indalo

30.04.2016 um 08:40 Uhr

Fühlt sich so Heimweh an?

von: indalo

Meine letzte Station war wieder einmal grandios. Ich traf auf einen Menschen, der mir in sehr kurzer Zeit sehr vertraut geworden ist. Ja, wir sind auf dem besten Wege Freunde zu werden. Doch die zwei Stationen davor war ich allein in der Stadt und schlief in bezahlten Unterkünften. Erst mit anderen, lärmenden Zimmergenossen, dann allein im Mehrbettzimmer. Es macht keinen Unterschied, beide Orte bekommen kein Sternchen. Nein, ich merke immer mehr, dass meine Faszination des Reisens stark mit den Menschen zusammenhängt. Es gibt Orte, da sind Menschen nicht wichtig, und die Antarktis war so ein Ort. Doch eine Reise wird durch den Reisenden bzw. eben die Begegnungen des Reisenden definiert, und je länger die Reise, desto wichtiger die Menschen. Am Anfang lief ich unheimlich gern allein durch die Straßen und ließ mich treiben. Doch mittlerweile hat das keinen Reiz mehr für mich - es sei denn die Orte sind wirklich weniger reizvoll. Und so stellte ich ja schon vor ein paar Wochen fest, dass ich anderswo keinen Alltag brauche. Mein Alltag in Deutschland ist mir einfach wichtiger.

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich meine Freunde und Familie nicht vermisse, ob ich Heimweh habe, doch meine Antwort ist seit Jahrzehnten die gleiche: Ich habe keine Zeit jemanden oder etwas zu vermissen, ich erlebe und entdecke gerade so viel neues, da bleibt keine Zeit darüber nachzudenken. Als Kind war die Antwort nicht so ausführlich, da hab ich einfach nur verneint, doch irgendwann schien mir das unhöflich, sodass ich es auf diese Art zu erklären versuchte. Für mich und für andere.

Doch jetzt überlege ich doch tatsächlich, ob ich zum ersten Mal in meinem Leben Heimweh habe. Denn ich sehe keinen Sinn (mehr) darin, ziellos umherzulaufen. Ich merke, dass die Zahl der Monate bis zu meiner Heimkehr wichtiger wird als die Anzahl der gereisten Monate. Vielleicht, weil es greifbarer wird. Vielleicht weil mittlerweile nicht nur ein, sondern schon zwei Babys kennen gelernt werden müssen. Vielleicht weil nun endgültig klar ist, dass ich beruflich genau dort weitermache wo ich aufgehört habe. Vielleicht weil mein Zwischenmieter sich nun auf Wohnungssuche begibt. Vielleicht weil die Visafragen, Impfvorschriften, verpasste Fristen, Kreditkarten- und andere technische Probleme immer mehr werden. Vielleicht weil ich bei der Schlafplatzsuche auf immer mehr Idioten treffe und ich (dadurch?) vorsichtiger werde und mittlerweile der Gedanke auftaucht, dass ich etwas zu verlieren habe. 

Doch andererseits fragte mich mein letzter Gastgeber, in welchem Land ich leben wollen würde. Einfach so, ohne Zusammenhang. Und ich umriss ihm meine Gedanken dazu, völlig ohne Wehmut. Ich weiß, welches Land für mich am Bequemsten ist. Ich kenne die Menschen und kann ihre Eigenarten akzeptieren, ich weiß um ihre Unterschiede und um die Hintergründe. Ich bin kein Spielball der Gesellschaft, ich weiß, wo ich stehe und was ich zu erwarten habe. Ich erkenne die Vorteile und akzeptiere die Nachteile. Ich weiß, wo es mich hinzieht, und nichts steht mir im Weg. Kein anderes Land kann mir all das bieten, was ich in Deutschland finde und (mittlerweile) schätze. Doch jetzt nicht dort zu sein, löst kein negatives Gefühl aus. Jetzt kehre ich erst einmal in ein Land zurück, das ich schon kenne. Ich weiß, dass mein Handy funktionieren wird und ich meine Überweisungen erledigen kann. Ich weiß, dass ich an Geld komme und keine Gebühren dafür zahlen muss. Ich weiß, dass ich einfaches Essen finde, das mir schmeckt. Und ab Montag kann ich mich dann um ein paar andere mehr oder weniger akute Angelegenheiten kümmern, eh ich wieder entspannter weiterreisen kann. Die letzte Rückkehr in einen bereits (ansatzweise) erforschten Kulturkreis brachte nicht die erhoffte Wiedersehensfreude, sodass mir vermutlich neben Körperkontakt einfach auch Vertrautes fehlt. 

