indalo

31.08.2012 um 21:21 Uhr

Voulez-vous coucher avec moi, ce soir

von: indalo

Mein Job ist schon toll. Auch wenn ich diese Woche ne Beschwerde auf der Mailbox hatte, dass der wöchentliche Ich-liebe-meinen-Job-Anruf fehlt. Doch, er ist immer noch. Immer wieder. Aber deswegen muss ich es ja nicht jede Woche kundtun. Jetzt möchte ich auch gar nicht davon schwärmen, wie sehr ich meinen Job liebe. Nein, es geht mehr um den Gedanken, dass ich weniger über meinen Job reden sollte. Manches, was ich tue, darf man keinem erzählen. Echt nicht. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich mir nicht an Kopf fassen könnte, weil ich irgendwas gesagt oder getan habe, was man nicht tut. Man tut das nicht, wirklich nicht. Und würde mir jemand anders erzählen, dass er tat oder sagte, was ich tat oder sagte, würde ich nur mit dem Kopf schütteln. Ich könnte es nur in der Kategorie er-oder-sie-wird-schon-wissen-was-er-bzw-sie-da-tut abtun. Und da ich nicht jedem so viel Verständnis zutraue, sollte ich lieber schweigen.

Eine andere Maßnahme wäre, aufzuhören, es zu tun. Doch warum? Ich schäme mich nicht dafür, ich sehe nur die Angriffsfläche. Ich kann die Vorwürfe und Unterstellungen schon hören, wenn ich nur daran denke. Und mein Problem mit der Sache ist, dass ich dem nichts zu entgegnen habe. Ich kann nicht begründen, nicht plausibel, warum ich so handele wie ich es tue. Ich tue dies intuitiv. Ich denke nicht darüber nach. In meinem Alltag gibt es keine Chance zum Nachdenken. Es passiert so viel, und eben auch so viel auf einmal, dass man nur spontan reagieren kann. Und ich möchte authentisch sein, auch wenn das schräg ist. Und solange meine Mitmenschen (innerhalb meines beruflichen Alltags) damit zurecht kommen, werde ich es womöglich auch nicht ändern. Ich fühle mich wohl dabei, ich habe nicht den Eindruck, dass ich irgendwem damit schaden zu füge und berufe mich womöglich auf die grundlegende Aussage, dass man in diesem Beruf ohnehin mit einem Bein im Knast steht. Denn ja, die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich das eindeutig gelehrt – nicht zuletzt durch den Kontakt mit verschiedenen Diplompsychologen und Rechtsanwälten.

Und so geh ich wieder einmal mit einem Schmunzeln ins Bett. Ein Schmunzeln über all die Gesichter, die ich tagtäglich verwirre, über das Feedback, welches ich bekomme und über mein Amüsement mit dem ich so vieles am Tage hinnehme.

23.08.2012 um 11:33 Uhr

Gibt es einen geileren Job als meinen?

von: indalo

Mein Leben ist schon echt genial. Und mein Job erst. Ehrlich. Wer kann schon von sich behaupten, dass er vormittags gemütlich bei Sonnenschein auf seinem Balkon frühstückt. Ganz entspannt. Mit Sonne, sagte ich das schon? Ja, das können noch Leute behaupten, aber verdienen die dann auch genug Geld um ruhigen Gewissens seine eigenen Wünsche zu erfüllen? Nicht viele, möchte ich meinen. Mein Job ist schon toll. Und ich genieße diese ruhigen Vormittage. Ich genieße es, meine Pakete persönlich in Empfang nehmen zu können. Und ganz nebenbei genieße ich ja auch den Job selbst, immer wenn ich arbeite. Was ich durchaus tue, nur eben zu anderen Zeiten. Zu sehr vielen selbst gewählten Zeiten. Und derzeit eben auch viel nachmittags. Doch, ich mag meine Arbeitszeiten.

Und trotzdem werde ich euch nicht verraten, was ich arbeite. Wer hier viel gelesen hat, ahnt es ohnehin schon. Nein, ich möchte es nicht verraten, denn es würde niemandem etwas bringen. Den Job kann man nicht weiterempfehlen, den muss man selbst wollen. Denn so sehr ich ihn auch liebe, so wenigen würde ich ihn raten. Er ist wie für mich gemacht. Und er ist bei weitem kein Geheimtipp, keine neue Mode oder sonst was spektakuläres. Vor allem weil nur ein kleiner Teil meiner Kollegen es ähnlich genießt wie ich. Es bringt wirklich nichts, es weiterzuempfehlen.

