indalo

29.08.2014 um 20:13 Uhr

Ex-Chef

von: indalo

Ein halbstündiges Telefonat mit meinem Ex-Chef. Es brauchte nur seinen Einleitungssatz um mich aus der Fassung zu bringen. Er ist so… einfühlsam, so aufmerksam, so rührend. Und er fehlt mir. Er fehlt mir mehr als ich gedacht hätte.

Als ich vor zwei Wochen nach einiger Zeit mal wieder an seinem Bürofenster vorbei lief und gewohnheitsgemäß nach ihm schaute, fiel mir beim Anblick seines leeren Stuhles auf, dass er ihm nun nicht mehr gehört. Er war weg. Für immer. Das meisterte ich dann ziemlich gut, doch als klar wurde, welche Lücke er arbeitstechnisch hinterlässt, hat es mich umgefegt. Meine Arbeitsbedingungen haben sich radikal verschlechtert. Ich arbeite mal eben hundertzwanzig Prozent und dann noch ein Arbeitstag an Pausen dazu. Prost Mahlzeit. Wie ich bis Oktober kommen sollte, hatte ich mich schon vor der Verkündung dieser Information gefragt, nun weiß ich nicht, wie ich den Rest des Jahres überstehen soll. Ich weiß es so wenig, dass mein Körper aus dem Nichts einen Husten produziert, den ich nicht lokalisieren kann, der mich dafür aber so regelmäßig heimsucht, dass meine Bauchmuskeln streiken. Auch mein Appetit hat mich verlassen. Es stand letzten Endes so schlecht um mich, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben krank gemeldet habe. Also schaffte ich es nicht bis Oktober… ich schaffte es nicht einmal bis September…

An meinem ersten Arbeitstag bestellte man mich ne Stunde zu früh, was mich so sehr erboste, dass Leute vor mir auswichen. Einen Scheiß machen die gerade bei mir auf Arbeit, das geht auf keine Kuhhaut. Und als die Sekretärin davon sprach, jenen Ex-Chef anzurufen, schnappte ich mir stattdessen die Nummer und telefonierte mit ihm. Er konnte unser Problem auch nicht lösen, verschaffte mir aber ein gutes Gefühl. Und er sagte, er würde diese Woche noch vorbei schauen. 

Heute dann sah ich ihn das Gelände betreten und hüpfte auf ihn zu. „Es ist so schön dich zu sehen“ strahlte ich ihn an und fiel ihm um den Hals, was in wohl irgendwie überforderte. Egal, ich brauchte das. Dann ging ich wieder zurück und nach der Hälfte der Strecke fragte er: „Geht’s dir gut?“ Ich drehte mich um, schaute ihn an und schüttelte mit dem Kopf. „Nein.“ Und dann ging ich weiter meines Weges. Ich arbeitete drei Stunden weiter ohne auch nur daran zu denken und machte mich dann auf den Heimweg. Kaum zu Hause angekommen und auf der Couch zusammengebrochen klingelte mein Handy. Eine nicht eingespeicherte Nummer, doch eine Vorwahl die seine sein könnte, und schon dachte ich an ihn. Und er war es tatsächlich. „Seit ich dich gesehen habe, kann ich nicht aufhören darüber nachzudenken was du gesagt hast.“ - „Was hab ich denn gesagt?“ - „Dass es dir nicht gut geht.“ - „Ach so, ja, ich hätte Ja sagen sollen, das macht man doch so.“ - „Nein, darum geht es nicht. Du sagtest so klar Nein. Und dein Gesichtsausdruck dazu…“ Er hat recht. Ich wollte ihn nicht anlügen, und ich konnte es auch nicht. Er war der erste seit Langem, der fragte und wirklich eine Antwort wollte. Wie oft im Leben wird man gefragt und keinen interessiert die Antwort? Und wie selten wird man eigentlich von Freunden gefragt? Und momentan wäre es gelogen zu sagen, dass es mir gut geht. Beschissen trifft es eher. Also versuchte er herauszufinden, ob es nur beruflich so um mich steht. Ich bin noch nicht bereit, irgendwas zu vermischen. Er gehört zur Arbeit, nicht in mein Privatleben. Doch krank wie ich bin, ist es auch mal wieder Zeit, Dinge in Frage zu stellen. Und ich hab wieder ein paar dieser Tage an denen ich bei manch einem Freunde denke „Dann bleib doch wo der Pfeffer wächst.“ Einfach, weil meine Grenzen gerade wieder erreicht sind. Ausgeschöpft und erschöpft. Sonst hätte ich diese Woche nicht mit so viel Tee, Hustensaft und Inhalierem auf der Couch verbracht. Wahrlich nicht. 

