indalo

28.10.2015 um 21:39 Uhr

herrlich dämlich neutrales Mädchen

von: indalo

In meinem Kopf sind mittlerweile bestimmt drei verschiedene Themen für weitere Einträge. Es ist auch nicht so, dass ich nicht unbedingt die Zeit hätte, sie nieder zu schreiben, aber ich entscheide mich für anderes. Für Mails, für Gefühle, für Erinnerungen, für Pläne, für Träume. 

 

Doch bevor ich meine Entdeckung von vorgestern Nacht wieder vergesse (denn ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das nicht schon einmal feststellte), möchte ich es nun festhalten. Denn gestern thematisierte ich es in einer anderen Sprache, doch ist es nicht viel interessanter für Deutsche?

 

Mal abgesehen von dem für mich bisher unlogischsten Artikel unserer Sprache, nahm ich mir vorm Einschlafen die Wörter herrlich und dämlich vor. Wieso, weshalb, warum, das weiß ich nicht, denn es ist schon wieder eine Weile her, dass ich mich mit der deutschen Sprache befasste. Es kam mir einfach so in den Sinn. Also aufgepasst, meine Damen und Herren, denn wenn erstere etwas tun, ist dies ausgesprochen dämlich, wohingegen letztere einfach herrlich sind. Doch warum ist das so? Und sind wir damit nicht viel machohafter als andere Sprachen?

 

Eine Freundin belegte zu derartigen Dingen im Sprachgebrauch ein Seminar. Es ging nicht nur um Diskriminierung der Geschlechter, sondern auch um Rassismus. Sie wird nie wieder mauscheln, denn das hing einst mit den Mauren zusammen. Ich für meinen Teil bin da offener gegenüber den Veränderungen in der Sprache, zumindest was alles angeht, was vor meiner Lobzeit relevant war. Doch wenn mauscheln ein verbotenes Wort ist, dann sollten die Adjektive herrlich und dämlich erst recht verboten werden. 

 

Und falls mir jemand eine Erklärung liefern kann, warum das einzelne Mädchen ein Neutrum ist, wäre ich dafür sehr dankbar. Denn als man mir diese Frage stellte, blieb ich sprachlos und begegne seither jedem mit Verständnis, der seine eigene (Mutter-)Sprache nicht versteht. 

26.10.2015 um 02:24 Uhr

mein Jahr

von: indalo

Und da ist es wieder, dieses unbeschreibliche Gefühl des Reisens. Während ich über Kuba fliege, stelle ich erneut fest, welche Freiheit ich habe. Einfach so fliege ich wohin ich will und wann ich will. Unter mir zieht die Insel vorbei, erst Matanza, dann Havana, bis nur noch Meer zu sehen ist. Ich liebe reisen, ich liebe es, neues zu entdecken. Und unsere Welt hat wunderschöne Orte. Varadero gleicht einem Paradies. Traumhaft türkisblaues Meer, weicher, warmer Sandstrand, milde Temperaturen bei Sonnenuntergang, warmes und badefähiges Wasser und dazu noch nette Menschen. Wenn ich mal Urlaub zum Entspannen brauche, komme ich wieder. Genauso wie an den wunderbaren See in Guatemala. Denn neben all den Kriegen, den Flüchtlingen und traurigen Schicksalen, gehören auch diese traumhaften Orte zu unserer Welt. Eine Welt, die sich zu bereisen lohnt. Und ich habe das unwahrscheinliche Glück, eine Reise zu unternehmen, die mich an diese Orte führt. 

 

Ich habe Menschen getroffen, die mir bei sich im Hotelzimmer Unterschlupf gewährten, jemanden (aus Deutschland) der für mich ne Nacht im Hostel zahlen wollte, als ich ohne Bargeld auf einer Insel gestrandet war, und zwei verschiedene Personen, die mir in Kuba nen Batzen Bargeld in die Hand drückten, weil ich selbst an keins rankam. Ich habe keine dieser Personen um Hilfe gebeten, ich habe lediglich in einer Unterhaltung meine Situation umrissen und mir wurde Hilfe angeboten. Und das jedes Mal ohne auch nur meinen Namen zu kennen. Achja, da war noch das Pärchen aus Australien, welches das wenige Bargeld, das sie zur Verfügung hatten, in einer gemeinsamen Mahlzeit mit mir teilen wollte.

Neben der wunderschönen Natur hat unser Planet auch wunderbare Geschöpfe zu bieten. 

 

Doch über nichts davon dachte ich nach, als das Flugzeug startete. Ich sah nur die Insel unter uns vorbei ziehen und war glücklich. Nicht, weil ich hier weg wollte, keinesfalls, sondern weil ich weiter reisen darf, weil mich weitere Abenteuer erwarten, weil ich trotz mancher Hürden diese Reise genieße. Für mich und mit mir allein. Auch wenn das immer wieder auf Verwunderung stößt. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass es genauso richtig ist. Auch wenn ich am Strand liege und mir ausmale, wie es ist meinem Patenkind beim Spielen im Sand zu zugucken. Auch wenn ich überlege, ob ich meinen Vater auf diese Insel schicken kann um all diese zauberhaften Autos begutachten zu können. Auch wenn ich nur zu gerne mit jemandem den ganzen Strand entlang spazieren würde. Auch mit all diesen Gedanken, und vielleicht gerade deswegen, bin ich unheimlich glücklich.

