indalo

25.03.2013 um 21:17 Uhr

Visitenkarte

von: indalo

Als ich letzte Woche aus meinem wohlverdienten und irgendwie anders erlebten Urlaub zurückkehrte, stürmte ein Kollege auf mich zu um diverse Dinge mit mir zu planen. Während wir also unsere Terminkalender wälzten, warf er nebenbei ein, dass er Visitenkarten für mich bestellt habe.

Im Ernst jetzt?
Ja klar.
Jetzt wirklich?
Ja, das macht doch was her.

Es folgte Stille. Nein, ich nahm ihn nicht ernst. Also schon, warum sonst sollte er es erwähnen, aber im Ernst jetzt? Ich war fassungslos und dachte, ich warte, bis er damit vor mir steht. Kaum dass ich mich heute Mittag auf einen Stuhl setzte, schob er den Stapel rüber. Ja, er hat wirklich Visitenkarten bestellt. Für mich. Mein Name, meine Arbeitsstelle, meine Funktion. Meine… Beförderung. Denn aus dem ganzen Quark, den ich in den letzten Wochen so von mir gab, wurde tatsächlich etwas. Ich habe mich befördern lassen. Scheinbar. Schon letzten Donnerstag lag die Post in meinem Fach und die Chefin wies höchstpersönlich darauf hin. Befördert. Jetzt. Nach knappen sechs Monaten in dem Beruf. SO habe ich mir das gewiss nie vorgestellt. Und doch habe ich wohl eine Antwort gefunden. Eine Teilantwort. Ich weiß zwar noch nicht, warum zwei Freunde von mir meinen lang angedachten Traumjob haben, aber ich weiß, warum ich ihn nicht habe. Denn es geht mir besser damit (wobei ich nur in der Theorie vergleichen kann), eine Zukunft zu erdenken als ein Jubiläum zu planen. Denn das tun die anderen. Stolz sein auf das, was bisher war. Ich, bzw. wir, planen neu. Bauen um. Schaffen etwas. Und damit geht es mir gut. Möglichkeiten entdecken, Grenzen erkennen. Wissen, was Phase ist. Auch wenn ich samstags arbeite. Und sonst sowie die ganze Zeit.

Nur möchte ich jetzt meinem Vater eine solche Visitenkarte geben. Denn er hat Freude an so etwas. Mir fehlt jedoch die Strategie, sie ihm zu geben ohne ihm von der Beförderung zu erzählen. Es mag ja sein, dass man darauf stolz ist, ich für meinen Teil bekomme das Konzept dahinter nicht ganz zu fassen und bin ganz gut überwältigt. Sprachlos. Und schweigsam. Aber ich hab ja jetzt die Visitenkarte, die Bände spricht.

17.03.2013 um 20:30 Uhr

Mein Traumjob und meine Traumwohnung - doch keins davon ist mein

von: indalo

Schon seit vielen Jahren finde ich mein Leben skurril. Es passieren immer wieder Dinge, die ich nicht verstehe, die der reinste Zufall sind und doch gänzlich der Wahrscheinlichkeitsrechnung widersprechen. Dinge, die mich zu der Frage bringen, was mir das Universum damit sagen möchte. Und weil ich eben wieder den Eintrag aus dem Januar diesen Jahres las, in dem ich meinte, dass am Vortag im Universum gehörig etwas schief ging, muss ich nun doch diesen Eintrag verfassen. Nicht zuletzt, weil besagter Fehler des Universums mich heute wieder einholte.

Womöglich sollte ich nicht aufzählen, was schon alles komisches passiert ist. Konzentrieren wir uns auf den aktuellsten Fall, der in direktem Zusammenhang mit dem davor steht. Meine liebe Freundin, die auf so kuriose Weise zu einer geworden ist, sollte ja nun von heut auf morgen umziehen. Schon als ich nach Neuigkeiten fragte, erzählte sie mir auch, wohin sie zieht. Es war ein verwirrendes Gespräch, welches mit dem Begriff Innenstadt begann und mit der Wohnungsnummer aufhörte. Die Straße passte, die Hausnummer ebenso und zuletzt dann auch die Wohnungsnummer. Dort habe ich gewohnt. Vor sage und schreibe fünfundzwanzig Monaten zog ich aus eben dieser Wohnung aus. Die Stadt ist vielleicht nicht die größte, aber es ist eine Stadt voller kleiner Wohnungen und sie erwischt gerade diese Wohnung? Ja, sie wusste, dass es meine Wohnung ist. Natürlich wusste sie es. Oft genug hat sie mich besucht, oft genug ist sie daran vorbeigefahren. Meine Wohnung. Es ist meine Traumwohnung. Ich würde heute nicht mehr einziehen, da meine Bedürfnisse andere sind, aber es blieb und bleibt meine Traumwohnung. Die beste Dusche, die mir untergekommen ist und der wunderbarste Balkon. Die Lage, die Stadt, das Leben dort. Es war oftmals wie im Traum. Und so tat ich mich schwer damit zu glauben, dass sie wirklich dort einzieht. Erst als ich in der Wohnung stand und Kiste für Kiste reintrug, wurde es real. Sie wohnt in meiner Wohnung und ich kann nicht sagen, was ich dazu fühle. Ich freue mich, dass sie eine so schöne Wohnung gefunden hat, das steht außer Frage. Da ist auch absolut nichts negatives, da ist einfach nichts. Und doch ist es komisch. Vor allem, wenn der Mensch, der mir als erstes einfällt, wenn ich an jene Freundin denke, meinen Traumjob hat. Beide Menschen habe ich am selben Tag, am selben Ort und unter den selben Umständen kennen gelernt. Sie sind unumgänglich miteinander verwoben und wir drei gehören zusammen. Und jetzt stelle ich fest, dass das Universum es genauso sieht? Weil einer von beiden meinen Traumjob (und damit ist nicht nur der Beruf, sondern wirklich die Arbeitsstelle gemeint) hat und der andere meine Traumwohnung. Sie teilen meine Träume und ich finde, der Zufall hat hier übertrieben.

