indalo

30.01.2014 um 14:12 Uhr

Die Frau bei den Mülleimern

von: indalo

Wenn’s kommt, dann dick. Denn ja, meine liebe Kollegin erheitert mir weiter das Leben. Ich merke, wie sie mich anguckt, wie sie mich beobachtet und vor allem, wie sie mich immer wieder von einem Ohr zum anderen angrinst. Ich stehe irgendwo rum, unterhalte mich mit jemandem und fühle ihren Blick auf mir liegen. Ja, es schmeichelt mir auch, doch noch bin ich vielmehr in der Amusementphase. Es amüsiert mich zutiefst.

Und so schlenderte ich gemächlich nach Hause, vor mich hingrinsend, versteht sich von selbst. Als ich vom Parkplatz auf den Weg abbog und eine Frau am Mülleimer stehen sah, musste ich wieder an meine Freundin denken, die letztes Wochenende ne Frau geküsst. Ich kann einen gewissen Neid nicht von mir weisen, weshalb besagte Freundin mich fragte, ob sie mir so was nicht erzählen soll. Ach, das stört mich doch nicht, aber das heißt ja nicht, dass ich nicht auch will. Also möge sie mir weiter davon erzählen, das prägt meine Tage einfach noch mehr. Und so hat mein Kopf die lustigsten Gedanken gesponnen, ja, ich lebe in meiner eigenen Welt. So gingen die Gedanken von „Ich will auch mal wieder ne Frau küssen.“ über zu „Einfach zu ihr hingehen und sie fragen, ob sie was dagegen hätte, wenn ich sie küsse.“ Ich würde das nie tun – warum? Weil ich in diesem Land lebe und hier groß geworden bin. Bei uns ist Flirten und dergleiches kein Volkssport. So schlenderte ich an ihre vorbei und schloss die Haustür auf, als ich feststellte, dass sie mir folgte und womöglich ins gleiche Haus wollte. Da hielt ich ihr die Tür auf und sie strahlte mich an. Manchmal grinsen einen die Leute nicht an, sie strahlen direkt. Und das tat sie. So sehr, dass sie es nicht bei einem „Danke“ beließ, sondern mir noch einen schönen Tag wünschte. Obwohl ich schon ne halbe Treppe weiter oben war. Sympathisch die Frau.

29.01.2014 um 21:00 Uhr

Der Shirtaufdruck

von: indalo

„Weißt du eigentlich, was auf deinem T-Shirt steht?“ – „Ja *gg*“ – „Ich frag ja nur *gg*“
und wir gingen auseinander. Noch nicht, sie hielt mir noch die Tür auf und wartete auch schon bei der Tür zuvor darauf, dass ich durchgehe, um mir diese Frage zu stellen. Ich musste schmunzeln. Die nächsten zwei Stunden. Bis ich sie wieder sah und ihr dafür dankte, dass sie mir die Zeit erheiterte. Sie schlich schon vorher um mich herum, wartete wie gesagt darauf, mir die Tür aufzuhalten. Sie war aufmerksam und wollte wohl schon länger diese Frage stellen. Das schmeichelt mir und amüsiert mich. Dann fragte sie, warum mich das so erheiterte. Und ich stellte mich zu ihr und meinte: „Weißt du, ich hab mir das Shirt vor vielen Jahren gemacht und du bis die erste, die mich darauf anspricht.“ Ein Grinsen. „Ja, ich weiß, hier haben auch wenige eine Chance, aber ich war auch in anderen Ländern und niemand hat was gesagt.“ – „Die würden dich da auch nicht darauf ansprechen.“ – „Och…“ – „Ja gut.“
Und ich musste weiter grinsen. Setzte mich noch in die nächste Konferenz und stellte fest, wie sie mich des Öfteren beobachtete, mein Shirt angrinste und irgendwie einen Hang zu mir hat. Den hat sie schon eine Weile, doch jetzt könnte es verstärkt werden.

