indalo

25.02.2011 um 13:10 Uhr

Felder mit Rehhintern

von: indalo

Ich fahre eine neue Strecke. Sie sieht anders aus als die, die ich so lange gewohnt war. Aber auch diese Bahnfahrt hat ihren Charme. Auch hier fahre ich an Feldern vorbei, kann in die Weite des Landes gucken und vor mich hinträumen. Die Felder sehen anders aus, die Farbe ist nicht die gleiche, auch die Bewaldung gestaltet sich anders. Doch ich kann mich damit anfreunden. Ich bin offen für diese Andersartigkeit. Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages gar nicht mehr merken, dass es anders ist, sondern nur noch darauf konzentriert sein, dass ich reise.

Dieser heutige Start mit dem Bahnfahren war kein guter. Doch die nackten Rehhintern, die ich eben erblickte, entschädigen mich ein wenig für die zwanzig Minuten Verspätung. Und wenn ich meinen Anschluss trotzdem bekomme, dann werde ich das ewige Warten am Bahngleis bei der eises Kälte womöglich vergessen. Ich bin ja nicht nachtragend.

24.02.2011 um 18:18 Uhr

Merkwürdigkeiten

von: indalo

Eigentlich hab ich eben den PC angemacht um einen ganz anderen Blogeintrag zu verfassen als ich es nun tun werde. Denn während ich das Internet startete, bemerkte ich, dass ich eine neue Email hatte. Zwei genau genommen, aber eine… interessante. Meine Seminarleiterin hat mir geschrieben. So weit, so gut. Noch wusste ich nichts von meinem Glück, doch dann plötzlich las ich die Email und bemerkte, dass sie nur an mich gerichtet ist. Schon vor ein paar Tagen bekam das ganze Seminar eine Email, ich beachtete sie nicht weiter und bekam nun eine ganz persönliche. Sie möchte mir behilflich sein und fragt mich, ob wir im Seminar nicht etwas für meine Arbeit tun können. Das klingt vielleicht ganz normal, doch das Gefühl, das ich beim Lesen dieser Email habe, das ist nicht normal. Es ist komisch.

Auch meine erste Begegnung mit eben jener Frau war äußerst komisch. Ich saß neben einer Bekannten und wir unterhielten uns als sie den Raum betrat und auf mich zukam. Sie kam so dicht, dass sie mir zu nah kam, und das obwohl noch ein Koffer zwischen uns stand. Ich kann nicht einmal sagen warum ich es als „zu nah“ empfand, ich weiß nur, dass es so auf mich wirkte. Sie sagte nichts, sie guckte mich nur an. Auf Grund ihres Alters und der Situation ging ich davon aus, dass sie meine zukünftige Seminarleitung ist und stellte mich vor. Das nickte sie ab und setzte sich weiter weg zu ihren Sachen. Sie tigerte wortlos durch den Raum während ich meine Unterhaltung fortsetzte und korrigierte etwas in meiner Erzählung von dem sie objektiv betrachtet nichts wissen konnte. Im Grunde genommen konnte sie nicht einmal wissen worum es geht. Sie musste sich von meinem Namen hergeleitet haben wo ich arbeite und dann ihre eigenen Schlüsse gezogen haben. Erstaunlich und wiederum ein wenig komisch.

Als ich zur nächsten Sitzung ging begrüßte sie mich sofort namentlich. Keinem der anderen wurde diese Behandlung zuteil. Ich bin mir wohl bewusst, dass mein Name eine gewisse Aufmerksamkeit beansprucht und das nicht auf meine Person zurückzuführen ist, und doch bin ich gewiss nicht die einzige mit einem ungewöhnlichen Namen. So wunderte ich mich wieder und das zog sich durchs gesamte Seminar. Schön und gut, ich denke nicht darüber nach. Sie ist ein wenig merkwürdig und ich finde unsere wie-auch-immer-geartete Beziehung auffällig, aber so komisch wie beim Lesen dieser Email fühlte ich mich noch nicht. Ich weiß nicht, was das alles auf sich hat, doch ich weiß, dass ich versuchen werde, das herauszufinden. Das ist nichts, was ich einfach so abtun kann. Auch wenn ich das mittlerweile kann. Vieles nehm ich einfach hin, doch das hier, das ist mir zu abstrus.

