indalo

24.03.2015 um 23:54 Uhr

Du bist eine tolle Frau

von: indalo

Mein Morgen begann sehr entspannt, da ich gestern Abend sehr ins Bett bin. Ich wollte mit niemandem mehr reden, sondern lieber mein Buch lesen. Und so ließ ich sowohl Handy als auch Festnetz klingeln. Mir doch egal. 

 

Irgendwann schlief ich selig ein und wachte dann heute morgen auf. So können Tage immer beginnen. Und dann frühstückte ich in Ruhe, setzte mich an den Computer und werkelte so vor mich hin. Irgendwann ging ich zur Arbeit und schaffte dort sogar mal was. Sehr schön.
In einer Pause setzte sich ein Kollege zu mir um mir von seiner morgendlichen Begegnung mit einem anderen Kollegen zu erzählen. Der erste soll morgen für alle etwas vorstellen, woraufhin der zweite Kollege den ersten ansprach, ob das denn so eine gute Idee sei. Genau genommen schlug er ihm vor, dass ich diese Vorstellung übernehmen soll, da der angesprochene Kollege immer gleich Unmut auf sich zöge. Was für ein Gespräch. Einerseits war mein Gesprächspartner ziemlich irritiert von einer solchen Aussage, nahm es aber mit Humor, und andererseits verwirrte mich an dem Gespräch, dass ich offensichtlich als friedlicher wahrgenommen werde. Mich verwundert dies einerseits, da ich durchaus oft unschöne Dinge den Kollegen mitteile, und andererseits weil ich mich absolut nicht als jemand sehe, der den anderen etwas präsentiert. Das kann ich überhaupt nicht leiden, und umso mehr überrascht mich, genau für diesen Posten vorgeschlagen zu werden. Offensichtlich muss nicht nur mein heutiger Gesprächspartner Fremd- und Selbstwahrnehmung überprüfen, sondern auch ich - mal wieder. 

 

In einer anderen Pause nahm eine Kollegin meine Jacke vom Stuhl und als ich sie ihr abnehmen wollte, hieß es sofort: „Ich meinte doch, dass das deine ist.“ - „Ach echt, das erkennst du?“ - „Na klar.“ - „Und das obwohl ich die erst seit einer Woche habe.“ - „Das seh ich sofort, das ist einfach dein Stil.“ - „Ich hab einen Stil?“ - „Oh ja.“

Das heißt zwar nicht, dass ich Stil habe, aber offensichtlich hab ich einen Stil, der sich von allen anderen Kollegen unterscheidet. Das wiederum erstaunt mich doch sehr. 

 

Gegen Mittag stand dann ein Gespräch bei der Chefin an. Es ging um die Auswertung alter Aktionen und die grobe Planung fürs nächste Jahr. Ganz plötzlich befand ich mich jedoch in einem Monolog ihrerseits. Sie schüttete mir ganz offensichtlich ihr berufliches Herz aus und nachdem ich mich nach circa fünf Minuten fragte, wie wir thematisch da gelandet sind, dass sie Gleichgestellte und Vorgesetzte mir gegenüber namentlich bewertet (und das keineswegs positiv), fragte sie mich weitere fünf Minuten und einen tiefen Seufzer später, wie wir (?) darauf gekommen seien. Ich war vorbereitet und erklärte ihr schnell den Hergang des Gesprächs, sodass wir zum nächsten Punkt kommen konnten. Auch den hakten wir schnell ab, irgendwie, sodass höchstens ein Drittel unseres gesamten Gespräches dienstlich war. Stattdessen ließ sie Nebenbemerkungen fallen, die ich natürlich nicht mehr in eine Reihenfolge bringen kann. Nur die Schlussworte hallen in meinen Ohren nach. Dazwischen kamen Sätze wie „Es ist so schön, dass du trotz all dieser Erfahrungen, die du hier gemacht hast, so eine positive Entwicklung durchgemacht hast.“ Ja, trotz. Ich bin ihren Aussagen nach positiver und fröhlicher geworden, habe eine Persönlichkeitsentwicklung zum Positiven durchlaufen. Das sagte sie in so einer Überzeugung und mit so viel Vehemenz, dass ich nur anmerken konnte, dass mich ihre Aussagen verwundern, da ich doch schon ein positiver und fröhlicher Mensch war, als ich dort zu arbeiten anfing. Und sie betonte es erneut, genauso wie sie sagte: „Ich mochte dich von Anfang an, wie ich dich auch schon spüren ließ. Aber es ist immer so eine Freude dich zu sehen.“ Jetzt wohl noch mehr. Bei anderen ist sie oft genervt, doch wenn ich komme, ist sie sich sicher, dass ich komme um ein Problem zu lösen - nicht nur zu jammern. 