Ja, damit hat sie mir nicht nur die nächsten zwei Stunden versüßt, sondern den ganzen Tag. Was auch immer gerade in der Luft ist, es wirkt. Nicht nur bei mir. Da rief mich vorgestern ne Freundin an. Nichts sei los, wie immer. Doch nach einiger Zeit erzählte sie mir dann davon, ne Frau geküsst zu haben. Oh, was hab ich gegrinst. Damit hatte ich dann den Rest des Telefonats Spaß und als ich ihr gerade von meiner Verabredung am Freitag schrieb, kam  als Reaktion


verabredet? mit ner frau? ledig? […] nicht abgeneigt? wenn ja, nicht […]?
dann los - knutschen!! *g*


Und ich hab gelacht, laut. Sehr süß. Und ich konnte nur antworten

„Frau, ja. Sogar zwei. Ledig? Eine davon. Abgeneigt? Ich glaub nicht. Sie lächelt mich ständig an, lacht mit mir und kichert, sodass man es für Flirten halten könnte. Und ich könnt sie den ganzen Tag knutschen. Nein, nicht […], aber bei aller Liebe zu jung für mich. Sie ist noch nicht einmal ein Jahr alt...“

Ach, es geht mir gut mit all dem. Und meine Kollegin wird mir noch weitere Begegnungen versüßen. Eine Frau von Welt, wie ich heute erfuhr. Ich muss nur aufpassen, mich da in nichts reinzusteigern.

Danke, meine Liebe.

27.01.2014 um 20:09 Uhr

Empörung

von: indalo

Jetzt bin ich empört. Das war ich am Wochenende schon, doch  da war’s persönlich. Jetzt ist es eine Empörung gegenüber der Welt. Der Gesellschaft, der Medien, aber eben weltweit. Furchtbar.

Soeben las ich einen Artikel bei den Yahoo News – ja, ich gestehe, so sieht meine Bildung eben aus – und bin… ja, empört trifft es am Besten. Dieses komische koffeinhaltige Getränk macht gerne Werbung, rot mit weißem Schriftzug. Ich denke, es ist klar, wovon ich rede. Im Sommer gab es die Werbeaktion mit Namen auf den Flaschen und jetzt darf man virtuell zu einem solchen Getränk einladen und dabei die Dose personalisieren. Dies darf mit allen möglichen Wörtern geschehen, nicht aber mit dem Wort „gay“ oder „lesbian“. Stattdessen kommt eine, wie im Artikel beschrieben, peinlich berührte Antwort. Es gibt eine deutsche Übersetzung im Wortlaut „Lass uns annehmen, dass du das gerade nicht eingetippt hast.“. Ich kann irgendwie schlecht über den deutschen Ton urteilen, aber ist das peinlich berührt? Ich rege mich gerade über den englischen Satz "Oops, let's pretend you didn't just type that" auf. Das hat für mich rein gar nichts mit peinlich berührt zu tun, das ist einfach nur… arrogant? Überheblich? Dreist? Eine absolute Frechheit! Das Problem ist nicht, dass diese Wörter Adjektive sind, bzw. keine Namen, sondern der Sinn dieser Wörter ist verboten. Gleiches soll bei Schimpfwörtern passieren, nicht aber bei Adjektiven wie „happy“.
Meine ganze Aufregung basiert jetzt nur auf dem Artikel, ich selbst habe diese Maschine nicht ausprobiert, doch ich sehe auch keinen Sinn darin, so etwas zu behaupten, wenn es nicht stimmen würde. Da würde Yahoo in Teufelsküche kommen, besonders bei einem so großen Konzern. Daher glaube ich dem Inhalt. Und bin empört. Sei’s drum, die Werbung gilt der Winterolympiade, welche in Russland stattfindet. Aber im Ernst? Dieser Satz, der geht gar nicht. Der Umstand an sich auch nicht, aber dieser Satz empört mich zutiefst.
In welcher Gesellschaft leben wir hier eigentlich?
Und würde ich dieses Getränk je zu mir nehmen, so würde ich jetzt womöglich überlegen, damit aufzuhören. Gut, dass mir dieser Gewissenskonflikt erspart bleibt – ich mochte es noch nie.

