indalo

30.10.2013 um 19:41 Uhr

Steuerbescheid

von: indalo

Es ist unglaublich. Alle meckern, meine Kollegen sitzen regelmäßig neben mir am Rechner und fragen, wie lange es bitteschön dauern kann, ihre Steuererklärung durchzuarbeiten und ich bekomm innerhalb von zwanzig Tagen meinen Bescheid. Am zehnten diesen Monats hab ich meine Steuererklärung abgegeben und heute halte ich schon den Brief in den Händen.

Mein erster Gedanke: „Ich hätte lieber Post vom Bafögamt.“ Und mein zweiter Gedanke nach dem Öffnen des Briefes: „So nen Stundenlohn hätte ich gerne für all meine Tätigkeiten.“ Sicherlich hab ich mir viele Tage damit um die Ohren geschlagen. Keine Nächte, immerhin. Aber viele, viele Tage. Im Grunde meines ganzen letzten Urlaub. Doch es ist wie bei den Baföganträgen. Der erste ist der schwerste. Ich glaube, die nächste Steuererklärung wird einfacher. Insofern werde ich mich demnächst daran machen um sie dann auch noch in diesem Jahr abzugeben. Nicht mehr diesen Monat, das wird zu knapp, aber doch schon im nächsten Monat. Sobald wie möglich eben.

Doch eine Frage hab ich dazu noch an meinen Vater: Wann gehen wir von der Rückzahlung essen?

29.10.2013 um 20:29 Uhr

bewusst leben

von: indalo

Schon seit letzter Woche versuche ich, bewusster zu leben. Immer mal wieder hinterfrage ich manches, doch jetzt hat mich ein größerer Rappel erwischt. Ich möchte Dinge, die ich tue, bewusst entscheiden. Nicht immer nur etwas machen oder tun. Mein Leben ist ganz nett, es lebt sich gut, doch es ist unglaublich anstrengend. Ich stelle immer wieder fest, was ich alles nicht schaffe. Und wenn ich so diese Listen vor mir herschiebe, frage ich mich, warum ich das eigentlich tue. Was tue ich stattdessen?

Wenn ich eine volle Stelle habe, sollte nebenbei ein Leben möglich sein. Sonst ist es falsch, hundert Prozent zu arbeiten. Dennoch habe ich das Gefühl, kein richtiges Leben zu haben. Vor ein paar Jahren hatte ich ziemlich viel Freizeit, sogar so viel, dass ich Spiele spielte. Das fehlt mir jetzt. Ich komme nicht dazu, mich mit Freunden zu treffen um Spiele zu spielen. Eigentlich holen wir nur das verpasste nach. Man hangelt sich von einem Termin zum nächsten. Und das kann’s nicht sein.

Also versuche ich jeden Tag, wenn ich nach Hause komme, mich zu fragen „Warum machst du das jetzt?“ Denn in den letzten Wochen hab ich beobachtet, dass ich mir im Schnellverfahren etwas zu essen machte und dann vorm Computer oder genauer vor irgendner Serie saß. Ist doch praktisch, beim Essen ne Serie gucken, zwei Fliegen mit einer Klappe. Doch es ist anstrengend, zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Ich sollte bewusst essen. Mich hinsetzen und die Ruhe genießen. Warum lasse ich nebenbei etwas auf mich Einrieseln, wenn ich doch gerade in meinem Job täglich mitbekomme, dass uns das unglaublich viel Energie kostet. Also versuche ich jetzt, das zu lassen. Es gelingt mir nur selten. Denn die Gewohnheit ist ein starker Gegner. Doch ich muss lernen, meine Energie sinnvoll einzusetzen und nicht das tausendste Mal Freecell zu spielen, was ich nur mache, weil ich es unterfordernd finde, ne Serie zu gucken. Sicherlich kann ich dabei gut abschalten, doch immer nur sein Leben und seine Gedanken abzuschalten, bringt einen auch nicht weiter. Sobald der Clip zu Ende ist, prasseln die zig zu erledigen Dinge wieder auf mich ein.

Und so nehme ich mir vor, mich anzustrengen um mich weniger anstrengen zu müssen. Nicht zum neuen Jahr, nicht, weil sich irgendwas geändert hat, sondern weil ich jetzt eine Notwendigkeit und womöglich auch eine Möglichkeit sehe. Man muss es nur wollen…

27.10.2013 um 09:16 Uhr

Mitarbeiteressen

von: indalo

Spending time with the kids is not the consolation price, it is the price.

