indalo

29.02.2012 um 17:50 Uhr

Ich weiß nicht, was ich will. Und das ist gut so.

von: indalo

Wir haben geredet. Aber ich bin nicht schlauer. Da sind noch mehr Fragen, noch mehr Unsicherheiten und definitiv ne Menge Unklarheiten. Aber das ist nicht schlimm. Also schon, denn ich würde dir gerne dabei helfen, zu verstehen. Doch ich kann es nicht, und ich fühle mich dabei nicht verzweifelt. Ich habe akzeptiert, dass ich nichts tun kann. Außer zuhören. Und das tat ich. In meinem Kopf wurden die Gedanken hin und her geschoben. Wenn es mir passend erschien, äußerte ich mich. Doch diesen einen Moment, da wusste ich nichts zu sagen. Die Worte halten in mir wider. „Mir wird gerade in diesem Gespräch klar, dass ich es beenden muss.“ Ich schwieg. „Und das macht mir noch mehr Angst.“ Und ich schwieg weiter. „Aber ich will doch nicht.“ Auch jetzt wusste ich noch nichts zu sagen. In mir regte sich viel, aber weder war es ein Freudenschrei, noch Trauer. Es war keine entscheidende Emotion, es war einfach nur Emotion. Erst der nächste Satz brachte mich zu einem spontanen Ausruf, auch wenn ich nicht mehr weiß, was es war. Es zeigte mir nur, dass es richtig war, vorher zu schweigen. Ich schwieg nicht absichtlich, ich behielt keine Gedanken für mich, es war nur einfach nichts da, was ich zu sagen hatte.

Jetzt stehe ich vor der Frage, ob dieses Telefonat dafür verantwortlich ist, dass die Beziehung beendet wird. Und dann frage ich mich, ob das gut ist. Ob ich das so wollte. Ob ich damit dann etwas zu tun hatte. Und eigentlich frage ich mich das nicht, denn ich habe nichts getan, nichts gesagt, nichts angedeutet. Ich habe sie reden lassen und gelegentlich wiedergegeben, was gesagt wurde oder geschehen ist. „Als meine Tante krank war, war sie nicht da.“ – „Ich weiß.“ Und das war nicht nur ein Satz, das war so viel mehr. Ich weiß, dass sie nicht da war, ich weiß, dass mich das seit dem auf die Palme bringt. Wie konnte sie nur? Also wie konnte sie nicht? Nee… spätestens da hat diese Beziehung einen Knacks bekommen, den niemand wahrzunehmen scheint. Wie auch immer. Ich weiß nicht, was ich will. Ob sie zusammen bleiben oder sich trennen. Ich weiß nicht, was besser ist, jedenfalls nicht für mich. Und spätestens heute habe ich erkannt, dass ich auch gar nicht darüber nachdenken sollte. Ich sollte keine Meinung haben, denn ansonsten bestünde die Gefahr, dass ich manipuliere. Ich stehe auf neutralem Boden, was die Beziehung angeht. Nicht, was die Menschen angeht. Wenn sie will, dass ich ihr die negativen Dinge aufzähle, dann tu ich das. Wenn sie hören möchte, wie gut doch alles ist, zeig ich ihr die Vorteile. Ich fungiere als Gedächtnis, nicht als Gehirn. Ich habe keine Meinung, ich habe kein Recht auf eine Meinung. Und das ist gut so.

Aber es erstaunt mich doch, dass sie bei der letzten Beziehung über ein Jahr brauchte, bis die Beziehung wirklich endete. Über ein Jahr hat sie eine Beziehung geführt, die keine hätte sein dürfen und im Grunde auch keine mehr war. Und dass jetzt ziemlich genau die gleiche Zeit vergangen ist, seit das geschah, was die Beziehung gekippt hätte, wäre es meine gewesen.
Doch trotz all dem, trotz ihrer Aussagen von heute, trotz ihrer neuen Gedanken, trotz der Tonlage in der sie diesen einen Satz formulierte, weiß ich nicht, was nun geschehen wird. Es bleibt abzuwarten. Und ich wünsche mir, dass sie die für sich richtige Entscheidung trifft.

