indalo

30.09.2014 um 23:22 Uhr

Zehn Stunden reichen nicht

von: indalo

Um 17h30 will ich das Gebäude verlassen und Arbeit Arbeit sein lassen. Ich verabschiede mich von einer Kollegin mit den Worten „Um halb sechs ist Feierabend. Um halb acht hab ich heute angefangen. Zehn Stunden muss reichen.“ Da guckt sie mich nur an und meint „Das find ich gar nicht so schlimm.“ Ich guck entsetzt und sie erklärt: „Wenn’s denn nach den zehn Stunden vorbei wär… aber das ist es nicht, wir gehen nach Hause und machen weiter.“ Sie hat Recht. Ich schwang mich aufs Rad und spendete den Vampiren Blut. Dann fuhr ich nach Hause, holte meine Essensreste von gestern aus dem Kühlschrank, stellte sie in den Ofen und startete den Laptop. Weiter geht’s. Als ich denke, dass das Essen nun warm sein könnte, hole ich es mir, guck ne Runde youtube und mache weiter. Nun ist es Viertel nach elf. Ich bin müde. Sehr sogar. Morgen muss ich nicht erst um halb acht auf Arbeit sein, nein, sogar ne Stunde früher. Wie jeden Mittwoch. 

Dass Freundschaften gerade zerbrechen, ist nicht verwunderlich. 

Die wenige Freizeit, die ich habe, verbringe ich mit gemeinnützigen Sachen. Das kann’s doch nicht sein. Deswegen hab ich heute direkt noch Pläne gemacht, Donnerstag ne Freundin samt Kind zu sehen, und morgen werd ich mich hoffentlich auch aufs Rad schwingen und selbiges mit ner anderen Kombi aus Mutter und Kind tun. Zumindest hoffe ich, dass ich mich morgen aufgerafft kriege. Die Nächte werden schließlich nicht länger, nur die Dunkelheit. 

23.09.2014 um 21:35 Uhr

Alles Idioten

von: indalo

„Er hat’s geschafft.“ waren die Worte, die ich hörte, als ich den Anruf annahm. Stille. In meinem Kopf „Wer hat was geschafft?“ Es blieb leise. Also doch nachfragen: „Er hat was geschafft?“ - „sich umzudrehen“ kam als selbstverständliche Antwort. 

Es tut mir ehrlich Leid, wirklich, denn ich bin ganz weit weg von diesem Babykram. Babys sind wunderbar, doch momentan fühl ich mich dem ganz fern. Denn ich schaffe es zu sagen „Oh wie schön“, doch ich fühle es nicht. Da hat sich halt jemand umgedreht. Das ist bestimmt aufregend für die Eltern, und es rührt mich, dass er mich deswegen anruft, aber so ganz nachvollziehen kann ich das nicht. Also nicht nachempfinden, nachvollziehen dann doch. 

Aber in mir, in meinem Leben, ist gerade ein heilloses Durcheinander. Ich bin sauer, die ganze Zeit. Menschen, Freunde und Kollegen, weichen vor mir zurück. Ich empfinde es gar nicht als so dramatisch, aber mein Umfeld zeigt mir ein unschönes Spiegelbild. Ich ziehe mich wieder zurück. Lieber sage ich nichts, als dass ich etwas falsches sage. Doch glücklich bin ich damit nicht. Also suche ich wieder das Gespräch. Und dann tritt mir ein Depp nach dem anderen auf die Füße. Das ist doch nervig. „Alles Idioten“ sag ich mehrmals täglich. Und ich meine es. 

Manchmal betrete ich den Raum und warne anwesende Menschen vor, dass ich schlecht gelaunt bin und weiß, dass die Anwesenden nichts dafür können, ich dennoch davor warnen möchte, mich unnötig zu provozieren. 

Ich bin geladen. Unter Strom. Fortwährend. Nein, da hilft es auch nicht, wenn mir ein Saal voller Menschen applaudiert. Das interessiert mich nicht, das geht an mir vorbei. Überflüssig und unnötig. Der viel größere Lohn ist, dass sie machen, was ich erwarte. 

Und so schwanke ich zwischen der Maßnahme laufen zu gehen und Tagebuch zu schreiben. Die letzten beiden Nächte legte ich mich weit nach Schlafenszeit ins Bett und lag noch lange wach. Hellwach war der Geist, doch der Körper konnte nicht mehr. Es rumort in mir. Nicht zuletzt, weil ich gerade einer Freundschaft diesen Titel nehmen möchte. Ich kann die Gefühl dieser Situation gegenüber nicht greifen. Sauer. Traurig. Verletzt. Entsetzt. Sprachlos. Es tut nicht weh, dazu bin ich zu aufgebracht. Deswegen bin ich vermutlich auch so unter Strom. Vielleicht halte ich mich unter Strom um diese Situation auszublenden. Denn diese Fassungslosigkeit raubt mir den letzten Nerv. Ich möchte da jemanden aus meinem Leben streichen, so wenig kann ich damit umgehen. Und ich weiß noch nicht, was am Ende dabei rauskommen wird. Momentan bin ich radikal und sag „Tschüß, sei doch ohne mich unglücklich.“ Alles Idioten, ganz klar.