indalo

28.11.2012 um 19:33 Uhr

Mein Vater und ich

von: indalo

Mein Vater und ich, wir sind schon zwei Lästerschwestern. Schlimm is des. Da hab ich ihn heute angerufen um ihm zu sagen, dass ich es nicht gut fände, wenn er die Freundin meines Bruders zu Weihnachten auslädt. Das sagte er nämlich letzte Woche, als es um besagte Freundin ging. Also dass sie Weihnachten nicht mitkommen könne, da das zu viel Stress für seine Schwester wär. Ich war ein wenig geplättet und ignorierte das erstmal. Mein erster Gang sollte meinem Bruder gelten um herauszufinden, ob er sie überhaupt mitnehmen möchte, bzw. ob er zu erscheinen gedenkt. Als ich dies nun erfuhr, beschloss ich, meinem Vater auf die Finger zu hauen. So ginge das nicht. Sich immer beschweren, dass er nichts aus dem Leben seines Sohnes weiß und dann seine Freundin ausladen, nein, nein. Und so rief ich ihn heute an um ihm genau das zu sagen. Noch bevor mein Satz beendet war, nahm er zurück, was er noch letzte Woche zu mir sagte. Aha. Er ruderte hin und her und wir verstrickten uns in Diskussionen über sämtliche uns verbindende Familienangehörige sowie seine Freundin. Denn irgendwas scheint da auch nach wie vor zwischen seiner Freundin und seiner Schwester im Gange zu sein. Einfach ist das nicht und der gute Mann steht zwischen den Stühlen, genau genommen zwischen den Frauen. Er hat’s schon nicht leicht und mit dem heutigen Tag weiß ich, dass wir auf Augenhöhe sind. Wir unterhielten ziemlich lange über diese verzwickte Situation und ich glaube, er war einfach froh, mal offen über diese Frauenzickerei reden zu können. Schon immer hat er recht offen mit mir geredet, schon lange sind wir uns darüber einig, dass diverse Familienmitglieder gelinde gesagt schwierig sind. Doch seine Schwester zählte bisher nicht dazu. Wir sind uns aber auch einig darüber, dass wir uns in mancherlei Hinsicht nicht viel nehmen und nicht unbedingt förderlich in dieser ganzen Familiendramatik sind. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir zwei wenigstens umgänglich, wenn auch schweigsam sind. Manch andere nicht.

So lästerten wir also weiter, kamen vom Hundertsten ins Tausendste und beendeten das Gespräch damit, dass er seiner Schwester beichten muss, dass mein Bruder ne Freundin hat und diese vermutlich Weihnachten mitbringt. Dies tat er ganz brav und rief soeben noch einmal an um mich über den Verlauf dieses Gespräch aufzuklären. Einfach wird das nicht, und ich finde sehr süß, dass er schon im vorangegangenen Gespräch von sich gab, dass ich doch als einziges nicht so kompliziert sei. Denn mein Herr Bruder kommuniziert mit ihm ja zu wenig und sagt nicht, was Sache ist. Dass wir im zweiten Telefonat noch auf das Thema des beruflichen Werdegangs meines Bruders kamen, war weniger schön. Denn da halte ich mich raus. Ich stehe für ihn und seine mir unbekannte Freundin ein, und misch meinen Vater auf, aber ich werd n Teufel tun meinem Vater zu sagen, dass mein Bruder die letzten sieben Jahre seines Lebens in Sand zu setzen gedenkt. Denn das wird meinem Vater nicht gut tun und ich finde auch nicht gut, was mein Bruder da gerade verzapft. Doch das ist nicht mein Bier. Ich genieße mein Leben und bin fasziniert davon, dass ich mich gerade so willentlich um Familienangelegenheiten kümmere. Doch das habe ich von meinem Vater, ich will es immer allen recht machen.

Ha, ich glaube gerade zu verstehen, dass mein Vater mir eine Botschaft zu kommen ließ. „Wenn mir jemand nicht direkt sagt, ich solle etwas weiter tragen, dann bleibt das auch bei mir.“ Ha, ich glaube, damit hab ich die Antwort auf eine Frage, die ich mir schon seit Jahren stelle. Seit vielen Jahren. Er hat seiner Schwester, die ganz nebenbei auch sein engster Vertrauter und häufigster Kontakt ist, nie etwas über mich erzählt. Außer meine Umzüge, die sind regelmäßig bei ihr gelandet. Ha, ich fass es nicht. Wir sind also auf Augenhöhe, aber direkt kann der gute Mann mir immer noch nichts sagen. Auch nicht fragen. Und ich taste mich vorsichtig voran, ähnlich wie seine Freundin versucht meine Privatsphäre zu wahren, gleichzeitig aber sicherlich meinen Vater dazu bringen möchte, sich mal mit mir auszutauschen. Doch diese Woche hat sie es nicht mehr ausgehalten und mich gefragt, ob ich meine Freundin mitbringen werde.

Mein Leben ist in Bewegung, an allen Fronten.

27.11.2012 um 20:32 Uhr

Du bist so hübsch

von: indalo

Gestern musste ich wieder daran denken. An dich und mich. Wir telefonierten, sie und ich. Darüber, dass jemand ihr gestandne hat, sich in sie verliebt zu haben. Oh Wunder. Hat sie das ernsthaft so lange ignoriert? Wirklich nicht geglaubt? Nicht wahrhaben wollen? Beide nicht? Und sie erzählt mir, wie schwierig das doch ist. Sie würde alles tun, egal was sie sich wünscht. Sie ahnte es womöglich, der Gedanke war in ihrem Kopf, doch dass es ausgesprochen wurde, änderte die Situation.

