indalo

26.01.2012 um 18:35 Uhr

Alles nur Schein?

von: indalo

Ich finde meinen Beruf immer mal wieder schwierig. Aus vielerlei Hinsicht. Insbesondere meine aktuelle Situation. Ich lerne und lehre gleichzeitig. Man ist weder das eine, noch das andere. Was ich völlig okay finde, denn im Grunde ist es immer so im Leben. Das ganze Leben hindurch lernt man und lehrt auch. Doch ich soll anders wirken als ich bin. Ich soll ausstrahlen, alles zu können, fehlerlos zu sein. Und das liegt mir nicht. So gar nicht.

Macht. Es geht auch immer wieder um Macht. Ich habe Macht, die ich nicht haben möchte. Ich will nicht, dass Menschen immer nur Ja und Amen sagen. Ich möchte, dass sie mir widersprechen, frei von Angst. Doch ich fürchte, das funktioniert nur selten. Sehr selten.
Es ist so vieles falsch in diesem Beruf – oder von mir aus auch überall in der Berufswelt. Taktiken, die braucht man. Ständig fährt man irgendeine Taktik und ständig muss man versuchen herauszufinden, ob das Gegenüber nur einer Taktik folgt oder ausnahmsweise mal hinter dem steht, was er oder sie sagt.
Ich selbst bin nicht frei davon. Ich bemerke, wie manche Gespräche eine Wendung erfahren, weil mir auffällt, dass es mir etwas nützen könnte. Und doch stocke ich immer wieder und schelte mich für diesen Gedanken. Warum besser erscheinen, als man ist? Ich will das nicht. Ich will normale Beziehungen zu meinen Mitmenschen führen, frei von Taktik, frei von Macht und dafür voller Ehrlichkeit. Doch irgendwie… funktioniert das nicht. Oder nur selten.

Und so stolpere ich vor allem in Konferenzen mit meinen Kollegen über diesen Schein. Hier wird das gesagt, dort jenes, und letztlich weiß ich nicht mehr, was davon wahr ist und was falsch. Stänidg ändern meine Kollegen ihre Meinung, oftmals um Arbeit zu vermeiden. Und das passt mir so wenig in den Kram. Und dann sitz ich im Auto auf dem Heimweg und schüttel den Kopf über die Geschehnisse des Tages.

Besteht das Leben, das erwachsene Leben, wirklich so sehr aus Schein?

23.01.2012 um 23:22 Uhr

Sag mal

von: indalo

…war der Betreff meiner letzten Mail. Es folgte ein Frage, eine einfache, planungsrelevante Frage. Zurück kam eine Email, die von Schmerz und Angst zeugte. Eine, die ich so noch nicht bekam und keinesfalls erwartete. Ich schrieb sofort zurück und entschloss spontan, dass wir reden sollten, nicht mailen. Gedacht, gesagt, getan. Und so verbrachten wir die letzten dreieinhalb Stunden miteinander. Einfach so.

Ich wurde vorgewarnt. Auf meine Frage „Magst du reden?“ kam nur „wenn du damit leben kannst, dass ich spontan losheule.“ Und so kam es dann auch. Es war emotional, und ich versuchte tapfer zu sein, und ihr aber auch gleichzeitig Halt zu geben. Das war nicht einfach. Und doch auch irgendwie schon. Es war so natürlich. Und das, obwohl wir gerade ne sehr lange Sendepause hatten. Und womöglich auch wieder haben werden. Doch wenn was ist, bin ich da. Und das weiß sie. Das spürt sie. Und ich danke ihr dafür, dass sie es annimmt. Denn so sehr ich auch viele ihrer Aussagen analysiere und ihre Beziehungen zu anderen Menschen mit unserer gemeinsamen Vergleiche, so sehr ich auch alles auseinandernehme und immer wieder Bestätigung suche, so sehr weiß ich aber auch, dass wir zusammen gehören. Immer wieder. Wir haben so viel durchgestanden, und trotzdem ist da so ein natürliches Gleichgewicht. Wir haben schwierige Phasen hinter uns, insbesondere auch miteinander, und doch ist da diese Vertrautheit. Mal Gefühl, mal Wissen. Irgendwie tut es gut.

Und so singe ich die ganze Zeit – schon lange vor der Email – vor mich hin, immer und immer wieder die Textzeile „Sag mal weinst du, oder ist das der Regen, der von deiner Nasenspitze tropft.“ Ich erinnere mich an den Eintrag, der diesen Titel trug. Heute weiß ich, dass es damals nicht der Regen war. Wir haben nicht darüber geredet, und doch weiß ich es jetzt. Spannend, wie manche Dinge sich einfach klären. Und spannend, wo dieses Lied nach all den Jahren wieder herkommt. Einfach so.

Eine Vorahnung?

22.01.2012 um 14:33 Uhr

Wohnungsbewerbung

von: indalo

Soeben habe ich eine Bewerbung für eine Wohnung rausgeschickt. Nicht für eine konkrete, sondern bei einer Wohnungsgesellschaft für Wohnungen bestimmten Typs. Wobei mein Wohnungstyp noch nicht sehr konrekt ist. Ich will nur irgendwas bezahlbares in der passenden Größen und am richtigen Ort. Ansonsten bin ich flexibel. Denn „bezahlbar“ und „passende Größe“ sind mittlerweile sehr flexibel. Nur der Ort nicht, denn nicht nur die Stadt, sondern auch der Stadtteil stehen fest. Zumindest gibt es Fixpunkte, von denen aus der Radius startet. Muss also nicht mal die gleiche Stadt sein, solange es nah genug ist. Ich will zurück.