 

 

Meine Liebe, ich glaube, da entstehen Muttergefühle. Oder wie soll ich mir diese Schleimspur erklären, die du gerade heute massiv verfolgt hast?

23.03.2015 um 20:44 Uhr

Dein Leben wird glücklich und friedvoll sein

von: indalo

...war die Aussage meines Glückskekses. Natürlich ist das alles Humbug, aber mir gefällt's. Vor allem da ich mir den Keks aussuchte. Von vieren in der Schüssel wollte ich unbedingt diesen. Und im Kontrast der anderen komischen Sätze, gefällt er mir noch besser. Auch wenn ich nur sagen konnte: Aber das ist es doch schon. 

Naja, ist wohl auch kein Aber. Denn es ist ja glücklich und friedvoll. Gut, dass mein Glückskeks dem zustimmt.

 

Heute gab es gleich zwei erste Male. Denn ich bin zum ersten Mal mit einer großen Gruppe Bowlen gegangen. Das war toll. Auf eine Art hab ich mich lange davor gedrückt - idiotischerweise hauptsächlich, weil ich da nicht anrufen wollte um einen Termin zu machen. Nicht nur im Nachhinein betrachtet ist das albern, auch vorher war ich mir dessen schon bewusst. Aber so bin ich. Ich hätte auch nicht gedacht, dass der Tag im Ganzen so toll laufen würde. Erst gab's Vorträge am Morgen, dann sprachen wir ein wenig über die Sonnenfinsternis der letzten Woche und schon ging's los. Bowlen und Essen. Und das Essen endete noch nicht mit dem Glückskeks. Ein Teil der Gruppe blieb mit mir nicht nur ziemlich lange im Restaurant sitzen und quatschte, sondern wollte mit mir noch zusammen Bus fahren. Und ich machte mit, einfach weil es so passte. Eigentlich hatte ich mal den Plan gemacht, noch da zu bleiben, aber daran dachte ich nur sehr kurz und verwarf es dann direkt. Zu nett war die Gesellschaft. Dann verabschiedete ich mich aber doch und ging einkaufen. Grünzeug kaufen. Grünzeug und süßes Obst. Und daraus sollte eins dieser farbigen Getränkeneuheiten werden. Ich schmiss also ein paar Zutaten in den Mixer, drückte auf den Knopf und erhielt eine sehr leckere Masse.

 

 

So richtig vermag ich nicht zu sagen, was mit mir (und zwei weiteren Personen meines Freundeskreises) gerade los ist. Irgendwas hat mich gestochen. Eine Eingebung? Nein, denn aus Überzeugung passiert hier gar nichts. Und die genervte Frage vor zwei Wochen, ob ich jetzt vegetarisch werde, konnte ich nur abschmettern. Nein, ich sehe nicht, dass ich vegetarisch oder gar vegan werde. Ich finde es auch albern, Obstbrei als vegan anzupreisen. Vielleicht ist es meine Antipathie gegenüber Schubladen, aber ich denke viel eher, dass es mein Unverständnis gegenüber sich selbst auferlegten Verboten ist. Denn diese Vegetarier, die schmachtend auf mein Essen starren, verstehe ich schlichtweg nicht. Entweder du willst es, oder du willst es eben nicht. Sei es nun das Fleisch oder den Verzicht. Auch Menschen, die Sport treiben und dann ständig jammern sind mir ein Rätsel. Ja, wenn man Muskelkater hat, darf man sich beschweren, aber rumnölen, weil man sich bewegen muss, finde ich nervig. Man MUSS nämlich gar nichts. Außer wollen. Und wenn man wirklich will, weil man die Einsicht oder Überzeugung hat, dann will man auch und muss nicht. 

