indalo

28.03.2011 um 19:43 Uhr

Zurück in der Seifenblase

von: indalo

Schon gestern dachte ich diesen Satz. Schon gsetern fühlte ich wieder dieses Gefühl, dass ich neulich mit dem Flug in einer Seifenblase beschrieb. Doch da ging es darum, wie jemand diese Seifenblase hat platzen lassen. Das ist zwei Wochen her. Das Platzen, nicht die Metapher. Und ich kann sagen, ich hab mich wieder erholt. Es gehört nun zu meiner Geschichte, bestimmt aber nicht mehr den Alltag. Schon ein Weilchen nicht mehr. Sogar so ein Weilchen, dass ich wieder richtig fliegen kann.

Mein Leben gefällt mir wirklich. Ich fühle mich wohl mit dem, was ich mache. Mir behagt manches vielleicht nicht, das Drumherum meiner Wohnung ist mir suspekt. Nicht selten frage ich mich, wie lange ich hier noch wohnen werde. Doch das ignoriere ich genauso gut wie manch anderes Leiden. Denn im Grunde ist es einfach schön, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Ich bin süchtig danach. Das geht so weit, dass ich mich frage, ob mir Wochenenden gut tun. Da futtere ich nämlich so viel verschiedenes Zeug, dass ich Bauchschmerzen bekomme. Das passiert mir doch sonst nie. Also was genau passiert da gerade in meinem Bauch?

Wie auch immer. Die Seifenblase hat mich wieder. Und das sogar vor dem heutigen Lob. Von meiner Chefin bekam ich eins. Nicht in Worten, denn das wäre zu viel verlangt, aber zwischen den Zeilen fühlte ich mich gelobt. Offiziell wurde ich nur bestätigt, hab halt nichts falsch gemacht. Für manche ist das schon das größte Lob, was sie von sich geben können. Genauso wie sie sich heute nicht entschuldigen konnte, aber allein der Umstand, dass sie sich bzw. die Geschehnisse erklärte, empfand ich als Entschuldigung. Das hat mir gereicht. Ihr sei verziehen, dass sie mich grundlos anfuhr. Sie hat eingesehen, dass es nicht mein Versagen war. Damit gebe ich mich zufrieden.

Und so fliege ich weiter durch die Lüfte, grinse und lache, lächle und schmunzel.

26.03.2011 um 21:32 Uhr

acht Jahre

von: indalo

Als ich heute Morgen aus dem Bett stieg, wusste ich nicht, womit ich den Tag verbringen würde. Ich hatte keine Pläne, keine Vorhaben und auch sonst keine Gedanken. Ich machte eins nach dem anderen, beginnend mit dem Essen. Dann hockte ich letztlich nur vor dem Computer, im Internet, beim Filme schauen. Eine Folge nach der nächsten, eine Serie nach der nächsten und letztlich auch ein Film nach dem nächsten. Jetzt ist der Tag vorbei, für mich zumindest, und ich kann rückblickend sagen, dass ich mal wieder gefeiert habe. Unbewusst.

Neulich las ich alte Einträge, in letzter Zeit tat ich dies häufiger. Dabei stieß ich auf einen Eintrag vom letzten Jahr, als ich einen Tag feierte. Einfach so, ohne zu wissen warum. Ich bemerkte es nicht einmal wirklich, doch am Ende des Tages stellte ich fest, dass es ein Jahrestag war. Komisch, wie so was manchmal funktioniert.

In aller Frühe gratulierte ich einer Bekannten. Nicht immer erinnere ich mich an ihren Geburtstag, doch dieses Jahr war es mal wieder soweit. Warum auch nicht, dachte ich. Und den ganzen Tag stolperte ich immer mal wieder über das Datum. „Irgendwas ist heute.“ dachte ich bei mir. Nur wollte mir einfach nicht einfallen, was es mit diesem Datum auf sich hatte. Ich überlegte, ob ich einen Termin hatte, ob heute irgendeine Frist sei. Ja, das letzte Wochenende im März, mein letztes Wochenende als Student, „…die Zeitumstellung!“ schießt es mir gerade durch den Kopf. Doch auch das ist es nicht. Der Geburtstag ist nicht so sehr in mein Hirn gespeichert, als dass ich deswegen auf das Datum aufmerksam werden könnte. Doch gerade eben, vor einigen Minuten, kam ich auf eine Idee, auf des Rätsels Lösung. Aber bevor ich das einfach so glaubte, musste ich es überprüfen. Und es stimmte, heute ist ein wichtiger Jahrestag. Ein für mich sehr bedeutender Jahrestag, auch wenn es wenig mit diesem Datum zu tun hat.