29.02.2012 um 13:05 Uhr

Vor vier Jahren

von: indalo

Heute vor vier Jahren endete ein Teil meines Lebens. Heute vor vier Jahren hab ich etwas in meinem Herzen eingeschlossen, was bis heute erhalten blieb. Ein Gefühl, oder eher Gefühle. Heute ist der Tag, an dem ich womöglich immer daran denken werden, was vor vier Jahren passierte. Ich hielt es damals für möglich, doch heute weiß ich, dass ich ganz automatisch daran denke. Dass ich trotz all der Zeit, und vor allem all der Zeit, in der ich nicht daran dachte, noch immer dieses Glänzen in den Augen bekomme, wenn ich daran denke. Vor zwei Monaten erzählte ich jemandem davon, dass das einfach eine unglaublich schöne Zeit war. Dass ich sie für nichts auf der Welt hergeben würde und sie wahrlich ein Teil von mir ist. Ich habe mein Gegenüber damit wohl etwas irritiert, allemal sprachlos gemacht. So viel Emotion in einem einfachen Satz hatte sie wohl nicht erwartet. Doch das ist es, was ich damit verbinde. So verdammt viele Emotionen, so viel Leben, so viel Ich.
Ich trauere nicht darum. Es ist nicht so, und es war auch nie so, dass ich heulend da sitze und die Zeit zurück möchte. Sie war wunderschön, ohne Frage, doch womöglich war sie es nur, weil klar war, dass sie enden würde. Das Ende war gesetzt. Und doch tat es so unendlich weh.

28.02.2012 um 20:58 Uhr

Anrufe im Ausland

von: indalo

Da klingelte mein Telefon. Im Grunde ignoriere ich es meistens. Also mein Handy. Vor allem, wenn ich außer Haus bin. Zumindest das eine Handy. Auf der Nummer ruft eh immer nur ein Mensch an, und das meist aus Langeweile. Also kann ich es getrost ignorieren. Doch heute, da klingelte es und ich guckte nach. Meine liebe Freundin, die im Ausland ist. Wir hatten heute schon zwei Mails geschrieben, ihr geht’s nicht gut. Ich weiß nicht, ob ich rot wurde vor Aufregung oder blass vor Sorge. Ich weiß nur, dass sich alles in mir rührte und ich beschloss, meine Pflichtveranstaltung zu verlassen um sie zurück zu rufen. Das war mir wichtiger. Sie war mir wichtiger. Und so ging ich raus.

Im Flur stehend hörte ich das tuten. Ich  war nervös. Sie ging ran und nach einem Hallo kam nur ein „Morgen?“ Ich fragte sie in der letzten Mail, ob sie vorbei kommen möchte. Ob sie den Weg auf sich nimmt, falls sie nicht allein sein will und doch da weg muss. Da? Wo ist da? Bei ihrer Freundin. Zumindest noch. Am seidenen Faden hängt ihre Beziehung, oder in der Schwebe. Wo auch immer da der Unterschied sein mag.
Also kommt sie morgen? Mein Herz blieb kurz stehen.

Sie meinte, dass wir morgen skypen können. Wenn ich Zeit hab. Ich muss zwar arbeiten – und so pflichtbewusst bin ich momentan noch – aber dann hab ich Zeit. Auch zwischendrin. Für dich immer. Jederzeit. Und wenn’s sein muss, würd ich auch die Arbeit sausen lassen. Denn ich kann mir zwar nicht richtig vorstellen, wie’s dir geht, aber ich weiß, dass es richtig beschissen sein muss. Wenn du mich anrufst. Aus dem Ausland. Und ich dich zurückrufe, weil gerade nichts anderes zählt, als für dich da zu sein. So wie damals, als ich im Ausland war und du anriefst. Weil du reden musstest. Warum passieren die dramatischen Beziehungssachen eigentlich immer dann, wenn einer von uns im Ausland ist?

26.02.2012 um 20:56 Uhr

fünf Monate

von: indalo

Irgendwie war heute ein Denktag. Erst wollte ich aufräumen und Sachen sortieren. Damit hab ich auch angefangen, aber dann kam ich davon ab. Die Gedanken überrollten mich. Vor einiger Zeit hatte ich sogar plötzlich Herzrasen, so sehr eilten meine Gedanken durch mich hindurch. Mein Leben ist wieder im Aufbruch.

