indalo

30.05.2013 um 20:14 Uhr

Coaching

von: indalo

Heute morgen saß ich am Computer und wurstelte vor mich hin. Meine Chefin betrat den Raum, wollte ihn nur durchqueren, doch machte einen Bogen als sie mich wahrnahm und kam zu mir rüber. Noch auf dem Weg zu mir sagte sie die Worte „Danke für dein Coaching gestern.“ Sie setzte sich zu mir um zu erzählen, was noch geschah. Sie sagte nicht nur beiläufig danke, sie bedankte sie wirklich bei mir. Wofür? Ich habe doch nichts getan. Sie erzählte mir, dass sie niemanden erreichte und letztlich doch in einer Email schrieb, dass sie einen dummen Fehler begangen hat. Sie schrieben hin und her und sind nun zum Telefonieren verabredet. Was daraus wird, ist für mich nicht mehr wichtig. Für mich zählt heute. Ihre Wertschätzung meiner Meinung, ihre offene Art, und ganz besonders, ihr scheinbar auch etwas zurück geben zu können.

Es erstaunt mich, jemanden, der noch etwa so viele Jahre arbeiten wird wie ich bisher gearbeitet habe, auf diese Art unterstützen zu können. Es ehrt mich. Es macht mich glücklich. Gerade in den letzten Wochen dachte ich darüber nach, dass sie auch etwas zurück bekommen sollte für all das, was sie tut. Es gibt schon Dinge, die ich wegen ihr tue, die ich wegen ihr Art. Diese ganze Beförderungsgeschichte. Das tat ich nicht für mich, auch nicht für sie, aber wegen ihr. Und ich bin gespannt, wie ich die ersten Hürden nehmen werde, bzw. genommen habe.

29.05.2013 um 21:13 Uhr

Ich mochte dich einfach

von: indalo

Als ich heute die Arbeit verließ, ging’s mir mal wieder so gut, dass ich den Heimweg einfach mit jemandem telefonieren musste. Ich wollte erzählen, was ich soeben erlebte. Ich nahm mein Handy und hatte etwas auf der Mailbox. Eine verknallte Freundin, deren Schwarm jedoch im Ausland wohnt, wie sie heute erfuhr. Blöd. Und so ging ihre gesamte Telefonzeit und mein Heimweg dafür drauf. Ich konnte nicht erzählen, was ich loswerden wollte. Doch ich ging grinsend die Treppe hoch. Oben angekommen widmete ich mich anderen Dingen. Dann klingelte das Telefon und mir wurde die Frage „Wie geht’s dir?“ entgegen geschleudert. Ich hatte keine Lust zu antworten und ließ mir dies auch anmerken. Ich mag die Frage nicht, es ist doch nur eine Floskel. Bei meinem Gesprächspartner nicht, und doch nervt es mich. Denn ich möchte nicht gefragt werden, wie’s mir geht. Ich erwarte von manchen Menschen, das mitzubekommen. Und das sage ich nicht, weil ich mich bemitleidend zu Hause verkrieche, sondern einfach, weil mich diese Frage nervt. Zu oft habe ich sie in letzter Zeit gehört. Und immer ist meine Antwort „gut“ – doch versteht irgendwer, wie gut?

Auch dieses Telefonat endete bevor ich auch nur irgendwas aus meinem Leben erwähnen konnte. Das ist völlig okay, es war deprimierend diese Stimme zu hören. So ein glücklicher, lebensfroher Mensch, der sich von nichts klein kriegen lässt, klingt fad und erschöpft. Sie haben’s geschafft, die Schweine. Sie haben sie klein gekriegt. Es ist soweit, ich muss etwas unternehmen. Doch ich weiß nicht wie, noch weniger, weil ich bald für ein paar Wochen weg bin. Immer zur falschen Zeit.
Wie auch immer. Ich hätte gern von meinen Erlebnissen erzählt. Von diesem Gefühl, welches im Raum stand. Von der Ehrlichkeit, von der Sympathie. Doch ich hätte es wie einen Schlag ins Gesicht empfinden, wo ich doch gerade ne knappe Stunde diese Mobbingsituation auf der Arbeit geschildert bekam. Etwas, wogegen jetzt geklagt wird.
Und weil ich trotz allem den Wunsch verspüre, es zu erzählen und gerade niemanden weiß, den ich dafür anrufen möchte, schreibe ich es nieder. Für mich. Zum Nachlesen.

