habe ich auch mal wieder des Übels Kern gefunden. Ich erkenne mich selbst nicht an. Ich erkenne meine Leistungen nicht an. Die anderen sind nicht das Problem, ich bin das Problem. Und so lange ich davon nicht wieder wegkomme, liegt mein Wohlbefinden in der Hand einer handvoll Menschen, die mich nicht kennen. Das muss sich wieder ändern.

Fazit: Ich habe kein Ziel. Ich habe keine Motivation. Hätte ich ein Ziel für das es sich zu kämpfen lohnt, wär ich womöglich motiviert. Doch es ist mir egal. Ich sage es seit Monaten, seit Jahren, es ist mir egal. Ich möchte einfach nur fertig sein. Es hinter mir haben. Der Uni und manchen Professoren und Dozenten einfach nur den Rücken kehren. Denen, die nie daran geglaubt haben, dass ich je diesen Abschluss bekomme, zeigen, dass es mir möglich war. Daran muss ich mich festhalten. An all den Menschen, die mir nicht einmal dies zutrauten. Sicherlich ist es gut, seine Ziele immer ein Stückchen höher zu setzen, aber das ist gerade nicht der Moment dafür. Also bleibe ich ziellos in Hinblick auf Zahlen, aber fixiere das Ziel, mich selbst anzuerkennen und wahrzunehmen, welche Bedeutung es hat, überhaupt fertig zu werden.

22.04.2010 um 19:52 Uhr

Vorbei

von: indalo

Es ist vorbei. Ich versuche gar nicht mehr stark zu sein. Ich bin es nicht. Es fällt gerade alles in mir zusammen. Um mich herum. Alles. Träume zerplatzen und ich frage mich, ob es das richtige war. Es war doch richtig. Vor ein paar Monaten fühlte es sich so richtig an. Es passte alles zusammen. Und jetzt? Jetzt wirkt es alles so falsch. So daneben. Oder auch demasiado.

Mittlerweile ist es nicht mehr nur so, dass ich mich wie ein Versager fühle, nein, mittlerweile scheine ich auch einer zu sein. Denn zu viele Fehler hab ich gemacht, sagte eine Dozentin zu einer Professorin. Über mich. Das ließ sie verlauten, ganz nebenbei. Und sie hat keine Ahnung, was sie mir damit antut. Ich fühle mich nichtig und klein. So furchtbar klein. Ich mag nicht mehr groß sein, ich mag nicht mehr stark sein. Ich mag nicht mehr kämpfen. Ich mag überhaupt nichts mehr. Und ich empfinde nicht einmal Wut, ich kann mich auch nicht darüber aufregen, dass alles gerade so mies läuft. Denn ich allein trage die Schuld dafür. Oder die Verantwortung, um es nicht ganz so negativ zu bezeichnen. Ich hab es mir ausgesucht, ich allein. Und ich mache nur noch in der Hoffnung weiter, dass es danach vorbei ist. Dass dieses Gefühl aufhört.

Mein Herz tut weh. Und das ist keine Metapher. Es tut richtig weh, bei jedem Atemzug. Irgendwas muss ich mir eingeklemmt haben, oder verdreht. Ich weiß es nicht. Ich fühle nur den Schmerz. Hängt es mit dem Job zusammen, den ich gerade ablehnte? Denn das tat in der Seele weh. Doch ich tat dies aus guten Gründen. Im Prinzip hatte ich keine Wahl. Und ich bereue diese Entscheidung auch noch nicht. Denn bei den anderen, denen ich gerade meinen Arbeitsvertrag zuschickte, bei denen fühle ich mich wohl. Die geben mir das Gefühl, gut und begehrt zu sein. Doch die wissen nichts. Die können mich nicht beurteilen. Und deswegen fühle ich mich nicht besser. Denn die Menschen, die mich beurteilen können, beurteilen mich gerade immer schlechter. Ich sehe in den Spiegel, den andere mir vorhalten, und er gefällt mir nicht. Es gefällt mir nicht, dass sie so über mich denken, bzw. urteilen. Und sie haben ein Recht dazu! Das ist nicht das Problem. Mich schmerzt nur, dass ich ihnen einen Grund dazu gebe. Dass ich offensichtlich nicht gut genug bin.

Vorgestern dachte ich noch „Ich sehne mich nach Anerkennung.“ Und auch heute trifft das noch zu. Ich brauche gerade Anerkennung. Ich brauche ein Erfolgserlebnis. Irgendwas positives. Vor allem aber etwas, das ich annehmen kann. Nicht nur leere Worte, die aus purem Wohlwollen gesagt werden. Ich brauche etwas mit Hand und Fuß. Das Gefühl etwas geleistet und erreicht zu haben. Ich brauche gerade so viel, doch am allerwenigsten, dass der Mensch, der mir sonst so viel gibt, gerade einen ähnlichen Film zu schieben scheint wie ich. Ich kann mich gerade nicht um sie kümmern, ich kann mich ja selbst kaum über Wasser halten, doch das erschwert mein Herz noch mehr.

21.04.2010 um 15:27 Uhr

"Schnucki, du kannst aber nicht gut lecken!"

von: indalo

...sagte gestern eine Frau zu einer anderen. Auf einer universitären Veranstaltung umgeben von Professoren und Dozenten. Und die Umsitzenden schmunzelten. Auch die Angesprochene tat es.

