indalo

20.02.2014 um 20:15 Uhr

Tizo ist wieder erwacht

von: indalo

…und das heute morgen um neun Uhr. Diesmal nicht mit lautem Gebrüll, fast schon mit resignierendem Toben. Empörung stieg in mir auf, ich konnte mich nicht mehr richtig auf das konzentrieren, was ich gerade hätte tun sollen, sondern war ausgefüllt von diesem Etwas, das mich kämpfen lässt. Ich weiß, dass Gebrüll mich an dieser Stelle nicht weiterbringt und so sammelte ich Fakten. Emails wurden kopiert, Internetseiten recherchiert und ich haute meinem Übeltäter seine eigenen Emails und fehlerhaften Informationen an den Kopf. Mit Nachdruck. Mit Quellenangabe. Und Tizo gab nur ein inbrünstiges „Arschloch“ von sich.

Wie kann ein Mensch so ein Arsch sein? So ein riesiges Arschloch, dass ich mich frage, wie er noch mit sich selbst leben kann. Ernsthaft. Und das seit langem. Es war lange ruhig um ihn, doch das jetzt ist so dämlich, so idiotisch und so unverfroren, dass ich mir einen Anwalt suchen möchte. Doch ICH wurde ja gar nicht angegriffen und verarscht. Doch, ich wurde verarscht, aber vielmehr wurde meine Schutzbefohlenen an der Nase herum geführt. Er möchte bestimmte Dinge nicht entscheiden und hat sie so richtig verarscht. Und mich als Mittelmann damit auch. Und ich kann morgen nur meinen Lieben gegenübertreten und ihnen versuchen klar zu machen, dass man mich genauso verarscht hat, dass mich das genauso trifft wie sie. Ich werde gewiss keine Schwierigkeiten damit haben, dass sie mir nicht glauben könnten. Sie werden mir glauben, jedes einzelne Wort. Aber es ändert nichts daran, was geschehen ist. Und doch werde ich morgen die verschiedensten Wege beschreiten um eine Revolution zu starten. Ich möchte sie zur Revolution aufrufen, nur ich selber kann nicht boykottieren, da man mir nichts getan hat. Und doch auch irgendwie schon. Und da kommt wieder das Bedürfnis hoch, ihnen zu sagen, dass sie sich darauf vorbereiten müssen, dass so etwas immer wieder passieren wird. Vermutlich ihr Leben lang. Sie werden denken, dass wenn sie erst einmal erwachsen sind, alles anders wird, besser wird, leichter wird. Aber nein, die Illusion werde ich ihnen insbesondere morgen nehmen. Denn sie meinen, ich sei so viel weiter, es wäre für mich alles so viel leichter, ich bin schließlich erwachsen und in meinem Berufsleben angekommen. Und genau an dieser Stelle werde ich sie darauf aufmerksam machen (müssen), dass sie Recht haben mit dem Erwachsensein und dem Berufsleben, und sie dennoch Unrecht haben, denn das gerade wurde auch mir angetan. Ich bin machtlos, denn er ist mein Chef. Ich kann nichts tun, ich habe es versucht, jetzt kann ich nur noch andere anstiften, zu revolutionieren. Und das ist leider nicht das erste Mal.

18.02.2014 um 17:23 Uhr

Manchmal ist der Himmel weiter

von: indalo

Seit Wochen möchte ich festhalten, wie schön es war über den knirschenden Schnee zu joggen. Oder wie skurril, ne Woche später mich vereiste Anstiege hoch zu kämpfen. Und dann, wieder eine Woche später, der Sonne entgegen zu laufen und die Wärme im Gesicht zu genießen. Oder sich einfach nur ne Viertelstunde auf den Balkon zu setzen und die Sonne auf mich wirken zu lassen. Oder Sonntagnacht im Scheinwerferlicht des Mondes nach Hause zu gehen. Schon am Abend bewunderte ich die Vielzahl der Sterne, die Magie, die sie haben, die Leuchtkraft und die Liebe zum Detail. Doch nach Mitternacht wieder den Rückweg anzutreten und dieses Licht zu sehen, Schatten zu werfen, und das auf definitiv unbeleuchteten Wegen, ließ mich die Zauber der Natur wieder wahrnehmen.