Sicherlich hab ich schon oft festgestellt, dass manch eine Serie mich auf eine emotionale Achterbahnfahrt schickt – doch sollte ich es deswegen lassen? Es lässt mich manches sehen, worüber ich vorher nie nachgedacht habe. Manches seh ich aus anderem Blickwinkel und vielleicht auch das ein oder andere durch den falschen, doch es erinnert mich gerade wieder daran, dass manches nicht geklärt ist. Dass vieles nicht vergessen ist. Es liegt in der Luft, immer wieder. Und Aussagen wie „Vielleicht hat er sie mal an der richtigen Stelle getroffen.“ sind nicht nur fies, sie sind unter aller Sau. Denn schlagen geht einfach mal gar nicht. Und darüber scherzen noch weniger.

Gestern bediente ich auf einer Veranstaltung, auf der ich letztes Jahr schon arbeitete. Mit meinem Bruder. Ich vermied es am gestrigen Abend, meinen Bruder auch nur zu erwähnen. Ich wollte keine familiären Verwicklungen. Doch als nach dem Namen des Mannes mit blauem Hemd gefragt wurde und ich ihn nennen konnte, kam die Frage auf, zu wem ich gehöre. „Zu ihm“ war die einzig mögliche Antwort. Doch was soll ich auf die direkte Frage nach der Verbindung antworten? Er ist nicht mein Vater. Er war es nie. Er ist der Mann meiner Mutter und nie etwas anderes gewesen. Jetzt ist er nicht einmal mehr als das. Auf dem Papier, aber nicht im Leben. Da der Satz „er ist der Mann meiner Mutter“ falsch wäre, und ich in dieser Runde nicht davon sprechen wollte, dass er sich scheiden lässt, konnte ich mir nur mit der Bezeichnung Stiefvater helfen. Doch auch das fühlt sich dermaßen falsch an. Doch noch viel falscher war es, dass meine Gesprächspartner mit fortschreitender Stunde nur noch von Vater sprachen. Es waren seine Leute, weshalb ich ihn nicht bloßstellen wollte, aber es fühlte sich auch falsch an, „es über mich ergehen zu lassen“. In meinen Kreisen hat er nur den Titel „Mann meiner Mutter“ und jetzt eben „Exmann meiner Mutter“. Doch in seinen Kreisen soll er entscheiden, wer ich bin. Das Kind meiner Mutter für diejenigen, die meine Mutter kennen. Doch für die anderen?

Noch letzte Woche versuchte meine Mutter Befürchtungen bezüglich des gestrigen Abends in meinen Kopf zu pflanzen. Vergeblich. Kurz davor warf jemand anders den Gedanken auf, er würde betrunken Autofahren, wenn er mich nach Hause bringt. Ich kam vorher nie auf die Idee – trotz seiner Vorgeschichte. Wie konnte dieser Mann zu dem ich ein gewisses Grundvertrauen habe, nur soweit gehen, dass sie ihn anzeigte? Wie konnte er entgegen meiner Einschätzung so handeln? Wie, ja, wie schafft sie es, dass ihr nahe stehende Menschen ihretwegen aggressiv werden?
Wie kann es sein, dass sie mir in aller Seelenruhe erzählt, dass meine Tante zu ihr sagte: „Nur damit das klar ist, wenn du vor einem Jahr verblutend vor meiner Tür gelegen hättest, hätte ich die Tür zugeknallt und dich verrecken lassen.“ Wie kann es sein, dass ich mir das völlig entspannt anhöre, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken und wir beide wissen, dass es so gewesen wäre. Wieso muss man so etwas sagen, wenn es doch allen Beteiligten klar ist?

Und warum in aller Welt wundere ich mich so selten über das, was sich meine Familie nennt?

22.10.2013 um 18:07 Uhr

Mein Patenkind

von: indalo

Ein verpasster Anruf auf meinem Handy. Als ich sah, wer es gewesen ist, dachte ich mir schon grinsend, worum es gehen könnte. Also rief ich gut gelaunt zurück und fragte, was ich für sie tun könne. Ja, hallo, blabla. Was ich denn am ersten Dezember täte. Nichts, das Datum sagt mir zumindest noch nichts. Es sei ein Sonntag. Meine Vermutung verfestigte sich. Und dann ging es ums Patenamt. Ob ich wollen würde. Doch statt eines einfachen Jas gab ich einen Konditionalsatz von mir. Denn wenn sie bei der Patenschaft Wert auf den religiösen Kram legen, dann bin ich dafür falsch. Wenn sie nur alles andere wollen, denn bis auf die religiöse Bildung bin ich für jeden Scheiß zu haben, dann Ja, sehr gerne. Sie beschwerte sich über den ersten Teil des Satzes, da er nicht zum zweiten passen würde, doch das stimmt nicht. Ich befürworte jede Patenschaft, nur werde ich nicht etwa eine religiöse Meinung vertreten.