Ich wollte laut „Ja“ schreien, ja, ich kenne das. Und ich wollte ihr erzählen, wie es mir damit geht, wie es mir mit dir geht. Doch es ändert nichts. Sie weiß es ohnehin, doch auch wir reden nicht darüber, denn es auszusprechen würde es ändern. Genauso wie es damals so viel änderte, als du es mich hast wissen lassen. Nicht nur spüren lassen, nein, in Worten wissen ließest, was du empfindest. Ich wusste es schon so lange, vermutlich sogar länger als du. Doch ich kann daran nichts ändern, weder an deinen Gefühlen, noch an meinen. Niemand kann daran etwas ändern, weshalb ich mit niemandem darüber zu reden brauche. Und ich bin froh, dass wir die Zeit danach überstanden haben, die Zeit nach dem Geständnis. Denn die war schwierig, sehr sogar. Hast du das gemerkt? Fiel dir das auf? Es ist besser geworden. Immer mal wieder ist es schwierig, doch allein der Umstand, dass ich ruhig in meinem Bett liegen kann, wenn du neben mir liegst, mich ansiehst und mir sagst „Du bist so hübsch.“, zeigt mir, dass wir immer wieder Phasen des Friedens haben. Phasen, in denen wir beide unseren Frieden damit geschlossen haben. Etwas anderes erwarte ich schon gar nicht mehr. Frieden, das möchte ich. Einen natürlichen Umgang miteinander, keine Vorwürfe, keine Unterstellungen. Jeder entscheidet für sich, die Fronten sind geklärt und wir machen weiter. Andere haben uns nichts zu sagen, auch wenn sie immer wieder Luft holen.

Da war noch etwas anderes, was sie sagte. Gestern, am Telefon. Sie könne ja verstehen, dass es doof ist, immer der Feind zu sein. Dass sie versteht, wie sehr sie es hasst, immer missgünstig angestarrt zu werden. Sie könne damit leben, dass sie dann ihre Wut an ihr auslässt. Ich fürchte, sie wollte mir sagen, ich könne mir das gar nicht vorstellen und bräuchte keine Tipps zu geben. Sie hat ja keine Ahnung, wie gut ich mir das vorstellen kann. Wie oft ich schon der Feind war, wie lange ich es noch sein werde. Denn neulich, als ich in diesem Raum voller (mehr oder weniger) fremder Menschen saß, spürte ich die Ablehnung. Ich war der Feind, so sehr. Ich bin nicht der Feind und ich will es auch nicht sein, doch ich lebe damit, dass sie es so sehen. Denn sie geht wegen mir. Sie werden wegen mir verlassen. C’est la vie.

26.11.2012 um 10:37 Uhr

Aufregung im Herzen

von: indalo

Wann immer ich darüber nachdenke, dass du nun den Job hast, den ich immer haben wollte, rührt sich etwas in mir. Ich bin aufgeregt, nervös, hibbelig. Ich kann nicht loslassen. Ich liebe meinen Job, den, den ich jetzt habe. Ich habe mich dafür entschieden, wohl wissend, dass es eine Herausforderung wird. Ich habe mich dafür entschieden, mich dieser Herausforderung zu stellen. Nicht, weil ich die Wahl zwischen meinem Traum und der Herausforderung hatte, denn dann wäre die Entscheidung sicherlich eine andere gewesen. Doch ich hatte nicht die Wahl, nicht zwischen diesen beiden Dingen, wohl aber zwischen vielen anderen. Ich fühlte mich wohl und willkommen, wo ich jetzt bin. Das ist gut, sehr gut sogar. Doch ich trat diese Stelle auch mit dem Gedanken an, mir drei Jahre Zeit zu nehmen um herauszufinden, ob auch das etwas für mich ist. Drei Jahre. Sie können lang sein, sie können schnell vorbeigehen, doch du und dein Job verändern die Perspektive. Ich habe darüber nicht eine Sekunde nachgedacht bis du diesen Job bekamst. Nein, bis du dich darauf beworben hast. Du und sie. Ihr beide. Denn beide habt ihr den Job, der mir gehören müsste, denn ich wollte ihn seit einem Jahrzehnt haben. Ich habe ein Jahrzehnt darauf hingearbeitet, diesen Job zu bekommen. Keiner von euch wollte ihn haben, niemand hat darüber nachgedacht, sie hat sogar immer dagegen geredet, wollte ihn nie haben. Für dich war es keine Option. Bis jetzt. Und beide habt ihr den Job, den ich wohl immer noch möchte.

Mir fallen viele Dinge ein, warum es so gelaufen ist und auch besser so ist. Doch auch ich rede mir Dinge schön, und ganz besonders diese Weggabelung. Sie ist schön, doch ich rede sie mir schöner als die andere gewesen wäre. Und ich kann natürlich nicht wissen, ob das der Wahrheit entspricht. Für den Moment ist es nicht wichtig, doch ich werde auf den Grund warten, warum es wirklich besser so war. Und werde versuchen, euch und diesen Job aus meinen Gedanken zu verbannen. So schön sich diese Aufregung auch anfühlt, mit so viel Gefühlswirrwarr ist sie auch verbunden. Es ist euer Job, aber mein Leben. Und das seit so vielen Jahren.

