indalo

29.07.2016 um 18:27 Uhr

Der Heimweg beginnt

von: indalo

Schon vor vielen Monaten fragte man mich, ob ich nun auf dem Heimweg sei. Die Halbzeit war vorüber und mehr als die Hälfte der Kontinente lag hinter mir. Nun würde ich immer näher kommen. Doch ich warf ein, dass ich mich auch nochmal in die „falsche“ Himmelsrichtung bewegen würde. An Heimkehr war nicht zu denken. Auch nicht zu fühlen. Ja, ich freue mich schon lange auf mein Leben, meinen Alltag und meine Menschen. Doch mein Abenteuer ging weiter, ich war nicht bereit, es aufzugeben. Und auch wenn es Phasen gab - oder eher eine längere Phase mit kleinen Schwankungen - in denen/der ich weniger euphorisch war, so kann ich jetzt mit Bestimmtheit sagen, dass das nicht das Ende vom Lied ist. Nein, nein. Ich habe nach gründlichem Auskurieren alle Lebensenergie sowie Reiselust wieder entdeckt. In den letzten Wochen war wieder alles anders als in den Monaten zuvor. Einfach alles. Und ich scheine die Abwechslung zu brauchen. Oder ich brauchte genau die Veränderung in genau diese Richtung. Ich weiß es nicht. Theorien gibt es viele, wichtig ist für mich nur, dass es weitergeht. Dass ich die letzten Wochen sehr genossen habe und voller Zuversicht auf die Kommenden Blicke. Allem voran die direkt vor mir Liegende. 

Ein Flug fehlt noch. Nächste Woche. Damit beginnt das letzte Kapitel meiner Reise. Doch bevor ich mich damit beschäftigen kann, muss ich das Vorletzte beginnen, oder gar abschließen. Und da ich gerade im Flieger nach Europa sitze, steh ich an der Startlinie. Und  das ist es auch, was mich zu diesem Titel veranlasste. Mittlerweile kann ich mit Gewissheit sagen, dass ich bisher überhaupt nicht das Gefühl hatte, auf dem Heimweg zu sein. Bis heute. Nicht, als ich in den Flieger stieg und Afrika verließ. Nein, erst als ich in den Flieger stieg, der mich jetzt nach Europa bringt. Ich verstehe mich als Europäer, und da ich schon war, wo ich gleich landen werde, ist es wirklich wie heimkehren. Außerdem komme ich wieder auf die Nordhemisphäre. Sommer. Nordeuropäischer Sommer. Und Helligkeit. Die letzten Wochen habe ich mein Abendbrot im Stockdunkeln zu mir genommen - und wir aßen nicht sehr spät. Ja, mein Heimweg hat begonnen. Ich werde morgen wahre Freunde und dazu noch Bekannte wieder sehen. Auch das macht etwas aus. Doch - und ich möchte es unbedingt festhalten - ein Großteil der Energie bei meiner Art des Reisens wird darauf verwendet, sich bei einem Ortswechsel innerlich auf alles gefasst zu machen. Ins Unsichere zu fahren, sich dem hinzugeben und für alles offen zu sein. Nun werde ich morgen Menschen wiedersehen, die ich lange und gut kenne, wir werden eine Tradition aufleben lassen, sodass man meinen könnte, ich wüsste, was auf mich zu kommt. Doch ganz ehrlich? Ich bereite mich innerlich wieder auf alles vor. Einen Unterschied gibt es jedoch: Auch wenn ich nicht weiß, was mich erwartet, so weiß ich, dass egal was mich erwartet, ich alles zu geben bereit bin, damit es harmoniert. Ich weiß, dass es das Wert sein wird. 

21.07.2016 um 18:39 Uhr

Er mag mich, und er auch

von: indalo

Es ist doch immer wieder amüsant zu merken. Vor nem halben Jahr machte ich einen ähnlichen Trip wie diesen und unsere Reiseleiter waren Frauen. Mindestens eine davon mochte mich nicht wirklich - was durchaus auf Gegenseitigkeit beruhte. Jetzt haben wir zwei männliche Reiseleiter und schon in den ersten Tagen gewann ich den starken Eindruck, dass einer der beiden eine starke Sympathie mir gegenüber hegt. Und ich habe auch ne Idee, warum. Er lächelt mich auf gewisse Art an, sorgt sich um mich im Besonderen und ich würde sein Verhalten als liebevoll bezeichnen. 

