indalo

25.06.2016 um 20:44 Uhr

Mantarochen aus nächster Nähe

von: indalo

Wenn man zwei Tauchgänge am Tag macht, dann hat man den ersten doch schon wieder vergessen, wenn man zurück an Land ist. Einer würde mir völlig ausreichen, aber ich kann keineswegs über Langeweile klagen. Denn nachdem mich mein Buddy verließ und ein anderer Taucher mich auf eine Schildkröte aufmerksam machte, entdeckte ich eine weitere, der ich - diesmal völlig legal - den Rücken streichelte und sie mir Bilder bescherte, von denen ich vermutlich (hoffentlich!) heute Nacht träumen werde. All diese Fotos von Schildkröten, die der Sonne entgegen schwimmen, können wahr werden. Einfach so. Und es war wunderschön. Edel. Elegant. Ich mag Schildkröten. 

Doch beim zweiten Tauchgang blieb mir der Mund offen stehen. Jemand zeigte gen Himmel (bzw. Wasseroberfläche) und ich sah ein riesiges Wesen. War es ein Delphin? Die Größe passt. Die Geschwindigkeit aber nicht. Ein Hai? Zu groß für diese Region. Was zum Henker ist das? Riesig in allen Dimensionen, die ich von dort erblicken konnte, und ein langer Schwanz. Ist das… kann das… nein… wir sollten Rochen sehen, Mantarochen diesmal, nicht Stechrochen. Aber… und ich komme endlich hinterher und sehe nicht nur das Wesen, welches ich verfolgte, genauer, nein, mir kommen gleich noch ein paar riesige Maltarochen entgegen. Riesig. Ich fand die Stechrochen vor zwei Tagen schon beeindruckend, aber das hier übertrifft einfach alles. Und als die Strömung die Distanz zwischen uns quasi in Luft auflöst, tauchte die Frage auf, ob die eigentlich gefährlich sind. Wenn ich mir das Maul angucke, bin ich überzeugt, dass ich da reinpassen würde. Keine schöne Vorstellung. Und sie in aller Ruhe von unten betrachten zu können, zeigt mir die Kiemen, die doch stark an Haie erinnern. Also hocke ich mich lieber dichter an den Boden und durch die wirklich starke Strömung bleibe ich mit meinem Knie an einer Koralle hängen. Der Schmerz war kurz, aber er würde wieder kommen, sobald die Faszination schwindet. Doch ich ließ mich weiter hin und her schaukeln, achtete nun aber etwas genauer darauf, wo ich mich befand. Und während ich ständig meine Umgebung kontrollierte entdeckte ich ein weiteres, bisher gänzlich unbekanntes Wesen. Sicherlich gibt es Tausende davon, aber dieses war nochmal ganz anders und ich hatte keine Möglichkeit, jemanden danach zu fragen. Doch wie der Zufall es will, zeigt mir am Nachmittag jemand ein Foto von etwas, das ich nicht kannte und es war genau das, was ich zuvor im Meer entdeckte. Eine Muräne. Absolut faszinierend, aber nicht wirklich schön. Da gefallen mir die Rochen besser, und definitiv die Schildkröten. Doch auch der heute entdeckte Leoparden-Drückerfisch gewann mehrmals meine Aufmerksamkeit. Ebenso wie der Rotzahn-Drückerfisch, dessen Blauton mir wirklich zusagt. 

Ich bin über die Maßen fasziniert. Und begeistert. Doch wieder einmal ist es eine innere Begeisterung. Es ist meins. Ich springe nicht auf und ab, und es tut mir Leid für die Mannschaft des Bootes, dass ich keinen größeren Aufstand daraus mache. Ich bin maßlos beeindruckt, und sprachlos. Es war wieder einmal wunderschön, tauchen zu gehen. Diesmal definitiv so tief, dass ich die Wasseroberfläche nicht einmal erahnen konnte. Verschluckt vom indischen Ozean, aber immerhin nicht vom Mantarochen. 