Aber etwas anderes kann ich empfehlen. Denn man fragte mich, was mein Liebesleben macht.
Mein Liebesleben? Grandios. Ich führe eine überaus glückliche Beziehung mit mir selbst. Das Tolle? Die Gefühle sind auf beiden Seiten gleich und niemand ist sauer, wenn fremdgegangen wird. Eifersüchteleien gibt es gar nicht und auch sonst nur selten Meinungsverschiedenheiten. Ich find's toll.

Ja, man kann sein Leben auch allein lieben. Und ich kann es lieben, auch wenn es dadraußen Menschen gibt, die ich bedingungslos liebe und trotzdem nur ignoriert werde. Auch wenn gerade die Person, der ich ein gutes Stück meines Herzens schenkte, sich nicht mehr traut. Ja, auch dann, denn es ändert nichts an der Grandiosität meines Lebens. Es erhöht sie höchstens, da ich weiß, wie es sich anfühlt.

22.08.2012 um 13:15 Uhr

Der letzte Löffel

von: indalo

Man soll gehen, wenn’s am Schönsten ist. Also soll man gehen, bevor es weniger schön wird. Das ist so leicht gesagt und so schwer getan. Ich weiß nicht, wie man das macht. Woher weiß man, wenn’s am Schönsten ist?

Meist geh ich als letztes. Von Partys, Hochzeiten oder einfach gemütlichen Abenden. Ich bleibe bis zum Schluss. Ich finde das schön. Noch aufräumen helfen und langsam zur Ruhe kommen. Mir tut das gut, und irgendwie geh ich dann ja auch, wenn’s am Schönsten ist. In größeren Zusammenhänge bin ich schon oft gegangen, als es schön war. Schon sehr oft. Aber war das immer schön? Keinesfalls. Man sollte als erstes gehen, dann hat man weniger Abschiede. Nur seinen eigenen. Das war einst sehr schön. Doch ein anderes Mal genoss ich es auch, erst andere zu verabschieden bevor ich selbst die Koffer packte.

Aber eigentlich ging es mir mit dem Spruch gar nicht um Abschiede, sondern um Essen. Da find ich ja nur schwer den richtigen Moment zu finden, aufzuhören. Und Milchreis – ja, es ist immer Milchreis – scheint ein ganz besonderer Fall zu sein. Der letzte Löffel schmeckt nicht mehr. Warum, das weiß ich nicht. Und ich nehme an, dass wenn ich einfach einen Löffel weniger hätte, der letzte auch nicht schmecken würde. Ich habe noch nicht ausprobiert, den letzten Rest stehen zu lassen. Ich esse auf .Oder lass es für den nächsten Tag. Aber einfach nur einen letzten Löffel liegen lassen, das kann ich nicht. Das geht einfach nicht. Und so frage ich mich: Geht euch das auch so? Bei anderen Gerichten vielleicht?

21.08.2012 um 21:49 Uhr

Beklaut

von: indalo

Wie mein Tag war? Grandios. Einfach grandios. Ich freue mich des Lebens. Täglich, stündlich, minütlich. Doch, trotz des Tagesende weiß ich, dass ich mich freue. Dass es mir gut geht. Und doch gehe ich mit einem Grummeln ins Bett. Denn: Ich wurde beklaut. Mir scheint, ich wurde zum ersten Mal in meinem Leben beklaut. Also wenn man von Diebstählen von Bekannten oder Freunden absieht. Und wenn ich nicht alles bisherige vergessen. Ja, dann war es das erste Mal.

Ich ging mit einer Freundin ins Schwimmbad. Mein auf Vorsicht getrimmtes Ich schließt alles in den Schrank. Besagte Freundin meint aber, Duschsachen nimmt man mit rein, denn die Duschen seien unten beim Schwimmbad. Ja, so spart man sich einen Gang. Okay, sie geht öfter dahin, sie wird das schon wissen. Und doch war da dieser Gedanke. Egal. Rein in die Schwimmhalle, Duschzeug und Handtuch in ein dafür vorgesehenes Ablagefach gelegt und direkt ins Wasser. In Retroperspektive möchte ich behaupten, dass mein Duschzeug (mit weiteren Utensilien in einem kleinen Täschchen verpackt) verschwunden war bevor ich die erste Bahn geschwommen bin. Nichts Böses ahnend schwamm ich also fröhlich Bahn um Bahn. Erst als ich das Handtuch abholte bemerkte ich den Verlust. Das war ganz dreister und gewiss geplanter Diebstahl. Ich hatte alles gut zugedeckt in der hintersten Ecke. Wer immer es sich geholt hat, sah mich in die Halle kommen und beobachtete mich genau. Denn ich habe immer alles unterm Handtuch versteckt. Sowohl beim Tragen als auch beim Liegen. Eigentlich hab ich auch alles in Sichtweite. Darauf bin ich mein Lebtag trainiert. Doch ich vertraute ihr. Ich folgte ihr. Und ich weiß jetzt, dass ich das nicht tun sollte. Nicht, weil ich ihr nicht vertrauen kann, sondern weil ich neben ihr immer ein waches Auge haben sollte. Wegen allem.