15.03.2013 um 09:39 Uhr

Als wenn's nicht schon genug wär

von: indalo

Gestern Nacht lag ich in meinem Bett und lauschte den Nachbarn. Wobei lauschen ein Euphemismus ist, ich wurde von meinen lärmenden Nachbarn am Schlafen gehindert und formulierte den Mecker-Brief vor. Im Anschluss hatte ich noch Gelegenheit, mir Gedanken darüber zu machen, dass ich für die jetzige Bahnfahrt meinen Laptop mitnehmen sollte, damit ich endlich was schaffe. Doch bevor ich mich dazu durchringen kann, möchte ich doch erstmal mein Inneres nach außen kehren. Zumindest auf meine Art.

Ich habe Urlaub und mich dazu entschlossen, eine ganze Woche zu Hause zu bleiben um endlich mal nicht auf den letzten Drücker zu arbeiten und mir Zeit zu nehmen, mein Büro aufzuräumen. Eine ganze Woche hab ich dafür freigeschaufelt. Das war der Plan. Da konnte ich noch nicht ahnen, dass mein Bruder in der Woche vorher überraschend auf der Matte steht, ne Bürgschaft von mir möchte und sich für den Umzug auf mich verlässt. Tadaaa, am Dienstag meiner hart erkämpften Woche schleppe ich ne Waschmaschine, ne Küche inklusive aller Gerätschaften, nen Hometrainer, ne Klimaanlage und alles, was ein normaler Mensch noch so hat, Treppen rauf, runter, rauf, runter, rauf. Dann geht’s noch zwei Bundesländer weiter, wo wir ganz nebenbei noch den Umzug seiner Freundin mitmachen dürfen, die scheinbar noch nie umgezogen ist und nicht auf die Idee kommt, ein Bett, welches einen Meter vierzig breit ist, auseinanderzuschrauben. Also macht man das noch. Abends geht es wieder zurück und man fällt nur noch tot ins Bett. Nachbarn hin oder her. Jetzt könnte man meinen, dass man ab Mittwoch fleißig sein kann. Ich habe zwar Kraft und auch ein wenig Kondition, aber so ein Umzug in den fünften Stock haut mich trotzdem um, sodass ich zwei Tage mit Wunden lecken und erholen beschäftigt bin. N bissl Geknatsche daheim und schlechte Neuigkeiten folgen. Ich mag keine schlechten Neuigkeiten und freue mich über jeden Menschen in meiner Umgebung, der glücklich ist. Derzeit kann man diese nur leider an einer Hand abzählen. So, zwei Tage Wunden lecken muss reichen, denn *trommelwirbel* für den Freitag, sprich heute, steht der nächste Umzug an. Da geh ich mit ner Freundin letzten Freitag Squash spielen und frage nebenbei, ob es bei ihr Neuigkeiten gibt, als sie mir von dem bevorstehenden Umzug ihrer Freunde erzählt und sie hat nichts besseres zu tun als vor sich hinzumurmeln, dass sie ne Wohnung hat und am nächsten Wochenende umzieht. Allein. Aus dem fünften Stock in den dritten. Allein. Die ist doch nicht ganz dicht. Also beschließe ich selbstlos, den weiten Weg zu ihr auf mich zu nehmen und mit ihr zusammen die Waschmaschine plus ihren sonstigen Hausstand umzuziehen. Selbstlos und bescheuert. Und so sitze ich gerade in der Bahn auf dem Weg zu ihr, ignoriere die noch schmerzenden Gegenden meines Körpers und genieße lieber die Aussicht auf die Eisbäume. Denn natürlich liegt ordentlich Schnee seit letztem Wochenende. Möge es am Zielort nicht noch schneien. Und da ich auch nach heute zwei Tage zum Wunden lecken brauche, ist meine Woche dahin. Den Montag musste ich noch keine Wunden lecken, das stimmt, aber da musste ich den umziehenden Herrschaften auf die Füße treten, dass diese anstrengenden Tage dann wenigstens organisiert sind. Denn das Umziehen hat noch kein Ende, in zehn Tagen steht der nächste an. Da ist meine freie Woche zwar vorbei, aber geschafft habe ich bis dahin wohl trotzdem nichts. Wenn’s doch einfach nur Urlaub gewesen wäre… Nein, es war freigeschaufelte Zeit um zu arbeiten. Vorbei, einfach abgelaufen die Zeit.

Und ich?