22.06.2016 um 09:40 Uhr

ein Gruß aus der Vergangenheit

von: indalo

Da erreicht mich soeben eine Mail mit lieben Grüßen einer Person, mit der ich vor vielen, vielen Jahren ein Date hatte. Und mal wieder fasziniert mich die Macht der Worte. Denn mich erfreut das sehr - doch letztlich sind es nur Worte. Erstaunlich. 

Es ist verdammt lange her und ich war sterbensnervös. Ich erinnere mich noch genau. Nicht an das Gefühl, aber den Umstand an sich. Und meine Güte, war sie schön. Ist es vermutlich immer noch, doch ich hab sie schon Jahre nicht mehr gesehen. Doch ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie ihre Schönheit mit den Jahren eingebüßt hat. 

Und wieder einmal hab ich etwas meinem Namen zu verdanken. Denn der Absender dieser Email erwähnte meinen Namen, worauf madame meint, dass sie auch mal jemanden mit diesem Namen kannte. Sie erinnert sich an meinen Namen - ich habe anscheinend einen bleibenderen Eindruck hinterlassen als bisher gedacht - aber nicht daran, dass wir uns mehr oder minder über jene Person kennen gelernt haben? 

19.06.2016 um 20:37 Uhr

Wenn du denkst, du hast alles erlebt

von: indalo

…dann passiert etwas neues. Etwas unerwartetes, und doch irgendwie geahntes. Ich weiß nicht, wieso diese Dinge passieren, wieso solche Dinge passieren, aber sie tun es. 

Vor ein paar Tagen döste ich hundemüde und schwächelnd in einem ruckelndem Bus vor mich hin und hatte immer wieder den gleichen Satz eines ehemaligen Gegenübers im Kopf („so you make an opinion for life“) und ließ das Gespräch revue passieren, mit immer wieder dem gleichen Widerspruch. Ich verstehe diesen Satz bis heute nicht, wie kann man eine Meinung für den Rest seines Lebens festschreiben? Wie auch immer, in meiner Lethargie versuchte ich zu erinnern, mit wem zum Henker ich dieses Gespräch führte und ging all meine Gastgeber der letzten Tage durch. Nein, nichts passte. Doch wenige Stunden später entdeckte ich eine Email eines unbekanntes Absenders, die ich zu der Zeit erhielt, als ich darüber nachdachte. Ich las nur den Namen und die Glühbirne ging an. Einige Tage zuvor traf ich jemanden in einem Bus und gab ihm meine Email Adresse. Er war es, der diesen Satz von sich gab, und er schickte mir offensichtlich diesen Gedanken in den frühen Morgenstunden. 

Doch das nur am Rande. 

Vor zwei Tagen checkte ich in eine Unterkunft ein und entschied auch recht schnell, zwei Nächte zu bleiben. In der zweiten Nacht holte ich mir noch jemanden ins Zimmer, nachdem dies genehmigt wurde. Und am Morgen wartete ich in der „Eingangshalle“ darauf, mich mit meinem Gastgeber für die kommende Nacht zu treffen. Irgendwann zwischen dem Ankommen und dem Abreisen kam mir der Gedanke, dass mein zukünftiger Gastgeber ebenso dort wohnen könnte. Hier kommen Touristen für ein paar Nächte unter, aber definitiv auch Einheimische für länger. Die können nicht alle miteinander verwandt sein… Doch ich maß dem Gedanken keine große Bedeutung bei. Am frühen Nachmittag sattelte ich meinen Rucksack und ging letztlich ohne Verabschiedung, da mir das ständige nach meinem Wechselgeld fragen unheimlich auf den Geist ging. Ne Stunde später traf ich mich mit meinem Gastgeber, folgte ihm zu Auto und wir fuhren am See entlang, und als er rechts abbog, fragte ich nur „ernsthaft?“ Und er zuckte etwas verunsichert zusammen, woraufhin ich meinte, dass ich genau in dieser Straße die letzten beiden Nächte verbracht habe. Und irgendwie wusste ich in dem Moment, dass es auch das gleiche Gebäude sein würde. (Dass ich letztlich sogar im gleichen Bett landen würde, ahnte ich noch nicht.) Er war ebenso irritiert, wie überrascht, sodass wir trotz der wenigen Minuten, die wir uns erst kennen, schon über unsere Sympathien und Antipathien gegenüber der Besitzer austauschten. Welch kurioser Moment. Und so liege ich erneut unter meinem pinkfarbenen Moskitonetz und wundere mich schon gar nicht mehr. Denn ich nehme einfach hin, dass er mir - nach komplizierter Geschichte und Begründung - das Geld für das Zimmer gibt. Er hat mir erklärt, dass er ihr dieses Geld schuldig ist und ich es ihr nur geben muss, er zahlt es nicht meinetwegen. Ob ich es glaube oder nicht, sei dahin gestellt. Es ist seine Entscheidung. Ich hab meinen Standpunkt klar gemacht und er hat auf diese Vorgehensweise bestanden. 