25.04.2016 um 09:36 Uhr

warum ich nirgends anders leben wöllte

von: indalo

Wegen meiner Freunde, wegen meines Jobs, blabla. Das kennen wir zur Genüge. Es steht auch gar nicht zur Debatte, woanders zu leben, und doch schoss mir heute genau dieser Gedanke durch den Kopf. Eine so simple Tätigkeit wie das Abbeißen vom Baguette löste es aus. Die orale Befriedigung, die dieses Baguette mir bescherte, spricht für sich. Ich brauch Backwaren mit Konsistenz, etwas zum Reinbeißen, zum Kauen und auch zum Verdauen. 

Offensichtlich habe ich ein solches Baguette auch hier im tiefsten Asien gefunden, doch es ist eben nicht der Standard. Nein, ich brauche vernünftiges Brot, und zwar regelmäßig, ja gar täglich. Allein der Umstand so viel neues zu entdecken lenkt mich von dieser Tatsache ab. 

Die Welt ist wundervoll, doch in Tokio allein umher zu laufen, bringt mich wieder einmal dazu darüber nachzudenken, warum manch ein Ort besser oder schlechter zum Leben geeignet ist. Und auch wenn es überall schöne Orte gibt, so weiß ich, wo ich leben möchte. Da wo ich lebe, gibt es keine tollen Surfsports und zum Tauchen ist Deutschland auch nicht geeignet. Wir haben keine Riesenschildkröten und keine Löwen, wir haben Berge im Süden, doch ich bin ein Nordlicht. Also habe ich nicht einmal Berge. Aber ich habe Wiesen, grünes Gras und blauen Himmel. Gelegentlich gibt es Schnee, aber jeden Herbst gibt es Laub, darauf ist Verlass. Wir haben nicht das größte Gebäude der Welt - doch wie oft wär ich dort, wenn es um die Ecke wär? Nicht einmal unterwegs interessieren mich diese Türme, auch wenn ich gerade vor einem solchen sitze. Ich mag Brücken viel mehr, davon haben wir viele, doch keine berühmte. Wir haben keine besonders spektakulären Sonnenauf- oder -untergänge, aber wenn die Sonne scheint, dann richtig. Wir haben keine besonderen Früchte, aber Lebensmittel sind günstig. Man bekommt kein fertiges Gericht unter fünf Euro, aber in der Regel mach ich mein Essen lieber selbst. Wir haben nicht all diese zauberhaften Leckereien, die ich auf meiner Reise entdecke, doch wie oft würde ich mich im Alltag daran erfreuen? 

Ich brauche gute, gesunde Nahrung im Alltag - das finde ich in Deutschland. Ich möchte barfuß laufen im Sommer, mit meinen Zehen im Gras spielen und jederzeit die Möglichkeit haben, in kurzer Zeit in die Natur zu kommen. Und genau das habe ich genau dort, wo ich lebe. Ich brauche weder Machu Picchu in der Nähe, noch Ayer’s Rock oder die Niagarafälle. Alles, was nicht fußläufig in zehn Minuten zu erreichen ist, ist ohnehin nicht Teil meines Alltags und da man bekanntlich nicht alles haben kann, gewinnen meine Freunde gegen das Haus am Meer. 

24.04.2016 um 05:37 Uhr

Ich liebe Statistiken

von: indalo

Furchtbar. Und was für eine Erkenntnis. Ich liebe Statistiken. Meine eigenen, wohl gemerkt. Denn gestern stellte ich fest, dass nun alle meine Flüge gebucht und bezahlt sind, sodass ich dies zusammen rechnen kann. Alle, alle Flüge. Und mit ein wenig hin und her schieben der Zahlen, komme ich zu dem Schluss, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich habe wirklich ein Vermögen für Flüge ausgegeben, ein wahres Vermögen und weit mehr als die Hälfte meiner Gesamtkosten sind nur die Flüge, doch ein Weltumrundungsticket hätte sich nicht gelohnt. Knapp, aber wahr. Zumindest bezüglich der Zahlen, die ich damals in Erfahrung bringen konnte. Gute Entscheidung, alles eigenhändig zu buchen. 