Heute vor acht Jahren begann meine Karriere im Internet. Ich kannte das Internet schon vorher, ohne Frage, aber vor acht Jahren begann ich ein Leben im Internet. Ich betrat eine Plattform, die mein Zuhause wurde. Ich habe dort gelebt, ich habe dort geliebt, richtig geliebt. In diesen acht Jahren ist dort so viel passiert, so viel schönes, so viel trauriges, so viel mysteriöses, so viel unglaubliches. Ich begegnete Menschen, die noch heute mein Herz in den Händen halten, ich begegnete aber auch Menschen, die mich abgrundtief hassten. Hassten, nicht mehr hassen. Ich erlebte Liebe, Wunder, Nähe, Beziehungen, Wärme, Trauer und Schmerz. Alles. Und ich wollte nie gehen. Immer wollte ich bleiben, von Anfang an wusste ich, dass ich nicht gehen wollte. Es ist nicht so, dass ich nie dran gedacht habe, aber ich wusste, dass ich es nicht könnte. Es ist mein Zuhause geworden. Ich bleibe bis zum bitteren Ende und darüber hinaus. Und nach acht Jahren bin ich immer noch da, auch wenn nichts mehr so ist, wie es einst war. Wenn es etwas ganz anderes ist, so bin ich dort gewachsen und wünsche mir, anderen das zu bieten, was ich damals bekam und dringend nötig hatte. Akzeptanz und Gesprächspartner. Offenheit und Vertrauen. Ach, was wäre ich heute ohne diese Plattform?

Und so stelle ich am Ende des heutigen Tages fest, dass ich den Tag wahrlich gefeiert habe. Unbewusst. Und mit genau den richtigen Dingen. Denn ich habe Filme zu genau dem Thema gesehen. Filme voll mit Liebe und Vertrauen, mit Rechtsstreitereien zu diesem Thema und so vielem mehr. Mit Kitsch, mit Vorurteilen, mit Stereotypen. All das, was ich in den vergangenen acht Jahren gelernt habe. Acht Jahre… was für eine lange Zeit.

24.03.2011 um 20:41 Uhr

Gebauchpinselt

von: indalo

Gestern fühlte ich mich absolut gebauchpinselt. Ein herrliches Gefühl.

Auf dem Weg nach oben kam mir eine Horde Kinder entgegen. Kinder mit denen ich morgens ein paar Stunden verbracht habe um ihn einige Sachen zu erklären. Also nein, das war eigentlich nicht meine Aufgabe, aber ich hab es zu meiner Aufgabe gemacht. Wo Hilfe benötigt wird, gebe ich sie gerne. So kam mir auch jener Junge entgegen, dem ich ganz viel erklärte. Er grüßte mich, was eigentlich nicht sein Ding ist – zumindest laut Kollegen. Auf ihn müsse man aufpassen, hab ich gehört. Ich grüßte zurück, ich lass mir ja keine Vorurteile einimpfen, und selbst wenn, kann man doch freundlich sein. Da hörte ich beim Blick in seine Augen die Worte „Und danke noch mal für heute Morgen.“ Ich sah in seinen Augen die Ehrlichkeit mit der er diese Worte sprach.
Das berührte mich. Und ich bin gespannt, wie das weitergehen wird.

Einige Zeit später stand ich in nem Raum mit einer anderen Gruppe junger Menschen. Sie unterhielten sich miteinander, aber auch ein wenig mit mir. Irgendwie. Und sie sagten so nette Dinge. Meine Vorgänger wären ja viel schlechter gewesen, mit mir arbeiten sie gern, sie verstehen, was ich ihnen erzählen. Das macht Spaß.
Es macht ihnen Spaß? Das ist schön. Doch immer und immer wieder frage ich mich, wieso ich so eine positive Resonanz bekomme. Ich stelle ja gar nicht in Frage ein liebenswerter Mensch zu sein, aber… da gibt es so viele Aber in meinem Kopf. Ich bin auch nicht total überrascht, letztlich hab ich es mir immer so erhofft, nicht unbedingt gewünscht, denn dafür war ich nie bereit, meine Prinzipien aufzugeben. Ich tue gewiss nicht alles dafür gemocht zu werden, ich bin einfach ich. Und das scheint anzukommen. Damit geht es mir gut. Und das werde ich hier gewiss noch öfter festhalten.