Ja, es geht mir gut. Ich bewege mich durch mein Leben, nehme so vieles wirklich mit Humor, mit Entspannung. Auch ernsthafte, schmerzhafte Gespräche nehmen mir nicht die innere Ruhe, die gelassene Haltung dem Leben gegenüber. Ich reagiere emotional, ich stelle mich den Schwierigkeiten, finde keine Lösung und trotzdem fühle ich mich gut mit mir.

Doch der Titel hat einen ganz konkreten Hintergrund. Ich weiß gar nicht, ob ich das schon mal so gehört habe. Ich glaube schon, bestimmt in irgendwelchen Liedern oder Zitaten. Doch ich erinnere mich auch nicht mehr daran, was ich dazu dachte, oder ob ich es verstand.
Eben kam ich nach Hause und plötzlich war der Himmel weiter. Ich sah mehr, die Tiefe, die Unendlichkeit, ja, man könnte meinen, den Horizont. Und das inmitten von Straßen und Häusern. Auf einmal sah ich über die Häuser, mein Sichtfeld endete nicht an den Wänden dieser großen Kästen, es ging darüber hinaus. Ich fühlte mich auch nicht eingesperrt in den Straßen, ich fühlte mich frei.

13.02.2014 um 21:27 Uhr

Steht dir gut.

von: indalo

Geburtstag stand an und ich fuhr hin. Sagte Hallo und wusste, ich müsste bald wieder los. Und so war ich noch dabei, Leute zu begrüßen, als ich plötzlich n Baby auf dem Arm hatte. Öhm, okay. Da bin ich nicht auf ein „Hältst mal kurz?“ reingefallen, das gab’s nämlich gar nicht. Es schwebte vor mir in der Luft und ich konnte das Kind schlecht fallen lassen. Und so schmiegte sie sich an mich, oh was liebe ich den Geruch von Babys. Ich ließ der Mutter Zeit zu essen und behielt sie ne Weile, als der Papa des anderen Kindes zu mir meinte „Steht dir gut.“ und ich mich nur bedankte. Er grinste, ich weiß, dass da wieder irgendwas in seinem Kopf war, doch es war egal. Ich nahm das Kompliment an. Und ich wollte sie auch gar nicht wieder hergeben, so schön war es, sie zu riechen, zu fühlen, zu halten. Auch jetzt rieche ich noch nach Baby.

Und ich muss es festhalten, denn immer wieder werde ich stolpern in dieser Welt. Immer wieder ist Blut dicker als Wasser, immer wieder werde ich mich zurücknehmen müssen. Doch ganz offensichtlich nicht bei ihr. Denn sie wird mir gegeben, hingehalten, angeboten. Ohne ein Wort. Ich danke von Herzen für diese Erfahrung, für die Bestätigung, dass es möglich ist, für diesen wahr gewordenen Traum. Denn auch die Erfahrung der letzten Tage, dass oftmals nur der Verwandtschaftsgrad zählt, auch wenn er nichts zu bedeuten hat, gehörte zu den Anstößen des Gedankens „Ich habe einen Traum…“. Und manchmal vergesse ich, dass ich einen Teil dieses Traumes lebe, manchmal erschreckt mich der Umstand, dass es nur ein Traum ist, den ich lebe, dass es nicht die Normalität, nicht die Realität ist. Und doch ist sie Realität, in meiner kleinen Welt. Sie existiert, ich hielt dieses Kind auf dem Arm, ich zähle.

Doch ich habe den Traum, dass mein Traum von Dauer ist, dass die Seifenblase nicht platzen kann, sondern sich ausweitet. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens gestraft sein, weil meine Familie so ist wie ist. Und vielleicht sollte ich auch aufhören, mich selbst dafür zu strafen.