24.11.2012 um 09:00 Uhr

Informationskörbchen

von: indalo

Diese Woche stolperte ich darüber, was du anderen erzählst. Warum erzählst du anderen etwas aus meinem Leben oder dem Leben meiner Freunde, wenn es doch nichts mit denjenigen zu tun hat, denen du es erzählst? Fragen über Fragen, auf die ich womöglich demnächst eine Antwort erhalte. Demnächst, wenn ich dich darauf anspreche, in was für eine Situation du mich damit gebracht hast.

Doch jetzt, gerade eben kam die Erkenntnis. Denn ich muss noch verstehen, begreifen oder mir einfach merken, dass wir beide mit Informationen sehr unterschiedlich umgehen. Wir haben eine andere Einstellung zu dem, was du Informationskörbchen nennst. Schon sehr früh erzähltest du mir davon und machtest einen Vorwurf aus der Aussage, dass ich dir irgendetwas nicht erzählt hätte, von dem du der Meinung warst, ich hätte es dir erzählen sollen. Schon sehr früh kamst du von einem Treffen nach Hause und beschwertest dich darüber, dass du nicht genug Informationskörbchen bekommen hast. Doch ich begriff nicht, wie wichtig sie für dich sind. Du bist ein Mensch des Smalltalks, etwas, das mich schon oft überraschte und gelegentlich zum Kopfschütteln brachte. Doch jetzt kann ich festhalten oder formulieren, dass Informationen für dich wichtig für den Austausch sind. Was du in die Hände bekommst, wird weitergegeben. (Und solange es in meine Richtung gegeben wird, stört es mich keineswegs. Der Input ist gut, der Output weniger.) Für mich sind Informationen heilig und ich teile sie nur, wenn ich es für angebracht halte, nicht, wenn ich etwas zum Reden brauche. Für mich beinhalten Informationen Macht, leider auch Macht, die man über andere hat, viel mehr Bedeutung messe ich aber dem Teil der Macht zu, der zerstörerisch ist. Die Wege, die Informationen zurücklegen, sind bedeutend. Vieles landet bei mir, weil ich sehr genau auswähle, wohin es weiter getragen wird. Und ich muss lernen, dass manche Informationen bei dir nur mit dem Hinweis, dass sie nicht geteilt werden sollen, gut aufgehoben sind.

Ich bemühe mich gerade, nicht gemein zu werden in meinen Formulierungen. Denn es ist keine Frage des besser oder schlechter, es ist eine Frage der Einstellung. Eine Wegentscheidung, die ich früh getroffen habe. Dein Weg kann genauso gut sein wie mein Weg, doch ich habe mich für diesen entschieden und parallel laufen funktioniert nicht. Und so muss ich wählen zwischen reden und dich zum Schweigen bringen. Etwas, das ich nicht möchte. Insbesondere nach den Ereignissen dieser Woche möchte ich niemandem sagen, dass er dies oder jenes nicht dem ein oder anderen erzählen soll. Ich konnte das noch nie leiden, wenn mir jemand so etwas sagte. Oder es anderen sagte. Das macht man nicht. Jeder muss für sich entscheiden, wem er was sagt.

22.11.2012 um 11:12 Uhr

Erleichterung

von: indalo

Und da kam sie, die Erleichterung. Eine, auf die ich nur sehr unterschwellig zu hoffen wagte. Gestern überlegte ich noch, festzuhalten, dass ich die Hoffnung ja auch nicht aufgeben mag. Ich hatte die Datei noch geöffnet, den Eintrag noch nicht abgeschickt und fragte mich, ob ich noch den Satz hinterher schiebe, dass ich einfach weiter hoffe. Doch ich wollte ja nicht hoffen im Sinne der Energien, ich wollte mich rausnehmen, also tat ich das. Ich bemühte mich sehr, nichts zu lenken, alles sollte geschehen ohne mein Zutun. Das ist seit einiger Zeit mein Anliegen. Weder wollte ich der einen sagen, dass ich es schön fände, wenn sie in diese, meine Gegend zurückkehrt, noch der anderen an Kopf hauen, dass es das einzig sinnvolle für sie wäre, hierher zu kommen. Nein, jeder sollte das ganz allein für sich entscheiden, ich habe damit nichts zu tun. Ich bin gegangen und hierher gekommen, wer es mir gleichtun möchte, möge das tun. Überreden würde ich niemanden.

So klingelte heute morgen mein Handy. Ich ignorierte es. Ich wollte nicht rangehen, ich wollte nicht erörtern, wann der Chef anrufen könnte um ihr die Stelle nun fest zu zusagen, von der ich doch weiß, dass sie schon jemand anders hat. Denn es war nur eine Stelle ausgeschrieben, zwei wichtige und so unterschiedliche Menschen in meinem Leben haben sich beworben, eine hatte schon eine Zusage. Die vermeintliche, logische Konsequenz ist doch, dass die andere eine Absage erhält. Und ich wollte nicht spekulieren oder Rätselraten. Als dann aber auch noch das andere Telefon klingelte und man sich offensichtlich dagegen entschied, die Mailbox zu nutzen, ging ich doch ran. Es war wieder so ein wichtiges Klingeln in meinen Ohren. Manchmal klingelt das Telefon einfach anders. Und so erzählte sie mir vom gestrigen Tag und ich spürte, dass sie etwas anderes wollte. Sie redete nur um zu reden. Aber ich wollte weiß Gott nicht fragen, nein, ich wollte mich raushalten. Und dann kam’s, dann, als ich gerade darüber nachdachte, dass sie eigentlich zu fröhlich klingt um mir von einer Absage zu erzählen, da erzählt sie mir, dass sie kommen wird. Demnächst, und zwar ganz. Es polterte in mir – meint sie das Ernst? Klar, warum nicht. Nein, sie weiß nicht, was mir die letzten Minuten durch den Kopf ging und erstmal muss ich ihr noch die Freude gönnen, mir positive Neuigkeiten zu erzählen. Doch die Überraschung in meiner Stimme konnte ich kaum kaschieren. Sie überging es, nahm es womöglich nicht einmal wahr, doch die Erleichterung haute mich um. Beide haben diese eine Stelle bekommen. Wie das möglich ist, weiß ich nicht. Doch es ist mir egal. Beide haben eine Zusage und auch wenn das für mich im nächsten Jahr ziemlich anstrengend wird, freue ich mich für beide. Für jeden für sich.