Die gute Laune von Freitag begleitet mich noch immer. Sie vermittelt mir eine innere Ruhe, eine Gelassenheit, wie ich sie von mir kenne. Ja, ich hab mich wirklich wieder. Mich, den Menschen den ich mag und schätze. Meine positive Grundeinstellung, meine Zuversicht und meine stoische Ruhe gepaart mit dem Glauben daran, dass alles gut wird.

In den nächsten Monaten hab ich einige Pläne. Sehr viele Pläne. Schöne Sachen, stressige Sachen. Ganz viel Aufregung, ganz viel Vorfreude, aber irgendwo auch ein wenig Unsicherheit. Denn trotz allem brauche ich am Ende ein Zeugnis. Doch darum ging’s gar nicht. Viel mehr um die Bewerbung für den nächsten Job. Für den Job meines Lebens. Denn irgendwie fiel mir auf, dass es langsam Zeit wird. Das war der Moment für die Panik. Bin ich wirklich schon so groß, dass ich mich um einen richtigen Job bewerbe? Ja sicher, andere machen das mit zwanzig. Da bin ich längst drüber weg, und doch war es ein komischer Moment. Und ich glaube nicht einmal, dass der Jobwechsel dann etwas ändert. Ich werde mich nicht anders fühlen, ich werde nur anders betrachtet. Gruselig, irgendwie.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Mutter mich gegen Ende des Studiums verrückt machte, ich müsse mich beim Arbeitsamt melden. Das sah ich ja gar nicht ein. Überhaupt nicht. Und sie rief mich immer wieder deswegen an. Heute dachte ich, ich könne ihr mal wieder etwas von meinem Leben erzählen und wurde sogleich mit strengen Befehlen konfrontiert, was ich jetzt zu tun hätte. Meine Güte, ich werde das schon hinkriegen. Und mit dem im Kreis Gerede von „Du musst jetzt das machen, und das“ zu „Ich kann mich darum nicht kümmern, du wirst das hinkriegen.“ kann ich nicht umgehen. Da schweig ich dann lieber. Doch darum sollte es gar nicht gehen. Mehr um meine Sicht auf die Zukunft. Auf dieses Jahr.

Die nächsten fünf Monate sind geplant. Durchgeplant. Vollgeplant. Nur wenig Spielraum bleibt für Spontaneitäten. Und dann? Dann beginnt das große Grau. Das Nichts. Ich weiß nicht, was danach kommt. Ich weiß nicht, wo ich sein werde. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Und heute fiel mir auf, dass die nächsten fünf Monate mit einer Hochzeit beendet werden. Auch die Hochzeiten bringen kein Licht in das Grau. Sie werden vorher alle erledigt sein. Es gibt keine Pläne die weiter weg sind als fünf Monate. Und es stört mich nicht im Geringsten. Es ist mir nicht einmal bewusst, nur durch einen Zufall hab ich es bemerkt.

Fünf Monate voller Leben, die abrupt enden. Ich freu mich auf und über diese fünf Monate. Es ist mein Leben, welches ich voller Vorfreude erwarte.

24.02.2012 um 15:52 Uhr

Du warst heute sicherer

von: indalo

Ich singe, ich strahle, ich lache. Es geht mir richtig gut. So richtig. Heute war ein toller Tag. Alles lief. Vielleicht nicht so wie geplant, aber es lief. Und es lief gut.

Es begann alles mit dem Müllmann. Das Aufstehen fühlte sich nicht gut an, der Bus kam nicht, der Tag war grau. Das war nicht weiter schlimm, das war einfach so. Ich dachte nicht darüber nach. Doch als der Müllmann mich aus seinem großen Auto anlächelte, schickte er mir gute Laune. Richtig gute Laune. Ich konnte nicht aufhören zu lächeln, auch wenn ich es nicht verstehe. Ab da ging es mir gut.

Dann kam ich bei der Arbeit an und die Dynamik nahm seinen Lauf. Alles um mich herum war voller Energie, voller Spannung – und das an nem Freitag. Es war turbulent und aufregend. Und ich fühlte mich wohl dabei. „Das war ne richtig geile Stunde heute“ hieß es mittendrin. Der Tag war noch lange nicht geschafft, aber es freut mich, ihm eine schöne Stunde bereitet zu haben. „Das hat mich einfach richtig interessiert“ hörte ich aus einer anderen Ecke. Ich fühlte mich gut. Sehr gut.

