indalo

29.01.2015 um 19:19 Uhr

Entwöhnung

von: indalo

Vor einigen Tagen las ich, dass man sich nach fünfzehn Tagen an etwas gewöhnt hat. Wenn wir also etwas tun wollen, wozu wir nicht unbedingt Lust haben, dann müssen wir es nur fünfzehn Tage tun und die Gewöhnung setzt ein, sodass uns das fortfahren mit der Tätigkeit leichter fällt. Interessant. Und sicherlich auch wahr. Ich stehe ganz vorne, wenn es darum geht, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Das sind wir, so viel mehr als wir merken, so viel öfter als uns bewusst ist und so viel schneller als wir es wahrnehmen können. 

Und jetzt stellt sich mir die Frage: Haben wir uns entwöhnt? Du und ich? Denn wir haben uns seit drei Wochen nicht wirklich gesehen und gehört. Es gab kurze Kontaktaufnahmen, aber die waren nicht natürlich, nicht so entspannt wie sonst. Und auch jetzt betrachte ich den Namen auf meiner Telefonanzeige mit Skepsis. Soll ich rangehen? Es wird doch nur die „übliche“ Unterhaltung darüber, dass wir beide Lust hätten uns zu sehen, aber keiner sich bewegen mag. Ich bin stur, und du neuerdings auch. Ich habe vor Stunden angerufen und wollte das Ende dieser Ära einleiten. Du hattest besseres vor. Offensichtlich, zumindest hörte ich bis eben nichts von dir. Ich bin also in meinem Trott angekommen und soll den jetzt verlassen, weil du gerade Langeweile hast? Obwohl du müde bist? Und morgen ja dein Turnier ist. Also Lückenfüller spielen, das darf ich? Nein, möchte ich nicht. Du bist noch unterwegs, du kannst vorbei kommen. Ich breche jetzt nicht mehr auf. Und auch deine Aussage, dass du dir morgen Nachmittag vorstellen kannst, stört mich. Schön für dich. Soll ich jetzt warten, bis du nach Hause kommst? Nein, ich bin bockig. Jetzt möchte ich mir speziell für morgen Nachmittag etwas vornehmen. Mal sehen, ob ich das auch mache. 

Ich finde es schade, dass es so ist. Ich freue mich, dass du dir Dinge vornimmst, doch in mir entsteht ein unschönes Gefühl. Trotz und Bock. Denn du gehörst zu der Sorte Mensch „aus den Augen, aus dem Sinn.“ Ich kenn da noch jemanden, der mich schon vor Jahren aus den Augen und aus dem Sinn verloren hat. Das habe ich bis heute nicht überwunden. Und dass gerade ihr beide nun zusammenhängt, euch Nächte um die Ohren schlagt und du mir gegenüber die Haltung hast, überhaupt keine Zeit zu haben, macht es nicht besser. 

Ich wünsche mir mal wieder Zeit mit dir, ohne Ende. Ohne dass du was vorhast. So wie früher. Doch darauf kann ich wohl noch lange warten. 

Unsere Leben haben sich auseinander entwickelt. Ganz eindeutig. Siehst du das?

Für mich steht fest: So schnell wie wir uns an etwas gewöhnen können, so schnell können wir uns auch entwöhnen. Und normalerweise fällt mir erst auf, was mir fehlt, wenn es wieder da ist. Ich freue mich auf den Tag, an dem dies auf dich zutrifft. 

