indalo

26.06.2010 um 23:22 Uhr

Liegt es wenigstens an dir?

von: indalo

Was ist das für eine Frage? „Ja, natürlich liegt es an mir.“ Aber was in aller Welt ist das für eine Frage? Klingt irgendwie... deprimierend. Nein, es liegt nicht an dir. Ich bin das Problem, mein Kopf ist das Problem. Da sind so viele Gedanken, so viele Befürchtungen, das kann ich nicht dauerhaft abschalten. Und zur Zeit sind sie mal wieder sehr aktuell. Du merkst, wie ich mich zurückziehe, nicht wahr? Womöglich gewährst du mir in deinen Augen auch Freiraum, doch ich habe das Gefühl, du kommst immer näher. Für jeden Schritt, den ich zurückmache, machst du zwei nach vorn. So fühlt es sich an. Ab und an machst du nur einen Schritt, aber ich sehe, wie es dich Kraft kostet. Manchmal seh ich die Angst in deinen Augen, doch siehst du sie auch in meinen? Wenn ich darüber nachdenke, dann ist nichts daran richtig. Nichts. Also versuche ich, nicht nachzudenken. Doch auch das gelingt mir nicht immer. Und mit all den anderen Gedanken bin ich zwar ein wenig abgelenkt, aber deswegen eben auch ein wenig entfernt. Ich merke, dass ich das nicht brauche. Ich brauche dich – auf freundschaftlicher Basis. Mehr möchte ich nicht. Und mit dem Niederschreiben dieser Worte tue ich dir Unrecht und mir. Uns beiden. So kann es nicht weitergehen. Und ich weiß nicht, ob sich meine Einstellung in zwei Wochen ändert. Ich weiß aber auch nicht, ob ich das abwarten möchte. Ich kann die Erwartungen fühlen, die du an mich stellst. Damit kann ich nicht umgehen. Früher war das einfacher. Aber früher war eben früher und ist jetzt nicht mehr. Doch wenn ich merke, wie glücklich du mich machst, dann macht mir das Angst. Ich habe keine Angst davor, glücklich zu sein. Aber das Ungleichgewicht gefällt mir nicht. Ich bin glücklich mit dem, was zur Zeit ist. Du nicht. Du willst mehr. Doch ich habe nicht mehr zu geben, zumindest nicht jetzt, und anscheinend auch nicht dir. So Leid es mir tut. Es liegt an mir.

23.06.2010 um 23:44 Uhr

Joggen während des Deutschlandspiels

von: indalo

Die beste Idee, die ich heute hatte, war zur Zeit des Deutschlandspiels joggen zu gehen. Die Sonne ging schon langsam unter und lukte zwischen den Bäumen hindurch. Ein traumhafter Anblick. So verbrachte ich also die Zeit zwischen den Bäumen, während andere mit Bier in der Hand in der Kneipe standen. Es war so ruhig und entspannt wie selten – die Verrückten waren schließlich beschäftigt.

Auf dem Heimweg fuhren Autos mit Deutschlandfahnen an mir vorbei und ich fragte mich, ob dies wahre Fans sind, wenn sie zur Zeit des Spiels im Auto sitzen. Sollten sie nicht das Spiel sehen? Als Fussballfan würd ich mir verarscht vorkommen.

So ging mein sinnloser Serientag gedankenvoll zu Ende. Auf einer Schaukel sitzend stellte ich mir mal wieder die Frage, was ich eigentlich von meinem Leben erwarte und in meinem Leben möchte. Viele Antworten, doch keine trifft es richtig. Manchmal möchte ich vor den Erwartungen fliehen, andere nicht enttäuschen und mich lieber in Luft auflösen, statt manch ein Gespräch zu führen. Doch um andere drehten sich meine Gedanken nicht. Ich saß einfach nur da und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

Zu Hause angekommen ging ich auf den Balkon. Ich liebe ihn, das sagte ich schon oft. Doch erwähnte ich je, wieso? Spät abends barfuß vor die (Balkon)Tür zu treten und auf warmen Untergrund zu stoßen ist ein wunderbares Gefühl. Nach ein paar Dehnübungen legte ich mich einfach nur hin. So lange, bis ich all die Wärme des Bodens aufgesogen hatte und ich irgendwann wärmer als der Balkon war. Das dauerte. Ich genoss es, auf dem warmen Boden abzukühlen und in den Himmel zu gucken. Strahlend blauer Himmel und irgendwann ein Flugzeug. Ein Flugzeug gefüllt mit Menschen, die keine Ahnung haben, dass ich dort auf dem Balkon liege und sie beobachte. Wenn ich in einigen Monaten meinen Flug wahrnehme, werde ich an den heutigen Tag denken und mich fragen, wie viele andere zu der Zeit in den Himmel gucken. Ab und an muss man die Perspektive wechseln.