12.02.2014 um 21:00 Uhr

Ich habe einen Traum

von: indalo

In den letzten Tagen ging mir immer wieder ein Gedanke durch den Kopf. Eher ein Gedankenanfang. Denn womit er endet, weiß ich oftmals nicht. Aber: Ich habe einen Traum…

Ich habe einen Traum von einer besseren Welt. Ich habe einen Traum von einer Welt, in der es egal ist, wer man ist, in der nur zählt, wie man ist. Ich habe einen Traum von einem Schulsystem, das nicht nur Zahlen durch die Gegend wirft, sondern mit Menschen umgeht. Ich habe einen Traum von Behörden und Arbeitgebern, die einstellen, wen sie für gut befinden, und nicht nur wen sie nehmen müssen. Ich habe einen Traum von Menschen, die sich für etwas entscheiden, was sie wirklich möchten, nicht für etwas, das mehr Geld bringt, oder bessere Noten. Ich habe einen Traum von einer Welt die weniger von Zahlen geprägt ist und mehr von Gefühlen, die weniger Statistiken braucht um sich weiter zu entwickeln und mehr auf Einzelpersonen achtet. Einen Traum einer Welt, die sich entwickelt ohne entwickelt werden zu müssen. Ich habe einen Traum von einer Welt, in der hinter die Kulissen gesehen wird, in der Probleme nicht nur auf dem Papier gelöst werden und in der auch ich weniger Vorurteile habe. Einen Traum einer Welt in der nicht in Kategorien gedacht wird, in der niemand verzweifelt Gleichgesinnte sucht, weil er mit dem Andersartigen nicht umgehen kann. Und damit sind nicht die Normalos gemeint, die mit dem Unnormalen nicht zurecht kommen, sondern auch die, die von der Norm abweichen und mit den Normalos nichts zu tun haben wollen. Ich habe einen Traum von einer Welt, die nicht von Angst beherrscht wird, von einer Welt in der ich nicht erst die rechtlichen Konsequenzen abchecken muss, sondern in der ich das tun kann, was ich für richtig und ertragreich halte. Ich möchte weniger Normen, weniger Richtlinien und mehr Leben.

09.02.2014 um 11:40 Uhr

Kein Goliath

von: indalo

…aber ein kleiner David. Ein ganz kleiner Mensch, der auf Grund blöder Umstände zu früh auf die Welt gekommen ist. Ein Winzling, der jetzt sieben Wochen darum gekämpft hat, möglichst groß zu werden um sich der Welt zu stellen. Er hat’s geschafft.

Heute früh, zu unchristlichen Zeiten, wurde ich angerufen. Ich habe es nicht gehört, und doch wurde ich wach. Diese Schwingungen, sie gehören zum Leben. Doch ich verstand nichts, so ungewöhnlich war das alles nicht. Ich stand auf und ignorierte den verpassten Anruf auf meinem Handy. Einige Zeit später bekam ich eine Datei zugeschickt. Das kann ich leider nach wie vor nicht öffnen. Gleiche mir unbekannte Nummer. Komisch. Ich schaltete das Handy aus und wieder ein, doch es funktionierte nicht. Eine Email hatte ich bis zu dem Zeitpunkt auch nicht. Doch dann sah ich, dass die gleiche Nummer auf meinem Festnetz angerufen hat. Okay, es gibt nur sehr wenige Menschen, die beide Nummern haben. Also ist das kein falscher Anruf. Ich wurde nervös. Dies konnte nur eins bedeuten, oder doch nicht? Als ich gerade versuchte zurückzurufen, klingelte es erneut, diesmal unter bekannter Nummer. Ich ging ran. Sie klang bedrückt, das machte mir Sorgen. Doch dann sagte sie die zauberhaften Worte „Wir sind Eltern.“ Die Freude war noch nicht da, zu besorgt war ich. „Glückwunsch, also wenn das was gutes ist. Wie geht es ihm?“ Ihr musste es ja soweit gut gehen, sonst würde ich sie nicht am Apparat haben. Vielleicht war es gut, dass ich den ersten Anruf nicht hörte, denn dann hätte ich den frischen Vater am Telefon gehabt und womöglich länger gelitten. Denn wenige wissen, dass sie Anrufe ruhig mit den Worten „es geht allen gut“ beginnen können. So erzählte sie mir ein paar Eckdaten, keine Intubation, aber Beatmung. Das klingt doch schon mal nicht schlecht.
Natürlich möchte ich heute dort hinfahren. Natürlich möchte ich sie sehen, ihn sehen, ihm gleich die besten Wünsche mit auf den Weg geben. Doch lieber erst am Nachmittag, sie muss ihn selbst noch sehen, mal auf dem Arm halten. Also ging ich laufen. Das wollte ich sowieso. Zu Hause angekommen überlegte ich, was ich in welcher Reihenfolge esse und wie ich dann meinen riesigen Stapel Arbeit attackieren würde. Denn gestern tat ich nichts, ich hätte heute alle Zeit der Welt. Aber nein, nun nicht mehr. Egal, das würde passen.