Und dann schien auch noch die Sonne und ich hatte ein wenig Zeit zum Rausgehen. Das war herrlich. Ein schöner, wenn auch sehr langer Tag. Denn letztlich hab ich gestern ganze zwölf Zeitstunden gearbeitet… da war ich müde, das kann ich euch verraten. Aber auch heute bin ich müde, selbst wenn ich kaum etwas getan habe. Drum werd ich auch nun ins Bett gehen. Gute Nacht

 

18.03.2011 um 21:57 Uhr

Warum hat der Kreis 360°?

von: indalo

Neben all den Fremdwörtern, die mir heute um die Ohren geflogen sind, konnte ich mich letztlich doch nur für diese Frage interessieren. Fremdwörter hin oder her, ich plädiere dafür mit einfachen Worten seine Bedürfnisse auszudrücken. Ja, ich mag Fremdwörter, aber nur in dem Maße, in dem ich sie problemlos verstehe und verwenden kann. Fremdwörter, die man nicht versteht und auch nicht erklären kann, sollte man nicht verwenden. Basta.

Wie auch immer, das konnte mein Interesse nicht wecken. Ich werde nun auch nicht lernen, was diese Wörter bedeuten. Aber in mir kam heute die Frage auf, wieso ein Kreis eigentlich 360° hat. Ich telefonierte mit einer Freundin, die sich diese Frage zwar nicht stellte, aber eine andere Frage so ungeschickt formulierte, dass ich sie so verstand und daraufhin darüber nachdachte. Ich kann mich nicht daran erinnern, je darüber nachgedacht zu haben. In der Schule nimmt man vieles doch einfach hin. Und diese 360° hab ich immer hingenommen. Doch wer hat sich das ausgedacht?

Und da ich schon ein bisschen recherchiert habe, gleich noch eine Frage: Wieso hat eine Elle in Deutschland 60cm?

Ich kenne die Antworten auf diese Fragen nicht. Vielleicht weiß einer von euch mehr, oder findet die passenden Internetseiten dazu... ich geh jetzt erstmal ins Bett und denk ein anderes Mal weiter drüber nach.

17.03.2011 um 10:38 Uhr

Warum ich?

von: indalo

Ich glaube ich habe heute den ersten vernünftigen Seminartag. Also nicht des Seminars wegen, sondern wegen meiner Kollegen. Ich hatte gewiss keine gute Woche bisher, war unzufrieden mit den Ereignissen und mit mir. Doch jetzt muss ich gerade lächeln. Und das fühlt sich gut an.

Eben saß ich recht demotiviert in diesem Raum voller Menschen, die ich nicht kenne und auch nicht unbedingt kennen möchte. Gesehen hab ich sie schon ein paar Mal, doch ich suche keine Kontakte. Ich brauche zwar jemanden zum Reden, aber ich kann gerade niemandem zuhören, weshalb es falsch wäre, Kontakte zu knüpfen. Ich habe zur Zeit nichts zu bieten.

Und dann auf einmal spricht mich eine vom Stuhl zwei Plätze weiter an, ob wir nicht etwas zusammen bearbeiten möchten. "Klar, hast du schon ne Idee?" Und so beschlossen wir in Windeseile ein Team zu sein. Keine fünf Minuten später geh ich die Treppe runter und bekomme ein zweites Angebot eines anderen. Ich strahlte begeistert auf. Ich fühle mich gesehen, wahrgenommen und irgendwie auch besonders. Doch mir stellt sich einmal mehr die Frage: Warum ich? Warum wollen diese beiden Leute mit mir zusammen arbeiten?

...ich bin wohl nicht immer ein Nein Sager.

15.03.2011 um 21:20 Uhr

Im Ausblenden bin ich gut

von: indalo

Ich vergesse, ich verdränge. Alles. Ich will nicht in diesem Chaos stecken. Es soll nicht mein Thema sein. Ich will das nicht, und wenn ich eine Wahl hätte, so würde ich gehen. Aber ich hab diese Wahl nicht. Nicht, wenn ich der Mensch sein will, der ich bin. Ich will helfen, allen. Zumindest soweit es mir möglich ist und in meinen Grenzen liegt. Doch diese liegen hinter dem Sonnenschein, der mein Leben bis eben noch war.