Das mit der Perspektive überlegte ich mehrfach heute. Zu erst, als ich während des Joggens einen Weg nahm, der mich auf ein Haus führte, an welchem ich seit Jahren regelmäßig vorbeiging. Ich erkannte es nicht.
Als ich dann auf meinem Balkon stand und nach gegenüber guckte, betrachtete ich die Wohnungen im Erdgeschoss. Die Bewohner haben keine Ahnung, dass es von hier oben wie eine Ferienwohnung wirkt. Sie fühlen sich womöglich von der Kreuzung gestört,  von den Autos, dem Lärm oder eben den Nachbarn. Doch es sieht einfach traumhaft aus, diese große Balkontür und die Ebene davor, die in eine grüne Wiese mündet. Drumherum Brombeerbüsche, die im Sommer wirklich tolle Früchte tragen. Doch ob sie das wahrnehmen in ihrem Alltag?

20.06.2010 um 20:30 Uhr

Gedanken zu letzter Nacht

von: indalo

Ich lese hier so viel. Von offenen Beziehungen, von Jugendlieben oder auch von einsamen Singles. Immer wieder stelle ich mir die Frage, wo ich mich da einordnen würde und was davon auf mich zutrifft. Jugendliebe... habe ich so etwas? Und wenn ja, wer soll das gewesen sein?

Er taucht immer wieder auf, in mir drin. Nie, wenn ich allein bin, aber meistens, wenn ich ihn sehe. Wenn ich in seine Augen sehe und seinen Worten nicht mehr lausche, sondern nur noch daran denken kann, wie gut wir zueinander passen. Wie toll er mir als Freund gefallen würde. Immer wieder. Und wenn er dann auch noch seine Hand auf mein Knie legt, sie liegen lässt, dann denke ich noch mehr darüber nach. Wenn er mich anders umarmt als alle anderen, wenn er mir zulächelt und Sachen weiß, die alle anderen schon vergessen haben. Wenn er sich daran erinnert, wie ich damals bei ihm war. Wenn von seiner Katze die Rede ist, oder von seiner Familie, die ich doch auch kenne. In all diesen Situationen taucht er immer wieder in meinem Kopf auf. Und ein gewisses Gefühl geht damit einher. Ein Gefühl, dass ich nicht beschreiben kann, das ich nicht zu deuten weiß und auch gar nicht weiter ausloten möchte. Denn ich habe keine Ambitionen ihn zurück haben zu wollen. Er ist da, das ist schön. Es gibt ihn in meinem Leben und ich möchte ihn oder diese Situationen und Gedanken nicht missen. Es ist schön so wie es ist, und doch drehen sich die Gedanken immer mal wieder darum. Mal mehr, mal weniger. Doch Jugendliebe... das ist es nicht.

Jemand anderes kommt auch nicht in Frage. Oder doch? Vielleicht in ein paar Jahren, oder eher Jahrzehnten, wenn man das Leben dann anders betrachtet. Doch ich wünsche mir, dass ich manches nicht vergesse. Nicht so, wie meine Gesprächspartnerin der letzten Nacht, die auf ihrem Ross sitzt und sich nicht an ihre grauen Zeiten erinnert. Die nicht mehr weiß, wie es einst war, die nur noch über allem drüber steht. All die tollen Lebenstipps hat, sie verteilt als hätte sie die Weisheit selbst gepachtet und würde sich nicht im geringsten daran erinnern, woher sie das alles hat. Wer ihr dabei geholfen hat, die Welt endlich positiv zu sehen. Das ist okay, sie muss sich daran nicht erinnern, aber sie möge bitte von diesem Ross runterklettern und sich daran erinnern, dass sie lange Zeit selbst zum Fußvolk gehörte. Genau wie ich. Nur bin ich es heute noch. Ich laufe zwischen den Massen umher, habe immer noch die gleichen Ängste und Befürchtungen, lasse mich nicht von ihnen daran hindern, mein Leben so zu leben wie ich es möchte und es sich mir bei Zeiten anbietet. Nein, das nicht. Doch sie sind da, die Gedanken, die Überlegungen, die Bedenken. Manche Dinge sollen sich nicht ändern. Sicherlich gehören Veränderungen zum Leben dazu, das akzeptiere ich. Doch manche Dinge mögen bitte so bleiben, und noch habe ich auch keine Anhaltspunkte, dass diese bestimmten Punkte sich ändern würden. Doch ich halte es für möglich, verschließe nicht blind die Augen, sondern betrachte die Realität mit einer wechselhaften Mischung aus Optimismus und Pessimismus. Je nach Standpunkt, nach Laune, nach Tag.