Nicht viel später stelle ich fest, dass auch der zweite Herr Interesse an mir zeigt - jedoch ganz anders. Er bringt jedes Gespräch auf Sex und dass ich auf Reisen doch ruhig Spaß haben soll. Irgendwie verfehlt er aber meine Definition von Spaß. So oft ich es ihm auch klar zu machen versuche, da ist kein ran kommen. Und wenn er so weiter macht, schafft er es noch den Verhaltenskodex eines Reiseleiters zu brechen. Er sinkt in meinem Ansehen und hat heute eindeutig den Vogel abgeschossen, als er sich negativ über homosexuelle Männer äußerte. Frauen sind - wie so oft - in Ordnung, aber zwei Männer? No way. 

Und so konzentriere ich mich jetzt verstärkt auf den ersten Herren, genieße seine Fürsorge und unterstütze ihn moralisch.

18.07.2016 um 18:20 Uhr

Eine Entscheidung

von: indalo

Ich glaube, gestern wurde es entschieden. Vielleicht auch vorgestern. Es gab nicht den einen Moment, es gab nur viele Gedanken. In alle Richtungen. Und dann tauchte er wieder in meinem Kopf auf. Er und seine Worte. Betrunkene Worte. Würde er sie auch nüchtern von sich geben? Ich bin mir nicht sicher, doch ich denke schon. Ich denke, er meint es ernst. Doch für meine Entscheidung ist es nicht wichtig. Ich habe mich für etwas entschieden. Nach dem Tag mit den Gedanken an ihn. Da wusste ich es. Und auch heute noch fühlt es sich gut an. Es löst sich ein wenig von ihm und bewegt sich in eine andere Richtung. Es wird sich auch in der nächsten Zeit verändern, doch ich glaube, die Quintessenz bleibt die gleiche. Über ein Jahr hat es gedauert, und ich habe nicht darauf gewartet. Ich habe mir nicht vorgenommen, mich zu entscheiden. Es kam einfach. Und ich glaube, genauso muss es sein. Genauso ist es richtig. Richtig für mich. 

Jetzt hapert es noch an der Umsetzung. Dafür müssen Gespräche geführt werden. Keine einfachen. Doch ich werde sie ohne Angst beginnen. Nervös, sicherlich werde ich nervös sein. Aber nicht ängstlich. Und dann seh ich weiter. Denn ich habe keine Eile, nur eine Entscheidung. Für mich und mit mir allein. Alles andere passte sowieso nie in meinem Kopf. Auch wenn ich Türen schließe mit dieser Entscheidung, so fühlt es sich richtig an. Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten. Und um manche Möglichkeiten tut es mir Leid, doch es ist ohnehin nur Theorie, nie Garantie. Und so werden wir sehen, was aus diesem Chaos in den nächsten Jahren entsteht. 

17.07.2016 um 17:47 Uhr

Allein auf meinem Polaris

von: indalo

Als wir gestern auf unserem Campingplatz ankamen, hörte ich was von Quads. Mein Budget erlaubt zwar diesen Camping Trip und den ein oder anderen Schokoriegel sowie das mittlerweile doch nötige Flaschenwasser, aber größere Aktivitäten lasse ich geflissentlich aus. Und das mit einem guten Gefühl. Doch Quad fahren, das klingt zu verlockend um Nein zu sagen. Vor allem da es durch einen Tierpark geht und nicht nur übers Gelände. Und so wusste ich schon gestern, dass ich heute in der Früh ein Quad besteigen will. Ich wusste auch, dass ich zwei Stunden unterwegs sein möchte. Wenn schon, denn schon. Und so stand ich heute morgen guter Dinge auf, packte mein nasses Zelt ein, frühstückte und marschierte dann allen voran zur Rezeption. Dort war man zwar sehr nett und aufgeschlossen, aber nicht kommunikativ genug um uns mitzuteilen, dass sie nur fünf Quads haben. Das erwähnen sie erst, als die erste Fünfergruppe gezahlt hat - doch was macht der Rest? Es gab einiges hin und her und ich bemühte mich, Ruhe zu bewahren. Denn im Sinne der Gruppe bin ich natürlich bereit mit jemandem ein Quad zu teilen, aber eigentlich möchte ich doch allein fahren. Und so warteten wir, diskutierten und warteten weiter. Und als es dann so weit war, hatte ich Glück und kam als einziges allein auf ein Quad. Weder musste ich mich um den zwölfjährigen Jungen sorgen, noch um den achtzigjährigen Mann. Ich konnte rasen wie ich wollte, jedes Schlagloch und jeden Felsbrocken mitnehmen. Ich war glücklich. 