26.01.2015 um 13:22 Uhr

begehrt, geehrt, geschmeichelt

von: indalo

Ein gelungener Tag

Um sieben wurde ich wach, kurz darauf ging ich auf Klo und bin zurück ins Bett. Ich weiß nicht mehr, wann ich das das letzte Mal tat. Ich genoss die Ruhe, Wärme und Zeit. Um halb acht stand ich auf, schnitt mir nen Apfel und setzte mich an den Schreibtisch. Zwischendurch überkam mich doch der Hunger, sodass ich Tomaten und Mozzarella schnitt und verspeiste. Nach zwei Stunden war ich mit dem lang vor mir her geschobenen fertig und verschickte es per Mail. Noch kurz Wii gespielt und um zehn klingelte es an der Tür. Der Bruder einer Freundin möchte, dass ich ihm ne Fremdsprache beibringe. Sonntags um zehn. So unterhielten wir uns und führten auch endlich das über ein Jahr ausstehende Gespräch zur Wanderung. Halleluja. Um zwölf saß ich mit seinen Eltern, seiner Cousine und seiner Nichte am Tisch und aß zu Mittag. Kurz darauf verschwanden die Eltern samt der Oma, die auch noch zu Besuch kam. Einige Zeit später ging auch die Cousine. Wir blieben allein mit dem Kleinkind. Und es war großartig. Er erzählte von seinen Frauengeschichten und seiner Vergangenheit. Wie seine Mutter keinen Besuch wollte. Das waren alles Fremde. So stand sie damals auch mir gegenüber. Doch ich gewann sie für mich. Auch er sagte, ich gehöre zur Familie. Und würde ich je ein Dach überm Kopf brauchen, so wäre ich willkommen. Ich fühlte mich geehrt.

Später fuchtelte die Kleine mit ihren Patschern in meinem Gesicht rum und war etwas unliebsam mit meinem linken Auge. Also blinzelte ich sie aus dem rechten an, dass sie vorsichtig sein muss. Sie guckte irritiert auf mein geschlossenes Auge, weshalb ich meinte, dass sie es streicheln muss. Das tat sie ganz, ganz zärtlich und es ertönte neben mir in purer Faszination “Du kannst echt gut mit Kindern umgehen.“ Ich fühlte mich geschmeichelt.

Wir aßen gemeinsam Kuchen, ich wickelte die Kleine (er hat das noch nie gemacht) und er brachte die volle Windel weg. Sowieso bediente er mich, weil es sich für ihn so gehört. Und die Kleine malte auf meinen Beinen stehend, verfolgte mich bis zur Toilette, wo sie gespannt lauschte und mich beobachtete, und ließ sich von mir beruhigen, als sie stolperte und sich erschrak. Es war ein toller Tag, auf den noch ein Besuch im Musical mit meiner Mutter folgte. Achte Reihe, Platz vier. Doch für das Finale wurde daraus geplanterweise die erste Reihe. Es war ein Erlebnis.

Und als ich mir dir grüne Bluse anzog, platzte “Hast du grüne Augen?“ aus ihm heraus. Gefolgt von einem fast schon entschuldigendem “die kommen gerade so zur Geltung.“ Ich fühlte mich begehrt.

24.01.2015 um 08:47 Uhr

Es ist so schön, dass du mich kennst... und mir was gönnst.

von: indalo

Als ich vor zwei Wochen den Abflugtermin verkündete, hieß es von meiner längsten Freundin nur: „Und darüber soll ich mich jetzt freuen?“ Ja, sollst du. Du sollst dich für mich freuen. Du hattest jetzt ein halbes Jahr Zeit mir Vorwürfe zu machen. Jetzt ist vorbei. Jetzt solltest du da angekommen sein, wo du dich für mich freuen kannst. Wo du verstehst, dass es für mich wichtig ist und es mir gleichzeitig aber auch nicht leicht fällt, dich und deine kleine Tochter so lange allein zu lassen. Und ich tue es trotzdem, eben weil es so wichtig ist. Und deswegen solltest du dich jetzt mit mir freuen, weil ich dir wichtig bin. 