Gestern bekommt nun nicht gerade den Titel des schönsten Tages meines Lebens, aber auch nicht des schlechtesten. Es war ein normaler Tag mit Hochs und Tiefs. Nur leider scheint es, als würden die Tiefs zur Zeit noch nachwirken. Immer mal wieder erwische ich mich bei negativen Gedanken. Wobei das auch damit zusammenhängen könnte, dass ich gerade einen Job absagte, dem ich vor nicht allzu langer Zeit noch überaus erfreut zusagte. Das finde ich sehr schade, und es macht mich auch traurig. Jetzt hoffe ich nur, dass ich das am Ende des Sommers nicht bereuen werde.

Eigentlich wollte ich von gestern erzählen. Von diesem schönen Abend unter lieben Menschen. Doch irgendwie wurde die Erinnerung daran, bzw. das Gefühl davon, verdrängt. Es war ein schönes Gefühl. Ich sah Menschen wieder mit denen ich lange nicht geredet habe. Es war gemütlich und es fühlte sich gut an. Als ich in einem Moment in mir selbst verschwand und einfach nur genoss, wie zwei mir wichtige Menschen sich unterhielten, bemerkte ich ihren Blick. Wie sie mich anguckte und genau wusste, was gerade in mir vorging. Wie es ihr so ging, weil es mir so ging.
Zu Hause angekommen schmunzelte ich vor mich hin. Da gab es die Erinnerung an mein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. An dieses überaus coole und vor allem selbstkreierte Shirt. Sie denkt an mich. Auch wenn sie es wahrlich nicht zeigt, auch wenn wir uns im ganzen letzten Jahr immer weiter voneinander entfernten, auch dann denkt sie an mich. Sie bastelt es für mich. Mit Liebe. Ganz weit weg setzt sie sich hin und überlegt sich, was sie mir gutes tun kann. Und hat dabei auch noch so tolle Ideen! Ich bin begeistert. Nicht nur weil es schön ist, Geschenke zu bekommen über die man sich so richtig freuen kann, sondern eben weil sie an mich denkt. Nicht einfach irgendwas kauft, sondern lange vorher schon zu basteln beginnt.
Sie fehlt mir.
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Es war also eine universitäre Veranstaltung. Ich begegnete den neuen Professoren, denen, die unser Institut auf den Kopf stellen werden, bzw. es schon tun. Und sie sind mir sympathisch. Auf Anhieb. Das löst in mir den Gedanken aus, dass ich zur falschen Zeit studiert habe. Zu einer Zeit, in der es ein Kampf war, überhaupt fertig zu werden. Überhaupt an den Punkt zu kommen, an dem ich bin. Das war der Kampf. Nicht der Kampf mit den Inhalten, nicht mit den Themen, nicht mit dem Wissen, sondern der ganze andere Kampf drum herum. Der ist jetzt vorbei. Von jetzt an kehrt hier in meiner Uni ein neuer Wind ein. Das hätte mir damals schon gefallen. Auch wenn ich es womöglich nicht hätte schätzen können. Es hätte mein Studium grundsätzlich verändert. Vielleicht würde ich dann nicht am Ende mit diesem furchtbaren Gefühl eines Versagers dastehen. Mit dem Gedanken, sich überall nur irgendwie durchgewuselt zu haben und definitiv zu sagen „In dem Bereich habe ich nichts gelernt.“ Das ist so. Das ist kein schlecht reden, das ist einfach so. Das ist so sehr so, dass ich das den Professoren ins Gesicht sage. Denn auf so vielen Gebieten habe ich nichts gelernt. Doch ich sage mir immer wieder, dass es mir etwas gebracht hat. Es hat mich gelehrt, wie man sich fühlt, wenn man nur am Kämpfen ist und trotzdem verliert. Wenn man am Existenzminimum herumkriecht und einem immer und immer wieder neue Steine in den Weg gelegt werden. Und wie man sich fühlt, wenn man niemandem mehr gerecht werden kann und dann anfängt, sich selbst nicht mehr gerecht zu werden. Die Achtung vor sich selbst zu verlieren ist das schlimmste, was einem passieren kann. Und noch kämpfe ich damit, sie mir zu erhalten. Denn ich habe nicht betrogen, ich habe nicht gelogen und auch sonst immer versucht, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Auch wenn ich es langsam Leid bin.

20.04.2010 um 17:11 Uhr

Ist ausreichend bestanden ausreichend?

von: indalo

Als ich heute morgen aufwachte, sah ich nur Wolken. Grau in grau. Oder weiß in weiß. Jedenfalls kein Blau mehr zu sehen. Schade, aber irgendwann musste der Tag ja wieder kommen, an dem das traumhafte Wetter sich verabschiedet. Und irgendwie passt es zum heutigen Tag.

