indalo

26.04.2017 um 21:24 Uhr

Es tut mir nicht Leid

von: indalo

Immer und immer wieder taucht in meinem Kopf der Satzanfang „Es tut mir Leid, dass…“ auf. Ständig, wenn ich imaginäre Gespräche zwischen dir und mir führe. Jedes Mal. Aber egal wie ich den Satz weiterführe, es tut mir einfach nicht Leid. Es tut mir nicht Leid, was geschehen ist. Es tut mir nicht Leid, was ich getan habe. Es tut mir nicht Leid, dass wir uns so nahe waren. Es tut mir nicht Leid, anders zu sein, auch wenn ich leide. Ich stehe zu dem, was ich getan und gesagt habe. Es tut mir Leid, so zu sein, wie ich bin, denn ich habe nun das Leid. Aber ich bereue nicht so zu sein. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht so zu werden, wie ich sein will. Im Grunde mein ganzes Leben, doch da ich schon eine ganze Weile das Leben führe, was ich für richtig halte, bin ich schon angekommen. Also wirklich nur die meiste Zeit, denn den letzten Abschnitt war ich schon so, wie ich sein möchte. Ich führte das Leben, was aus meiner Sicht richtig ist. Und es tut mir nicht Leid, dir dieses Leben ermöglicht zu haben. Es tut mir Leid, wenn du das anders siehst, aber es tut mir einfach nicht Leid. Und auch wenn du gelitten hast, so tut es mir nicht Leid. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dich so behandelt zu haben, wie ich es getan habe. Denn ich habe nichts falsch gemacht. Ich habe dir alles gegeben, was ich zu geben hatte, ich habe dich geliebt und tue es immer noch, zumindest den Menschen, der du einst warst. Und ja, für mich ist sich nicht verändert zu haben etwas Gutes. Nicht umsonst war ich so lange dein Fels in der Brandung, dein Rettungsanker, die führende Kraft in deinem Leben. Und auch wenn du jetzt sagst, dass das nicht gut für dich war, so werde ich mich nicht dafür entschuldigen. Ich würde es wieder so tun, auch wenn ich beim nächsten Mal gewiss Mauern um mein Herz bauen werde, denn diesen Albtraum möchte ich kein zweites Mal erleben. 

„You only reassess your life if you did something wrong.“ - I didn’t do anything wrong. 

25.04.2017 um 21:10 Uhr

Die Ironie meiner Mutter

von: indalo

In meiner Lebenszeit gab es im Leben meiner Mutter vier Männer. Den Ersten hat sie geheiratet, den Zweiten nicht, den Dritten dann schon und nun soll’s beim Vierten wieder zum Standesamt gehen. Das überrascht mich nun nicht mehr, doch ich finde es einerseits spannend mit welcher Eile diese Hochzeit nun stattfinden soll, und andererseits ist das Datum sehr… interessant. Die Gästeliste sowieso, denn der Ex ist neben meinem Bruder und mir der einzig geladene Gast. Der Ex, der es nicht bis zur Hochzeit geschafft hat. Meine Überraschung tat ich kund, sodass es hieß, dass wenn er bei der Scheidung schon dabei war, er ja nun auch bei der Hochzeit dabei sein kann. Klar, warum nicht. Ich stelle nun in den Raum, dass sie mit ihm einfach zum Standesamt möchte und Ja sagen will. Denn, es kommt noch besser: Ihm zu Ehren findet diese Eheschließung nun auch noch an seinem Geburtstag statt. Mein Bruder wird nicht anwesend sein, und wenn mein Chef mich nicht hinschickt, würden sie glatt zu Dritt heiraten. Aber das ist meines Wissens nach in Deutschland noch nicht erlaubt. Aber immerhin heiratet sie dann in der Anwesenheit und an dem Geburtstag des Mannes, bei dem sie verpennt hat ihn zu heiraten. Kann es überhaupt noch mehr solcher Verstrickungen geben?

13.04.2017 um 15:54 Uhr

Dein Wort hat Gewicht

von: indalo

Mein Tag hatte einen ganz normalen Anfang und wurde dann über die Stunden irgendwie schlechter. Nur Vollidioten kreuzten meinen Weg und schon um halb zehn war ich genervt. Das wurde danach nicht besser, sodass ich eigentlich am frühen Nachmittag nicht mehr beim Chef meckern wollte. Seit zwei Wochen will ich mich bei ihm beschweren, warte dafür aber auf eine ruhige Minute. Nicht zwischen Tür und Angel, denn es ging nicht darum, meinen Ärger los zu werden, sondern ruhig über Missstände zu reden. Auch nichts langes, aber etwas, das ankommen soll. Trotzdem guckte ich heute ins Büro und er hatte tatsächlich Zeit. Also schilderte ich ihm die Situation, er sah seinen Fehler ein und wir optimierten für die Zukunft. Während er dazu noch irgendwas sagte, warf er den Satz „Schließt du mal eben die Tür?“ ein und wechselte dann das Thema. Elegant. 