Ich spüre mein Leben im Aufbruch. Und die Ungewissheit, die mich noch monatelang begleiten wird. Ich möchte langsam irgendwo ankommen. Ankommen und bleiben können, nicht müssen, nur können.

17.06.2010 um 23:21 Uhr

Zeppelin und ein Treffen nach sieben Jahren

von: indalo

Heute nach mehr als fünfzehn Jahren hab ich mal wieder einen Zeppelin erblickt. Vor wenigen Wochen kam ich darauf zu sprechen, dass es Jahre her sein muss, dass ich mal nen Zeppelin sah. Früher war es aufregend, wenn man so etwas am Himmel erblickte. Doch neulich fiel mir auf, dass es verdammt lange her war. Da überlegte ich noch, ob die jetzt gänzlich abgeschafft wurden. In den vielen, vielen Jahren dazwischen dachte ich nie darüber nach, aber irgendwann vor ein paar Wochen. Und heute sah ich einen. Er flog plötzlich zwischen den Gebäude lang, ich erblickte ihn und war einen Moment sprachlos.
Genau wie vorgestern als ich zu meinem Handy griff und völlig außer der Reihe eine SMS an eine Freundin schicken wollte die in der selben Sekunde anrief als ich im Menu auf SMS schreiben ging. Da war ich auch sprachlos. Diese Gedankenübertragung macht mich immer wieder sprachlos. Doch mal abgesehen von dem einen Moment heute war ich nicht sprachlos. Ich traf eine Freundin, die ich seit sieben Jahren kenne. Sieben lange Jahre schreiben wir uns Nachrichten, Emails oder auch Briefe. Vor einigen Jahren telefonierten wir sogar ab und an. Doch ein Treffen gab es nie. Ich wusste bis vor wenigen Wochen nicht einmal, wie sie aussah. Es war nie von Bedeutung. Früher wollte ich kein Treffen, heutzutage kam es nie dazu. Letztes oder vorletztes Jahr passte es nicht und heute war es dann soweit. Erstaunlich. Ich hätte nie gedacht, dass wir spontan mal zehn Stunden zusammen verbringen und mir nie langweilig wurde. Es war komisch. Ich saß mit dem Rücke zu der Uhr. Ich erinnere mich daran, wie es halb fünf war als ich mich umdrehte. Irgendwann drehte ich mich wieder um und es war halb sechs. Einfach so. Okay, gut. Kann passieren. Doch beim nächsten Umdrehen war es halb neun. Schon um halb sechs fragte mein Gegenüber mich, ob die Uhr kaputt sei, die könne einfach nicht richtig gehen. Um halb neun war ich dann auch irritiert. Wo waren die letzten drei Stunden? Wo waren überhaupt die vielen Stunden seit wir uns gesehen haben? Ich habe keine Ahnung, ich weiß nur, dass wir sogar über zehn Stunden miteinander verbrachten und ich im Traum nicht darauf gekommen wäre, dass das passieren würde. Hätte ich das geahnt, hätt ich mich vielleicht vorher auf den morgigen Tag vorbereitet. Denn eben als ich nach Hause kam fiel mir ganz erschrocken ein, dass ich morgen früh ja schon wieder arbeiten muss. Furchtbar. Das entfällt mir gerade wohl öfter. Nunja. Also sprinte ich jetzt ins Bett und hoffe, dass morgen alles gut geht. So wenig ich mich auch mental darauf vorbereitet habe.

16.06.2010 um 22:43 Uhr

Heute lernte ich ihre Mutter kennen

von: indalo

Gestern machte ich mich auf den Weg, eine Freundin zu treffen. Eine Freundin, die ich alle Jahre oder eineinhalb Jahre sehe. Selten also, sehr selten. Und obwohl ich vor nicht einmal einer handvoll Jahren eine Woche in ihrem Haus verbrachte, hab ich heut Nacht das erste Mal seit Jahren wieder in Ruhe mit ihr geredet. Wir telefonierten zwar mal in der Zwischenzeit, aber es hatte nie die Qualität wie letzte Nacht. Wir hatten zwei Stunden in aller Ruhe für uns. Ohne Hunde, ohne rumlaufende Menschen und mit guter Verbindung – von Angesicht zu Angesicht.