Und so couchsurfe ich am selben Ort, an dem ich die letzten zwei Nächte verhältnismäßig viel Geld gelassen habe. Plante ich hier zu schlafen als ich in diese Stadt fuhr? Nein. Ich begegnete morgens jemanden, der mir davon erzählte und entschied mich zum ersten Mal auf dieser Reise für ein Einzelzimmer, obwohl es teurer war als ein Bett im Hostel um die Ecke. Es sind die kleinen, unerklärlichen Entscheidungen, die zu solchen Geschichten führen. 

16.06.2016 um 17:20 Uhr

...wenn bloß die Menschen nicht wären

von: indalo

Wenn ich mich über blöde Menschen ärgere, dann hilft es nicht, heimzukehren. 

Seit geraumer Zeit ärgere ich mich über Menschen. Andererseits sind genau sie es, die meine Reise zu dem machen, was sie ist. Also geht es gerade nicht mit ihnen, aber auch nicht ohne sie. Fazit? Ich interagiere viel mit ihnen und ärgere mich dabei. Über sie, und über mich selbst. Denn ich könnte es einfach bei der Erkenntnis belassen, dass der ein oder andere schlichtweg andere Vorstellungen hat. Doch ich möchte ja die Welt verbessern. Naja, zumindest die Menschen, die mir begegnen. Und in diesem Fall geht es nicht um unterschiedliche Vorstellungen, sondern darum, dass sie das Konzept des couchsurfens nicht begreifen. Und das ärgert mich. Also möchte ich es erklären und verzweifle dabei. 

Und als ich genau das heute Abend einer Freundin schilderte, gab es den Vorschlag, nach Hause zu fliegen. Sicherlich verlockend, da ich mich dort mit keinem dieser fehlgeleiteten Couchsurfer abgeben muss, aber stattdessen würde ich mich dort über andere Menschen ärgern. Denn auch wenn ich mich auf mein Zuhause freue, so weiß ich, dass ich in regelmäßigen Abständen fluchend die Wände hochlaufen werde. Das ist einkalkuliert. Doch deswegen ist es keineswegs eine Linderung meines aktuellen Ärgernisses. Ich sag ja: „…wenn bloß die Menschen nicht wären“.

12.06.2016 um 15:08 Uhr

umgeben von Natur

von: indalo

Indien. Definitiv das Land, welches das größte Interesse weckt. Indien, so groß wie ein Kontinent. Und mehr als das. Denn wie sagte mein indischer Gastgeber gestern? „Als ich quer durch die USA reiste, änderte sich kaum etwas. Die Kultur ist die gleiche, das Essen ist das gleiche, die Menschen sind gleich. Doch wenn ich durch Indien fahre, verändert sich alles.“ Zumindest den ersten Teil kann ich bestätigen. Ob in Washington D.C. oder Washington, man merkt keinen Unterschied. Bei Indien kann ich (noch) nicht mitreden, aber ich glaube ihm schon jetzt. 