Seit der erste Flug gebucht ist, wälze ich Kataloge und so ein Buch mit Sehenswürdigkeiten der ganzen Welt. Schon vor Monaten sah ich Reisen mit Preisen, denen ich nur einen Vogel zeigen konnte. Ich zahl doch nicht mehrere Tausend Euro für ein oder zwei Wochen. Ich bin doch nicht bekloppt. Dachte ich. Dann beschäftigte ich mich immer länger damit, fand andere Angebote, die ähnlich teuer sind, aber anderes bieten. Da waren günstige dabei und ich überzeugte mich, dass ich das Geld ausgeben darf. Die günstigsten Fahrten waren jedoch schon ausgebucht oder zu Zeiträumen, die nicht in Frage kamen. Und so stieg der Preis. Ins Unermessliche. Ich komme mir größenwahnsinnig vor. Ich habe mir nie einen Betrag festgelegt, den ich auszugeben bereit bin. Ich wollte es nicht und will es jetzt auch noch nicht. Ich will machen, was ich möchte. Und wenn ich es mir leisten kann, dann ist mein Wunsch das auch Wert. Und so stolperte ich vorgestern Abend aus dem Reisebüro mit dem Gedanken, dass ich jetzt vollends größenwahnsinnig bin. Ich entschied mich für eine ganz bestimmte Telefonnummer in meinem Handy. Sie rief zurück und bejahte die Frage, ob sie Zeit hat. Und so erzählte ich ihr von meinem Wahnsinn. Erst schluckte sie. Mehrere Tausend Euro für zwei Wochen. Das muss man erst einmal verdauen. Und im weiteren Telefonat hatte sie es verdaut und bearbeitete mich. Wenn ich überhaupt darüber nachdenken kann, so viel Geld für so wenig Zeit auszugeben, und ich es dann auch in Erwägung ziehe, dann soll ich es verdammt noch mal tun. Einerseits arbeite ich hart für das Geld, andererseits ist es mein Traum und jeder hat andere Prioritäten. So erzählte ich ihr davon, dass ich mir noch am selben Tag die Frage stellte, ob ich das Laugenbrötchen oder -brezel kaufe. Ersteres kostet fünf Cent weniger. Es macht absolut keinen Unterschied, wenn ich mir meinen Kontostand angucke. Das ist total idiotisch. Außerdem finde ich ungefähr wöchentlich fünf Cent, weil andere Menschen die bronzefarbenen Münzen einfach fallen lassen. Ich brauchte ihr nicht zu erzählen, was ich kaufte. Sie wusste es. Es wurde nicht einmal kommentiert. Und so telefonierten wir die ganze Bahnfahrt über, ich erzählte ihr von dem einzigen Grund, der mich dazu brachte, ernsthaft in Erwägung zu ziehen, die Reise später zu machen. Sie verstand es nicht, sagte zwar „Das ehrt dich“, aber für sie ist es kein Grund. Für mich schon, sogar ein verdammt guter. 

Wie auch immer, ich ging mit ihr am Ohr einkaufen und als ich bezahlt hatte, sagte sie nur: „Und jetzt guck dir an, was du gekauft hast. Du murmeltest was von Nudeln, und du hast natürlich die günstigsten Nudeln gekauft. Wenn ich reise, würde ich mein Geld für Essen ausgeben, denn Länder und Essen sind meine Prioritäten. Du hast andere Prioritäten, und dann gibst du dafür dein Geld aus. Andere träumen von einem Haus und verschulden sich dafür. Du musst dich für deinen Traum nicht einmal verschulden.“ Ja, aber die Preise für Essen erreichen nicht einmal in einem Jahr die Summe, die ich im Begriff bin für zwei Wochen auszugeben. Denn von dem Geld habe ich über mehrere Jahre hinweg ein ganzes Jahr gelebt - inklusive Urlaub. Von dieser Summe habe ich zwölf Monate ALLES bezahlt. Miete, Studiengebühren, Essen, Klamotten, Geschenke, Urlaub, etc. Einfach alles. Und genau deswegen ist es eindeutig, dass ich jetzt größenwahnsinnig geworden bin. 

