indalo

31.05.2015 um 22:46 Uhr

ein halbes Taghundert

von: indalo

Die Tage vergehen und schon wieder ist ein Wochenende vorbei. Aber immerhin war ich auf dem Konzert einer Freundin und habe ihr damit eine Freude bereitet. Zuvor wollte ich noch mit einem Kleinkind spielen, das jedoch leider Fieber hatte und die ganze Zeit nur kuschelnd auf Papa lag. Das ist okay. Es war gut, da gewesen zu sein. Ich habe erfahren, dass weitere meiner Freunde gerade an ihrer Ernährung schrauben. Damit kann man wohl sagen, dass dies das Jahr oder die Monate der Ernährung sind. Denn während ich auf dem Rad zu ihnen saß, gab es per Email eine Einladung zu einer Burgerparty mit dem Anlass, dass ein Freund sein Diätziel erreicht hat. Faszinierend. Ja, ich hörte davon, dass er Diät hielt, aber ich habe keine Ahnung für wann welches Ziel gesetzt war. Doch wenn er etwas feiern möchte, bin ich dabei. Ist doch klar!

 

Nach dem letzten Wochenende drehen sich meine Gedanken wieder um den Rucksack. Ich war weg, mit Rucksack. Er war gut bepackt, nicht zu voll, nicht zu leer. Auch nicht zu schwer. Er wog stolze zwanzig Kilo. Das ist okay, aber eigentlich wollte ich unter den zwanzig bleiben. Ja, es waren schwere Dinge im Rucksack, die ich beim nächsten Mal nicht mitnehmen werde, aber grob überschlagen fehlte eben auch eine ähnliche Kilozahl an Dingen, die ich mitnehmen werde. Also wird es vermutlich doch auf eine Plus-Minus-Null Rechnung hinauslaufen. Es bleibt spannend. 

 

Ansonsten vernachlässige ich alles. Der Arbeitsstapel neigt sich wieder einmal, da der Turm nicht für die Ewigkeit gebaut wurde und nun schon länger durchhalten muss. Andererseits antwortete ich heute auf die Frage, wie meine Reisepläne laufen, dass ich das Gefühl habe, ich muss das Land verlassen um wieder voran zu kommen. Ich muss weg. Diese Warterei und Fragerei ist nichts für mich. Wobei ich persönlich immerhin nicht warte. Es ist gefühlt noch ganz weit weg. Immerhin ein halbes Taghundert. 

29.05.2015 um 17:32 Uhr

Mein Ex-Chef im Traum

von: indalo

Was für ein Traum. Seit vier Stunden dämmere ich auf meiner Couch vor mich hin. Gestern war unheimlich anstrengend für meinen Körper. Erst gab’s zwei Impfungen, dann eine dreistündige Tortur beim Zahnarzt, ne Fortbildung und dann noch einen Besuch bei meinem Vater an dem seine Verlobte sich erlaubt mich zu maßregeln, weil mein Vater ja keine Ansprüche stellt. Ich dacht, ich werd nicht mehr. Aber ich hörte es mir ruhig an und fuhr dann spät nach Hause, arbeitete noch für heute und ging ins Bett, wo ich stundenlang keinen Schlaf fand und dann mehrmals schweißnass wach wurde. Womöglich vertrage ich die Impfungen doch nicht ganz unproblematisch. Womöglich sind solche Nächte eine Folge davon. Die Nächte und die Anstrengung, die es für meinen Körper bedeutet und die ich so wenig wahrnehme. Und so quälte ich mich heute morgen noch ne Stunde früher auf Arbeit um dann eine Predigt nach der anderen zu halten. Echt kein guter Tag. Ich komme früh nach Hause und falle auf die Couch, wo ich nun seit Stunden dämmere und schlafe im Wechsel. Doch die letzte Stunde hatte ich einen der farbenfrohsten und klarsten Träume seit langem. Womöglich so deutlich, weil ich langsam wach werde und mir den Inhalt wieder und wieder durch den Kopf gehen lassen kann. Doch schon während ich diese Zeilen tippe, verschwimmen Dinge. 

 

