indalo

19.04.2013 um 10:23 Uhr

Der Streit um mich

von: indalo

Zum Schießen. Doch, meine Laune ist gerade gen Himmel geflogen. Die Sonne, die überraschend aufgetauchte freie Zeit und meine Kollegen. Wobei das direkt mit der freien Zeit zusammenhängt, da ich so mal wieder Gespräche führen konnte. Doch, es streichelt mein Inneres zu sehen, wie sich meine Vorgesetzten um mich streiten. Seit ein paar Tagen weiß ich schon, dass sich zwei streiten, aber gerade mischte sich der dritte ein.

"Ich bin so gespannt, was ihr mit mir in der nächsten Runde anstellt".

Chef der dritten Abteilung: "Gib bloß nicht zu viele Stunden ab."

"Ich? Ich geb überhaupt nichts ab."

Chef der ersten Abteilung: "Ich nehm sie mir einfach."

"Siehste. Und da ihr euch schon um mich reißt: der Chef hat mich schon ganz woanders eingeplant."

Chef der dritten Abteilung: "Das geht nicht."

"Liebe Leute, DAS ist nicht mein Problem. IHR könnt euch darüber streiten
in welcher Abteilung ich meine Zeit verbringen werde, ich warte geduldig ab."

und dann folgten ratlose, aber auch angriffslustige Blicke. Mal sehen, wer gewinnt. Ich nehm's mit Humor.

"Da brauchen wir deine natürliche Strenge." Aha? Ein Lob? "Aber mein Kollege ist da doch gut auf zack." Kichern. Und die zwei guckten grinsend hin und her. "Der hat zu viel Herz." - "Ich hab auch Herz." Lachende Verzweiflung. "Von einem Fettnäpfchen ins nächste." Tja Leute, unsere Unterhaltung kann nur schiefgehen, doch ich muss mit Genugtuung feststellen, dass meine Windmühle mir gerade in den Hintern kriecht. Unsere Kämpfe werden nicht enden, das kann ich mir nicht vorstellen, aber es ist schön zu wissen, dass er mittlerweile weiß, dass er mich braucht. Und es schmeichelt mir, meinen Vorgesetzten dabei zu zusehen, wie sie sich um mich streiten.

17.04.2013 um 17:53 Uhr

Ich flüchte aus meiner Wohnung

von: indalo

Mal wieder einer dieser Tage, die durch eine kleine Info verschönert werden. Lange wird es wohl nicht anhalten, aber es hat funktioniert. Vor kurzem bin ich erst nach Hause gekommen und meine Laune sank. Die Tür war nicht abgeschlossen, das Chaos herrschte vor, überall stand Essen, der Reis noch warm und n aufgetautes Stück Fleisch neben dem Herd. Schuhe im Flur. Scheinbar habe ich weiterhin zwei Mitbewohner, immerhin steht auch das Lieblingsgetränk der zweiten Person noch auf dem Wohnzimmertisch.

Was habe ich erwartet, als ich nach Hause kam? Gute Frage. Menschen. Doch, zu allererst einmal Menschen. Niemand da. Dann war’s das auch schon. Ich habe kein fertiges Essen erwartet, keine aufgeräumte Wohnung. Aber doch bitte auch nicht Essen, dessen Zustand sich minütlich verschlechtert. Okay, dann sind die wohl nur kurz mit dem Hund – sonst wär die Tür ja abgeschlossen. Als aber nach einiger Zeit niemand kam, rief ich an. „Uuund, wie ist das gedacht?“ Stille. Nein, ich frage nicht nach dem heutigen Tag. Ich bin nicht in Stimmung. „Mit dem rumstehenden Essen.“ So langsam legt sich die Überraschung und ich bekomme hektische Ausführungen, wie ich mir das Fleisch braten soll und dass ich ja den Reis essen könne. Dass ich den Reis bekanntermaßen nicht mag wird am Rande erwähnt. Aha. Nein, ich möchte kein Stück Fleisch welches schon stundenlang hier rumliegt. Ich möchte auch keinen Reis, den ich in zwei Esslöffeln Soße tränken kann. Danke.

Bin ich jetzt so, weil meine Erwartungen nicht erfüllt wurden? Weil der gestrige Tag schon mies lief und meine Energiereserven langsam am Ende sind? Oder bin ich gerade einfach empfindlich?
Schon gestern wollte ich eigentlich nur nach Hause und nichts tun. Niemanden sehen, niemanden hören, niemanden sprechen. Stattdessen gab’s Besuch. Scheinbar länger bleibenden Besuch. Ja, Besuch, den ich mir selber eingebrockt habe, weil ich vorschlug, sich in dieser Stadt zu bewerben. Heroisch, wie ich finde. Wie bescheuert bin ich eigentlich?