Im Bett liegend dachte ich mir dann: Danke, dass du mir das auch gönnst. Du, die von all den Menschen, die ich zur Zeit kenne, das wenigste Geld hat. Du, die immer noch von etwa der Summe im Jahr lebt, die ich jetzt einfach so ausgebe. Du gönnst mir das. Da ist kein Neid, keine Missgunst, kein blöder Kommentar. Kaum irgendwem mag ich den Preis der Reise verraten, weil ich die Reaktionen kenne. Sei es meine Mutter, mein Vater oder meine anderen Freunde. Gerade jene, die mal eben vier Sitzsäcke für dreihundertfünfzig Euro kaufen und mehrmals die Woche Essen gehen oder nach Hause bestellen, gönnen mir so etwas nicht. Gerade diese Leute, deren Lebenshaltungskosten im Monat vermutlich einen Tausender über meinen liegen, sind neidisch und meinen, ich würde zu gut bezahlt werden. Und das ärgert mich. Doch statt mich darüber zu ärgern, bin ich lieber froh, dass es dich in meinem Leben gibt. 

12.01.2015 um 16:47 Uhr

Eine Familie, in die ich hineingeraten bin

von: indalo

„Ich soll dich von meiner Mutter grüßen. Du sollst mal zum Essen vorbei kommen.“ - „Okay.“ - „Ja, sie meint, du bist so selten da. Und achso, sie hofft, dass du weißt, warum es dieses Jahr keine Kekse gab.“

Es sind so einfache Sätze, doch da steckt so viel drin. So viel Liebe, so viel Wärme, ja, auch so viel Geborgenheit. Und dann noch heute mit der Enkelin der Keksfrau zu telefonieren - ja, wirklich telefonieren - macht mich ganz schwach. Sie brabbelt nicht mehr, sie erzählt mir was. „Anziehen.“ - „Bist du denn schon angezogen?“ - „Ja!“ - „Soll Mama sich noch anziehen?“ - „Ja.“ Und dann erzählt Mama was vom Kindergarten und ich frag die Kleine „Wie findest du denn den Kindergarten?“ - „Schööön.“ Und ich schmelze dahin. Dieses Kind ist so zauberhaft, ihre Mutter ein Grundbaustein meines Lebens und die Oma backt seit Jahren für mich Kekse. Was möchte man mehr im Leben?

Und mit dem Papa dieses schon sprechenden Kindes war ich letztes Jahr Schuhe kaufen, wofür ich von unbeteiligten Personen total entsetzt angestarrt wurde.

„Laufschuhe.“ stellte ich klar, und die Erleichterung machte sich breit.

Doch letzte Nacht kam mir DIE Idee, wie ich diese vollkommene Situation nicht gefährden, sondern noch mehr abrunden könnte. Wenn ich wöllte. Ich weiß nicht, ob ich will. Das werde ich so schnell auch nicht entscheiden. Doch einfach um die Optionen zu kennen, muss ich dem Herren der mittleren Generation in den nächsten Monaten eine Frage stelle. Ich brauche dann keine Antwort, ich möchte nur sehr viel Zeit zum Nachdenken einräumen. 

08.01.2015 um 22:35 Uhr

Drei Dimensionaler Drucker und die erste Buchung

von: indalo

Was für ein Tag. Er begann… müüüde, hundemüde. Die Nacht war zwar länger, aber nicht ausreichend. Gerädert schleppte ich mich zur Arbeit und merkte, wie meine Leistungsfähigkeit zu wünschen übrig lässt. Nichts mit schnellen Reaktionen, mein Hirn arbeitete und arbeitete, doch nicht so schnell wie sonst. Entscheidungen fielen nicht vom Himmel, sie kamen einfach nicht zu Stande. Ich ließ andere entscheiden. Hat auch irgendwie funktioniert.

