indalo

30.09.2016 um 20:10 Uhr

...dann bringst du mir Kochen bei

von: indalo

Mein Leben ist ja wirklich gut, und heute war wieder so ein guter Tag. Trotz Schwindelgefühlen und extremer Müdigkeit, war es ein wirklich guter Tag. Denn schon morgens, im Halbdunkeln auf dem Weg zur Arbeit, grinste ich vor mich hin. Keine Ahnung, weshalb, doch ich erinnerte mich daran, dass dies einer der vielen Gründe ist, warum mein Leben so positiv ist. Ich denke auch hundemüde, halb frierend und unmotiviert an Positives und kann mich freuen. Doch das alles ist noch kein Anlass für einen Eintrag gewesen. Denn eigentlich wollte ich ja nur schlafen. Mein Squash Date hielt mich jedoch davon ab, sodass ich mich zum Treffpunkt schleppte und wir tatsächlich loslegten. Nett war’s, wie immer. Doch das Schönste war die Pause. Wir redeten. Überhaupt telefonieren wir in letzter Zeit. Das fühlt sich neu an, auch wenn ich weiß, dass wir vor zig Jahren viele Stunden am Telefon verbrachten. Doch jetzt sind wir anders, älter, erwachsener. Und es fühlt sich anders an. Jedenfalls redeten wir über Essen, und ich überlege seit geraumer Zeit, wie ich dich zu gesünderer Ernährung bzw. zu einem gesünderen Lebensstil bewegen kann. Der Wunsch ist da, die Umsetzung sollte folgen. Und dann machtest du es mir heute so leicht, wie ich es mir nie erträumt hätte. Denn ich erzählte von Kartoffelbrei und du lauschtest mir mit Faszination und großen Augen. Ja, ich mache meinen Kartoffelbrei selbst. Seit Jahren. Du hingegen hast das noch nie gemacht und weißt noch nicht einmal wie. Du und ich, wir harmonieren, denn diese Unterhaltung lief ganz ohne Manipulationen oder Besserwisserei, und dann sagtest du: „Du kommst jetzt einmal die Woche vorbei und bringst mir Kochen bei.“ Genau das habe ich in den letzten Monaten geplant, doch wie hätte ich dir das servieren sollen ohne dich zu drängen? Danke, dass es von dir aus kommt. Wann und wie mir dies nun möglich ist, wird sich bald zeigen. 

Meine Vergangenheit weist in keiner Weise darauf hin, dass es ein solches Konzept je mit mir als Koch geben könnte. Doch zu meiner Gegenwart passt es wunderbar, und ich bin gespannt, wie es sich in der Zukunft darstellen wird. 

18.09.2016 um 17:04 Uhr

Du, ich und der See

von: indalo

Als ich vor drei Tagen den Anruf bekam, ich solle mich mal um dich kümmern, gefiel mir das nicht so. Wieso soll ich mich um irgendetwas kümmern? Und wieso um dich? Du meldest dich schon, wenn du das brauchst. Hoffe ich. 

Trotzdem nahm ich dies als Anlass, dir noch eine Email zu schicken, in der ich ein weiteres Treffen vorschlug. Es gab keine Reaktion, sodass ich sogar zum Hörer griff. Du hattest keine Zeit, hieß es. Doch dann gab es einige Zeit später SMS und Mail, dass du doch ein Zeitfenster gefunden hast. Willst du womöglich doch reden?

Ich ließ es auf mich zukommen, denn entweder du redest, oder du tust es nicht. Und so trafen wir uns heute, du bist vorgefahren und ich sprang zu dir ins Auto um dann gemeinsam mit dir in den See zu springen. Das war toll. Du und ich, wir sind wie immer. Total entspannt. Auch wenn ich es schade finde, dass ich dieses Geheimnis vor dir nun hüten muss, so merke ich, dass es dich und mich noch genauso gibt wie eh und je. Und für mich ist das genug. Mein Geheimnis ist dein Geheimnis, und dann soll es wohl so bleiben. 

Nun freue ich mich auf den nächsten Sprung ins Wasser, oder einfach nur Wii spielen mit selbst gemachtem Eis. 

17.09.2016 um 22:49 Uhr

Das dreisprachige Telefonat

von: indalo

Und noch ein erstes Telefonat. Keineswegs so bedeutend wie gestern, aber dennoch erwähnenswert. Denn es begann zwar in deutscher Sprache, doch erst als er in seine Muttersprache wechselte, konnte ich die Stimme einordnen. Denn einerseits ist sie mir noch nicht allzu vertraut und andererseits ist es nicht nur lange her, dass ich sie gehört habe, sondern ich kann sagen, dass ich sie noch nie am Telefon vernommen habe. Mal ganz abgesehen davon, dass Stimmen sich mit Sprachen ändern.

