indalo

30.12.2010 um 20:52 Uhr

Trauzeuge die zweite

von: indalo

Vor einiger Zeit, am heutigen Tag, bekam ich einen Anruf. Ich wunderte mich sehr, wir telefonieren eigentlich nie. Doch gestern erst, da haben wir telefoniert. Sie hat mich angerufen um mir persönlich zu sagen, dass sie nächstes Jahr heiraten wird. Persönlich so weit es geht, Hauptsache ich erfahre es nicht von anderen. Ich freute mich. Nicht so sehr wie letztes Jahr, oder auch vor einem Monat, als die anderen damit rausplatzen, aber doch, ich freute mich total kindisch. Damit einher gingen diverse Planungsschwierigkeiten. Angefangen mit der anderen Hochzeit im nächsten Jahr (die nach wie vor geheim ist, jedoch die gleichen Freunde betrifft) bis hin zu meinem neuesten Sommerplänen (die natürlich hinten anstehen, wenn es um die Hochzeit geht). Von erstem durfte ich nichts sagen, arbeitete aber schon darauf hin, dass sich diese Hochzeiten nicht überschneiden. Zwei meiner besten Freunde heiraten, also nein, eher drei, bzw. vier. Denn es sind ja zwei Hochzeiten. Welch ein Jahr, denn auch eine dritte Hochzeit ist in Planung, auch wenn ich davon nicht allzu viel mitbekommen werde.

So überschlugen sich gestern meine Gedanken, denn damit gerechnet hätte ich gerade nicht. Vorgestern sah ich die beiden frisch Verlobten, doch da wusste sie noch nichts von ihrem Glück. Erst gestern wurde sie gefragt und hat Ja gesagt. Gezittert hat der junge Mann, er war nervös. Das ist doch mal ein richtiger Antrag! Und zwei Tage vorher stand er mit Anzug und Blumenstrauß bei ihren Eltern vor der Tür. Wie süß! Er darf sie heiraten, meinen Segen hat er. Ich weiß, dass er sie liebt. Sie, meine langjährigste Freundin.

Heute morgen überlegte ich, dem anderen Paar Bescheid zu sagen, dass sie sich nun doch mal äußern sollten, da Überschneidungen ja nun nicht das schönste sind. Und da diese Hochzeit nun offiziell ist, beschloss ich, eine Email zu versenden. Kurz darauf bekam ich einen panischen Anruf der Braut. Ihr Zukünftiger hat schlechte Laune, weil er nun nicht der einzige ist, der im nächsten Jahr heiratet. Pech mein Lieber. Das hätte er sich früher überlegen müssen. Denn wenn ihm das so wichtig gewesen wäre, hätte er in diesem Jahr heiraten müssen – was im Übrigen sowieso perfekt gewesen wäre. Aber das soll man nicht meine Sorge sein, da muss er jetzt durch. Doch das schöne ist ja, das besagte zukünftige Braut, die immer noch ein schlechtes Gewissen hat, weil sie jemand anderen zum Trauzeugen ernannt hat, in solchen Zeiten immer meine Nummer wählt. Wie ich es ahnte.
Sie fragte mich dann auch, ob ich Trauzeuge bei der anderen Hochzeit sei. Ich verneinte. Sie blieb sprachlos. Ich konnte nicht anders als mir zu denken, dass die anderen darüber nicht minder überrascht wären als über ihre Trauzeugenwahl. Aber ich sagte nichts.

Heute rief mich dann auch noch mal die frisch Verlobte von gestern an. Erstaunlich, was für ein reger Telefonkontakt gerade herrscht. Wir quatschten erst über die andere Hochzeit über die sie soeben in Kenntnis gesetzt wurde und schließlich holte sie Luft um dann doch nur ein „Ich trau mich nicht.“ ihrem Gatten rüberzuwerfen. Warum traut sie sich nicht? Was traut sie sich nicht? Ich muss zugeben, dass ich schon ahnte, worum es ging, doch wieso traut sie sich nicht? Ob ich Angst hätte? Nö. (Auch wenn das vielleicht ein wenig gelogen ist, aber das steht auf einem anderen Blatt.) Letzten Endes klärten wir dann doch, dass ich bereit bin, ihr Trauzeuge zu sein. Bei der letzten Hochzeit hätte ich so viel Stress gehabt, dass sie mir das nicht antun möchte. Ja, ja, wir klärten aber schon bei der letzten Hochzeit – so fällt mir gerade ein – dass ich deswegen nicht Nein sagen würde. Es geht an diesem Tag um das Brautpaar. Dafür reiß ich mir ein Bein aus, egal wie viel Stress das ist. Ich bin da nicht wichtig, sie sind es. Und sie sind nicht grundlos meine besten Freunde. Das ist es mir wert.

