indalo

31.10.2016 um 18:42 Uhr

ein kleiner Vorgeschmack

von: indalo

Da steht er im Wohnzimmer und überlegt, ob er seine heutige Verkleidung mit oder ohne Jeans drunter anziehen soll. Ich find’s ja nur amüsant, seine Frau macht immerhin einen Vorschlag, er lehnt ihn jedoch ab. Dann sag ich nur „Na komm, zieh dich aus“, seine Frau wirft zeitgleich ein „du willst dich ja nur vor uns ausziehen“ ein und er grinst von einem Ohr zum anderen als er sich die Gürtelschnalle löst. Während er die Hose auszieht heißt es dann „Ein kleiner Vorgeschmack“ und er grinst „…auf heute Abend, mein Schatz“ und sie dreht sich weg „mir wird schlecht“ und ich kann nur lachen. Meine Güte. Was für ein Moment. Er guckt mich an, „siehste ma“ und ich kann wirklich nur noch lachen. Was soll ich dazu sagen? „Das ist Magen-Darm Schatz, alles gut“ versucht sie sich zu retten, aber er zieht ne Flunsch und meint „so viel zu unseren ehelichen Pflichten“. Dazu fällt mir leider nichts mehr ein, der Moment ist auch verflogen, aber er wird mir in Erinnerung bleiben. Ein Teil der Geschichte, die mir wichtig ist. 

Und dann saß ich kurz vorher auf dem Boden mit dem Baby und spielte, als Papa die Große abgeholt hat, Mama ihr Hallo sagte und sie dann ins Wohnzimmer gelaufen - GELAUFEN - kommt und mir um den Hals fällt. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, ich schaffte gerade noch (ein wenig zögerte ich), den Arm auszustrecken. Macht sie das gerade wirklich?! Rennt sie ernsthaft auf mich zu und schmeißt sich an mich? Und plötzlich hatte ich ein Kind auf dem Schoß, was mich irgendwie auch ein wenig verwirrt anguckt, nachdem ich sie gekuschelt habe. Normal ist das hier nämlich nicht, das kann niemand sagen. Aber während sie auf meinem Schoß sitzt, kommt Mama rein und guckt mich auf diese eine Art an. Diese vielsagende Art. Denn Mama und ich, wir verstehen uns. Ich kann sie immer noch lesen, und das ist so wundervoll. Und es passt so schön dazu, dass ich ihr kurz vorher erzählte, wie sich gestern ein anderes Kind auf mich warf um mir kuschelnd Hallo zu sagen. Ich erzählte es ihr mit ganz viel Freude und ein wenig Stolz, mehr Überraschung, aber eben auch ganz viel Genuss. Und sie sagt nur „Er ist da anders.“, ganz klar mit ihrer Tochter vergleichend, die so etwas nie tut (oder gar tun würde?). Und dann macht ihre Tochter genau das mit mir. Und Mama kommentiert es einige Zeit später „Sie hat mit dir gekuschelt.“ - „Ich weiß.“ Und wir strahlen uns an. 

Wenn da nicht diese tägliche Verzweiflung wäre, würde ich sagen, mein Leben ist perfekt. 

 

PS: Und direkt nach dem Bloggen lese ich eine Mail von Mama, die mit den Worten „Danke für den Besuch! Hab mich sehr gefreut!“ endet. Es ist perfekt. 

27.10.2016 um 22:12 Uhr

Du machst mich glücklich

von: indalo

Bei allem, was mich gerade unheimlich viel Energie kostet, kann ich so klar und deutlich sagen: Du machst mich glücklich. Einfach du. So wie du bist. Dich kennen zu lernen, Dinge über dich zu erfahren, mit dir zu reden, von dir verwöhnt zu werden. All das. Ja, all das macht mich glücklich. Und es geht nicht darum mit drei Gänge Menu verwöhnt zu werden, es geht nicht um das kleine Brötchen neben der Suppe, es geht nicht um die Aussichten für gemeinsame Unternehmungen, es geht um dich. Dein Sein, dein Du, das macht mich glücklich. Es ist auch völlig egal, was danach kommt, es ist vollkommen irrelevant, was als nächstes passiert, ich bin dankbar, dir begegnet zu sein. Knapp ein Jahr ist es her, und ich wusste, ich würde dich wiedersehen. Ich wusste es einfach. Spätestens bei der Radtour den Berg rauf, oder runter? Aber es war so klar. Noch bevor ich bei dir im Hotelzimmer duschte, noch bevor es irgendeine Nachricht gab, wusste ich, dass ich dich nicht aus den Augen verlieren möchte. Und jetzt, ein Jahr später, ziemlich spontan bei dir aufzuschlagen und mich im Grunde selbst zum Essen einzuladen, mit einer solchen Selbstverständlichkeit, ließ meine Geschichte einfach weiterlaufen. Es gab des nachts auch eine liebe Email, in der du dich für den netten Abend bedankt hast. Das war nicht nötig, doch es passt dazu, dass du heute meintest, gestern beschlossen zu haben, dass du in mir einen neuen Menschen gefunden hast. Und heute kommt die Einladung für Februar, denn schon heute ist klar, dass wir bis dahin harmonieren werden. Und du möchtest sicher gehen, dass ich mir das Wochenende frei halte. Und das werde ich, ganz gewiss. 