Es war eine schöne Überraschung, die natürlich einem Zweck diente, doch er hat sich wirklich Zeit gelassen, bis er darauf zu sprechen kam. Und auch mit diesem Zweck war es ein schönes Telefonat. Noch vor Ende des Monats werden wir uns wieder sehen und das ist etwas, das ich schon eine ganze Weile freudig erwarte. 

 

Bis ganz bald, mein Freund. 

16.09.2016 um 17:22 Uhr

Unser erstes Telefonat

von: indalo

Das Telefon klingelte und ich bekam das Angebot, abgeholt zu werden. Entscheidungsfreudig wie ich bin, gab’s keine richtige Antwort. Und dann wurdest du gefragt, ob du mit mir telefonieren möchtest. Die Schüchternheit gewann, bis Mama dir das Telefon wieder wegnehmen wollte und du dann maulig warst, weil du eben doch was sagen wolltest. Also sagtest du Hallo, und ich ebenso. Und du kichertest. Ich musste lachen. Also lachten wir beide, bis Papa mir Hallo sagt und Mama meint, du müsstest auch etwas sagen. Du musst nichts sagen, du darfst lachen. So viel du willst, so lange du willst. Dein Lachen macht mich glücklich. 

Und ich freu mich unheimlich darüber, dich aufwachsen zu sehen. Nächste Woche wirst du schon drei, und ich bin selbstverständlich dabei!

15.09.2016 um 20:28 Uhr

Die Vorsätze und der Glaskasten

von: indalo

Ich habe Vorsätze. Gute Vorsätze. Und zwar für die Arbeit. Ich möchte irgendwann mal da ankommen, wo ich nicht auf den letzten Drücker arbeite. Ich bin nicht gänzlich unzufrieden mit dem aktuellen System, aber es könnte besser sein. Und da möchte ich hin. 

Mit der gerade erlebten Pause bzw. dem Neueinstieg, werden manche Dinge auch klarer. Von ich-hab-meine-Finger-überall-im-Spiel ging es jetzt schlagartig zu ich-bin-im-Grunde-nur-eine-Ameise. Und das zwar nicht grundsätzlich so gewünscht, aber nun knallhart so durchgezogen. Mein Motto lautet „Ich nehm’s, wie’s kommt.“ Ich steuere nicht, ich reagiere. Ich agiere nicht, ich reagiere. Auf das, was da ist. Und das alles mit einer gewissen Distanz. 

Nun stelle ich aber gerade fest, dass mein Privatleben mir meine Vorsätze zu Nichte macht. Ich sage nicht Nein. Wenn jemand vorschlägt, ein Eis zu essen, bin ich dabei. Wenn es an den See gehen soll, komm ich mit. Und die letzten Tage waren durchaus ereignisreich in der Hinsicht. Das Arbeitsleben rückt nach hinten. Zu Recht, denn das Privatleben geht vor. Doch ich finde gerade höchst amüsant, dass jedes Mal wenn ich gerade angefangen habe, etwas zu tun, das Telefon klingelte. Oder wenn ich gerade auf dem Weg ins Bett bin um mal wieder vernünftig zu schlafen. 


So auch jetzt, als ich endlich den Krempel vom letzten Jahr weg sortieren wollte. Das Telefon klingelte und es folgte ein kurioses Gespräch. Ich solle mich mal unauffällig um einen Freund kümmern. Aber ich soll so unauffällig wie eh und je agieren, auch wenn man mir gerade das austreiben will. Meine Verwirrung ist vorhanden, doch auch hier gilt: „Ich nehm’s, wie’s kommt.“ Doch gleichzeitig merke ich auch diesen Glaskasten, von dem ich vor Monaten schrieb. Mal sitz ich drinnen, mal sitz ich draußen, aber die Sichtweise ändert nichts an der Trennscheibe. Mein Leben gerät nur aus dem Gleichgewicht, wenn man mit mir etwas tut oder eben nicht mehr tut. Und so taumel’ ich weiter durchs Leben, bis ich die Balance wieder finde. Oder die helfende Hand.

12.09.2016 um 12:48 Uhr

Ein Sommersonnensonntag am See

von: indalo

Der Titel hätte genauso gut Glücksmomente sein können. Denn darum geht es. Eine weitere Szene in meinem Film der Glückseligkeit. Mein Film. Mein Leben. 