Meine Chefin ist ein Traum. Ich wollte gerade gehen als ich hörte, wie sie mit jemandem telefonierte. Da sagte wohl jemand ab, ein neuer Kollege, der nun doch keiner mehr wird. Sie trug es mit Fassung. Sie sagte auch Dinge, die darauf schließen ließen, dass er fragte, ob sie jetzt sauer sein. Nein, sie regelte das sehr fachmännisch und auch als sie auflegte gab es keine bösen Worte. Sie meint, was sie sagt. So erzählte sie mir, dass sie sonst immer erst Bewerbern absagt, wenn jemand anderes dingfest gemacht wurde. Nur dieses eine Mal tat sie das nicht. Gerade habe sie jemandem abgesagt und fragt sich, ob sie jetzt schreiben soll, dass dies ein Fehler gewesen sei. Ich stand vor ihr und guckte sie nur an. Sie fragte mich nach meiner Meinung. Ich stand da und fühlte dieses Gespräch. „Man weiß doch, wie das mit Bewerbungen ist.“ und ich erwähnte, dass ich noch genau weiß, wie erstaunt ich war, dass sie auf mich wartete, obwohl ich als allerletztes mein Zeugnis bekam. Sie guckte mich an, verstand, was ich meinte. „Ich mochte dich einfach.“ Ja, so muss es gewesen sein. Trotzdem stand ich kopfschütteln da, erwähnte, wie wichtig die Besetzung meiner Stelle für sie war. Da legte sie die Hand an Bauch und meinte „es war ein Gefühl. Trotz all dessen, was so war, was du sagtest, dass du eigentlich woanders hinwolltest, so hatte ich das Gefühl, du würdest hier gut reinpassen.“ Ja, ich wurde damals für verrückt erklärt, als ich anderen von meinem Bewerbungsgespräch erzählte. Doch ich wusste, was ich wollte. Und eins wollte ich nicht: Lügen. Also meinte ich zu ihr, dass sie denjenigen, dem sie absagte, anrufen solle und die Wahrheit sagen solle. Das würde ich erwarten. Und wozu diese Ausrede? Sie wollte eine Email schreiben. Wir standen noch ein wenig da, ganz kurz eigentlich nur, und sie griff zum Telefonhörer „Nur weil du das sagst, ruf ich da jetzt an.“ und schmiss mich raus. Ich ging mit den Worten, dass sie mir morgen berichten solle, wie es gelaufen ist.
Auf den ersten und den letzten Metern meines Heimweges fragte ich mich, warum ich das Telefonat nicht einfach abwartete. So lange könnte es ja nicht dauern. Ich habe darüber nicht nachgedacht und es gibt auch keinen guten Grund. Seit ich zu Hause bin fragte ich mich mehrmals, ob ich hätte bleiben sollen und warum ich gegangen bin. Dazu habe ich verschiedene Thesen, die alle zu weit führen würden. Ich möchte nur einfach festhalten, was geschah. Nicht interpretieren, nicht weiterdenken, sondern mich einfach wohl fühlen. Pudelwohl und gemocht.

23.05.2013 um 17:47 Uhr

Imbissgespräche

von: indalo

„Du bist auch so der Typ für Gespräche an der Imbissbude, was?“ Was? Ich? Darf ich mich vorstellen?
…möchte ich gar nicht. Nein, ich möchte mich nicht vorstellen. Ich sage etwas, wie zum Beispiel: „Nee, überhaupt nicht.“ und merke, wie mein Gegenüber das als Ironie empfindet. Es ist keine. Ich sage es nicht ironisch, auch wenn es so klingen mag. Aber meine ich es? Ist es denn so? Oder eben nicht?