Danke, dass es dich gibt. Danke, dass wir uns begegnet sind. Und danke, dass ich einfach mache. Du machst mich glücklich. 

18.10.2016 um 22:38 Uhr

Ich kann dich nicht riechen

von: indalo

Woran Dinge so scheitern können. Faszinierend. Er sagt, er kann mich nicht riechen. Er sagt mir das ganz ernst, denn es ist ein ernstes Thema. Es scheint ihm noch wichtiger zu sein als mir. Und das berührt mich. Er ist ein toller Mann. 

Ich habe das erste Gespräch geführt. Ich war nervös, ja, auf jeden Fall. Doch nur vor dem Gespräch, nicht während des Gespräches. Das Gespräch war unglaublich schön. Auch lustig,  und mit neuen Gedanken und Bedenken versetzt, aber ganz egal, wie es weiter geht, dieses Gespräch ist ein weiterer Meilenstein unserer Freundschaft. Kein Schritt auf der Leiter, denn wir sind uns nicht näher gekommen, wir haben nur Dinge ausgesprochen, die unsere Nähe bezeugen. Du bist ein toller Mensch, und ich bin froh, dich in meinem Leben zu haben. 

„…weil du Indalo bist.“

16.10.2016 um 22:17 Uhr

wir kommen unseren ehelichen Pflichten nicht nach

von: indalo

Da schickt ein Mann seine Frau zu mir mit dem Auftrag, mir zu sagen, dass sie ihren ehelichen Pflichten nicht nachkommen. Ich weiß ja, wie das gemeint ist. Ich weiß, dass er meint ich solle mich um ihn kümmern und sie auch nie auf eine andere Idee käme, aber in meinem Kopf spielt sich ausschließlich das Szenario ab, dass er sie zu mir schickt, damit ich mich um sie kümmere. Und während sowie nachdem ich ihr meine Sicht auf die Dinge schildere, kann ich nicht aufhören zu grinsen. Damit hatte die Ärmste nicht gerechnet, aber ich amüsier mich noch jetzt köstlich darüber. 

14.10.2016 um 15:11 Uhr

vom Pressetermin zum Filmdreh

von: indalo

Das Leben nimmt ja einfach seinen Lauf. Und manchmal - oder oftmals - hat man so gar keinen Einfluss darauf, wohin es sich bewegt. Ich will nicht sagen, dass ich durchs Leben gescheucht werde, ich hab durchaus auch meine Finger im Spiel, aber manche Dinge überraschen mich dann doch. Und hätte man mir früher gesagt, ich würde mal zu Presseterminen eingeladen werden und mich dann auch noch um einen Filmdreh auf unserem Gelände kümmern, hätte ich gelacht. Ich doch nicht. Doch auf einmal bekomme ich die Nachricht, dass ich um 10h einen Pressetermin habe und werde plötzlich interviewt. Zu allem Möglichen, sowohl thematisch als auch organisatorisch, allgemeines den Beruf betreffend ebenso wie intern in Bezug auf meine Kollegen. Und am nächsten Tag höre ich mich ähnliches sagen, nur diesmal zum Kameramann samt Regisseurin. Doch ich stehe nicht vor der Kamera, das habe ich verweigert. Denn ich kann noch Nein sagen, immerhin. Aber so ganz passt das weder in mein Konzept noch in meine Vorstellung meines Jobs. Und das werde ich in der nächsten Zeit auch noch einmal deutlich machen. Denn nicht nur will ich die Macht nicht haben, ich will auch nicht die Aufmerksamkeit. 