Als ich mich auf den Weg machte, bzw. unser Treffen plante, verspürte ich kein bisschen Aufregung. Genaugenommen verspürte ich dieses Mal nie die Aufregung. Ich war nicht aufgeregt, ich war nicht vorfreudig. Wir würden uns sehen, das war einfach so. Als wäre es das normalste der Welt. Und ich muss sagen, es ist auch das normalste Welt. Wenn sie nach Deutschland kommt, dann sehen wir uns. Wenn ich in ihr Land fliege, dann sehen wir uns nicht. Bis auf einmal. Ich würde das ändern, ich würde auch zu ihr fliegen, aber das passt nicht in ihr Leben. Es ist nicht so, dass ich nicht passe, aber es passt einfach nicht. Wenn ich mir über die Umstände unserer Freundschaft Gedanken mache oder anderen davon erzähle, dann könnte ich mit Leichtigkeit diese Freundschaft in Frage stellen. Doch dieses Gefühl, diese Natürlichkeit, die Nähe, die Aufmerksamkeit, die Erinnerungen und jegliche Zukunftsplanungen sagen etwas anderes aus. Ich versteh nicht, was uns zusammenhält. Sie hat sich für mich entschieden, damals, als sie ihr Leben änderte. Ich habe mich nie konkret für und noch weniger gegen sie entschieden, aber allein der Umstand, dass ich alles auf mich nehme um sie zu sehen, wenn sie im Land ist, der spricht jedes Mal aufs neue für die Entscheidung für sie. Genauso wie sie die letzten Jahre für mich nicht nur nach Deutschland gekommen ist, sondern sogar quer durchs Land fuhr nur um ein paar Stunden mit mir zu verbringen. Erstaunlich, wie wichtig ich ihr sein muss. Auch wenn ich es nicht verstehe, ich nehme es einfach hin. An dreihundertvierundsechzig Tagen im Jahr mache ich mir auch keine Gedanken darüber. Nur am Ende eines solchen Tages, an dem einfach alles glatt lief. Ach warte, nicht alles lief glatt, aber zwischen uns und unserer Gesellschaft lief alles glatt. Es harmonierte als wäre es das normalste der Welt, dass wir etwas gemeinsam unternehmen. Und es ist auch so normal geworden. In den letzten Jahren ist eine Gewohnheit geworden, dass wir uns zwei bis dreimal in drei Jahren sehen. Und wenn ich mir gestern noch Gedanken darüber machte, ob das gut so ist, so fühle ich heute, dass es richtig ist. Denn Gewohnheit ist etwas beständiges, etwas sicheres und allemal etwas zum Wohlfühlen. Und das tue ich in ihrer Gegenwart.

Heute lernte ich ihre Mutter kennen. Nach all den Jahren, die wir uns nun schon kennen, war es so weit. Die meiste Zeit davon hätte ich im Traum nicht daran gedacht, sie je kennenzulernen. Doch nachts wurde mir angekündigt, dass sie morgens gleich vor mir stünde. Okay, von mir aus, so hatte ich wenigstens keine Zeit, darüber nachzudenken. Es war nicht halb so spannend wie ich es mir vor Jahren ausgemalt hätte. Es war komisch, irgendwie. So viel weiß ich von dieser Frau, so viel hab ich gehört und indirekt miterlebt. Und dann stand sie vor mich, nicht zu unterscheiden von all den anderen. Nur vom Wissen her anders. Und als wir uns nach kurzer Zeit wieder trennten, hieß es nur, sie freue sich, mich kennen gelernt zu haben. Sie habe ja schon so viel von mir gehört. Das kann ich nur zurückgeben, nur ist meins weitaus weniger Phrase als ihrs. So möchte ich zumindest meinen. Oder aber ich bin mir immer noch nicht meiner Stellung in dem Leben mancher Freunde bewusst. Wer weiß.

14.06.2010 um 20:38 Uhr

Gedanken zu Begegnungen

von: indalo

Manchmal, oder auch öfter, frage ich mich, wie mein Gehirn funktioniert. Wonach entscheide ich, mit dem ich reden möchte und mit wem nicht? Wen sonder ich sofort aus und wo lass ich mich noch auf eine Kommunikation ein? Und aus welchen Gründen?

Erst stellte ich mal wieder fest, dass Männer einfach die angenehmeren Zeitgenossen sind. Frauen zicken und zetern, das ist mir nichts. So unter Männern ist’s n ganz anderer Schnack. Gefällt mir viel besser. Also hab ich da definitiv Vorurteile und bin vorsichtig, wenn zu viele Frauen in einem Raum sind. Oder auch auf einer Fläche. Das ist also das eine. Als nächstes sprach mich heute jemand an, dass wir gemeinsam einen Kurs hätten. Aha? Ich grübelte und überlegte, wo ich ihr Gesicht denn hinsortieren muss. Es sagte mir so gar nichts. Ich habe weniger als eine handvoll Kurse mit jeweils nicht allzu vielen Studenten – doch sie sagte mir nichts. Ich sagte ihr aber sehr wohl etwas. Sie war felsenfest überzeugte. Und da ich ja nur so wenige Kurse habe, war schnell geklärt, um welchen es ging. Mal abgesehen davon, dass sie nicht nur wusste, welcher es war, sondern auch, wo und wie ich zu sitzen pflegte. Da wusste sie fast mehr als ich.