Wer bin ich? Was will ich? Was tu ich? Ich habe keine Antworten auf diese Fragen. Ich kann so viel sagen über mich und wissen, dass genau DAS eine Beschreibung meiner Person ist, auch wenn ich mich direkt danach umdrehe und etwas komplett gegenteiliges mache. Ich lerne gerade Menschen kennen. Immer mehr und immer wieder. Und zum ersten Mal lerne ich Menschen kennen, die ich kennen lernen muss. Und ich tue das, weil ich möchte. Zum ersten Mal sind es Menschen, die ich vermutlich die nächsten Jahrzehnte an der Hacke habe. Und ich kann damit umgehen. Ich bin einfach ich, und es geht mir gut damit. Ich liebe es. Ich lebe es.

Heute habe ich die erste Visitenkarte meines Lebens ausgehändigt. Nicht um sie zu zeigen, um sie zu verteilen oder sonst irgendwas. Sondern weil ich sie brauchte. Ich wurde darum gebeten und meine Chefin nickte mir nur zu. Da bin ich jetzt Ansprechpartner und verantwortlich. Ein wenig komisch ist das schon.

Ach, heute war wieder so ein Tag, der inhaltlich eine Woche füllen könnte. Ich habe Gespräche geführt mit Menschen, die ich mag. Über Dinge, die ich nicht mag. Gar nicht mag. Seit dem Wochenende weiß ich, dass ich mit ihnen reden muss. Seit dem Wochenende drück ich mich davor. Gestern Abend, als ich bis Mitternacht am Schreibtisch saß, wusste ich immer noch nicht, wie ich dieses Gespräch beginnen soll. Drei Gespräche mit sechs Personen. Also jeweils zwei zur gleichen Zeit. Ich war nervös. Ich war ehrlich nervös, weil ich selbst keine Ahnung hatte, wohin es mich führen würde. Ich wusste keine Lösung, ich kannte nur das Problem. Und so begab ich mich mit Herzrasen in diese Gespräche. Zwei konnte ich führen, eins steht mir noch bevor. Und sie liefen gut. Erstaunlich gut. Möge auch das dritte diese Richtung nehmen. Und möge es morgen stattfinden können.
Ich fühle mich gut damit, auch wenn ich so ein Gespräch nie wieder führen müsste. Aber mir wurde Ehrlichkeit entgegen gebracht. Und Charakterstärke gezeigt. Und ich möchte behaupten, dass meine Art der Gesprächsführung dazu führte. Ich möchte mir das auf die Fahne schreiben. Und auch wenn es mir nach wie vor lieber gewesen wäre, dass es nie dazu gekommen wäre, so fühle ich mich gut damit.

Oh, da fällt mir ein, dass ich heute noch eine Erfahrung machte. Ich war bei einem Meeting auf dem ich eine entscheidende Rolle spielen sollte und wurde von der Gegenpartei nur eines einzigen Blickes gewürdigt und direkt für nicht würdig befunden. Ich spürte sofort die negative Haltung meiner Person gegenüber und nahm es nicht persönlich. Denn wer sich derart profilieren muss, der hat es nötig. Und ich liebe, wirklich LIEBE, meine Chefin dafür, dass sie so ist, wie sie ist. Dass sie direkt nach dem Gespräch äußert, dass sie gemustert wurde. Von Kopf über Tuch und Brosche bis ins letzte Detail. Dass sie überhaupt diese Gedanken äußert. Einfach dafür, dass sie ist wie sie ist. Genau mein Typ Mensch.
Wir verbuchten diese Zeit als Erfahrung. Nicht unbedingt als verloren gegangene Zeit, sondern als Erfahrung. Und jene Person, die mich abtat und sie musterte, duzte mich kurz darauf. Nein, ich lege beim besten Willen keinen Wert auf das Sie, aber von jemandem, der sich als dermaßen professionell empfindet, erwarte ich mehr. Ein weiterer Fehler ihrerseits. Sie hat verloren, diesen Machtkampf den sie allein kämpfte. Im Nachhinein wirkt es einfach nur traurig.

14.05.2013 um 18:16 Uhr

Auszeit genehmigt

von: indalo

Mein Tag war gut. Wirklich gut. Ich ging strahlend und vor mich hin lachend nach Hause. Doch, ein guter Tag. Ein langer Tag, aber ein guuuter Tag.