13.10.2016 um 16:11 Uhr

wie ich gewürdigt werde

von: indalo

Was soll ich sagen? Passend zu der aktuellen Situation, in der ich unser Unternehmen leite, schreibt mein Chef mir eine Beurteilung. Nicht auf Grund der Gegenwart, sondern einfach nur zeitlich unheimlich passend. Und er deutete es schon bei unserem letzten Gespräch an, bzw. sagte er es ganz klar, doch jetzt hat er es endgültig verschriftlicht. Amüsant, da unser letztes Gespräch zwar ungefähr eineinhalb Jahre her ist, ich davon aber über ein Jahr nicht für ihn gearbeitet habe. Er hat damals die Übernahme von Vorgesetztenaufgaben notiert und begründet, doch diesmal geht er noch einen Schritt weiter und bescheinigt mir die mögliche Übernahme von höheren Führungsaufgaben. Ich möchte meinen, dass ich bis auf womöglich einen oder zwei Auszubildende immer noch am Jüngsten in unserem Unternehmen bin, und beobachte mit Amüsement, dass er mir seinen Job nahelegt. Sogar so sehr, dass er mir schildert, wann seine Position frei werden könnte, und warum. Ich bin fasziniert, und amüsiert. Weil es einfach nie mein Gedanke war. Ich will da nicht hin, aber wenn er so weiter macht, überzeugt er mich womöglich eines Tages doch noch. Insbesondere da er mir heute nahelegte, dass ich jetzt schon einen Teil seines Jobs übernehmen könnte. Doch da werde ich ihn bei konkreteren Plänen bremsen, denn ich werd nen Teufel tun sekretärenhaft seinen Job zu machen während er die Füße hochlegt. Auch wenn es mich reizt. Mal sehen, was daraus wird. 

Jedenfalls klingen seine Worte nach. Ich fühle mich mal wieder gebauchpinselt, und gewürdigt. Auch wenn meine liebste Würdigung ist, wenn die Erfüllung meiner Forderungen mit meinen Leistung einhergeht. So wie ich sage, dass Kollege x da nicht arbeiten wird und er meine Meinung so sehr respektiert, dass er dadurch Mehrarbeit hat. Das ist mir mehr Wert als die folgenden Worte, die irgendwo abgeheftet werden:

 

Die absolute Verlässlichkeit, herausragenden organisatorischen Fähigkeiten sowie die methodischen und fachlichen Kompetenzen bilden eine Basis, auf der auch erweiterte Aufgaben wahrgenommen werden können.

Indalo verfügt aus meiner Sicht über alle nötigen Fähigkeiten um in der Zukunft auch Vorgesetztenaufgaben übernehmen zu können. Zu nennen ist hier organisatorisches Talent, Belastbarkeit und die Fähigkeit Defizite zu erkennen und diese zu beseitigen.

 

[Nichtsdestotrotz ist es schön, sie wieder und wieder lesen zu können ;-) ] 

12.10.2016 um 19:28 Uhr

Ein großer Dank

von: indalo

Doch an wen? Ans Universum, möchte ich meinen. Denn das war der erste Gedanke. Denn auch wenn ich sagen könnte „an die Menschen, die ich kenne“, so war es mehr als das. Nicht nur habt ihr mich hier gerade aufgefangen und aufgepäppelt, nein, auch erreichten mich ganz plötzlich an einem Tag unterschiedliche Nachrichten verschiedenster Menschen, die alle zu sagen scheinen „Deine Superkraft hat nichts mit ihr zu tun.“ Und das waren Menschen, die hier nicht lesen, nicht einmal lesen könnten. Es sind Menschen, die auf den unterschiedlichsten Erdteilen leben und auch aus unterschiedlichen Phasen stammen. Auch meine Vergangenheit kam wieder und zeigte mir, dass da noch mehr ist. Und das kann kein Zufall sein, das soll mir etwas sagen. Und vermutlich soll es mir genau das sagen, was ihr hier in Worte packt. Das Leben geht weiter, das weiß ich wohl. Das Leben wird auch wieder gut, das wurde es bisher auch immer. Aber kann ich wirklich noch den nächsten Höhenflug genießen, wenn ich doch weiß, dass ich danach umso härter landen werde?

Nein, darum sollte es nicht gehen. Ich bin dankbar für die Zeichen, die ich nur noch erkennen, und die Worte, die ich nur noch verstehen muss. 

Fireworks zu hören hilft dabei.