Doch dann stand das Unheil vor der Tür. Jene Frau, die mit allen Mitteln versucht, mich von diesem Job abzubringen, sollte mich mal wieder begleiten. Ich hatte keine Angst davor, ich habe wenig darüber nachgedacht, und nach dem heutigen Tagesbeginn, war’s mir erst recht egal. Ich war in einer „Leck mich am Arsch“-Stimmung. Sie kann mir nichts mehr. Ich werde diesen Beruf ausüben. Weil er der richtige für mich ist. Ob ich richtig für diesen Job bin, ist eine andere Frage. Er ist richtig für mich, und sie kann mich nicht davon abhalten.
So brachte ich also auch das hinter mich, und es fühlte sich nicht an wie ein „hinter mich bringen“. Es ging mir die ganze Zeit gut, auch hier funktionierte die Dynamik. Es war toll, es war lustig, es war schön. Jeder lebte für sich auf, jeder konnte sich einbringen. Ich hab’s genossen!
Und die Nachbesprechung? Auch die war mir egal. Das Urteil sollte mir egal sein. Würde es negativ ausfallen, so hätte ich es nicht ernst nehmen können, dazu lief es einfach zu gut. Und so fiel es auch nicht negativer aus als die anderen. Es war so schwachsinnig im Kreis gedreht. In dem Moment selbst ließ ich es einfach laufen. Doch sobald ich darüber redete, begann ich, mich aufzuregen. Es ist vollkommen egal, was ich mache, ich hätte das Gegenteil machen sollen. Heute hat sie den Vogel abgeschossen, aber so richtig. Seit einem Jahr sagt sie mir eine bestimmte Sache, die ich machen soll. Ich seh das nicht unbedingt ein, aber so ganz verkehrt ist es womöglich auch nicht. Heute mache ich genau das, und was krieg ich zu hören? „Was sollte das denn?“ Ey, geht gar nicht. Ehrlich nicht.

Aber es ist mir egal. Sie ist mir egal. Das alles ist mir egal. Für mich zählt nur dieses schöne Gefühl, welches mich mit diesem Beruf verbindet. Für mich zählt die Resonanz derer, die mir wichtig sind. Nicht irgendwelche Menschen, die meinen, mich beurteilen zu müssen. Nein, für mich zählen die Menschen, mit denen ich in diesem Beruf zu tun habe. Diejenigen, die der Grund sind, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Er ist richtig für mich und das kann mir keiner nehmen. Tage wie heute zeigen ganz deutlich, wie richtig er für mich ist.

22.02.2012 um 21:21 Uhr

38 Minuten

von: indalo

Verdammter Mist. Ich hasse es, dass ich jetzt hier sitze und mir Gedanken darüber mache, wie ich das hätte verhindern können. Mir fallen tausend Szenarien ein. Und es ist so idiotisch, so überflüssig, so unsinnig. Es ist doch nicht einmal was passiert.

Ich habe ein Problem damit, wenn Freunde sich mit Freunden von mir anfreunden.

Das bezieht sich nicht auf alle Kombinationen, vor allem sind viele meiner Freunde ja auch miteinander befreundet. Aber ich kann nicht damit umgehen, wenn DIE beiden sich anfreunden. Das geht nicht. Wirklich nicht. Auch wenn ich es schön finde, dass sie sich verstehen und mögen. Ich genieße es, dass wir zusammen Zeit verbringen können. Aber ich kann nicht damit umgehen, wenn sie alleine Zeit verbringen. Absolut nicht.
…wie man gerade sieht.

So telefonierte ich mit einer Freundin. Nicht nur über dies und jenes, über richtig wichtige Themen. Tiefgehende Sachen. Wenn nicht sogar Sachen, die ich bisher niemandem erzählt hab. Gut gehütete Geheimnisse über die ich gar nicht reden möchte. Die ich nur erzählte, um ihr ein akzeptableres Weltbild zu verabreichen. Sie hat einfach oftmals eine so naive Art, dass es mich aus der Reserve lockt. Ich will ihr Weltbild nicht zerstören, aber doch bitte gerade rücken. Ihr zeigen, dass es mehr gibt als schwarz und weiß, mehr als ihren eigenen Horizont. Und in so vielen Dingen ist es mir schon gelungen. Jedenfalls bringt mich das immer wieder dazu, bisher wohlgesetzte Grenzen zu überschreiten. In jeglicher Hinsicht.