In unserer Chefetage ist Bewegung, jemand geht in Rente und ein anderer rutscht dadurch höher. Das wurde gestern beschlossen. Das heißt aber auch, dass der Platz des Nachrutschenden nun frei wird. Ja, und da ist die Chefetage heute mal die Namen der Kollegen durch gegangen und blieb direkt bei meinem hängen. Mein Hirn kommt so schnell nicht hinterher. Ich weiß, dass der gute Mann bereits vor ein paar Monaten verschriftlichte, dass er in meiner Zukunft eine solche Position sieht, dass er mir die nun noch für dieses Jahr andrehen möchte, überfordert mich doch arg. Das meint der jetzt nicht ernst, oder? Er redete weiter, dass sich alle einig waren, dass ich dafür geeignet bin. Offensichtlich haben sie auch darüber geredet, mit mir darüber zu reden. Und das hat er direkt mal in die Tat umgesetzt. Ich versuchte, ihm aufmerksam zu lauschen, während mein Gesicht immer mal wieder zu einem breiten Grinsen wurde. Denn… ernsthaft jetzt? Das trauen die mir zu? 

Nein, ich möchte den Job nicht, wirklich nicht. Aber er wird mir hier gerade vor die Füße gelegt. Da stolper' ich doch, wenn ich das Angebot nicht wahrnehme. Ich meine nicht annehmen, ich meine wahrnehmen. 

Die beiden mir in Erinnerung gebliebenen Argumente sind, dass ich organisieren kann (das ist mittlerweile ein etablierter Fakt) und dass mein Wort Gewicht hat. Dass… ist das so? Legen meine Kollegen Wert auf meine Meinung? Und wenn ja, wer? Hmm, hat er noch mehr gesagt? Ich weiß es nicht. Ich dankte ihm jedenfalls, da ich mich geehrt fühlte, aber ich lehnte auch ganz deutlich ab. Er warf ein, dass er jetzt keine Antwort von mir möchte, ich begründete also mit Alter. Da wurde er fuchsig, wieso solche Jobs immer nur an die alten Knacker gehen sollen. Halt, stopp. Es geht mir nicht ausschließlich um das biologische Alter, sondern hauptsächlich um das berufliche. Ich arbeite gerade mal drei Jahre aktiv und offiziell in diesem Beruf. Gefühlt und nach Erfahrungen gehend sind es Jahrzehnte, aber die Fakten sagen etwas anderes. Und doch möchte er, dass ich diesen Job mache. Faszination pur. Meinerseits. Doch unabhängig von der Anzahl der Jahre geht es mir auch um den konkreten Bereich, der mir einfach fremd ist. Denn dann soll ich eine Abteilung leiten von der ich selbst keine Ahnung habe. Das werde ich nicht tun. 

Und doch merke ich, dass es mich in den Fingern juckt. Nein, ich werde mich nicht bewerben. Aber es kribbelt doch unter den Nägeln zeigen zu können, was alles auch in jungen Jahren möglich ist. Was fänd' ich es lustig, den Titel zu haben. Machen möchte ich den Job trotzdem nicht, denn dazu mag ich meinen jetzt viel zu sehr. 

Auch nach dem heutigen Tag. 

Doch zum Abschluss sagte er nochmal, dass er mich darauf hinweisen wird, wenn der Job offiziell ausgeschrieben wird. Er will einfach nicht aufgeben. 

