indalo

27.11.2011 um 21:52 Uhr

Das Fundament

von: indalo

Da ist ein Fundament, auf dem ich gebaut bin. Auf dem meine Persönlichkeit gebaut ist, auf dem mein Selbstbewusstsein steht. Ich würde nicht sagen, dass es wackelt, denn der Beton ist nicht angegriffen worden. Das, was bisher war, blieb. Es wurde nicht in Frage gestellt, was ich habe. Nicht die Vergangenheit. Und doch stelle ich meine Zukunft in Frage. Ständig. Täglich. Minütlich. Mal mehr, mal weniger. Zur Zeit eigentlich gerade wenig, aber ich glaube das ist mehr die bewusste Entscheidung gegen das Infragestellen. Denn in mir steht es in Frage. Und das merke ich ganz deutlich daran, dass wiederholte Komplimente der Vergangenheit Balsam für meine Seele sind.

Seit vielen Jahren schreibe ich Tagebuch. Neulich suchte ich etwas. Ein ganz bestimmtes Datum. Dabei blätterte ich einige dieser Bücher durch und las immer mal wieder in paar Zeilen. In einem hieß es: „Sie gehen weiter als andere, darum möchte ich mich Ihnen nicht in den Weg stellen.“ Und das ging runter wie Öl. Diese Worte habe ich mal von einem Mann gehört, der alles und jeden auseinander genommen hat? Diese Meinung hat er von mir? Ich würde weitergehen. Ich? Warum vergesse ich sowas? Warum begegnete ich ihm immer mit dem Gedanken, er würde mich nur gerade so bestehen lassen? War dem vielleicht doch nicht so? Hatte er etwa doch eine bessere Meinung von mir? Von meiner Person und meinem Können?

Dann führte ich gestern ein Telefonat. Man erinnerte mich an einen Tag, an dem ich in einer fremdem Stadt war, in einem Raum voller fremder Menschen. Man erinnerte mich daran, wie alle von mir angezogen wurden. Schon an dem Tag reflektierte man mir die Situation, beschrieb, was anders war als all die Tage. Wie ich den Tag veränderte. Auch Tage danach kam immer mal wieder ein Satz dazu, wie sich die Dinge seit meinem Erscheinen verändert haben. Ich habe das vergessen. Es ist irgendwo in einer Kiste in meinem Kopf. Nicht mal mehr eine Erinnerung. Doch bei diesem Telefonat wurde mir wieder davon erzählt. Man wollte mir damit sagen, wie ich auf Menschen wirke. Wie ich auf jene Menschen wirkte. Das tat gut. Es machte mir ein wenig Hoffnung. Denn momentan macht es mich unglaublich mürbe, dass meine Mitmenschen an mir zweifeln. Immer mehr. Sowohl immer mehr Menschen, als auch immer mehr Zweifel, als auch immer mehr mürbe machen.
Schon vor ein paar Wochen hörte ich die geschluchzte Fragen: „Warum sehen die dich nicht?“ Die Frage hat gesessen. Ich weiß nicht genau warum. Ich wage die Theorie, dass das genau die Frage ist, die ich mir stellen sollte. Warum sieht man mich nicht? Doch stattdessen frage ich mich: Gibt es überhaupt etwas zu sehen? Und das ist das Fundament, was gerade nicht mehr die Konsistenz hat, die es womöglich haben soll.

Ich sollte darüber nicht nachdenken. Ich sollte dem Hinweis folgen: „Dafür hast du keine Zeit.“ Denn die habe ich nicht. Und ich glaube, das ist es, was mich gerade durch die Tage bringt. Ich hechte dem Ende entgegen. Ich möchte einen Hechtsprung machen und da ankommen, wo diese Fragen aufhören. Und ich habe ein Datum. Ich habe das Datum fixiert, was mir zumindest ein wenig Erlösung bringen wird. Oder die totale Verzweiflung.

26.11.2011 um 23:56 Uhr

Zwillinge in der Gebärmutter unterhalten sich

von: indalo

"Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"

"Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet."

"Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?"

"Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?"

"So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz."

"Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."

"Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel."

"Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen."

"Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"

"Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!"

"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."

"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...." 

24.11.2011 um 17:42 Uhr

Ein paar Komplimente

von: indalo

„Eins sagte meine Tochter jedoch: „Sie wissen ganz genau, wie jeder einzelne von ihnen tickt.“ Und ich konnte mich nur bedanken. Mehr war nicht in meinem Kopf. Denn das halte ich doch für ein sehr großes Kompliment und endlich mal eine Beschreibung, die ich als zutreffend bezeichnen würde. Nicht wie die anderen Dinge, die man mir an Kopf wirft. Ich sei negativ, pessimistisch und neuerdings dann auch unkooperativ und unsozial mit geringem Integrationsvermögen. Ich passe einfach besser in die Welt der Kinder, als in die der Erwachsenen.