Nach nunmehr sechs Monaten hab ich nun etwas erfahren, eine Tendenz meiner Note. Damit kann ich den groben Rahmen meiner Abschlussnote abstecken. Und wie ich fürchtete, bringt eine weniger gute Note mich dazu, nicht motiviert für die restlichen Prüfungen etwas zu tun. Ich denk mir jetzt „Was soll’s, gut wird’s ohnehin nicht mehr.“ Eine gewisse... Frustration ist zu merken. Wobei ich nicht frustriert bin. Aber eben auch nicht freudestrahlend. Doch ich frage mich WIESO? Die anderen sind Schuld. Und ich, weil ich es zuließ. Seit Jahren weiß ich, dass ich keine guten Noten habe und auch keine guten Noten im Abschluss haben werde. Seit Jahren habe ich meine Erwartungen runtergeschraubt. Bin da angekommen, wo es okay für mich ist, dass ich keine guten Noten habe. Das hat eine ganze Weile gedauert, doch ich war trotz allem stolz auf mich und das, was ich tat. Was ich geschafft und geschaffen habe. Doch in den letzten Monaten haben so viele Menschen auf mich eingeredet und sind mit sehr guten Beispielen vorangegangen, dass ich begann, Hoffnung zu hegen. Ich versuchte mich zu wehren, doch irgendwann gab ich nach. Spätestens nach den ersten beiden Prüfungen brach mein Selbstschutzsystem zusammen und ich kam zu dem Schluss, dass eine gute Note machbar ist. Wie irrsinnig. Vor einem Jahr hätte ich mich noch gefreut, wenn ich überhaupt bestehe. Selbst vor einem halben Jahr war das noch der Fall. Doch dann, irgendwann war bestehen nicht mehr gut genug. Es kam sogar so weit, dass ich eine gute Note für schlecht befand. Erschreckend. So weit ist es gekommen mit mir und meinen Erwartungen und Hoffnungen. Deswegen musste ich jetzt auch nachfragen. In zwei Wochen hätte ich die Note ohnehin erfahren, und bei sechs Monaten machen zwei Wochen nun auch nichts mehr. Doch für mich macht es noch etwas, denn für mich bedeutet die Tendenz meiner Note jetzt, dass ich die Hoffnung über Bord werfen sollte und eben auch darf. Dass ich ein Recht dazu habe zu sagen, dass ich keinen sehr guten Abschluss haben werde. Ein fundiertes Recht. Das bereitet mir immer noch eine gewisse Genugtuung, wenn sie auch leider sehr gemischt mit den enttäuschten Erwartungen ist. Mit den zerplatzten Hoffnungen. Was soll’s, was ich einmal geschafft habe, das kann ich auch noch mal. Also werde ich wieder dort ankommen, wo ich freudestrahlend durch die Gegend springe, weil ich eine vier erhalten habe. Weil ich bestanden habe. Weil nichts anderes zählt, als den Abschluss in der Tasche zu haben. Ich hoffe wirklich, dass ich dort wieder ankomme. Und ich hoffe, dass diese Noten mir nicht meinen Plan A kaputt machen. Das sind die letzten Hoffnungen, die ich hege.

19.04.2010 um 20:42 Uhr

Temperaturen

von: indalo

Wenn es darum geht, Temperaturen zu schätzen, bin ich echt ne Niete. Aber zu meiner Verteidigung möchte ich anbringen, dass ich auch einfach ein verdrehtes Temperaturempfinden habe. Es signalisiert mir doch oft etwas anderes als meinen Mitmenschen. Wie auch immer. Vorgestern war’s echt stürmisch in meiner Stadt. So stürmisch, dass jemand mich begrüßte mit „Du siehst aber verwegen aus.“ – „Aha?“ – „Verweht, ich meine natürlich verweht.“ *lach* Trotzdem schien die Sonne ziemlich zu brennen, eine gewisse Rötung ist im Gesicht zu erkennen.
Gestern war es ziemlich windstill und nachdem ich mit sämtlichen Decken meinen Balkon gesichert habe, bin ich nur so dahin geschmolzen. Es war fast schon zu warm. Und das Mitte April!
Heute hingegen war es wieder furchtbar kalt. So kalt, dass ich mich nach nicht einmal zwei Stunden praller Sonne geschlagen gab und lieber wieder reinzog. Erstaunlich, wie unterschiedlich das Wetter und die Temperaturen sind, von hier drinnen sah an allen drei Tagen das Wetter gleich aus: Strahlend blauer Himmel und nicht eine Wolke in Sicht! Einfach traumhaft!

Und dann schrieb mir eine Professorin noch, dass sie meine Klausur „völlig in Ordnung“ findet und ihr meine Interpretationen „gut gefallen“. Das macht Hoffnung und gute Laune. Denn mit Sicherheit kann ich bei keiner dieser Prüfungen mehr dienen. Zu oft wurde mein Optimismus nieder gerissen. Gucken wir mal, was am Ende dabei rauskommt.

17.04.2010 um 21:32 Uhr

Wochenende vorbei?

von: indalo

So fühlte es sich an. Vor vielen, vielen Stunden. Dabei ist es gerade mal Samstag, hab ich mir sagen lassen. Doch andererseits fühlte es sich wie Montag an. Auf den Punkt gebracht: ich bin zeitlich verwirrt. Doch nicht einmal das ist das Problem. Denn ich habe ein Problem. Ich verliere mich selbst. Ich bin seit Wochen oder vielleicht auch Monaten so unaufmerksam wie noch nie. Ich kann mir nur noch die Hälfte merken, mir entfallen die ganzen kleinen und doch so wichtigen Details und ich sehe, wie ich im Vergleich zu anderen schlecht abschneide. Das bin nicht ich. Weder das mit dem schlecht abschneiden, denn eigentlich bin ich das gute Mittelfeld gewohnt, noch das mit den fehlenden Details. Und letzteres ist das, was mich am meisten nervt. Ich stelle Freunden die immer gleichen Fragen und kann mir die Antworten nicht merken. Ich steige durch den ganzen Wust in meinem Kopf nicht mehr durch. Und jetzt frage ich mich mitten an einem Wochenende, ob das Wochenende schon vorbei ist, und das, obwohl es mir total egal sein kann welchen Wochentag wir eigentlich haben. Das gefällt mir nicht. Ich möchte wieder mehr zu mir selbst finden. Mich wiedererkennen. Auch wenn ich mich trotz allem mag, ein Teil fehlt. Und falls ich diesen Teil gegen ein ab und zu überschwappendes Selbstbewusstsein eintauschen müsste, würd ich das tun. Denn so schön diese Momente auch sein können, so sind mir die Details des Lebens und der Leben meiner Freunde wichtiger.