Und so geht mein Trauzeugendasein in die zweite Runde. Ich stehe vor tausend neuen Fragen und ärgere mich, dass ich sie jetzt nicht mal live sehen kann um manches mit ihr zu klären. Doch vielleicht sollte ich erst etwas mit mir klären, nämlich das, was ich mit ihr zu klären gedenke.

19.12.2010 um 21:43 Uhr

Weitere Gedanken zum Trauzeugendasein

von: indalo

Nun ist es eine Woche her, dass ich davon erfuhr, dass das einst gemachte Versprechen hinfällig geworden ist. Nicht ihres, denn eine Frage ist kein Versprechen, aber meines, denn ich soll es gar nicht mehr einlösen.

Vielleicht ist es ein Selbstschutzmechanismus, der mich zu diesen Gedanken bringt, aber ich glaube, dass sie beide besser dran sind mit einem anderen Trauzeugen als mir. Damit stelle ich meine Eignung zum Trauzeugen nicht grundsätzlich in Frage, nein, damit meine ich nur, dass ich gerade auf dieser Hochzeit nicht als solches auftauchen sollte. Schon seit einiger Zeit, seit einigen Monaten oder eher Jahren mache ich mir Gedanken darüber.

Eines Tages rief sie mich an um mir zu erzählen, wen sie geküsst hat. Sie wollte, dass ich sie zur Sau mache, sie wollte, dass ich ihr den Kopf zurecht rücke. Ich tat dies nicht.
Ein Teil von mir hasste sie dafür was sie meinem Freund antat, aber ein anderer Teil, nämlich der, der mit ihr befreundet war, hatte Verständnis und Mitleid mit ihr. Das ist das Problem, wenn man mit beiden Parteien einer Beziehung befreundet ist.

Vor ein paar Jahren stand ich noch mehr zwischen Stühlen als bei besagtem Anruf. Dieses Mal aber in Bezug auf eine andere Beziehung, die heute nicht mehr existiert. Es ist gut, dass sie nicht mehr existiert, denn so kann ich die Freundschaft zu beiden in fairem Maße aufrecht erhalten. Das wäre der egoistische Ansatz, der nicht egoistische Teil von mir war schon lange vorher der Meinung, dass diese Beziehung keiner von beiden gut tut. Dem wird auch zugestimmt, von beiden Seiten. Wie dem auch sei, damals, als die Trennung dann endlich gelaufen war, merkte ich, wie sehr mich das Ganze belastete. Noch heute ist das alles kein Zuckerschlecken, aber es ist so viel leichter, da ich nicht für beide den „Beziehungszeugen“ spielen muss. Für mich stand fest, dass sofern ich es verhindern könnte, ich nie wieder eine ähnlich intensive Freundschaft zu zwei Beziehungspartnern aufbauen werde. Das Gefühlschaos in dem man automatisch landet, ist die Hölle.

Damals dachte ich schon an jenes Paar, das nun zu heiraten gedenkt. Das passte, da die Freundschaft eine andere ist. Und doch war mir nicht geheuer bei dem Gedanken, irgendwann als Retter in der Not herangezogen zu werden. Man könnte jetzt meinen, dass ich auf Grund ihrer Trauzeugenwahlen nie in diese Situation geraten werde, doch ich befürchte anderes. Denn nichts desto trotz ist „Trauzeuge“ nur ein Titel, den man vergibt. Ob dieser jemand im Leben bleibt, das weiß man nicht, genauso wenig wie man sicher sein kann, dass man nicht doch bei anderen Hilfe sucht. Sollte es also je zu Ehekrisen kommen, so fürchte ich, dass mein Telefon trotz allem klingeln wird. Man wird (hoffentlich nicht) sehen.

Jedenfalls bin ich der Ansicht, dass sie die richtige Wahl getroffen haben. Hätte ich vorher ernsthaft darüber nachgedacht, wäre ich vermutlich zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Doch das habe ich nie, denn ich erinnerte ja immer diese Frage von damals. Und Gespräche in der Zwischenzeit haben meine immer wiederkehrenden Zweifel verebben lassen. Es gab Hinweise und Andeutungen, und genau das verletzt mich jetzt nach wie vor. Denn auch wenn ich der Meinung bin, dass die Entscheidung die richtige war, so bin ich nicht minder verletzt.