Es stimmt, die letzten Wochen waren schön. Es schien alles zu funktionieren, doch dann, auf einmal, zerschellte etwas. Ich merke, dass nicht alles sitzt, dass nicht alles richtig ist. Wie könnte es auch sein? Wo in unserer Welt gibt es das noch?
Ach, wie auch immer, darum soll es doch gar nicht gehen. Es ist ja auch nicht so, dass die letzten Wochen in Frage gestellt werden. Nein, das bleibt bestehen, das gilt weiterhin. Ich habe den richtigen Beruf gewählt, mich macht glücklich, was ich Tag für Tag mache. Es stört mich keineswegs das ganze Wochenende durchzuarbeiten. Es macht mir Spaß. Doch ist nicht alles an diesem Beruf toll. Und die Konfrontation mit solchen Themen gehört zu den Wolken am Himmel. Den schwarzen Wolken.

Das Thema selbst ist schon nicht schön, aber das ist eine Sache. Die andere ist der persönliche Bezug. In meinem Loch gestern las ich alte Blogeinträge. Alte Gedanken zu diesem Thema, alte Erfahrungen. Es ist mir nicht fremd, ich kenne Menschen, die damit zu tun hatten und haben. Wohl immer noch haben. Und es erschreckt mich zutiefst, dass ich nicht einmal mit Sicherheit sagen kann, dass es nicht auch gerade jetzt aktuell ist. Ich möchte das nicht in Frage stellen, ich möchte meine Freunde nicht in Frage stellen. Ich möchte so vieles nicht… denn… wenn ich jetzt anteste, ob es gerade aktuell ist, wird es das vielleicht gerade dadurch. Oh, ich hasse dieses Thema.

Heute wurde ich gefragt, wie’s mir geht. „Ganz gut“ war meine Antwort. „Oh, das klingt aber erfreut.“ Hilfe, diese Menschen kennen mich wirklich nicht. „Erfreut? Das ist gerade das negativste „ganz gut“ seit langem.“ Und so fing ich an, die Gegebenheiten von gestern wieder zu geben. Nur den ganzen anderen Kram. Ich erzählte noch gar nicht von diesen Kindern mit den Messern in den Händen. Ich überlegte, ob ich was sagen sollte. Irgendwann formulierte ich eine Frage – nicht ohne vorher ihre Arme abzuscannen... Ich fühlte mich abgehandelt. Nicht ernst genommen, nicht wahr genommen. Dabei hatte ich doch gerade geschafft, es von mir zu geben. Ach, ich kann nicht einmal sagen, dass ich enttäuscht war ob der Reaktion. Und sie war nicht die einzige.

Dann vergas ich. Nicht nur das, auch anderes. Irgendwie vergesse ich alles unangenehme zur Zeit. Ich ging nach Hause, bereitete den morgigen Tag vor und las dann diese Email. Sie brachte alles wieder zurück, sie erinnerte mich an den gestrigen. Diese liebe Email, auf die ich gerade antworten wollte, doch gar nicht weiß, was. Ich hatte es doch gerade wieder vergessen.
Dabei will ich es gar nicht vergessen. Morgen mach ich mich erneut auf die Suche nach jemandem, dem ich davon erzählen kann. Nach einem Erwachsenen, der Verantwortung für diese Kinder hat. In der Hoffnung, gehört zu werden.

14.03.2011 um 15:54 Uhr

Umkehreffekt

von: indalo

Es funktioniert auch andersherum. Heute Morgen ging ich frohen Mutes zur Arbeit. Vorbei an Büschen und Sträuchern die irgendwie waldig rochen. So wie damals im Wald bei meinen Großeltern. Der Himmel war grau, es drohte zu regnen und ich spazierte fröhlich weiter. Nichts sollte mich stören, nicht einmal die Halbstarken in der Bahn, die sich wichtig machen wollten. Ja, auch die konnte ich gut ignorieren.