Diese Kombi gab es für mich nie. Ganz neue Möglichkeiten, ganz neue Sorgen und Bedenken. Ganz neue Varianten in meinem Kopf, auch für mein Leben. Doch auch das wird dahingepackt, wo ich gestern alles ließ. Ich habe nichts damit zu tun, dass beide diese Stelle bekommen haben, ich halte mich da raus und werde die nächsten paar Jahre so weitermachen. Dann, wenn ich eine neue Entscheidung in meinem Leben treffe, werde ich wieder darüber nachdenken. Wenn es um mich geht, nicht um andere.

Und so versuche ich, mich auf die Erleichterung zu konzentrieren, die ganz eindeutig zu spüren war. Da fielen Steine von meinem Herzen, und ich habe die schnell genug weggezogen.

21.11.2012 um 21:37 Uhr

Ins Aus geschossen

von: indalo

Im Laufe der Jahre habe ich mir viele Dinge angewöhnt. Eins der wichtigsten Dinge war, viele Menschen zu kennen und immer jemandem zum Reden zu haben. Sicherlich gab es immer wieder neue Dinge, für die ich niemanden zum Reden finden konnte. Letztes Jahr rannte ich gegen eine Wand, nein, eine Wand wurde vor mir hochgezogen, während ich mich freudig fortbewegte. Oder anders ausgedrückt, wurde meine Seifenblase zum Platzen gebracht. Kabumm, ich lag am Boden und wusste nicht, wohin. Niemanden zum Reden. Das war nicht schön. Nur einige Monate später landete ich im nächsten Loch, obwohl ich mich doch zwischendurch wieder allein aufgerichtet habe. Da wollte ich mit niemandem reden. Tja, und jetzt? Jetzt ging die letzten paar Tage so viel durcheinander, dass ich mit jemandem über meine Gefühlswelt reden möchte, und mich dabei selbst ins Aus geschossen habe. So richtig.

Seit letzter Woche arbeite ich ein wenig parallel. Zwei Freunde suchen den gleichen Job im gleichen Ort und ich fühle mich als Dreh- und Angelpunkt. Von beiden wusste ich, dass sie sich auf die gleiche Stelle bewerben, doch keinem erzählte ich etwas. Ich wollte beiden die faire Chance geben, sich völlig unabhängig voneinander zu bewerben. Ich wollte kein Kuddelmuddel. Dann kommt gestern die eine nach Hause und erzählte überschwänglich von dem tollen Gespräch und dem Gefühl, die Stelle zu haben. Es war mehr als nur ein Gefühl, es wurde schon fast versprochen. Okay, damit war’s dann entschieden. Erzähl ich also heute der nächsten davon und bitte sie, das erst noch für sich zu behalten um es der anderen im richtigen Moment erzählen zu können. Kein Thema, das bekommt sie hin. Und heute komm ich nach Hause und entdecke einen Anruf der anderen. Den ersten Anruf seit Jahren. Panik steigt in mir auf, was auch immer mich da erwartet, kann nur schlechtes bedeuten. Und gutes. Die Frage war nur, was auf wen zutrifft. Als das Telefon also noch mal klingelte ging ich mit Herzklopfen ran und bekam sogleich einen unterschwelligen Vorwurf zu hören. Zwei Sätze später noch mal und so geriet ich direkt in die Verteidigungsposition. Als ich dann die frohe Kunde bekam, dass sie den Job hat, freute ich mich für sie. Ehrlich. Und dann kam der Wasserfall an Gedanken und der direkte Wunsch, mit jemandem zu reden. Prompt hatte ich die richtige Person im Kopf, schon klingelte (noch während des laufenden Telefonats) die nächste an. Was ist bloß heute für ein Tag? Doch am Ende des Gesprächs kam der k.o.-Schlag. „Ich lass die Bombe selbst platzen.“ Natürlich, sie hat ein Recht darauf, es selbst zu verkünden. Trotz allem, was ihr in Bezug auf mich nicht mehr zusteht, gestehe ich ihr dieses zu. Und so würde ich zum nächsten Freundeskreis greifen und dort meine Gefühlswelt erörtern. Doch da scheitere ich an mir selbst. Denn ich habe mich selbst ins Aus geschossen. Dafür bin ich allein verantwortlich. Denn ich möchte ja die wichtigen Menschen meines Alltags an den gleichen Ort befördern. Und so fallen alle meine Gesprächspartner aus den unterschiedlichsten Gründen flach. Denn ich kann sie nicht anrufen und ihr sagen, dass sie den Job nicht bekommen wird, von dem sie so sicher ist, dass sie ihn antreten wird. Es ist auch nicht meine Aufgabe, da ich nicht einmal etwas mit der Arbeitsstelle zu tun habe. Und so sitz ich zwischen den Stühlen und guck aus der Ferne. Bin aufgewühlt und sollte einfach alle und jeden ignorieren, bis sie die Bombe platzen lässt. Es mir hier, im Aus, bei meiner Auszeit, gemütlich machen. Nicht nachdenken, nicht in Frage stellen, sondern weitergehen. Mich rausnehmen aus den Energien des Universums, denn es geht nicht um mich.