Und als es kurz darauf um Prinzipien und bestimmte Regularien in diesem Beruf geht, denen ich nicht zustimme und die für mich ein Grund sind, den Job zu wechseln, bekam ich von jemandem, der ständig von sich gibt, derselben Ansicht zu sein, nur zu hören. „Du bist krass drauf.“ Ja, das bin ich und ja, das nehme ich auch als Kompliment. Denn was bringt es uns beiden, wenn wir ein Problem damit haben und nichts sagen? Ich weiß, dass ich wenig anrichten kann, aber ich kann mich dagegen wehren. Und wenn mein Zur-Wehr-setzen nur darin besteht, nicht mitzumachen. Denn einen Satz zuvor wurde ich gefragt: „Aber mal ehrlich, würdest du deswegen einen Job nicht annehmen?“

22.11.2011 um 14:45 Uhr

Ich hab mein Lächeln wieder

von: indalo

Ich hab mein Lächeln wieder. Das wollte ich kurz notieren. Denn ich verlasse wieder mit einem Lächeln den Raum. Ich kann schmunzeln über die unsäglichen Ideen mancher Jugendlicher. Ich kann lachen, über ein idiotisches Buch. Und ich kann noch viel mehr, was ich gerade nicht festhalten möchte… denn es soll positiv sein. Ich kann wieder lachen, und solange ich das kann und ich das denke, muss ich es aufschreiben. Denn ich fürchte, es sehr bald wieder zu verlieren. Aber ich kann jetzt lächeln, und darauf konzentriere ich mich.

20.11.2011 um 15:43 Uhr

Eifersucht

von: indalo

Das war mir immer ein Rätsel, wie Menschen eifersüchtig sein können.Gerade letzte Woche, oder warte, es war schon in dieser, führte ich ein Gespräch mit einer Freundin über das Thema Eifersucht. Ich erklärte ihr, dass ich es noch nie verstand und erzählte ihr jene Geschichte, die so glasklar zeigt, dass ich es auch einfach nicht bin. Ich bin nicht eifersüchtig. Bisher nie gewesen – zumindest nicht in einer Beziehung. Vielleicht kommt das ja eines Tages, wer weiß. Doch den wichtigen Punkt habe ich schon erwähnt, denn in einer Beziehung war ich noch nicht eifersüchtig, vielleicht aber in einer Freundschaft. Wenn, dann nur in einer Freundschaft. Doch ob das dann Eifersucht war?

Vor ein paar Jahren, da fingen meine Freunde an, Paarunternehmungen zu machen. Also nur mit Paaren, da fragte man mich nicht, ob ich dabei sein wollte. Ich erfuhr auch, dass zwei meiner besten Freunde n jährliches Date haben, zu dem niemand sonst gefragt wird. Ich glaube das irritierte mich ne ganze Zeit lang. Ich befürchtete, sie zu verlieren. Ist das Eifersucht? Mittlerweile nehme ich das gelassen, die Zeit zeigte, dass sie trotzdem bei mir bleiben. Solche Ängste kann auch nur die Zeit heilen.

Doch jetzt ist da wieder so ein Gefühl. Es ist… komisch. Dieser eine Mensch, der so wichtig ist in meinem Leben, konfrontierte mich schon vor ein paar Monaten mit ner neuen Freundin. Ich beobachtete, wie sie sich immer näher kamen. Einerseits war ich froh, dass sie jemanden hatte, doch ein wenig tauchte auch der Gedanke auf, dass sie jetzt ja jemand anderen zum Reden hat. Nicht mehr mich. Das beunruhigte mich schon ein wenig, doch nach nur wenigen Monaten löste sich diese Freundschaft in Luft auf. Schnell erkannte ich, dass die Gefahr gebannt war, doch wenn ich mich recht erinnere, erst nachdem ich sie ohnehin nicht mehr als Gefahr wahrnahm. Jetzt tauchte da jemand neues auf. Warum immer nur dann, wenn ich mich zurückziehe? Immer nur dann, wenn ich nicht da bin? Vielleicht sollte ich öfter gehen und sie alleine lassen… damit sie ihren Weg findet. Denn als ich neulich die Decke übern Kopf zog und mit niemandem reden wollte, fand sie jemand neuen. Jemand komplett neues war in ihrem Leben, als sie sich wieder in meins drängte. Ich war echt irritiert. Und jetzt davon zu lesen, dass sie gerade gemeinsam vorm Fernseher sitzen, bringt mich einerseits zum Schmunzeln, denn es ist doch genau das, was ich ihr neulich riet, doch andererseits ist da auch dieses beklemmende Gefühl, dass sich was ändern könnte. Es würde sich etwas ändern, das steht außer Frage. Nur wie es dann aussähe, das ist nicht klar. Und ich weiß gerade nicht, ob ich es verkraften würde, sie zu verlieren. Ich würde sie nicht ganz verlieren, darum habe ich keine Angst, aber ich würde sie ein Stück weit verlieren, und bei meinem derzeitigen Zustand, sind das keine rosigen Aussichten. Schon gar nicht, weil ich doch gerade erst Bekanntschaft mit der Situation gemacht habe, wie es ist, wenn wir uns entfremden. Und das war gar nicht gut.

Ich erinnere mich gerade daran, wie ich schon einmal in derselben Situation war. Es ist schon einige Jahre her, da tauchten in ihrem Leben auch neue Leute auf. Und sie verschwand, Stück für Stück. Doch sie kam wieder, näher als sie mir zuvor war. Das darf nicht nochmal passieren. Es geht nicht näher.

Ja, so ein bisschen Angst habe ich um das, was uns verbindet. Doch ich bin keineswegs eifersüchtig auf die neue Person, die da in ihrem Leben umherspringt. Nennt man es dennoch Eifersucht?