Mein Austritt aus der Kirche war eine bewusste Entscheidung. Denn schon da beschäftigte ich mich mit Traubezeugungen und Patenschaften. Ersteres ist unabhängig von der Religion, zumindest im Christentum, letzteres hat strengere Regeln. Ich überlegte, ob ich für jene Feste in der Kirche bleiben soll – doch wozu? Wenn es das ist, was die Eltern wollen, dann biete ich es ohnehin nicht. Außerdem gleiches Recht für alle, wenn ich bei der einen Freundin nicht darf, wäre es unfair, mir das Recht bei anderen zu „erkaufen“.

Letzte Woche fragte sie, ob ich noch in der Kirche sei. Ich verneinte. Später zettelte ich doch ein Gespräch an, da ich klarstellen wollte, dass es auch ohne geht. Ohne Papier, ohne Urkunde. Und scheinbar hab ich überzeugen können. Und nun hab ich ein Patenkind. Zumindest aus meiner Sicht, auch wenn die Taufe noch ein wenig dauert. Das ändert nichts. Das Kind existiert und macht mich jetzt schon glücklich, dann kann es doch auch jetzt schon mein Patenkind sein.

17.10.2013 um 21:26 Uhr

personifzierte Provokation

von: indalo

Als wir telefonierten und du mir all diese Fragen stelltest, gab ich dir keine Antwort. Ich möchte dir keine Antwort geben, und doch hab ich eine. Für mich. Dir wird meine Antwort nicht weiterhelfen, nicht jetzt. Sie würde dich nur verletzen. Ich will dich damit nicht verletzen, und doch fände ich es gut, wenn du verstehen würdest. Also sollte ich dir eine Antwort geben?

Beim nächsten Telefonat wolltest du von mir eine Aussage dazu. Zu allem. Ich meinte nur, dass ich nichts dazu zu sagen habe, ich hab zu viele Fragen. Ich sollte sie stellen, was ich auch tat. Du versuchtest mir Antworten zu geben, doch ich konnte nur weiter schweigen. Deine Antworten brachten mich nicht weiter, ich verstehe es einfach nicht.

Wieso tut man sich das an? Wieso hast du dir das so lange angetan? Aus Liebe? Wie kann das Liebe sein? Wie kann man jemanden so behandeln, wenn man liebt?
Auch das fragtest du mich. Wie kann man so werden, wie kann man nur so blind hassen. Wie? Ich verrate dir wie: Indem man liebt und nicht zurückgeliebt wird. Indem man liebt und lieben möchte, doch jeden einzelnen Tag daran gehindert wird. Indem man geliebt hat und nur getreten wurde. Dann irgendwann, wenn man zu schwach ist, sich selbst zu helfen, auf sich selbst aufzupassen, dann muss man hassen. Und dann kann man hassen. Dann kann man entgegen aller anderen Charaktereigenschaften ein hundsmiserabler Mensch werden. Und ich habe dir jetzt zweimal dabei zu gesehen, wie du einem anderen Menschen genau das angetan hast. Streit ist gesund? Solange man streitet, interessiert man sich füreinander? Ja, Auseinandersetzungen sind besser als Ignoranz, das schon, aber dennoch kann es auch ohne Geschrei, Pöbelei und ständiges Provozieren gehen. Es muss so gehen. Und ich würde dir gerne zeigen, dass es möglich ist. Ja, das ging mir durch den Kopf. Du musst noch so lange leben, dass ich dir zeigen kann, dass es anders geht. Dass Liebe möglich ist ohne diesen ganzen Mist, den du mir so viele Jahre vorgelebt hast.
Er war anders. Er war ein anderer Mensch. Er und ich, wir haben die Rollen getauscht. Als er einzog und ich auszog, wurde er zu dem, was ich war und ich konnte zu dem werden, was ich sein wollte. Ein guter Mensch ohne Hass. Das war er auch, vorher. Vor dir. Zumindest soweit ich das einschätzen konnte.