Es beginnt mit einer Beziehung mit einem jungen Mann meines Alters. Ja, ich halte mich für jung. Er ist lieb, irgendwie sind wir bei ihm zu Haus, doch es ist schnell klar, dass aus uns nichts weiter wird. Also beende ich es zu seinem Leidwesen innerhalb kurzer Zeit. Und dann bin ich irgendwo, die Tür geht auf und mein Ex-Chef kommt zielstrebig auf mich zu, nimmt mein Gesicht in seine Hände und küsst mich. Fordernd. Ich bin ja sowas von irritiert. Doch plötzlich erwidere ich den Kuss, nur um ihn dann wegzuschieben. Wir verbringen einige Zeit miteinander. Schweigend, redend, gemütlich. Es sind mehr Statements, die gemacht werden, als dass es eine Unterhaltung ist. Es geht mehr um das Beisammensein, als um ein Gespräch. Um die Nähe zueinander, die von anderen nicht gesehen werden darf. Wie standen wir beinander, bevor der Kuss kam, bevor dieser Moment, dieser Zustand eintrat? Darum drehen sich meine Gedanken. Er sagt sehr schnell: „Indalo, ich liebe dich.“ Oh man. „Vom ersten Moment an habe ich dich geliebt.“ Und in meinem Kopf passieren all unsere Momente Revue, Momente, die es wirklich gab und die von Bedeutung sind. Momente, in denen man meinen könnte, dass ich ihn anhimmelte, ich mir aber sicher bin, dass es nichts romantisches hatte. Nicht für mich. Er gefällt mir, ich kommentierte ihm gegenüber auch schon seine Klamottenwahl, die mir zusagt, ich fiel ihm stürmisch um den Hals und saß mehrmals emotionalsbeladen vor ihm, einmal seinetwegen. Doch nie hab ich auch nur eine Sekunde irgendetwas von ihm gewollt oder hatte das Gefühl, er würde mehr wollen. Auch das geht mir im Traum durch den Kopf. Nein, da ist von meiner Seite nicht mehr, wieso von seiner? Und über was genau denke ich da nach. Irgendwie passieren viele Dinge. Irgendwer hat Geburtstag, es gibt Kuchen, die Kollegen laufen rum, wir benehmen uns so neutral wie möglich. Und doch ist er die ganze Zeit da. Klar und deutlich. Irgendwann setzte ich mich wieder zu ihm, nehm sein Gesicht in meine Hände und… es verschwimmt, aber ich glaube, ich habe ihn noch einmal geküsst. Als Abschied. Das ist uns beiden klar. Als Statement für meine nicht vorhandenen Gefühle. Und was für eine komische Art zu küssen. Nee, das ist mir eine zu hektische Zunge. Und dann sage ich ihm, dass er verheiratet ist. Er schüttelt den Kopf. Irgendwie war ich vor einiger Zeit bei ihm, kenne seine Behausung, seine Frau, deren miteinander, doch sie sind getrennt. Ihm ist klar geworden, dass er mich liebt. Ich will auf seine Hände gucken, ob der Ring weg ist. Doch ich komme nicht dazu. Aber da er so wenig zu Hause ist, wird mir klar, dass er nicht mehr viel von seiner Familie mitbekommt. Also frage ich ihn, ob er von den Beziehungen seines Sohnes weiß. Nein. Und kläre ihn auf, dass ich in dieser vergangenen Zeit mit seinem Sohn zusammen war und es gegen seinen Willen beendet habe. Er lässt es sacken und während ich ihn angucke, sage ich nur: „Es ist vielleicht unlogisch, aber für mich macht es einen Unterschied, dass das dein Sohn ist.“ Er versteht, er sieht es ebenso, und schweren Herzens ist damit alles zwischen uns geklärt. Für beide. Es ist, wie es ist. 

 

Ich werde langsam wach. Meine Nachbarn bohren wieder, oder immer noch. Ich löse mich von dem Traum und merke, dass es keine Realität war. Denn sein Haus ist anders als das im Traum. Ich musste mich irgendwann im Traum zurücknehmen, jemand anderem nicht auf Fragen zu seiner Behausung zu antworten, da ich es offiziell ja nicht kannte. Mit ihm war ich aber auch nicht da. Doch das Aufwachen zeigte mir ein anderes Haus, eine andere Frau und den Umstand, dass er überhaupt gar keine Söhne hat. Weder in meinem Alter, noch in irgendeinem anderen. Was für ein Chaos. 

 

Liebe Traumdeuter, tobt euch aus. Ich versuche es nicht einmal. Ich nehme es als durchaus schönen Traum, da ich mit einem guten Gefühl wach wurde und mich im Traum auch die meiste Zeit sehr wohl fühlte. Chaos, das nicht gedeutet werden muss, aber festhalten wollte ich es. 

27.05.2015 um 21:54 Uhr

Absprachen sind unnötig bei diesen Kollegen

von: indalo

Boa, bin ich sauer. So richtig. Ich sagte heute schon zu einer Freundin: „Gut, dass ich bald weg bin.“ Wirklich. Denn allein dieser Gedanke rettet mich über diverse Missgeschicke auf Arbeit. Vermutlich steigere ich mich da in irgendwas rein, doch halt, das stimmt so nicht. Ich steigere mich da definitiv in nichts rein. Denn ich steigere mich gar nicht in meiner Laune. Die sind so dämlich, so idiotisch, dass ich an die Decke gehen müsste. Doch stattdessen sitze ich da, reiße kurz die Augen auf, sammel mich wieder und mach weiter. Ich spreche mir nicht einmal mein Mantra vor, ich hatte mich gesammelt, und gut war. Und das mehrfach in den letzten Wochen. 

 

Wozu in aller Welt trifft man Absprachen? Wozu, wenn sich die Leute nicht daran halten? Was ist so schwierig daran, eine einfache Email zu schreiben? Haben die alle ein Sieb als Gehirn? Ja, mir rutschen auch mal Dinge durch, darum geht es nicht. Es geht um absichtliche Entscheidungen, die entgegen jedweder Absprache getroffen werden. Immer und immer wieder. Und ich weiß einfach nicht, was ich dagegen tun soll. 

 

Heute schicke ich mal wieder eine Email an eine Runde Kollegen, mit denen ich parallel arbeite. Wir müssen noch einen Termin absprechen. Als Reaktion auf meine Mail heißt es, dass sie alle schon für sich Termine festgelegt haben. Es gab nicht einmal den Gedanken, darüber zu kommunizieren. Etwas, das wir vor einem Jahr besprochen haben und ich seither auch so gehandhabt habe. Jeden Termin habe ich abgesprochen. Live und in Farbe. Mit genau diesen Kollegen. Und jetzt das? Nein, ich fühle mich nicht ausgegrenzt. Es geht dabei nicht um mich, es hat nichts mit mir zu tun. Die sind einfach so, jeder für sich. Nur leider hänge ich in dieser Gruppe drin. Angewiesen bin ich nicht auf sie, aber ich hatte die Hoffnung (oder Erwartung?), dass man sich an das hält, was man bespricht. Nein, natürlich nicht. Denn für sie scheint es natürlich zu sein. Also bringe es nicht fertig, das so stehen zu lassen. Ich muss eine Email mit dem alleinigen Wortlaut „Ich seh schon, das klappt super mit den Absprachen.“ schicken. Dann bin ich halt trotzig und zickig. Ich fühle eher Resignation. Doch dieser Eintrag entsteht auf Grund der Antwort darauf: „wieso, klappt doch wunderbar mit den Absprachen. Ich meine, dein Terminvorschlag ist angenommen“. Ich geh an die Decke. Bei einem Teil liegt der Termin schon in der Vergangenheit, fand ohne mich statt, und ihr kommt es jetzt entgegen, da sie wegen Krankheit ihren eigens festgelegten Termin nicht wahrnehmen kann. Also ist es ja gut, wenn ich den jetzt auch für sie festsetze. Da ist nichts angenommen. Ich bin empört ob dieser Fehlsicht auf die Realität. Beherrschung adé, ich kann auch nicht aufhören, darüber nachzudenken. So etwas dämliches. Und ich muss wieder antworten - dabei will ich doch über den Dingen stehen. Schaff ich nicht. Das war jetzt das ich-weiß-nicht-wievielte Ding in diesem Monat, das ich von ein und derselben Kollegin erlebe. Damit ist auch meine Entscheidung bezüglich eventueller Sympathien getroffen. Ich muss jetzt nur noch lernen, damit umzugehen. Tief durchatmen und hoffen, dass meine Auszeit Abstand schafft und mir vielleicht mehr Weitblick beschert. 