19.11.2011 um 20:13 Uhr

"Weißt du eigentlich,

von: indalo

was du mit mir machst?“

Nein, weiß er nicht. Vielleicht bemerkt er die Ansätze, aber ich glaube nicht, das dies in seinem Sinne ist. Schon neulich tat ich auf Grund seiner Art mirgegenüber etwas, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich öffnete mich. Ich öffnete mich ihm gegenüber.

Er berührt mich. Er berührt mein Herz und auch wenn er vielleicht keine Angst davor hat, so will er das gewiss auch nicht. Die Art, wie er mich manchmal ansieht, verrät mir – schon vom ersten Tag an – dass er mich versteht. Er sieht mich. So wie andere vor ihm es getan haben. Doch jetzt fällt es mir wieder ganz stark auf, denn momentan ist er der einzige, der mich derart (an)sieht. Und es geht durch Mark und Bein.

Manchmal gehen aber auch seine harten Worte durch Mark und Bein. Manchmal ist er distanziert, geht auf Abstand und setzt Grenzen. Grenzen, die ich gewiss nicht überschreiten will. Auch nicht werde. Denn ich will ihm gar nicht so nahe sein, er soll mir nicht so nahe sein. Und doch ist es soweit gekommen. Und allein seine Geste am gestrigen Tage, dass er mit mir nach nebenan geht, weil ich nicht mehr klar denken konnte, rührt mich mehr als es sollte. Ich stand auf und merkte, wie mir alle Blicke im Raum folgten. Merkte, dass das hier nicht normal ist. Fragte mich auf dem Weg nach nebenan, was die anderen wohl denken. Nein, ich habe nicht die Fassung verloren, nur den Faden. Den Faden in meinem Kopf, der sagen soll, wie’s jetzt weiter geht. Ich konnte seinen Sätzen nicht mehr folgen, konnte gar nichts mehr. Mein Hirn setzte aus. Und er sah das ohne dass es mir wirklich klar war. Er sah, was in mir los war, oder eben nicht los war.

Womöglich sollte ich mich dafür bedanken, dass es so ist. Doch es hilft mir ehrlich gesagt auch nicht weiter. Weder mit mir selbst, noch mit meinem Job. Diese komische Beziehung, die wir haben, das wechselnde Du und Sie, das hilft mir nicht. Er selbst hilft mir. Aber das ist auch sein Job, dafür ist er da. (Weshalb ich nicht weniger dankbar bin, keine Frage.) Doch das ginge genauso gut ohne eine weitere, sonderbare Beziehung in mein Leben aufzunehmen, die ich nicht erklären oder gar greifen kann. Ich finde es auch nicht schlimm, ich habe mich daran gewöhnt. Doch manche Momente bleiben eben doch hängen. Beschäftigen mich vielleicht auch mehr, als sie es sollten. Und sie berühren mich. Was womöglich gut ist.  

16.11.2011 um 21:34 Uhr

Oh Tante

von: indalo

Gerade wollte ich Folgendes an eine Freundin schreiben:

Hab mal wieder n Brief von meiner Tante bekommen :-) Sie schloss mit dem süßen Satz "Altwerden ist doof :-)"

Doch… ich hielt inne. Ich bring es nicht übers Herz. Ich weiß, dass sie trennen kann zwischen dem Lächeln, das ihr diese Aussage entlockt, und dem Schmerz, den sie gerade verspürt, weil jene Tante vor einem Jahr gestorben ist… es bricht mir das Herz zu erleben, wie sie darunter leidet. Es ist nicht nur der Umstand, dass meine Tante mir schreiben kann, sondern auch der Inhalt. Der erste zitierwürdige Satz, der mir in den Kopf springt, geht ums Altwerden. Wie fies ist es, ihr das zu erzählen, wo jene Frau in so jungen Jahren gestorben ist und nie übers Altwerden reden können wird? Ich kann es ihr nicht schicken… ich… jetzt muss ich mich auch hier beschränken. Fühle erneut den Schmerz des letzten Jahres. Fühle die Verzweiflung, die mich schon damals Nächte gekostet hat.

Es tut weh, das nicht mit dir teilen zu können. Und noch nicht einmal jemandem davon erzählen zu können, weil du sonst der Mensch wärst, der diese Verbindungen verstehen würde. Der Mensch, der verstünde, warum mich die Trauer in so einem Moment überfällt.


Ich spüre, wie das gerade zu einem dieser Momente wird, die wichtig sind. Zu einem Schlüsselmoment, von dem man irgendwann irgendwem erzählt um ihm irgendwas zu erklären.

16.11.2011 um 19:55 Uhr

Der geschlagene Hund

von: indalo

Ich laufe durch die Gegend wie ein geschlagener Hund durch die Gassen. Im Grunde laufe ich gerade so durch mein Leben. Nicht weil ich laufe, sondern weil ich Paranoia habe und bei allem, was ich höre, was schlechtes vermute. Mein Briefkasten ist davon noch verschont geblieben, aber mein „Briefkasten“ bei der Arbeit bei weitem nicht. Jeden Tag, mehrmals am Tag, fürchte ich, darein zu gucken aus unbestimmter Angst vor dem nächsten Problem. Ich weiß einfach nicht wohin mit mir.

Mittlerweile beantworte ich die ein oder andere Email, ganz locker auftretend. So ganz mies ist es nicht, es geht über zu Distanz. Ich distanziere mich von meinem Gefühl, von meinem Ich. Ob das so gut ist, weiß ich nicht. Es ist auch kein bewusster Prozess, ich mache gerade nichts bewusst. Ich kann nichts bewusst machen. Ich kann keine Entscheidungen treffen. Ich habe keine Energie zum Nachdenken.