Uns steht die Inspektion ins Haus. Alle Jubeljahre kommt da wer von ganz weit oben und beobachtet für angekündigte zehn Minuten unsere Arbeit. Kollege für Kollege. Es ist ein zufälliges Auswahlverfahren, so heißt es, und es kann jeden treffen. Mich hat’s heute getroffen, doch statt nur zehn Minuten wurde es eine halbe Stunde. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich hatte es sogar vergessen bis die erinnernde Email kam. Dann interessierte es mich auch nicht weiter, bis heute morgen eine Kollegin voll verzweifelt und nervös vor mir stand. Was sie da zu erwarten hätte? Woher soll ich das wissen? Ich hab doch selbst keine Ahnung. Sie machte mich irgendwie hibbelig, sodass ich kurze Zeit später Herzrasen bekam als die Tür sich öffnete, weil ich dachte, dass ich nun dran sei. Falsch gedacht, da kam nur jemand zu spät. So merkte ich, dass ich versuchte meine Arbeit aus anderen Augen zu betrachten und zu dem Schluss kam, dass ich das schon alles gut mache. Tja, so schnappte ich mir meine Praktikanten und ging frohen Mutes meiner Arbeit nach als dann doch jemand kam. Eine halbe Stunde. Ich musste mehrmals schmunzeln und hab mich innerlich köstlich darüber amüsiert, wie’s lief. Es ging mir saugut damit und ich bin – wem oder was auch immer – dafür dankbar, dass es heute auch einfach gut lief. Ich schreibe mir das nicht auf die Fahne, das war Zufall. Das lag nicht in meiner Hand. Und so wartete meine Inspektorin bis sie mich kurzzeitig interviewen konnte. „Sie benutzen das ja.“ Aha? Warum auch nicht? Ich nutze, was mir zur Verfügung gestellt wird. „Haben Sie die Kompetenz mitgebracht, oder haben Sie das hier gelernt?“ Hä? Gelernt? Was? Ich hab mich davor gestellt und rumgespielt. Versuch und Irrtum, so lernt man doch. „Das ist das erste Mal, dass ich das in Benutzung sehe. Wissen Sie denn von Kollegen, ob sie das auch nutzen?“ Öh, ja. Bestimmt. Klar! „Kommen Ihre Kollegen denn und gucken sich mal an, was sie damit alles machen?“ Hmm, jetzt müsste ich Ja sagen, nicht wahr? Wäre das besser? Ach, was soll’s. Die Wahrheit. Nein, tun sie nicht. Hmm, die erste falsche Antwort? Naja, so wurde ich aus dem Gespräch entlassen, man bedankte sich bei mir und ging. Ne Minute später brachte sie dann den Stift zurück. Hat man als Inspektor nicht einen Stift dabei? Notiert man sich denn nicht immer etwas? Ouh man. Das war lustig. Blöd nur, dass ich kurz davor total aus dem Konzept gebracht wurde, als jemand aus meinem Studium am Fenster vorbeilief. Mein Hirn arbeitete und ich fragte mich, ob das ein Inspektor sei. Nein, war’s nicht, aber ein Bewerbungsgespräch. Ehrlich gesagt kann ich bestens darauf verzichten, jemanden aus dem Studium als Kollegen zu haben. Ich wurde schon in die letzte Stadt verfolgt, das muss nicht auch noch hier passieren. Oh möge das nicht der Fall sein. Das nur am Rande. Jedenfalls war das ein Highlight. Möge der morgige Tag das nicht wieder kaputtmachen.

Das lief also alles gut. Es lief auch gut weiter. Meine Kollegen gefallen mir. Ich kann mich einbringen, werde gelobt, kann dieses Lob wunderbar weitergeben und genieße einfach so vieles in diesem Beruf. Ich liebe diesen Job und heute war einfach ein grandioser Tag. Der Umstand, dass ich einen Brief in meinem Fach fand, fällt kaum ins Gewicht. Ich las ihn schnell durch und packte ihn weg. Sofort war er vergessen. Der Tag ist auch ohne diesen Brief einfach grandios gewesen. Doch trotzdem soll erwähnt sein, dass meine Auszeit genehmigt ist. Vorletzte Nacht lag ich im Bett und konnte nicht einschlafen. Ich malte mir meine Weltreise aus. Plante, in welcher Reihenfolge ich die Kontinente besichtigen werde, bzw. ließ die schon längst angedachte Flugroute vor meinem inneren Auge vorbeiziehen. Jetzt hab ich schwarz auf weiß, dass ich diesen Plan umsetzen kann. Schwarz auf weiß mit Unterschrift. Auch das tut gut. Doch es ist wirklich nur beiläufig interessant, weder ist es ein Stein des Fundaments des Glücksgefühl des heutigen Tages, noch das i-Tüpfelchen.