13.04.2010 um 18:33 Uhr

Genugtuung, oder wie man immer was positives findet

von: indalo

Jetzt bin ich frustriert! Mein schöner Eintrag, alles weg. Na danke.

Es ist also vorbei. Ich hab’s hinter mir, oder eher überstanden. Denn das trifft es noch am besten. Überstanden und gerade so bestanden. Gerade so.

Er stellte mir Fragen, die hab ich in meinem Leben noch nicht gehört. Und selbst mit noch mehr Vorbereitung hätte ich sie nicht beantworten können. Das beruhigt mich. Denn ich habe nicht das Gefühl, zu wenig getan zu haben. Darauf hätte ich mich nicht vorbereitet, egal wie viel Zeit ich gehabt hätte. Theorie ist nicht meins. Doch nur darum geht es, und um Fremdwörter. Mit denen kann ich zwar noch um mich werfen, aber wozu?

Ich muss gestehen, ich hätte mir eine bessere Note gegeben. In Anbetracht der Umstände, unter denen ich studieren musste – nicht meinen, sondern denen der Uni! – habe ich eine gute Leistung gebracht. Alles, was er heute von mir gehört hat, habe ich mir in einem Selbststudium beigebracht. Und das innerhalb kürzester Zeit. Das ist etwas gutes, und dafür hätte ich eine gute Note verdient. Nicht diese. Doch es geht nicht darum, was man unter welchen Umständen zu leisten vermag, es geht um einen gewissen Standard. Das seh ich ja auch ein, doch dann möge die Uni bitte dafür sorgen, dass man im Stande ist, diesen Standard zu erreichen. Denn es ist nicht meine Schuld, dass ich studierte, bevor es ein System gab. Ein gutes System, wie ich finde. Doch für mich wäre es besser gewesen, hätte dieses System noch ein Jahr auf sich warten lassen. Wäre ich von denen geprüft worden, von denen ich ausgebildet worden wäre, wäre diese Prüfung besser verlaufen. Doch darum geht es mir gar nicht. Das bin ich gewohnt, das durch die Lücken fallen, das Versuchskaninchen sein oder zu den alten Hasen zu gehören, die nicht mehr dem System entsprechen. Das wusste ich vorher, also was soll’s.

Stattdessen konzentriere ich mich lieber auf die Genugtuung, die ich verspüre, wenn ich anderen jetzt meine Note mitteile. Denn ich hatte Recht damit, mir Sorgen zu machen. Es war berechtigt, nervös zu sein und darüber zu klagen, dass ich einfach nicht weiß, was mich erwartet. Ja, ich bin im Recht, und so schlecht diese Note auch ist, so schön finde ich das.
Genauso wie ich beruhigt bin, dass ich keine Enttäuschung verspüre. Ich bin nicht enttäuscht von mir selbst. Sicherlich bringt das jetzt diverse neue Fragen mit sich, die Aussichten auf einen Job minimieren sich zusehends, doch ich bleibe positiv. Die Note meines Studienabschlusses wird nicht von Bedeutung sein. Nicht für mich. Denn ich weiß, was ich kann. Und ich weiß, dass ich genieße, was ich tue. Ich habe Spaß daran und dabei, das ist etwas, dass für mich persönlich zählt. Für den Beruf selbst zählt dann für mich noch, dass ich gut bin, und das bin ich. Die Praxis, das ist mein Ding. Theorie hin oder her, was nützt sie mir? Ich bin Praktiker. Basta.

12.04.2010 um 16:54 Uhr

Aufregung

von: indalo

...ist ein spannendes Gefühl. Sie sitzt überall. In den Beinen, in den Armen, im Kopf und ganz besonders im Herzen. Wenn ich wirklich aufgeregt bin, dann fühle ich meinen Herzschlag auf eine ganz besondere Art. Mal wird es schneller, mal nur intensiver. Aber da ist dieses Gefühl in der linken Brust. Da können mir noch so viele Mediziner sagen, dass es nur ein Organ ist, das Herz spricht doch für sich. Es teilt mir etwas mit. Es sagt mir, nein, es zeigt mir, dass es nervös ist.

Dunkel erinner ich mich daran, mal einen Blogeintrag verfasst zu haben, als ich besonders hibbelig war. Das ist schon ziemlich lange her. Aber es ist noch nicht so lange her, dass ich so hibbelig war. Mündliche Prüfungen haben es einfach in sich. Schriftliche empfinde ich als total entspannend. Man geht hin, man schreibt was und dann geht man wieder. Aber mündlich? Da hat man ein Gesicht zu verlieren. Man muss sich ausdrücken können, man hat keine Zeit sich zu sammeln, man sollte nicht stottern und über Wörter nachdenken auch nicht. Es sollte alles auf Anhieb parat sein. Und das bedeutet Stress.