„Ich stelle gerade alles in Frage.“ Ein entsetzter Blick gefolgt von der vehementen Reakion: „Das kannst du nicht, das darfst nicht. Dafür hast du keine Zeit.“ Und ich glaube das trifft’s. Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken und ich habe damit die Erklärung gefunden, warum so viele Menschen in einem Beruf gelandet sind, der nicht zu ihnen passt. Sie hatten nie die Zeit, darüber nachzudenken. Ich habe eine Antwort darauf gefunden, warum Manager und Karrieretypen immer weiterstreben und nicht anhalten. Sie können nichts dafür. Sie machen einfach weiter, denn würden sie innehalten, würde alles zusammen brechen. Allem voran sie selbst.

Als ich mir diese Fragen stellte, hab ich noch nicht den Bezug zu mir gesehen. Und doch weiß ich, dass ich auch so bin. Mehrere Phasen meines Lebens hab ich nach dem Motto „Augen zu und durch“ überstanden. Und auch jetzt beginnt diese Zeit, sie hat begonnen. Das ist klar. Doch ich sträube mich noch dagegen, mich dem hinzugeben.

Vor ein paar Monaten erzählte man mir von jemandem in der gleichen Situation. Dieser Jemand hatte Depressionen und das wohl schlimmste war, dass er zum ersten Mal in seinem Leben wirklich hinterfragte, ob das der richtige Beruf ist. Da stand ich fassungslos da und dachte „Oh wie gut, dass ich in meinem Studium schon zig mal vor der Frage stand.“ Doch jetzt steh ich vor einer anderen Frage. Bisher fragte ich mich, ob der Beruf – wie ich ihn zu der Zeit noch sah – der richtige für mich ist. Jetzt ändert sich mein Bild dieses Berufes drastisch. Es wird in Frage gestellt, es wird „politisiert“. (Das ist sicherlich kein Wort, aber ich finde es passt.) Und so stehe ich vor der Frage, ob ich das, was nun dem reellen Job entspricht, will. Ob ich damit klarkomme. Ob das etwas ist, was mir entspricht. Und es hilft mir nicht, dass manche Menschen um mich herum der festen Überzeugung sind, dass es der richtige Beruf ist. Menschen, die das – meiner Meinung nach – überhaupt nicht beurteilen können. Nein, das hilft mir nicht. Im Gegenteil, es stellt mein Bild noch mehr auf den Kopf, es bringt mich dazu, all das noch mehr in Frage zu stellen. Letztlich frage ich mich, ob das alles wirklich so sehr Show und so wenig Herzblut ist. Und ob ich nicht doch untergehen werde, wenn ich schon jetzt nur noch schwimme.

15.11.2011 um 15:18 Uhr

Neun Zentimeter

von: indalo

Auf meinem Schreibtisch türmen sich die Briefe. Der Stapel beläuft sich mittlerweile auf neun Zentimeter. Nicht mehr, nicht weniger. Manche dieser Briefe sind ungeöffnet. Es sind Rechnungen, Mitteilungen und ähnliches. Keine Werbung, die hab ich schon raussortiert. Und auch keine freundliche Post wie Danksagungen oder Einladungen zu ner Hochzeit. Es sind alles „wichtige“ Briefe, die mir irgendwas sagen wollen. Und ich habe keine Energie, sie richtig abzuheften oder mich sonstwie mit ihnen zu beschäftigen. Es würde sicher nicht allzu lange dauern, doch ich habe keine Energie.

Meine Emails beantworte ich zumeist ziemlich schnell. Doch… ich mag meinen Freunden gerade nicht schreiben. Den Menschen, die mir wichtig sind. Bei einer fragte ich nach, da ich mir so langsam Sorgen machte, weil ich so lange nichts gehört habe. Warum tat ich das bloß? Es war klar, dass sie darauf reagieren würde, dass sie mir daraufhin schreiben würde und ich eine weitere Email in meiner Mailbox habe, die ich nicht beantworten mag. Warum nicht? Weil ich Angst vor einer Frage habe, und zwar der simplen Frage „Wie geht es dir?“. Ich möchte sie nicht hören, ich kann sie nicht beantworten. Ich könnte. Aber ich will nicht. Nicht, weil ich nicht zugeben möchte, wie es mir geht. Denn das weiß ich. Ich für mich weiß, an welchem Punkt ich bin. Aber weil ich nichts hören möchte. Ich will nicht hören „Das wird schon wieder.“. Ich will keine simplen Mutmachungen, keine Floskeln, keine Mitleidsbekundungen. Ich möchte auch nicht, dass sie sich Sorgen machen. Denn ich weiß, dass es wird. Ich werde hier lebend rauskommen, dieser Überzeugung konnten sie mich noch nicht berauben. Und am allerwenigstens möchte ich jemanden beruhigen. Ich möchte nicht auf die darauffolgende Email antworten müssen, dass es mir besser geht. Ich möchte mir keine Gedanken um andere machen, ich möchte einfach nur nichts. Gar nichts. Keine Ansprüche, dass niemand welche stellt und ich noch weniger.

