indalo

31.08.2010 um 21:20 Uhr

Geburtsort

von: indalo

Wo ich geboren wurde, das steht auf meiner Geburtsurkunde. Ein Dokument, das seit kurzem in meinem Besitz verweilt. Doch kann es immer nur einen Geburtsort geben? Immer nur eine Heimat?

Was antworte ich auf die Frage: „Wo bist du zu Hause?“ Lange Zeit habe ich diese Frage gar nicht beantwortet. Ich hatte kein Zuhause. Ich fühlte mich verloren in und auf der Welt, ich war immer dort zu Hause, wo mein Körper sich befand. Sei es auf Reisen oder sonst wo. Ich hatte kein Zuhause, wohl aber eine Heimat. Den Ort, wo ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte. Noch heute ist das meine Heimat. Doch was, wenn ich noch viel mehr Jahre am Stück in einer anderen Stadt verbracht habe? Wird diese dann zu meiner Heimat?

Jemand meinte neulich zu mir, dass ich ja zurückkehren müsse, weil man doch immer an den Ort zurückkehrt, wo man so viele Jahre verbracht hat. Doch irgendwie hat sie übersehen, – oder nicht sehen wollen – dass ich schon länger fort bin als ich je dort war. Und doch spielt dieser Ort eine wichtige Rolle in meinem Leben und das nicht, weil ich dort die ersten Jahre verbrachte, denn das ist schon wieder ein anderer Ort.

Dann gibt es noch weitere Orte. Gegenden, die für mich Heimat darstellen. Viel Zeit habe ich dort nicht verbracht, nicht einmal ein Jahr, und doch sind sie Heimat. Mehr als das, sie sind Geburtsort. Dort wurde ich neugeboren, ich setzte meinen Weg als neuer Mensch fort. Diese Orte, die dort gemachten Erfahrungen haben mich grundlegend verändert, sie haben einen Baustein für die Basis meiner jetzigen Persönlichkeit gelegt. Darum sind sie Heimat für mich.

30.08.2010 um 12:17 Uhr

Jobangebot per Anruf

von: indalo

Es macht mir ein bisschen Angst, auch wenn diese Angst kein Gefühl, sondern ein Gedanke ist. Vor einigen Minuten klingelte mein Handy. Eine mit vollkommen unbekannte Nummer, nicht einmal die Vorwahl konnte ich ansatzweise zu ordnen. Eine Schulleiterin am anderen Ende. Sie vergewisserte sich, ob sie auch wirklich die richtige Person erreicht hat. Ja, das hat sie. Doch wieso? Sie braucht mich. Sie möchte mir einen Job anbieten. Nicht das, was ich brauche, auch keinen richtigen Job, nur so etwas halbes. Ich möchte keine halben Sachen. Sicherlich könnte ich mir damit Geld verdienen, Erfahrungen sammeln und hätte n Fuß in der Tür. Doch für welchen Preis? Denn damit würde ich doch dem System zustimmen. Diesem fürchterlichen System, in dem es nur darum geht, Geld zu sparen und dabei die Menschen zu verheizen. Ich würde mich unter Wert verkaufen. Das möchte ich nicht. Darum hab ich mich auch nicht dafür interessiert oder danach gesucht. Jetzt hat es mich gesucht und gefunden. Aus dem Hinterhalt wurde ich überfallen und weiß nicht, was richtig ist. Einerseits bin ich dagegen, aber andererseits... würde ich es nicht machen, verweigere ich damit meine Hilfe. Hilfe, die ich anbieten kann. Ich würde Kinder im Stich lassen, dem immer weiter fortschreitenden Untergang zulassen. Ich würde tatenlos zu sehen. Auch das möchte ich nicht. Ich bin gerne bereit zu helfen, doch für welchen Preis? Was ist die richtige Entscheidung? Ich habe mir Bedenkzeit erbeten. Denn die brauche ich, auch wenn ich nicht darüber nachdenke. Letztlich hoffe ich, dass mit der Zeit sich diese Frage in Luft auflöst, dass sich jemand anders findet, der nicht mit seinem Gewissen kämpft und nur auf sich selbst achtet.

Neben all diesen Gedanken und Fragen, hat die Erkenntnis, dass ich wohl langsam wirklich erwachsen werde, kaum noch Platz. Ich bin an einem Punkt im Leben, an dem mich Menschen anrufen, weil sie mir einen Job anbieten. Weil sie mich mit meinen Fähigkeiten brauchen. Nein, für diese Erkenntnis brauche ich noch Zeit.

26.08.2010 um 22:17 Uhr

Spiegel

von: indalo

Es ist schon lustig, Menschen per Spiegel zu beobachten. In meiner Wohnung gibt es den ein oder anderen großen Spiegel. Selbst für Menschen, die so ziemlich täglich hier rumspringen, scheint das noch nicht fest im Kopf verankert zu sein. Denn heute saß ich da und warf durch Zufall einen Blick in den Spiegel und beobachtete das lustigste Spektakel seit langem. Meine Sitznachbarin war damit beschäftigt, ihre Nasenspitze zu beobachten und bewegte ihren Kopf dabei hin und her, immer in der Hoffnung etwas mehr von ihrer Nase erblicken zu können.