Als ich meine Kollegin in Vietnam traf und mich über die ständige Huperei beschwerte, betonte sie fortwährend, dass Indien viel schlimmer sei. Ich bereitete mich also innerlich darauf vor und war sehr angetan davon, als ich auf der Fahrt zwischen Flughafen und Unterkunft kein Hupen vernahm. Ebenso wenig in den zwei Stunden, die ich beim Parkplatz am Flughafen (mit regem Verkehr) wartete. Aber zugegebenermaßen war es mitten in der Nacht. Erst als wir heute zum Bahnhof fuhren, hupte er an jeder Kurve. Erst fragte ich mich, welcher Vollidiot hinter uns fährt, doch dann musste ich feststellen, dass mein Sitznachbar für den Lärm verantwortlich war. Nunja. 

Doch zwischen diesen beiden Fahrten verbrachte ich einen ganzen Tag auf seinem Grundstück. Ob dies nun Indien oder Kenia ist, macht keinen Unterschied. Wir sind fernab von anderen Menschen auf einem wunderschön grünen Gelände am Fluss mit Steg, Holzboten, den verschiedensten fruchttragenden Bäumen (Papaya, Kokosnuss, Jackfruit, Mango, Cashew, etc.) und einem strahlend blauem Vogel names Kingfisher. Es ist warm genug um leicht bekleidet im schwingenden Stuhl zu sitzen, aber nicht so warm, dass man schwitzt. Abends kühlt es sogar so weit ab, dass ich mir zum ersten Mal seit Wochen freiwillig ein T-Shirt überziehe. 

Ich bin verzaubert, und während ich meine Erlebnisse festhalte, klettert neben mir jemand in die Krone einer Kokospalme. Kein Film, kein Buch, keine erfundene Geschichte. Einfaches, normales Leben in Indien. 

10.06.2016 um 15:27 Uhr

auf nach Indien

von: indalo

Oh wie schön, oh wie wunderbar. In den letzten Wochen bin ich auf dem Landweg durch fünf Länder gereist und habe natürlich neue Erfahrungen gesammelt. Zu Beginn waren sie grandios, einzigartig und absolut erinnerungswürdig. Doch dann… dann fehlte die Euphorie. Es tauchte der Gedanke auf, dass ich womöglich den Punkt erreicht habe, an dem es reicht. Ich war froh, alte Bekannte wieder zu sehen, glaubte, ohne sie wäre ich unzufrieden. Ich fragte mich - und meine Reisefreunde - was ich (bzw. sie) täte(n), wenn nicht schon alle Flüge gebucht wären. Hätte ich als nächstes einen Flug in die Heimat gebucht? Ich kann es wirklich nicht sagen. Denn trotz allem ist da der Gedanke, dass ich nur jetzt so viel Zeit zum Reisen habe. Also hätte ich womöglich die gleichen Entscheidungen getroffen. Doch ich werde es nie wissen, und seit wenigen Minuten ist es auch nicht mehr relevant. Schon all die Inder hier am Flughafen zu sehen, brachte mich zum Schmunzeln. Auch in den zwei Tagen in dieser Stadt als einziges auf Inder zu treffen, war wohl schon die Vorbereitung. Doch als ich dann auch noch den indischen Familien lauschte, ihren so hervorstechenden Akzent aufsog, überkam mich wieder das Reisefieber. Ich fliege nach Indien. Jetzt. Heute. Ich werde erst am morgigen Tag ankommen, auf jeden Fall nach Mitternacht. Doch ich werde nicht nur vom Flughafen abgeholt, sondern auch freudig erwartet. Das ist sicherlich ein schöner Bonus, doch keineswegs der Grund für dieses Gefühl. Ich kann es schlecht beschreiben, im Grunde gar nicht, aber ich erkenne es. Es ist das Gefühl, welches mich auf dieser Reise schon so oft heimsuchte. Womöglich ist es wirklich eine Droge, und vielleicht wird sie nur am Flughafen versprüht. [Doch halt, ich erinnere mich an eine Busfahrt mit einem Marmeladenglas.] Jedenfalls bin ich wieder entzückt und werde interessiert beobachten, wie lange es diesmal anhält. 