15.03.2015 um 09:57 Uhr

Der Anruf meines Vaters und der Überraschungsgast

von: indalo

Als ich aus dem Urlaub nach Hause kam, hatte ich mehrere Anrufe auf dem Festnetz. Unter anderem von meinem Vater. Das wunderte mich, aber ich dachte mir nichts weiter dabei. Gestern rief er dann wieder an. Auch wenn wir eine gute Beziehung haben, ist es ungewöhnlich, dass mein Vater mich anruft - ja gar zweimal in einer Woche. Nun gut, ich war im Urlaub, das wusste er, und es war ein etwas anderer Urlaub, womöglich wollte er hören, ob alles gut gegangen ist. Also erzählte ich munter fröhlich drauf los. Nach einer guten halben Stunde fragte er mich, was ich denn montags so täte und kommentierte, dass seine Sitznachbarin grinste. Aha. Was kommt jetzt? Na, arbeiten. Bis wann? Keine Ahnung, muss ich nachgucken. Also tat ich dies. Sagte ihm meinen Dienstschluss und musste dann doch fragen, wieso er das wissen wollte. Also hieß es, er wollte mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit etwas anvertrauen. Aha? Sie wollen an einem Montag heiraten. Uh. Damit hab ich jetzt nicht gerechnet. Also vor einigen Jahren hab ich damit durchaus gerechnet, aber da schlug er das sehr vehement ab, weshalb seine Verlobte im Hintergrund nur meinte „Ich hab ihn weich geklopft.“ Das gefiel ihm nicht, weshalb sie es wieder zurücknahm. Aber letztlich stimmt es. 

Nun denn, niemand soll es erfahren. Mein Bruder hat wohl nur „Wird aber auch Zeit.“ gemeint und wird ebenfalls erscheinen. Soso… anscheinend darf seit der Scheidung meiner Eltern immer nur einer von beiden verheiratet sein. Denn meine Mutter heiratete kurz bevor mein Vater eine Beziehung mit seiner zukünftigen Frau einging, ist aber dann einen ähnlichen Zeitraum lang geschieden, wenn deren Hochzeit ansteht. Kurios. 

Dann musste ich die beiden Turteltäubchen jedoch abwürgen, da ich zu einer Hauseinweihung eingeladen war. So ziemlich gegenüber. Eine Kollegin ist so dicht gezogen, wie noch nie jemand bei mir gewohnt hat. Im Grunde kann ich ihr in den Garten gucken. So kam ich etwas spät und entdeckte direkt weitere Kollegen. Und das im Urlaub. Bin gespannt, wie gut sie die Arbeit ausklammern können. 

Einige Zeit später tauchte ein weiterer Pulk Kollegen auf. Mich wunderte, dass sie in der Gruppe erschienen - haben die sich vorher noch verabredet? Und über eine aus der Gruppe wunderte ich mich ein wenig. Zwar nicht so sehr wie ein anderer, wie ich des nachts erfuhr, aber ein wenig Irritation war schon vorhanden. Doch als ich im Laufe des Abends mit ihr und anderen im Kreis stand und der Herr zu meiner Rechten von einem Ohr zum anderen grinste, schienen seine Gedanken zu mir zu fliegen. Ich grinste, er grinste, und dann ging er sich etwas zu trinken holen, sodass ich das frisch verliebte Paar unter meinen Kollegen nur amüsiert beobachten konnte. Soso… das wusste die Grinsebacke neben mir doch schon. Als er wiederkam, grinsten wir wieder um die Wette und ich fragte mich, worauf genau sich sein Grinsen bezog. Meins allemal auf die per Gedanken übertragene Info. 

Später am Tisch ging es um die zwischen mir und Grinsebacke geplante Ehe, von der zwei Kollegen nicht wussten, ob sie sie ernst nehmen sollten. Als einer testend kommentierte „Also eine Scheinehe?“, grinste Grinsebacke „Nein, die Ehe würden wir auch konsumieren. Und das sogar gut.“ - „Davon bin ich überzeugt.“ unterstrich ich diese Aussage. 

Wer da jetzt was wie glaubt oder nicht glaubt, übersteigt meine Kompetenzen und ein wenig auch mein Interesse. Vor der Verabschiedung erwähnte die Gastgeberin, dass wir ja jetzt zum inner circle gehören, damit wohl nicht geplaudert wird. Doch dies liegt mir ohnehin sehr fern. 

Ach, eins noch: Wir sind jetzt für einen Lauf im Juni angemeldet. Einfach so. Nein sagen gehörte sich nicht. Nun denn, dann machen wir doch noch etwas gemeinsam bevor ich mich von dannen mache. Passt auf, liebe Kollegen, ich werd noch sozialfähig *gg*

14.03.2015 um 13:17 Uhr

Necesito que me lleves otra cosa

von: indalo

Das waren die magischen Worte, die mein Herz hüpfen ließen. Ich bin berührt, tief berührt. Vor zwei Wochen habe ich einen jungen Mann kennengelernt, den ich in den darauffolgenden zwölf Tagen lieben lernte. 