 

 

…und es ist so trivial, so dermaßen banal, dass es sich überhaupt nicht lohnt, so viel Energie zu verschwenden. 

26.05.2015 um 19:27 Uhr

die traurig-Phase

von: indalo

In vielen Dingen gibt es Phasen. Vorfreude kennt jeder, doch auch das ist nur eine Phase. Es gibt auch noch die stressige Phase, auch die ist vielen bekannt. Insbesondere bei großen Festen, oftmals Hochzeiten, wechselt sich die Vorfreude mit dem Stress ständig ab. Auch vor Reisen. Denn man muss packen - aber man freut sich auch darauf, weg zu sein. Bestimmt gab es immer wieder stressigere Phasen in der Planung dieser Reise. Manches nervt mich gelegentlich, aber grundsätzlich war ich die meiste Zeit in einem Zustand der Vorfreude. Doch seit diesem Wochenende bin ich traurig. Es ist mehr ein Zustand als ein aktives Gefühl. Ich merke, dass ich nicht den ganzen Tag grinse und strahle. Am Wochenende wurde ich laufend gefragt „Was ist los?“ Doch nichts fiel mir ein. Es ist nichts konkretes, aber es ist da. Und auch wenn ich mich Freitag schon von der Ostsee verabschiedete, so zeigten meine Gefühle mir erst Montag beim Aufbrechen, was los ist. Ich weiß, dass es traurig sein wird, weg zu sein. Ich weiß, dass mir vieles fehlen wird, dass ich vieles verpassen werde. Doch erst als ich sie zum letzten Mal umarmen sollte, fühlte ich es. Wissen und fühlen sind zwei Paar Schuh. Und dieses Gefühl tut mehr weh als das Wissen darum. Denn ich weiß ja auch, dass es meine Entscheidung war, dass ICH gehen werde, dass ich diese Entscheidung bewusst getroffen habe. Und trotzdem war der Heimweg von der Arbeit heute bestimmt von den Gedanken darum, dass ich so etwas nie wieder tun werde. Schnell schob ich nach, dass das Wort nie nur einen Zeitraum von zwanzig bis dreißig Jahren umfasst, aber lebenslänglich ist auch nicht länger. Insofern: Ich bereue nicht, was ich sehr bald tun werde, aber ich bin mir absolut sicher, dass ich das nicht noch einmal tun werde. Nicht so. Und es ist einfach das zu sagen, da man bekanntlich nicht zweimal in denselben Fluss steigen kann. In zwanzig-dreißig Jahren bin ich ein anderer Mensch, also wird es etwas ganz anderes sein. Und bis dahin werde ich sicherlich weiterhin reisen, doch nie mehr für einen so langen Zeitraum.

 

Ich bin traurig. Traurig darüber, auf eine lange Reise zu gehen. Traurig, so vieles zurück zu lassen. Und ganz egal was andere sagen, manches kommt nie mehr zurück. Und was in diesem Jahr im Leben meiner Freunde passieren wird, wird nie wieder zurück kommen. Ich werde das Haus nicht als Baustelle kennen, ich werde manch eine Freundin nicht schwanger erleben, womöglich einem frisch gebackenen Vater nicht bei der Pinkelparty gratulieren können, ich werde Geburtstage von kleinen Kindern verpassen und eben auch eines der wenigen Lebensjahre, die sie bisher sammeln konnten. Bei so vielem werde ich nur ein Beobachter aus der Ferne sein, es nur als Geschichte kennen, wenn überhaupt. Und aus Erfahrung weiß ich, dass es in einigen Jahren keine Bedeutung mehr haben wird, dass es gelegentlich Erwähnung findet, aber nicht wichtig ist. Doch es ändert nichts an dieser Phase, die sich Traurigkeit nennt. Und ich muss sie zulassen. Für mich. Und allein, weil ich selbst Schuld bin und andere versuchen auf ihre eigene Art damit umzugehen. 