Doch eine Sache seiner Verabschiedungsfeier soll noch erwähnt sein:

„Ich bin neulich über dein Geburtsdatum gestolpert.“ - „Aha.“ - „Du bist so alt wie meine Tochter.“ - „Hallo Papa.“ blieb mir nur zu sagen. Meine Kollegen meinten, das wäre eine Unverschämtheit, doch weder seine Tochter noch er waren dieser Meinung. Sie lachten. 

20.08.2014 um 20:07 Uhr

Exschwiegereltern

von: indalo

Da es mich ja doch irgendwie bewegt, bzw. in meinem Kopf seine Kreise zieht: Ich hab soeben mit der Mutter meines Ex telefoniert und für Sonntag einen Termin ausgemacht, damit ich sie und ihren Mann bezüglich der bevorstehenden Hochzeit ihres Sohnes interviewen kann. Das ist der Gipfel. Und meine herzallerliebsten Freunde schlugen natürlich vor, ich solle sie zu den Liebschaften ihres Sohnes befragen. Wen hat er als erstes mit nach Hause gebracht? Wer blieb als erstes über Nacht? Wie war es, als er zum ersten Mal jemanden mitgebracht hat? Von all den vorgestellten Partnern, wer gefiel am Besten? 

Ja nee, und da bin ich natürlich perfekt für all die Fragen. Zumindest die ersten zwei kann ich exakt beantworten, zur dritten hab ich meine eigene Version und die Antwort auf die vierte Frage möchte ich gar nicht haben. 

Nun denn, ich habe ein Date mit den Leuten, die meine Schwiegereltern hätten werden können. Wir haben oft genug Weihnachten gemeinsam in der Kirche gesessen. Und zusammen beim Tee am Küchentisch. Und selbst das lässt mich nicht los. Ich fragte nach der Uhrzeit, da sie ja gerne Tee trinken und ob das nicht zeitlich gebunden sei. Nein, nein, ich kann kommen wann ich möchte. Natürlich. Ich möchte erst nachmittags aufschlagen, denn die Nacht davor schmeiß ich den Junggesellinnenabschied für deren zukünftige Schwiegertochter, den ich diese Woche noch fertig vorbereiten muss. 

Nein, er ist für mich überhaupt nicht mein Ex. Gar nicht. Er ist ein Freund, ein besonderer Freund, aber nicht mein Ex. Doch diese Hochzeit, bzw. eigentlich die Blicke und Kommentare anderer sind eben da, wo sonst nichts wäre. Es wird kommentiert, es wird geguckt, es wird nachgefragt. Und seine Eltern sind eben seine Eltern… Menschen einer Generation weiter, die ich seit sehr vielen Jahren kenne und eben auf bestimmte Art und Weise kennenlernte. Sie sahen etwas in mir… 

 

…und ich hätte sehr gern den Nachnamen übernommen. 

19.08.2014 um 22:23 Uhr

Regen und Wasser

von: indalo

In den letzten zwei Tagen habe ich mich zweimal dem Regen gestellt. Einmal in Regenklamotten, einmal ohne. Doch beide Male hörte es einfach auf zu regnen. Gerade als ich in Regenhose und Regenjacke meinen Drahtesel bestieg, kam kein Wasser mehr vom Himmel. Das war gestern. Und heute stapfte ich mit Kapuzenpullover vor die Ladentür, gewillt mich bis auf die Unterwäsche durchnässen zu lassen, und kurz darauf hörte es auf zu regnen und die Sonne kam raus, sodass es ein trockener halbstündiger Spaziergang war.