Alles, was du ihm vorwirfst, hast du genauso gemacht. Nur zuerst. Und das habe ich dir gesagt, mehrmals. Immer wieder sagte ich am Telefon „Das hast du auch gemacht.“ oder „Du hast nichts anderes getan.“ Doch du verstehst mich nicht. Es ist alles was anderes, aus deiner Sicht. Für dich ist immer alles anders. Ich will dich nicht schlecht machen, es steht eindeutig fest, dass er aus meinem Leben verschwindet und du bleiben wirst. Daran werden auch keine seiner Worte etwas ändern, das ist meine Entscheidung. Und doch möchte ich es gesagt haben. Denn du bist die personifizierte Provokation. Doch ich lasse mich nicht mehr provozieren. Und das Umlegen dieses Schalters hast du bemerkt, noch bevor es mir bewusst wurde, dass das der Moment war.

15.10.2013 um 18:09 Uhr

Was es mit mir macht

von: indalo

Weißt du eigentlich, was du mir da gerade antust? Weißt du, wie es mir damit geht?

Das interessiert dich auch nicht, nicht wahr? Denn ich frage auch nicht, wie es dir geht. Und trotzdem erfahre ich es. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, ich habe das nicht gelernt, und ich möchte es auch nicht lernen.
Du möchtest mit deinen Freunden nicht reden, weil deine Gedanken sich nur um dieses ganze Drama drehen. Du möchtest sie damit nicht zutexten, aber mich? „Dafür sind Freunde doch da.“ sagte ich. Für dich war das der Anlass, loszureden. Mir noch mehr zu erzählen. Mir zu erzählen, dass er dich angegriffen hat, geschüttelt hat, dich zu einer Unterschrift gezwungen hat und dann grinsend meinte „Na, jetzt hab ich sie ja.“ Das musstest du mir erzählen? Das muss ich mir anhören? Vorstellen? Ich möchte das nicht. Ich möchte nicht die unterschwelligen Vorwürfe. Und ich muss es mir auch nicht anhören, denn du bist diejenige gewesen, die mir vor vielen, vielen Jahren unmissverständlich klar gemacht hat, dass wir keine Freunde sind. Mütter und Kinder können keine Freunde sein. Das waren deine Worte. Ich habe schon damals widersprochen, aber wenn du das so siehst, kann ich nichts dagegen tun. Dann können wir keine Freunde sein. Und doch soll ich jetzt für dich ein Freund sein? Mir das anhören, was du deinen Freunden nicht erzählen kannst? Weil es mit Scham zu tun? Und bei mir gibt es keine Scham mehr, nicht wahr? Denn ich war das letzte Mal live dabei. Ich war das letzte Mal das Schutzschild zwischen dir und deinem Ex. Ich musste zu Hause bleiben, weil du nicht mit ihm alleine sein wolltest. Du hast echt keine Ahnung, was du mir in meinem Leben schon alles angetan hast. Und du wirst es nie verstehen.

Ich konnte nur erwähnen, dass das doch ein Grund ist, ihn anzuzeigen. Und dann erzählst du mir, dass du das schon getan hast. Dass du jetzt verängstigt zu Hause sitzt, weil du nicht weißt, wann er von der Anzeige erfährt und bei dir vor der Tür steht. Was willst du mir damit sagen? Soll ich vorbei kommen und wieder das Schutzschild spielen? Der Spielball sein, den ihr euch zuwerft? So wie früher?

Nein, das bin ich nicht. Ich bin für dich nicht mehr als dein Kind, und ich sage das sehr bewusst so. Denn du hast damals klargestellt, dass wir keine Freunde sein können. Ich weiß nicht mehr, worum es geht, es brannte sich nur in meinen Kopf, dass wir keine Freunde sein können, niemals. Und seit du mir von seinem Auszug erzählt hast, seit du wieder so widerlich vulgär geworden bist, möchte ich dir genau das an den Kopf werfen. Dass das zwar traurig ist, mit mir aber nichts zu tun hat, denn wir sind deiner Entscheidung nach keine Freunde. Warum sollen wir es jetzt werden? Jetzt, wo es dir zu Gute kommt? Warum soll ich alles vergessen, jetzt, wo ich mich um dich kümmern soll? Ich habe dir nichts dergleichen gesagt, ich versuche ruhig zu zuhören und gelegentlich zu reagieren, doch gerade merkte ich, was das alles mit mir macht. Dass es etwas mit mir macht, und ich nicht verstehe, was es ist und wo es herkommt. Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.

Oh, hätte ich doch bloß vor dem Telefonat etwas festgehalten. Dieses wohlige Gefühl, welches ich noch hatte. Dieses Dauergrinsen, welches mein Kollege mir beschert. Dieses Schmunzeln, diese amüsierenden Fragen, das Unbekannte. Es wäre ein schönerer Eintrag geworden.