Es geht mir gut, so unglaublich gut.

13.05.2013 um 19:52 Uhr

Lächelnde Gesichter

von: indalo

Während ich hier so an meinem Schreibtisch sitze und ein wenig arbeite, gelegentlich ne Folge bei youtube gucke und mir Gedanken über das Leben mache, beobachte ich draußen einen Mann, der die Straße entlang schlendert. Auf einmal öffnet der Himmel seine Pforten und es schüttet wie aus Eimern. Er bleibt stehen, sieht nach oben, zögert und schaut dann geradeaus, drückt die Tüte im Arm enger an seinen Körper und geht einen schnelleren Schrittes weiter. Warum macht man das? Warum bleibt man stehen, wenn es zu regnen beginnt? Traut man seinen Augen nicht? Dem Gefühl auf dem Kopf? Oder hält man inne und fragt sich „Das kann jetzt wohl nicht wahr sein?“ Ich kann mich nicht daran erinnern, das je bei durchbrechenden Sonnenstrahlen beobachtet zu haben. Hmm.

Und da ich am Computer sitze während ich mit all dem meinen Nachmittag verbringe, gucke ich auch gelegentlich nach meinen Nachrichten. Nicht nur Emails, Nachrichten. Denn ich habe mich ja an einen bestimmten Ort zurückbegeben und dort kann man Nachrichten schreiben. In meiner Euphorie und Langeweile schrieb ich diverse lächelnde Gesichter an. Ich suchte nicht nach Alter, nicht nach Haarfarbe, nicht nach Nichtrauchern. Ich blätterte einfach so ein paar Profile durch. Nur ein Kriterium wandte ich an: den Ort. Nichts gegen Distanz, also doch, schon ein wenig, aber irgendwas musste ich ja eingeben. Und das schien mir das fairste. Denn offen gestanden bin ich wenig bereit, diesen Ort hier zu verlassen. Wer weiß, ob mich je jemand davon überzeugen kann. Es müssen schon gute Gründe sein.
Wie dem auch sei. Ich schrieb lächelnden Gesichtern auf meine Art. Kein Hallo, kein „Wie geht es dir?“ und schon gar kein „Was machst du so?“ Nein, einfach auf meine Art, spontan, direkt, verwirrend. Und so verwirrte ich auch einige. „Warum stellst du so komische Fragen?“ Tja, so war das. Ich merkte die ablehnende Haltung, manchmal die Vorsicht und gelegentlich auch Skepsis. Es kümmert mich nicht. Ich mache einfach, wonach mir ist. Und gerade eben bekam ich eine Nachricht, die mir schmeichelte. Nicht wegen etwaiger Komplimente, nein, wegen der Art des Schreibens. Ich habe das Gefühl, mein Gegenüber überzeugt zu haben. Ich habe Interesse geweckt und freue mich allein über dieses Gefühl, diesen Gedanken, ganz egal, was folgt. Ich lächle vor mich hin und werde demnächst antworten. Und weiterarbeiten. Manchmal frage ich mich ja schon nach dem Sinn von Urlaub, wenn der erste Tag so erschlagend ist, dass man das Gefühl hat, sich nie erholt zu haben.

06.05.2013 um 22:45 Uhr

Aufatmen

von: indalo

Aufatmen. Ich wusste nicht, dass du mich so sehr eingeengt hast. Ich habe gemerkt, dass es nicht normal ist und gewiss kein Dauerzustand sein kann, aber nicht, dass es so extrem war. Oder ich wollte es nicht wahrhaben. Doch ich merke, wie frei ich auf einmal atmen kann. Wie ich mich entfalte und zu mir zurück finde. Ich merke, wie ich dich wieder ansehen kann, dich bewundern kann, dich anfassen möchte. Wie ich dich mit anderen Augen sehe.