Seit einiger Zeit überlege ich, einem dieser Menschen zu schreiben um zu fragen, ob sie auch mal überlegt hat, abzubrechen. Es sein zu lassen. Ich möchte sie das fragen, weil ich es wissen möchte. Weil ich mich nicht daran erinnern kann, dass sie davon erzählt hat. Aber ich weiß auch, dass wenn ich diese Frage stelle, es auch eine Aussage ist. Ich ihr damit etwas sage, was ich aus genannten Gründen nicht möchte. Und so schweige ich. Einfach vor mich. Fange an mit Vorwürfen jemand anderem gegenüber, dass er sich melden könnte, wenn es ihm genauso ginge. Doch ich melde mich ja auch nicht, wozu also die Vorwürfe?
Weil es sich im Kreis dreht. Wie die Geschichte mit dem Hammer. Und ich möchte um mich schlagen. Ich möchte wütend sein, weil ich so verletzt bin. Weil ich verwirrt bin. Weil ich bald gar nichts mehr weiß.

15.11.2011 um 11:00 Uhr

Das alles entscheidende Gespräch

von: indalo

Ich habe wieder gelesen. In alten Sachen. Dieses Gespräch, von vor über drei Jahren. Es war im Sommer, und es ist DAS Gespräch. Ich fühlte, wie damals etwas zerbrach. In mir. Wieder einmal. Es fiel und schepperte. So laut, dass es mich taub machte. Ich verlor mich in diesem Gefühl und wusste, das ist DER Moment. Ich sagte es sogar. Nicht in diesen Worten, aber in anderen. Ich war kalt, ich war gefühllos. Ich sagte dir, dass, wenn du wieder einmal überlegen solltest, wann du etwas verpasst hast, du diesen Moment nehmen sollst. Es war alles, was ich zu denken in der Lage war. Und es ist keine böse Absicht, doch das war’s. Da war alles vorbei. Und ich bestätigte es darauf mit den Worten, dass wenn ich je jemandem begegnen sollte, für den ich immer Vorrang hätte, ich ihm für immer verfallen sein werde. Du bist es nicht. Du warst in dem Moment, in einem der verletztlichsten Momente meines Lebens, nicht da. Und doch warst du es. Wie ironisch. Du hast in dem Moment jemanden vorgezogen, weil du mit diesem Jemand endlich und endgültig klären musstest, was dich davon abhielt, dich so richtig auf jemanden einzulassen. Das war nicht nur für mich der bedeutendste Moment unserer Beziehung zueinander, sondern auch für dich. Und es war alles wirklich nur ein Moment, so kurz, dass er diese Bedeutung nicht haben darf. Doch es fiel, und es brach. In mir. Es ist gekittet worden, doch die Risse bleiben. Und sie gehen nicht. Vielleicht aus Angst, aber vielleicht auch einfach, weil sie nicht verschwinden können.

10.11.2011 um 19:36 Uhr

Ich will DICH

von: indalo

Mindestens zwei Gedankenstränge möchte ich verschriftlichen. Weil sie jetzt wichtig sind, auch wenn sie schon lange vergangen sind. Mal sind es vier Jahre, mal nur drei… doch beides ist eben ewig her. Und doch hat es einen Bezug zur Aktualität.

Ich weiß, wir haben gerade eine komische Phase. Wir haben ein paar Tage nicht geredet, ich habe mich zurückgezogen. Angekündigt zurückgezogen. Und zwar richtig zurückgezogen. Zwar noch mit schriftlichen Lebenszeichen, aber das Telefon verweigerte ich dann. Das Handy, nicht aber das Festnetz. So riefst du an, auf Festnetz. Ich hörte Schluchzen. Es war klar, dass du es bist. Ich wollte schon nicht rangehen. Es gruselte mir vor dem, was kommen würde. Und doch wollte ich da sein. Für dich. Auch wenn ich nicht da sein wollte. Für mich. Ich wollte weg, alles ausschalten, abschalten. Ich war nicht mehr ich. Und doch musste ich zu mir zurückkehren, um auf dich aufzupassen. Siehst du das eigentlich? Siehst du, was du mir nimmst? Was ich schon so lange nicht mehr habe?
Am nächsten Tag folgte ein Telefonat, welches ich begann. Mir war danach. Ich hatte ja ein wenig Zeit, um zu mir zurückzukehren. Es ging um vieles, ein bisschen aktuelles und doch viel vergangenes. Eben um die Zeit von vor mehr als vier Jahren… als eins der größten Geheimnisse meines Lebens gelüftet wurde. Als du ihr das Herz gebrochen hast, zum mindestens zweiten Male. Und du fragst dich heute, nach all den Jahren, warum du ihr davon erzählt hast. Du hast mich gefragt, warum wir beschlossen haben, dass sie es erfährt. Ich stockte. Ich staunte. Ich… im Ernst?! Das fragst du dich? Hatte ich dann doch Recht? Ich konnte meine Stimme nicht verändern. Dir fiel auf, dass mir das ungeheuer wichtig ist. Und dass es mich aufregt. Du weißt das nicht mehr? Ich habe das damals beschlossen, für mich. Für sie und für mich, dass sie es erfahren wird. Nach all den Monaten hab ich meine Meinung geändert. Nicht, weil ich es ihr schon vorher hätte erzählen sollen, sondern weil es dann, zu genau dem Zeitpunkt richtig war. Und wichtig war. Nur eins sollte mich davon abhalten, es ihr zu erzählen: Dass du es ihr erzählst. Ich gab dir die Möglichkeit, es ihr zuerst, bzw. dann ja als einziges, zu erzählen. Hätte ich dir diese Chance genommen, hätte ich eure Beziehung beendet. Und das war nicht mein Anliegen. Als ich dich also darüber in Kenntnis setzte, dass sie es nun erfahren soll, hast du gesagt (ja, ich möchte „behauptet“ schreiben), dass du das jetzt ohnehin vorhast. Du hast es so dargestellt, als hättest du allein – unanbhängig von mir – beschlossen, ihr davon zu erzählen. Ich zweifelte schon damals daran, doch irgendwann wurde es irrelevant. Doch dass du heute nicht mehr weißt, wieso sie es erfahren hat, zeigt mir, dass du das damals nur behauptet hast. Mir war es wichtig, du hattest nur Angst. Ja, das beschäftigt mich. Denn mich beschäftigt, dass es nach so vielen Jahren noch (oder wieder?) wichtig ist.