Doch dann, nachdem ich die ersten zwei Stunden hinter mir hatte, saß ich plötzlich bei einem Kollegen und musste mit ansehen, wie Kinder sich die Arme aufschneiden. Es wirkte so unreal, so absurd. Das sind Kinder. Keine Jugendlichen, die Liebeskummer haben oder Stress zu Hause. Nein, das sind noch Kinder. Fängt das denn jetzt immer früher an?
In mir rumorte es. Mein Herz raste, meine Gedanken überschlugen sich und ich fühlte mich hilflos. Absolut hilflos. Nicht nur dem Kind gegenüber, tschuldigung, den Kindern gegenüber – es wäre ja auch zu einfach, wenn es nur eins wär – nein, auch auf Grund des Kollegen. Ich fühlte mich wohl auch optionslos, denn was sollte ich da schon tun?
Ich entschied, den nächstbesten Erwachsenen zu konfrontieren, der für diese Kinder verantwortlich ist. Doch leider war niemand aufzutreiben. Doch erledigt hat sich das noch nicht, ich werde mich darum kümmern. Soweit der Plan, doch das ist nur die eine Sache. Keine halbe Stunde später musste ich den nächsten Kindern dabei zusehen. Ist das gerade irgendeine Modeerscheinung von der ich nichts weiß? Ist etwas an mir vorbei gegangen? Diesmal stand ich nicht tatenlos da, ich fragte sie nach dem Warum. Keine Antwort. Ich fragte wieder, ihre Freundin reagierte. Nein, sie kann selbst reden, sie kann sich auch selbst eine Antwort überlegen. Denn eins war klar: Sie tat es für die Zuschauer, nicht für sich. Und auch nicht um die Zuschauer zum Zuschauen zu bekommen, sondern um… ich weiß nicht warum. Ich verstehe das nicht. Ich habe es nie verstanden und ich weiß nicht, ob ich es überhaupt verstehen möchte. Ich möchte eigentlich nur, dass es so was nicht gibt. Dass niemand meint, sich selbst verletzen zu müssen – völlig egal aus welchen Gründen. 

Bei diesen Kindern fand ich schnell den nächstbesten Erwachsenen und fühlte mich total abgewürgt, als ich meine Beobachtung schilderte. Sie hatte kein Ohr dafür. Einerseits ist das sicherlich nicht gut, aber andererseits versteh ich auch, warum. Denn heute war kein schöner Tag. Heute war wirklich kein schöner Tag. Im Gegenteil, es war so schlimm, dass ich ihre Arbeit spontan übernahm, weil sie sich dringend um etwas kümmern musste. „Jemand versucht uns hier abzubrennen.“ waren ihre Worte. Ich blieb ruhig, vielleicht zu ruhig. Ich machte einfach, was ich tun konnte um die Situation zu retten. Oder die Eskalation zu mildern. Und ich muss sagen, das gelang mir sehr gut.

Auf dem Nachhauseweg, auf den ich mich erst eine Stunde nach Arbeitsschluss begab, da ich erstmal zur Ruhe kommen musste und ohnehin noch den Tag betreffende Gespräche führen musste, saß ich mit starrem Blick in der Bahn. Mein Kopf rauschte vor lauter Gedanken. Was war das bloß für ein Tag?  Heute Morgen ging ich an denselben Sträuchern entlang und nahm dieselben Gerüche wahr, doch ich fühlte mich ganz anders. Ich starrte vor mich hin, meine Gedanken im Nirgendwo. Ich möchte reden, ich möchte jemandem davon erzählen, einfach nur meine Gedanken loswerden. Doch wohin? Wem soll ich davon erzählen ohne ihm eine Bürde aufzulasten oder zurückgewiesen zu werden. Ich verkrafte es gerade nicht, nur nebenbei abgehandelt zu werden. Ich brauche jemanden, der sich voll und ganz auf meine Gedanken einlassen kann, der versteht, was in mir vorgeht und für mich da sein kann.
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Verstehst du denn nicht, dass ich nicht mit dir reden kann? Weder über das eine, noch über das andere? Dass du mir alles verbaust, weil du gerade ohnehin nicht ansprechbar bist?
Ich hasse es, dass ich dir nicht von ihr erzählen kann, weil ich weiß, wie du dich dabei fühlst. Aber ich hasse es womöglich noch mehr, dass ich dir nicht von diesen Kindern erzählen kann, weil ich nicht weiß, was das in dir auslöst. Weder dir, noch ihr. Beide seid ihr gefährdet, bei keinem von euch kann ich mir sicher sein, dass das kein Trigger ist. Und bei den Menschen, bei denen ich mir sicher sein kann, fürchte ich, dass sie sich nicht auf diese Problematik einlassen können. Wieso muss das ein Teil von dir sein? Ein Teil deiner Geschichte? Ist es denn wirklich Geschichte? Kann ich das glauben? Soll ich das glauben?
Ich fühle mich gelähmt. Ich weiß nicht wie ich handeln soll, ich weiß ja nicht einmal mit wem ich reden kann. Und dabei hatte mein Tag so schön begonnen…