„So habe ich mir das im Übrigen nicht vorgestellt mit dem Zusammenwohnen.“ Wie dann? Wie, wenn nicht so? Und wenn du schon mehr Erwartungen an ein einfaches Wohnungsteilen hast, stell dir mal vor, wie es wäre, mit mir eine Beziehung zu führen. Du würdest eingehen. Du könntest nicht glücklich mit mir werden. Verstehst du das? Siehst du das? Begreifst du das?
Ich möchte mich dahinter nicht verstecken. Meine Entscheidung steht, auch aus ganz anderen Gründen. Einen hab ich womöglich heute von mir gegeben. Einmal Betrüger, immer Betrüger. Doch das meine ich nicht so, nicht auf dich bezogen. Da meine ich nämlich gar nichts. Da handele ich nur, wie mein Gefühl es mir sagt.

Wie auch immer, ich atme auf. Ich lebe. Ich kehre zurück an manche Orte, stelle mir erneut dieselben Fragen, begegne aber auch ganz anderen Facetten. Zwölf Jahre. Zwölf verdammte Jahre habe ich dort einen Account, dessen Benutzernamen und Passwort ich noch im Schlaf kann. Ich wusste nicht, dass es schon ein Dutzend Jahre sind. Doch letzte Nacht konfrontierte man mich gleich zweimal damit. Zwölf Jahre. Wo ich einst Zeit verbrachte, da gehe ich wohl nie richtig. Und völlig unabhängig davon kehrte ich in diesen Tagen an einen anderen Ort zurück, an dem ich eigentlich nie war. Ich meldete mich dort an, vor… sieben Jahren. Ich schrieb schon mal davon, auch das ist gute fünf Jahre her. Doch jetzt bewege ich mich dort. Es gibt Hoffnung in meinem Herzen, ich möchte Neuland entdecken. Ich möchte mich entdecken. Doch es hat auch seine Haken und ich weiß nicht, wie lange ich mich dort rumtreiben möchte. Denn – wie so vieles im Internet – wirkt es wie eine Partnerbörse. Ich kann Menschen suchen, nach Themen, nach Alter, nach Wohnort. Ich möchte keine Fakten. Ich möchte Menschen nicht in diese Strukturen pressen.
Gestern wollte ich mich dort umschauen und wurde um eine Alterseingrenzung gebeten. Ich kann beim besten Willen keine machen. Es ist ungerecht, irgendwo eine Grenze zu ziehen. Außer bei der achtzehn. Oder gar zwanzig. Aber sonst? Ich kann mit diesen Daten nicht umgehen. Ich blättere durch die Profile und sehe, wie unterschiedlich die Frauen sind, die mich ansprechen. Ich kann es an nichts festmachen, nichts, was man sehen kann. Es muss mir gefallen, doch ob blond oder brünett, lang oder kurz, dick oder dünn, das ist wirklich wurscht.
Insofern werde ich nicht lange dort verweilen und mich im wahren Leben auf die Suche begeben. Ich muss jemanden sehen, fühlen, wahrnehmen. Nicht in Schubladen pressen.

Und ganz nebenbei räume ich wirklich auf. Ich trenne mich von Dingen. Ich schaffe Freiraum in meiner Wohnung, in meinem Leben. Ich komme an. Immer wieder und immer mehr. Es sind Phasen, das weiß ich wohl. Und es wird sie wieder geben, auch wenn ich jetzt schon sage, dass ich ankomme. In aller Vollkommenheit bin ich das noch nicht und werde es vielleicht auch nie. Wer weiß. Doch solange ich mich bewege, lebe ich. Solange ich lebe, geht es mir gut. Und wenn ich dann noch geniale Einfälle habe, wie man um fünf Ecken im Dunkeln einen Schlauch verlegt, wo man nicht rankommt, dann bleibt nur der Gedanke: „Ich bin unbezahlbar.“ In einer Freundschaft bin ich wirklich unbezahlbar. Und ich liebe es.
Vor Jahren fragte mich jemand am Flughafen, ob ich Student sei. Es war weniger eine Frage, als ein Vorwurf. „Das merkt man, Studenten sind so wenig praktisch veranlagt.“ Doch ich habe in den letzten Wochen und Monaten der Renovierungsarbeiten bei unterschiedlichen Freunden bewiesen, dass ich praktisch veranlagt bin. Schon vor Monaten dankte ich meinem Vater dafür, dass ich so viel von ihm lernen durfte, dass er mir Dinge auf eine so selbstverständliche Art erklärt hat, dass ich mich nie belehrt fühlte. Ich weiß, dass er das Gefühl hat, mir nicht das Wasser reichen zu können, doch ich möchte ihm zu verstehen geben, dass vieles, was andere an mir bewundern, von ihm kommt. Dass er auf seine Art viel beigetragen hat und ich ihm dankbar dafür bin.