Ich weiß weder wann es geschah, noch wie es geschah. Doch ihn zu beobachten, mit ihm zu reden, das ist alles so natürlich, so entspannt. Er ist ein wunderbarer Mensch, und ich möchte behaupten, dass ich ihn gut kenne. Auch nach so kurzer Zeit. Auf der letzten gemeinsamen Bahnfahrt sagte er beim Umsteigen „Ich werde diese Gespräche vermissen.“ Ja, ich auch. In dem Moment konnte ich nur sagen „Aber wieso denn, wir sehen uns doch in ein paar Monaten wieder.“ Denn zwei Abende zuvor fragte er mich, ob ich seine Winterjacke mitnehmen könne, da er plant, mich in meiner Heimatstadt zu besuchen. Dieser Plan stand in seinem Kopf wohl schon länger, von mir war es bisher nur ein Angebot. Aber ich willigte ein. Und so packte ich seine viel zu schwere Winterjacke auf meinen Rucksack und schleppte sie einmal quer durch Deutschland. 

Als wir am Bahnhof standen um uns zu verabschieden, kramte er in seinem Rucksack und meinte, dass ich noch etwas für ihn mitnehmen müssen. Ich kommentierte, dass es klein sein müsse, da ich wahrlich keinen Platz mehr hatte. Und da zauberte er eine Toblerone aus seinem Rucksack, die er mir mit einem strahlenden Grinsen übergab. Eine wunderbare Geste, die mein Herz hüpfen ließ. 

Eben einen Text zu lesen, den er über mich verfasste, wärmte mein Herz. Und dann noch die unsichere Email hinterher, ob ich den Text auch verstünde, da er so langsam fürchtet, niemand außer ihm versteht es. 

Du, mein neuester Freund, hast eindeutig einen Platz in meinem Herzen erobert. Nicht direkt im Sturm, aber in aller Tiefe. ich freue mich darauf, dich wieder zu sehen. Dich zu erleben und von dir etwas über deine Erfahrungen zu hören. 

10.03.2015 um 23:27 Uhr

Und plötzlich ging es zu Fuß nach Frankreich

von: indalo

Kurz vorm Wecker klingeln wurde ich wach. Wieso klingelt bloß der Wecker? Ich hab Urlaub. Achja, ich hab heute ja was vor. Wenn’s ausschließlich nach mir ginge, hätte ich auch trotz meiner Pläne ausgeschlafen, aber da ich kompromissbereit bin, sollten wir schon um neun im Zug sitzen. Schnell gefrühstückt, mich noch von ner Dreijährigen anlächeln lassen und dann runter zum Bahnhof laufen. Auf dem Weg noch nen Prozessor vom Sperrmüll retten und dann am Bahnsteig die Sonne genießen. Auf auf zur Landesgrenze. Am letzten deutschen Bahnhof stiegen wir aus und machten uns zu Fuß auf den Weg ins Nachbarland. Keine Kontrollen? Ja, keine Kontrollen. Oh doch, am Ende der Brücke wartete der Zoll, den wir gekonnt gelassen mit „Bonjour“ begrüßten. Ein wenig wurden wir beschmunzelt. Egal. Wir schlenderten also nach Frankreich, genau genommen Strasbourg. Der Gedanke kam Sonntag auf und zwei Tage später sind wir schon da. Manchmal ist das Leben so einfach, so unkompliziert, wie ich es mir immer vorstelle. Montag beim Frühstück erwähnte ich unseren Plan an dem Tag alles fertig zu machen, sodass wir uns den Dienstag frei nehmen konnten. Perfekt. 

Es gab ganz viele Fachwerkhäuser, ein riesiges Münster und Crêpes au beurre salé. Herrlich. Die Herren, oder eher der eine Herr, ist nicht immer glücklich gewesen. Aber meine Güte, man muss es ja nicht allen recht machen. Als ich ihm dann in Aussicht stellte, dass wir bei unserem derzeitigen Tempo eine Bahn später nehmen müssen, bekam er Panik, dass er nicht zum Abendbrot wieder zu Hause war und plötzlich konnte er schneller gehen. Spannend, was wir da für ein Tempo an den Tag legten. Ich sprang noch schnell bei Glups und Paribas rein, kaufte mir im E.Leclerc Pain au noix, Brioche, Carambar und ne Tube Caramel au beurre salé und war mit all dem Französisch Gequatsche total euphorisiert. Ein wunderbares Erlebnis, dieser Tag. Im Zug bat ich jemanden auf Englisch, ob er sich woanders hinsetzen könnte und telefonierte dann auf Französisch um Witze zu erzählen, während mir ein Spanier zeigte, dass chiste spanisch ist und ich eigentlich blague meine. Was für ein Chaos. 