18.12.2010 um 23:09 Uhr

Fahrstuhl

von: indalo

Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich eine bedeutende Fahrt mit einem Fahrstuhl. Was hat man nicht schon für Geschichten über Fahrstühle gehört. Bis zu dem Tag ging ich wohl davon aus, nie eine solche Geschichte zu erzählen zu haben. Doch dann, auf einmal, war da eine Geschichte. Es erstaunt mich ein wenig, nie darüber geschrieben zu haben. Manchmal bin ich mehr gentleman als ich denke. Denn ja, ich habe genossen und offensichtlich auch geschwiegen.

Warum ich daran auf einmal denke? Gestern traf ich eben jene Frau, die diese Fahrt mit dem Fahrstuhl so einmalig machte. Noch Wochen und Monate später betrat ich den Fahrstuhl mit einem Grinsen. Auch dieses Jahr erinnerte ich mich immer mal wieder an jenen Tag. Wie einfach man sich doch etwas so alltägliches versüßen kann.

Nachdem uns also jener Fahrstuhl ins Erdgeschoss brachte, gingen wir zu mir. Ich wusste nicht recht, was ich tat oder gar, was mich erwartet. Eins kam zum anderen und plötzlich war ich zu spät zur nächsten Vorlesung. Aber immerhin war ich dort. Das musste sein, ich brauchte das für mich.

Wie auch immer, um all das sollte es gar nicht gehen, all das war gestern nicht wichtig. Wichtig war nur dieser eine Satz: „Seit ich die Wohnung betrat, wusste ich genau, was ich wollte.“ – „Meine Wohnung?“ Ein irritierter Blick, Gedankenblitz und grinsendes Bejahen.
Meine Wohnung ist so wichtig für jemanden, dass er vergisst, dass er mit mir als Bewohner jener Wohnung redet? Spannend. „Vielleicht können wir uns ja mal treffen um das alles aufzuklären?“ Gerne, sehr gerne sogar. Auch wenn ich bezweifel, dass es dazu kommen wird. Irgendwann vielleicht, wenn sie für sich noch klarer ist. Viel wichtiger für mich ist dieses Gefühl. Überhaupt ein Gefühl. Nachdem ich die letzten Tagen und womöglich auch Wochen immer mehr abschaltete und manches aus den Augen verlor, stand ich gestern auf dem Weihnachtsmarkt und fühlte mich und mein Leben wieder. Sie berührte etwas in mir, was ich zu vergessen begann.

14.12.2010 um 20:54 Uhr

Was mache ich mit meinem Geld?

von: indalo

Da ich ja bald in der unglaublich glücklichen Lage sein werde, Geld zu verdienen, stehe ich vor der großen Frage: Was mache ich mit meinem Geld?

Einerseits hab ich da noch ein bisschen Gespartes, was ich gerne sinnvoll anlegen würde. Irgendwie, Hauptsache sicher. Und natürlich gerne mit möglichst hohem Zuwachs. Ich bin nicht reich, nie gewesen, aber den ein oder anderen Euro konnte ich schon bei Seite legen. Und jetzt, da ich bald geregeltes und endlich mal bombensicheres, festes Einkommen haben werde, kann ich mein Gespartes weglegen. Nur im Notfall müsste ich daran, doch davon wollen wir nicht ausgehen. Was kann ich also bei zwei bis fünf Jahren damit anstellen?

Andererseits werde ich dann ein regelmäßiges Einkommen haben, sodass ich auch monatlich Geld auf die hohe Kante legen könnte. Wie viel, das weiß ich noch nicht und würde ich vermutlich auch von der Variante abhängig machen. Da gibt es nun Bausparverträge, Altersvorsorge und was noch?
Das Problem bei der Altersvorsorge ist, dass man sich für vierzig Jahre festlegt. Dafür bin ich noch nicht wirklich bereit – oder kann mich jemand vom Gegenteil überzeugen? Bei den Bausparverträgen winken ja irgendwie nettere Zinsen als bei einfachen Konten. Doch was bringen mir die Zinsen, wenn ich ne Anfangsgebühr und dann noch regelmäßige Gebühren über den festgelegten Zeitraum von sieben (fünf wär mir zehnmal lieber) Jahren habe? Als Mensch mit mathematischem Verständnis würde ich meinen, dass die Zinsen, die ich mehr kriege als auf meinem normalen Konto, für ebenjene Gebühren draufgehen. Wo ist da also der Sinn, mich festzulegen?