Ich fühle mich zurückversetzt in meine Kindheit. In eine der furchtbarsten Zeiten meines Lebens. Damals, als die Formulierung „Meine Welt bricht gerade zusammen“ es am Besten traf. Nur gut, dass meine Welt schon lange eine andere ist. Doch die Erinnerung, die bleibt.

14.10.2013 um 17:22 Uhr

Kollegenumarmungen

von: indalo

Da spazierte ich heute morgen im Dunkeln mit viel zu wengi Schlaf zur Arbeit und mir ging’s richtig gut. Irgendwie war die Kälfte angenehm, die Dunkelheit beruhigend. Am Fuße des Berges überholte mich auf der anderen Straßenseite ein singender Fahrradfahrer, den ich doch glatt als Kollegen ausmachen konnte. Noch vor Ende des Berges hatte ich ihn eingeholt und wir quatschten die letzten Meter. Ein schöner, ruhiger Start.

Dann ging ich meinen Beschäftigungen nach und lief nem Kollegen übern Weg, für den ich was hatte. Er umarmte mich spontan und ich nahm’s an. Nicht hin. Genau genommen öffnete er nur seine Arme und strahlte mich an, wie süß. Ein paar Stunden später entdeckte ich einen Kollegen, der längere Zeit krank war und konnte nicht anders, als ihn anzustrahlen. Es ist schön, ihn wieder zu sehen, und es noch schöner, dass er zu mir kam um mich zu begrüßen, ja gar zu umarmen. Wurde ich schon von Kollegen umarmt? Ich glaube schon, aber zwei an einem Tag noch nicht. Und so unterhielten wir uns und es war irgendwie schön. Ich freue mich, dass er wieder da ist. Über die Maßen. Erstaunlich, weil ich ihn so gar nicht brauche, und heute womöglich den Eindruck erweckte, dass ich mich so freue, weil ich jetzt nicht mehr seine Arbeit machen muss. Denn die letzten Monate habe ich unentgeltlich seinen Job gemacht, das ist jetzt vorbei. Doch ich muss sagen, dass es damit überhaupt nichts zu tun hat. Im Gegenteil, was das angeht bräuchte er gar nicht wiederzukommen. Und doch freu ich mich so sehr.

Und besonders schön war auch heute jene Kollegin, die unterschwellig aufgebracht zu mir kam um Dampf abzulassen. Einfach so, während der Arbeitszeit. Sie schien das echt zu brauchen und ich konnte die nächsten Stunden nur immer von einem Ohr zum anderen Grinsen, wenn ich daran dachte.

Ich arbeite gerne dort. Ich mag meine Kollegen. Ich mag sie sogar umarmen.

10.10.2013 um 18:05 Uhr

Baby kuscheln

von: indalo

Nachdem ich heute meine Steuererklärung abgegeben habe, spazierte ich an einer Bäckerei vorbei, nahm n Franzbrötchen und n Apfelkuchen mit und radelte übern Deich zur neuesten Mutter meines Freundeskreises. Einfach so. Sie begrüßte mich, hatte schon n Glas und Wasser bereitgestellt und wickelte die Kleine gerade. Dann drückte sie mir die Kleine in die Hand und machte für sie etwas zu essen. Gefüttert hat sie sie selbst doch direkt danach drückte sie mir den Zwerg wieder in die Arme. Einfach so. Sie fragte gar nicht, sie redete eher mit der Kleinen, dass sie ja mich jetzt beschäftigen könne. Als ich mich zurücklehnen wollte, meinte Mama, dass die Kleine das nicht möge, sie möchte spazieren getragen werden. Doch ich nahm sie auf den Arm, ließ sie meinen Herzschlag spüren und sie kuschelte sich einfach an. Einfach so. Und dann saß ich da und hatte sie auf dem Arm. Mal drehte sie den Kopf nach links, mal nach rechts. Und ich fühlte mich nicht beobachtet von Mama, Mama guckte einfach nur zu, mit völligem Vertrauen. Und so kuschelte dieser nicht mal dreiwöchige Zwerg mit mir. Oh war das schön. Sie gab die ganze Zeit irgendwelche Geräusche von sich, das kenne ich von dem anderen Baby nicht. Sie sind so unterschiedlich, und ich komme nicht umhin, sie zu vergleichen. Was aber nichts daran ändert, dass ich beide unheimlich süß finde und nichts lieber täte, als sie den ganzen Tag zu kuscheln. Als die Mama mich wieder rausschmiss, radelte ich freudestrahlend den Deich entlang. Es gibt Dinge, die verschönern jeden Tag, ganz egal was sonst passiert. Mein Tag war ganz normal, doch den Fahrtwind im Gesicht, wusste ich, dass nichts mehr diesen Tag vermiesen könnte. Ich hab mit der Kleinen gekuschelt. Sie hat ihren kleinen Kopf an mich geschmiegt und selig geschlafen. Einfach so.