04.05.2013 um 15:04 Uhr

Endlich wieder allein

von: indalo

Irgendwas möchte ich schreiben. Doch was? Wo soll ich anfangen, wo soll ich aufhören? Wer bin ich und was will ich? Erinnerungen geistern mir durch den Kopf. Die Gegenwart ist auch präsent und die Träume der Zukunft nehmen sich genauso ihren Raum.

Die letzten Monate waren lang und anstrengend. Und plötzlich waren sie vorbei. Ganze drei Monate hatte ich Besuch. Das konnte man schon nicht mehr Besuch nennen, das war schon ein Zustand. Der Zustand sollte einen Monat andauern, dann zwei und plötzlich wurden es drei. Und beinah wären es noch mehr geworden, doch ich machte mehrmals deutlich, dass heute ein genauso guter Tag zum Ausziehen ist wie der morgige. Und es wurde verstanden. „Wenn du heute nicht rüber gehst und anfängst, deine Wohnung wohnlicher zu machen, wirst du morgen noch immer am gleichen Punkt stehen.“ Ich durfte alleine schlafen. Nach genau drei Monaten. Am Ersten des Monats begann alles, am Ersten eines anderen Monats endete es. Wie es dir damit geht, kann ich nur erahnen. Du bleibst tapfer. Doch wieder einmal scheint mir tapfer genau das Wort zu sein, welches ja wiederum beinhaltet, dass es einen Grund gibt, tapfer zu sein. Mir geht es gut. Die erste Nacht allein war ein Segen. Die zweite zerstörten meine Nachbarn und die dritte wurde von Ohropax gerettet. Und jetzt bin ich hier. Habe den Freiraum mir die Zeit zu nehmen, Texte zu lesen. Mich auf den neuesten Stand zu bringen und meine Gedanken schweifen zu lassen. Es wurde Zeit, dass du ausziehst. Denn es wurde Zeit, dass ich mein Leben zurück bekomme. So schön es auch war, so wenig ist es eben doch mein Leben. Ich habe mich vor Jahren dagegen entschieden, mein Leben auf diese Art mit dir zu teilen. Letztlich war es auch nie eine Entscheidung, es war einfach so. Und das aus gutem Grund. Ich fühle mich mir selbst näher, wenn ich allein bin. Und gestern diesen Spruch wieder zu lesen… One day, someone will walk into your life and make you see why it never worked out with anyone else. Genau.

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Eines nachmittags rief ich die Feuerwehr (und hing drei Minuten in der Warteschleife um mir dann erzählen zu lassen, ich sei bei der falschen Wache, man verbindet mich dann mal mit nem anderen Bundesland), eines morgens wurde ich darüber informiert, dass einer unserer Kunden Selbstmord begangen hat (und ich kann immer noch nicht sagen, wie es mir an diesem Tag ging, unter anderem da jemand fragte, warum nicht ich es gewesen bin), und eines abends buchte ich ein Wochenende im Zelt in der Großstadt. Ich glaube, ich konzentriere mich nur auf das Positive. Alles andere verliert an Bedeutung. Den Feiertag Mitte der Woche nutzte ich für einen Spaziergang von fünfundzwanzig Kilometern und muss sagen, das tat richtig gut. Sonne, blauer Himmel und ein Eis. Ich bin gewappnet für den Sommer. Denn auch den Plan setzte ich endlich in die Tat um. Mein Flug ist gebucht, die Strecke festgelegt und die Ausrüstung gekauft. Ich mache mich auf den Weg und lasse mein Leben mit anderen hinter mir um mir und meinem Leben wieder näher zu kommen.