Doch das ist keine wahre Statistik. Das ist nur eine Summe, womöglich mit Durchschnittsberechnung. Die Statistik, die ich soeben erstellt habe, ist viel spannender. Denn neben meinen Ausgaben habe ich nun eine Übersicht über die Art der Übernachtung. Dabei gibt es sechs Kategorien und ich weiß nun, dass ich mehr als drei Wochen im Auto, Bus, Zug, Flugzeug oder am Flughafen geschlafen habe. Das überrascht mich. Ebenso fasziniert mich, mehr kostenfreie Nächte erarbeitet zu haben, als bei jemandem so unterzukommen. Wobei das übertrieben ist, der Unterschied macht weniger als eine Woche aus… Und dann habe ich vier Wochen für ein Hostel gezahlt und fünf Wochen waren schon vorab gebucht. Fazit: Mehr als drei Viertel meiner Reise habe ich nicht für eine Unterkunft bezahlt. Das ist doch mal ein guter Schnitt, den ich gerade so bis zum Ende halten können sollte.

22.04.2016 um 15:47 Uhr

in der Bahn stehend

von: indalo

Schon als ich unter den Kirschbäumen in einer schönen Anlage saß, öffnete ich eine Datei. Doch ich lehnte mich lieber zurück und beobachtete die Kirschblüten im Wind, statt etwas zu schreiben. Denn was sollte ich schreiben? Wo sollte ich anfangen? Ich wusste es nicht. Doch das jetzt, das muss ich einfach festhalten. Denn irgendwann brach ich von diesem wunderschönen Ort auf, fand noch ein weiches Tuch mit nem Pinguin bestickt, aß ein paar sehr zarte Leckereien und begab mich zur Bahnstation. Als ich einstieg, war es so voll, dass ich stehen musste und hier sitzt man seitlich in der Bahn, sodass man immer auf die stehenden Personen guckt. Ich stand also zwischen den Sitzreihen und merkte, wie jemand neben mir mich unverhohlen anlächelt. Ich lächele zurück, drehe mich aber wieder zur Seite um gemütlich zu stehen. Sie guckt mich weiter an und lächelt. Als ich also wieder in ihre Richtung gucke, stelle ich fest, dass sie nicht wegguckt, doch gerade als ich den Blick wieder abwende, mich anspricht. Okay, damit kann ich umgehen. Also unterhalten wir uns ein wenig über Belanglosigkeiten und als in einer Gesprächspause ein Sitzplatz auf der gegenüberliegenden Seite frei wird, setze ich mich. Nun stehen Personen zwischen uns, sodass ich den Computer zücke und meinen Tagesbericht schreibe. Einige Zeit später steht sie auf, weil sie vermutlich aussteigen will und kurz bevor wir halten, drückt sie mir einen Zettel in die Hand. Nicht nur enthält dieser ihre Kontaktdaten, sondern auch ein paar Zeilen. Ihre Nervosität entgeht mir nicht, doch noch während ich den Zettel auffalte, eilt sie aus dem Zug und rennt den Bahnsteig entlang. 

Ich werde ihr schreiben, das ist ja wohl klar.

12.04.2016 um 14:09 Uhr

Der Weihnachtsmann und die Meerjungfrauen

von: indalo

Mittlerweile bin ich ja nun doch ganz schön weit rumgekommen. Immer wieder stelle ich fest, dass mir sooo viel entgeht. Denn jede Ecke der Welt hat andere Traditionen und so habe ich nun selbst erfahren, dass Ostern in Asien überhaupt nicht erwähnt wird, was mich zu der Frage bringt, wie es um Weihnachten steht. Ich weiß nun bereits, dass es im letzten Jahr in manchen Ländern verboten wurde, aber was ist mit den anderen Ländern in dieser Ecke des Planeten? Sicherlich wird es in Asien nicht so gefeiert wie in Europa, Australien und den Amerikas, aber wird es ganz übergangen so wie Ostern? Und wie steht es um Afrika? Fragen über Fragen und so wenige Antworten. Und das obwohl ich unbeschreiblich viel gelernt habe auf dieser Reise und auch weiterhin lernen werde. Es bringt mich zu der berühmten Aussage: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Wobei das nicht stimmt, aber ich weiß, dass ich nur einen Bruchteil weiß.