Schade. Ich mochte das Täschchen. Ich mochte die kleinen Plastikfläschchen, die gewiss nichts wert sind. Ich mochte die anderen Utensilien, die genauso wenig Wert sind, zumindest nicht für andere. Ich finde schade, dass ich das Täschchen vermutlich verschenkt hätte, wenn jemand nur lieb gefragt. Ich finde schade, dass so viel kleine Dinge fehlen, die dem Dieb weder etwas bedeuten noch etwas bringen. Er wird sie in den nächsten Müll schmeißen und für mich war es doch so viel wert. Ist es immer noch. Einfach weil ich Ungerechtigkeiten (Nur höchst selten ist Diebstahl gerecht…) noch weniger vertrage als die meisten, weiß ich, dass ich heute davon träumen werde. So etwas beschäftigt mich, fortwährend. Genauso wie ich diese Ziege von vor nem halben Jahr immer noch im Geiste habe. Sie war so ungerecht, so dreist, so absolut unverschämt, dass ich Rache möchte. Nicht nehmen möchte, sondern Rache, Gerechtigkeit, Fairness. Und nicht nur das, ich möchte auch wissen, dass es ausgeglichen wurde. Ich möchte es vergessen können und nie mehr daran denken müssen. Es hat mich nichts gelehrt, ich habe daraus nichts gelernt. Es war überflüssig. Nur eine negative Geschichte mehr im Leben. Mehr schlaflose Nächte, mehr Frust, mehr Ärger. So wie heute.

18.08.2012 um 21:43 Uhr

Morgen treffen wir uns zum Sport

von: indalo

Da wird ich doch glatt heut Vormittag angerufen und gefragt, wo ich mich denn rumtreibe. Arbeiten. Ob man’s glaubt oder nicht, ich war heute arbeiten. Ganz schön lange arbeiten. Doch das hielt mich nicht davon ab, danach noch mal anzurufen und zu fragen, ob man sich nicht auf den Balkon setzen möchte. Einfach so. Gefragt, gesagt, getan.

So lieb ich mein Leben. So war mein Leben noch nie. Doch ich genieße es. Nicht nur jeden Tag, momentan auch jede Stunde, jede Minute. Es ist noch zu kurz um schon in Tagen zu rechnen. Jeden Tag seh ich jemand anderen. Jeden Tag ist was neues los. Und jetzt haben wir uns spontan für morgen früh zum Sport verabredet. Einfach so. Es ist mehr als neun Jahre her, dass wir das taten. Und jetzt kam die Idee und die Umsetzung innerhalb kürzester Zeit. Ich hab gelacht, ich hab geweint (vor Lachen!), ich hab mich einfach sauwohl gefühlt in ihrer Gegenwart. Sie ist wieder da. In meinem Leben. Einfach so.

Es kann so einfach sein, das Leben. Ich muss nur mit dem Finger schnippen und schon geht los, was ich mit einem eben so einfachen Finger schnippen vor vielen Jahren stoppte. Denn ich war und bin Schuld daran, dass es aufhörte. Die Nähe, die Aktivitäten. Alles. Doch jetzt bin ich wieder dabei. Zurück im Leben von damals, mit ganz anderen Freiheiten, mit anderen Verantwortungen und Pflichten, aber eben im selbstgewählten Leben. Hätte ich vorher gewusst, dass das Leben so schön sein kann, hätte ich es vermutlich nicht so hinnehmen können wie es war. Ich hätte mehr darunter gelitten und nicht genossen was ich hatte. Was ist es jetzt schön zu wissen, wie gut das Leben doch ist.