12.12.2010 um 22:56 Uhr

Ich bin verletzt

von: indalo

Es ist raus. Es ist gesagt. Sie hat sich überwunden. Jemand, der mich vor sechs Jahren gefragt hat, ob ich Trauzeuge auf der gemeinsamen Hochzeit sein werde, hat mir nun gesagt, dass jetzt, wo die Hochzeit geplant wird, jemand anders diesen Titel bekommt. Seit zwei Wochen weiß ich, dass die Hochzeitsplanung begonnen hat, seit dem zweiten Antrag seinerseits und der da gefällten Entscheidung, dass sie sich jemand anderen sucht, quält sie sich damit, dass sie mir das irgendwann noch sagen muss. Sie hat Angst, das würde etwas an unserer Freundschaft ändern. Das tut es nicht. Es zeigt mir nur endlich, dass sie die gleiche Sicht auf die Realität hat wie ich.

Ich könnte jetzt davon anfangen, dass es doch nur ein Titel ist und man sich dabei nichts denken sollte. Ich könnte das jetzt runterspielen und für nicht wichtig erachten. Ja, all das könnte ich. Doch das tue ich nicht, denn es ist wichtig. Ich habe dieses Gefühl gefühlt, als mir klar wurde, weshalb sie noch ein zweites Mal anrief. Denn die Stunden davor verbrachte ich mit ihrem Zukünftigen am Telefon. Stundenlang telefonierten wir und redeten ebenso über die Hochzeit. Ich habe mir geklemmt, irgendwas konkretes zu sagen, ich habe mir verkniffen, nach der Gästeliste zu fragen oder sonstige Pläne zu machen. Auch er teilte mir heute mit, für wen er sich entschieden hat. Einen Freund, den ich auch kenne. Auf Grund dieses Gespräches, auf Grund eines Missverständnisses innerhalb dieses Gespräches, sah er sich gezwungen, ihr mitzuteilen, dass sie mir mitteilen sollte, dass auch sie jemand anderen gefragt hat. Beide... nein, nicht beide hätten mich auswählen können, aber beide stehen mir so nah, ich stehe beiden so nah, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass der Rest unseres Freundeskreises ziemlich irritiert sein wird, dass ich so gar nicht auf der Bildfläche auftauche.

Schon vor Jahren habe ich mit Planungen zu deren Hochzeit begonnen. Heute wollte ich einen Brief auf Grund der anstehenden Hochzeit verfassen. Ich werde dies nun sein lassen. Es ist nicht meine Aufgabe. Es ist nicht fair, mich nun gänzlich zurückzuhalten, denn unabhängig von dem Trauzeugendasein möchte ich doch, dass sie eine schöne Hochzeit haben werden. Aber gerade in diesem Moment lösen sich manche Gedanken und Ideen in Luft auf. Für manches möchte ich mir den Stress nicht machen. Vielleicht auch ein bisschen, weil ich verletzt bin. Denn das bin ich. Dieses Gefühl da, das verrät es mir.

Nein, ich muss darüber nicht nachdenken, aber ich muss das nachfühlen. Ich muss gucken, wie sich jetzt die nächsten Tage entwickeln werden. Unsere Freundschaft beeinflusst es nicht, dessen bin ich mir sicher, aber ihre Hochzeit, meine Einstellung zu dieser Hochzeit und definitiv meine Rolle dieser Hochzeit werden nun eine andere Gestalt annehmen. Das merke ich schon jetzt. Ich werde keine Reden schwingen, ich werde Gast sein und mich auch so benehmen. Ja, wohl auch, weil ich verletzt bin.

09.12.2010 um 21:54 Uhr

Erwachsenwerden ist scheiße.

von: indalo

Das muss jetzt mal gesagt sein. Ich halte mich zwar für recht erwachsen, aber in mancherlei Hinsicht war ich es noch nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass gerade alles zur selben Zeit passiert. Vielleicht hab ich mich in den letzten Jahren um die falschen Dinge gekümmert. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass es scheiße ist.