09.04.2017 um 22:03 Uhr

Wettkampf vs. geselliges Beisammensein

von: indalo

Ende des Monats werde ich einen Wettkampf einem geselligen Beisammensein vorziehen. Ich hadere mit mir, aber ich denke, das wird meine Entscheidung. Ein Freund, der am selben Tag zum selben Wettkampf antritt, hatte schon für heute diese Entscheidung getroffen. Auch heute zog er den Wettkampf der Geburtstagsfeier vor. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir beide diesen Gedanken haben, doch das ändert nichts an meiner Überzeugung: Es war richtig so. Nicht, dass der heutige Wettkampf für mich irgendeine Relevanz gehabt hätte, aber mir kam der Gedanke, dass er schön blöd war, den Tag mit uns heute zu verpassen. Es war nichts spektakuläres, aber es war wichtig. Es tat gut. Und ich möchte mich immer wieder für meine Freunde und damit gegen alles andere entscheiden. Irgendwie geht es dabei um Prioritäten. Und ich merke, dass es nicht mehr um Gespräche geht, oder einzelne Verbindungen, es geht um die Gemeinschaft. Um uns. Um diese Gruppe. Es ist so wunderbar, alle miteinander interagieren zu sehen. Wir. Wir sind das Wertvollste, was wir haben. Und weil du das erkennst, bleibst du. So etwas wirst du nie wieder finden. Wirklich nie wieder. 

Es geht nicht darum, worum es geht, sondern dass es geht. Ich bin die letzten Male überhaupt nicht mehr… anwesend. Ob ich da bin oder nicht, macht keinen Unterschied. Ich rede mit niemandem, ich spiele entweder mit den Kindern, oder ich liege irgendwo rum. Und es ist genau das, was zu dieser Lebensphase passt. Die anderen haben etwas zu reden, sie haben ein Thema. Und einzeln kann ich mit ihnen reden, nur in der Gruppe bin ich irrelevant. Denn mein Leben ist nicht mehr ihr Leben. Momentan verbindet uns nur unsere Vergangenheit. Oder ein Gefühl. Nichts sichtbares. Und doch bleibt es existent. Wie lange? Das wird man sehen. Aber ich glaube daran, dass es überleben wird. Und sei es nur, weil ich daran glaube. 

01.04.2017 um 23:32 Uhr

Die Feuerprobe haben wir bestanden

von: indalo

Da waren sie gerade vier Monate weg und wir sehen uns zum ersten Mal. Erst ein Eis, dann gemütliches Beisammen sein und zur Schau stellen der ganzen Schätze. Viel erzählt und diskutiert, auch über meine Pläne, und dann, als ich am späten Abend gehen will die Frage, was ich für Pläne im Sommer habe. Doch es war mehr als Interesse, es war eine konkrete Nachfrage, sodass ich mich grinsend wieder ins Wohnzimmer begab und meinte „Das scheint eine Frage zu sein, für die ich mich lieber wieder setze.“ Ich wusste, was kommen würde. Ich sagte auch „Fragst du jetzt, was ich montags so mache?“ Sie war irritiert, zu Recht. Denn dass mein Vater mit dieser Frage dazu überleitete, dass er heiratet, muss sie ja nicht wissen. Und Tatsache, sie heiraten. Und auf einmal passen auch die zwei Sätze „Wir machen auch alles lieber jetzt als irgendwann.“ und „Wir haben die Feuerprobe schon bestanden.“ wunderbar zusammen. Denn im nächsten Monat soll die Hochzeit sein, zumindest wenn es da einen Termin gibt. Aber seine Scheidung ist noch nicht ganz durch, das müssen sie noch klären. Und wie schön pragmatisch sie das sehen. Ich muss mich also nicht freuen - auch wenn ich es tue, ein wenig zumindest. Aber ich kann einer Hochzeit gerade echt nichts abgewinnen, denn auch wenn ich nie heiraten wollte, so steht für mich gerade mehr denn je fest, dass ich es auch nicht tun werde. Versprechen dieser Art sind eine Lüge, und ich weigere mich, zu lügen. 

Witzigerweise ist das die zweite Hochzeitseinladung in dieser Woche. Die andere wurde mir Dienstag angekündigt und drei Tage später zog ich das Kunstwerk aus dem Briefkasten. So ganz anders. Und bedeutend, wenn auch ganz anders. Ich gehöre zur Familie. 

Heute morgen sagte ich noch zu einer Freundin, dass dieser Mann jetzt bleiben muss. Sonst gehen mir die Bezeichnungen für die Männer ihres Lebens aus. Da sagte sie nur trocken „Der Mann ihres Lebens war offensichtlich noch nicht dabei.“ Doch vielleicht ist es ja dieser. Auch wenn ich nicht in Erwägung zog, dass sie jetzt sofort heiraten. Aber sei’s drum, alle gute Dinge sind schließlich drei. Auch wenn die sehr begrenzte Gästeliste mehr als skurril ist und er wieder einmal nervöser ist als sie. 

 

…und sie sagte - ohne dass ich auch nur ansatzweise daran gedacht hätte - „Das ist auch kein Aprilscherz.“