Und meine persönliche Empörung des Wochenendes? Ich freue mich ja schon länger scherzhaft darüber, dass meine Mutter namentlich nicht mehr mit mir in Verbindung gebracht werden kann - etwas, das sie nicht weiß - doch dass sie peinlich berührt ist wegen der Dinge, die ich in meinem Umfeld von mir preisgebe (in Verbindung mit meinem Namen), löste doch irgendwie Entsetzen in mir aus. Vor allem da sie nur so lange empört war, bis sie feststellte, dass mein Nachname nichts mit dem ihren zu tun hat. Mit ihrer Vergangenheit, aber nicht mit ihrer Gegenwart. „Wir leben in einem Dorf, da kannst du so etwas nicht von dir geben ohne dass es dir auf die Füße fällt.“ Doch mir schien, dass ihr Problem noch nicht war, dass es MIR auf die Füße fällt, sondern IHR. Und das finde ich egoistisch. Im Laufe der holprigen Unterhaltung wurde mir auch klar, dass sie (zumindest nach einiger Zeit) sich auch um mich sorgt, doch ich empfinde es fast schon als verletzend, dass sie das tut. Man muss sich um mich nicht sorgen, ich lebe ganz gut mit mir.
Dieses Gespräch zeigte mir, dass wir aus zwei verschiedenen Generationen stammen – oder ich einfach weniger ängstlich bin. Und es zeigte mir den Schmerz, den ich ihr damit zugefügt habe. Auf unterschiedliche Arten. Auch hier war sie tapfer, zumindest die letzten Jahre. Nur konnte sie am Wochenende den Schein nicht mehr wahren.

22.01.2014 um 21:59 Uhr

Das Interview

von: indalo

Heute habe ich etwas getan, worauf ich stolz bin. Leise stolz. Und ich überlege, ob ich laut stolz werden möchte. Ich freue mich n Keks, dass es geklappt hat, dass ich es gemacht habe und wie gut es gelaufen ist. Freude und Stolz geben sich also die Hand. Und es ist eine tiefe innere Freude, die so tief sein kann, weil die Gedanken und Bedenken vorher, die Nervosität, eben auch da war. Und ich alles mutig zerschlagen habe. Mutig, doch, ich finde, es gehörte auch Mut dazu. Und Überzeugung, ganz viel Überzeugung. Überzeugung, das richtige zu tun.
Doch was habe ich eigentlich getan? Und wie kann ich und möchte ich es formulieren?
Im Grunde habe ich einen sehr persönlichen Teil von mir preisgegeben. Etwas sehr privates anderen erzählt bzw. erzählen lassen. Mein Privatleben halte ich sehr privat, nicht nur im Berufsleben, nein, auch im Privatleben. Soll heißen, worüber ich heute mit einem Haufen Kinder geredet habe, habe ich mit… ja, ich würde sagen, niemandem geredet. Nicht so. Nicht als Interview.

Schon seit längerer Zeit begleitet mich die Frage, wie viel privates ich in meinen Beruf mitnehme. Ich bin ich, und ich bin sehr ich. Ich bin sehr persönlich, sehr direkt und auch oftmals sehr konkret. Und doch so unkonkret, dass ich bestimmte Bereiche meines Lebens überhaupt nicht berühre. Zumindest nicht auf mich bezogen. Und damit fahre ich gut. Soll heißen, mein Privatleben habe ich noch nicht in meinen Beruf getragen. So sehr ich meine Kollegen auch mag und schätze. Doch jetzt ein sehr privates Detail in das Berufsleben einer Freundin zu tragen, ist komisch. Wir unterhielten uns öfter mal darüber, dass ich gerne vorbeikomme und ihre Schüler im Rahmen meiner Möglichkeiten aufkläre, ihnen die Gelegenheit biete, mich alles zu fragen, was ihnen durch den Kopf geht. Ich bin einfach nur irgendwer, den sie fragen können. Ich bin nicht ihr Lehrer, ich bin nicht ihr Bekannter, ich bin einfach nur ein Mensch, der in die Schule kommt und Gesprächsmöglichkeiten bietet.
Also lange überlegt und nun umgesetzt. Plötzlich hieß es „Wir sind verabredet.“ und ich wusste zuerst nicht einmal, wozu. Okay, Arbeitspläne durchgegangen und ne Möglichkeit gefunden. Und dann war es soweit. Ich bin in die Schule… zurück in die Schule, die Schulbank drücken, man, ist das schräg. Doch ich bin nicht als Schüler in die Schüler, sondern als erwachsener Mensch. Als jemand, der über sein eigenes Leben redet und vieles preisgibt. Ich sollte mich vorstellen, hieß es vom Lehrer, doch ich stellte mich vor die Klasse und meinte: „Wozu? Ihr wisst schon etwas über mich, also denke ich, dass klar sein dürfte, dass ihr mich einfach fragen könnt, was ihr wissen wollt. Von daher fragt.“ Und ja, sie fragten, wie ich heiße. Wozu das wichtig ist, weiß ich bis jetzt noch nicht. Sie haben mich nie angesprochen, aber sie haben mich gesiezt. Schon bei der Frage nach meinem Namen.