20.05.2015 um 22:07 Uhr

...als wärst du immer da gewesen

von: indalo

Eine Kollegin fragte, wie viele Tage es noch seien. Ich antwortete sofort und wir sprachen kurz darüber, dass sie ja sogar drei Tage vor mir aufbricht. Ich wollte mir zumindest eine Handvoll Tage nehmen um Freunde zu besuchen. Da erzählte sie, dass sie ihre Nichten und Neffen am vergangenen Wochenende zum letzten Mal für lange Zeit sah. Also äußerte ich, was mich beschäftigt, seit ne Freundin es auf den Tisch brachte. Wenn ich von meiner Reise nie zurück käme, wäre es für die drei Zwerge in meinem Umfeld als hätte es mich nie gegeben. So klein sind sie noch. Sie sagte zwar, dass sie sich nicht an mich erinnern werden - etwas, bei dem ich nach wie vor auf das Gegenteil hoffe - aber sie sagte auch: „Immerhin sind sie noch so klein, wenn du wieder kommst, dass es für den Rest ihres Lebens so sein wird, als wärst du immer da gewesen.“

19.05.2015 um 20:24 Uhr

das Stück Apfelkuchen

von: indalo

Völlig entspannt liege ich auf meiner Couch und fröne meiner neuesten Sucht. Es klingelt. Aha? Das kann nicht die Post sein. Ich erhebe mich also gezwungenermaßen und stelle fest, dass es an der Wohnungs- nicht an der Haustür klingelte. Ein hübsches, weibliches Wesen steht vor mir, als ich die Tür öffne. Sie stellte sich vor, das ist aber nett. Ich erinnere mich jedoch nicht an ihren Namen. Sie hielt einen Teller mit nem Kuchen in der Hand und nem Sahnehäufchen daneben. Süß. Ist das jetzt meine neue Nachbarin? Soll ich sie reinbitten?

„Das ist für Sie. Ich hab meine Ausbildung bestanden und wir haben heute bis 22h Besuch.“ Achso, ja, kein Ding. Bis 22h passt das schon. Ich fragte noch, wo sie wohnt. „Oben.“ - „Schräg?“ - „Nee, hier oben.“ Achso… bei den lauten Nachbarn, wegen derer ich unzählige Male die Polizei gerufen habe (Immer noch ein Umstand, der mich irritiert. Ich hätte nie gedacht, so jemand zu werden…). Ich könne auch gerne vorbei kommen, wenn ich möchte. Ähm, nein danke. Also, wäre sie die neue Nachbarin, hätte ich mir das überlegen sollen, aber wenn sie die Freundin des Feindes meiner Nachtruhe ist, dann lieber nicht. Da muss ich nicht einfallen. Auch wenn mich nach wie vor fasziniert, dass er anständig grüßt, wenn wir uns übern Weg laufen. Trotz der Polizei, trotz der nächtlichen Streitgespräche im Flur und auch nachdem er zum Vermieter zitiert wurde. Auch gestern noch grüßte er. Und heute bekomme ich Kuchen. Doch vielleicht sollte ich noch jemandem Bescheid geben - wenn’s mir heut schlecht geht, soll man ja wissen, wer mich womöglich vergiftet hat ;-)

18.05.2015 um 21:44 Uhr

Certainly one of the better days of my life

von: indalo

Es begann als ganz normaler Arbeitstag. Na gut, das ein oder andere passierte, aber so richtig besonders war es nicht. Doch dann kam ich nach Hause und kochte mir einen halben Liter Pudding. Mir war danach. Also nahm ich die warme Schüssel auf die Couch und wollte irgendeine Folge meiner absoluten Lieblingsserie gucken. Schon vor einiger Zeit beendete ich die aktuelle Serie, die ich guckte. Ich weiß jetzt schon nicht mehr, was es war. Und weil ich irgendwie nichts neues anfangen wollte, zappte ich in irgendeine Staffel zu irgendeiner Folge, nur um erneut festzustellen, dass es die beste Serie ist, die ich kenne. Vor vielen, vielen Jahren entdeckte ich sie, vor wenigen Jahren kaufte ich sie mir komplett auf DVD und jetzt hing ich wieder dort. Trotz der DVD guck ich sie im Netz, ist einfacher. Leider wird da ständig etwas gelöscht, sodass mir andere vorgeschlagen wurden. Eine mit fast dem gleichen Titel. Ich dacht, ich guck nicht richtig. Ich clickte aus Neugier drauf und es ertönte ein altbekannter Name. Und das Wunder geschah. Es ist die Fortsetzung meiner heißbeliebten Serie, die vor fünfzehn Jahren endete. Irgendwann in diesen Jahren wartete ich auf eine Fortsetzung, so schwer kann das doch nicht sein. Und jetzt, eineinhalb Jahrzehnte später, stolpere ich darüber. Ich konnte nicht widerstehen und guckte mir sofort ein paar Folgen an. Es ist wie damals. Natürlich aktueller, und eine Generation weiter, aber es trifft noch immer den gleichen Nerv. Diese Serie, auch die neue, geht mir nah.

Als Kind sucht man sich Helden in Serien, man identifiziert sich mit ihnen, und ich habe immer jemanden gefunden. Doch in dieser Serie sah ich mich nicht. Ich guckte sie mir einfach nur an. Und so sehr sie auch mein Leben ist, so wenig hat sie mit meinem Leben zu tun. Aber es wäre so schön, wenn die Welt wirklich so funktioniert. Es wäre wunderbar, wenn das Leben hier mal dem Fernsehen ähnelt. 

 