18.11.2012 um 12:16 Uhr

Die Wände meiner Wohnung(en)

von: indalo

Seit ich ausgezogen bin, hab ich in keiner Wohnung gestrichen. Und ich habe schon in vielen Wohnungen gewohnt. Es war auch keine gestrichen, alle waren weiß und blieben es bis zu meinem Auszug. Warum? Weil ich weder Geld noch Zeit investieren wollte. Es hätte mich ja nie allzu viel von beidem gekostet, aber auch das war schon zu viel. Und, was wohl der wichtigste Punkt war, ich wollte immer die Möglichkeit haben, einfach ausziehen zu können. Jederzeit auf dem Sprung, könnte man meinen. Ich wollte es mir einfach machen und ich konnte auf Farbe verzichten. Weiß ist doch schon hell. Die ein oder andere Wohnung war tapeziert, doch der Großteil nicht, auch das störte mich nicht. Als ich in diese Wohnung zog hatte ich keine Zeit, vorher zu renovieren. Mein Vormieter hat sie dankenderweise weiß gestrichen. Nicht schön, aber besser als vorher. Einer meiner Umzugshelfer beschloss, dass wenn er mit der Renovierung seines Hauses fertig ist, er bei mir weiter macht. Schön die Wände abschleifen, tapezieren und streichen. Nichts, dem Freude entgegen blickte. Ich dachte, davon würde ich ihn zu gegebener Zeit schon abhalten können. Jetzt, da ich mein Wohnzimmer eingerichtet habe, stach diese eine weiße Wand hervor. Sie ist riesig. Zwei andere Wände habe ich mit Postern versehen, das gefällt mir. Damit kann ich leben. An die dritte Wand sollte kein Poster, zumal es mehrere hätten sein müssen. Und so beschloss ich kurzerhand, sie anzumalen.

Vor vielen, vielen Jahren hat mein Vater bei sich renoviert. Ich erinnere mich nicht an viel, nur an die von der Decke hängende Tapete. Das war der Anfang, dann durfte wir Kinder Stifte in die Hand nehmen und die Wände verzieren. Einfach so. Warum denken so wenige Eltern an so etwas, bevor sie renovieren? Kinder dürfen nie auf Wände malen, bekommen sogar Ärger, wenn sie sie mit dreckigen Fingern anfassen. Da ist es doch ein Kindertraum, nach Herzenslust die Wände zu beschmieren. Ich weiß weder, was ich damals malte, noch womit, doch ich erinnere mich noch daran, und das bedeutet schon einiges. Und so nahm ich mir gestern ein paar Stifte und bemalte meine Wand. Einfach so. Und ich muss sagen, es sieht toll aus. Ein wenig mulmig ist mir noch vor den ersten Reaktionen. Wird gelacht? Bewundert? Geschwiegen? Ich kann mir da vieles vorstellen und lass mich überraschen, denn schon morgen kommt der erste Gast.

17.11.2012 um 12:52 Uhr

Mein Wohnzimmer

von: indalo

Vor zwei Tagen kam nun endlich meine Couch. Meine Wohnlandschaft. Mein teuerster Gegenstand, meine größte Investition. Nichts von alledem, was ich mir in meinem Leben geleistet habe, hat so viel gekostet. Weder die langen Reisen, noch irgendwas anderes. Sicherlich mein Studium, aber das hab ich – so wie man es in Deutschland gewohnt ist – nicht als ich-leiste-mir-etwas betrachtet, sondern als gegeben hingenommen. Man studiert halt.

Tja, und heute, da hab ich mein Wohnzimmer eingerichtet. Die Couch ist nun endlich da, mir fehlen die Ausreden und ich brauche auch keine mehr. Jetzt konnte ich weiter machen. Und mein Wohnzimmer ist toll. Die Möbelpacker kommentierten nur, dass das Wohnzimmer voll sein wird, wenn die Couch steht. Das war mir bewusst, sehr sogar. Und so was es gewollt. Jetzt sieht mein Wohnzimmer nicht mehr riesig aus, jetzt hat es genau die richtige Größe. Und es sieht so erwachsen aus, das gruselt mir. Noch hängt keine Lampe, dazu muss ich meinen Vater mal wieder engagieren. Doch ich hab keine Eile, denn diese Kabelei an der Decke zeigt mir, dass ich hier wohne. Genau wie die anderen alten Möbelstücke. Sie bleiben, denn sie passen. Für mich. Und diese Couch ist ein Traum. Ich überlegte schon, hier zu schlafen statt in meinem Bett. Denn sie fühlt sich einfach gut an.

Mein Wohnzimmer zu betreten gibt mir ein gutes Gefühl. Es sieht gut aus, es fühlt sich erwachsen an und ich habe romantische Pläne für irgendwann. Ich wusste vorher nicht, dass sie so perfekt ist.