08.06.2016 um 12:39 Uhr

Mangos filetieren

von: indalo

Während ich in den letzten Tagen immer wieder genüsslich meine Viertelkilo schweren Mangos filetierte, dachte ich mal wieder darüber nach, dass es nicht grundlos FruchtFLEISCH heißt. Zumindest in der deutschen Sprache. Und während ich ebenso genüsslich am Kern rumknabberte, fragte ich mich, warum ich dies bei Knochen nicht tun mag. Es ist doch alles nur eine Kopfsache. Tiere haben Knochen, doch sie sind nicht notwendig für das Fortbestehen des Tieres, wohingegen der Kern einer Mango zu einem neuen Mangobaum werden könnte. Wieso also ist es weniger „richtig“ Fleisch vom Knochen abzunagen als anderes (Frucht)Fleisch vom Kern, der Leben enthält?

Was mich zu den Frutariern brachte, die nur Essen, was bereits vom Baum oder Strauch gefallen ist. (Ein Gedanke, den ich durchaus reizvoll fand.) Frei nach dem Motto „ich esse nur, was mir freiwillig von der Natur gegeben wird“ - doch wenn ein neuer Baum (oder Strauch) entstehen soll, dann muss die Frucht erst fallen. Und Fruchtfleisch ist das Eidotter des Huhns, liebe Veganer.

Und damit erinnere ich mich wieder an meinen Entschluss von vor nicht allzu langer Zeit: Ich bleibe Omnivore und finde das auch keineswegs verwerflich. Nichtsdestotrotz werde ich bei jeder Gelegenheit um vegetarisches Essen bitten, denn auch wenn ich eine Schwäche für Mortadella habe (bei anderen scheint es eher Salami zu sein), bin ich kein großer Fleischesser. Es ist weniger der Geschmack des Fleisches als die Konsistenz - und Knorpel konnt ich noch nie leiden, genauso wenig wie Blutbahnen in meinem Essen. 

07.06.2016 um 17:58 Uhr

Wiedersehen macht Freude, Abschied macht traurig

von: indalo

Schon vor einiger Zeit schrieb ich, dass die Menschen den Reiz des Reisens ausmachen. Doch jetzt spürte ich es wieder einmal. Und stelle obendrein fest, dass es nicht unbedingt Einheimische sein müssen. Denn nachdem ich schon vor zwei Ländern Menschen wieder getroffen habe, die ich zu Beginn meiner Reise kennenlernte, traf ich im letzten Land eine Kollegin und in diesem Land wieder die beiden anderen. Und ich kann mit Gewissheit sagen, dass diese Zeit ziemlich trüb gewesen wäre ohne diese Treffen. Im letzten Land hatte ich couchsurfer, sodass es auch ohne meine sonstigen Bekannten besser abschneidet als die anderen beiden, aber alle drei Länder hinterlassen keine Wiederkehrenswünsche. Vielleicht komm ich eines Tages wieder, vielleicht auch nicht. Doch wenn ich mich an die Zeit erinnere, dann hauptsächlich an die Menschen, die ich hier (wieder)traf. So bin ich nun tatsächlich ein wenig traurig, dass ich morgen abreise. Nicht nur werden mir die absolut schmackhaften Smoothies und die zarten Mangos fehlen, sondern auch jene Menschen mit denen ich mich nahezu täglich hier traf. Ich war trotz allem mehr allein unterwegs als mit ihnen, doch zwischendrin ein wenig Bekanntes tat gut. Und auch die Gespräche. Wir werden nie die besten Freunde sein, aber spätestens nach unserer dritten Begegnung haben wir einen Bund fürs Leben geschlossen. Denn von all den Menschen die mir bisher begegnet sind, sind sie mir am reiseähnlichsten. Und es wandert regelmäßig ein Lächeln über meine Lippen, wenn ich feststelle, dass er eine Kombination aus verschiedenen Freunden ist. Es macht es mir so unheimlich leicht, ihn zu ärgern und andererseits trotzdem tröstende Worte für ihn zu finden, wenn er von den ärgerlichen Dingen erzählt. 