Gestern war wunderschönes Wetter. Vorgestern auch, aber gestern ging es dann an den See. Ich war schon einmal an diesem See, zu Besuch. Doch gestern war ICH da. Ich mit all meinem Sein. Trotz dessen, was grade noch so fürchterlich schief läuft, war ich einfach ich. Noch am Morgen telefonierte ich Freunde durch, ob sie nicht dazu kommen wollen. Und auf einmal waren immerhin vier Parteien am See. Mehr als erwartet. Auch ein Teil dieser Szene, die niemand so richtig verstehen kann. Ich für mich habe einen Riesenschritt gemacht. Denn ich habe nicht einmal geguckt, wer noch am See lag. Es war absolut irrelevant, denn es gab nur meine kleine Welt, meine Luftblase, meinen sicheren Hafen. 

Und nicht nur ihn mit freiem Oberkörper auf dem Boden sitzen zu sehen, sondern später zu bemerken, wie er auf mich zur rennt und ganz gewiss vorhat mich unter zu tauchen, macht ganz viel mit mir. Mit mir in Bezug auf ihn. Er tat es. Er guckte nicht zögernd, er tat es. Denn er ist sich sicher, dass auch wenn ich das nicht gut heiße, es für uns beide okay wäre. Und so stürmte ich von dannen, und versuchte später, ihn umzuwerfen. Was mir erst gelang, als seine Frau mir behilflich war. Der kleine Zwerg wurde der anderen überlassen, denn in dem Moment war anscheinend anderes wichtiger. Und auch wenn ich weiß, dass der kleine Zwerg das Wichtigste in ihrem Leben ist, so bin ich unheimlich dankbar für ihre Hilfe in dem Moment. Denn es zeigt, dass es auch mehr gibt. Und dieses Mehr reicht mir. Dieses Mehr macht mich glücklich, macht uns zu dem, was wir sind. 

Wir sind wieder erwachsener geworden. Wir sind gewachsen. Aneinander, ohne einander und miteinander. Und Tage wie dieser sind neben den dazu gehörigen Personen Grundbausteine meines Lebens. Danke für die Renovierung eines Pfeilers. Mein Leben glänzt wieder. 

Und auch das lange, lange Gespräch danach trägt enorm zu meiner aktuellen Laune bei. Denn auch wenn das Sinnbild des unzerreißbaren Gummibandes mir irgendwie gut tat, so macht es perspektivisch die nächste Zeit um so viel leichter. Denn auch wenn ich immer noch nicht weiß, was dein Ziel ist und wo du hinmöchtest, so finde ich mich mehr in diesem Chaos zurecht. Die Gedanken sind lange nicht mehr so düster, denn zu wissen, dass auch du noch einen Weg suchst, dass das Ziel offen ist, macht den Ist Zustand so viel erträglicher. Für dich gibt es noch ein Uns. Und das gibt mir dieses Wir wieder. Dich und mich. In neuen Facetten. 

10.09.2016 um 21:54 Uhr

zwischen Alltag und Abenteuer

von: indalo

Ich bin endlich zurück. Das dachte ich heute, als ich durch den Supermarkt schlenderte. Auf einmal kam der Gedanke. Ich bin zurück, und habe ein paar Antworten. Denn das Erste, was ich in meiner Wohnung tat, war Brot zu backen. Mein eigenes Brot. So, wie ich es vor der Reise tat, und so, wie ich es mir seit Monaten vorstellte. Ja, ich tat es. Und ich bestellte mir eine Nudelmaschine und aß schon die letzten zwei Tage selbstgemachte Nudeln. Ich bin begeistert. Das ist sooo einfach, und sooo lecker. Und als ich dann heute durch den Supermarkt schlenderte und mal wieder überlegte, wo eigentlich der Unterschied zwischen Crème fraîche, Schmand und Sahne ist, fühlte ich mich beraubt. Sicherlich sollte ich mich darauf konzentrieren, mich gerade selbst zu bereichern, doch ich fühlte mich in dem Moment beraubt. Mir wurden Jahre der gesunden Ernährung und des Kochens geraubt. Ich dachte meistens, es sei irgendwie eine Übertreibung, aber ich bin tatsächlich mit Dosen und Kartoffeln aufgewachsen. Brot gab’s auch, sogar vom Bäcker. Aber gekocht wurde nicht. Es wurden Tüten aufgemacht und ggf. mit Hack, Kartoffeln und manchmal sogar Möhren angereichert. Kartoffelbrei gab’s ohnehin selten, aber definitiv nie aus echten Kartoffeln. Auch Kartoffelpuffer gab’s wenn überhaupt aus dem Pappkarton. Doch diese Woche aß ich schon zweimal aus frischen Kartoffeln zubereitete Kartoffelpuffer. Weil ich es wollte. Und weil ich es kann. Denn ich kann so viel mehr als ich für möglich hielt. Ich fühle mich gehemmt in so vielen Dingen, doch das soll - in so vielen Dingen - ein Ende haben. Nicht nur werden Rituale hinterfragt (wieso war bei einem Umzug immer das Bett das Erste, was aufgebaut wurde?), es wird auch einfach gemacht. Und das beschäftigt mich so sehr, dass ich letzte Nacht nicht einschlafen konnte. Denn ich wollte am Liebsten sofort versuchen aus Zucchini, Möhren und Crème fraîche eine Nudelsoße zu zaubern. Doch ich muss mich gedulden, ich kann auch nur eine gewisse Menge an Nahrung zu mir nehmen. Und ganz abgesehen davon will ich es ja gar nicht als aufregend und neu betrachten, ich möchte es als Normalzustand. Denn in der Aufregung und Entdeckungslust schmeckt doch eh alles anders. Und so versuche ich eine Balance zwischen Alltag und Abenteuer zu finden. 