Plötzlich klingelte es auf ihrer anderen Leitung. Sie ging ran mit den Worten: „Ich ruf dich gleich zurück.“ Es dauerte und dauerte. Irgendwann rief sie mich zurück und war baff. Sie stotterte bis sie letztlich fragte: „Möchtest du raten, wer das gewesen ist?“ So riet ich. Nach ein paar versuchen schwahnte mir Böses. Ich war noch nicht bereit es auszusprechen und schob andere Versuche vor. Irgendwann gab ich mich geschlagen und riet jene andere Freundin. Leider hatte ich recht. Leider, weil sich sofort etwas in mir zusammen zog. „Ja, wir haben 38 Minuten telefoniert, ich hab auf die Uhr geschaut.“ Nicht nur, dass sie mich nicht gleich wieder zurück rief, nein, auch die andere setzte mich nicht darüber in Kenntnis, dass die jetzt telefonieren. Gut, die andere wusste auch nicht, dass wir gerade noch telefonierten. Wie auch immer, ich merkte meine Laune kippen. Da ist was falsch, was unwohles. Dann erfuhr ich, worüber sie redeten. Deren Gespräch kam nur in Gang, weil sie auf unser vorheriges Telefonat zurückgriff. Weil ich ihr von der anderen erzählte. Ich bin also auch noch Schuld daran. Und das gehört zu den Szenarien, die mir gerade durch den Kopf gehen. Das und die Tatsache, dass ich Schuld daran bin, dass die andere sie überhaupt anrief. Argh. Ich sollte nicht darüber nachdenken. Und doch tue ich es. Ich sollte es ihr nicht zum Vorwurf machen und doch werde ich mich äußern müssen. Denke ich. Sonst werde ich nicht schlafen können. Es beschäftigt mich zu sehr. Und ich weiß, dass das mein Problem ist. Ein Grund, es für mich zu behalten.

Scheiße, warum muss ich so sein?

09.02.2012 um 12:42 Uhr

Nicht genug

von: indalo

Anfang der Woche unterhielt ich mich mit zwei Freunden. Zeitgleich. Und ich regte mich auf. Es war ein schönes Telefonat, doch die Themen sprangen von ernst über traurig bis hin zu sehr amüsant. Es war ein Telefonat, wie man es nur mit wenigen Menschen führen kann. Eine Konferenz, genau genommen.
Worüber ich mich aufregte? Darüber, nicht genug zu sein. Keine Sorge, die Euphorie des letzten Beitrages hat sich nicht in Luft aufgelöst, ich mag mein Leben weiterhin, ich bin zufrieden mit mir und dem, was ich draus gemacht habe, und doch ist da das fortwährende Gefühl, nicht genug zu sein.

Nach der Schule ging ich wohl mit dem Gedanken, genug zu sein. Doch mein gesamtes Studium über hatte ich das Gefühl, einfach nicht genug zu sein. Nirgends. Meine Professoren hinterließen diesen negativen Beigeschmack nach jeder Besprechung einer Hausarbeit. Nach den mündlichen Prüfungen hieß es auch nur „das wollen wir gerade mal so durchgehen lassen.“ Ich habe viele Jahre meines Lebens mit diesem Studium verbracht, ich weiß, dass ich dort Leistung gezeigt habe und dass es im Grunde etwas wert ist (nur für wen?). Doch mein Gefühl, mein Selbstbild in Bezug aufs Studium schreit immer wieder „nicht genug“.

Wenn es doch nur das Studium wäre. Von meinem Job wollen wir gar nicht reden. Der läuft auch nur unter dem Titel „könnte besser sein“. Doch auch im Privaten zieht sich das Gefühl durch. Meine Mutter hat es besonders gut drauf, mir das Gefühl zu geben, nicht genug zu sein. Sei es Dankbarkeit, Häufigkeit beim Melden oder Nähe. Einfach nicht genug. Und trotzdem weiß ich, dass sie unheimlich stolz auf mich ist. Ich weiß (wenn auch nicht woher), dass sie oftmals gar nicht fassen kann, was für ein tolles Kind sie da hat. Doch all das wird überschattet von dem fortwährenden Zweifel, was ich noch machen könnte. Wie ich besser sein könnte. Und ich strebe wahrlich nicht nach Perfektion, denn ich bin zufrieden mit mir. Sehr sogar. Auch in dieser Rolle. Die Frage bezieht sich eher darauf, was ich in ihren Augen besser machen könnte.