13.03.2011 um 18:32 Uhr

Surflehrer

von: indalo

Schenkt mir jemand knappe sechs Tausend Euro? Ich hab nämlich gerade eine Email bekommen, dass man sich in Australien zum Surflehrer ausbilden lassen kann. Drei Monate in Sydney mit Unterkunft und Verpflegung, ist das nicht ein Schnäppchen? *lach*

Dabei wär das wirklich richtig cool. Doch wo bekäm ich jetzt mal eben drei Monate her? Und warte, kann man auch zum Surflehrer ausgebildet werden, wenn man gar nicht surfen kann?
Bestimmt, denn ich vertrete – aus eigener Erfahrung – die Überzeugung, dass man anderen ganz wunderbar etwas beibringen kann, was man selbst nicht beherrscht. Jaha.

Ach, träumen ist so schön. Und ich träume jetzt mal wieder vom Surfen und von Australien und von… so vielem mehr, während ich mich auf die kommende Woche im tristen Deutschland vorbereite und mich trotz dieser Tristesse darüber freue, hier zu sein.

03.03.2011 um 17:32 Uhr

Ich liebe diese Arbeit

von: indalo

Bevor ich nun online gehe und wieder davon abkomme zu schreiben, was mir gerade auf der Seele brennt, beginne ich nun damit.

Ich liebe meinen Job.

Oder Beruf, oder wie immer ihr es nennen wollt. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich dafür geboren bin, ich weiß nur, dass ich es liebe. Alles davon. Vom Job wohlgemerkt. Nicht das drumherum, nicht die Ausbildung, nicht die Zwischenetappen. Nein, einfach nur den Job.

Mein Tag begann heute nicht sehr schön. Zuerst hatte ich Seminar. Ich hasse dieses Seminar. Wobei hassen ein zu starkes Wort ist, so viel Energie verwende ich gar nicht darauf. Es ist einfach nur unnütz und überflüssig. Absolut sinnlos. Wie so ziemlich mein ganzes Studium. Alles, was mir mein Studium gebracht hat, ist, dass ich älter geworden bin. Das war’s. Alles andere, was ich aus den vergangenen Jahren mitgenommen habe, war mein eigener Verdienst. Dafür ist das für diesen Beruf vorgesehene Studium nicht verantwortlich. Furchtbar ist nun auch dieses Seminar. Alle zehn Sekunde zähle ich bis zehn um mich zu beschäftigen, um nicht einzuschlafen, um mich nicht aufzuregen.
Als dieses Tyrannei nun endlich ein Ende hatte, macht ich mich auf den Weg zur Arbeit. Nach fünf endlosen (Zeit-)Stunden bewegte ich mich gen Bahnhof. Am Bahnhof angekommen musste ich nun feststellen, dass die Bahn – natürlich nur meine Bahn… – nicht fuhr. So hing ich in Eiseskälte (hier lag morgens Schnee und es sind immer noch Minusgrade) am Bahnhof rum und ärgerte mich über diese Sinnlosigkeit. Über den Mist, den ich zuvor stundenlang über mich ergehen lassen musste, und über die ausgefallene Bahn. Ich bin neu in dieser Stadt, ich hab keine Ahnung, was es bedeutet, wenn nur eine einzelne Bahn gar nicht mehr aufgeführt wird.
Als die Bahn irgendwann kam und ich mich weiter zur Arbeit bewegte, grollte ich vor mich hin. Zumindest irgendwie. Gut gelaunt kann man das jedenfalls nicht nennen. Dort angekommen fauchte ich auch gleich eine Leidensgenossen an, was dieser Zirkus überhaupt soll. Doch dann widmete ich mich meiner eigentlichen Aufgabe, dem Job, den ich schon so lange ausüben will und für den ich einen so langen Weg hinter mich bringen musste und noch muss. Und auf einmal geht es mir gut. Ich grinse, ich lache, ich strahle. Ich liebe es. Ich wurde in den Wahnsinn getrieben und schwankte zwischen Verzweiflung und Lachkrampf. Es funktioniert. Die Gruppe und ich, wir passen.
Ach, ich weiß nur, dass ich mich strahlend auf den Heimweg machte. Ich weiß, ich bin glücklich. Ich weiß, ich habe mich vor Jahren für den richtigen Weg entschieden, und ich habe mich nicht grundlos durchs Studium gequält. Ich liebe diesen Job, diesen Beruf, diese Arbeit. Auch wenn es einfach nur anstrengend ist, wenn ich total k o bin und ich von einem Privatleben nur träumen kann. Ich liebe es.