„You know, Cory, for once I think our ignorance may be working for us.“

„What? You mean if we knew better we wouldn’t be friends?“

„Yeah, so I am glad we don’t know better.“

„Yeah, me too.“

16.05.2015 um 21:14 Uhr

Heute war ich snowboarden

von: indalo

Ach du schönes Leben, was mag ich dich. Im Januar begann ich damit jemandem ne Fremdsprache beizubringen. Während wir also sonntagmorgens lernten, unterhielten wir uns. Plötzlich hieß es, er würde zum Snowboarden fahren. Wie cool. Einfach so, einen Abend lang. Dann war er sogar ne Woche im Urlaub. Wir tauschten uns über die nächste Sonntage über alles mögliche aus. Ein paar Pausen muss man beim Lernen ja auch machen. Und wir trafen uns auch an anderen Orten, wo wir uns unterhielten. Sein langer Urlaub rückt näher, und dann bin ich weg. Also gab es viel zu reden. Ich brachte ihm die Sprache bei und bereitete ihn auf die lange Wanderung vor, er erzählte mir von seinem Leben. Zum Geburtstag gab’s ein kleines Präsent, doch irgendwie wollte er mich immer einladen. Irgendwohin. Meine Zeit ist knapp, ich widme ihm immerhin schon jeden Sonntag zwei Stunden. Das schlug ich also jedes Mal aus. Aber das Snowboarden, das könnte ich nicht ausschlagen. So entstand vor zwei Wochen der Plan, dass wir nochmal ne Wanderung antreten müssen, damit er vorbereitet ist. Aber snowboarden wollten wir doch auch. Da blieb nur diese Woche um gleich beides zu tun. Den einen Tag vier Stunden wandern, den anderen Tag vier Stunden snowboarden. Das Wandern tat ich wirklich nur ihm zuliebe. Aber das heute, das war für mich. Er hatte da auch voll Bock drauf, aber für mich war es weit mehr. Es war aufregend, schon vorher. Da ich aber neulich auf nem Longboard und nem Shortboard stand und mir das eindeutig zu schnell war, fürchtete ich, dass auch das Snowboarden nicht mehr so ganz meins ist. Vor über zehn Jahren war ich ne Woche zum Snowboarden in den Bergen und letzten Sonntag stellten wir fest, dass wir gemeinsam dort waren. Schon komisch. Seither stand ich auf keinem.. ach warte, doch. Da war mal was, nachts in ner anderen Stadt. Irgendwer überließ mir für ne sehr kurze Abfahrt sein Board. Aber das zählte nicht. Also lange her, und da man mit steigendem Alter anders auf Dinge reagiert, war ich nicht sicher, was heute passieren würde. Ich freute mich einfach, egal was kommen möge. Und in Skimontur die Halle zu betreten, löste Vorfreude aus. Die Skilifte sind nicht so meins, die haben mich schon damals nervös gemacht. Kurz vorm Ausstieg hieß es nur „Du musst…“ und ich dachte nur „Wie jetzt? Das sagst du mir erst JETZT?!“ Ich hab’s wunderbar hinbekommen, auch die Abfahrt. Als blutiger Anfänger betrat ich die Halle, zumindest fühlte ich mich definitiv so. Doch als fortgeschrittener Snowboarder verließ ich sie. Ich möchte meinen, ich bin am heutigen Tag um Längen besser gefahren als damals. Die Geschwindigkeit war kein Problem, auch wenn ich des Öfteren abbremste. Eis gruselt mir, aber wenn ich weiß, dass da keins ist, fahr ich entspannt. Auch geradeaus bergab, erst recht am Ende des Hangs. Sogar mit Fahrtwind im Gesicht, sodass die Augen tränen. …die Skibrille hat doch ihren Sinn. 

 

Es war herrlich. Ihm war langweilig, er wollte wieder nach Hause. Ich hätte noch Stunden so weiter machen können. Bis die Beine gar nicht mehr wollten. Denn morgen wird es vermutlich an der ein oder anderen Stelle zwicken. Es sind ungewohnte Bewegungen. Aber ich bin glücklich. Einfach glücklich. Und es ist so absurd, dass ich das schon seit Jahren hätte machen können und mir so lange damit Zeit ließ. 

Danke für diesen Tag. Auch das Essen war lecker. Danke für die Einladung. Doch der größte Dank gilt dir dafür, dass du mir die heutige Gelegenheit geboten hast. Es hat mich tief berührt. Mehr, als Worte mich gerade ausdrücken lassen. Es ist am Hang zu stehen und zu schweigen… schweigend genießen, weil Worte nicht fassen können, was es mir bedeutet.

14.05.2015 um 23:35 Uhr

An Tagen wie diesen

von: indalo

…bin ich einfach glücklich. Rundum glücklich. Ein Glückskind.

Aufstehen, Smoothies machen, bisschen rumhängen, Haferschleim kochen und dann kommt mein Date zum Wandern. Einfach durch die Natur. Seine Liebe für die Gegend konnte ich fühlen. Es ist die gleiche Liebe, die ich in den letzten zwei Wochen einem Ausländer vermitteln konnte. Er hat es verstanden, er weiß, was mir meine Stadt bedeutet. Es geht nicht um die Stadt, es geht um die Stadt aus meiner Sicht. Denn die ist eine ganz andere als die Sicht der meisten Menschen. Und es ist schön, in den Aussagen meines Wanderkumpanen die gleiche Liebe zu spüren, wie ich sie empfinde. 

Es ging über Berg und Tal, um Kurven und an Seen vorbei. Über die Autobahn und durchs Gebüsch. Einfach Laufen. Als mich der Hunger überkam aß ich die Notration Kekse. Dann trafen wir auch schon auf die Herrentagsgruppe auf dem Weg zum See. Kurz begleiteten wir sie und machten ne Viertelstunde Pause. Das war ganz nett, ich war weithin akzeptiert und doch froh, dass wir weiter gingen. Schließlich hatten wir ein Ziel für den Tag. Also er, nicht ich. Ich machte nur das Angebot ihn zu begleiten. Vier volle Stunden sind wir in zügigem Tempo gelaufen. Tschakka. Er hatte genug, ich bin gespannt, wie er seine vier Wochen überstehen möchte. Ich drücke ihm die Daumen, dass er sich nicht allzu sehr quält.

 

Dann warf ich Nudeln in den Topf und mich auf die Couch. Irgendeinen Film rausgesucht, den ich schon kannte. Irgendwie. Aber ich erinnerte mich an weniger als nichts. War okay. Ich dämmerte vor mich hin. Dann wollte ich mich trotzdem nicht aufraffen und suchte den nächsten Film. Der gefiel mir sogar richtig gut. An der spannendsten Stelle klingelte das Handy. Der Planer des Tages lallte mir ins Ohr, dass sie gleich bei mir vorbei kämen um mich abzuholen. Aha? Ich dachte, und hatte auch irgendwie am See den Eindruck, dass ich an diesem Tag zwar geduldet werde, aber nicht grundsätzlich erwünscht bin. Jetzt schon?