So redete ich mit ihr. Über die, über das. Sie war ein normaler Mensch mit dem ich reden würde. Wäre sie einfach nur in dem Kurs auf mich zugegangen, hätte ich wahrscheinlich geblockt. Einfach, weil ich in der Uni dicht mache und mit niemandem groß reden will. Ich kenne Studenten und weiß, wie sie ticken. Nicht, dass ich mich nicht auch damit identifizieren würde, aber auf Abstand möchte ich trotzdem bleiben.
Als ich auf dem Weg nach Hause war, fragte ich mich wieder einmal, wonach ich sortiere. Unbewusst, oder doch bewusst? Ich weiß es nicht. Ich merke nur, dass ich in vielen Situationen nicht bereit bin, mich richtig auf andere einzulassen. Manchmal möchte ich mich vor Zickereien schützen, ein anderes Mal möchte ich mich einfach gar nicht auf weitere Menschen einlassen. Immer schön höflich und freundlich, bloß nie persönlich.
Ach, ich muss schon einen komischen Bild auf die anderen sein. Aber allein, dass sie trotz dieses Eindrucks das Wort an mich richtete, machte sie mir sympathisch.

11.06.2010 um 22:56 Uhr

Tief Doris macht's nachtdunkel

von: indalo

Wenn ich mir mein Leben gerade so angucke, dann beginne ich, mich zu fragen, wieso ich überhaupt ne Wohnung habe. Sie ist zu toll um sie herzugeben, ohne Frage, aber ich verbringe mehr Zeit außer Haus als im Haus, und wenn im Haus, dann im Bett, und zwar schlafend.

Heute war ich über sechszehn Stunden unterwegs, vierzehn davon arbeitenderweise. Gestern schon Arbeit und dann stehen mir noch zwei Tage bevor. Uni und Freizeitaktivitäten folgen Schlag auf Schlag. Mein Leben rast gerade auf einem Zug davon, mit mir als Chauffeur. Immer auf der Überholspur, doch diesmal weit über Tempolimit. Und ich find’s toll. Also gestern war nicht alles rosig, von den Pannen heute wollen wir lieber nicht... oder doch, davon wollen wir sprechen, denn ich sah einen Himmel, den es nicht so beschreiben gilt, wohl aber festzuhalten. Der Anblick, der sich mir bot, war faszinierend und beängstigend zu gleich. Wir, die Menschen in meiner Umgebung und ich, waren uns einig: Einmalig.
Erst sah’s nur dunkel aus, doch dann wurde es spektakulär. Der Himmel teilte sich ein wenig, es wirkte als würde eine Gewitterwolke die andere vor sich herschieben. Grünlich war der Himmel, so total ungewohnt. Ich bin mir sicher, einen solchen Himmel hab ich in Deutschland noch nie gesehen. Im Grunde auch nicht in einem anderen Land, und doch erinnerte es mich an einen Tag, an dem ich Tornados sah. Ich dachte an Tornados.
Es war nicht nur das, es war, als würde es Nacht werden. Genau das sagte ich auch. Es war mitten am Tag, okay, gelogen, es war am Morgen, aber dennoch schien die Sonne schon ein paar Stunden, und doch sah es aus, als würde es Nacht werden. Jetzt, nach ein paar Zeilen Nachrichten weiß ich auch, wer Schuld ist: Doris. Und in dem Artikel wird auch davon berichtet, dass es zeitweise nachtdunkel wurde. Es wirkte also nicht nur auf mich so. Und orkanartiges Wetter, auch dem muss ich zustimmen. Das kommt doch gut an meine Tornadobefürchtungen ran. Es ist nicht das gleiche, aber mit fünfzig entwurzelten Bäumen konnte man schon dienen. Und einer kaputten Autobahn, und zwar genau der Autobahn, die ich heute brauchte. Gar nicht gut. Doch mit meiner derzeitigen Einstellung störte mich auch das kaum. Ich bin grundentspannt, insbesondere wenn es um Arbeit geht. Wenn etwas schief läuft, dann kann ich daran nichts ändern. Und Naturkatastrophen unterliegen nun wirklich nicht meiner Gewalt.