 

Und während der Flieger sich weiter fortbewegt, halte ich mir selbst wieder eine Rede, die ich meinen Freunden halten möchte. Ich wünschte, sie würden es verstehen. Denn: Ihr seid die Liebe meines Lebens, für euch gebe ich das Reisen auf.

 

Ich könnte das, was ich gerade tue, für den Rest meines Lebens tun, doch meine Freunde (und dazu auch mein Beruf) binden mich an einen Ort. Man muss wissen, was man will im Leben. Wir alle haben die Wahl, und da ich Freunde und Beruf (zumindest meistens) unter einen Hut kriege, fällt die Entscheidung zu Gunsten meiner Freunde aus. 

Ich werde nicht ewig reisen, aber dieses Jahr gehört mir.

20.10.2015 um 04:18 Uhr

Zurückkehren

von: indalo

Ich bin wieder in Mexiko, und ich freue mich unheimlich. Es ist wunderbar, ein Gefühl des Zurückkehrens zu haben. Es fehlte mir nicht, und meine Freude hängt hauptsächlich damit zusammen, dass ich nun doch meinen Flug bekommen werde, aber auch unabhängig davon freute ich mich darauf, nach Mexiko zurückzukehren. Mexiko ist günstiger als die beiden im Süden angrenzenden Länder, noch so ein Pluspunkt. Und irgendwie wirkt es vertraut, auch wenn ich ganz woanders bin. Mich beruhigt, Bargeld in der passenden Währung zu haben. Mich freut, auch außerhalb von Unterkünften an internet zu kommen. Ich weiß einfach schon, wie der Hase hier läuft, und das lässt mich durchatmen. Insbesondere nachdem gestrigen Tag, an dem ich Stunden damit zugebracht habe, Entscheidungen zu treffen, zu evaluieren und überhaupt Möglichkeiten abzuklopfen. (Bei nem Tropensturm auf ner winzigen Insel festzusitzen war nicht eingeplant.)

 

Doch auch ohne all das, merke ich, dass ich jemand bin, der zurückkehrt. Immer schon. 

Ich bewege mich gerne fort, auf in neue Welten mit neuen Abenteuern, aber ich kehre zurück. Ich bin treu. Und so ist ein Großteil meiner Gedankenwelt beherrscht von der Frage, wohin ich aus welchen Gründen zurückkehren möchte. Dabei weiß ich zeitgleich, dass das Leben zu kurz ist, um alles zu sehen, also sollte ich die wenige Zeit, die ich habe, dafür nutzen, mehr zu entdecken. Das ist ein Teil von mir, aber ein anderer Teil möchte zurückkehren, manchmal um länger zu bleiben, manchmal einfach nur um des Rückkehren willens. 

03.10.2015 um 05:12 Uhr

kochendes Wasser

von: indalo

Es ist wundervoll, zu leben. Ich liebe es, mein Leben zu lieben. Und diese Magie, die überall zu herrschen scheint… wieso nur können sie manche Menschen nicht spüren? Es ist so wunderbar, zu vertrauen. Sich Menschen zu übergeben und dabei die schönsten Dinge zu erleben. 

 

So stieg ich gestern in ein Auto, dessen Fahrer mich spontan zum schwersten Baum der Welt fuhr. Einfach so. Und ich machte mir keine Sorgen, dass er mich entführt. Denn es wär ein leichtes gewesen, das zu tun. Aber nein, er brachte mich dorthin zurück, wo er mich abholte. Kurz darauf traf ich einen anderen Mann, der sich - wie mir scheint - Hals über Kopf in mich verliebte. Nicht, dass ich darüber irgendwie nachdenken möchte, aber es schwebt in der Luft. Er bewahrte mich vor einer Nacht an dem bisher unkomfortabelsten Ort, der sich mir bot. Jedes Auto, jede noch so dreckige Busstation, jeder Flughafen und jede andere Baustelle habe ich besser in Erinnerung als ich mir eine Nacht an diesem Ort vorstellen konnte. Und so fuhren wir gemeinsam dorthin um meine Sachen abzuholen und er wurde sprachlos. Nun gut, ich bekam mein eigenes Bett, mein eigenes Zimmer und sogar mein eigenes Bad. Purer Luxus. Doch viel wichtiger ist all das, was er mir zu erzählen hatte. Wir verbrachten die nächsten vierundzwanzig Stunden miteinander und die Kellnerinnen nahmen entspannt hin, dass er für mich bestellte. Ich überließ es ihm mit absoluter Entspannung. Wie schön es sein kann, keine Entscheidungen zu treffen, sondern sie vertrauensvoll an andere abzugeben… Ich merke erst jetzt, wie gut das tat. 

 

Doch neben dieser sozialen Magie, die mir gleich mehrmals in kurzer Zeit begegnete, sah ich sie auch in der Natur. In den Bergen in angenehmen Temperaturen und farbenfrohen Gewässern zu schwimmen, macht mich sprachlos. Es war wunderschön und kein Foto dieser Welt kann das Gefühl ersetzen, dort zu sein. Keine Worte können wiedergeben, wie es wirklich ist. 

 

Ich war bei den versteinerten Wasserfällen und bin froh, dass ich nicht vor Ort selbst versteinerte. Auch wenn ich nichts dagegen hätte, für immer dort zu bleiben. Ein Teil von mir bleibt, genauso wie ich von dort etwas mitnehme.