Es klingelte das Telefon. „Was hast du heute vor?“ – „Kommt ganz darauf an, warum du fragst.“ – „Nein, sag erst, was du vorhast.“ – „Dann sag ich mal arbeiten.“ Denn ich wusste nicht, ob sie schon von dem neuen Zuwachs wissen und ich wollte es ihr nicht erzählen. Hätte sie gefragt, ob ich mit ins Krankenhaus will, wäre die Antwort einfach gewesen. Mein Patenkind braucht einen Babysitter. Heute. Schnell. Jetzt. Ich war hin- und hergerissen. „Du darfst laut und deutlich ohne schlechtes Gewissen Nein sagen.“ – „Ich weiß, aber ich will nicht Nein sagen.“ Aber ich sollte. Denn ich wollte doch ins Krankenhaus. Doch schon der Tag seiner Geburt stellt mich vor schwierige Entscheidungen. Es ist das erste Mal, dass ich meine Patentochter ganz allein haben werde. Das erste Mal und sie ist noch kein halbes Jahr alt. Ich bin nicht unbedingt nervös, es ärgert mich nur wegen meines Nachmittagsplans. Die Arbeit, die kann ich liegen lassen. Das möchte ich zwar auch nicht – hätte ich bloß den gestrigen Tag dafür genutzt – doch da hab ich allen Grund zu. Das ist wichtiger, diese kleinen zauberhaften Wesen sind wichtiger. Und natürlich die Eltern dazu.

Und so stellte ich die Nudeln auf den Herd, sprang unter die Dusche und schlang die Nudeln runter. Was für ein Tag. Mach niemals einen Plan. Denn eigentlich wollte ich dieses Wochenende mit meiner Mutter frühstücken gehen. Sie wusste nie von ihrem Glück, und nun ist es auch besser so. Denn würde ich sie versetzen, wäre sie verletzt. Sie würde nicht verstehen. Doch ich hoffe, die frischgebackenen Eltern verstehen meine Entscheidung. Denn ich habe noch nicht aufgegeben, ins Krankenhaus zu fahren. Ich werde nur etwas später kommen. Sofern sie mich dann noch haben wollen.