Schon vor zwei Tagen saß ich auf meiner Couch, oder besser lag ich auf meiner Couch, und begab mich auf Wohnugssuche. Es dauert noch viele Monate, eh es soweit ist, und es steht noch nicht einmal hundert prozentig fest, dass es dann auch wirklich sein wird. Und doch habe ich den inneren Drang, mich damit zu beschäftigen. Ich brauche etwas, worauf ich mich freuen kann, ein Ziel, auf das ich hinarbeite. Damit ich arbeite. Denn zur Zeit bin ich faul, unmotiviert und irgendwie resigniert. Nicht besonders schlimm, eher normal bequem. Und doch sollte ich langsam in die Puschen kommen. Aufhören, meine Zeit zu verschwenden und loslegen. Doch stattdessen suche ich Wohnungen. Überlege mir, was meine Vorstellungen sind und versuche herauszufinden, ob ich sie realisieren kann. Denn ich möchte eine bestimmte Dusche. Einen bestimmten Typ Dusche, den ich total toll finde. Nur weiß ich nicht, ob ich den überhaupt finden kann. Und schon gar nicht, wie ich ihn finden soll. Und ich glaube, ich möchte wieder einen Balkon. Ich brauche mehr Frischluft als ich es hier bekomme. Definitiv nicht Erdgeschoss, das konnte ich auch angeben. Und nen Wunschtermin, der mir auch sehr schleierhaft war. Aber ich habe was eingetragen und hoffe, dass es nicht zu meinem Nachteil wird, dass ich so früh begonnen habe. Ich träume von einer Fußbodenheizung, doch ich weiß, dass das ganz schön viel verlangt ist. Aber man muss auch träumen können.

Doch alles in allem, so sehr ich auch bereit für den Rest meines Lebens und den vorerst letzten Umzug bin, so sehr ziehe ich auch in Erwägung, dass auch die nächste Wohnung nur ein Zwischenstopp ist. Der Anfang vom Ende meines Lebens. Sie würde mich an den richtigen Ort bringen, sie würde mich vor Ort bringen, sodass ich dann ganz in Ruhe über längere Zeit suchen kann. Entspannt, zurückgelehnt und ohne Hin- und Herfahrerei. Das ist der Plan.

20.01.2012 um 20:15 Uhr

Glücksmomente

von: indalo

Es sind die kleinen Momente, die das Leben so schön machen. Das Lächeln, welches so herzerwärmend ist, dass alles um einen herum egal wird. Und so ein Lächeln durfte ich heute wieder erleben.

Meine Woche war wieder hart und anstrengend. Ich zähle nach wie vor die Wochen bis zum Ende dieser Zeit. Und es werden weniger, immer und immer weniger. Und das ist verdammt gut so. Es gibt Zeiten, da kann ich nicht schlafen, es gibt Momente, in denen möchte ich alles hinschmeißen, und im Grunde kann ich die Frage nach meinem Gemütszustand schon viel zu lange nicht mehr beantworten. Ich will sie nicht beantworten. Nur heute, da geht es mir wieder richtig gut.

Heut Abend stand ich da mit diesem Jungen in der Eingangshalle. Wir jonglierten alle fröhlich durcheinander und dann erinnerte mich ein Mann daran, was man noch alles beim Jonglieren machen kann. Und so schnappte ich mir den Jungen und meinte, mir ist noch etwas eingefallen, was ich ihm zeigen könnte. Ich forderte ihn auf zu jonglieren – Mann, bin ich stolz auf das, was er in der kurzen Zeit, die ich ihn kenne, schon gelernt hat! Er legte los und dann klaute ich ihm grinsend einen Ball nach dem anderen. Während ich dies tat, beobachtete ich sein angestrengtes Gesicht, was ganz plötzlich zu einem breites Grinsen wurde. Dieser Moment war bezaubernd, vor allem da ich es gar nicht so extrem erwartet hätte. Zudem kicherte er noch. Er war unheimlich fasziniert. Also spielte ich noch ein paar Mal das gleiche Spiel mit ihm. „Das ist lustig.“ sagte ich verträumt, und jedes Mal wieder entspannte sich sein Gesicht zu einem Grinsen. Und er kicherte. Er kicherte als würde ich ihn kitzeln.

Und ich erinnere mich sooo gut daran, wie jemand das das erste Mal mit mir gemacht hat. Auch ich musste kichern. Es ist kein Lachen, es ist nicht nur ein Schmunzeln, es ist wirklich ein Kichern. Und mich in ihm wiederzuerkennen fühlte sich gut an. Das Kind in mir regte sich und ich dachte darüber nach, warum das witzig ist. Denn es ist wirklich ein wenig wie das Kitzeln. Keine körperliche Berührung, sondern eine seelische. Das Gegenüber sieht was man macht und ist einem dabei sogar einen Schritt voraus. Nicht weil er oder sie besser oder schneller ist, nein, denn das Gegenüber muss ja meine Schritte erahnen, nicht etwa mit den eigenen davon rennen. Möge er sich dieses Kichern länger erhalten können als ich es schaffte.