09.10.2013 um 23:31 Uhr

Trampolin

von: indalo

Heute ist mein Trampolin angekommen. Ja, ich habe ein Trampolin. Warum? Weil’s geht.

Neulich, genau genommen letzte Woche, hing ich so auf einer Internetseite ab, auf der ich mich immer mal wieder gerne rumtreibe, weil es so viele schöne Dinge gibt. Ich bin definitiv kein Shoppingmensch, aber seit ich Geld verdiene, kauf ich mir schon die ein oder andere Sache. Und während ich mir da n Pullover zum Laufen suchte – seit zwei Jahren glaube ich an Funktionswäsche – stolperte ich über ein Trampolin. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wie teuer so etwas sein könnte, da ich mich nie ernsthaft mit der Anschaffung beschäftigte. Doch als ich es da so sah und den Preis verarbeitete, dachte ich so bei mir „Warum nicht?“ Ja, warum denn auch nicht. Denn als Kind hab ich Trampoline geliebt und hätte bestimmt gern eins gehabt. Und jetzt besitz ich eins. Einfach so. Es steht in meinem Wohnzimmer und ich freu mich n Keks. Einfach so.

06.10.2013 um 20:28 Uhr

Ein kuscheliger Abend

von: indalo

Es wird nie aufhören, nicht wahr? Du und ich, das wird kein Ende finden, stimmt’s? Es ist gar nicht so, dass ich es möchte, dass ich darauf warte, dass es aufhört. Es ist nur immer wieder die erneute Erkenntnis, dass deine braunen Augen mich immer mal wieder so ansehen werden. Dass ich mich grinsend über deine Locken freue und jetzt auch noch das dunkler eingerahmte Gesicht bewundere. Du bist mir wichtig, doch da ist noch mehr. Da ist dieser Blick in die Augen, der mich nicht loslässt. Dein Grinsen dazu und gestern mal wieder die Frage „Was?“ Bin ich es gewesen? Hab ich angefangen dich anzusehen? Ich glaube ja, dass du es warst, dass ich deinem Blick auswich und als ich doch von ihm gefangen wurde, du nicht wegschautest. Warum nicht? Und warum fragst du dann „was?“?

Gestern war ein schöner Abend, ein kuscheliger Abend. Ich bin kuschelbedürftig und kann es meinen Freunden zeigen. Ich kann mich an sie kuscheln, ob Mann oder Frau, und es genießen. Manch einer ist weicher als manch anderer. Weich kuschelt sich einfach besser, doch erstaunlich bleibt bei all dem Körperkontakt, dass ich das bei dir nicht kann. Vielleicht wird es noch kommen, vielleicht werden auch wir noch miteinander kuscheln, doch für den Moment begeistert mich schon, dein Gesicht streicheln zu können. Meine Wange an deiner zu reiben ohne mir dabei etwas zu denken. Das tut gut, wir machen Fortschritte. Und ich möchte, dass du nie aus meinem Leben gehst. Denn diese kleinen Momente sind sagenhaft.
Für dich auch?

04.10.2013 um 16:27 Uhr

Ich bin schnell

von: indalo

Heute morgen rief ich beim Bafögamt an. Mir wurde gestern echt ganz anders, denn meine Reise wollte ich schuldenfrei antreten. Das geht für mich einfach nicht. Und so klingelte es heute früh bei denen auf dem Amt. Von zehn bis zwölf ist Sprechzeit, und ich versuchte es eine Viertelstunde nach Beginn. Gleichzeitig rief man mich an, weshalb ich nach einer Minute klingeln lassen dann doch auflegte. Am anderen Ende hörte ich die Stimme einer Freundin, der ich gestern schon schriftlich mein Leid klagte. Sie weiß, dass Schulden mir nicht gut tun. Heute morgen begegnete sie meiner aufgebrachten Stimmung nur mit einem „Du bist so süß“, als ich meinte, dass sie mich gerade davon abhält, stundenlang das Telefon beim Bafögamt klingeln zu lassen. „Nein.“ war alles, was ich dazu sagen konnte. Ich find mich gar nicht süß, schon gar nicht wenn mich etwas dermaßen ärgert. Beim zweiten Versuch ging doch tatsächlich jemand ans Telefon, zwar erst als ich schon nicht mehr daran glaubte, aber immerhin. So hatte ich auch mal wieder Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, dass ich telefonieren nicht mag und alles lieber schriftlich mache. Denn was und wie erzähle ich der Person am anderen Ende?