03.02.2014 um 20:10 Uhr

Herz in der Hose

von: indalo

Da saß ich beim Chef und wollte einen Termin, als er einen Satz von sich gab, der mir das Herz in die Hose rutschen ließ. Er soll mich beurteilen, der gute Mann. Wir sind uns zwar nicht immer grün, aber ich glaube, wir schätzen einander. Dazwischen steht noch ein Chef, einer, mit dem ich viiiele Probleme hatte und noch habe. Und jetzt erzählte mir der oberste locker flockig nebenbei, dass der andere meine Beurteilung schreiben soll. Erst entglitten mir nur die Gesichtszüge, etwas, was man mir wirklich gut ansieht. Doch als ich ihn dann daran erinnerte, dass mir (und anderen Kollegen) bei „dem damaligen Gespräch“ versichert wurde, dass eben jener Etagenchef keinen von uns beurteilen wird, und er dies von sich wies mit irgendwelchen organisatorischen Erklärungen, da rutschte mir das Herz in die Hose.
Besonders schön war der Moment, weil eben jener Chef gerade im Büro auftauchte und unschuldig in die Runde guckte. Ich guckte den Oberchef nur seeehr eindringlich an, da ich ja jetzt nichts mehr sagen kann. Das verstand der gute Mann leider so gar nicht, stattdessen erzählte er dem Herren fröhlich von der Leber weg, dass wir gerade über meine Beurteilung sprechen, die er ja machen soll. Ich dacht, mich tritt n Pferd. Ich saß nur schweigend da, als zu meiner Rettung die Chefin in der Tür stand und fröhlich vor sich hinbrabbelte. Ich nahm dies als Anlass aufzustehen und mich wortlos von dannen zu machen. Nicht weit, nein, direkt vor der Tür wartete ich auf die Chefin. Das konnte ich nicht mit nach Hause nehmen. Sie kam fröhlich weiter brabbelnd raus, hielt n kleines Pläuschchen mit mir und als sie sich endgültig auf den Heimweg machen wollte, da sie ja jetzt ihre Gedanken losgeworden war, holte ich Luft um sie um einen Moment zu bitten. Ein anderer Kollege warf noch eine Frage ein, die ich ihm zugestand, da ich nicht direkt vor der Tür des Büros reden wollte, in welchem die Übeltäter saßen. Sie verstand und nahm sich die Zeit. Verstand aber nicht, worum es mir ging. Ich meinte, ich möchte privater mit ihr reden, zu zweit, allein. „Klar, wenn du mir n Raum bietest.“ Also entführte ich sie in unbekannte Gefilde, zumindest für sie, und sie zog sich aus um sich zu setzen. Ich meinte, dass es gar nicht so lange dauern würde, ich das aber unbedingt loswerden müsse. So erklärte ich ihr die Situation und sie verstand. Ach wie schön, dass sie versteht. Nicht alles, und sie verteidigte ihre Männer auch, aber sie beschwichtigte mich. Ich glaube, ein wenig wurde ihr dadurch das allgegenwärtige Problem wieder in Erinnerung gerufen. Ich habe keine Angst vor dem Mann, aber dennoch möchte ich, dass einstige Zusagen eingehalten werden. „Ja, ich verstehe mich ganz gut mit ihm.“ – „Den Eindruck hab ich auch.“ – „Doch das ändert nichts an meiner Meinung von ihm.“ Es funktioniert, und das reicht mir vorerst. Und wenn er mich beurteilen soll, sei’s drum. Doch es gibt diverse andere Kollegen, für die es besonders wichtig ist, dass jener Mann seine Finger da nicht im Spiel hat.

Als ich das Gebäude verließ, nun etwas ruhiger und zeitgleich auch fröhlicher, da mir meine Chefin zu einem ganz anderen Thema ein Geschenk machte, blieb ein Kollege vor der Tür stehen um zu sagen „Hab ich das vorhin richtig verstanden?“ Und ich wusste sofort, was los war. Sein Blick sagte alles. Ich schwieg, doch mein Schweigen sprach Bände. Er schwieg und wir verstanden uns. Doch der dritte im Bunde guckte fragend hin und her. Um ihn ging es nicht, er weiß von nichts, und doch sagte ich: „Mir ist hier lange nicht mehr alles aus dem Gesicht gefallen, doch als ich das hörte, war es mal wieder so weit. Mir rutschte sogar das Herz in die Hose, und das ist wirklich ne Weile her.“ Ich liebe diesen Mann dafür, dass wir uns so gut verstehen.
Später darüber nachdenkend fällt mir auf, dass es gar nicht so lange her ist. Genau genommen ist es exakt, aber so was von exakt, ein halbes Jahr her, dass mir alles entglitt. Die Krönung. Und jetzt frage ich mich, ob das System hat. Alle halbe Jahr ein Schock. Doch andererseits ist ein halbes Jahr ohne Schreck ne lange Zeit, wenn man bedenkt, was in dem Jahr davor regelmäßig auf mich einprasselte.

Doch zum Thema Herz muss ich doch festhalten, dass mich eine gewisse Frau das ganze Wochenende begleitete. Ich krieg mich gar nicht ein vor lauter Euphorie. Sie zieht mich in ihren Bann, und ich sie in meinen. Würde sie nicht auf mich reagieren, täte ich es auch nicht. Doch ich will nicht analysieren, nicht beobachten, sondern mich einfach freuen. Das Hüpfen genießen, das Pfeifen und das Singen, das Tanzen, einfach all das, was das Leben so schön macht. Es ist nur doof, wenn ich ein ganzes Wochenende mit meiner Phantasie alleingelassen werde. Und dann auch noch Flüge suche, in ihrer Vergangenheit wühle und mir die beklopptesten Gedanken mache. Ernsthaft, was soll aus mir bloß werden?