Morgen steht so eine Prüfung an. Ich glaube ganz fest daran, dass es gut wird. Ich glaube leider auch so sehr daran, dass ich Erwartungen habe. Erwartungen bilden die Grundlage für Enttäuschungen, und ich möchte nicht enttäuscht werden, ich möchte nicht enttäuscht sein. Denn das würde bedeuten, ich wäre von mir selbst enttäuscht. Das möchte ich nicht. Und vermutlich sendet mein Herz deswegen solche Signale. Oder meine Beine. Sie zittern nicht, ich zittere nicht, aber ich fühle sie auf eine ganz besondere Art. So wie mein Herz. Ich spüre sie. Und es ist spannend, dass mein Kopf ruhig ist und mir sagt, dass ich ruhig bin, aber mein Körper eine andere Sprache spricht. In vierundzwanzig Stunden ist es soweit. Und ich bin jetzt schon nervös. Die Nacht wird nicht ruhig, der Tag morgen auch nicht. Ich werde Ablenkung brauchen und sie auch bekommen. Das ist alles schon organisiert. Doch bitte keine Fragen. Wozu fragen, ob ich nervös sei? Wozu fragen, ob ich vorbereitet bin? Sicherlich, aber nicht gut genug. Ich könnte mehr tun, hätte mehr tun wollen. Doch das ist Alltag, nicht wahr? Das denkt man jedes Mal. Deswegen freu ich mich auf die nächste Prüfung. Denn es wird eine Prüfung sein, vor der ich sagen können werde, dass ich genug getan habe. Das wird entspannter als morgen, auch wenn ich gewiss genauso aufgeregt sein werde wie jetzt. Wenn nicht sogar noch aufgeregter. Denn dann steht der Tag bevor, an dem ich Ergebnisse erfahre. Noten, auf die ich seit Monaten warte. Und mit Monaten übertreibe ich nicht.

Wie auch immer. Ich bin aufgeregt. Nervös. Mein Herz schlägt in einem komischen Rhythmus. Mein Kopf dreht sich um die immer gleichen Fragen. Ich möchte einfach nur, dass schon morgen ist. Ich möchte nicht abends im Bett liegen oder wieder alles durchdenken. Ich möchte es hinter mir haben. Aber ich möchte es auch gut hinter mich bringen. Ach, ich möchte so viel. Damit sollte ich aufhören. Also werde ich mich jetzt weiter meinem Material widmen und zwischendurch meinem Herzen lauschen.

11.04.2010 um 20:19 Uhr

Ich würd mich auf der Stelle heiraten

von: indalo

Heute sprang ich durch meine Wohnung und fand das Leben toll. Einfach so. Ich fand aber nicht nur das Leben toll, ich fand mich selbst toll. Und in einem dieser herumspringenden Momente dachte ich nur „Ich würd mich auf der Stelle heiraten.“ Ja doch, ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich mich wahrhaft liebe.

Mein Selbstbewusstsein schlägt Purzelbäume. Das muss ich genießen, denn bald steh ich gewiss wieder vor irgendwelchen Abgründen. Überhaupt erstaunlich, dass ich zu solchen Hochphasen in einer Zeit wie dieser im Stande bin. Ich muss mich wirklich mögen. Hach ja, ich mag mich. So richtig. Und nach dem heutigen Tag noch mehr. Da saß ich in einem Hotel und redete mit ner Argentinierin. Total nett, total entspannt. Später im Bus sprach ich mit nem Chilenen, absolut genial. Eine Basis zu finden und n Gesprächsthema zu haben, ein gewisses Weltwissen zu besitzen um Gespräche über andere Kulturen zu führen, darauf bin ich stolz. Allgemeinbildung ist mir fern, eigentlich hatte ich nie Ahnung von irgendwas oder irgendwem. Die passenden Schulfächer dazu waren mir ein Graus, erst seit kurzem seh ich mich im Stande, sämtliche deutsche Bundesländer aufzählen zu können. Ich lebe das Leben, wie ich es mir vorstelle. Ich lerne durch meine Erfahrungen, nicht durch Wissen. So wollte ich es immer haben. Ich wehre mich nicht gegen Geschichte, aber ich wehre mich gegen das Lernen von Daten und Fakten. Ich möchte sie erleben, anfassen können. Nicht nur ein Geschichtsbuch lesen und jemanden darüber referieren hören, nein, ich möchte an Ort und Stelle stehen und die Gänsehaut spüren, die einem den Rücken runterläuft, wenn man manches Detail hört oder sieht. Geschichte zum Anfassen, das Leben zum Anfassen.

Und so inmitten eines Gespräches zu sein, über dies oder jenes zu reden, über die verschiedenen Sprachen in Spanien, oder die unterschiedlichen Redearten in Lateinamerika,  über die lebhaften Italiener, die übergenährten Amerikaner oder die etwas schrägen Engländer, das gefällt mir. Über all so was wahrhaft reden zu können, über die Eigenarten zu berichten und nicht nur einst gelerntes Wissen wiederzugeben, so stell ich mir mein Leben vor. Heute jemanden etwas gelehrt zu haben, was mir persönlich wichtig ist, jemandem etwas erklärt zu haben, was letztlich wenig bekannt ist, das macht mich glücklich. Einen Beitrag zu einem besseren interkulturellen Verständnis geleistet zu haben, war meine gute Tat des Tages.
Ich sagte schon, dass ich mich liebe, nicht wahr? Und all diese Gedanken bringen mich an den Punkt, an dem ich mich im Spiegel angucken und sagen kann: Du gefällst mir.  

09.04.2010 um 19:46 Uhr

Eine verspätete SMS

von: indalo

Heute bekam ich eine verspätete SMS. Dass sie verspätet war, stört mich nicht im geringsten. Sie hätte auch jeden anderen Tag kommen können. Das Datum spielt dabei keine Rolle, jedenfalls für mich nicht. Und so las ich diese SMS. Mein Handy ist so gestrickt, dass ich frühestens ganz am Ende sehe, wer mir die Nachricht schickte. Doch schon bei der Begrüßung ahnte ich, von wem sie ist. Im Laufe des Lesens wurde es immer deutlicher. Und es war eine SMS, die bewegt. Von einer Freundin, die... wie soll ich sie beschreiben? Wir sind uns einerseits sehr nah, aber andererseits auch total fern. Ich lebe in dieser Stadt Freundschaften, die ich vielen nicht begreiflich machen kann. Manches Mal bin ich sogar vorsichtig, wenn es um die Bezeichnung Freundschaft geht. Denn sind es wirklich Freunde?