So falle ich jetzt also total kaputt ins Bett und frage mich, wann ich mal wieder ein bisschen Zeit in meinem Heim verbringe, oder vielleicht auch einfach in meiner Stadt. Oder auch nur meinem Bundesland? Auch das wär schon fortschrittlich. Zur Zeit reise ich ja eher in weite Ferne. Hüpfe von hier nach dort. Fahr nicht nur eben aus meinem Bundesland raus, sondern durchquere das Nachbarland um zum nächsten zu gelangen. Ich reise zu viel. Und dann hab ich noch nicht einmal etwas davon. Aber eins ist klar: Ich werde nicht Busfahrer.

08.06.2010 um 18:03 Uhr

Freiwilligendienst bezahlen?

von: indalo

Kann mir irgendwer erklären, wieso man dafür zahlen muss, helfen zu dürfen?
Ich bin bereit, Zeit meines Lebens zu investieren, mein Wissen zu vermitteln und dort zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Ich sehe ja sogar ein, dass man die Reisekosten selbst trägt und auch Versicherungen und ähnliches zahlt. Das ist noch okay, aber ich sehe nicht ein, für jede Woche, die ich helfen darf, über hundert Euro zu zahlen. Da kann ich das Geld auch gleich spenden. Aber ich spende doch mehr als Geld, ich spende meine Zeit und Zuwendung – das ist mehr wert als Geld. Nur wieso in aller Welt soll ich dafür zahlen? DAS seh ich nicht ein, und ich versteh’s auch nicht.

07.06.2010 um 16:26 Uhr

An einem grauen Tag

von: indalo

Es ist unglaublich. Gerade lag ich hier rum und dachte vor mich hin, was manche Dinge doch anrichten können. Wie das Wetter auf meine Laune umschlägt, wie ein einzelner Brief mir sämtliche Zukunftsvisionen nimmt oder wie mich die Suche nach Lösungen im Internet wirklich frustriert. Ach, im Grunde dachte ich gerade darüber, dass meine Laune gerade tendenziell sinkt und ich etwas dagegen unternehmen muss, dass dies wirklich geschieht. Da klingelt mein Telefon, mein Handy genau genommen. Die Vorwahl verrät mir die Stadt, nämlich die Stadt, wo meine diversen Vorgesetzten sitzen. Ich hatte wenig Lust ranzugehen. Wartete auch einige Sekunden eh ich abnahm. Doch dann vernahm ich seine Stimme und musste unwirklich grinsen. Nur was will er diesmal? Fragen, ob ich arbeiten kann? Aha? Das schrieb ich schon per Mail, genau so wie ich es ihm letzte Woche live bestätigte. Und deswegen ruft er jetzt an? Mir mitteilend, dass wir ja schon heute morgen per Mail kommunizierten, sogar das Thema nannte er mir. Spannend. Also ruft er einfach so an. Und ich muss lächeln. Rufe mir wieder in Erinnerung, dass auch wenn gerade wieder einiges recht grau aussieht, ich mein Leben so liebe wie es ist. Was die Zukunft bringt, das weiß ich nicht. Es gibt Momente, da finde ich mich selbst ziemlich tapfer, doch dann merke ich auch wieder, wie groß die Hoffnungen waren und dass ich immer noch nicht bereit bin, sie aufzugeben. Auch wenn ich den Brief in meinen Händen halte, auch wenn ich per Mail noch einmal eine Absage bekam. Ich mag die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn ich zeitgleich überlege, ob ich mich geschlagen gebe. Ob ich jetzt doch den Weg gehe, vor dem ich mich seit Monaten scheue. Nicht fürchte, denn Angst hab ich keine, höchstens davor, dann nicht mehr wegzukommen. Ich will nächstes Jahr weg. Oder eigentlich dieses. Warum bin ich nicht dieses Jahr fort gewesen? Es wäre das beste gewesen... denn nächstes Jahr wollen sie mich hier halten, in diesem Land. Doch wenn ich jetzt bleibe, komme ich dann je wieder weg?

04.06.2010 um 22:39 Uhr

Mein Chef - ein Traum

von: indalo

Es ist eine wahre Wohltat mit diesem Mann zu arbeiten. Ich fühle mich unterstützt und gemocht, gewertschätzt und anerkannt. Heut morgen ging einfach alles drunter und drüber, doch das schöne an meinem Chefe ist, dass er sich um uns kümmert. Zwar auf sehr skurrile Art und für manche sicher nicht angebracht, aber ich find’s einfach nur cool. Ich sag ihm, was ich denke oder auf dem Herzen habe, und er reagiert. Er ist nicht genervt, er kommt nicht mit „ist dein Problem“ und wenn ich ihn Frage, wieso ich schon wieder ne Begleitperson (zur Kontrolle?) an der Hacke habe, dann verdreht er genauso genervt die Augen wie ich.