Das zweite, worüber wir redeten, verstehe ich nicht. Ich verstehe es wirklich nicht. Oder entlarve ich dich damit? Du hast sie betrogen. Damals. Das hatte nichts mit eurer Beziehung zu tun, es war einfach nur Sex. Das sagtest du. Es war nicht von Bedeutung, es hatte nichts mit deinen Gefühlen zu ihr zu tun. Ich glaubte dir – warum bloß?!
Und dann hast du dich verliebt, in jemand anderen. Eure Beziehung war vorbei, das war also erledigt. Die neue Liebe brauchte länger um zu wachsen, doch sie tat es Tag für Tag. Ich sah dir dabei zu, wie du dich immer mehr verliebt hast. Und trotzdem noch mit anderen geschlafen hast. Einfach so. Oder war es doch nicht einfach? Weil du da feststelltest, dass es nicht hilft? Dass es nichts ändert? Ich dachte, du kannst Sex ohne Gefühle haben? Ich dachte du kannst Sex haben, auch wenn du jemand anderen liebst? Doch wenn ich dir jetzt vorschlage, dir jemanden fürs Bett zu suchen, jemanden, der sich dir anbietet, jemanden, der nicht mehr als was einfaches fürs Bett will, dann fragst du mich völlig entstetzt und wohl auch verletzt: „Du verstehst es immer noch nicht, oder?“ Mir klingen diese Worte noch jetzt im Ohr. Da war so viel Gefühl enthalten, so viel Vorwurf, Schmerz und auch Unverständnis. Nein, ich verstehe es immer noch nicht. Oder ich verstehe es zu gut. Vielleicht kann ich es dir eines Tages erklären, also das, was ich nicht verstehen will. Denn würde ich verstehen, dass du mit niemand anderem ins Bett gehen kannst oder willst, der nicht die Person ist, der du dein Herz geschenkt hast, dann müsste ich akzeptieren, dass du jahrelang mit jemandem zusammen warst, den du nicht geliebt hast. Obwohl du das glaubtest. Wirklich glaubtest. Und dann müsste ich akzeptieren, dass du und ich ein noch viel größeres Problem haben, als mir ohnehin bewusst ist. Oder vielleicht ist das jetzt auch eine Erkenntnis, die du ganz neu über dich gewonnen hast. Oder hast du sie gar nicht gewonnen? Verstehst du gar nicht, was das bedeutet? Wirst oder kannst du daraus Konsequenzen für dein Leben ziehen?

Ich werde bleiben. Denke ich. Wir werden bleiben. Irgendwie. Und eines Tages werde ich wissen, ob du daraus gelernt hast. Ob ich daraus lerne. Ob wir so unterschiedlich sind, oder ob sich doch noch Dinge erklären. Bis dahin bleiben all diese Gedanken dort, wo sie waren. Und ich danke diesem Gespräch einfach nur dafür, dass es existiert hat. Denn da war wieder diese Verbindung, die ich neulich so schmerzlich vermisst habe.

05.11.2011 um 00:16 Uhr

Alle guten Dinge sind drei

von: indalo

Seit ein paar Stunden schon brennt mir das nächste auf der Seele. Und ich war schon wieder dabei zu sagen: „Sowas mach ich eigentlich nicht.“ Und dachte dann weiter, und fragte mich, wieso eigentlich nicht. Und so dachte ich und nun erübrigte es sich. Oder auch nicht. Naja, denn im Grunde schreibe ich keine zwei Blogeinträge an einem Tag. Doch heute muss das sein. Denn der vorhin, der war negativ. Verdammt negativ. Und der jetzt, der ist positiv. (Und es ist ja nach Mitternacht.)