Dann hab ich mich ganze zwei Stunden mit nem Kollegen verquatscht und fühlte mich wie auf der Psychologencouch. Nicht, weil er so psychologisch wirkte, sondern weil ich redete und redete, und er schwieg. Er machte überhaupt keine Anstalten zu fliehen - ich wär an seiner Stunde ziemlich schnell von dannen gewesen, fürchte ich - und hörte mir zu. Gelegentlich versuchte er, sich einzubringen, aber eher selten und mit wenig Erfolg. 


Der Tag war nicht vorbei, ich machte mich auf den Weg in die Stadt und stand vollkommen unerwartet vor einem dieser Geräte, die dreidimensional drucken. Pure Faszination. Endlich weiß ich, wie das funktioniert. Die Faszination hat noch nicht abgenommen, aber auf dem Heimweg überlegte ich, ob nicht viele Maschinen auf eine Art dreidimensional drucken. Ich hab offen gestanden keine Ahnung, wie Klamotten maschinell hergestellt werden. Letztlich gibt man der Maschine doch auch Stoff und bekommt am Ende einen dreidimensionalen Gegenstand. Oder nicht? 

Oder Schrauben. Man gibt irgendsoein Material, Eisen oder sowas, in die Maschine und bekommt wiederum ein dreidimensionales Produkt. 

Da ist bestimmt irgendein Unterschied, der mir nur nicht bewusst ist. Aber unterbewusst kenn ich ihn, sonst würde es mich nicht so faszinieren. Ich habe dieses Gerät leider nicht in Aktion gesehen, aber einfach davor zu stehen und das fertige Produkt zu sehen, anzufassen und fühlen zu können, brachte manch eine Glühbirne in meinem Hirn zum Leuchten. Sooo funktioniert das. Klar doch. Und jetzt kann ich so einen dreidimensional gedruckten Gegenstand mein Eigen nennen. Tolle Sache. Das werde ich demnächst ganz stolz und zeitgleich fasziniert anderen präsentieren - und ich hab jetzt schon das Gefühl, die werden mich für vollkommen bekloppt halten. 

Tja, und dann wurde der Tag noch verrückter. Vor zwei Tagen fiel mir des nachts auf, dass ich ja mal wieder in die Stadt fahr und gleich mal beim Reisebüro vorbei schauen kann. Gestern blieb keine Zeit zum darüber nachdenken, sodass ich heute eher als Kurzschlussreaktion meines nur knapp dem Zusammenbruch entgehenden Gemütszustandes tatsächlich durch den Regen lief und mich dahin begab. Ich wollte irgendwas buchen. Ich muss irgendwann mal anfangen. Und der Einfall von Dienstagnacht war, dass ich jetzt den ersten Flug buche. Einfach um ein Datum fest zu haben und weitermachen zu können. Oder eher anzufangen. Und so hatte ich eine neue Sachbearbeiterin, die mich wieder rundum verwirrte. Bei meinem heutigen Zustand und der nur geringen Auffassungsgabe sowie Konzentrationsfähigkeit echt ungünstig. Ich sagte ihr den Tag, ab dem ich los möchte. Sie suchte und notierte einen Flug. Ich erklärte, dass auch der nächste oder übernächste Tag in Ordnung sei. Wer so lange reisen möchte wie ich, den stört ein Tag mehr oder weniger nicht. Und schon gab’s eine günstigere Verbindung für den darauffolgenden Tag. Nur einmal umsteigen. Wir redeten und redeten, irgendwann erwähnte sie nebenbei, wo ich umsteige. Reykjavik. Huch? Jetzt doch? Na dann. Das wollte ich doch die ganze Zeit. Auf meinem Weg in den Westen auf Island oder Grönland einen Stopp einlegen. Und da meint der Zufall es gut mit mir, ich mach nen kostenfreien Zwischenstopp in Reykjavik. Jetzt schlaf ich noch ne Nacht darüber, wie viele Tage es für diese kleine Insel werden sollen, und morgen buche ich fest den ersten Flug. Aber eigentlich habe ich das schon heute getan. Denn ich werde fliegen. Nach Kanada. In hundertdreiundneunzig Tagen bin ich weg. 

