Ich weiß nicht, was ich will. Und das ist gut so.
Wir haben geredet. Aber ich bin nicht schlauer. Da sind noch
mehr Fragen, noch mehr Unsicherheiten und definitiv ne Menge Unklarheiten. Aber
das ist nicht schlimm. Also schon, denn ich würde dir gerne dabei helfen, zu
verstehen. Doch ich kann es nicht, und ich fühle mich dabei nicht verzweifelt.
Ich habe akzeptiert, dass ich nichts tun kann. Außer zuhören. Und das tat ich.
In meinem Kopf wurden die Gedanken hin und her geschoben. Wenn es mir passend
erschien, äußerte ich mich. Doch diesen einen Moment, da wusste ich nichts zu
sagen. Die Worte halten in mir wider. „Mir wird gerade in diesem Gespräch klar,
dass ich es beenden muss.“ Ich schwieg. „Und das macht mir noch mehr Angst.“
Und ich schwieg weiter. „Aber ich will doch nicht.“ Auch jetzt wusste ich noch nichts
zu sagen. In mir regte sich viel, aber weder war es ein Freudenschrei, noch
Trauer. Es war keine entscheidende Emotion, es war einfach nur Emotion. Erst
der nächste Satz brachte mich zu einem spontanen Ausruf, auch wenn ich nicht
mehr weiß, was es war. Es zeigte mir nur, dass es richtig war, vorher zu
schweigen. Ich schwieg nicht absichtlich, ich behielt keine Gedanken für mich,
es war nur einfach nichts da, was ich zu sagen hatte.
Jetzt stehe ich vor der Frage, ob dieses Telefonat dafür verantwortlich ist,
dass die Beziehung beendet wird. Und dann frage ich mich, ob das gut ist. Ob
ich das so wollte. Ob ich damit dann etwas zu tun hatte. Und eigentlich frage
ich mich das nicht, denn ich habe nichts getan, nichts gesagt, nichts
angedeutet. Ich habe sie reden lassen und gelegentlich wiedergegeben, was
gesagt wurde oder geschehen ist. „Als meine Tante krank war, war sie nicht da.“
– „Ich weiß.“ Und das war nicht nur ein Satz, das war so viel mehr. Ich weiß,
dass sie nicht da war, ich weiß, dass mich das seit dem auf die Palme bringt.
Wie konnte sie nur? Also wie konnte sie nicht? Nee… spätestens da hat diese
Beziehung einen Knacks bekommen, den niemand wahrzunehmen scheint. Wie auch
immer. Ich weiß nicht, was ich will. Ob sie zusammen bleiben oder sich trennen.
Ich weiß nicht, was besser ist, jedenfalls nicht für mich. Und spätestens heute
habe ich erkannt, dass ich auch gar nicht darüber nachdenken sollte. Ich sollte
keine Meinung haben, denn ansonsten bestünde die Gefahr, dass ich manipuliere.
Ich stehe auf neutralem Boden, was die Beziehung angeht. Nicht, was die
Menschen angeht. Wenn sie will, dass ich ihr die negativen Dinge aufzähle, dann
tu ich das. Wenn sie hören möchte, wie gut doch alles ist, zeig ich ihr die
Vorteile. Ich fungiere als Gedächtnis, nicht als Gehirn. Ich habe keine
Meinung, ich habe kein Recht auf eine Meinung. Und das ist gut so.
Aber es erstaunt mich doch, dass sie bei der letzten Beziehung über ein Jahr
brauchte, bis die Beziehung wirklich endete. Über ein Jahr hat sie eine Beziehung
geführt, die keine hätte sein dürfen und im Grunde auch keine mehr war. Und
dass jetzt ziemlich genau die gleiche Zeit vergangen ist, seit das geschah, was
die Beziehung gekippt hätte, wäre es meine gewesen.
Doch trotz all dem, trotz ihrer Aussagen von heute, trotz ihrer neuen Gedanken,
trotz der Tonlage in der sie diesen einen Satz formulierte, weiß ich nicht, was
nun geschehen wird. Es bleibt abzuwarten. Und ich wünsche mir, dass sie die für
sich richtige Entscheidung trifft.