09.09.2016 um 00:50 Uhr

Ein Zwischenspiel

von: indalo

Puh. Das läge also hinter mir. Die erste Begegnung seit offiziellem Chaos. Denn ich konnte nicht mehr, ich schrieb „mit dir geht es mir nicht gut“. Ich schrieb auch, dass ich weiter warten werde, genauso wie ich deutlich machte, dass ich keine Zeit brauche. Aber du brauchst sie. Und du gehst noch weiter auf Distanz. Wirst du mich bald siezen? 

Die Achterbahnfahrt fühlt sich wie ein unzerreißbares Gummi an, das bis an seine Grenzen gedehnt ist und deswegen unkontrolliert hin und her springt. Es ist kein Auf und Ab, es ist ein Hin und Her. Ich weiß weder etwas mit dir anzufangen, noch mit mir. Ich überfordere nicht nur eine Freundin, weil ich heulend bei ihr auf der Couch sitze, mir kommen sogar beim Einkaufen die Tränen. Das geht so nicht. 

Doch irgendwas sagte jemand anders am Anfang der Woche, was in mir einen Schalter umlegte. Auf einmal funktionierte ich wieder. Gut geht es mir damit noch lange nicht, aber ich funktionierte. Und es klappt, mich in Arbeit zu vergraben, denn von ihr bin ich ohnehin begraben. Ich tue nichts außer arbeiten, schlafen und mich um die Nahrungsaufnahme zu kümmern. Doch unabhängig davon, würde ich mir jederzeit für dich Zeit nehmen. Und so tat ich dies, als vorhin das Telefon klingelte. Ja, ich würde vorbei kommen und dir beim Essen Gesellschaft leisten. Warum du angerufen hast, weiß ich nicht. Hast du heute mit ihr telefoniert? Hast du heute erfahren, dass ich nach dem Buch fragte? Dem letzten Hoffnungsschimmer, dich zu verstehen? 

Denn darum schien es zu gehen. Alltägliches Geplänkel, und plötzlich die Frage, wieso ich Interesse an dem Buch habe. Und ich merke, dass ich gerade überhaupt und gar nicht mit dir über mich reden will. Absolut nicht. Und schon gar nicht über deine Themen. Deine Themen haben in meinem Leben keinen Platz, hatten sie noch nie. Es sind deine Themen, und die behandele ich gerne mit dir. In Bezug auf dich. Aber mir scheint, dir sind gerade diverse Schuppen von den Augen gefallen. Doch ich kann dich nicht an mich heran lassen. Am allerwenigstens jetzt, während ich nur darauf warte, dass du mir weiter weh tust. Ich bin weder bereit noch willens dazu. Und ich hoffe, dass wir das eines Tages wieder hinkriegen. Denn ich bekam zwar eine Umarmung zum Abschied, doch ich wollte trotzdem heulend durchs Treppenhaus verschwinden. 

04.09.2016 um 20:04 Uhr

Aus Kampf wird Krieg

von: indalo

Alles ist wie immer. Alles ist, wie ich es kenne. Nur du nicht. Du bist dermaßen kalt und abweisend, dass ich absolut überfordert bin. Ich weiß überhaupt nicht, wo ich ansetzen muss. Ich weiß überhaupt nichts mit dir anzufangen. Und so kann es aus meiner Sicht nicht weitergehen. Aus deiner schon?