  Dass auch mein anderer Seminarleiter ein ganz besonderes Interesse an mir hat, mindert natürlich keineswegs die Merkwürdigkeiten dieser neuen Stadt. Auch bzw. gerade bei ihm habe ich eine Spezialrolle. Wir hatten von der ersten Sekunde an, die wir in einem Raum verbrachten, ein Verhältnis. Eins, welches ich nicht beschreiben könnte. Ich kann es nur fühlen und für existent erklären, was es bedeutet, das weiß ich nicht. Es ist positiv, bisher. Bei ihr wiederum weiß ich es nicht einmal zu werten, dieses komische Gefühl. Ich muss es einfach weiter beobachten.

19.02.2011 um 13:26 Uhr

Veränderungen

von: indalo

Ich sitze hier auf meinem Sessel, der die letzten dreieinhalb Jahre auf dem Dachboden stand oder seine Zeit in einer Garage fristete. Ich genieße es, ihn wieder in meiner Wohnung stehen zu haben. Er ist nicht der schönste, aber er gehört mir. Das letzte, was ich von meiner Großmutter bekommen habe. Auch wenn es gar nicht diesen sentimentalen Beigeschmack hat. Jedenfalls sitze ich hier mit den Füßen auf dem sogenannten Schreibtisch und dem Tee in einer nagelneuen Thermoskanne. Die habe ich mir einfach so gekauft, ohne darüber nachzudenken. Bisher habe ich es nicht bereut. Bei all den gebrauchten Dingen, die ich seit Jahren habe, die ich von den verschiedensten Menschen, ob bekannt oder unbekannt, bekommen habe, wollte ich etwas neues. Etwas, das mir gehört und etwas, das ich kaufe, weil ich es möchte. Diese Thermoskanne steht für einen Neuanfang. Für ein Leben ohne Bürgschaften, ohne Spenden von anderen und dafür mit ganz viel Freiheit.

Es fühlt sich anders an, dieses Leben. Ich fühle mich anders. Der Satz neulich, der mit den Worten „Es ist an der Zeit…“ begann, war keine Vorgabe von außen, es war nicht der Gedanke, es müsste so sein, nein, es war die Beschreibung der Veränderung. Denn es ist an der Zeit. Für mich ist die Zeit gekommen, anzufangen zu leben. Was nicht heißt, dass ich bisher nicht gelebt habe, aber mein Lebensqualität war eine andere.

Anfang der Woche bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Nichts besonderes? Oh doch. Das letzte Mal, dass ich auf meinem Fahrrad gesessen habe ist nun schon viele Jahre her. Ich hab es nicht einmal beim Umzug mitgenommen. Von den drei deutschen Städten, die mein Leben prägten und prägen, hab ich es gleich in der ersten Stadt gelassen. Die zweite Stadt hab ich fahrradlos gemeistert. Doch jetzt und hier, in der dritten wichtigen Stadt, habe ich es bei mir und nutze es auch gerne. Eine weitere große Veränderung. Denn einige sehr wichtige Menschen in meinem Leben würden glatt behaupten ich würde mich nicht freiwillig auf ein Fahrrad schwingen. Welch Irrglaube.

Gleich heute Morgen nutzte ich das Rad. Ich verließ um kurz vor neun das Haus und guckte mir Möbel an. Genau genommen suchte ich mir Möbel aus. Denn ich kam, sah und siegte. Die eine Couch lächelte mich fröhlich an und überzeugte mich auch schnell. Ich setzte mich, ich lümmelte mich und eigentlich hatte ich mich schon längst entschieden. Doch da ich heute noch mal die Möglichkeit habe, mich woanders umzugucken, hab ich die Couch nur reserviert. Am Ende werde ich sie wahrscheinlich nehmen.