07.01.2015 um 18:31 Uhr

Ein Date mit meiner Chefin?

von: indalo

Nach vier Stunden Schlaf und zehn Stunden Arbeit hüpfe ich nach Hause und freue mich. Einfach so. Gerade in den letzten zwei Tagen entgegnete man mir mal wieder, dass wenn ich doch auf Suche bin, ich nicht glücklich sein kann. Warum nicht? Ich reagierte da ziemlich gelassen, es ist auch nichts, was mich aufregt, aber mal ehrlich: Warum kann ich nicht glücklich sein, während ich auf Suche bin? Wonach auch immer. Ich bezeichne mich als glücklich, weil ich nachts im Bett liegen kann, mal wieder nicht einschlafe und trotz des Wissens, dass der Wecker in wenigen Stunden klingeln wird und es total überflüssig ist, stundenlang wach zu bleiben, einfach anfange zu lächeln, weil mir irgendwas eingefallen ist. Während meine Gedanken durch die Gegend wandern, bewegen sich meine Mundwinkel nach oben. Ohne bewusste Anspannung. DAS macht für mich Glücklichsein aus. 

Und weil ich es genießen kann, morgens als erstes auf Arbeit zu sein - gezwungenermaßen, ich schlafe sonst gerne länger. Trotz der Pflicht ist da so viel Genuss. So viel… Freude und Glücksempfinden. Und das schon, bevor ich dieses… mysteriöse Gespräch mit meiner Chefin führte. 

Vor dem Urlaub ging ich verschwörerisch mit einer Kollegin spazieren, da wir nicht überhört werden wollten. Ich wurde mit ihr gesichtet und merkte, dass von höheren Ebenen zur Kenntnis genommen wurde, dass wir uns unterhalten. Ich tippe darauf, dass sie ahnten, worum es ging. Es gab auch noch andere Gespräche mit anderen Kollegen, in denen ich immer mal wieder äußerte, dass ich darauf warte, dass man mit mir ein „ernstes Gespräch“ führt. Ich warte auf Kritik. Dies schien mich zu Urlaubsbeginn so sehr zu beschäftigen, dass ich von meiner Chefin träumte und in diesem Traum unsere zauberhafte Verbindung verschwunden ist. Ich wachte mit einem unschönen Gefühl auf. Das ist nun schon einige Zeit her und ich las gestern Nacht wieder von wohltuenden Gesprächen mit meiner Chefin, in denen sie mir auf zwischenmenschlicher Ebene so viele Komplimente macht. Ohne Worte, sondern zwischen den Zeilen. Und dann stand ich heute in ihrem Büro, weil ich einen Ordner brauchte und als sie reinkam, fragte sie - mich sehr auffordernd anschauend - wie Weihnachten gewesen sei. Ich setzte mich spontan und sie sprang auf („Ich schließ mal eben die Tür.“) um sich direkt zu mir zu setzen. Dann schaute sie mich an. Direkt, interessiert, auffordernd. Wir unterhielten uns. Über Weihnachten, über Familie, über Sylvester. Über alles. Nicht pauschal, nicht allgemein plänkelnd, sondern so richtig mit dem Hintergrund, einander kennen zu lernen. Auf dem Heimwegstelefonat formulierte ich, dass es schon fast den Anschein eines Dates hatte. Und das war sehr kurios. Keine Ahnung, ob das die psychologische Geheimwaffe ist und damit Mittel zum Zweck, mich wieder von den motzenden und „falschen“ Kollegen auf ihre Seite zu ziehen, aber das ist mir auch wurscht. Es war ein schönes Gespräch, das plötzlich ganz andere Wendungen nahm. Wir vertrauten uns einander an, was - zumindest einen - bestimmten Kollegen angeht. Es lief einfach. Und es ging in so viele Richtungen. Sie leitete mir auch noch Komplimente von Kollegen weiter, sie höre des Öfteren „Wenn wir Indalo nicht hätten…“ und meinte dazu nur: „Was auch immer es ist, was du da machst. Mach weiter so. Das kommt gut an.“ Und damit war nicht meine Beförderung gemeint, da überhäufen sie mich ohnehin mit Komplimenten. Nein, es war etwas völlig anderes, bei dem ganz konkrete Kollegen für Lobeshymnen in Frage kommen. Und sie wartete nicht auf ein Danke, sie erzählte es mir einfach. 