02.03.2011 um 19:37 Uhr

Nein Sager

von: indalo

Heute war ein schöner Tag. Er war unglaublich lang, ich hab Mist gebaut und trotzdem war er schön. Warum? Weil ich jemanden zum Schmachten gefunden haben *smile* Da ist so eine Kollegin, die sieht umwerfend aus. Wenn sie lächelt geht die Sonne auf. Ach, überhaupt schon, wenn sie den Raum betritt. Mir gefällt sie, sehr sogar.

Schon am ersten Tag fiel sie mir auf, doch da war ich erstmal damit beschäftigt zu hoffen, dass wir irgendwelche Überschneidungen in unseren Tätigkeitsbereichen haben. Da wollte ich mir noch keine Hoffnungen machen. Irgendwie wurden diese Hoffnungen in der ersten Woche zerstreut. Keine Ahnung mehr wieso. Vielleicht war ich auch einfach zu sehr damit beschäftigt, anzukommen und überhaupt Fuß zu fassen, Land zu sehen, durchzuatmen. Doch diese Woche machte ich dann den Schritt auf sie zu und beobachtete sie sogleich bei der Arbeit. Gestern schon. Spontan beschloss ich, das heute fortzusetzen. Von Reue keine Spur, die Frau ist toll. Sie strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, das fasziniert mich. Hach, ich mag sie. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt sie mir. Dieses Lächeln, ich steh drauf. Hab ich je erwähnt, dass ich eine Schwäche für Grübchen habe? Ganz fatal. Doch, doch, die Frau ist wirklich ansehnlich. Nur der Ring am Ringfinger, der gefällt mir gar nicht. Vielleicht hat er auch nichts zu bedeuten? Hmm… nunja… wer weiß. Das werde ich auf jeden Fall noch herausfinden. Demnächst irgendwann. Und ich sollte es wirklich herausfinden. Denn ich bin Meister darin mich in Sachen reinzusteigern. Schwärmen kann ich immer noch, also jederzeit, aber ich sollte vorsichtig sein. Zur Zeit trage ich nämlich mein Herz ungeschützt vor mir her, nicht wirklich auf der Zunge, aber eben doch sehr ungeschützt und unbedacht. Ich sollte vorsichtig sein.

Vielleicht war es auch jene Vorsicht, die mich dazu brachte, Nein zu sagen. Eine andere Kollegin fragte sie heute, ob sie noch was essen gehen. Sofort lud sie mich dazu ein, doch ich sagte, ich müsste passen. Ich bin ein Nein-Sager, das weiß ich schon lange. Doch heute ärgerte mich das. Irgendwie. Nicht allzu sehr, denn ich weiß ja, dass ich so bin. Fragt man mich spontan was, wenn ich schon andere Pläne (wie etwa total kaputt ins Bett fallen) habe, dann sage ich Nein. Es ist nicht so, dass ich nicht spontan wäre, wenn ich keine Pläne habe, bin ich das. Aber oftmals hab ich Pläne, auch wenn ich kein geplanter Mensch bin, so bin ich ein verplanter. Verplant und vollgeplant. Nahezu immer.

Meine Verplantheit hat heute auch Überhand gewonnen. Ich habe zum ersten Mal den Raum verlassen mit dem Gedanken, dass ich schlechte Arbeit geleistet habe. Ich bin nicht zufrieden. Bisher war meine Arbeit auch bestimmt keine Glanzleistung, aber sie war in Ordnung. Doch heute war ich unzufrieden. Und ich habe auch noch keine Idee, wie ich das wieder gut machen kann. Schwierig. Denn Zeit zum Denken hab ich auch keine mehr, meine Gehirnkapazitäten sind erschöpft, ich bin erschöpft und müde. Morgen geht es wieder früh hoch und dauert auch lange an. Diese Woche ist ernsthaft anstrengend. Doch trotz allem denke ich auch nach einem solchen Tag, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe. Ich habe das richtige studiert, ich bin glücklich und zufrieden. Mit dem Gesamtbild.