Ist es nicht schön, dass wir uns über den Hund amüsieren, der bei Zeiten versucht seinen Schwanz einzufangen und wir ab und an selbst ähnlich idiotische Manöver starten?

Lange hab ich nicht so gelacht wie bei diesem Anblick. Spiegel, ich danke dir.

14.08.2010 um 22:29 Uhr

Icons der Vergangenheit

von: indalo

Was Icons ausmachen. Kleine Bilder, große Gefühle. Tausende von Erinnerungen, Gedanken und Verbindungen. Nicht einmal einen Quadratzentimeter groß und so vielsagend. Ist das nicht erstaunlich?

Eben quatschte ich mit... einer Freundin. Ich würde sie Freundin nennen, auch wenn die Beziehung sehr kurios ist. Doch darum soll es nicht gehen. Nach langer, langer Zeit hatten wir auf dieser Ebene mal wieder Kontakt. Und da, auf einmal, ganz am Ende des Gesprächs, taucht dieses Icon auf. Es ist klein, es ist winzig und einfach nur niedlich. Dieses Icon gehört ihr, seit Jahren. Einer anderen Person ein anderes und mir ein weiteres. Irgendwie passen die drei zusammen, bilden eine Einheit. Sie stehen in einem Verhältnis zueinander, welches man deuten könnte. Und ich messe dem ganzen schon wieder viel mehr Wert bei als es verdient, oder eher als es hat. Doch solche Verbindungen aufstellen, das kann ich gut. Und es bewegt etwas. Es erinnert mich an eine alte, längst vergangene Zeit. So sehr längst vergangen, dass man mich daran erinnern muss. Es wird immer mehr Geschichte.

13.08.2010 um 19:57 Uhr

Brombeeren

von: indalo

Ich hab mal wieder meine Klappe zu früh aufgerissen und mir damit keine Lorbeeren verdient. Denn nachdem die ersten beiden Bewerbungen glatt liefen, war ich zu blöd für die dritte. Lesen sollte man können, ganz eindeutig. Aber was stellen die da auch für dämliche Fragen? *augenverdreh* Wenn ich die Frage bejahen könnte, würd ich mich nicht dafür bewerben. Idiotie, wie überall. Doch auch dieses Problem konnte ich irgendwann lösen. Jetzt heißt es nur hoffen und beten, dass alles weitere klappt. Und wieso müssen Bewerbungen immer so viel Geld kosten? Das ist ja furchtbar.

Wie auch immer, das ist im Gange. Nach viel zu vielen Wochen hab ich mich nun endlich beworben. Und während ich mir jetzt die einzelnen Bewerbungsmöglichkeiten ansehe, stelle ich fest, dass ich mich bei manchem schon früher hätte bewerben können. Eigentlich sollte ich mich ärgern, doch irgendwie ist mir nicht danach. Es ist halt wie es ist, ich kann’s nicht ändern, wieso also Energie verschwenden und mich ärgern? Für die nach mir ist dann alles wieder einfacher. Ich kann ihnen sagen wo sie was finden – Internet ist zwar toll, aber ab und an doch sehr unübersichtlich – und bis wann sie was fertig haben müssen. Hätte mir das mal einer gesagt... So läuft’s ja immer.

Doch statt mich darüber zu ärgern, freu ich mich lieber, dass ich heute mal wieder meinen Job gut gemacht habe. Es hat Spaß gemacht, sowohl mir als auch den anderen. Selbst mit kleineren und größeren Haken lief’s gut. Und nachdem ich zum Mittag eingeladen wurde, haben wir zur Feier des Tages gaaanz viele Brombeeren gepflückt. Eine große Schüssel voller Vitamine :-) Ich mag mein Leben.

12.08.2010 um 15:09 Uhr

beworben

von: indalo

Seit Wochen muss ich mir anhören, dass ich mich doch langsam mal bewerben sollte. Von Leidensgenossen wird mir ständig erzählt, wie aufwendig so eine Bewerbung ist. „Viel Spaß, reg dich nicht zu sehr auf.“ oder „Plan genügend Zeit ein, fang lieber schon mal an.“