11.10.2016 um 18:50 Uhr

Ich leite den Laden

von: indalo

Gestern schon war dieses Gefühl sehr stark. Ich leite unser Unternehmen. Und es ist mehr als ein Gefühl, es ist Tatsache. Denn mein Telefon klingelt gerade mehrmals täglich, das Büro ruft an, die Chefetage ruft an, und alle wollen Informationen oder Anweisungen, was sie zu tun haben. Ich habe alle Fäden in der Hand, so sehr, dass ich zum Chef gehe und sage „Kollege x wird dir an dem Nachmittag nicht zur Verfügung stehen.“ und er nimmt es einfach hin. Er hinterfragt es nicht, er nimmt es an und setzt es gar so um, dass er dann den Job von Kollege x macht. Nicht weil Kollege x zu der Zeit etwas anderes macht, sondern weil Kollege x aus meiner Sicht heraus da Freizeit verdient hat. Ja, ich leite gerade den Laden. Und heute stellte sich dann heraus, dass ich das zwar könnte, ich es aber tatsächlich nicht will. Nicht brauche. Denn auch wenn meine Kollegen sich gerade bei mir abmelden, so schicke ich sie dennoch weiter zur Chefetage. Ich löse das Problem, aber ich weiß, wo die Grenzen meiner Position liegen. Ich brauche nicht die Macht, ich gebe das Zepter lieber weiter. Denn ich bin gewachsen. An dieser Aufgabe. So sehr. Und es macht Spaß, mal ne Woche Chef zu sein. Zu nem Kollegen zu gehen und Anweisungen zu geben. Was ich gar nicht tue, denn das bin nicht ich. Ich gehe hin - zu den richtigen Kollegen, die ich genau so vorher positioniert habe - und schildere die Situation, woraufhin eben genau diese Kollegen einfach machen. Schön finden tun sie es nicht, aber es heißt nur „Ich muss ja.“ Und meine Fähigkeit liegt nicht darin, Entscheidungen zu treffen und rumzukommandieren, mein Können zeigt sich darin, schon im Vorfeld zu wissen, auf welches Pferd ich setzen kann und werde. Und genau deswegen rieselt das Lob. 

Ich bin unheimlich dankbar für meine Kollegen, aber auch für meine Menschenkenntnis. Ich bin stolz darauf, es einfach auszuhalten, jemandem schlechte Laune zu machen, weil ich einem Kollegen etwas wegnehme und es einem anderen gebe. Ich bin stolz auf die Entwicklung, auf die Fortschritte und auch darauf, ohne Arroganz oder Überlegenheitsgefühl mit all diesen Situationen umzugehen. 

10.10.2016 um 23:21 Uhr

Wir haben uns gedreht

von: indalo

Wir haben uns gedreht. Du und ich. Bisher habe ich entschieden, bisher habe ich gesteuert. Jetzt hast du eine Entscheidung getroffen. Für dich. Du willst es mir noch als „für dich und mich“ verkaufen. Doch das stimmt nicht. Diese Entscheidung hast du ganz allein und nur für dich getroffen. Ich bin davon betroffen, das ist wohl wahr. Und das auch weit mehr als dir bewusst zu sein scheint. Und ich finde es okay, dass du diese Entscheidung getroffen hast, ja, ich kann sogar sagen, dass ich es gut finde. Aber die Umsetzung, damit komme ich nicht zurecht. Du meinst, wir haben die Rollen getauscht. Mir geht es jetzt so, wie dir vor einem Jahr. Doch das stimmt nicht, das kann nicht stimmen. Denn auch wenn ich diese Abhängigkeit spüre und weiß, dass du sie ebenso empfunden haben musst, so sind es zwei Paar Schuh. Auch wenn du mehr wolltest und ich es dir nie gab, und ich jetzt etwas will, was du nicht zu geben bereit bist, so habe ich dir nie etwas weggenommen. Ich habe es dir nie gegeben, du hast es von mir nie bekommen, aber was ich jetzt möchte, brauche, mir so sehr wünsche, das hatte ich. Und das hast du mir genommen. Und du hast noch mehr getan. Du hast es mir nicht nur genommen, du sagst sogar, dass es das nie gab. Du erklärst die Vergangenheit für falsch. Mit deinen Taten, und mit deinen Worten. Nur wenn ich es dir so spiegel', dir sage, dann willst du es zurücknehmen. Doch dein Verhalten, das bleibt das gleiche. Du bist kalt, du bist abweisend und merkst es erst, wenn du meine Reaktion bemerkst. Du begreifst einfach nicht, was du tust. Du siehst nur dich, du siehst nur deinen Weg. Und ich schwimme. Im Nirgendwo. Kein Land in Sicht, und kein Boden unter den Füßen. Das kenne ich, doch sonst habe ich ein Ziel. Ich habe kein Ziel. Ich weiß nicht, ob untergehen nicht gerade die Lösung ist. 