Nun denn, die Überschrift habe ich nicht zufällig gewählt. Denn der Weihnachtsmann hat mich nicht annähernd so viel beschäftigt wie dieser Eintrag vermuten lässt. Viel mehr war es die Meerjungfrau, die mir heute begegnete. Keine Erscheinung, eine Statue. Und ich bin nach wie vor in Asien, ganz weit weg von Europa. Wie kommt es nun also, dass so etwas fabelhaftes wie die Meerjungfrauen auch hier zu finden sind? Offensichtlich sind sie weiter verbreitet als der Weihnachtsmann - ob es damit zusammenhängt, dass sie keiner Religion angehören?

04.04.2016 um 17:08 Uhr

von Erkenntnissen, Freundschaft und Gedanken zu Planungen

von: indalo

In meiner Auszeit hier habe ich fünf Flüge gebucht. Damit hab ich den größten Teil meiner restlichen Reise festgelegt. Einerseits mag ich es lieber spontan, aber andererseits kann ich damit ganz gut umgehen. Insbesondere wenn es um finanzielle Fragen geht und mir eben nur noch wenige Flüge fehlen. Eigentlich wollte ich alles fertig haben, bevor ich dieses Land wieder verlasse. Aber das scheint nichts zu werden, denn ich kann mich einfach nicht entscheiden, was ich im Juli machen möchte. Es hat sich stark herauskristallisiert auf welchem Kontinent ich diesen Monat verbringen werde, aber mal abgesehen von Australien sind alle Kontinente ziemlich groß, sodass es weiterer Planung bedarf. Insbesondere, da ich noch nicht einmal einen Flug dahin habe - ich weiß schließlich nicht wohin. 

Während ich also all so etwas überlege, stelle ich fest, dass ich wach im Bett liege. Nicht nur wegen der Planung, auch wegen anderer Dinge. Meine Gedanken nehmen mich wieder auf eine Reise, statt ich sie. Das kommt mir bekannt vor, von zu Hause. Da überschlagen sich ebenso die Dinge und ich bin nicht Herr dieser. In den letzten Monaten hab ich auch viel mitgemacht und war gewiss nicht die entscheidende Instanz, doch das jetzt, das ist anders. Das ist wie in Deutschland, wenn ich den nächsten Tag plane. Wieso plane ich auf einmal wieder die Reihenfolge der Dinge, die ich am nächsten Tag tue? Und damit ist in diesem Fall nicht frühstücken, duschen und packen gemeint. Nein, da ist mehr. 

…und dann klingelte Skype. Ich führte ein einstündiges Gespräch mit meiner mich liebenden Freundin. Als wäre ich da. Als wäre ich nie weg gewesen. Als wäre ich nicht weg. Wir sprachen einfach. Es stand nichts zwischen uns, am allerwenigsten die Entfernung. Es ging überhaupt nicht darum, was man alles im Leben des anderen verpasst hat - und genau das verstärkte das Gefühl nie weg gewesen zu sein. Es war, wie es immer zwischen uns ist. Wir wollen einander alles mitteilen, worüber wir nachdenken, was uns beschäftigt. So wie es von Anfang an war. Einander kennen lernen. Jeden Tag aufs Neue. Oh wie wunderbar ist diese Freundschaft.