Und doch, womöglich erwarte ich gerade einfach, dass all meine heroischen Taten, meine Einschränkungen, meine Nettigkeiten, dass all das, was ich gerade tue, mehr gewürdigt wird. Ich habe wirklich kein Essen erwartet als ich nach Hause kam, aber ich habe auch nicht erwartet, so etwas vorzufinden. Am Liebsten möchte ich gehen. Raus. Irgendwohin und ich glaube, das tue ich auch. Ich flüchte aus meiner Wohnung, weil ich weiß, dass die bald nach Hause kommen. Das kann’s doch nicht sein.

Doch eigentlich wollte ich gerade davon erzählen, wie ich angerufen wurde und man mir von der Taufe des ersten Neugeborenen erzählt, welches ich gesehen habe. Das erste Kind, welches ich so jung in den Armen hielt, wird an meinem ersten freien Wochenende seit gefühlten Monaten getauft. Und ich werde natürlich hingehen. Einfach weil er mir davon erzählt hat. Direkt nach der Frage, was ich denn anhabe. Doch, er erhellt meine Laune und daran zu denken macht meinen Tag schöner. Doch das ändert nichts daran, dass ich raus muss. Noch ist gutes Wetter und ich sollte mich womöglich bewegen. Und vor allem nicht da sein wenn die kommen.

03.04.2013 um 21:23 Uhr

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

von: indalo

Vor einigen Jahren las ich dieses Zitat. Ob ich damals viel darüber nachgedacht habe, vermag ich momentan nicht zu sagen. Aber ich weiß, dass ich es nie vergaß. Und heute, während eines Telefonats schoss es mir mehrmals durch den Kopf. Es traf den Nagel auf den Kopf. Ich sagte es nicht, ich dachte es nur. Doch seit ich auflegte, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Es ist wahr. Es ist das, was ich glaube. Eltern reichen nicht, gute Einflüsse hier und dort auch nicht, es braucht wirklich das ganze Dorf. Sicherlich geht es auch mal ohne, und mal mit schief, doch bei der Erziehung spielt so viel eine Rolle, dass sich ruhig ein ganzes Dorf beteiligen darf. Doch was bedeutet das nun?
Schnell erkannte ich, dass diese Einstellung gerade in meinem Beruf ein Direktflug in die Anstalt darstellt. Zumindest, wenn man allein damit ist. Im Laufe der letzten Jahre habe ich festgestellt, dass ich allein damit bin – was keineswegs heißt, dass ich aufgebe zu suchen. Nein, ich suche weiter nach den Menschen, die auch daran glauben, die nicht weggucken, die helfen wollen. Alles zusammenführen. Die nicht sagen „Was andere in ihrer Freizeit tun, solltest du trennen.“ Wovon? Ja, ich bestehe auf meine Privatsphäre und was ich in meinem Privatleben mache, geht niemanden etwas an. Doch weiß ich auch, dass mein Privatleben niemandem schadet. Dass ich mich dort höchstens in Grauzonen bewege, jedoch keine Gesetze breche. Die Menschen um die es mir hier geht, die tun das. Vielleicht nicht direkt Gesetze brechen (auch, aber bisher von mir nicht beobachtet), aber sie schaden anderen. Und sich selbst. Und ich finde, als Dorfbewohner ist es auch meine Aufgabe, insbesondere wenn ich in der Funktion meines Berufs die Möglichkeit habe, darauf zu reagieren. Warum spiele ich in meinem Berufsleben den großen Aufseher um dann mit dem Antreten des Heimweges wegzusehen? Wo liegt da der Sinn?

01.04.2013 um 21:36 Uhr

Ich möchte, dass du stirbst

von: indalo

Es sind harte Worte, das weiß ich. Doch sie treffen einfach das, was ich denke. Ich möchte, dass du stirbst. Jetzt. Nicht irgendwann. Warum? Weil ich keinen Sinn darin sehe. Weil ich lieber tot wäre als so zu existieren, wie du es tust. Ich möchte, dass es ein Ende hat. Alles. Die Gedanken, die Hoffnung, das Leiden. Denn Menschen leiden immer noch. Wozu?

„Und das war mal eine so taffe Frau.“ sagte sie unter Tränen. Warum unter Tränen? Weil du in ihr deine Zukunft siehst? Weil du das nicht möchtest? Oder möchtest du das? Spielen Rachegelüste eine Rolle?

Während ich so dasitze und auf diese Häufchen Elend starre kann ich nur fortwährend denken „Stirb, verdammt noch mal stirb.“ Als ich nächsten Morgen darüber redete, stellte ich in den Raum, dass das doch nicht so schwierig sein kann. Sterben, meine ich. Oder ist es das?

Meine Gedanken gehen im Kreis. Da sind Dinge, die ich sagen möchte. Dinge, die ich fragen möchte. Ich bin sauer, verletzt, enttäuscht, entsetzt, verwirrt. Und ich möchte mir darüber keine Gedanken mehr machen. Ich möchte, dass es aufhört. Ob du dieses Elend nun verdienst hast oder nicht, das ist mir vollkommen egal, ich möchte, dass es aufhört. Jetzt.