Achsooo… auf dem Heimweg muss samt schwerem Bollerwagen noch ein Berg bezwungen werden, verstehe. Da soll ich helfen, da seine Kumpanen ihn am Bahnhof haben stehen lassen. Fies. Aber klar, da krabbel ich nochmal von der Couch und schieb das Ding den Berg hoch. Und wenn wir schon oben sind, auch gleich ganz nach Hause. „Du hast was gut bei mir.“ hörte ich ein paar Mal. Ich finde nicht, ich finde, wir sind quitt. Denn ich hüpfte wieder nach Hause und freute mich des Lebens. Wie du vor ein paar Tagen mal wieder sagtest: „Nein, du gehörst zur Familie.“ Und wie ich nur ein paar Tage davor von mir gab „Ihr seid meine Familie.“

 

Da ist es nur wieder auffällig, dass ich am Muttertag ihre Mutter sehe und am Vatertag ihren Vater. Weder habe ich meine Mutter noch meinen Vater an einem dieser Tage gesehen, geschweige denn gehört. Immerhin fällt es mir noch auf. 

 

So unerwartet der Anruf und die Aktion heute Abend war, so sehr freue ich mich, dass sie gewesen ist. Mit den letzten beiden Mohikanern den letzten Abschnitt zu bestreiten, ließ mich erneut die Verbindung spüren, die ich zu jedem einzelnen habe. Und den zweiten Herren wie ein Reh umherspringen zu sehen, füllt mich mit Gefühlen. Und während ich ihn beobachte und vor mich hin grinse, kann ich nur formulieren: Ich bereue nichts. 

10.05.2015 um 23:26 Uhr

Contigo

von: indalo

Mit dir bin ich gewachsen, mit dir hab ich geredet. Mit dir bin ich mein Leben durchgegangen, oder zumindest sehr viel davon. Mit dir hab ich mein Leben neu erlebt, anders betrachtet und vieles nochmal gefühlt. In den letzten Tagen hab ich Schmerzen gefühlt, die ich hinter mir glaubte, Sachen wiederaufleben lassen, die schon lange der Vergangenheit angehören. Mit dir bin ich mir, bzw. meiner Vergangenheit wieder näher gekommen, und du der deinen. Mit dir habe ich erfahren, was sich anvertrauen bedeutet, und mit dir ist der Wunsch gewachsen, all das und eben auch den Rest, mit jemandem wieder zu beleben. So sehr wir gerade heute über die Unweglichkeiten des Lebens geredet haben, so hast du mir doch Hoffnung gemacht, dass da noch etwas auf mich wartet. Vielleicht immer wieder warten wird. 

 

Mit dir habe ich Sachen gemacht, die ich vorher noch nie gemacht habe. Mit dir habe ich meine Heimat erkundet und das Leben genossen. Mit dir habe ich Dinge erlebt, die ich seit vielen Jahren schon machen möchte. Einfach so. Nichts davon war geplant, alles war spontan. Genauso wie unsere Begegnung. 

 

Mit dir möchte ich Dank sagen. Danke, dass wir uns begegnet sind, danke, dass sowohl du als auch ich diese Begegnung zugelassen haben. Wir uns aufeinander eingelassen haben. 

06.05.2015 um 23:22 Uhr

Kräuterwanderung

von: indalo

Schon immer war ich interessiert an der Natur. Als Kind nahm man mich mit Begeisterung auf eine Waldwanderung mit, für andere war es eine Strafe. Ich verstand erst später, dass mich da jemand mitnehmen wollte, und das andere mitmussten. Ich machte einfach mit, ich wollte lernen, verstehen, wissen. Dann nahmen viele Dinge Überhand und meine Wissbegierde wurde regelrecht zerstört. Bis heute hält sich der Gedanke „interessiert mich auch nicht“. Doch in diesem magischen Urlaub sind Interessen erwacht, die ich kurz zuvor noch für unmöglich hielt. Und so lerne ich Tag für Tag, und genieße auch alles daran. 

Irgendwann und irgendwie stieß ich online auf eine Kräuterwanderung vor der Tür, die mich der Natur näherbringend könnte und gleichzeitig mein Essen bereichern würde. Ich fragte eine Freundin, ob sie Interesse hätte und letzten Endes meldeten wir uns zu dritt an. Mal eben so. Heute war es dann soweit, dass wir uns - leicht zu spät - auf den Weg machten.

 

Es war, wie solche Dinge eben sind. Ich hätte viel zu viel zu meckern, würde ich darüber nachdenken. Also lass ich es lieber. Es war keine reine Geldverschwendung, aber auch nicht so richtig sein Geld wert. Aber allzu viel hat es auch nicht gekostet. Und das, was mich hauptsächlich interessiert hat, wurde auch bestätigt. Der Gedanke, einen Grundstock mitzunehmen, hat funktioniert. 

 

Doch all das ist kein Grund, länger wach zu bleiben um diese Zeilen zu tippen. Ein kurzer Dialog ist dafür verantwortlich. Es ging um irgendein Gericht. Ich: „Was ist das?“ Freundin: „Kennst du das nicht?“ Kopfschütteln meinerseits. Gleiche Freundin: „Mach ich dir mal.“ Und die erstaunte (und ich möchte behaupten neidische) Reaktion der Kursleiterin: „Mach ich dir mal. Das ist doch mal ne Aussage.“ Und ich konnte meiner Freundin nur über den Rücken streicheln und der Frau strahlend entgegnen: „Ja, ich mag mein Leben auch.“

05.05.2015 um 22:32 Uhr

Das Leben eines indalo

von: indalo

In meinem Kopf begann der Satz „Das Leben eines…“ und ich überlegte, wie es weitergehen soll. Das Leben eines couchsurfers? Eines workawayers? Eines… einer Person wie mir. Denn weder ist es das couchsurfen selbst, noch das workawayen. Es ist so zu sein, wie ich bin. Und das ist einfach genial. Ich bin genial, bzw. mein Leben ist es. 