Heute bekam ich einen Anruf einer Freundin, die von der Behörde aus dem Bett geklingelt wurde. Es ging um ihre Bewerbung die sie pflichtbewusst termingerecht eingereicht hat. Daraufhin quatschten wir und stellten fest, dass ich zumindest eine meiner Bewerbung noch heute abschicken sollte. Nun gut, ich überlegte erst, doch dann dachte ich mir: „Was soll’s? Wieso nachdenken, wieso abwägen, wenn’s passt, einfach abschicken.“ Denn ja, ich distanziere mich mittlerweile genug von diesem Kram, als dass ich mir viele Gedanken darüber. Warum sich informieren wo man hinsollte? Warum sich groß Gedanken machen? Ich kann das im Endeffekt ohnehin nicht entscheiden, also einfach bewerben. Ich hab’s jetzt einfach getan ohne mir Gedanken darüber zu machen. Die Für und Wider wurden nur kurz beachtet, weiter nichts. Innerhalb von zwanzig Minuten hatte ich die Bewerbungsunterlagen runtergeladen, ausgedruckt, ausgefüllt und sämtliche Unterlagen zusammengesucht und kopiert, damit ich sie beglaubigen lassen kann. Als nächstes ging’s ins Ortsamt Beglaubigungen anfertigen. Das war’s. Innerhalb von einer Stunde hatte ich meine erste Bewerbung im Briefkasten. Wo war da also das Problem? Was machen die Menschen sich immer so einen Stress. Die nächsten sollen schwieriger werden, soso, aha. Ich lass mich überraschen.

Nun sitze ich hier und habe mich beworben. Es fühlt sich weder wichtig noch bedeutend an. Als hätte ich einen Brief an meine Tante eingesteckt. Was anderes war es nicht. Nur die Hoffnung, die ist geweckt worden. Und es hängt mehr an dieser Bewerbung als mir lieb ist. Viel zu viele Komplikationen. Wenn mich jemand in den letzten Wochen fragte, ob ich mich bewerben würde, konnte ich nur antworten, dass ich mir das noch überlegen muss. Woanders werde ich mich bewerben, aber diese Bewerbung? Die ist speziell. Speziell wichtig. Ach, wie auch immer. Nun habe ich mich beworben und lass mich überraschen. Vielleicht bekomme ich in den nächsten Tagen ja auch einen Anruf von der Behörde. Wer weiß.

11.08.2010 um 22:49 Uhr

unflexibel?

von: indalo

Mein Leben derzeit ist... einerseits quasi nicht-existent, aber andererseits auch total aufgeblüht. Ich bin hier, ich bin da. Nur... krieg ich davon nicht viel mit. Also schon, aber... ach, ich weiß auch nicht. Ich möchte auch gar nicht klagen, wahrlich nicht. Dazu ist es einfach zu schön. Und doch entgeht mir das, was man Alltag nennt. Und ab und zu, insbesondere nach den letzten Monaten, dem letzten Jahr, wär das nicht schlecht. Ab und zu brauch ich das. Alltag. In der Ferne kann ich ihn erahnen. Nicht Urlaub, den werd ich haben, verschiedene Arten, verschiedene Orte. Aber Alltag, der fehlt mir.

Das ist ein hin und her, denn ich möchte gar nichts anderes momentan. Ich liebe das Leben von Woche zu Woche. Es gibt einen Tag in der Woche, da arbeite ich immer. Darauf ist mein Leben gerade gebaut. Wenn ich dann mal außer der Reihe arbeite, denke ich immer wieder, es war der spezielle Wochentag, an dem ich fest arbeite. Es ist schön, wenigstens diese Regelmäßigkeit zu haben. Ein Gefühl für Woche und Wochenende, ein Gefühl für Wochentage. Das ist mir wichtig, zumindest für die meiste Zeit des Jahres.

Und so lebe ich von Woche zu Woche. Hangele mich von Sonnenaufgang bis -untergang und weiter bis zum nächsten Tag. Mein mir fehlender Alltag zeigt sich in unruhigem Schlaf. Denn weder beantworte ich all meine Emails, noch kümmere ich mich um wichtige Sachen. Da ist nur Arbeit in meinem Kopf. Denn es macht Spaß, es ist aufregend und spannend. Nur das Leben nebenher, das geht gerade flöten. Ein eigenartiges Gefühl. In vielerlei Hinsicht auch eine gewisse Interesselosigkeit. Denn nach all den Jahren bin und bleibe ich ein alles-oder-nichts-Mensch. Ich kann manche Freundschaften und Dinge für längere Zeit auf Eis legen, aber dann müssen sie da auch bleiben. Denn wenn ich sie wieder aufwärme – was ich nur allzu gern tue – dann müssen sie auch wieder sehr lange warm bleiben. Alles andere verdirbt’s nur. Und das will ich bei weitem nicht.

So bitte ich wohl am Ehesten darum, dass ich mir selbst manches auf Eis gelegte verzeihe. Mir mal wieder selbst in Hintern trete und meinen lange aufgeschobenen Pflichten nachkomme. Eine hab ich zu Beginn der Woche in Angriff genommen. Eine weitere sollte sehr bald folgen. Insbesondere, wenn da wieder Finanzen mit dranhängen. Gucken wir mal. Vielleicht bringt das Wochenende ja Fortschritte. Denn auch wenn ich mich nicht so fühle, so habe ich heute schon viel geschafft. Urlaub geplant, Unterkünfte gebucht. Ich und Unterkünfte buchen, das passt mir ja so gar nicht. Ich bin zu spontan, denk ich zumindest. Dabei kann ich eigentlich beides. Manchmal frage ich mich, ob ich unflexibel werde.