Und als ich dann neulich noch auf meiner Couch saß und… ja, lest selbst:
„Ich hab dich lieb.“ – „mhm“ – „Ganz doll.“ – „Aber nicht genug.“
Da folgten Gefühle von Empörung und Entsetzen, aber auch Schmerz und Trauer. Denn wie kann meine Liebe nicht genug sein?

05.02.2012 um 19:34 Uhr

Ein Hallo an mich selbst

von: indalo

Da bin ich wieder. Ich selbst. Mein Lachen, meine Tränen, meine Freude, meine Trauer, meine Emotionen. Ich hab mich wieder. Wirklich.

Vor ein paar Monaten hab ich mich verloren. Irgendwo auf der Strecke bin ich liegen geblieben. Ich merkte es kaum, ich merkte nur, dass mein Leben… kaputt ging. Es brökelte, doch es tat nicht weh. Es zerfiel, doch ich hörte es nicht scheppern. Ich war taub, und doch so sehr am Boden, dass ich wusste, wo ich war. Ziemlich weit unten. Und dann kam mein Lachen wieder, zumindest etwas. Ich wollte es festhalten, ich musste es festhalten. Denn es war der Strohhalm, an dem ich mich festhielt. Doch jetzt, das ist mein richtiges Lachen. Von tief unten. Und das länger als nur einen Moment. Mehr, als nur teilweise.

Ich fühle mich nicht nur besser, ich fühle mich gut. Aus vielerlei Gründen. Und – herrje, das fällt mir gerade beim Schreiben dieses Satzes auf – ein wenig (oder auch sehr) erschreckend ist, dass… hat das alles mit ihr zu tun?! Vor wenigen Tagen tauchte eine alte Bekannte wieder auf, nachdem sie im Herbst verschwand. Sie ist schon ein besonderer Mensch in meinem Leben, und das seit Jahren, doch… so sehr, dass mein Grundgefühl davon abhängig ist? Nein, das glaube ich nicht. Ich hoffe, dass es nicht so ist. Und würde ich darüber nachdenken, würden mir Beispiele einfallen. Aber passend ist es, für unsere Beziehung.

Zurück zu den Gründen, warum ich mich gut fühle.
Einerseits hab ich den Teufel meiner Gegenwart seit vielen Wochen nicht ertragen müssen, und ich glaube wirklich, dass das dringend nötig war. Andererseits rückt das Ende einer Ära näher, die ich lange Zeit befürchtete. Da war wieder so ne Leistung, die ich erbringen musste. Schriftlich. Das ist nicht so meine Welt. Doch ich fühlte mich gut beim Schreiben. Die ganze Zeit. Na gut, die meiste Zeit. Ich habe in den Tiefen meiner Verirrungen angefangen, positive Gedanken zu denken. Ich habe mir immer wieder gesagt, dass man etwas nicht unbedingt wollen muss, man muss nur Willens sein. Und das ist ein wichtiger Unterschied. Und so habe ich dafür gesorgt, dass ich Willens war, dieses Werk zu vollbringen. Und als es dann soweit war, dass ich anfing zu schreiben, ging es viel leichter von der Hand.

Und dann hab ich mir noch selbst etwas geschenkt. Gleich zwei Dinge. Eins davon wollte ich vor nem knappen Jahr haben. Das andere… das war mehr ein Versehen, eine Folge des süchtig machenden Ebays. Also, ich nehm’s auch, ich bereu den Kauf nicht, aber es war auch kein lang ersehnter Wunsch. Und so ist meine Wohnung um zwei Sportgeräte reicher, die eher für draußen gedacht sind. Doch ich wäre nicht ich, würde ich die allgemein anerkannte Regel, dass in der Behausung nicht gefahren wird, nicht in Frage stellen.

Das alles zusammen macht mich glücklich. Und bringt mich zu mir selbst zurück. Denn das bin ich. Damit sage ich nicht, dass die nächste Zeit nicht auch schwer wird, dass es Ernüchterungen geben wird und ich auch da weiter auf mich aufpassen muss, aber dennoch kann ich in den Spiegel gucken und mich begrüßen. Mich anlächeln. Und ich kann lachen. Ich kann Emails schreiben und mich auf anderes besinnen als diese blöde Kuh, die mir meinen so heiß geliebten Job zur Hölle gemacht hat.