Schnell bestiegen wir den Berg und im Haus hörte ich als erste Worte „Du, die kommen vielleicht gleich. Wenn sie den Zug bekommen haben, dann sind sie gleich da.“ Ach ist das schön, freudig erwartet zu werden und sich dann direkt an den gedeckten Tisch mit lecker gekochtem Essen zu setzen. Auf den Platz neben der Kleinsten, die schwer darum kämpfte, dass ich neben ihr sitzen würde. Als die Große fast weinte, weil sie unsere Erzählungen vom Tag nicht verstand, war ich ein wenig irritiert, aber zu euphorisch um mich am Erzählen hindern zu lassen, sodass ich auf deutsch weiter machte. Alle schienen glücklich. Und ich war’s allemal. 

Dann buchte ich noch schnell mein Ticket online und schickte es ins Kino, wo es ausgedruckt werden sollte. Denn ja, nach diesem schönen Tag ging es tatsächlich noch ins Kino. Mit Fahrservice, Freikarte und gemütlicher Couch in der letzten Reihe. 

Träume ich eigentlich, oder ist das hier mein Leben?

Morgen ist der letzte Tag. Das ist vollkommen okay. Und auch ziemlich gut, spätestens seit der junge Mann meinte, er würde gerne meine Frühstücksschicht um sechs Uhr zwanzig übernehmen. Nur zu, ich schlafe also aus. Solange ich möchte. Und dann bleib ich im Bett liegen und sortiere Fotos, les mein Buch weiter und genieße einfach nur, bis wir zum Mittag Crêpes machen. Wahrscheinlich mit selbstgerechtem Karamell. 

07.03.2015 um 17:34 Uhr

Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.

von: indalo

Heute beendete ich ein Buch, das ich gerne gelesen habe. Ich habe Urlaub und bin im Urlaub - das heißt ich nehme mir Zeit zum Lesen. In diesem kleinen, feinen Hotel stehen Bücher in einem Regal und dieses Buch, wo irgendwer mit umgangssprachlichem Akzent zum Hof einer Bildungseinrichtung geht, sprach mich direkt an. Ob es der Titel, die Grafik oder das Thema ist, ich weiß es nicht. Ich las es von Anfang bis Ende und konnte manches Mal einen Gefühlsausbruch nicht unterdrücken. Sei es Lachen, Mitgefühl oder einfach berührt sein. Letzteres fasziniert mich auch jetzt noch. 

Danke für die Verbeugung am Ende, ich weiß genau, an welcher Stelle ich mich angesprochen fühlte. Ich weiß genau, in welcher Gruppe ich mich sehe - oder sehen will?

Was mich auch zu dem Titel führt. Es heißt dort, „dass der Mensch zwar machen kann, was er will - aber nicht wollen kann, was er will“. Und da ich dieser Logik nach nichts dafür kann, dass ich widersprechen möchte, akzeptiert der Autor dies nachvollziehbarerweise. Eine leichte Überheblichkeit möchte ich an dieser Stelle unterstellen - auch dies wird vermutlich verziehen. Ein Umstand, der mich rasend machen könnte. Doch stattdessen stehe ich lächelnd auf meinem Standpunkt und freue mich, dass er entschieden hat, das so zu sehen und damit gerne glücklich sein darf. Denn wir sind zwar ein Produkt unserer Gene und der Gesellschaft, aber ich glaube nicht, dass wir vollkommen hilfslos sind. Wir können werden, wer wir sein wollen. Und ich habe entschieden so zu sein, wie ich bin. Sicherlich wäre es nett, all meine Selbstkritik auf so leichte Weise in Akzeptanz umwandeln zu können, aber das wäre mir zu einfach. Ich akzeptiere meine Fehler, doch aus einer anderen Sicht heraus. Ich akzeptiere, dass mir anderes wichtiger ist. Dass ich offensichtlich andere Baustellen bearbeite und da Stück für Stück auch ein wenig Stolz entwickele, wenn ich Fortschritte mache. Denn ebenso wie für den Autor ist Stolz für mich kein selbstverständliches Gefühl. Was kann ich dafür, Glück gehabt zu haben? Manches ist vorgegeben, manches ist Glück, aber manches liegt auch an uns. Und die Dinge, die ich in meinem Leben erschaffen habe, auf die bin ich stolz. 