Das ist aber alles nicht Grund genug um einen Eintrag zu verfassen. Viel zu unspektakulär. Dennoch passend zum Thema. Denn seit ein paar Tagen wandern meine Gedanken immer wieder zurück zu dem Tag, an dem ich auf meinem Surfbrett lag und es zu schütten begann. Eine schöne Sache, denn wieso sollte mich Regen auch nur ansatzweise stören, wenn ich ohnehin von Kopf bis Fuß klatschnass bin - gewollterweise. Andere fluchten, doch ich setzte mich auf und starrte aufs Meer hinaus. Weit konnte man nicht sehen, es goss in Bindfäden. Das Wasser war nicht mehr türkisblau, es war dunkelblau mit weißer Krone. Wieso ist da diese weiße Krone? Es sind keine Wellen, also die gab’s auch, aber es war eben wie eine weiße Decke auf dem Ozean. Und dann sah ich mich in der Nähe um und stellte fest, dass die Regentropfen wie Perlen über den Ozean schliddern. Nicht lange, aber doch länger als man meinen könnte. Wasser ist eben doch nicht gleich Wasser. Und die süßen Regentropfen scheuten sich noch ein wenig davor, Teil des salzigen Ozeans zu werden. So tanzten sie lieber ein wenig über die Wasseroberfläche und ich vergaß beim Beobachten dieses Phänomens, dass ich auf die Wellen achten sollte, die mich zum Strand tragen sollten. Nein, ich blieb einfach da sitzen und beobachtete das Spektakel. 

18.08.2014 um 22:28 Uhr

"Bist du frisch verliebt?"

von: indalo

Euphorie, Lebensgeist, Übermut. All das empfinde ich, oder habe ich.
Ich bin ein Flummi, der durch die Gegend springt. Ich bin glücklich. Jede Faser meines Körpers ist glücklich. Und so marschierte ich heute zur Arbeit und schien meine Kollegen irgendwie mit meiner übermäßig guten Laune zu überfordern. Ich fühl mich wie ein kleines Kind an seinem Geburtstag, das nicht weiß, wohin mit sich. Ich bin einfach glücklich. So sehr, dass mich jemand heute interessiert fragte: „Bist du frisch verliebt?“ Das war total ernst gemeint, eine andere Erklärung schien nicht plausibel für meine Euphorie. Ich war verdattert. „Nein. Äh, also ja, in das Leben. Mein Leben. Alles einfach.“ stotterte ich vor mich hin. Dann war sie verwirrt. „Hey, ich hab grad zwei Wochen im Meer verbracht, jeden Tag. Da kann man nur glücklich sein.“ schob ich noch hinterher, eh ich hüpfend und pfeifend den Raum verließ. 

Doch das ist es gar nicht, fiel mir abends auf. Ich verbrachte den Nachmittag mit Freunden. Mit Kindern und ihren Eltern. Und eins der schönsten Dinge passierte heute - das älteste dieser Winzlinge rief mich heute mit Namen. Mir fielen die Augen aus dem Kopf (auch wenn mir eigentlich die Ohren hätten abfallen müssen), so entgeistert war ich. Ich war gerade zwei Wochen lang weg, und da nennt sie mich beim Namen. Natürlich nicht ganz klar und deutlich, aber es war eindeutig, dass sie mich meinte, und die Silben passten samt Vokalen. Sie… weiß nicht nur, wer ich bin, nein, sie kann sogar schon meinen Namen. Mein Herz glühte. 

Doch auch das ist es nicht. Meine gute Laune war keine Vorfreude auf dieses Treffen, überhaupt nicht, nein, meine Laune hängt - wie ich durch de Äußerungen anderer („ich hab keine Lust morgen wieder zu arbeiten“ und „ich brauch noch mehr Urlaub“) - bemerkte, damit zusammen, dass ich wieder arbeiten werde. So Leid es mir für andere tut, so sehr freue ich mich darauf zu arbeiten. Ja, wirklich, ich bin euphorisch, weil es weitergeht. Klar könnte ich noch mehr Urlaub machen, klar könnte ich noch andere Länder sehen, noch viel Zeit mit meinen Freunden verbringen oder auch einfach nur mal meine Wohnung wieder sortieren. Doch ganz unabhängig davon, freue ich mich darauf, wieder zu arbeiten. Insofern ja, vielleicht bin ich frisch verliebt, wobei es gar nicht mehr frisch ist. Verliebt, in mein Leben, aber eben auch in meinen Beruf. Und heute ganz besonders stark in dieses zauberhafte Mädchen, das heute jedes Mal meinen Namen quietschte, als ich aus ihrem Sichtfeld verschwand. 