Ich fluche im Grunde nicht viel. Dieses Wort mit s c h sag ich selten, aber in letzter Zeit gibt es einiges, was das verdient. Mir geht es deswegen jetzt nicht grundsätzlich schlecht, aber es gibt eben doch einiges, was ich total daneben finde. Ich muss mich um dieses kümmern, um jenes und um sowieso alles. Mich nervt, dass ich wie immer allein bin. Total und vollkommen allein mich durch diese Aktendschungel kämpfen muss und für alle den Vorreiter spiele. Warum fehlen die Vorbilder? Die Vorreiter?

Im Laufe meines Lebens sind mir viele Lehrerkinder begegnet, die immer bemitleidet wurden. Die ärmsten werden immer mit den Eltern verglichen, sie haben sowieso keine Meinung und machen ihnen nur alles nach. Diese und andere Vorurteile geistern durch die Gesellschaft. Doch weißt du was? Seit geraumer Zeit (wenn es mir auch erst heute bewusst geworden ist) beneide ich diese Lehrerkinder, die in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Oder auch andere Kinder, die dies tun – Lehrerkinder fallen nur irgendwie am Meisten auf. Denn diese Menschen, die dann ja irgendwann keine Kinder mehr sind, haben immer jemanden, den sie fragen können. Ich im Gegensatz habe niemanden. Meine Eltern haben weder studiert noch standen sie je vor irgendeinem dieser Probleme. Familienverräter nennt mein Vater mich, weil ich einen anderen Weg einschlage. Er sagt es im Spaß, und doch weiß ich, dass ein Funken Wahrheit darin enthalten ist. Er denkt so, vielleicht fühlt er auch so, was aber nichts daran ändert, dass er mich liebt. Das weiß ich. Und doch bin ich der Verräter. Ich mache alles anders als ich es soll. Nein, meine Eltern sind nicht in der Lage das gute darin zu sehen, meine Eltern kommen grundsätzlich nicht darüber hinweg, dass ich mein eigenes Ding mache.

Oh, gerade in diesem Moment stelle ich fest, wie sehr ich doch meinen eigenen Weg gegangen bin. Wie sehr ich mich all den Hürden gestellt habe und trotz all der Verwandten, die mir alles schlecht geredet haben, immer auf mich hörte. Alles wollten sie mir schlecht reden, immer und immer wieder. Ich sollte dies nicht tun, ich sollte das nicht tun. Pah, ich mach was ich will. Und was hab ich davon? Genau diesen Salat.

Vielleicht sollte ich einfach alles machen, wie es mir gerade übern Weg läuft und dann mit den Fehlern leben? Dann hätte ich ein paar Sorgen weniger. Aber so bin ich nicht gepolt. Ich will es richtig machen, von Anfang an. Und was dieses komische Erwachsenwerden angeht, da hab ich kein Gefühl. Bei all meinen bisherigen Entscheidungen folgte ich meinem Gefühl. Auch jetzt, bei den wichtigen Dingen, traute ich nur mir und meiner inneren Stimme. Doch bei diesem ganzen Papierkram, da hab ich keine innere Stimme. Meine innere Stimme sagt mir: „Ach, lass den ganzen Mist sein, du brauchst nichts davon. Du kannst dich um Probleme kümmern, wenn sie da sind.“ Tja, das Problem ist nur, dass mir das Gesetz da einen Strich durch die Rechnung macht. Und all die Menschen, die mir ins Gewissen reden wollen. Auf all diese Diskussionen hab ich keinen Bock. Deswegen drehe ich mich seit Wochen im Kreis auf der Suche nach einem Ausweg. Nach einer Lösung. Und immer wieder sehe ich, dass ich mich nur um mich selbst drehe. Da ist niemand, der sich mit dreht, niemand, der mir eine helfende Hand hinhält, zumindest niemand, dem ich vertrauen kann. Diese fremden Menschen mit ihrer helfenden Hand müssen ja auch erst überprüft werden. Womit ich ja auch da wieder genug Entscheidungen alleine fälle.

Ach, Erwachsenwerden ist scheiße.