Rauf den Berg, runter in der Spur, mal eben die vor mir aus ihrem Loch schubsen und dann noch schnell die Zebras, Wilderbeasts (Wildbestien?!) und Giraffen fotografieren. Dann hieß es absteigen und die Giraffe streicheln. Ich hab tolle Fotos von hübschen Menschen und einer ganz besonderen Giraffe. Sie mag Haare, und Bart. Also wurden die Herren der Runde einmal quer übers Kinn geleckt. Es war phantastisch. Und dann schwang ich mich wieder auf meinen Polaris und sauste durchs Gebüsch, überholte noch schnell die zahme Giraffe und winkte ihr zum Abschied. So starte ich gerne meine Tage. Denn auch die Zebras zeigten sich sehr photogen, und eine Antilope sprang in rasendem Tempo durchs Gras. Das sah aus! 

Ich bin wieder voller Tatendrang, der Wasserwechsel schien den Trick zu tun. Mein Getriebe läuft wieder rund und ich freu mich auf den Rest der Reise!

16.07.2016 um 17:52 Uhr

Muss man um Vergebung bitten, damit einem vergeben wird?

von: indalo

Ich dachte, ich könnte dir verzeihen. Ich dachte, ich hätte dir bereits verziehen. Ich möchte dir verzeihen. Ich möchte keinen Groll mehr hegen, nicht mehr bitter sein. Ich möchte dir alles vergeben, was geschehen ist. Doch ich kann nicht. Auch nach all den Monaten, nach all den Jahren, tauchen immer wieder die gleichen Gedanken auf. Gedanken, die mit den Worten „Du weiß nicht, wie es ist…“ beginnen. Denn du weißt nicht, wie es ist. Du hast andere Dinge erfahren, anderes erlebt, doch du weißt nicht, wie es ist in deiner Gegenwart groß zu werden. Du verstehst nicht, wie schwer die Bürden waren, die du mir schon so früh auferlegt hast. Und so oft verstehe ich es selbst nicht. Doch es ist da, immer gewesen. Egal wie sehr ich vergessen möchte, egal wie sehr ich verzeihen möchte, es wird nie gehen. 

Du hast mir etwas genommen. Das dachte ich vor ein paar Tagen. Doch direkt danach kam der Gedanke, dass nicht du es mir genommen hast, denn tätig war jemand anders. Und doch hast du es mir genommen. Lange bevor du mir in Worten davon berichtet hast. Denn schon Jahre vorher war es Teil meiner Geschichte. Wolltest du das? Um welchen Preis? Auf wessen Kosten? Geht es dir damit jetzt besser? Lebt es sich leichter? Fühlst du dich weniger allein? 

Mein Leben wurde dadurch nicht leichter. Und ob es schwieriger wurde, vermag ich nicht zu sagen. Denn der Moment, in dem es anfing mein Leben zu beeinflussen, war viel früher. Unmöglich zu datieren. Und ich schaffe es immer noch nicht, mich dagegen zu wehren. Ich habe versucht, es zu ignorieren, ich habe versucht, es zu verarbeiten. Nichts scheint mir so richtig zu gelingen. 

07.07.2016 um 17:53 Uhr

Kommst du von guten Menschen?

von: indalo

Wieso, weshalb, warum? Ich weiß es nicht. Aber darüber dachte ich heute nach. Ich fragte mich nicht, ob ich von guten Menschen komme, ich stellte nur auf einmal fest, dass dem nicht so ist. Meine Gedanken wanderten umher und irgendwie brachte ich zum ersten Mal meine Großeltern gedanklich zusammen. Die einen sind mehr in meinem Kopf als die anderen, aber bisher waren sie es nie zeitgleich. Bis heute. Und dabei stellte ich fest, dass ich von schlechten Menschen abstamme. Gänzlich. Und das finde ich ziemlich deprimierend. 

Nun, was macht einen Menschen zu einem schlechten Menschen? 

Ich glaube, das muss jeder für sich entscheiden. Menschen machen Fehler, das macht sie keineswegs zu schlechten Menschen. Ich versuche immer wieder anderen zu erklären, dass meine Mutter kein schlechter Mensch ist, sie hat nur familiär ihre Defizite. Doch ich werde meinen Bruder fragen, in welche Kategorie er sie stecken würde. 

Für mich fallen meine Großeltern allesamt in die Kategorie schlechter Mensch. Ich kenne ihre Leben nicht, ich weiß nicht, was sie dazu geführt hat zu tun, was sie getan haben. Doch aus meiner Sicht, als Nachkomme ihrerseits, ist das auch minder relevant. Relevant ist, was von ihnen blieb. Und auch wenn ich schöne Erinnerungen habe, so sind sie behangen mit einem grauen Schleier. 

Ich werde meine Eltern fragen, wie sie ihre Eltern betrachten. Ich nehme an, dass sie über diese Frage nie nachgedacht haben, und ich fürchte, ihre Antwort wird eine andere sein.