02.02.2014 um 12:58 Uhr

Psychoanalyse

von: indalo

„Ich wollte am 15. oder 16. mal n Kaffeetrinken machen.“ – „Mach das.“ – „Was heißt hier „mach das“?“ – „Das ist doch schön, mach das doch.“ – „Dazu wollte ich dich einladen.“ – „Darf ich auch ablehnen?“ – „Nein, natürlich nicht.“ – „Tja.“ – „Wieso denn?“ – „Weil ich keine Lust auf eine Familienzusammenführung habe.“

Und damit habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn es geht weder um Kaffee, noch um Kuchen, noch um meine Gesellschaft. Ich bin nicht wichtig in der Gleichung, ich bin wieder mal nur Mittel zum Zweck. Der Zweck, das Ziel ist, sagen zu können, dass die Familie heil ist und funktioniert. Um was anderes geht es nicht. Und diese Familie soll heil sein? Gut sein? Gesund sein? Nein, niemals. Zu viel ist vorgefallen, zu viel geschehen, zu viel passiert. Zu viel. Und gleichzeitig zu wenig. „Du bist sauer.“ Nö, das wäre doch ein aktives Gefühl.
Du würdest mich nicht zu einem Kaffeetrinken mit deinen Freunden einladen, also ist das jetzt mehr als nur irgendwer. Es geht darum, dass wir verwandt sind und uns deswegen miteinander beschäftigen müssen. Ich würde auch nicht Zeit mit deinen Freunden verbringen, warum also sollte ich es jetzt tun. „Also geht es darum, dass sie eben nicht irgendwer ist und du nachtragend bist.“ Das zweite mag sein, aber ersteres? Wie gesagt, ich würde die Zeit auch nicht mit anderen Leuten verbringen. Das ist ganz normale Aussagenlogik.

„Worum geht es dir?“ – „Das weiß ich nicht.“ Das weiß ich wirklich nicht. „Ich bin nicht der Mensch, der meint, dass nur weil man verwandt ist, man sich miteinander beschäftigen muss.“ Das nahm sie hin. Das ist nichts neues. Und doch möchte sie es so sehr. „Warum ist es dir so wichtig?“ und darauf bekam ich keine Antwort. Ja, warum ist es ihr bloß so wichtig? Wegen der heilen Welt? Und sie analysierte weiter. Ich sei sauer, enttäuscht und verletzt, weil die sich die letzten Jahre nicht um mich gekümmert haben. Hmm, das würde voraussetzen, dass ich das erwartet hätte. Wenn man das von den Menschen der Familie sagt, dann ja, wäre das wohl die Erwartung. Doch die hab ich schon lange nicht mehr. Ich habe mir schon zu ihrem achtzehnten Geburtstag gesagt, dass ich mich nicht mehr melde. Also eben zum Geburtstag und dann noch mal zum Abitur. Da war der Vorsatz schon da. Es fiel mir auch nicht schwer. Und so meldete ich mich vor fünf Jahren zum Abitur, nein, ich meldete mich nicht nur, ich ging zur Entlassungsfeier ohne eingeladen worden sein, ich tauchte sogar auf ihrem Abiball auf. Das war’s. Nie wieder habe ich von einer der beiden gehört. Ich habe es auch nicht vermisst, höchstens gelegentlich zur Kenntnis genommen. Und dann kam der Anruf und die Begegnung im Krankenhaus. Sie hat mir nichts gegeben. Rein gar nichts. Sicherlich war das auch eine besondere Situation, für alle Beteiligten, doch es hat mir nichts gebracht, nichts gegeben. Ich habe kein Interesse. Und es tut mir auch nicht Leid.