Der Ursprungsgedanke hinter dieser Argumentation liegt darin, mehr Verständnis für andere zu haben. Ich halte mich - in den meisten Fällen - für recht verständnisvoll. [Manches entzieht sich erfahrungsgemäß meiner Beherrschung, aber ich erlaube mir als Mensch Fehler.] Und deswegen gehe ich oft recht entspannt mit Situationen um, die für Anspannung sorgen müssten. Doch ich weiß, was ich im Leben möchte. Und das lässt sich mit der Umschreibung „Chancen bieten“ gut zusammen fassen. Ich bin wo ich bin und tue was ich tue, weil ich Chancen bieten möchte. Die Chance zu erkennen, was für einen gut ist und danach zu streben. Und genau deswegen bleibe ich jobtechnisch dort, wo ich bin. Ich sollte mir etwas angenehmeres suchen, weniger problematischeres, doch wie ich in den letzten Jahren erkennen musste, habe ich lange den Grund für meine Berufswahl falsch formuliert. Es ist nicht so, dass ich ihn erst jetzt entdeckt habe, zurückblickend steckte genau das schon damals dahinter, doch jetzt wird es klarer. Und genau das ist vielleicht der Grund, warum ich eben nicht die Arbeitsstelle bekam, auf die ich mich letztlich sogar noch initiativ bewarb. 

04.03.2015 um 19:52 Uhr

kalinichta

von: indalo

Und da kam der Dämpfer. Er kam wirklich, er reiste an. Er kam zurück. Er selbst ist nicht das Problem, aber er störte die Harmonie - sofern es sie denn gab. Ich kam hier an und beobachtete. Wie immer eben. Ich bin nach wie vor begeistert von dem Konzept. Ich bin Gast, ich bin Arbeiter - das kann ich gut. Ich bewundere meine Gastgeber, meine Arbeitgeber - das wäre nichts für mich. Ich wäre kritischer, ich würde genauer hingucken und alles perfektionieren wollen. Auf dieser Seite des Deals fühl ich mich wohl, die andere wäre nichts für mich. Und so genieße ich das Grundkonzept, auch der Ort, an dem ich gelandet bin, ist nicht verkehrt. Aber ich bin froh, wieder zu gehen. Bald. Ein wenig tun mir meine Mitarbeiter leid, die länger bleiben. Womöglich ist es Schwarzmalerei, aber das Abendessen liegt mir noch im Magen. Nicht das Essen, sondern der Umgang. Vielleicht geht es nicht besser, aber Kommentare wie „Das Abendessen gekocht und die Kinder ins Bett gebracht hab ich die letzten Tage allein.“ gefallen mir nicht. Frei nach dem Motto „Jetzt bist du aber auch dran, jammer nicht.“ Jammert denn irgendwer? Sie wollte Kinder, er nicht. Schon das ist eine schwierige Grundvoraussetzung, wie ich finde. Aber die kann man meistern, hoffe ich. Doch noch schlimmer als die Gespräche während und nach dem Essen, war das Gespräch vor dem Essen. „Wenn du hier bleiben möchtest, dann trennen sich unsere Wege jetzt vielleicht doch.“ Oh je. Keine Situation, in der ich sein möchte, keine Situation, die ich überhören möchte, gar nicht. „Wenn es dir wichtiger ist, in der Nähe von Franzi zu sein, als hier bei deiner Familie, dann musst du gehen.“ Autsch. Erst sprach sie zu ihm, dann er zu ihr. Dann schweigen. Und nur noch ein lautes „Essen“. Ich zuckte innerlich zusammen. Die Spannung war am Gipfel angekommen. Keine weitere Reaktion. Ist das schon der Kampf um die Kinder? 