Und dann kamen die unterschiedlichsten Fragen. Zu Gefühlen, zur Gesellschaft, zu Einstellungen. „Wie ging es Ihnen damit?“ „Möchten Sie denn mit ihrem Vater darüber reden?“ „Wie sind Sie damit umgegangen?“ „Was haben Ihre Freunde gesagt?“ „Wann haben sie es ihren Freunden gesagt?“
Und das ist nur ein Bruchteil der Fragen. Die meisten weiß ich schon lange nicht mehr. Es ging alles Hand in Hand, ich hatte keine Zeit nachzudenken oder mich wirklich im Raum umzusehen. Ich wurde gefragt, ich habe geantwortet. Ruhig, durchdacht, entspannt, wie mir hinterher gesagt wurde. Dabei war es alles so spontan. Ja, ich habe mir vorher Gedanken darüber gemacht, was man mich fragen könnte, auf die ein oder andere Frage war ich vorbereitet, innerlich, auf manch eine Frage so gar nicht. So wenig, dass ich sie nicht wirklich beantworten konnte. Erst nachmittags kam ich zu einer schlüssigen Antwort. Alles was ich da von mir gab, war konfus und verwirrend. In meinem Kopf passt nichts mehr zusammen. Herrje, das ist ja auch schon Jahre her. Und das Alter war wichtig. Wofür auch immer.

Irgendwie saß ich heute auf einem heißen Stuhl. Die Fragen flogen mir entgegen, und doch habe ich ganz viel gelernt. Über mich auch ein wenig, aber über die Jugend von heute. Zumindest diese Jugend. Über ihre Gedankenwelt, aber auch ihre Lebenswelt. Und ich muss sagen, es ist eine andere als meine es damals war. Ich sagte es ihnen auch, beneidenswert. So etwas hätte ich mir auch gewünscht. Doch für mich gab es das nicht. Es ging auch ohne, auch ich bin groß geworden und kam die meiste Zeit gut zurecht. Doch nichtsdestotrotz beneidenswert. Aber auch hoffnunggebend. Hoffnung auf einen respektvolleren Umgang, eine tolerantere Welt. Und dabei bin ich schon gut weggekommen.
Doch nach all den Fragen, hab ich jetzt selbst welche. An mich, und an meine Freunde. Demnächst werde ich sie stellen, wenn ich sie mal wieder sehe. Wann immer das sein mag.

Und so gehe ich mit einem Grinsen ins Bett. Irgendwie auch einem überheblichen. Ja, ich bin stolz darauf, das heute getan zu haben. Stolz darauf, es mit so viel Ruhe und Entspannung zu tun. Und dankbar, dass es gewesen ist. Und dass es gut gewesen ist.

16.01.2014 um 22:14 Uhr

Heute im Kreißsaal

von: indalo

Heute war ich zum ersten Mal seit Jahrzehnten im Kreißsaal. Ich wusste nicht, dass mein Weg mich dorthin führen würde, und es war echt komisch. Ich betrat das Krankenhaus noch ohne zu wissen, wohin ich muss. Also ich ging sehr zielstrebig zur richtigen Etage und zum neuen Zimmer, aber dort war niemand. Dann bekam ich einen Anruf, ich solle zum Kreißsaal kommen. Okay, komisch.