16.08.2012 um 18:52 Uhr

Schönes Leben

von: indalo

Gestern kam ich nach Hause und hüpfte zum Eingang. Ich hüpfte fröhlich vor mich hin. Innerlich. Es geht mir gut, es geht mir einfach so unglaublich gut. Alles ist noch stressig, ich ignoriere meine Post (durchaus sehr wichtige Behörden wollen da was von mir…) und sonst komm ich auch nicht hinterher. Aber es geht mir gut. Ich fühle mich gut. Meine Badewanne hat ne Glaswand zum Duschen bekommen, meine Couch steht, mein Schrank an Ort und Stelle. Ich komme voran, Stück für Stück. Meine Wohnung nimmt jeden Tag ein wenig mehr Form an. Das Schneckentempo in dem es voran geht, stört mich überhaupt nicht. Einerseits hab ich keinen Elan, mehr zu tun, schneller zu arbeiten oder mir über irgendwas Gedanken zu machen, andererseits brauche ich es ganz offensichtlich nicht, um glücklich zu sein.

Jeden Tag geh ich arbeiten, auch samstags. Und ich fühle mich gut. Es ist schön, einfach Verabredungen zu treffen, wie’s mir gerade passt. Spontan zum Mittagessen bei Freunden zu sein und dann auch noch so wunderbare Nachrichten zu hören. Das war schön, doch das Hüpfen auf dem Heimweg hatte einfach damit zu tun, dass ich nur mit Schlüssel in der Hand das Haus verließ. Kein Rucksack, kein Gepäck, kein Handy. Ich muss an nichts denken. Das ist einfach schön.

Die nächsten Wochen hab ich an jedem Wochenende etwas geplant. Doch: Die Wochenende sind nicht verplant. Sonst waren sie mit einer Aktion verplant, weil ich immer erst in die richtige Stadt fahren musste. Jetzt, jetzt geh ich einfach abends aus dem Haus. Es ist anders, und ich wiederhole es gerne noch mal: Es fühlt sich gut an. Mein Leben fühlt sich gut an.

Mit meiner Arbeit bin ich noch nicht zufrieden, mit meiner eigenen Arbeit, nicht mit dem Job. Denn der ist toll. Meine Chefin schmiert mir Honig ums Maul und mir ist gerade bewusst geworden, wie dringend sie mich braucht. Das ist echt gruselig, aber mit mir steht und fällt alles. Ich mache den Unterschied zwischen genehmigt und geschlossen. Das ist vielleicht gruselig. Doch noch gruseliger ist, dass sie jemand anders hätten haben können. Jemanden, bei dem beim Bewerbungsgespräch direkt klar gewesen wäre, dass er wirklich kommen kann. Jemanden, der den Vertrag nicht erst ne Woche vor Arbeitsbeginn unterschrieben hätte. Und doch wollten sie mich, einen so unsicheren Kandidaten. Auch wenn es mich ehren sollte, so denk ich nur: Sind die denn total bescheuert?!

Ja, sind sie. Und auch das macht sie so liebenswert. Ich sehe darin etwas viel größeres als es womöglich ist. Ich fühle etwas größeres, doch es liegt nicht als Last auf meinen Schultern. Ich laufe federleicht durchs Leben. Mein wunderbares und einfach schönes Leben. Danke, dass es dich gibt.

15.08.2012 um 22:30 Uhr

So groß wie eine Weintraube

von: indalo

Das hieß es vorhin. Das waren zwar nicht die Worte, mit denen sie es mir sagte, aber die, die mir in Erinnerung blieben. Wie sie es mir sagte, weiß ich nicht mehr. Das ist nicht wichtig. Das Grinsen, das sagte alles. Und das Telefonat vor einiger Zeit, als ich meinte, dass mein Plan ja ist, dass sie schon schwanger sei. Dann würde alles perfekt passen. Schon da hörte ich das Grinsen in ihrer Stimme. Aber sie wollte es mir nicht sagen. Und doch wollte sie.

Einige meiner Freunde sind bei der Kinderplanung. Das ist total aufregend und schön. Zumindest war es das die meiste Zeit. Dann fingen sie an mir nach und nach davon zu erzählen, was es alles für Risiken gibt, all die Statistiken und co. Jetzt ist es nicht mehr nur aufregend und schön, jetzt ist es auch beunruhigend. Und da Fehlgeburten nun auch Teil meiner Gedanken- und Erfahrungswelt (wenn auch nicht persönliche) sind, bin ich vorsichtig. Das hält mich aber nicht davon ab, mich zu freuen und wie ein Flummi vor ihm auf und ab zu springen. „Du wirst Papa.“ Da grinste er. Mein „Ich weiß es“ verstand er noch nicht. Und ich sprang ihn noch mal an. Das ist toll. Er ist derjenige, von dem ich am Längsten weiß, dass er Kinder möchte und ich freue mich, dass es nun endlich klappt.