Ich mache Nägel mit Köpfen. Ich sage, ich will eine Couch, ich ziehe los und kaufe eine. Ich will das alles jetzt machen, ich fühl mich gut dabei. Mit allem fühle ich mich gut. Und ich fühle mich anders, verändert. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Schritt irgendwas ändert, doch ich merke jeden Tag, dass ich mich anders fühle. Groß. Ich fühle mich sogar größer als ich vor kurzem andere, die da schon in der Situation waren in der ich jetzt bin, betrachtete. Ich fühle mich so richtig groß und genieße es, dass andere mich auch so ansehen.
  Doch ich fühle mich nicht nur groß, weil ich das tue, was ich gerade tue, sondern auch auf Grund meiner Vergangenheit. Auf Grund dessen, was ich bisher aus meinem Leben gemacht habe. Nicht nur die Gegenwart zählt, nein, auch das bisherige. Denn ich habe schon etwas aus meinem Leben gemacht. Und das hat mich wachsen lassen.

13.02.2011 um 16:11 Uhr

Es ist vollbracht

von: indalo

Mein Umzug liegt hinter mir. Das ist schön, das ist so schön, dass ich die Freude kaum empfinden kann, zu groß ist die Erleichterung. Was nicht alles in den letzten Tagen durch meinen Kopf ging. Wobei das gelogen ist, es waren gar nicht die letzten Tagen, die waren entspannt. Es waren die Tage vor den letzten Tagen. Die Tage in denen ich alles plante und organisierte. Ein klein wenig Chaos ist das ja schon. Doch eins muss ich immer wieder festhalten: Ich bin ein Organisationstalent.

Rückblickend lief der Umzug einwandfrei. Es ist auch keineswegs verwunderlich, dass es schneite. Zu Beginn des Tages, bei der ersten Etappe, freute ich mich wahnsinnig, dass es mal nicht regnete. Als wir dann am Ziel ankamen und die ersten Sachen auf die Straße stellten, begannen die Schneeflocken um meine Nase zu wehen. Es war nicht einmal so, dass ich meinen Augen nicht traute, es war irgendwie schon normal. Nicht der Schnee, denn bei Schnee bin ich noch nie umgezogen, aber Regen gab es jedes Mal. Doch weder darüber, noch über die Unlogik mancher Umzugshelfer möchte ich mich aufregen. Währenddessen nehm ich es auch alles hin, also kann ich es jetzt auch dabei belassen. Es ist einfach schön, Freunde zu haben, die mir beim Umzug helfen.

09.02.2011 um 17:35 Uhr

Schon jetzt ein Jemand

von: indalo

Es ist an der Zeit sich einen großen Schreibtisch zu kaufen. Es ist auch an der Zeit sich eine Couch zu kaufen. Ich bin jetzt groß. Angeblich verdiene ich schon Geld, auch wenn mein Konto nichts derartiges verlauten lässt. Dort schrumpfen die Zahlen von Tag zu Tag. Sei es Kaution, die erste Miete oder einfach nur der alltägliche Bedarf.

Groß zu sein bedeutet so vieles, oftmals sind es nur leere Worte, doch ich fühle mich groß. Ich bin angekommen. Es läuft zwar nicht alles rund, ganz im Gegenteil, und womöglich wird es auch noch einige Tiefen geben, doch in der Gegenwart kann ich nur sagen: Ich bin zufrieden. Über vieles könnte ich mich aufregen, doch ich tu’s nicht. Ich nehm so vieles gerade hin, belächle die Ärgernisse und fühle mich einfach nur wohl. Es läuft schon fast zu rund.