 

Vorhin war da ein ganz tiefes Gefühl von Glück. Mal wieder. Denn ich bin glücklich. Nicht nur weil ich mein Leben liebe, sondern weil ich ganz offensichtlich auch verdammtes Glück habe. Denn ich fahre mal eben ziemlich spontan zum Arbeiten in den Urlaub, treffe dort auf einen sehr genialen Menschen, der auf mein Angebot, mich zu besuchen, eingeht. Es war nur ein Angebot, und er hat es angenommen. Nun ist er da, und ich kann mein Glück gar nicht fassen. Schon Sonntag kochte er für mich. Einfach, weil er wollte. Gestern begleitete er mich zur Arbeit um den Weg zu kennen, ging dann einkaufen, zu mir nach Hause, kochte einen Haufen Essen und brachte es mir zur Arbeit. Für mich und meine Lieblinge, zum Probieren. Einfach so. Dann arbeitete er noch ein wenig für mich, schlug sich richtig gut mit den Rackern und verschwand wieder als ich zum Arzttermin musste. Während des Essens sagte jemand zu ihm: „Du bist ein wahrer Freund.“ Ja, für mich ein perfekter Freund. Denn ich würde ihn schon Freund nennen. Einen Platz in meinem Herzen hat er ziemlich schnell erobert, jetzt würde ich uns sogar Freunde nennen. Mal sehen, was die Zukunft noch so bringt. 

 

Und heute morgen war ich total im Stress, da wir uns gestern Abend stundenlang verquatscht haben. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Eigentlich weniger Gott, mehr Gesetze, Rechte und Sperma. Er erzählte mir etwas, was er noch niemandem zuvor gesagt hat. Es ist auch etwas, wofür viele sich schämen würden. Und er erzählte es einfach so. Einfach, weil es da Vertrauen gibt, und davon nicht zu knapp. Er erzählt mir seine Sorgen, seine Gefühle, seine Gedanken. Und ich ihm ebenso. Einfach, weil es passt. 

Während ich also im Stress in meiner Wohnung herumwirbelte, versuchte er alles, um mich zu unterstützen. Räumte hinter mir auf und putzte um mich herum. Dann ging ich zur Arbeit und als ich wiederkam, war er gerade dabei den Nachtisch zu machen. Nachtisch? Den gibt’s doch nur, wenn’s auch ne Hauptspeise gibt. Und an der arbeitete er gerade. Also gab’s leckere Lasagne mit Béchamel-Sauce und Spinat. Einfach schön. Er wirbelte ziemlich genau drei Stunden in der Küche rum, dann gab’s Essen. Nicht nur für mich, auch für eine Freundin. Mit Nachtisch. Es ist unheimlich süß ihm zu zugucken und festzustellen, wie viel weiter ich in meinem Leben eben doch schon gekommen bin. Ohne es zu merken. Denn da wird der Pfeffer noch von der Mühle auf einen Löffel gemahlen, damit die Menge auch ja die richtige ist. Die Gewürze auf einem kleinen Tellerchen anordnen, dann verrühren und als letztes unterrühren, exakt wie im Video. Womöglich zählt das als lustig machen, aber ich find’s unheimlich putzig. Und irgendwie macht es mich auch glücklich. Auch wenn es mich Beherrschung kostet, so kommentarlos wie möglich zu zugucken. Denn die Freude, die er daran hat, möchte ich keinesfalls mindern. 

 

Doch wie ist es zu all dem gekommen? Was war der Ursprung dieser grandiosen Tage? Der Stein, der es ins Rollen brachte, war die Entscheidung, meinen Urlaub arbeitend zu verbringen. Alles danach folgte auf Grund von Verhaltensweisen und der Magie des Lebens. 

Ich bin fasziniert, berührt und dankbar. 

03.05.2015 um 20:30 Uhr

Die letzten werden die ersten sein

von: indalo

Das Fest ist nun vorüber. Es war ein Erfolg. Ich war zufrieden. Nein, ich war glücklich. Die Frauen hatten Tränen in den Augen, die Männer hatten ihren Spaß. Was will man mehr? 

 

Hinterher wurde ich gefragt, ob es meinen Vorstellungen entsprach. Ich habe doch versucht, mir nichts vorzustellen, nichts zu erwarten. Und irgendwie hat das auch geklappt. Wir haben knapp acht Stunden dort verbracht, ich bin eine ganze Stange Geld losgeworden und habe Erinnerungsmomente in meinem Herzen gespeichert. Irgendwer stellte mir irgendwann eine Kamera hin „falls du Fotos machen möchtest.“ - „Das habe ich schon getan, und sie hier drin gespeichert.“ In meinem Herzen. Es ist purer Kitsch, ich weiß, aber es ist wahr. Ich erinnere mich an lächelnde Gesichter, an gerötete Augen, an Jubeln, an jemanden im Anzug, daran, vor Begeisterung herumgewirbelt zu werden, an Kinder auf meinem Schoß, an Umarmungen, an Heranschleichen und flüstern „Das war eine grandiose Idee“, an Toben, beim richtigen Namen gerufen zu werden, ans gegenseitige Füttern mit Vanilleeis und Himbeeren, an wiederkehrende Gäste (das ist ein erstmaliger Erfolg, und dann gleich doppelt), an ein Kuschelkissen für unterwegs und einen gemeinsamen Spaziergang nach Hause. 