15.08.2014 um 17:41 Uhr

"Oh no, it's too late now...

von: indalo

Ich spring jetzt runter.“ hörte ich neulich Nacht kurz bevor die über mir vom Bett sprang und heil auf meinem Rucksack landete. Nur ob der Rucksack heil ist, wusste ich nicht. Ich fragte, ob sie wach sei. „Ja.“ kam die zögerliche Antwort. „Jetzt schon.“ brummelte ich nur vor mich hin. Dann kraxelte sie wieder ins Bett und ich drehte mich um. 

Nächsten Tag erzählte sie mir von einem untergehenden Schiff, und dass sie sich retten musste. Das hat sie getan. Erfolgreich, offensichtlich. 

Ich hab zwar keine so reellen Alpträume, aber das Gefühl, sich auf dem Meer retten zu müssen, das kann ich gut nachempfinden. Letzte Nacht lag ich ne Weile wach und immer wieder kamen die Szenarien, wie mich eine Welle nach der anderen rumwirbelt und das Gefühl für oben und unten flöten geht. Ein Waschgang nach dem anderen. Jetzt weiß ich auch, wieso es heißt, man solle keine Panik kriegen. Also NICHT tief durchatmen, die Welle vorbeiziehen lassen und dann oben suchen. Es ist jedes Mal gut gegangen, aber das ein oder andere Mal war schon knapp. Und einmal schoss ich mit voller Wucht gegen mein Surfbrett. Ich hatte Sand unter den Füßen, also wusste ich wo oben war. Ich musste nur schnellst möglich dort ankommen. *klong* machte es und ich war immer noch unter Wasser. Ansonsten hab ich manch einen blauen Fleck, aber ich muss sagen, es passiert erstaunlich wenig. Wenn man sich mal anguckt, wie viele Menschen mit ihren Surfbrettern im Wasser sind, dann wundert’s mich schon, dass wir keine Verletzten hatten. Da sind scharfe Finnen dran, die Wellen haben ne Wucht, die einen umhaut, wenn dann so ein riesiges Brett auf einen zuschießt, kann man nur hoffen. Oder sich absichtlich von der Welle mitreißen lassen, damit man vom Board wegkommt. Wahrlich erstaunlich.

Nur das Petermännchen hat zugeschlagen. Gleich dreimal in unserem Camp. Und dann war da noch ein kleines Mädchen, das schrie wie am Spieß „Ya no más, ya no más“. Es war herzzerreißend. Und ich bin mir sicher, dass ich auch auf so einen Fisch getreten bin, doch er hat mich verschont. Danke. Genauso wie ein Dank an den Ozean geht, dass er mich nicht verschluckt hat. Manches Mal schien es schon so. 

Ich denke, es ist an der Zeit, nach Hause zu fahren. Ich bin erschöpft und habe vieles gelernt. Ich kann wieder Alltag vertragen. Und Menschen, mit denen ich mich unterhalten mag. Ich war echt nichts dabei. Da les ich lieber n schlechtes Buch. 

Achso, das, was ich in diesem Urlaub perfektioniert habe - wenn es schon nicht das Surfen war - ist die Eskimorolle. Wenn ich eins gelernt habe, dann das. Mit Erfolg. 

13.08.2014 um 22:11 Uhr

Ihr müsst mein Alltag sein, im Urlaub bin ich unterwegs.

von: indalo

Schon viel zu oft dachte ich mir, dass ich zu viel will im Leben. Hätte ich doch mehr Zeit... Doch wer will, der macht. Ich weiß... Ich will, ich mache, doch ich will mehr... Meer! Es widerspricht sich viel. Ich hab meine Basis gefunden, einen Ort, zu dem ich immer zurückkehren werde, nicht des Ortes wegen, nein, der Menschen wegen. 