Schon in vorherigen Einträgen klagte ich darüber, dass mir die Aufgabe in meinem Privatleben fehlt. Der Sinn, der Ausgleich, das Schöne. Doch jetzt ist es wieder da. Ich habe eine neue Aufgabe, soeben erhalten. Also vor ein paar Stunden, als das Telefon klingelte. Erst wollte ich nicht rangehen. Es klingelte so laut, es wollte etwas von mir. Kennt ihr das, wenn das Telefon anders klingt? So war es irgendwie. Doch ich sprang nichtsdestotrotz hin und wurde mal wieder gefragt, ob ich geschlafen habe. Nein, ich bin nur grunderschöpft. (Was ich nicht sagte. Nicht einmal dachte. Es ist einfach so.) Dann hieß es, ich würde schon wacher klingen. „Ja, deine Motivation und Begeisterung schwappen zu mir rüber.“ Und dann kam die Frage. Über Umwege. Versteht denn heute niemand mehr etwas davon, klare, deutliche Fragen zu stellen? „Möchtest du das, was du schon zweimal gemacht hast, noch einmal machen?“ *ratterratter* (Doch, schon da ahnte ich, worum es geht, aber dumm stellen schadet ja nicht, und so entgegnete ich nach kurzer Pause:) „Was meinst du?“ – „Na das, was du zweimal gemacht hast, was sich so ähnlich war.“ – „Dazu fallen mir gerade nur Hochzeiten ein.“ Und dann weiß ich nicht, wie es weiterging. Irgendwie. Doch das war so typisch. So typisch untypisch.

Für mich zählt gerade nur, dass ich einen Aufgabe habe. Einen Zeitvertreib für die Zeit, die ich nicht habe. Und doch finden werde. Denn ich brauche eine Motivation, ein Lächeln, das mich durch die grauen bis schwarzen Tage bringt. Und das hilft mir gerade sehr. Auch wenn es mich fordert, auf eine ganz andere, ganz neue Art.

04.11.2011 um 20:21 Uhr

Betrug? Doch der falsche Beruf?

von: indalo

Da geht so vieles in so viele Richtungen. Ich zerreiße mich innerlich, weil die Baustellen derart auseinander gehen. Ich arbeite an mir, an meinem Leben, an meinen Freunden und dann auch noch an der Welt. An meiner Welt. Nicht der großen, nicht der Politik, nicht dem Krieg. Nein, an meinem kleinen Horizont.

Als ich vorhin mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, ging mir durchn Kopf, dass ich manchmal versuche etwas zu sein, was ich vielleicht gar nicht bin. Manchmal habe ich ein Bild von etwas, und dann denke ich, dass ich so bin. Und ich weiß nicht, ob ich so bin. Ich stelle gerade zu viel in Frage. Dinge ändern sich, ich ändere mich, doch was davon gehört jetzt noch zu mir?
Das ist mir alles etwas unklar. Doch dann gibt es Momente, die ganz deutlich zeigen, wer oder wie ich bin. Dann stelle ich plötzlich fest, dass ich kämpfe und rotiere, dass ich zum Tier werde und nichts dagegen tun kann. Das bin ich. Und dagegen sollte ich auch nicht kämpfen.
Oder doch?

Neben all den Problemen, die sich gerade vor mir auftürmen, hab ich ein neues entdeckt. Eins, das sich ganz klar abgrenzen lässt und auch ganz leicht zu greifen ist. Das Gesetz. Oder der Umgang meiner Mitmenschen mit dem Gesetz? Naja, ein wenig schwammig ist es also doch. Wie auch immer, ich bin der Ansicht, dass wenn jemand betrügt und dabei erwischt wird, es eine Konsequenz geben muss. Ich möchte gar nicht darüber philosophieren, warum Betrüger betrügen und wie falsch es in manchen Situationen ist, zu betrügen. Ich werfe gewiss nicht den ersten Stein, auch ich habe das ein oder andere auf nicht ganz gesetzeskonforme Weise erworben. Doch darum geht es nicht. Denn nur weil man selbst etwas falsch gemacht hat, muss man es doch nicht bei anderen zu lassen – oder etwa doch? Wo kämen wir denn da hin?
Vielleicht sollte ich an anderer Stelle weiter darüber nachdenken, was ich ahnden und was ich nicht ahnden sollte. Womit ich leben kann und womit nicht. Allein komme ich damit gerade nicht weiter und in meinem Umfeld finde ich nur Menschen ohne Rückgrat. Und das ist mein größtes Problem zur Zeit. Ich darf Betrug nicht ahnden. Das sagte man mir heute. Ich kam so schnell in Rage, dass ich das in meiner Stimme nicht verbergen konnte. Da hieß es aus anderer Ecke: „Da gewöhn dich mal ganz schnell dran.“ Nein. Nein, nein und nochmals nein. Wenn ich in diesem Beruf keine Handhabe habe, etwas gegen Betrug zu unternehmen, wenn ich kein Recht habe, Betrüger zu bestrafen, dann ist das der falsche Beruf für mich. Ich kann mich manchen Dingen beugen, die mir in diesem System nicht gefallen, aber nicht an dieser Stelle. Das geht nicht. Und es macht mich krank zu sehen, wie der Rest das einfach hinnimmt. Was ist das in unserer Gesellschaft? Hatte der Amerikaner neulich recht, dass wir Deutschen zu viel Angst haben? Ständig, immer und überall Angst. Er sagte das so Offensichtliche. Und er hat Recht. Doch es haut mich gerade um und es stellt meine Zukunft in Frage. Denn ich bin nicht bereit hier einzuknicken.