03.02.2012 um 19:06 Uhr

Runde Tage

von: indalo

Es gibt Tage, die laufen einfach rund. Die sind einfach gut. Und heute ist so ein Tag. Obwohl die Öffentlichen heute der Meinung waren, dass ein halber Zentimeter Schnee genug Grund sind, Störungen im Betriebsablauf zu verursachen, und ich dadurch in zeitliche Nöte kam, war’s ein richtig schöner Tag. Schon morgens aufzuwachen und den Schnee auf meinem Dachfenster zu sehen, erfreute mich sehr. Dass die Busse und Bahnen dann nicht so wollten wie ich, war zwar weniger schön, aber erträglich. Und dann der Beruf. Schöner Beruf. An Tagen wie heute mag ich ihn sehr. Ich weiß nicht, warum heute alles so glatt lief. Vielleicht war es die kurze Arbeitswoche, vielleicht war heute auch einfach nur ein besonderer Tag, wer weiß. Oder aber es hat damit zu tun, dass ich gestern Abend zum ersten Mal das Gefühl hatte, mich auf den kommenden Tag richtig vorzubereiten. Ich ging mit dem Gedanken ins Bett, dass es werden wird. Ich war mir noch nicht ganz klar darüber, wie es werden wird, aber ich glaubte daran, dass es gut wird. Vielleicht hab ich das auch einfach ausgestrahlt, und so wurde mir diese Zufriedenheit widergespiegelt. Wer weiß. Womöglich. Jedenfalls war heute ein guter Tag.

01.02.2012 um 23:13 Uhr

Flirtereien

von: indalo

Ich genieße mein Leben gerade so richtig. Jetzt, in diesem Moment. Nicht im großen Rahmen, nur im ganz großen. Und auf jeden Fall im Moment selbst, in den Augenblicken des Tages, in denen ich aus tiefstem Herzen lache. In denen ich sprachlos am Telefon sitze und den Worten eines Mannes lausche, der in mein stolperte und nie mehr gehen wird. Er stolperte, nicht weil er zu fallen drohte, sondern weil er bei unserem ersten Zusammentreffen nicht ahnen konnte, dass das der Beginn einer lebenslangen Bindung ist. Er hat sie geheiratet, und an dem Tag wurde auch unser Verhältnis schriftlich festgehalten. Junger Mann, der du so oft schon Ziel meiner Schwärmereien warst, mögest du immer so liebevoll und liebenswert sein, wie du es jetzt bist. Mögen deine Anrufe weiterhin so natürlich wirken, wie Streicheleinheiten für die Seele.

Hätte man mir vor ein paar Jahren gesagt, dass es nicht lange dauern wird, bis ich so erwachsen bin, dass ich mit den Ehemännern und Ehefrauen meiner Freunde telefoniere, weil wir wirklich eins geworden sind, ich hätte es wohl bezweifelt. Denn so oft es auch heißt, dass man nicht erwachsen werden möchte, so sehr gehört dies für mich zum Erwachsensein. Und das hat offensichtlich auch sein Gutes.

Doch mal abgesehen davon, dass wir nicht nur Telefonate flirtend verbringen, sondern auch ganze Nächte auf der Reeperbahn, sollte es um andere Flirtereien in diesem Beitrag gehen. Denn für gewöhnlich sind eher Frauen Ziel dieser Übung. Und so habe ich zwei Opfer gefunden, die sich bereitwillig mit mir die Tage um die Ohren schlagen. Das macht ein Spaß. Es ist dabei wieder einmal völlig irrelevant ob vergeben oder anderweitig interessiert, für mich zählt nur die Freude, die ich beim Schreiben dieser Mails empfinde. Und nicht nur beim Schreiben, auch beim Lesen, und beim davon erzählen. So habe ich eben meinen Gesprächspartner am Telefon mächtig irritiert, als ich kichernd und glucksend von mir gab, wie sehr ich diesen Mailverkehr genieße. Es tut unheimlich gut, so viel Nebenbeibeschäftigung zu haben. Vor allem wenn man bedenkt, was ich eigentlich tun sollte.

Ach, ich liebe es Hochzeiten zu planen!