Ist es normal, dass Kreißsäle bunt sind? Also nicht bunte Tapete haben, sondern über dem Bett ein beleuchteter Wolkenhimmel präsentiert wird? Zu den Füßen der gebärenden Frau gibt es eine ganze Wand mit Strandmuster und Gräsern. Nicht beleuchtet, glaub ich, aber auch nicht aufgemalt. Auf Glas mit durchscheinendem Licht vom Flur. Und Türen, die automatisch zugehen. Schiebetüren, die mit einem Knopf auf dem eine Person ist, geöffnet werden können. Und dann gehen sie wieder zu. Und ein Paravan musste umschritten werden, damit der Blick nicht vom Flur auf die Frau fällt. Und ich möchte behaupten, dass die Wände ziemlich schalldicht waren, denn man konnte niemanden schreien hören. Definitiv war die große, automatische Tür zum Kreißsaal schalldicht. Und gruselig.

Nein, es war keine gruselige Erfahrung, eher eine unheimlich spannende. Was zum Erzählen, zum Beobachten und zum Schmunzeln. Und dann schob ich sie im Krankenbett einmal um die Station zu ihrem Zimmer. Die Schwester wollte lieber lenken. Und ich muss sagen, die Betten sind leichter als es bei den anderen aussieht.

12.01.2014 um 23:01 Uhr

Fahrrad(tour)

von: indalo

Am letzten Wochenende habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Ich suchte schon länger bei den Kleinanzeigen und wurde nicht fündig. Neben meinen Füßen ist das Fahrrad mein Hauptverkehrsmittel, also genau genommen das einzige Verkehrsmittel. Im Grunde komme ich überall zu Fuß hin, wo ich hinmuss. Also Arbeit und einkaufen. Einige Freunde wohnen etwas weiter weg, aber dafür dann das Fahrrad. Jenes machte irgendwann im letzten Jahr schlapp. Einfach so. Es knackte während ich darauf saß. Das hing sicherlich an den schlechten Vibrationen meines erreichten Zielortes. Egal, ich bekam ein anderen Fahrrad, welches Ende des letzten Jahres nen bösen Platten hatte. Nachdem ne Freundin letztes Jahr über vierzig Euro in die Reparatur ihres platten Reifens investierte, sah ich größere Summen auf mich zu kommen. So bekam ich ein weiteres Fahrrad geliehen, welches zwar nicht den Geist aufgab, jedoch mich auch nicht begeisterte. Es vermieste mir jede noch so kurze Strecke. Ja, es ging soweit, dass ich den Bus zu Freunden nahm. Der Vater kam kurz vorbei und wunderte sich, dass ich da sei – er hätte mein Rad nicht gesehen. Ich erklärte ihm in groben Sätzen, woran dies liegt und er gab mir ne Telefonnummer für die Reparatur. Ich war immer noch nicht begeistert davon.
Nebenbei stöberte ich immer wieder durch die Kleinanzeigen. Nachdem ich also letzten Freitag so schön spontan mit dem Bus reiste und mich ärgerte, dass ich nach der Uhr und nicht nach dem Gefühl aufsprang um mich auf den Weg zu machen, guckte ich Samstag wieder nach den Kleinanzeigen. Und siehe da, etwas im richtigen Preisrahmen wurde in der Nacht online gestellt. Noch eh ich mir die Zeit mit Überlegungen vertreiben konnte, rief ich an und hatte Glück. Ich machte mich mit dieser Krücke von Rad auf den Weg und fluchte über jeden Meter. Dort angekommen, probierte ich das Rad aus und war nach wenigen Metern überzeugt. Ich guckte es mir nicht genauer an. Es rollte. Das reichte. Und: Es rollte von allein. Ich hatte das Gefühl, mich nur darauf setzen zu müssen und schon bewegte ich mich vorwärts. So machte ich die nächste neue Erfahrung, indem ich versuchte, zwei Fahrräder gleichzeitig zu fahren. Es ging, aber schön ist es nicht.