Irgendwie verstand mich der Mann am andern Ende erstaunlich gut, dafür dass er so langsam war. Denn ich bin schnell. Damit meine ich nicht laufen, sondern reden, denken, handeln. Und der Typ am Telefon war langsam, seeehr langsam. Geschwindigkeiten kann man anpassen, aber mein Tempo bekam ich trotz halbwegs ruhiger Gemütslage nicht auf seines abgebremst. Himmel, jetzt auch noch dafür Geduld aufwenden. Doch oh Wunder - ich traute meinen Ohren kaum - schienen die Worte „denn dann bin ich im Ausland“ mir Tür und Tor zu öffnen. Vorher war er sehr ablehnend und dachte womöglich bei sich „noch jemand verrücktes, der Geld loswerden will“. Doch Tatsache, er meinte es ernst. Wenn ich ins Ausland gehe, dann kann ich einen Antrag stellen, dass ich das Geld zurückzahlen möchte bevor ich das Land verlasse. Warum nicht gleich so?!

Als ich meinem Vater, der heute die letzten Lampen an die Decke schraubte und die Übergangsleiste zur Küche verlegte (nachdem ich schon länger als ein Jahr hier wohne…), von dem Telefonat erzählte, meinte er ich wäre dreist von Ausland zu reden. Ein hinterhältiger Trick sei das. Eines Tages wird er erfahren, dass das die blanke Wahrheit war und keineswegs ein Trick. Aber erst, wenn die Zeit dafür reif ist.

Und so kann ich vielleicht heute Nacht besser schlafen als die letzte Zeit. Denn irgendwie frage ich mich, ob ich mit dem Laufen gehen auch vor irgendetwas weglaufe. Ich schlafe schlecht, entwickle eine komische Art von Paranoia, die ich hinter mir glaubte, und bin dauermüde. Einer Freundin schrieb ich heute, dass mir die Decke auf den Kopf zu fallen scheint. Doch warum, das versteh ich nicht. Ich finde keine Ursache für die verwirrenden Träume und das Lange-wach-liegen mitten in der Nacht. Die Paranoia hab ich womöglich geschürt, als ich am Sonntag im Dunkeln im Wald meine Runde drehte. Doch ich sollte in der Lage sein, mir nichts dabei zu denken. Normalerweise. Also was ich los? Bin ich (wieder) für mein Leben zu schnell geworden?

03.10.2013 um 22:20 Uhr

Der Bafögirrglauben

von: indalo

Krise, aber sowas von. Bafög ist ne schöne Sache und ich bin dankbar, dass mir dadurch ein Studium ermöglicht bzw. erleichtert wurde. Gerade darum bin ich ja auch sehr dafür zu haben, meinen Teil wieder zurück in die Kasse zu zahlen. Doch warum in aller Welt muss ich dafür laaange fünf Jahre warten? Das nervt mich ja schon seit vor meinem Abschluss. Und das ist nun schon ein paar Jahre her. Ich würde nicht behaupten, diese Jahre tapfer überstanden zu haben. Vermutlich verging nicht ein einziger Monat ohne den Gedanken daran, diese Schulden begleichen zu wollen.
Mittlerweile habe ich mein Leben darauf ausgerichtet, dies dann fünf Jahre nach Abschluss zu tun. Ich habe meine Auszeit so gelegt, dass sie direkt im Anschluss an die Rückzahlung liegt, denn ich habe vor, alles auf einmal zurückzuzahlen. Ein Plan, der schon längst gesichert ist. Doch jetzt, aufgescheucht durch eine Handyerinnerung die ich mir vermutlich während der Wanderung schrieb, beschäftigte ich mich mal wieder mit diesem Thema. Adressänderung war das Stichwort. Vermutlich hab ich sie schon geändert, doch zur Sicherheit bekommen sie gleich noch mal meine aktuelle Adresse. Da möchte ich schließlich gegen kein Gesetz verstoßen.
Und während ich das alles raussuchte, stolperte ich über den Rückzahlungsrechner, der vielversprechendes ausspuckt. Vermutlich muss ich weniger zurückzahlen als das worauf ich mich einstelle. Doch ich bleibe dabei mich auf die größtmögliche Summe einzustellen. Viele, viele Tausender werden von meinem Konto gehen. Das werde ich verkraften, nur wird die Zeit bis dahin schlimm werden. Ich hasse Schulden, so richtig sehr. So sehr, dass ich nicht etwa einen Rabatt für besonders gute Leistungen beantragen möchte, sondern einen für zusätzliche psychische Belastungen. Denn als solches empfinde ich diesen Aufschub. Ein oder zwei Jahre reichen doch.
Aber viel schlimmer, bzw. Anlass dieses Eintrags war die Erkenntnis, dass ich einem Irrlgauben erlag. Die wenden sich nicht etwa fünf Jahre nach Abschluss an einen, sondern fünf Jahre nach Förderungshöchstdauer. Da ich meinen Abschluss ganze neun Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer machte, bedeutet das weitere neun Monate warten. Womöglich hätte ich auch das noch verkraftet, wenn das nicht damit einhergeht, dass das alles während meiner Auszeit passieren wird. Ich werde nicht in Seelenruhe reisen können, es wird mich weiter plagen. Verdammt, ich will diese Schulden loswerden. Wie schaff ich das bloß?