Wie so oft habe ich meine Schwierigkeiten damit, all die Besonderheiten zu sammeln und insbesondere so darzustellen, wie sie für mich sind. Ich möchte nur immer wieder sagen, wie toll er ist. Doch dann denk ich mir auch ständig, dass es dabei gar nicht nur um ihn geht, wir harmonieren einfach grandios. Andere klagen und meckern, schimpfen über ihn und fassen sich bei seinen Ansagen ann Kopp, ich grins mir nur einen. Er ruft zwar alle zehn Minuten an um Stress zu machen, doch ich empfinde sein Drängeln nicht als Stress. Und als wir dann auch als letzte wieder bei ihm ankommen, macht er nur Gesten, dass ich die Ruhe bewahren soll. Mach ich doch glatt, denn ich fühle mich einfach gut aufgehoben. Ich habe das Gefühl, dass er hinter mir steht. Da heißt es nicht „Dann musst du’s besser machen.“ (wie neulich noch bei der anderen), nein, da heißt es „Da kannst du nichts für.“ Genau das ist es. Man gibt mir eine Anweisung, die führe ich aus. Wenn jemand kurz vor Torschluss beschließt, die Anweisung zu ändern, dann kann ich mich nicht mal eben hinbeamen. Basta.

Erwähnte ich schon, dass ich diesen Kerl mag? Zum Knuddeln. Und wenn ich nicht total blind für etwaige kritische Vibrationen bin, dann sind wir wirklich wie füreinander geschaffen.

03.06.2010 um 17:46 Uhr

Plan A gescheitert

von: indalo

Damit ist es jetzt wohl offiziell. Also nicht, dass es bisher bekannt und inoffiziell war, aber jetzt ist es endgültig. Keine Gedanken mehr dazu, keine Hoffnungen, keine Vorfreude. Es ist auch noch keine Leere eingetreten, dazu ist die Info zu neu. Die Frage „Traurig?“ finde ich nicht nur überflüssig, sondern eher fehl am Platz. Ich habe mein Leben danach strukturiert, ich habe meine Pläne danach gerichtet und mir Hoffnungen gemacht. Ganz zu schweigen von dem Geld, was mich diese Bewerbung gekostet hat. Vielleicht war ich zwischendrin zu unsicher, vielleicht fehlt mir die Überzeugungskraft, ich weiß es nicht. Aber es liegt definitiv nicht daran, dass ich zu wenig getan habe oder zu selten dran dachte, dass ich es für mich behielt oder dem keine Bedeutung beigemessen habe. All das kann es nicht gewesen sein, und was es letztlich war, das weiß ich nicht. Nur dass es jetzt so ist, das weiß ich.

02.06.2010 um 23:36 Uhr

Anfangen und morgen das Vergessene nachholen

von: indalo

Heute war der Tag der vielen Erledigungen. Seit einiger Zeit türmen sich die Aufgaben hier. Vieles bleibt liegen, zu manchem hab ich keine Lust, zu anderem komm ich einfach nicht. Die letzten Monate und Jahre haben eben doch ihre Spuren hinterlassen. Und mit meinem Job jetzt geht noch mehr drunter und drüber. Außerdem nehme ich zu viele Freizeitvergnügen bereitwillig an.

Im Grunde war heute auch der Tag des Geldes. Ich hab knappe sechzig Euro ausgegeben. Davon leb ich sonst n Monat... doch ich brauchte nun einmal neue Schuhe, ne Hose ohne Löcher und ne Bluse war auch nötig. Essen war mit drin und sogar endlich mal wieder n Friseurbesuch. Ist ja schon wieder Monate her und so langsam sind meine Haare so kaputt gewesen, dass es nicht mehr auszuhalten war. Und wenn ich bedenke, wie viel ich da für meine sechzig Euro bekommen habe, dann find ich das recht gut. Richtig investiertes Geld. Vieles davon war längst überfällig, überhaupt muss ich meinen Kleiderschrank mal wieder durchforsten und Dinge ausmisten, die ich entweder nicht mehr anziehe oder die mittlerweile doch zu viele Löcher haben. Nur von meinem Lieblingspulli werde ich mich trotz Löcher und komischer Verfärbungen nicht trennen. Keine Chance.

So, nun habe ich also begonnen meine Listen abzuarbeiten. Erst der gebuchte Flug, jetzt das Einkaufen und zur Bibo fahren und morgen geht’s weiter. Denn wenn ich die ganze Zeit darauf warte, ein vollständige Liste zu haben, dann vergess ich zu viele Sachen und warte auch ne Ewigkeit. Das neue Motte (zumindest des heutigen Tages) lautet: Anfangen und morgen das Vergessene nachholen. Sonst fang ich nie an, und vergessen tu ich täglich irgendwas. Und sei es n Buch in der Bibo.
Wie auch immer, die Tatkraft ist in mir, ich werde sie nutzen. Morgen geht’s weiter, dann bin ich erst mal bis nächste Woche lahmgelegt. Aber auch dann wird es hoffentlich weiterhin frohes Schaffen geben. Ich bin optimistisch. Möge das Wetter anhalten!