Warum ich heute davon erzähle? Weil ich mich gestern auf das neue Rad schwang um woanders einkaufen zu fahren und begeistert war. Auf einmal machte Fahrradfahren wieder Spaß. Keine Ahnung, wann es mir das letzte Mal wirklich Spaß gemacht hat. Mit meinem Rad war’s okay, aber wirklich Freude bereitet hat es mir auch nicht. Ich glaubte schon, das ginge gar nicht mehr und es wäre eine Kindheitserinnerung. Nein, tatsächlich macht mir Fahrradfahren Spaß – aber offensichtlich nur mit dem richtigen Fahrrad. Und so wollte ich gestern mehr fahren, weiter fahren. Und heute morgen stand ich auf, die Sonne schien und ich setzte den Wunsch um. Eine zweistündige Fahrradtour über die Dörfer folgte. Es nieselte, es blendete, das Wetter war typisch wechselhaft. Doch ich hab’s genossen. Jeden Meter. Und so bin ich entspannt gute dreißig Kilometer gefahren. Völlig entspannt. Da geht noch mehr. Also demnächst doch mal wieder eine Fahrradtour ans Wasser. Nicht nur zum Fluss, sondern an die See. Oh ja. Kommt nicht demnächst mal wieder ein verlängertes Wochenende?

03.01.2014 um 22:35 Uhr

Sieben Telefonate

von: indalo

Ein Schmunzeln geht mir über die Lippen. Ein Ausdruck von Wohlgefühl. Heute war ein guter Tag.

Nachdem ich mich aus dem Bett zerrte, stolperte ich auf die Couch um mal wieder meiner Seriensucht zu frönen. Eine Folge am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Dann? Hab ich Kisten ausgepackt, umgeräumt und bin in den Keller. Bevor die Dusche rief, wollte ich noch zwei Telefonate führen. Gedacht, getan. Mehr oder minder erfolgreich. Meine verschollenen Bücher werden jetzt ein drittes Mal verschickt, diesmal als Paket, damit anschließend verfolgt werden kann, wo Bermuda zuschlägt… und das Bafögamt findet Wartezeiten von drei Monaten vollkommen in Ordnung. Was soll’s. Unter der Dusche meditierte ich darüber, dass ich jetzt noch weitere Tage darüber nachdenken kann, wann ich wen besuche, doch es irgendwie sinnvoller ist, einfach das Haus zu verlassen und mit den Besuchen zu beginnen. Also rief ich noch mit nassen Haaren die erste an, die mich auch empfangen wollte. Großstadt hin oder her, manche Verkehrsmittel lassen trotzdem ne Stunde auf sich warten. Also noch schnell ein paar Nudeln gekocht, abgewaschen und losgeflitzt.

Mein kleines Patenkind ist gar nicht mehr so klein. Proper, wie sie alle sagen, doch einfach herzallerliebst. Sie sabbert, pupst und rülpst wie’s ihr gefällt. Warum darf man das als Erwachsener bloß nicht? Ach, es tut mir einfach gut, die Kleine auf dem Arm zu haben, ihr Grinsen zu sehen und zu wissen, dass ich der Frau Mutter ein paar freie Minuten verschaffe. Und plötzlich waren einige Stunden ins Land gegangen. Da ich noch ins Krankenhaus wollte, machte ich mich auf den Weg, wollte mich bei der Post wegen des verschollenen Paketes beschweren und bekam nur ne Telefonnummer in die Hand gedrückt, nun denn. Ein kleiner Einkauf wollte noch erledigt werden, und da glaubte ich, jemanden von hinten zu erkennen. Auch da grinste ich in mich hinein, ja, heute war ein guter Tag. Ob das an der Kleinen lag?
Kurzerhand schrieb ich besagter Person eine Kurznachricht, wie der Einkauf gewesen ist, sie habe doch gerade den Fahrstuhl betreten. Nein, kam die prompte Reaktion, inklusive Information, wo sie zur Zeit sei. Aha, okay. Einfach so? Wir kommunizieren doch sonst nicht. Schade, da hatte ich mich geirrt, doch die Freude blieb.

Auf zum Krankenhaus. Unterwegs noch nen Kollegen angerufen, der sich sehr darauf freut, mich in ein paar Tagen wieder zu sehen. Er schmeichelt mir, auch wenn ich dieses Verhalten noch seinem Wesen zu schreiben möchte. Trotzdem nehme ich seine Komplimente persönlich und freue mich.