Anfang der Woche hab ich Telefonate mit meinen... man könnte sie Kunden nennen, geführt. Sehr unterschiedlich, muss ich sagen. Die einen wurden frech und aufmüpfig, die anderen blieben kleinlaut. Oder wurden sie es erst als sie hörten mit wem sie sprachen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls war es spannend. Ich habe es einfach getan, auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass dies in meinen Bereich fällt. Überhaupt fällt einiges nicht in meinen Bereich und trotzdem tue ich es. Einfach weil es gerade passt.

Und so sitze ich auf dem Boden meiner neuen Wohnung. Es ist meine neue Wohnung, doch eingezogen bin ich noch nicht. Das kommt noch. Denn zur Zeit befinde ich mich noch im Nirgendwo. Ich habe drei verschiedene Schlüssel zu drei verschiedenen Wohnungen in drei verschiedenen Städten in drei verschiedenen Bundesländern. Und mir soll noch mal einer sagen, ich wäre festgefahren. Nein, nein, ich bin überall und nirgendwo. Genau wie letztes Jahr, wo ich in drei verschiedenen englischsprachigen Ländern auf drei verschiedenen Kontinenten war. Und das alles innerhalb kürzester Zeit. Jetzt häuft sich die Zahl drei sogar zu einem Zeitpunkt. Die drei, eine magische Zahl.

Da fällt mir auf, dass heute mein dritter ‚richtiger’ Arbeitstag war. Ich fühle mich wohl an meinem neuen Arbeitsplatz. Ich habe das Gefühl willkommen zu sein. Heute morgen begegnete ich einem Kollegen im Flur und ich musste ihn nur ansehen, schon wusste er, was ich wollte. Ich brauchte nichts zu sagen. So gefällt mir Kommunikation. Schon jetzt, nach so kurzer Zeit, habe ich das Gefühl, jemand zu sein.

Erkältet mit schniefender Nase und total kaputt schleppe ich mich grinsend durch die Gegend. Zur Arbeit und wieder zurück. Zwischendrin von hier nach dort und weiter. Ich lächle, einfach so. Ich bin richtig hier, das kann ich fühlen. Vielleicht ändert sich das die nächsten Wochen oder Monate, vielleicht fühle ich mich dann nicht mehr – oder vielleicht nicht immer – so wie jetzt. Doch das kommt dann, jetzt ist die Gegenwart dran. Und die fühlt sich gut an.

05.02.2011 um 19:19 Uhr

Es ist nicht mehr meine Wohnung

von: indalo

 

Es ist nicht mehr meine Wohnung. Es fühlt sich nicht mehr wie zu Hause an.
Es ist alles so vertraut, jede Treppenstufe, jede Drehung im Treppenhaus, jedes Geräusch. Alles. Doch ich wohne da nicht mehr. Es fühlt sich befremdend an, die Tür aufzuschließen und mich nicht mehr zu Hause zu fühlen. Es ist meine Wohnung, ich habe sie geliebt, ich habe sie gelebt, aber ich habe mich auch schon von ihr getrennt.

Wo bin ich dann zu Hause? In der neuen Stadt? Ein wenig vielleicht. Aber auch nicht so richtig. Ich bin in der Schwebe, irgendwo zwischen hier und da. Nirgends richtig.
Das sage ich nicht nur so, das schreibe ich nicht nur so, das fühle ich so. Es war da – oder eben nicht mehr da – dieses Gefühl, als ich die Wohnung betrat.

Oder sind es nur die abgestellten Gefühle? Ich handle, mechanisch. Es gibt kein Denken, kein Fühlen, ich gehe von a nach b und erledige c. Mehr ist da nicht. Keine Verlustängste und auch kein Trennungsschmerz mehr, was meine letzte Heimat angeht. Keine Befremdung oder Vorfreude mehr auf das, was bald meine Heimat sein sollte. Kein Wundern darüber, dass ich mich umgemeldet habe. Das ist einfach so. In der Mittagspause bin ich los und hab das mal eben erledigt. Andere brauchen Monate für so was. Ich nicht. Ich will das so schnell wie möglich hinter mir haben. Was weg ist, ist weg. Und das ist weg. Ich bin weg.