Diese SMS heute zeigte mir wieder einmal, wie nah wir uns sind. Wie gut wir uns kennen. Dass wir unsere eigene Art der Kommunikation haben, irgendwie eine einmalige. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie es dazu gekommen ist. Es war plötzlich da, und ich hab’s genossen. So spürte ich wieder die Nähe, die Verbundenheit, das Gefühl des Kennens. Das tat gut, das fühlt sich schön an. Und so werde ich heute mit einem Gefühl von Geborgenheit schlafen gehen. Mit dem Wissen, dass da draußen Menschen sind, die mich mögen, obwohl sie mich kennen. Die mir genau das wünschen, was mir wichtig ist, und es auch benennen. Nicht nur einfach sagen, dass sie mir das wünschen, was ich mir wünsche. Nein, wirklich benennen können, was ich brauche, und sich womöglich der Tiefe ihrer Worte gar nicht bewusst sind. Ich werde mit einem Lächeln schlafen gehen.

08.04.2010 um 21:25 Uhr

Zum heutigen Tag

von: indalo

Passend zum heutigen Tag bekam ich einige Anrufe. So ist das manchmal. Und sie wollten mir was gutes tun. Natürlich, das wollen sie ja des öfteren. Aber heute eben auch. Und wenn ich an all die Gespräche denke, oder überhaupt an alles zusammen, dann war das letzte Gespräch eben doch immer noch das schönste. Denn einfach zu hören und zu fühlen, dass sie glücklich ist, das ist das schönste Geschenk, das sie mir machen kann. Mit ihr zu reden, über alles und nichts, zehnmal zu beschließen, dass wir auflegen sollten und doch nicht voneinander loskommen. Das macht manch ein gutes Gespräch aus. Und dann zu hören, wie sie kurz mit ihrem Mann redet, so ganz nebenbei. Das war schön. Überhaupt, dass ihr Mann derjenige war, der mich anrief, das war schon schön. Das spricht für seine liebenswerte Art, für seine besondere Art, eine Art, die ich wirklich sehr schätze und auch innig liebe. Und dann eben deren kurzes Debakel zu hören. Ich weiß schon gar nicht mehr worum es ging, irgendwas mit Technik. Das löste ein Gefühl der Freunde in mir aus, auch ein wenig ein Gefühl der Sehnsucht. Denn das, was die beiden haben, das wünsche ich mir auch. Danach sehne ich mich, auf eine Art. Ich fühle mich deswegen nicht schlecht, ich sehe einfach das positive daran, nämlich dass sie etwas haben, was andere sich wünschen – ich in diesem Fall. Das spricht dafür, dass sie etwas besonderes haben. Und das gönne ich ihnen. Von Herzen. Und bin ihnen unglaublich dankbar, dass sie beide es mich miterleben lassen. Dass sie sind, wie sie sind. Ihre Freundschaft und mein Ticket zu dem Kinofilm, der ihr Leben ist, das ist eins der kostbarsten Dinge, die ich besitze.

07.04.2010 um 10:21 Uhr

Welch schöner Unistart

von: indalo

Welch schöner Start ins Semester. Erst klingelte mein Wecker mich unliebsam ausm Schlaf. Wenigstens nicht ausm Tiefschlaf, denn kurz vor dem Weckerklingeln war ich schon wach. Trotzdem, es ist lange her, dass ich mich morgens so erschlagen fühlte. Also auf in die Uni. Doch statt etwas zu lernen, erfuhr ich nur, dass mein Dozent krank ist. Zwei Minuten bevor ich davon erfuhr, sah ich ihn jedoch in der Etage darüber. Wollen die mich jetzt aufn Arm nehmen? Nein? Nun gut, fragen wir noch jemand anderen, ob die Info stimmt und dann geht’s wieder auf nach Hause. Sehr entspannt.

Man könnte meinen, es sei durchweg positiv, wenn ein Kurs ausfällt, doch wenn dies zu Beginn des Semester geschieht, wenn der Stundenplan noch nicht so richtig steht, dann kann das durchaus dramatische Folgen haben. Ich grübelte also hin und her, wie das nun alles laufen kann und was ich denn jetzt zu welcher Zeit belegen möchte und kann. Keine einfache Sache. Die ersten zwei Uniwochen sind kein Zuckerschlecken. Entscheidungen über Entscheidungen. Einfach nicht meine Welt. Doch ich genoss einfach, überraschend frei zu haben und mich doch noch einmal auf mein Bett zu werfen. Keine zwei Stunden später klingelte das Handy – ob ich in die Mensa möchte. Oh ja, seit weit über nem Jahr war ich dort nicht mehr speisen und hatte es mir für dieses Semester vorgenommen. Feine Sache. Also etwas essen gehen.

In der Mensa angekommen war’s schön leer. Das gefiel mir. Und so entdeckte ich auch mitten in meinem Mahl einen dieser besonderen Menschen, die einen Platz in meinem Herzen haben. Ein alter neuer Freund stand in der Schlange und ich konnte es mir nicht nehmen lassen aufzuspringen und ihm Hallo zu sagen. Seine Begrüßung verriet, dass auch er sich freute, mich zu sehen. So quatschten wir, bis wir beschlossen, dass er sich erst einmal etwas zu essen holen sollte und ich meins weiteresse, bevor es kalt wird. Es ist schön, ihn zu sehen. Also setzte er sich zu uns und wir redeten noch a bissl. Ganz entspannt. Doch dann mussten wir auch alle weiter.