Als wir auflegten, bzw. sogar noch vorher, verspürte ich wieder eine intensivierte Lust darauf, mehr zu entdecken, ihr mehr erzählen zu können, mehr zu erforschen, mehr mit ihr diskutieren zu können. Es gab mir Energie mit ihr zu reden. Denn eigentlich begann dieser Eintrag mit der Feststellung, dass eine zweite Runde Auszeit nicht nötig war. Denn ich lebe hier Alltag und sprach doch schon vor ein paar Tagen davon, dass ich weiß, wo mein Alltag ist. Wo es mich hinzieht. Ich sprach mit einem Wildfremden darüber, wie ich den Ort fand, an den ich gehöre. Und dann ist es irgendwie nicht richtig, einen anderen Alltag zu leben. Das ist nicht Grund genug, auf meinen sonstigen Alltag, mein Leben zu verzichten. Und so breche ich wieder auf, reise weiter, und finde das mehr als gut. 

Der letzte Absatz könnte Seiten füllen, denn auch die ersten beiden Absätze wurden nie zu Ende geführt. Und dann gab’s in der Zwischenzeit weiße Schokolade in Hello kitty Form mit diesen im Mund „explodierenden“ kleinen Sachen gefüllt. Und eine Mail, die mir eine Unterkunft im nächsten Land bietet, sowie eine andere, die mich der Vollendung meiner Reiseplanung näher bringt. Die Dinge überschlagen sich, und einerseits möchte ich schlafen, andererseits Tagebuch schreiben, doch dann will ich ja diesen einen Monat noch fertig planen…

01.04.2016 um 17:31 Uhr

mit den Fingern zählen

von: indalo

Als erstes möchte ich fragen: Wie zählst du mit den Fingern? Wie zeigst du eine Eins? Eine Zwei? Drei? Etc.? Brauchst du zwei Hände für die Sechs?

Nur allzu gerne würde ich ein Foto jeder Einzelnen dieser Zahlen hier einstellen. Oder von euch zu Gesicht bekommen. Denn ich bin mir schon nicht mehr sicher, wie ICH eigentlich mit den Händen zähle. Aber ich weiß jetzt, wie die Chinesen und die Taiwaner dies tun. 

Schon vor ein paar Wochen zeigte mir ein Mexikaner seine Zählweise und ich fand sie besser als meine. Denn ich meine, ich springe zwischendurch statt dass es eine fließende Bewegung ist. Er fing beim kleinen Finger an und arbeitete sich dann bis zum Daumen vor. Simpel und ich meine für alle machbar. 

Doch die Taiwaner haben mich jetzt endgültig fasziniert. Neulich kaufte ich eine Papaya und die Frau brabbelte irgendwas während sie mir erst Zeige-, Mittel- und Ringfinger zeigte und danach mit der selben Hand Daumen, Zeige- und Mittelfinger. In meiner Welt ist das eine sehr lustige Dreiunddreißig. Doch ich bekam von meinem Fünfziger nur zwölf zurück. Bei all der Ehrlichkeit hielt ich es für unwahrscheinlich, dass sie mich betrog - wo lag also das Problem? Ich merkte mir die Tonfolge ihres Gebrabbels und bekam im Hostel die Bestätigung, dass es achtunddreißig bedeutet. Über die Finger dachte ich nicht weiter nach bis mir jemand ne Sechs zeigte und mir dafür Daumen und den kleinen Finger unter die Nase hielt. Wie bitte? Wen soll ich anrufen? …niemanden. Das war die Sechs. Und die Sieben sind Daumen und Zeigefinger, dann ja, erklärt sich mir jetzt die Achtunddreißig mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Die Glühbirne ging an und ich war begeistert. Das Leben vorwärts leben und rückwärts verstehen. Aber sowas von.

Die chinesischen Fingerzahlen unterscheiden sich in der zweiten Hälfte enorm und erscheinen mir unverhältnismäßig kompliziert, da zum Beispiel die Acht an das dazugehörige Schriftzeichen angelehnt ist und die Neun mich eher an einen Krampf in der Hand erinnert als an eine Zahl. 

Aber um mich nicht in unnötig komplizierten Erklärungen zu verstricken, hier ein Link zur besseren Verständlichkeit der chinesischen Zählweise:

https://www.youtube.com/watch?v=nkcO3aBRZn8

Die Variante aus Taiwan konnte ich leider nicht finden. Dabei scheint das die einzig einheitliche zu sein, da bisher jeder (von mir getroffene) Chinese anders zählt - wie verständigen die sich bloß untereinander?