Ich schrieb hier aus dem Urlaub eine Nachricht, wieso ich hier nicht lebe. “Vielleicht, damit es was besonderes bleibt.“ kam die Antwort. “Oder weil man sich andersherum die gleiche Frage stellen würde “ seufzte ich. Denn ich glaube, das wäre so. Ich komme mittlerweile sehr gerne nach Hause. Ich habe mittlerweile ein Zuhause. Und das fühlt sich gut an. Es geht mir gut damit. Doch es hält mich nicht davon ab, hier oben an der Steilküste im warmen, vertrockneten Gras zu sitzen, unter mir das Meer gegen die Felsen peitschen zu hören und mich beim uneingeschränkten Blick aufs Meer zu fragen: “Wann umsegel ich die Welt?“

10.08.2014 um 21:02 Uhr

Das Lockenego

von: indalo

Ich muss es aufschreiben, da es mich sonst nicht loslassen wird. Vielleicht hilft es auch nicht, aber ein Versuch ist es wert. 

Als ich hier ankam, reisten gerade die spannenden Frauen ab. „Dafür schläft die schönste der Anwesenden in meinem Zimmer.“ versuchte ich mich zu trösten. Die schönste, ja. Aber… das Aber wird immer größer. Sie ist jung, kein Problem. Sie ist offen, sehr angenehm. Aber… sie ist ehrgeizig, rücksichtslos, egozentrisch und so langsam nervt mich die Aufmerksamkeit, die sie von allen bekommt. Nur, weil sie schön ist. Denn der Charakter zeigt sich langsam, und da ist sie kein erstrebenswerter Mensch.
Dass wir in einem Zimmer schlafen, stört mich nicht. Höchstens dahingehend, dass sie Mückenabwehr nicht teilt, aber von anderen nutzen möchte. Oder dass sie ihre nassen Handtücher über meine hängt. Aber das sind Kleinigkeiten, die bei vielen anderen ähnlich wären. Nein, mich stört ihr Verhalten im Wasser. Vor ein paar Tagen sagte jemand zu mir: „Ich kenn sie nicht, sie mag ja nett sein, aber im Wasser regt sie mich tierisch auf.“ Da hatte ich schon eine gute Vorstellung davon, was gemeint war. Doch in den letzten Tagen durfte ich es mehrmals am eigenen Leib erfahren. Sie hat mich ein paar Mal eiskalt umgefahren. Nicht, weil sie mich nicht sah, nein, weil es sie nicht interessierte. Und dann brachte sie auch noch heute morgen den Satz: „Oh, im fortgeschrittenen Kurs muss man ja darauf achten, sich nicht vorzudrängeln. Bei den anderen war das ja egal. Irgendwer fällt eh um, da kann man sich auch ins Getümmel schmeißen.“ Tja, meine Liebe, die anderen fielen DEINETWEGEN um, weil du rücksichtslos alle umgefegt hast. Doch das interessiert sie nicht. Und mich dann auch noch anblöken, wenn sie mich umfährt. Ich fass es nicht. 

Ein wenig wird sie ausgebremst vom neuen Coach, das beruhigt mich. Dass ich von ihm mit ihr in einen Topf geworfen werde, finde ich hingegen gar nicht lustig. Und ich MÖCHTE mich nicht mit ihr vergleichen. Ich möchte nicht auf sie achten, ich möchte einfach mein Ding machen. So wie immer. Doch wenn sie mir ständig in die Quere kommt, ist das nicht gerade einfach…

08.08.2014 um 16:25 Uhr

Wenn ich die Augen schließe...

von: indalo

sehe ich Wellen. Sich langsam aufbauende, türkis-grüne Wellen, die auf mich zukommen. Über die ganze Breite meines Sichtfeldes. Es ist ein Gefühl der Ruhe zu spüren. Die Geräusche der Umgebung blende ich nicht aus, aber ich konzentriere mich auf die Welle. Sie wirkt vertraut. Ich fühle mich eins mit ihr. 

Es geht nicht weiter, es ist keine Imagination, keine Wiederholung etwas schon erlebten. Nein, es kommt nur eine Welle nach der nächsten auf mich zu. Ich sehe sie wirklich, nicht nur vor meinem inneren Augen, sondern auf den Innenseiten meiner Augenlider. Sie sind ein Teil von mir.