05.12.2010 um 23:15 Uhr

Mein Wochenende war...

von: indalo

irgendwie plötzlich vorbei. Auf der einen Seite hab ich sicherlich viel geschafft, auf der anderen Seite habe ich aber dennoch das Gefühl, nicht zu Potte zu kommen. Eigentlich hab ich auch mal wieder ziemlich viel rumgehangen. Doch – was wirklich faszinierend ist – trotzdem was geschafft. Ich hab einige Kartons von meinem Dachboden loswerden können – war auch nicht schwierig, die gehörten schließlich nicht mir – und auf der anderen Seite schon einige Kartons in meiner Wohnung packen können. Der Umzug steht zwar erst in ein paar Wochen an, aber mit dem Kistensammeln sollte man früh beginnen. Und wenn man dann schon Kisten hat, dann sollte man sie füllen – sofern man platzeffizient arbeiten möchte.
Doch das schönste an dem Kistenpacken ist gerade, dass ich auf einmal wieder Platz in meiner Wohnung habe. Im Laufe der letzten Wochen haben sich nämlich schon drei Reihen Stapel vor meinem sogenannten Schreibtisch aufgebaut, zwei davon konnte ich jetzt abarbeiten und wegsortieren. Wie schön, ich kann mich wieder frei bewegen. Muss auch, bald werde ich nämlich genau dort schlafen. Ja, dafür muss noch weiter auf- und womöglich auch umgeräumt werden.

Dann hab ich mich um ein paar Unisachen gekümmert, nichts aktuelles, sondern eher mal sichten, was ich denn schon alles geschafft habe und was ich gegebenenfalls noch gebrauchen könnte. Das Fazit war jetzt nicht das Beste.

Als nächstes hab ich eine total liebe Email von der Schwester meiner mom bekommen und kann jetzt glücklich lächelnd einschlafen. Jetzt, da es schon wieder so spät ist, dass mein Rhythmus flöten geht.

Aber bevor ich nun die Äuglein schließe, muss ich unbedingt festhalten: Ich bin endlich wieder so richtig ganz und komplett gesund. Seit einigen Wochen plagte mich nämlich ein ganz grausamer Husten, welcher in unerklärbare Halsschmerzen überging, die nun einfach weggetrunken und –gelutscht wurden. Ha, die Nikolauswoche beginne ich gesund und munter!

04.12.2010 um 21:30 Uhr

Alles Zusagen

von: indalo

Manchmal weiß ich, dass ich gut bin. Manchmal wird mir das Gefühl gegeben, dass ich es nicht bin. Manchmal glaube ich das. Doch manchmal, wenn auch Monate später, wird mir dann bestätigt, dass ich zumindest gut genug bin.

Heute kam nun die vierte Zusage. Es ist unglaublich. Vier Bewerbungen hab ich rausgeschickt mit der Hoffnung, eine Zusage zu bekommen. Vier Zusagen hab ich erhalten. Und sogar eine Absage *lach* „Ich bin vielleicht nicht gut, aber gut genug.“, sagte ich neulich. Gemeint war mein Abschlusszeugnis, denn das sagt bekanntlich wenig über meine Fähigkeiten aus. Diese Zusagen im Übrigen auch nicht, das ist mir wohl bewusst. Aber offenbar gibt es nicht allzu viele Menschen, die besser sind, bzw. die ein besseres Zeugnis in den Händen halten.

Erstaunlich. Man hört so viel, man sieht so viel, und doch kommt alles anders. Ob ich mir je wirklich Sorgen gemacht habe? Bestimmt. Zumindest hab ich mich immer gefragt, was wäre wenn. Ich habe keinen Plan B geschmiedet, denn mein Motto ist und bleibt: „Wer einen Plan B hat, der braucht ihn auch.“ Das Gesetz der Anziehung sozusagen. Ich hatte keinen Plan B. Andere Menschen in einer ähnlichen Situation haben mir mehrfach den Kopf abgerissen, weil ich mich weigerte, dem allgemein üblichen Plan B zu folgen. Ich wollte nicht, ich hielt es nicht für richtig. Nein, dieses System sollte nicht von mir unterstützt werden. Ein blödes System, ein falsches und absolut idiotisches. Da war ich dagegen.
Klar verstehe ich, wieso andere diese hinterhältigen Angebote annehmen. Aber solange ich es nicht muss, solange lebe ich weiter auf eigene Kosten und such mir was anderes. Nein, nein, nein. Das wollte ich nicht mit mir machen lassen und war schon entnervt von all den Leuten, die einen Plan B forderten. Ich sollte zum Arbeitsamt gehen, ich sollte dies tun, ich sollte jenes tun. Ich hab mich geweigert. Wieso nicht einfach mal abwarten? Wieso schon lange vorher Stress machen? Nein, ich bin kein Mensch für diese Panikmacherei.