13.11.2012 um 22:08 Uhr

in Arm genommen werden

von: indalo

Heute stand ich irgendwann da und fragte mich, ob ich das, was ich mir anhöre, persönlich nehme. Ich wurde beworfen mit Beleidigungen. Manchmal in Form von Fragen, manchmal in Form von Aussagen. Schon letzte Woche durfte ich mir einiges anhören, was ich mit einem Grinsen abtat. Viele Menschen, insbesondere jüngere, können nichts dafür, wie sie sind. Doch was ich heute alles zu hören bekam, war nicht mehr zum Grinsen. Ich wusste wahrlich nicht, was jetzt das Richtige ist. Ich blieb ruhig und ließ jeden Einzelnen ausreden. Etwas, das mit nicht gegönnt war. Mir wurde eine geballte Ladung entgegen gebrüllt und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

Ich bin nicht der beherrschteste Mensch, wahrlich nicht. Wobei mir vor einigen Jahr hier in diesem Blog signalisiert wurde, dass ich doch beherrscht bin. Doch nach wie vor bin ich der Meinung, dass wenn mich innerlich etwas so sehr aus der Ruhe bringen muss, dass ich mich beherrschen muss, ich nicht mehr beherrscht bin. Und so stand ich heute vor einem Jungen, der zuvor auf einen anderen Jungen eingeschlagen hatte und eindeutig die Intention hatte, ihn zu demütigen und zu verletzen. Dieser Junge ist explodiert. Ich glaube, er war sich seiner Taten in dem Moment nicht bewusst. Eine Sicherung ist durchgebrannt und wenn ich mein Kopfkino beobachte, dann weiß ich ganz genau, was in ihm vorging. Das ist keine Entschuldigung, weder für ihn, noch für mich. Doch ich wusste auch, dass ich nicht in der Lage bin, mit diesem Jungen ein angebrachtes Gespräch zu führen. Ich wusste nicht, was ich ihm sagen könnte. Da waren keine Worte in meinem Kopf (Himmel sei Dank auch keine Taten), nur Leere. Entsetzen, Sprachlosigkeit. Wahre Sprachlosigkeit. Und so brachte ich ihn zu jemand anderem, der sich darum kümmern sollte. Ich war nicht in der Lage dazu. Ob das nun als Unfähigkeit oder als Fähigkeit, sich Hilfe zu holen, ausgelegt wird, bleibt offen. Morgen werde ich sicherlich noch mit anderen darüber reden. Und so hatte ich auf dem Heimweg den Wunsch, mit einem erfahrenen Kollegen zu reden. Einem, der mich ein wenig kennt. Oder einem Freund, der etwas davon versteht. Doch mir fiel niemand ein. Einige meiner Freunde sind Kollegen, doch auch sie können mir nicht helfen. Mir fehlte jemand, der nicht sagt „weiß ich auch nicht“, sondern der sagt „was hältst du von…“ Ich weiß, dass es letztlich immer meine Entscheidung ist, und dass ich allein verantwortlich bin. Für zu viel, wie es manchmal scheint. Doch ein wenig reden wäre heute schön gewesen. Und so bleibt am Ende des Tages nur der Wunsch, in Arm genommen zu werden. Mich einfach nur hinlegen zu müssen und verstanden zu werden. Doch dazu fehlt jemand.

12.11.2012 um 21:39 Uhr

Tage müssen enden

von: indalo

Wenn ich mir so meine Tage angucke, dann stell ich fest, dass ich das Ende eines Tages begrüßte. Ich stelle fest, dass ich immer früher ins Bett gehe und dann eben früher aufstehe als ich müsste. Ich kann abends nicht mehr. Oder anders: Ich kann nach dem Tag nicht mehr. Dabei geht es nicht um die Uhrzeit – ich hab mein ganzes Studium über die Aufgaben nur nachts (oder gar nicht) erledigt – sondern um die Geschehnisse. Es passiert so viel, das springt mir den ganzen Nachmittag und Abend durch den Kopf. Da geh ich dann nur noch ins Bett. Ich gebe sozusagen auf. Morgens kommt es dann auf die Nacht an, ob ich gut arbeiten kann oder nicht. Und ein wenig finde ich das erschreckend. Ich bin unzufrieden mit mir und meinem Rhythmus. Nicht dem Schlafrhythmus, sondern dem anderen. Ach, ich bin gerade einfach unzufrieden – auch wenn ich so viel schon geschafft hab. Doch ich werde wieder ungeduldig, unruhig, wenn ich doch weiß, wo ich hin will und auch, dass ich manchmal große Schritte mache. Doch wenn ich sie dann nicht mehr mache, wenn ich Rückschritte erlebe oder stagniere, dann werde ich unzufrieden. Dann ärgere ich mich über mich selbst. Und über andere. Mal berechtigt, mal unberechtigt.

Und so muss auch dieser Tag enden. Denn ob die Tage schön sind oder nicht, sie müssen enden. Nichts soll ewig dauern.

07.11.2012 um 20:28 Uhr

Vom Auszubildenden zum Ausbilder

von: indalo

So schnell kann’s gehen. Gerade noch versuchte man mir weis zu machen, ich wäre nicht geeignet. Ein Jahr ist dieses tiefe, schwarze Loch her, in dem ich mich befand. Sehr viel weiter weg fühlt es sich an. Doch noch vor ein paar Monaten stand ich ganz unten auf der Nahrungskette. Wirklich ganz unten, obwohl ich schon so weit war. Und jetzt, seit ein paar Monaten flieg ich im Himmel umher und genieße mein (Berufs-)Leben. Tolle Aussicht von hier oben. Und da kommt ein Vogel vorbeigezwitschert um mir zu erzählen, dass ich von hier oben ja wunderbar ausbilden kann. Na klar. Nach so wenigen Wochen und noch weniger Monaten bilde ich nun also andere aus.