Beim nächsten Unigebäude angekommen, oder eher angeschlichen, sah ich eine Freundin auf uns zu kommen. Mein immer noch angeschlagener und sehr schlapper Zustand gestern erlaubte es mir nicht, auf sie zu zurennen, aber ich bemühte mich doch schnellen Ganges. Das Rennen selbst musste sie sich halt vorstellen. Es war auch wunderbar, sie wiederzusehen. Das musste mein Glückstag sein. Sonst treff ich selten unerwartet nette Menschen. Also hab ich mit ihr noch n Weilchen gequatscht, bis sie zu ihrem Raum ging. Sie verriet mir noch, dass laut Teilnehmerliste noch zwei bekannte Gesichter im Raum sein müssten. Wie schön, ich freute mich darauf, sie nach der Veranstaltung zu sehen. Doch mein Glück war mir hold und als ich mich umdrehte, sah ich schon eine von beiden auf den Fahrradparkplatz rollen. So stürmte ich langsamen Schrittes auch auf sie zu. Oh, welch ein schöner Tag. Jetzt fehlte niemand mehr, all die Überraschungen des Tages waren perfekt. Es gäbe sowieso nur noch zwei Menschen, die mir hätten übern Weg laufen können. Alles ausgeschöpft.

Doch auf dem Heimweg trödelte ich vor mich hin, begegnete noch mehr bekannten, aber nicht befreundeten Gesichtern. Denn davon gibt es ne Menge. Und während ich mit der einen so quatschte, kam der erste wieder vorbei. So sah ich diesen neuen alten Freund zweimal am gleichen Tag. Welch Zufall. So kann die Uni immer beginnen, da kann das Semester nur gut werden.
Abends traf ich dann eher unbewusst noch die Entscheidung, die ich stundenlang nicht treffen konnte oder wollte. Mein Stundenplan – sofern das nächste Woche alles gut geht – steht also. Möge das Semester beginnen!

03.04.2010 um 22:30 Uhr

Sprachen

von: indalo

Sprachen sind etwas spannendes. Da nutzen verschiedene Kulturen ganz unterschiedliche Begriffe für ein und die selbe Sprache. Anhand der Grammatik erkennt man gewisse Entwicklungen innerhalb der Sprache und eben auch der Kultur. Manchmal findet man dort Traditionen wieder, derer sich die Sprecher einer Sprache schon längst nicht mehr bewusst sind. „erbärmlich“ ist so ein Beispiel. Was es bedeutet, das weiß vermutlich jeder. Aber wem ist bisher aufgefallen, dass man die Ärmlichkeit erbt und deswegen eben erb-ärmlich ist?

Vor ein paar Tagen erzählte mir jemand, dass eine Bekannte mit ihrer Mutter im Grunde nur Italienisch redet. Das löste in mir Bewunderung aus. Ich fragte mich spontan, wie sie das macht, einfach so zwischen den Sprachen zu wechseln. Einst kannte ich einen Menschen, der mit seinem Vater nur Spanisch sprach. Auch das löste in mir Bewunderung aus. Doch in manchen Momenten fällt mir auf, dass ich mich ab und an auch selbst bewundern sollte. Denn ohne es zu merken geht es mir doch genauso. Vielleicht nicht gerade mit den angesprochenen Sprachen, doch welche es sind, ist letztlich irrelevant. Auch ich bin in der Lage von einer Sekunde zur nächsten in eine andere Sprache zu wechseln und die Kommunikation fortzusetzen. Manchmal sollte ich mir selbst auch ein wenig Bewunderung zukommen lassen.

02.04.2010 um 22:39 Uhr

Alphabetisierung Nicaraguas

von: indalo

Mir ist bewusst, dass mein Blog gerade nicht unbedingt dazu beitrug, die Welt in einem positiven Licht zu sehen. Neulich postete ich eine Geschichte, die mich sehr berührt hat. Schockiert, genaugenommen. Ich weiß nicht genau, was daran, denn unbekannt war mir das Thema nicht und für gewöhnlich schockiert mich derartiges auch nicht mehr. Vielleicht war es die Ruhe, mit der diese Geschichte erzählt wurde. Die Gelassenheit, die Kühle. Was auch immer es war, ich konnte es nicht in Worte fassen. Ich beließ es dabei, einfach nur die Geschichte selbst zu posten. Keine Gedanken, keine Fragen, keine Kommentare. Einfach so.

Noch am selben Tag, oder zumindest kurz nach oder auch vor dem Lesen dieser (und diverser anderer furchtbarer Geschichten) las ich etwas, das mir wieder Mut machte. Es gab so viel, dass mich gerade runterzog, so viel, das mir das Gefühl gab, diese Welt sei eine schlechte. Ich sehe immer noch die dunklen Ecken, doch diesen anderen Bericht zu lesen, ließ wieder Sonne in mein Leben. Und darum möchte ich auch das jetzt endlich festhalten. Jetzt, wo ich mal wieder einen Tag nur für mich hatte, wo ich mich ein wenig besinnen konnte, besinnen auf mich selbst.