Wir haben uns gedreht. Du triffst gerade die Entscheidungen, du führst, doch du hast keine Kraft. Du bist nicht stark genug. Denn statt dass du mir etwas von deiner Sicherheit abgibst, nimmst du meine Verunsicherung. Wer Entscheidungen trifft, der hat die Kraft zu haben. Und ich realisiere immer mehr, dass du sie einfach nicht hast. Du willst führen unter meiner Führung. Das funktioniert nicht. Das kann nicht funktionieren. Ich habe die Zügel nicht in der Hand, und sie dir aus der Hand zu nehmen, würde bedeuten, gegen den nächsten Baum zu fahren. Und dann ist es meine Schuld. Meine Verantwortung. Doch ich habe diesen Bockmist nicht verzapft. Du auch nicht, aber du hast entschieden, deinen Weg allein zu gehen, ohne mich. Und solange du nicht klar kriegst, woran ich beteiligt bin, sein darf bzw. gar soll, kann ich nichts tun. Ich kann dir nicht am Boden liegend aufhelfen. 

…oder doch?

Wir haben uns gedreht, doch du willst ohne Verantwortung und Konsequenzen führen. Und ich weiß nicht, wie ich mir und zeitgleich dir helfen soll. Erst bin ich ins offene Messer gelaufen, dann schwer verletzt durchs Mienenfeld, und nun paddel' ich mit der Frage umher, ob es nicht besser wäre, aufzuhören. Um meinetwillen. Denn weder für dich noch für ein eventuelles uns wäre das richtig. Doch so sehr wie du mich verletzt hast, und es weiterhin tust, weiß ich nicht, wie ich die Kraft aufbringen soll, entgegen meines Überlebensinstinktes für dich zu kämpfen. Und nach allem, was gerade das Problem ist, möchte ich aus dieser Situation nicht als der Held des Tages gehen. Denn genau das ist doch das Problem. 

Es wäre so viel leichter, wenn er noch an deiner Seite wäre. Es wäre so viel leichter, wenn nicht gerade das nächste Fass aufgemacht worden wäre. Es wäre so viel leichter, wenn du stärker wärst. Doch ohne die Perspektive auf eine Beziehung mit ihm, und mit der Freundin in der Psychiatrie, wirst du auch nicht stärker werden. 


Wir haben uns gedreht und sind dadurch ins Ungleichgewicht geraten. 

08.10.2016 um 10:03 Uhr

I lost my superpower

von: indalo

Es übersteigt meine Kräfte und ich weiß auch warum. Deine Freundschaft war meine Superkraft. Du warst mein sicherer Hafen. Du warst es, du bist es nicht mehr. Und das liegt nicht daran, dass mein Schiff ausgelaufen ist. Nein, mein Schiff ist in deinem Hafen als vermisst gemeldet worden. Und ich fürchte, es geht gerade unter. 

Mein Leben war so genial, weil es dich darin gab. Weil es deine Freundschaft gab, nicht deine Liebe. Und jeder Sturm konnte noch so sehr toben, ich habe mich weiter fortbewegt. Ich bin gewachsen, an dir und mit dir. Denn ich war nicht mehr allein. Über Jahre entwickelte sich die Sicherheit, nicht allein auf dieser Welt zu sein. Nicht als einziger Mensch auf der Welt an Freundschaft zu glauben, an Nähe, an Gefühle. Statt an Regeln und Konventionen. Und je älter ich wurde, desto stärker wurde meine Überzeugung, dass eine bessere Welt möglich ist. Denn du warst der Beweis, wir waren der Beweis. Darauf baute so vieles auf. Doch jetzt zu erfahren, dass nichts davon stimmt, nimmt den Stein aus dem Fundament. Ich kann ihn bestimmt füllen, irgendwie und irgendwann, doch er wird immer ein ausgetauschter Stein sein. Immer nur ein Ersatz. Und das möchte ich so wenig, dass ich mich frage, ob die bessere Lösung ist, alles nieder zu reißen und von vorne anzufangen. 