Nun geht es also wieder weiter, wenn auch erst einmal zurück in ein bereits bekanntes Land. Aber im Grunde nur um den internationalen Flughafen zu nutzen und dann erwarten mich viele, besonders einladende Couchsurfer. Und so schön die Zeit ohne Flüge war, so sehr freu ich mich darauf, von diesem Teil Asiens wegzufliegen. Zu viele Ärgernisse und zu wenig Einheimische, die mich davon hätten ablenken können. 

03.06.2016 um 16:29 Uhr

Es wächst auf Bäumen

von: indalo

Schon im vorletzten Land ging mir immer wieder der gleiche Gedanke durch den Kopf: „Ich lebe in einem Land“ - Stopp, wieso „lebe“? Ich reise hier doch nur. Trotzdem fing es immer wieder so an. Vielleicht anders: „Ich lebe in einer Welt, in der vielleicht kein Geld auf Bäumen wächst, aber Mangos. Und mal ehrlich: Das ist besser als Geld.“ 

Und jetzt bin ich in einem Land, in der es frische Kokosnüsse zu Hauf gibt, sodass ich endlich eine Antwort darauf habe, wieso sich Menschen in einer so fürchterlich heißen Region nieder gelassen haben: Wegen der Kokosnüsse und der Mangos. Ganz klar. Und das von mir. Ich habe den Großteil meines Lebens alles, was irgendwie mit Kokos zu tun hatte, verweigert, auch Mangos kamen erst letztes Jahr in getrockneter Form in meinen Mund. Jetzt möchte ich nichts anderes essen. So frisch, so lecker, und so… umsonst. Denn die Mangos sammelte ich vor zwei Ländern einfach auf, die Kokosnüsse kaufe ich jetzt für weniger als nen Euro und bekomme sie dafür trinkfertig und hinterher noch essfertig geöffnet. Welch wunderbare Welt mit ihren wundervollen Dingen!

…wenn bloß die Menschen nicht wären *seufz*

01.06.2016 um 16:17 Uhr

wo das Überqueren der Straße zum Highlight wird

von: indalo

Wenn ich in Deutschland bei grün über die Ampel gehe, frage ich mich gelegentlich, wieso es uns Menschen so schwer fällt, uns ohne einander anzurempeln zu begegnen. Wenn zwei Schwärme Vögel in der Luft aufeinander treffen, sieht man nie einen abstürzen. Doch sei es bei der viel genutzten Fußgängerampel oder in großen Fußgängerzonen, ständig wird man angerempelt oder muss jemandem aus dem Weg springen. Und dann sollen die Menschen die Lebewesen mit der höheren Intelligenz sein? Nunja.

Doch ich habe ein Land entdeckt, in dem es funktioniert. Vietnam. Egal wie viele Hunderte von Verkehrsteilnehmer um den Kreisverkehr fahren, alle kommen unbeschadet weiter. Seien es Autos, Busse, Motorroller oder Fußgänger. Überhaupt braucht niemand Ampeln oder Zebrastreifen in Vietnam (obwohl es sie als Dekoration gibt), man geht wann immer und wo immer man möchte über die Straße und die rollenden Fahrzeuge weichen einem schon aus. Phänomenal. Und mir persönlich macht das Spaß. Sogar so sehr, dass ich beim Überqueren einer sehr beschäftigten Kreuzung anfangen muss zu grinsen, nachdem ich kurz vorher nur über diese ätzende Huperei fluchen konnte.