Doch nichts davon wollte ich schreiben, als ich die Datei öffnete. Denn ich wollte viel lieber davon erzählen, dass die Zufälle sich wieder einmal überschlagen. Nun bin ich schon ein paar Tage hier und lerne jeden Tag dazu. Meist Wörter anderer Sprachen. Bevor ich kam, konnte ich zwei griechische Wörter. Bestimmt noch mehr erkennen, wie Avocado und Patata, aber ich konnte zwei richtige Wörter. Samstag und Sonntag. Samstag ist Zufall, Sonntag mochte ich einfach. Das Wort für Danke hatte ich lange vergessen, viel zu schwierig war es. Doch jetzt merk ich es mir vielleicht. Genauso wie bitte. Wer weiß. Aber gute Nacht will ich mir auf jeden Fall merken. Und da ich gestern mein Buch beendete, in dem ein Kapitel mit dem Wort „Kalinichta.“ schloss, hab ich auch gute Chancen. Vor drei Tagen hätte ich keine Chance gehabt zu wissen oder auch nur zu erahnen, was es heißt oder aus welcher Sprache es stammt, doch wie der Zufall es so will, konnte ich nun mit einem Grinsen einschlafen.

Und da kam er grad vorbei: „Ich bin doch da, ihr müsst nicht auf die Kinder achten.“ 

Na dann, gute Nacht.

02.03.2015 um 22:29 Uhr

Einfach himmlisch

von: indalo

Gestern Abend schrieb ich den letzten Eintrag. Danach guckten wir gemeinsam Tatort, bzw. Polizeiruf. Unglaublich schön, die Geste, der Gedanke dahinter, die Gemeinsamkeit. Und parallel gab’s ein Fußbad zum entsäuern. Warum auch nicht. Ich mach alles mit. 

Danach ging ich ins Bett und dachte „Ich bin im Himmel.“ Ich glaub, schon kurz vor dem Hochgehen zum Film gucken. Es ist so himmlisch hier. Ja, verdammt viel Arbeit und heute schmerzen meine Hände noch mehr als gestern, aber so das Ganze. Es ist toll. So leb ich gern. Da stehen wir zu dritt im Flur und malern. Ab und an fragt jemand was, mal zum Malern, mal zum Leben. Es ist grandios. Wir lernen einander auf so entspannte Art kennen und können trotzdem wir selber bleiben. Es ist leicht mit Menschen zu reden, aber es ist schwer, mit ihnen zu schweigen. Doch wir können das, schon jetzt. Es liegt keineswegs an einer Sprachbarriere, die Kombinationen hier sind faszinierend. Und es ist schon so weit - vielleicht liegt es daran, dass wir seit zwei Tagen Farbe schnüffeln - dass wir pausenlos lachen. Es ist nicht einmal witzig, was wir tun, aber ich muss lachen. Und die Jungs auch. 

Alle paar Stunden gibt es Essen. Meist Brot mit irgendwas. Können wir uns selbst aussuchen, ist ja klar. Mandelmus, Haselnussmuss, Dunkle Schokoladencreme, Meerrettich Frischkäse, Gouda, Mandel-Tonka, Sprossen, und was weiß ich, was da noch in meinen Mund wanderte. Die spannendsten Dinge. Ich bin begeistert und probiere alles. Eins nach dem anderen, und nebenbei werde ich satt. Wenn jemand für mich kocht, leb ich gern vegetarisch. Mit Sonnenblumenkernen im Nudelauflauf und Süßkartoffeln aus dem Ofen. Cucuma und schwarzer Pfeffer als Krebsvorsorge. Noch Kokosnussöl und ein wenig Wasser. Tolles Essen. Ich brauche jemanden, der mich beim Kochen anleitet und dann jemanden, der hinterher sauber macht. Das würde mein Leben noch perfektionieren. Jeder sollte das tun, was er gut kann. Was ich gut kann und mag, hab ich gefunden und finde ich immer mal wieder. Dafür weiß ich aber auch genau, was ich nicht gut kann und auch nicht mag. Putzen. Oder Politik. Oder Schauspielernamen, oder Regisseure, Sänger oder andere berühmte Personen. Kann und will ich alles nicht. Ich bin auch ohne glücklich. Sehr sogar. 

01.03.2015 um 19:49 Uhr

Vierzehn Stunden und vierzig Minuten Bahnfahren

von: indalo

Vier Uhr vierzig. Der Wecker klingelt. Ich bin wach. Etwas mehr als eine Stunde zum Fertigmachen, Rucksack packen und frühstücken. Nebenbei noch Emails checken und um sechs Uhr verlass ich das Haus. Zweiundzwanzig Kilo wiegt mein Rucksack. Vollkommen unproblematisch. Ich komme pünktlich am Bahnhof an, kaufe mir ein Schönes-Wochenende-Ticket und schaff es sogar noch, einen Verbindungsplan zu drucken. Auf geht’s. 