Vor Jahren sagte ich schon, dass ich nie wieder so jung und naiv sein werde, wie ich war, als ich zuließ, dass mir jemand so nah kommt. Nie wieder. Und jetzt sage ich es wieder. Denn auf dich trifft das auch zu. 

Ich bin wieder allein auf der Welt. Ich bin wieder anders als alle anderen. Es gibt meine Freunde noch, und sie sind die gleichen Menschen. Sie tun mir gut, sie sind mir wichtig. Das ist nicht verschwunden. Doch ich bin nicht grundlos mit dem Gefühl aufgewachsen, allein zu sein. Ich war es, auch in der Menge. Auch in der Freundschaft. Und das wusste ich, das habe ich akzeptiert, damit kann ich leben. Denn meine Freunde sind wie sie sind. Und ich bin anders. Doch dann traf ich auf euch, auf Menschen, die mich verstanden, die so waren wie ich. Auf einmal war ich nicht allein. Und dann ging sie. Das war okay, denn es gab immer noch dich. Doch jetzt zu lernen, zu fühlen, zu spüren, dass es dich nie gegeben hat, dass du nie so warst wie ich, das nimmt mir alles. I was okay before I met you. I won’t be okay without you. 

05.10.2016 um 22:40 Uhr

wie mein Job andere fasziniert

von: indalo

Ein Eigenlobrede liegt mir wieder auf der Zunge. Ich bin genial. Und das finde ich gut so. Heute wurde ich darüber hinaus gelobt, und es sind nicht die Worte, um die es mir geht. Es ist die Art und Weise, wie es mir gesagt wird. Sei es die lobende Email am frühen Morgen, auf die ich nicht reagiere, sodass per mündlicher Nachfrage sichergestellt wird, ob ich diese Email auch erhalten hätte, oder der Kollege am anderen Ende des Raumes, der mich anguckt und einfach so sagt „Danke, dass du das organisierst.“ Offensichtlich ist es auch nicht nur Lob, es ist auch Dankbarkeit. Doch die Chefin lobte noch hinterher, insbesondere in Form von weitergeleitetem Lob, welches auf mich bezogen an sie herangetragen wird. Offen gestanden habe ich in diesem letzten Punkt Schwierigkeiten, dies anzunehmen, aber die Mails fühlen sich gut an. Ja, es gibt Dankes- und Lobesmails, die ich einfach abhake, doch mindestens zwei Mails erreichten mich auch innerlich. 

Doch dieses ganze Chaos war nicht der Grund für diesen Eintrag. Ein Teilgrund war die Coolness mit der ich heute zu spät zur Sitzung kam, viel zu spät, aber angekündigt. Es störte mich überhaupt nicht, als letztes zu kommen, es störte mich auch nicht, zu erfahren, dass dort schon eine lange Zeit auf mich gewartet wurde. Im Gegenteil, es entsteht ein überlegendes Grinsen in meinem Gesicht, denn es ist absolut nicht meine Schuld zu spät gewesen zu sein. Und ich bin stolz auf mich, damit so gelassen umzugehen. Ein wenig arrogant fühlt es sich an, aber mir scheint, das habe ich verdient.

Und dann sind da wieder diese kleinen Dinge. Diese… indalonischen Sachen. Denn - und ich verstehe wirklich nicht ganz, wie es dazu kam oder wieso überhaupt - heute habe ich jemanden sehr glücklich gemacht. Er sagt es, er betont es, doch so wirklich verstehen tue ich das alles nicht. Er ist eine Bekanntschaft über eine Ecke. Er ist ein Mann mittleren Alters, der heute den Beginn meines Arbeitstages mitgemacht hat. Und das hat ihm anscheinend Freude bereitet. Große Freude. Und nicht nur sagt er es, sondern ich merke auch, wie es in ihm nachwirkt. Denn des abends bekomme ich zwei Emails und ich kann mir gut vorstellen, wie er die Stunde dazwischen über den heutigen Morgen nachdachte. Für mich ein ganz normaler Morgen, für ihn Faszination pur. Was wiederum mich fasziniert, und berührt. Denn ja, mein Job ist schon faszinierend. Und Tage wie heute, die einfach nur unglaublich lang und anstrengend sind, lassen mich das vergessen. Doch er erinnert mich. Auch an einem derart langen Tag. Und das ist nur möglich, weil ich zuließ, dass er mich in meinem Job beobachtet. 

Ich bin dankbar und glücklich. Und gleichzeitig unsagbar traurig, weil ich es viel lieber jemandem erzählen würde, als es gerade nur nieder zu schreiben.