Vorgestern beim Abendessen gab ich ihn von mir. Den ersten Satz dieses Textes. Mein Gegenüber schnappte nach Luft, schaute zu ihrem Sitznachbarn und bringt dann ein keuchendes „Was hab ich dir gesagt?“ raus. [Seit gestern Abend sind die zwei ein Paar ;-)] Dann dreht sie sich wieder zu mir um mir zu erklären, dass sie genau das selbe heute zu den anderen sagte und die Jungs sie nicht ernst nahmen. Ich versicherte ihr, dass sie nicht allein damit ist. Ich teile diese Erfahrung. Und es war kein Einzelerlebnis.

Heute war ein sehr ruhiger Tag. Ich schwamm raus und nahm die erste Welle des Tages, und gefühlt auch die letzte. Ein paar andere schwappten noch herüber, aber irgendwann entschied ich dann schon, einfach ein wenig Paddelsport zu betreiben um für die nächste Runde fitter zu sein. Dann legte ich mich in die Sonne, oder eher auf den Sand. Es war warm genug um zu trocknen, aber nicht zu warm um liegen zu bleiben. Ich sah wieder Wellen vor meinen Augen und muss weggedöst sein. Irgendwann setz ich mich wieder auf und man hätte meinen können, man habe mich zum Mittelmeer verschleppt. Denn genauso sah es aus. Ruhiges türkis-grünes Wasser. Eine ebene Fläche. Kein Mensch im Wasser, schon gar kein Surfer. Dann schwamm ich ne Runde im Wasser hin und her, ein wenig Sport muss sein. Und zum Schwimmen komm ich ja sonst nicht. Mit Neo ist das auch nicht so schön. Doch heute war ein Neo-freier-Tag. Wieder hingelegt, genoss ich das Nichtstun. Ich hörte es ja auch ohne Wellengang plätschern. Ein wunderbares Geräusch.

Als es zurück zum Camp ging, entschied ich, ne Runde Joggen zu gehen. Einfach zum Nachbarort und mal die Lage checken. Ja, es gibt Postkarten, immerhin. Zwei verschiedene, die passen. Dann kriegen wohl doch viele die gleiche Karte, was soll’s. 

Und vielleicht kauf ich mir ein Shirt fürs Wasser. Die Kombi heute war nicht so ideal. 

07.08.2014 um 16:33 Uhr

Zehn Tage

von: indalo

„Zehn Tage lief ich barfuß.“ - würd ich jetzt gern sagen. Doch zwei von drei Tagen schlüpfte ich in ein paar Latschen, da ich das Gefühl hatte, es käme nicht gut an, wenn man barfuß durch den Supermarkt stolpert.

„Zehn Tage habe ich in keinen Spiegel geguckt.“ - bis auf ein oder zweimal, als ich aus der Dusche kam. Der hing da einfach, da konnt ich nichts für. 

„Zehn Tage hab ich im Zelt geschlafen.“ - sind dann aber nur neun Nächte. 

Zumindest der erste dieser Sätze geht mir durch den Kopf, seit diese zehn Tage vorbei sind. Zauberhafte zehn Tage. Jetzt wollte ich schreiben, dass es erinnerungswürdige zehn Tage waren. Doch ich hielt inne… ich weiß gar nicht, was einer Erinnerung würdig wäre. Die Gesamtheit des Ganzen, aber keine einzelnen Ereignisse. Keine bestimmten Momente, nein, einfach alles zusammen.

Und seit mir dieser erste Satz durch den Kopf geht, denke ich mir, dass ich wieder viele Tage barfuß laufe. Dass es wunderbar wird. Doch jetzt hatte ich schon seit sechs Tagen wirklich überhaupt keine Schuhe an und es ist nicht so wunderbar wie diese anderen zehn Tage mit kurzen Pausen. Einfach weil ich es hier gar nicht so genießen kann. Die Straße ist heiß und der Sand reibt nicht nur die aufgebaute Hornhaut wieder ab, nein, er ist auch noch so heiß, dass ich eher ihm als dem Asphalt die Schuld für die wunden Füße geben möchte. So schlimm ist’s auch nicht, aber im Zimmer angekommen leg ich die Füße nicht nur hoch, weil ich erschöpft bin vom Tag. Nein, auch, damit die Füße sich erholen können. 