Ich hatte Hoffnung, nicht wahr? Ich weiß, ich hab sie wieder gefunden. Doch gerade eben hast du sie wieder zerschossen. In der Luft zerrissen. Zunichtegemacht. 

Du hast dich verändert. Du siehst es. Du weißt es. Du willst es. Es ist eine bewusste Entscheidung. Und wenn dem so ist, dann reagiere ich jetzt auf dich als neue Person. Und das bedeutet, dass ich Grenzen setze. Und ja, das bedeutet auch, dass ich gegen dich kämpfe. Denn mit dir kämpfen kann ich nicht, solange du in die entgegengesetzte Richtung gehst. Bewusst. 


Es tut mir in der Seele weh, das mit zu erleben. Du tust mir weh. Und ich weiß nicht, wie lange ich das aushalte, bis ich dir offiziell den Krieg erkläre. Denn aus einem Kampf zwischen dir und mir wird schnell Krieg werden. Und ich weiß, dass ich ihn gewinnen werde. Ich weiß aber auch, dass ich ihn nicht gewinnen will. Ich will ihn gar nicht kämpfen. Aber solltest du diesen Kampf herauf beschwören, so kann ich für nichts garantieren. Denn ich werde keinen einzelnen meiner Freunde hergeben. Es reicht, wenn ich dich verliere. 

01.09.2016 um 14:31 Uhr

Darf ich dir bei dieser Gelegenheit sagen, dass ich dich schätze?

von: indalo

Nach einer Sitzung sagte mir ein Kollege im Vorbeigehen, ich hätte hasserfüllte Augen und was wäre es schön, das wieder erleben zu dürfen. Ich war irritiert und beachtete es nicht weiter. Doch als dann ein weiterer Kollege extra zu mir kam um mir über die Schulter ins Ohr zu flüstern, dass ich unseren Chef ja wirklich gefressen haben muss und wieder voll drin bin, war die Irritation zu groß um sie zu ignorieren. Wir tauschten dazu ein paar Sätze aus, und ja, mein Chef ist und bleibt der gleiche unfähige Mensch, aber wir haben uns schon lange vor meiner Abreise auf eine Umgangsweise geeinigt. Ich sage ihm, wie es laufen muss und er setzt es um. So funktionierten wir schon eine ganze Weile, bis ich ihm in den letzten Tagen vor Abflug tatsächlich zum ersten Mal dankbar für etwas war. Und mit dieser guten Einstellung wollte ich dann jetzt auch weiter machen. Umso überraschter war ich, als mir meine Kollegen derart spiegelten, dass ich ihm gegenüber wohl harsch oder gar unprofessonell war. So fragte ich eine weitere Kollegin, ob sie das ähnlich wie die anderen beiden sieht, und sie sagte, dass man mein Verhalten durchaus so interpretieren könnte. Damit war für mich klar, dass ich meinem Chef einen Besuch abstatten werde. Denn mir soll egal sein, was meine Kollegen über unser Verhältnis denken, aber wenn ich ihm bei dieser Sitzung irgendwie an den Karren gefahren bin, dann möchte ich mich dafür entschuldigen. Und so suchte ich ihn auf und sagte ihm, dass mir gespiegelt wurde, dass mein Verhalten womöglich unangemessen war und ich so nicht rüber kommen wollte. Da es bisher nie passierte, dass ich mich bei ihm für irgendwas entschuldigte geschweige denn auch nur ein Fehlverhalten eingestanden hätte (aus meiner Sicht hab ich bisher auch nichts falsch gemacht), war er irgendwie überfordert. Er wusste überhaupt nicht, was da gewesen sein könnte und meint, er würde mir das in so einem Fall auch selber spiegeln (was ich allerdings zu bezweifeln wage). Wie auch immer, wir standen also etwas unbeholfen voreinander, sodass er fragte, ob er mir bei dieser Gelegenheit sagen darf, dass er mich schätzt. Das war mir schon wieder einen Schritt zu viel, denn das kann ich bei weitem nicht sagen. Ob er es erwartet hat, weiß ich nicht. Ich sagte jedenfalls nichts dergleichen und wir wechselten zu anderen Themen. 

Er schätzt mich. Er schreibt es nicht nur den Absendern wütender Angriffe mir gegenüber, er sagt es mir auch so. Unumwunden und frei heraus. Mir scheint, auch wenn meine Chefin uns bald verlässt, kann ich bleiben. Er verteidigt mich nicht nur um den Schein zu wahren, es geht nicht um Prestige, er sagt es, wenn wir allein in seinem Büro stehen. Diese Gelegenheit wurde gut genutzt.