Acht Stunden später komme ich in Frankfurt an. Waren das wirklich acht Stunden? Vier Mal umsteigen und im zweiten Regionalzug auf eine Horde (es waren nur zwei Familien) Ausländer treffen, die sich quer durch die Bahn unterhielten. Warum sollte man sich auch mit drei Personen auf einen Vierer setzen, da kann man lieber zwei hintereinander (warum auch nebeneinander…) besetzen und sich zuschreien. Idioten. [Ganze zwölf Stunden später seh ich genau diese Familie am Bahnsteig entlang gehen. Einen halben Tag sind wir gemeinsam Zug gefahren. Verrückt. Und das, obwohl ich eine verlängerte Pause in Frankfurt einlegte und einen Weg fuhr, den mir die deutsche Bahn gar nicht vorgeschlagen hatte. Noch verrückter.] Pause in Frankfurt heißt Treffen mit einer Freundin. Freundin? Ja, schon. Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren liefen wir uns in Spanien übern Weg. Ich gab ihr meine Matratze und erklärte ihr, wie man Rucksäcke bedient. Darauf folgte ein schönes Abendessen und viele Tage gemeinsamen und auch getrennten Wanderns. Wir haben aufgehört zu zählen, wie oft wir uns verabschiedeten. Und beim letzten Mal nahmen wir es auch keineswegs ernst - obwohl wir weder ahnten noch planten uns mal in Deutschland zu treffen. Es waren gemütliche neunzig Minuten und eine Böreckstange mit ihr. Dann ging es weiter. Kaum rollte der Zug in Frankfurt los, zog ein Idiot die Notbremse. Zehn Minuten später der zweite Versuch, den Bahnhof zu verlassen. Es hat geklappt. 

Es folgten weitere sieben Stunden Fahrt. Diese verflogen nicht ganz so geschwind, doch auch erstaunlich schnell. Dann war es abends um neun Uhr und ich suchte den Weg zu einem Kino im Kloster. Ich fand ihn und wurde vor dem Kino mit den Worten „Oh schön, dass noch jemand um diese Zeit ins Kino geht.“ empfangen. „Ähm, ich möchte keinen Film gucken, also ich möchte ins Kino, in das Gebäude, aber nicht in den Film.“ - „Schade.“ Und schon öffnete sich die Tür. Die beiden Damen gingen rein und bei mir hieß es „Bist du…“ - „Bist du Susanne?“ - „Ja.“ - „Dann bin ich auch Indalo.“ So schwer war das nicht. Ich setzte mich also kurz auf ne Bank und wurde nebenbei immer wieder über die Geschehnisse aufgeklärt. Dann hieß es „Wir haben vier Minuten, gehst du schonmal vor?“ Und plötzlich saß ich mit Auto- und Haustürschlüssel in einem wildfremden Auto und wartete auf eine mir wildfremde Person. Wir fuhren den Berg rauf, ich sprang raus und sie fuhr wieder zurück. Also nahm ich den Haustürschlüssel und betrat ein großes Haus. Niemand da. Ich stolperte im Halbdunkeln durch den Wintergarten und dachte mir, ich geh mal in den ersten Stock. Dort hörte ich Stimmen und klopfte an Zimmer Nummer Dreizehn. Mir wurde geöffnet und dann wurde mir von einem Spanier Essen gekocht. Wir setzten uns und quatschten. Um halb elf lag ich im Bett und war endlich angekommen. Eine weite Reise, die mir persönlich gut gefiel. Ich mag Bahn fahren immer noch. Ich hab eineinhalb Bücher gelesen - das erste ließ ich gleich in Frankfurt. Das sollte ich öfter tun. 

Der verrückteste Moment war, in diesem Auto zu sitzen. Doch schon Stunden vorher dachte ich mit Blick auf Felder und Wiesen: „Ich hab einen Grund gefunden, eigene Kinder zu bekommen. Ich möchte ihnen diese wunderbare Welt zeigen. Nicht die Welt der Nachrichten, nicht die Gemeinheiten der Mitmenschen oder die Idiotien der Politik, sondern die Welt in der ich lebe, in der ich glücklich bin und die ich für lebenswert erachte. Die Welt, in der Vertrauen vorherrscht, und in der Freunde Familie sind. Die Welt, die es lohnt gesehen und entdeckt zu werden, die Welt so, wie ich sie mir erschaffen habe.“ Ich dachte es nicht in dieser Ausführlichkeit, aber es war das, was dahinter steckte. Denn eigentlich heißt es immer, diese Welt ist zu grausam um Kinder in die Welt zu setzen.