Zu Hause angekommen wollte ich die Nummer für die Beschwerde bei der Post noch schnell nutzen, und ich muss sagen, dies rundete meinen Tag ab. Ich sprach mit einer sehr netten Frau, die in mir etwas auslöste, was mir ziemlich fremd geworden ist. Sie war mir sehr sympathisch. In meinem Kopf überschlugen sich die Dinge, doch vieles womöglich erst nach dem Auflegen. Denn ihre Aussage, ihr Offensive?, dass sie mir ja ihre Email Adresse geben könne, hab ich doch glatt in den Wind geschlagen. Ja, ich bin ein wenig plemplem.
Jetzt könnte ich anfangen, mich zu ärgern. Doch ich möchte nicht. Ich genieße lieber den Gedanken, dass ich mal wieder jemandem begegnet bin, den ich gerne auf nen Kaffee (blöde Redewendung) einladen würde. Ich überlegte glatt, noch einmal anzurufen. Nicht so richtig ernsthaft, aber konkret genug für den Gedanken, dass die Nummer, die ich gerade anrief, nicht in meiner Nähe ist. Noch ein Grund mehr, anzurufen und ihr mitzuteilen, dass ich das glatt täte, wenn sie näher wäre. Ich erinnerte mich sehr schnell an eine der Frauen meines Lebens, die mir eine solche Geschichte aus der Sicht der Telefonistin erzählte. Und so gehen meine Gehirnzellen spazieren, während ich mich noch darüber amüsiere, dass mir dieses Telefonat wichtig genug gewesen ist, um jemanden anzurufen und davon zu erzählen. Wichtig genug, es mitzuteilen. Die Freude zu teilen.

02.01.2014 um 22:54 Uhr

Als ich dreizehn war

von: indalo

…schrieb ich meiner Mutter einen Brief. Es war ein höflicher Brief, ich habe sie mit Namen angesprochen und mit vollem Namen unterschrieben. Ich habe sie gesiezt, den ganzen Brief hindurch. Und ich habe nicht in Ich-Form geschrieben. Daran erinnere ich mich noch. Ich schrieb aus der Sicht einer anderen Person. Ich versuchte ihr - so neutral wie möglich - die Situation zu schildern. Ich weiß noch heute sehr genau, wie ich den Brief auf die Treppe legte und in das Auto meines Vaters stieg. Ich wollte nicht mit ihr abrechnen, ich wollte sie nur etwas wissen lassen. Ihr Zeit geben, den Brief in Ruhe zu lesen und zu durchdenken. Ich weiß noch, wie nervös ich war, als ich die Tür hinter mir zugezogen habe. Ich wusste nicht, ob sie wütend hinterher gerannt käme. All das weiß ich noch, doch ich erinnere mich nicht mehr daran, wie sie reagiert hat, als ich zurückkam. Ich meine mich zu erinnern, dass sie mir mitteilte, den Brief gelesen zu haben. Aber ich weiß nicht mehr, was danach geschah.

Heute hielt ich den Brief in den Händen. Er ist doch recht kindlich geschrieben, aber wirklich höflich und distanziert. Es heißt, es sei nicht nett, dies und jenes zu tun, es sei unlogisch, erst das eine zu wollen, dann das andere und es werden Entscheidungen in Frage gestellt, die fast immer oder fast nie so getroffen werden. Es ist ein sehr böses Zitat enthalten, von dem ich in Frage stellen möchte, dass es so gesagt wurde. Erinnerungen verblassen. Doch das Zitat, das steht dort. In Anführungszeichen. Wahrscheinlich wollte ich damals schon sicherstellen, dass manches nicht vergessen wird.

Wieso ich diesen Brief habe? Weil meine Mutter ihn mir im Zuge ihrer Aufräumaktion gegeben hat. Ich weiß nicht, ob wissentlich oder unwissentlich. Ich fand ihn in einem selbst zu beschreibenden Buch und wusste noch eh ich ihn auseinanderfaltete, dass es genau dieser Brief ist.