Ich sollte mich darüber nicht wundern, nicht wahr? Denn im Prinzip ist überall der Schritt so klein, der Schritt vom Azubi zum Ausbilder. Oder vielleicht doch nicht? Ich finde es nämlich ein wenig unlogisch, jemanden als Azubi zu halten und sobald die Prüfung durch ist zu behaupten er hätte genug Erfahrung um Ausbilder zu sein. Sollte man da nicht mehr Erfahrung haben?

Das soll keine Beschwerde sein, keineswegs. Nur Verwunderung, zu der ich gar nicht komme. Denn wie ich in meinem gestrigen Telefonat feststellte, ärgert mich genauso wenig wie es Dinge gibt über die ich mich allein aufrege. Erst in der Kommunikation mit anderen kommt es dazu. Also sollte ich womöglich meine Kommunikation einschränken, oder verändern. Ohnehin ein Gedanke, der mich schon einige Zeit begleitet.

Und dann auch die Frage, ob man sich Sorgen machen soll, weil ich wohl gestresst sei. Welch Frage! Na, es gibt positiven und negativen Stress, war meine Antwort. Aha, kam nur zurück. Ob dieser Stress denn positiv sei? So tiefglücklich wie ich bin, kann er nur positiv sein. Ich sitze im Bus und fange unwillkürlich an zu grinsen. Einfach so. Ich kann nichts dagegen unternehmen – und würd’s auch gar nicht wollen. Die Menschen in meiner Umgebung beobachten mich skeptisch, sind vermutlich in Gedanken bei der Frage, aus welcher Klappse ich denn geflohen sei. Meine Freunde beobachten mich fasziniert, weil ich so viel vor mich hingrinse. Ja, ich bin glücklich. So richtig glücklich.
Und dass ich seit gestern im Besitz einer Urkunde bin, die mir attestiert, dass ich kerngesund bin, und das nicht nur vorübergehend, verleiht mir ein Gefühl der Genugtuung.

03.11.2012 um 20:23 Uhr

Kramtage

von: indalo

Es war ein Tag zum Kramen. Endlich. Ich sag ja, ich komm voran, Schritt für Schritt. In meinem Leben. Vor langer Zeit hab ich mir Regale gekauft und sie voll gestopft. Wirklich gestopft. Heute habe ich damit angefangen, ein wenig Ordnung in mein Arbeitszimmer zu bringen. Alte Sachen wurde in eine Ecke geräumt, das, was ich noch sortieren will, in eine andere und aktuelles eben in die nächste. Vier Ecken hat ein Raum ja immerhin. Und meine Regale haben auch jede Menge Sortiermöglichkeiten. Ich wüsste echt nicht, was ich ohne die gerade machen würde. Vermutlich einfach nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

Außerdem hab ich mich dem Stapel Briefe gewidmet, den ich seit vielen Monaten nur erhöhe. Das letzte Mal hab ich ihn gemessen, den Stapel. Diesmal hab nicht gewagt. Außerdem waren es zu viele Stapel, die sich in allen Ecken meiner Wohnung versteckten. Ich glaube, selbst jetzt habe ich noch nicht alle gefunden. Es ist wahrlich ein Wunder, dass ich nichts wichtiges übersehen habe. Und auch wenn ich den ganzen Tag geräumt und gekramt habe, so liegt immer noch ein weiter Weg vor mir. Ich mache es in meine Tempo, wann immer mir danach ist.

Und jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, weiß ich, dass mich jemand anders in meinem Leben stören würde. Es wäre etwas anderes und dann frage ich mich, ob ich womöglich deswegen so lange brauche. Einfach weil ich dann irgendwann keine Ausrede mehr habe. Also wenn alles sortiert und aufgeräumt ist. Dann könnte sich etwas ändern und es gibt Momente in denen ich mich frage, ob ich mich davor drücke, dort anzukommen. Doch warum sollte ich mich auf dem Weg dahin hetzen? Denn jetzt gerade macht es mir Spaß, Ordnung zu schaffen. Letzte Woche hätte mich der bloße Gedanke daran, es irgendwann machen zu müssen, in keine gute Stimmung gebracht. Ich kram gerne vor mich hin, manchmal.

Heute war ein guter Tag. Vor allem weil ich nicht gearbeitet habe. Weil ich einfach nur das machte, wonach mir gerade war. Das sind gute Tage. Und ich brauche noch mehr dieser Tage. Viel mehr.

02.11.2012 um 19:23 Uhr

Was für ein Tag

von: indalo

Mein Arbeitstag war vorüber und ich stand allein im Raum. Ich stand und bewegte mich nicht. Ich überlegte, mich zu setzen. Ich schaffte es nicht. Ich stand einfach nur da und versuchte, mich zu sammeln. Das, was am Ende dieses Tages noch von mir übrig war. Schon zuvor stand ich mehrmals mit geschlossenen Augen im Raum und atmete tief ein und aus. Was war heute bloß los?

Mein Tag war echt anstrengend. Doch ich weiß, dass ich irgendwann – ich kann noch nicht einmal sagen wann – im Laufe des Tages dachte, dass mein Job so schön ist, dass ich es nicht in Worten zu sagen vermag. Egal wie oft ich es sage, egal wie viele Worte ich verwende um es zu beschreiben, ich habe das Gefühl, dass es nicht rüberkommt. So fühlen sich Verliebte, nicht wahr? Sie sagen immer, dass die Worte fehlen um zu beschreiben, was sie fühlen. Und so geht es mir mit meinem Job. Ich bin verliebt in meinen Job, über alle Maßen.
Ich überlegte weiter, woran es liegt, dass ich mich so unverstanden fühle. Nicht richtig unverstanden, aber eben auch nicht in Gänze verstanden. Hat es damit zu tun, dass ich noch nie jemanden so sehr von seinem Job hab schwärmen hören, wie ich es gerne täte (und tue)? Warum kann ich nicht rüberbringen, was ich empfinde?