Womöglich hab ich Brandblasen. 

Die Nacht nach der Mückennacht war besser. Nicht gut, aber besser. Die zuvor gesammelten Mückenstiche hielten mich auf Trab. Ich weckte mich durchs Kratzen selbst. Das ist so unbewusst, dass kann ich nicht unterbinden. Nunja. Heute versuch ich mir ein Mittel dagegen zu besorgen. Davon lass ich mir doch nicht meinen Urlaub versauen. 

Der heutige Tag war grandios. Die Wellen waren bombastisch. Mein Körper ist definitiv grundgereinigt. Vom Wasser durchgespült, vom Salz desinfiziert. Und wie sagte der eine da draußen sinngemäß: „Ich brauch Endorphine um die Schmerzen in der Schulter vor meinem Körper zu rechtfertigen.“ Die Arme, die Schultern, der Rücken. Das sind - neben den Mückenstichen - die Körperstellen, derer ich mir derzeit am Bewusstesten bin. Ich würde es nicht als Schmerz bezeichnen, doch womöglich sind die Endorphine auch einfach schneller. „Einfach nur geil“ war heute der Satz des Tages.

06.08.2014 um 10:52 Uhr

Eine Morgensession

von: indalo

Salz, überall ist Salz. Es klebt nicht, es krümelt nur. Die Haare stehen zu Berge, die Haut hat definitiv Sonne gesehen und die Füße bekommen so viel Abwechslung wie nie.

Ich genieße meinen Urlaub. Meistens. Letzte Nacht war nicht so schön. Ich bin extra früh ins Bett um heute fit zu sein. Nach einer Stunde kamen meine Mitbewohner ins Zimmer. Leise sein liegt ihnen leider nicht. Und duschen auch nicht. Genauso wenig wie Licht ausmachen. Nach jeder Dusche der beiden verspäteten Damen steht das Bad unter Wasser. Sogar die Klobrille ist nass - wie auch immer das funktioniert. Und das war jetzt schon der zweite Tag an dem sie das Licht angelassen haben. Stundenlang. Idioten.
Nun denn, ich bin also wieder aufgewacht und wartete, bis sie im Bett lagen. Dann bekam ich wieder ne halbe Stunde schlaf, bis ich den politischen Diskussionen unter meinem Fenster beiwohnen durfte. Meine Güte. Es ist Mitternacht, geht ins Bett. Gut, das war geschafft, doch dann kamen die Mücken. Im Rudel. Ich konnte nicht einmal mehr einschlafen. Es surrte und juckte, juckte und surrte. Mistviecher.
Ist es nicht erstaunlich, wie so ein winziges Wesen uns mächtigem Menschen das Leben erschweren kann? Einfach erstaunlich. Ich versuchte, mich zu entspannen. Ich versuchte, mich abzulenken. Es nützte alles nichts. Um drei Uhr morgens war ich immer noch wach. Ein paar Mal stand ich auf um mir die Arme zu kühlen. Es juckte einfach unerträglich. Irgendwann muss ich noch mal weggedöst sein, aber von Schlaf war keine Rede. Dann klingelte der Wecker und ich sprang auf. Es war noch halbdunkel draußen. Egal. Es ist ein guter Tag um früh aufzustehen. Eine Wanderung an den Strand folgte, barfuß, versteht sich. Und dann ab in die Wellen. Ja, das hat sich gelohnt. Es fühlt sich wunderbar an. Das Meer schubst und schiebt. Ich lasse mich gehen. Die anderen paddeln weit raus, doch ich bleib da, wo die Wellen sind. Schnell dankt es mir das Meer mit ein paar guten Wellen. Ich bin begeistert. Der Rest sitzt auf seinen Bretter und starrt aufs flache Meer hinaus. „Macht doch, was ihr wollt“, denk ich mir nach der fünften Welle. Ich bin hier richtig. Die Müdigkeit spür ich überhaupt nicht. Es geht mir gut.