Ach, ich bekomm das alles nicht mehr zusammen. Es war einfach ein schönes Gespräch, was vermutlich noch Stunden hätte dauern können, wenn ich nicht einen Termin gehabt hätte. Selbst als ich aufstand, entließ sie mich erst Minuten später, als ich erneut meinte, dass ich jetzt dringend zu einer Sitzung müsse.

Doch eins muss noch zitiert werden: „Hat dein Bruder Familie? Eine Frau? Einen Mann?“

06.01.2015 um 15:15 Uhr

Ich träume von...

von: indalo

Es ist mal wieder so weit, dass ich mich im Kreis drehe und mir Menschen im Internet angucke. Ich kann immer noch nicht auf diese Statistiken. Menschen nach Fakten aussuchen… das geht nicht. Ich reduziere und reduziere, und übrig bleibt: Ich will niemanden, der raucht. Alles andere ist mir sowas von egal. Da schreiben alle was von Loyalität, Ehrlichkeit, Nähe, etc. Das sind doch alles so grundlegende Dinge, dass man sie nicht zu erwähnen braucht. Oder doch? Also… ernsthaft? Nein. Ich möchte das nicht erwähnen, denn ohne das geht es eh nicht. 

Und was die Raucher angeht… ich bin nicht so tolerant wie man meinen könnte. Denn ich diskriminiere Raucher. Ich behandel sie im Alltag nicht anders, aber sie kommen mir mit dieser Angewohnheit nicht dichter. „Es ist doch nur eine Macke“ könnte man meinen. Nein, könnte man nicht. Da steckt mehr dahinter… Ja, eine Freundin von mir raucht. Das darf sie tun, ich schicke sie nicht in die Wüste. Aber ich schere offensichtlich Menschen mit dieser Angewohnheit über einen Kamm. Das ist ein Ausschlusskriterium. Immerhin eins.

Doch eigentlich wollte ich von den Träumen schreiben… das mag jetzt meine persönliche Erfahrung sein, aber alle scheinen die gleichen Träume zu haben. Eine Weltreise, ein Haus am Meer oder was weiß ich. Alle sind gleich. Es regt mich auf. Wenn wirklich alle so gleich sind - und ich da auch echt nicht anders bin - wieso begegnen mir diese Menschen nicht außerhalb von solchen Seiten, die dazu da sind, einen Partner zu suchen? Das ist mir ein Rätsel. Ist es schön, das zu schreiben? Macht man das einfach so?

In den letzten vierundzwanzig Stunden habe ich ein paar Fragebögen ausgefüllt. Erstaunlich, wie ich finde. Ja, ich erstaune mich auch selbst. Wie auch immer, ich mag ganz, ganz viel nicht beantworten. Es kategorisiert so. Das gefällt mir nicht. Und über eine Sache stolpre ich in den Profilen vieler Menschen. Sie träumen. Und in mir schreit es: Ich träume nicht von irgendwas. Ich träume nicht. Ich lebe. Verdammt noch mal, ich habe einen Traum, ich setze ihn um. Ja, vor ein paar Jahren tat ich das noch nicht, aber auch da war es kein Traum, da war es ein Plan. Und was geschieht, wenn ich diesen Plan vollends in die Tat umgesetzt habe, weiß ich nicht… gibt es dann neue Pläne? Vielleicht wirklich mal Träume?