 

Eine Auswärtige kam am Abend vorher und verbrachte den Vormittag mit mir, die andere Auswärtige blieb die Nacht danach und verschwand erst am nächsten Tag. Perfekte Aufteilung. In der dritten Nacht hatte ich gleich zwei Gäste zu Besuch, sodass ich nun innerhalb von drei Nächten vier verschiedene Menschen bei mir schlafen hatte, zwei im Bett, zwei im Wohnzimmer. Ich glaube, dies gehört mal wieder zu den schönsten Zeiten meines Lebens. Und so lag ich auch gestern Abend kuschelnd auf der Couch und stellte fest: „Ich glaube, das ist etwas, was ich mit Stolz verbinden kann. Ich bin stolz auf meine Freundschaften, stolz darauf, andere von Freundschaft zu überzeugen, ihnen zeigen zu können, dass es neben Familie auch etwas ebenso wertvolles gibt.“ Denn das habe ich geschafft, bei jung und bei alt. 

 

Der Tag begann mit einem gemütlichen Frühstück und ganz vielen Erzählungen. Er ging weiter mit einem schönen Fest und endete mit einem Blitz in meiner Wohnung und einer durchgebrannten Sicherung. Immerhin wusste ich intuitiv, wo der Sicherungskasten ist und war einfach froh, nicht neben dem Ursprung des Blitzes gelegen zu haben, als er meine Wohnung erhellte. Erstaunlich, was so ein kleines Kabel an Energie freisetzen kann. Adieu Heizkissen, du hast mir ziemlich genau ein Jahrzehnt treue Dienste geleistet. 

 

So, und warum dieser Titel? Weil es eine besondere Begebenheit gab. Wir kennen uns ganz gut untereinander. Und seit langer Zeit ist bekannt, wer immer die letzten sind. Manch einen ärgert es, manch einen wundert es und nur manch einer nimmt es hin. Doch ich wusste, ich war absolut überzeugt davon, dass das seit Jahren immer - wirklich immer - zu spät kommende Ehepaar diesmal pünktlich sein wird. Sie würden es schaffen - ich hab mir darüber nicht einmal Gedanken gemacht. Dass sie jedoch die ersten sein würden, das überrascht mich doch. Und dass im selben Zuge die Familie als letztes kommt, die sonst die ersten sind, fasziniert mich ungemein. Sie waren die letzten, und trotzdem pünktlich. Chapeau, liebe Freunde.

01.05.2015 um 08:52 Uhr

Die Verträge sind unterschrieben

von: indalo

Es ist Mai. Endlich. Oder auch schon? Ich bin zeitlos. Und habe doch so viel Zeit. Ich genieße so viel. Ich habe Besuch, sie liegt im Zimmer nebenan. Ich hoffe, sie schläft noch. Sie soll sich erholen. Gestern waren wir erst um Mitternacht zu Hause, da wir zum gemeinsamen Kochen nach mehr oder weniger nebenan gingen. Das war nett, das war angenehm. Und sie ist tatsächlich gekommen. Ich wusste nicht, dass eine schriftliche Einladung meine Freunde von außerhalb dazu bringt, mich zu besuchen. Die zig persönlichen haben es nicht geschafft. Aber jetzt. Doch seit sie da ist, seit der ersten wenigen Minuten habe ich noch eine ganz andere Theorie, wieso sie gekommen ist. Denn direkt und sofort hat sie mir mitgeteilt, dass sie schwanger ist. Oh wie schön. Das wollte sie wohl wirklich gern persönlich machen und da kam meine Einladung genau zur richtigen Zeit. 

Sie stand zwar nie auf der Liste der Frauen, die ein Kind bekommen könnten, während ich weit weit weg sind, aber ich glaube, das verkrafte ich trotzdem. Wenn das Kleine dann ein Jahr ist, komm ich vorbei. Aber sowas von! Und schwanger gibt’s dann Skype. Hoffe ich. 

 

Schon gestern ließ ich anklingen, dass man es gerade unheimlich gut mit mir meint. Nicht nur gerade, auch so allgemein bin ich grundglücklich. Doch momentan noch mehr. Und gestern purzelten dann die Steine vom Herzen. Gepaart mit Erstaunen. Denn gestern wurde der Vertrag unterschrieben. In achtzig Tagen zieht jemand in meine Wohnung. Für genau den Zeitraum, den ich weg bin. Das ist so perfekt, aber nicht zu perfekt um wahr zu sein, denn es ist wahr. Er zeigte mir seinen Arbeitsvertrag und der läuft wirklich bis zu dem Datum. Und das Erstaunen ging auch damit einher. Denn er verdient unglaublich viel. Einfach unglaublich. Ich finde ja, ich verdiene gut. Ich sage regelmäßig, dass ich nicht verstünde, wieso andere Leute meines Berufes sich immer wieder beschweren. Und dann sehe ich diese Summe… Fünfeinhalb Tausend Euro bekommt er. Auf die Hand. Einfach so. Dagegen komme ich mir sehr arm vor, kein Wunder, dass er so entspannt bei der Miete und Kaution ist. Dass er überhaupt so entspannt ist. Da hätte ich doch mehr Kaution nehmen können. Nunja. Egal. Ich freue mich, dass er über meine Anzeige gestolpert ist, dass er so entspannt ist und dass ich mich mit ihm wohl fühle. Seinen Vertrag zu sehen, beruhigt mich offensichtlich. 

 

Da gibt es wohnlich viel Bewegung. Die Schwangere kauft ein Haus, mein Bruder hat gekündigt und einen Tag später unterschreibe ich den Vertrag, der mich aus meiner Wohnung befördert. Die jüngsten Eltern sind auch intensiv bei der Haussuche, und irgendwie wirkt das schon normal. Wir nehmen die nächste Kurve unserer jeweiligen Lebenswege. Manche gleich zwei auf einmal.