Darüber dachte ich also heute nach. Doch am Ende dieses Tages weiß ich nicht mehr, was der Auslöser war. Es gab einen, ich bin sicher. Doch ich erinnere mich nicht. Seit Stunden versuche ich, mich daran zu erinnern, was es war, das mich zu diesem Gedanken brachte. Was war so schön, dass ich es nicht auszudrücken vermag? Und was um Himmels Willen ist passiert, dass es derart überlagert wurde? Nichts… so schlimmes. Es war ein langer Tag, ein unglaublich anstrengender Tag und ich glaube, mir fehlte die Pause. Keine Minute, keine Sekunde hatte ich zum Auftanken. Alles, was man bei mir so Pause nennen konnte, war gefüllt mit Gesprächen oder Boxkämpfen. Ich wurde emotional gefordert, beladen mit Problemen einzelner Menschen für die ich etwas tun soll, aber nicht wirklich kann, mir wurde… ach, nicht einmal unterstellt, nein, es wurde klar gesagt, ich solle mich nicht über das Leid anderer freuen. ICH?! Ich war nicht sprachlos, ich war entsetzt. Ich erwiderte, dass ich mich darüber gewiss nicht freue, doch ich weiß, dass mein Gegenüber mir nicht glaubte. Man hält mich also für einen solchen Menschen. Danke, du Idiot. Es begann in aller Frühe mit schwierigen Themen und hörte bis zum Ende nicht auf. Ich brauchte Zeit um meine Sachen zu packen und den Raum zu verlassen. Mich auf den Weg zu machen. Und ich ging, mich fragend, was ich jetzt tue. Es ist Freitag. Und es wird noch oft so sein. Immer freitags, nur freitags. Und es hat nichts damit zu tun, dass es der letzte Tag der Arbeitswoche ist. Es ist einfach dieser Arbeitstag, der mich schafft. Auch letzte Woche war ich unglaublich erschöpft. Das war meine Schuld, da hatte ich nicht richtig nachgedacht. Doch heute, dafür konnte ich nichts. Da kam eins zum anderen und nun liege ich hier rum und vegetiere vor mich hin. Ich fühle mich nicht im Stande mit irgendwem zu reden oder auch nur irgendwas zu tun. Im Grunde liege ich nur da. Denn schlafen könnt ich auch nicht. Dazu bin ich nicht müde genug. Nur erschöpft.

Es war ein langer Tag und ich wünschte, ich könnte mich daran erinnern, was so schön war, dass ich zu der Erkenntnis kam, dass ich meinen Job nicht nur liebe, sondern wirklich verliebt bin.

01.11.2012 um 12:01 Uhr

Anlässlich des Dreijährigen

von: indalo

Von dir hab ich gelernt mit Blumen zu sprechen

und nie ein Versprechen zu brechen.

Von dir hab ich gelernt für andere da zu sein

und weniger zu schreien.

 

Zusammen sind wir viel gereist,

weniger bei Schnee und Eis

dafür aber weite Strecken

um die Abenteuerlust zu wecken.

 

D*** war oft unser Ziel,

ich weiß nicht mehr viel,

aber D*** liegt am Meer,

und das gefiel uns immer sehr.

 

Dort sind Drachen geflogen,

wir sind Fahrrad gefahren,

im Meer geschwommen,

und abends waren wir ganz benommen.

 

Morgens gab es immer Brötchen,

wenn auch keine Törtchen,

und abends eine Gute Nacht Geschichte,

im dämmernden Abendlichte.

 

 

Jetzt werdet ihr mich fragen,

was kann ich noch über ihn sagen?

 

 

Bier hat er getrunken

- man hat das gestunken -

Pfeife hat er einst geraucht,

anschließend Zigarillos auch.

Das war weniger schön,

daran hab ich mich nie gewöhnt.

Doch dann hat er mein Gequengel erhört

und schlussendlich aufgehört.

 

 

 

 

 

 

Milchreis macht der gute Mann im Bett,

auch für Crêpes hat er sein eigenes Rezept.

„Pi mal Daumen“ sagte er immer,

doch was bedeutet das für uns Kinder?

Letztlich war’s nicht wichtig,

denn geschmeckt haben sie immer goldrichtig.

 

Zu Ostern haben wir Kinder lange gesucht,

nicht selten dabei viel geflucht.

Weihnachten warst du auch immer da,

weil es eben so richtig war.

An jeden Geburtstag hast du gedacht,

und jeden Umzug hast du mitgemacht.

 

Gemeinsam haben wir gemauert,

das hat ganz schön gedauert.

Viele Spaziergänge haben wir gemacht,

und sind meist recht spät aufgewacht.

 

 

An dies und vieles mehr erinnere ich mich,

und bei dieser Gelegenheit auch dich.

Doch eins will ich noch sagen:

so vor circa eineinhalb Jahren,

da bekam ich von dir einen Anruf,

und dachte nur „Huch?“

 

Von ihr hast du mir erzählt,

dabei nicht viele Worte gewählt.

Auf die Worte kam es nicht an,

nur auf die Stimmlage, ab und an.

Du hast auf einmal so glücklich geklungen,

ganz andere Reden geschwungen.

Das hat mich sehr erfreut,

drum sag ich’s euch heut:

 

 

Bleibt glücklich im Leben,

es hat so viel zu geben.