01.06.2010 um 22:51 Uhr

Der anonyme und doch bekannte Anrufer

von: indalo

Da musste ich heute doch glatt mal wieder in die Uni. Wie ungewohnt *gg* Und es tat richtig gut. Der Moment, wie ich aus dem Fahrstuhl stolperte und wir gemeinsam lachten, war ein schöner Moment. Wenn auch genauso ungewohnt wie heute in die Uni zu gehen. Ich kenne diese Menschen nicht und habe auch keine Ambitionen, mich ihnen zu näher. Aber Spaß haben, das können wir trotzdem.

Ansonsten sollte ich nicht weiter über meinen Tagesablauf schreiben, das könnte langweilen. Nicht wichtig war, was wann geschah, sondern oftmals wie es geschah. Ich bekam einen Anruf. „Ja?“ – „Wer ist ja?“ Ich schmunzelte und nannte meinen Namen, denn ich wusste, wer da auf der anderen Seite der Leitung war, und das obwohl die Person mich anrief, nicht ich sie. Diese Stimme erkenne ich sofort. Im Nu hatte ich das Bild vor Augen, was sich in meinem Kopf immer mehr festigt. Ein junger Mann rief da an. Das Telefonat dauerte keine Minute und er sagte auch nicht, wer er sei. Er wusste, dass ich weiß, wer er ist. Das ist nicht unbedingt etwas besonderes, es gibt diverse Menschen mit denen ich dieses Spielchen spielen könnte. Doch dieser junge Mann ist anders, er ist gewissermaßen mein Chef. Wobei ich uns ja eher als Team betrachte. Wir sitzen in einem Boot und Handeln mit unterschiedlichen Waren. Es ist ein Geben und Nehmen. Sicherlich bekomme ich das Geld von ihm, zumindest bekommt er kein Geld von mir, doch ich fühle mich keineswegs abhängig von ihm. Ich sehe uns auf gleicher Ebene, er braucht mich womöglich noch vielmehr als ich ihn. Und diese Unabhängigkeit ist wohl das schönste an diesem Job. Er ist wie für mich geschaffen. Wie auch immer, darum sollte es nicht gehen. Stattdessen wollte ich diese Selbstverständlichkeit festhalten, mit der er davon ausging, dass ich wusste, wer er war. Ich grüßte ihn nicht, ich lächelte nur vor mich hin. Etwas, das er nicht sehen konnte. Doch ganz offensichtlich konnte er es hören. Und wieder einmal fühlte ich mich besonders. Er ist toll, und dieser Anruf wärmt mein Herz. Ich könnte schwärmen, und lächeln, und schmunzeln, und träumen, und strahlen. Ich könnte nicht nur, ich tue es.

Und zum Weltkindertag hab ich mir heute ein Geschenk gemacht. Ich habe endlich den Flug gebucht. Einen Flug an den Ort, der mein Zuhause ist. Ich werde wieder heimkehren in das Haus des Menschen, der für mich Heimat bedeutet. Ich freue mich darauf, auch wenn mir ab und an ein wenig mulmig wird. Hab ich wirklich gerade mehrere hundert Euro ausgegeben? Mit nur einem Klick? Fliege ich wirklich einfach mal zwei Wochen weg und nehme mir eine Auszeit von der Auszeit, die sich gerade mein Leben nennt? Wird es so schön sein wie eh und je? Daran zweifle ich nicht. Die Frage stellt nicht in Frage, dass es so sein wird, die Frage zeigt nur, wie erstaunlich es doch ist. Bisher wurde ich jedes Mal überrascht, wenn ich dort war. Es war immer anders und an das letzte Mal erinnere ich mich noch sehr gut. Es gab da dieses eine Ereignis, welches ich ganz tief in mir drinnen aufhebe. Es gehört mir allein, ich teile es nicht. Es ist ein Teil von mir, es formt mich.

So gehe ich mit einem Lächeln schlafen. Ein Lächeln, welches in Erinnerungen an meinen letzten Aufenthalt in der Ferne schwelgt, ein Lächeln, das die Gegenwart und insbesondere diesen jungen Mann samt seines Anrufs genießt, und ein Lächeln, welches sich auf die Zukunft freut, sowohl darauf, diesen anonymen Anrufer wieder zu sehen, als auch darauf, den Flug wahrzunehmen.