Doch irgendwie traf mich dieses Gespräch. Warum? Ich möchte mich damit nicht beschäftigen, es interessiert mich nicht. Und doch tauchten Gefühle auf. Wut, Enttäuschung, Schmerz. Irgendwas. Wieso sollte ich ihr verzeihen, was geschehen ist? Wieso sollte ich jetzt, wo sie etwas wollen, alles vergessen? Das habe ich noch nie verstanden. Auch bei dir nicht. Ihr wollt einander, ihr braucht einander. Das ist schön und gut, das mag so sein. Ich meide dich auch nicht wegen ihr. Würden wir uns begegnen, wäre alles normal. Aber extra deswegen sich treffen, nein. Sie war grausam. Zu ihr, zu mir und zu dir. Das lass ich nicht mit mir machen. Und wenn ihr das miteinander braucht, sei’s drum. Ich bin nicht bereit, mich wieder in irgendwas reinziehen zu lassen. In diese grausame Welt in der ihr leben wollt. Mit Streit und Diskussionen. Nicht mit mir.
Und ich finde es ironisch, dass du mir meine Bereitschaft mit ihnen zu interagieren vor Jahren zum Vorwurf machtest und nur weil jetzt Zeit vergangen ist, der Vorwurf sich nicht nur in Luft aufgelöst hat, sondern zum Gegenteil wurde.

01.02.2014 um 21:51 Uhr

Ich entwickle Zeit

von: indalo

Es ist komisch, dieses Gefühl. Dieser Eindruck. Heute morgen saß ich auf meinem Trampolin und fragte mich, ob das Langeweile ist. Ist es das? Seit ich denken kann hab ich mich nie gelangweilt. Nur warten fand ich öde. Aber Langeweile? Kenn ich nicht. Also ist es das? Das jetzt?

Heute morgen wachte ich nach einer komischen Nacht auf und bewegte mich ins Wohnzimmer. Ich entschied mich, ne Folge zu gucken und stellte wie schon seit Tagen fest, dass das nicht mehr entspannend ist. Seit einiger Zeit schon frage ich mich, ob ich diese Phase überwunden habe. Seit Tagen hab ich weder Lust auf Serien, noch auf Filme. Aber auch einfach nicht auf meinen Computer. Meine Wii versauert seit Monaten, was ich so gar nicht tragisch finde. Ich geh lieber laufen.

Das wollte ich auch eigentlich am Montag schreiben, doch die Empörung überwog. Aber jetzt passt es wieder, es passt zu dem Gefühl, Zeit zu haben. Und zwar mehr als die Zeit, die ich für mich brauche. Es herrscht gerade mal nicht das Gefühl, sich Zeit zu schaffen, nein, sie ist irgendwie da. Und am Montag, da ging ich von der Arbeit nach Hause und entschied spontan laufen zu gehen. Das Wochenende war unglaublich kalt, sodass der Boden gefroren und schneebedeckt war. Doch Montag waren es wieder Plusgrade, sodass die Luft nicht die Lunge gefror. Und so lief ich über Schnee, nicht über Matsch. Und es war grandios.

Ich nehme mir Zeit für mich. Schon länger ist das der Fall, doch so langsam entsteht das Gefühl, mir die Zeit nicht mehr zu nehmen. Sie ist einfach da. Die Zeit reicht für mich, für einen wöchentlichen Krankenbesuch, gelegentliche Kinderkuschelstunden und sogar für ein auswärtiges Frühstück mit Freunden.
Sicherlich werde ich arbeitstechnisch auch gerade sehr entlastet. Wieso, das weiß ich noch nicht genau. Womöglich wurden all meine Beschwerden erhört und ich werde jetzt für das entlastet, was ich im letzten Jahr alles zu viel gearbeitet habe. Oder es ist doch alles nur ein Irrtum, wer weiß. Ich bin sicher, dass wieder stressigere Phasen kommen werden, doch jetzt begnüge ich mich einfach damit, ein Buch zu lesen, weil ich sonst nichts tun muss oder möchte. Einfach so habe ich heute ein ganzes Buch von vorne bis hinten gelesen. Weil mir niemand einfiel, den ich lange nicht gesehen habe, niemand, den ich anrufen wollte und ich mir das Arbeiten für Sonntag aufsparen wollte. Was mich aber nicht daran hinderte, in den Abendstunden noch ein wenig zu tun. Ganz nebenbei, einfach so.