02.10.2013 um 17:51 Uhr

Halbmarathon

von: indalo

Heute bin ich mehr oder weniger spontan einen knappen Halbmarathon gelaufen. Oder ist es einfach spontan, wenn zwischen dem Gedanken und der Umsetzung nur ne halbe Stunde liegt? In den letzten zwei Monaten bin ich jede Woche laufen gewesen. Weil ich es wollte. Als ich es das erste Mal jemandem gegenüber äußerte, kam sofort die Frage: „Warum gehst du nur laufen, wenn du Stress hast?“ Ich widersprach sofort, damit hat das überhaupt nichts zu tun. Nein, ich mache das gerade, weil ich das möchte. Weil das Zeit für mich ist, die mir niemand nehmen kann. Zeit, die ich mir einfach nehme. Zeit, in der ich nicht erreichbar bin. Was mich heute ärgern sollte, vielleicht auch ein wenig tut. Denn heute wurde ich gleich vier Mal angerufen, während ich laufen war. Und das alles nur, wegen eines Eises. Doch das Wörtchen „nur“ ist so ein blöder Lückenfüller den niemand braucht. Denn es war nicht nur ein Eis, es war so viel mehr. Nach nur zehn Tagen zu Hause fällt ihr die Decke auf den Kopf. Sie ist frustriert, verzweifelt, traurig. Und heute wollte sie einfach mal raus, weg von zu Hause und mit mir ein Eis essen gehen. Es rührt mich zutiefst, dass sie mich dafür anruft. Und es tut mir ehrlich Leid, nicht da gewesen zu sein. Wieso predige ich so oft, immer für meine Freunde da zu sein, wenn ich es dann doch nicht bin, wenn sie rufen? Das ist heute wirklich blöd gelaufen. Dabei bin ich so gut gelaufen. Einen Halbmarathon, und ich kann es nicht würdigen. Heute morgen meldete ich mich für den Marathon an, nicht ungeplant, nur abwartend. Ich erzählte es noch keiner Menschenseele und weiß auch nicht, wann und wie ich das tun werde. Würde mir jemand zuhören?

Ich bin gar nicht frustriert, im Gegenteil, meine Freunde geben mir gerade unbewusst so viel Liebe wie lange nicht. Die eine lässt ihren Mann mir eine SMS schicken, damit ich vorbeikomme und mich um sie und ihre kranke Tochter kümmere. Ich. Ja, ich darf das. Die andere ruft mich an um mit mir ein belangloses Eis zu essen und die dritte möchte gleich spazieren gehen, vermutlich um über den neuesten Arzttermin ihrer Schwangerschaft zu reden.

Und ich? Ich habe das Gefühl zu versagen. Nicht alles zu schaffen, was ich möchte. Da freue ich mich wahnsinnig, Kinder in meinem Umfeld zu haben und bekomme schon jetzt das Gefühl, es nicht zu schaffen. Wie wird das erst, wenn das dritte Kind da ist? Dann geh ich ganz baden, denn die Eltern greifen mit Sicherheit gern auf mich zurück. So ohne Familie.

Dinge verändern sich, und das Leben ist ein Marathon. Die Hälfte ist noch lange nicht geschafft, und doch wird man müde. Wie kann ich ihr mit ihrem Neugeborenen helfen? Wie kann ich ihr ihre Verzweiflung nehmen? Und wieso möchte ich ihr jetzt erst die Frage stellen, ob sie überhaupt Kinder möchte?