Ich wollte mal Anwalt werden. Doch als ich feststellte, dass der Beruf eines Anwalts nicht mehr viel mit richtig oder falsch zu tun hat, sondern vielmehr mit Interpretationen von Gesetzestextes, verwarf ich diese Idee sehr schnell. Ich liebe es, Lücken zu finden, Dinge zu drehen und zu wenden bis ich die Diskussion gewonnen habe. Und ich bin auch kein großer Fan von Gesetzestextes, und stimme auch nicht mit allem überein. Doch es gibt Dinge, die richtig oder falsch sind. In meiner Welt gibt es sie. Und die Aussicht, dass man als Anwalt gegebenenfalls jemanden freikämpft, der etwas falsches getan hat, nur um zu gewinnen, die behagte mir nicht. Und jetzt stehe ich vor dem gleichen Problem. Ich soll etwas akzeptieren, was falsch ist. Das kann ich nicht. Und es erschreckt mich sehr, vor der Frage zu stehen, ob dies der richtige Beruf ist.

03.11.2011 um 21:36 Uhr

Verändert

von: indalo

Ich bin nicht mehr ich. Ich bin nicht mehr, wer ich einst war. Ich bin kälter geworden, distanzierter und… irgendwas noch. Denn das da gerade, das ist eine Momenterscheinung. So hoffe ich. Doch da ist auch eine dauerhafte Veränderung zu erkennen. Ich antworte nicht mehr auf alle Emails, im Gegenteil, ich ignoriere manche bewusst. Und das für immer.

Das wäre mir früher nie passiert. Ich habe immer auf alles reagiert. Wenn auch erst viel später. Nein, jetzt nicht mehr. Ich lasse es liegen. Vergesse es. Vergesse es wirklich. Und wenn ich drüber stolper, dann zucke ich mit den Achseln und belass es dabei. Oder ich entscheide mich bewusst, nicht zu reagieren. Aus Bock. Aus Trotz. Aus Rache. Ja, manches ist auch ein gemeiner Akt der Rache. Aus meinem verletzten Ich heraus. Denn auch wenn ich manche Dinge hinnehme, so heißt das nicht, dass ich sie überwunden habe. Oder ist es dann kein Hinnehmen mehr? Hmm.

Und so verfolge ich momentan die Strategie, mein akutes Problem zu teilen. Mich Leuten mitzuteilen. Und ich laufe wieder einmal gegen Wände. Warum fang ich das immer wieder an? Warum wage ich mich doch wieder auf dieses dünne Eis, auf dem ich schon so oft eingebrochen bin? Okay, man hört mir zu. Doch werde ich verstanden? Nicht richtig. Ich kriege Floskeln um die Ohren geworfen und wünsche mir in diesem Moment gerade, andere mal mit meinem Versagen aufzurütteln. Gerade eben, als ich Zähne putzte, dachte ich darüber nach, dass Versagen (nicht nur verzagen) in der letzten Zeit in geworden ist. Um mich herum gab es Ereignisse, die ich nicht für möglich gehalten habe. Dabei dachte ich immer wieder: Sowas kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe nie derart versagt. Und dann… dann fällt mir wieder ein, dass ich auch durch diverse Prüfungen gefallen bin. Es ist nichts anderes, und doch wirkt es anders. Denn die Dinge, die andere mitkriegen, also wirklich wahrnehmen, die hab ich bestanden. Und so geht mein Umfeld davon aus, dass ich immer alles hinkriege. Das tue ich auch. Denn auch das hier werde ich hinkriegen, ich werde dieses Tief überwinden, ich weiß nur nicht, wieviel Kraft es mich kosten wird.

01.11.2011 um 09:24 Uhr

Und da waren's (nur noch) neun

von: indalo

Nein, ich spiele hier nicht Zehn-kleine-Negerlein. Ich zähle vielmehr Monate. Neun. Ne ganze Schwangerschaft. Das Baby ist geboren worden und fängt mächtig an zu quängeln. Die ersten neun Monate waren irgendwie entspannt. Nicht immer, aber doch die meiste Zeit. Ein Genuss zu wissen, was am Ende dabei rauskommt – nur war mit Ende nicht das Ende der Schwangerschaft gemeint. Sondern vielmehr der Moment, wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist. Und so werden die ersten neun Monate wirklich stressig. Und darum sind es nur noch neun Monate. Einerseits schon, denn so viele sind schon geschafft, doch andererseits eben nur noch, denn dann hab ich’s ganz geschafft. Und ich erwarte den Moment sehnlichst. Seit einiger Zeit. Denn das Quängeln bringt mich sehr aus dem Konzept. Ich bin selbst quängelig geworden, ich glaube mir fehlt meine innere Ruhe – ohne dass ich bereit bin, das zuzugeben. Nicht einmal so richtig vor mir selbst. Aber irgendwas macht mich unzufrieden. Und die Frage gestern, ob ich glücklich sei, hilft bei all dem nicht. Nicht von diesem Kind, das mich ohnehin mit den schrägsten Fragen bombardiert. Ja, bin ich. Möchte ich sagen. Doch vielleicht ist dem gar nicht so. Denn zur Zeit bin ich mehr aufgewühlt als alles andere, ich schlafe schlecht und komm nicht dagegen an. Mir fehlt meine private Aufgabe nebenbei. Die Hochzeiten liegen hinter mir und ich hab wieder nur Arbeit. Und Freunde, die sich gerade ähnlich überschlagen. Mir fehlt der Ruhepol, der Ausgleich. Und der Urlaub war alles, nur nicht ausgleichend. Er hat mir so richtig gezeigt, dass da was im Argen ist. Viel mehr als ich für möglich gehalten hätte. Und das ist gar nicht gut für mein Innenleben. Heißt es jetzt wirklich wieder nur Augen zu und durch? Neun Monate lang Augen zu und durch? Keine schöne Aussicht…