Schon vor einiger Zeit habe ich mit meinen (weiblichen) Freunden geredet und ihnen gesagt, dass ich nicht fragen, rätseln oder nerven werde. Zu lange schon ist es Gesprächsthema und frau muss ständig Alkohol trinken um zu beweisen, dass sie nicht schwanger ist. Das ist mir zu blöd. Ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht mehr fragen werde, nicht mehr andeuten werde und dass sie das bitte nicht als Mangel an Interesse interpretieren sollen. Wenn sie es mir sagen möchten, werde ich mich darüber freuen, aber sie sollen selbst entscheiden. Zu viel wurde darüber diskutiert, zu viel genervt. Und jetzt hat sie es getan. Wir beide allein am Küchentisch. Einfach so. Ich weiß gar nicht, warum. Ich glaube, weil sie es sagen wollte. Und weil es Zeit war. Außerdem erklärt mir das das heutige Gespräch mit meiner Chefin, welches zwischendurch ein wenig verwirrend war. So schnell wird man aufgeklärt.

Sie werden Eltern.

12.08.2012 um 19:20 Uhr

Du bist mein Lieblingsgast

von: indalo

Diese Worte hörte ich vor ein paar Tagen. Lieblingsgast. Was bedeutet das? Ich konnte nicht anders als zu fragen, wer denn überhaupt zur Auswahl stand. Nicht für den Lieblingsgast sondern wer überhaupt einmal Gast gewesen ist. Die Konkurrenz ist nicht gerade groß. Doch das macht nichts, denn auch so ist das ein Kompliment, welches ich gerne annehme. „In deiner Gegenwart kann ich mich entspannen.“ Ja, das stimmt wohl. Ich glaube wirklich, ein guter Gast zu sein. Auch wenn meine Gastgeber der letzten Nacht von mir in den Wahnsinn getrieben wurden. Denn was fällt mir auch ein, beim Rausgehen ein paar dreckige Teller mitzunehmen und in die Küche zu bringen? Welch Unverschämtheit *gg*

So ist das mit meinen Freunden. Ich fühle mich zu Hause bei ihnen. Doch ändert sich das jetzt? Ich fürchte schon. Zumindest fühlt sich einiges gerade anders an. Ich bin nicht mehr weg, ich bin hier. Heute ist meine erste Nacht in meiner Wohnung. Das Bett steht. Der Rest muss die Wohnungsübergabe morgen abwarten. Ich werde nur hier schlafen. Nichts auspacken, nichts rumräumen. Einfach immer fröhlich um die Kistenstapel herumlaufen. Mich nicht fragen, in welchen Tiefen sich die wichtigen Unterlagen verstecken. Ich möchte es nicht wissen, es interessiert mich nicht. Nicht heute. Heute genieße ich meinen Balkon. Den blauen Himmel am Abend. Leise. Es ist schön hier. Ich fühle mich wohl.

Morgen kommt noch eine Hürde. Ende der Woche die nächste. Und dann heißt es mal wieder warten. Einfach warten und währenddessen mein Leben beginnen. MEIN Leben. Denn es fängt an. Ich kann nicht sagen, dass ich es mir so vorgestellt habe. Ich weiß erst seit wenigen Jahren, dass ich eines Tages hier enden werden. Ich weiß auch nicht, ob das schon das Ende ist. Doch das zählt nicht, wichtig ist, dass ich erst einmal hierher zurückgekehrt bin. Dass ich willkommen bin, jederzeit. Und mein Job? Der ist toll. Ich liebe und genieße ihn. Es ist ein so wunderbares und manchmal auch erhabenes Gefühl, mich auf den Heimweg zu machen, wenn der Tag vorbei ist. Nicht, weil der Arbeitstag vorbei ist, sondern weil er gewesen ist. Weil er mir gut tat. Erstaunlich, vor einem halben Jahr kam ich nicht einmal auf den Gedanken dort zu arbeiten.

Und so endet die Zeit des Gastseins. Mal sehen für wie lange. Mal sehen, ob ich überhaupt noch bei Freunden schlafen werde. Man wird sehen, man wird sehen.