Das Jahr 1980 wurde in Nicaragua zum „Jahr der Alphabetisierung“ erklärt. Ich möchte gar nicht unbedingt in Details des Vorgangs oder der Geschichte eingehen, aber ein paar Zitate möchte ich anbringen:
„Analphabetismus stellt die größte Verweigerung des in der Erklärung der Menschenrechte verankerten Anspruches auf Bildung dar.“ So beginnt der Text.
„Millionen Kinder auf der ganzen Welt haben keinen Zugang zur Grundschule und sind deswegen unweigerlich dazu verdammt, das Heer der Analphabetisten zu verstärken.“ Damit fährt er fort.
„...so müssen Alphabetisierung und Bildung im Allgemeinen darauf ausgerichtet sein, in den Individuen eine kritische Haltung gegenüber der gesellschaftlichen Realität zu wecken, und es so Männern wie Frauen ermöglichen, ihr Schicksal zu verstehen, zu meistern und zu verändern.“ Und damit endet sie, die Einleitung.
Dann folgt viel technisches, Daten, Hintergründe, weitere Informationen. Doch irgendwann kam der Punkt, der mich berührte. „Für einen Moment verwandelte sich Nicaragua in einen einzigen Workshop zur Schulung der Alphabetisierer.“ Das allein zeugt schon von etwas besonderem. „So lernten sie die Teile der Bevölkerung, die sich alphabetisierten, und ihre harten, zum Teil erniedrigenden Lebensbedingungen kennen. Es entstanden Freundschaften, Gegenbesuche zwischen Bewohnern der Stadt und dem Land, der Vorstädte und wohlhabenden Stadtteile fanden statt.“ Nicht durch die Workshops, sondern durch diejenigen Menschen, die ihre Zeit darin investierten, ihre Landsleute zu alphabetisieren. Die gebildeten Menschen aus der Stadt fuhren aufs Land, wo der Prozentsatz um die siebzig lag. Unvorstellbar, dass nicht einmal jeder dritte lesen und schreiben konnte. Unvorstellbar für uns. Über vierhunderttausend Personen wurden alphabetisiert. „Es ist offensichtlich, dass die Errungenschaften einer Alphabetisierungskampagne verloren gehen, wenn es keine Folgeprogramme gibt, die die frisch Alphabetisierten ermuntern, den Lernprozess fortzusetzen und sich zu perfektionieren. [...] Wenn eine Lehre aus der nicaraguanischen Erfahrung gezogen werden kann, so die, dass Bildung eine Aufgabe aller ist und dass diejenigen, die das Privileg der Erziehung genossen haben, dazu verpflichtet sind, diese uneigennützig weiterzugeben.“

01.04.2010 um 20:59 Uhr

Mütter

von: indalo

Ich weiß, deine Mutter geht dir gerade ungemein auf die Nerven. Es ist mehr als das, du bist verletzt. Ich sehe in deinen Augen, dass du verletzt bist. Ich verstehe noch nicht so ganz, warum. Was da gerade passiert. Ich weiß nur, wie es immer ist. Wie du bist, welchen Stand du in deiner Familie hast und dass du mit deinem zarten Gemüt einen ziemlich schlechten Platz hast. Du kommst von deiner Familie nicht los, du willst sie, du brauchst sie und du lässt dir immer wieder wehtun. Immer und immer wieder. Das bist du. So hab ich dich kennen gelernt. Das ist okay, das ist dein Weg. Ich werde dich dabei unterstützen so gut ich es kann, denn ich werde dir nicht raten, meinen Weg zu nehmen. Auch wenn mein Weg mir gut erscheint, denn es wirkt, als würde er ein gutes Ende haben. Er ist noch lang, ohne Frage, aber seit langer Zeit geht es mir damit besser als dir. Wie auch immer, nur weil mein Weg gut für mich ist, ist er das noch lange nicht für andere, doch das ist es nicht, was ich sagen möchte, was ich schreiben möchte. Denn ich habe eine Bitte, wohl eher eine Aufforderung.

Sag nichts gegen meine Mutter.

Meine Mutter ist meine Mutter. Niemand außer mir hat das Recht, sie in ihrer Rolle als meine Mutter zu kritisieren oder zu beurteilen. Ich allein habe dieses Recht. Ich gestehe anderen zu, über sie zu fluchen, wenn ich mich aufrege. Das ist okay. Aber wenn ich – wie es seit ein paar Monaten der Fall ist – mich gut mit ihr und unserem Verhältnis fühle, dann hat nicht nur niemand das Recht, schlecht über sie zu reden, sondern dann nehme ich es demjenigen auch Übel. Zumindest denjenigen, die die Veränderung des letzten dreiviertel Jahres mitbekommen. Da ist eine Veränderung. Ich weiß nicht, ob sie anhält, ob sie dauerhaft ist oder von einem Tag zum anderen wieder kippt. Ich habe gelernt, dem Frieden nicht zu trauen. Doch um Himmels Willen, rede nicht schlecht über sie. Verdeutliche nicht, wie „wir“ über sie denken. Denn nur ich allein weiß, wie ich über sie denke. Und nur ich allein weiß all das über sie, was ich weiß. Sie ist meine Mutter. Wir sind gewiss keine Freunde, aber ich glaube, dass ich doch genug weiß um zu verstehen warum sie so ist, wie sie ist. Das muss auch niemand anders verstehen. Ich muss das nicht erklären. Man muss mir nur vertrauen. Denn es hat seine Gründe, gute Gründe. Und darum lass mir meinen Weg. Lass mich ihn gehen, vertrau mir, wenn ich sage, dass er gut ist, dass er richtig für mich oder für uns ist. Dass ich weiß, was ich tue, und dass ich gut auf mich aufpasse.