indalo

27.06.2017 um 22:56 Uhr

Schwiegertochter

von: indalo

Darüber werde ich so schnell nicht hinwegkommen. Das ist böse, das ist richtig böse. Deine Schwiegermutter sagt an ihrem Geburtstag zu deiner Mutter: „Dann wirst du ja jetzt auch bald Schwiegermutter.“ Geistesgegenwärtig antwortet sie, dass sie ja schon Schwiegermutter ist, offensichtlich vom Kind ihrer Gesprächspartnerin. Doch diese sagt nur: „Nein, bald wirst du Schwiegermutter.“ Und das kann nur eins bedeuten. Und ich finde so vieles daran eine Frechheit, dass ich dir nur sagen kann: „Da darfst du wirklich beleidigt sein.“ Du tust es ab, doch ich glaube, es tut dir gut, dass mich das so entsetzt. Denn das ist ja wohl entsetzlich!

Doch viel wichtiger als dieser Müll sind du und ich. Du für mich. Du in meinem Leben. Denn ich kam heute Abend um halb neun nach Hause und las noch eine Nachricht von dir, dass du dir deinen Geburtstagscocktail womöglich abholen möchtest. Ich war kaputt, erschöpft, entnervt und morgen wird ein besonders langer Arbeitstag. Doch irgendwie… du würdest gern… und… das geht nur heute… Also antworte ich, du klärst das kurz und dann geht’s wirklich nochmal los. Und du erzählst mir all diese doofen Geschichten, all diese Ärgernisse und zu guter Letzt von deiner Schwiegermutter. So viel negative Energie, doch ich stelle fest, dass ich hell wach bin, total im Moment und nur bei dir. Du gibst mir Energie. Auch wenn es noch ne Stunde später ist, ich das Haus wieder verlassen musste und dabei sogar noch halbwegs passabel aussehen soll, ist die Erschöpfung verflogen. Erst als ich wieder zu Hause ankomme, möchte ich nur noch in einen tiefen Schlaf verfallen. Geht nicht, für morgen steht noch einiges an. Doch das war es mir Wert, das bist du mir Wert. 

In letzter Zeit bestehen unsere Treffen zwar nur noch daraus, uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen, und auch das gelingt uns eher schlecht als recht. Aber das ist halt eine Phase im Leben, die wir auch bestens meistern. Es werden wieder andere Zeiten kommen, irgendwann. Vielleicht auch erst in einigen Jahren, doch so lange gibt es die Liste in deinem Handy mit meinem Namen im Titel. Die Liste, die zwischen unseren Begegnungen immer länger wird und bei jedem Treffen abgearbeitet wird. Die Geschichten, die wir uns erzählen wollen, nicht müssen. Wir wollen. Du willst. Mich. 

23.06.2017 um 20:30 Uhr

Eine kurze Nacht endet unter dem Roller

von: indalo

Meinen Chauffeur des Nachmittags faszinierte ich auf der Hinfahrt damit, dass ich nachts um drei Uhr dreißig den ersten Termin hatte. Im Ausland. Denn ich erwachte keine zwölf Stunden zuvor noch im Süden. Naja, mein Wecker riss mich aus dem gut zweistündigen Schlaf. Es war kein guter Schlaf, da ich verärgert zu Bett ging. Doch dass ich nach dem nächtlichen Flug dann direkt eineinhalb Stunden beim Zahnarzt verbringe, das ist schon keine gute Kombi. Da stimmte ich dem Herren zu. Aber was soll ich machen, es passte anders einfach nicht. Dass ich in der vergangenen Woche mehr Schmerztabletten zu mir genommen habe als in den letzten zehn Jahren, ließ ich unerwähnt. So machten wir also eine halbstündige Spazierfahrt und er brachte mich zu meinem nächsten Termin. Wieder einmal ein Wildfremder, mit dem ich einfach so quatschen konnte. Ich brauchte wohl auch Ablenkung, denn einerseits war ich hundemüde, und andererseits ging mir zu viel durch den Kopf. Der nächste Termin drehte sich zwar auch um Zähne, war aber schmerzfrei. So schöne Zähne, transpa und mit irgendwas, das ich bereits wieder vergessen habe. Aha. Dann fuhr mein Chauffeur mich kurz am Geldautomaten vorbei eh er mich bei meiner ersten Fahrstunde absetzte. Er kriegte sich gar nicht mehr ein. Kaum geschlafen, ein ätzender Zahnarzttermin, Schmerzmittel und drei Spritzen später, keine vernünftige Mahlzeit und dann jetzt die erste Fahrstunde? Ob das gut gehen kann? Ich bin weder lebensmüde noch wahnsinnig, aber wieder einmal passte einfach nichts anderes. Und so erklärte er mir in aller Seelenruhe den Roller. Ich lachte in mich hinein, denn die Dinge, die ich nicht wusste, konnte er mir auch nicht erklären. Er nahm das vierte Licht gar nicht wahr, aber immerhin die überflüssigen Scheinwerfer. Dann drehte ich so noch ein paar Runden vor seinen Augen und dann ging’s in den Straßenverkehr. Momentchen Mal, ich dachte, ich dürfte nicht auf die Straßen, auf denen siebzig erlaubt ist? Nunja. Und dann war da diese enge Straße, in die ich nach links abbiegen sollte. Und ein Bordstein. Ja verdammt, ich guckte den Bordstein an. Und da kam ein Auto. Also wenn ich schon nicht vorher rumkomme, dann leg ich mich doch wohl dichter an den Bordstein als den Mittelstreifen. Das fand der gute Mann nicht so witzig. Ja, der Roller liegt auf meinem Fuß ohne Motorradstiefel, trotzdem geht’s dem gut. Also schnell rausziehen und aufspringen, damit er sieht, dass es mir gut geht. Also hockte ich vor dem Roller und überlegte, wie ich ihn am Besten wieder in die Senkrechte bekomme, als er schon neben mir stand „Auf den Fußweg, auf den Fußweg. Du sollst auf den Fußweg.“ Und ich weiß nicht, ob ich wirklich langsam reagierte oder es mir nur so vorkam, aber als nächstes stand ich auf dem Fußweg und guckte ihm dabei zu, wie er den Roller abstellte. Linker Fuß, check. Irgendwas war noch rechts, aber auch das ließ schon nach, check. Ich glaube, er fragte fünfmal nach. Ja, es ging mir gut. Wirklich. „Weißt du jetzt, wofür du die ganze Kleidung hast?“ Naja, also… wie gesagt lag mein Fuß unter dem Roller und trotzdem ist alles in Ordnung. Aber ja, er lag auch nicht direkt auf dem Knöchel. Nachdem er sich noch ein paar Mal versichert hat, dass es mir gut geht, fragte er, ob ich weiterfahren möchte. Klar. Sicher? Ja. Und mal ehrlich, rein psychologisch wär’s der völlig falsche Moment zum Aufhören. Doch ich glaube, ihm ging ganz schön die Pumpe. Denn als ich einige Zeit später einem parkenden, unbemannten LKW näher kam, bellte er mir mehrmals ins Ohr „Nicht so nah ran, nicht so nach ran“, was mich dermaßen verunsicherte, dass ich einfach anhielt. Sollte ich dem linken, fahrenden LKW nicht näher kommen, oder dem rechten, parkenden? Meiner einer fand den mitten auf zwei Spuren fahrenden LKW unheimlicher als den rechts neben mir, das hätte auch einfach ne Wand sein können, und wieso soll ich der nicht auf Armlänge näher kommen. Er für seinen Teil wollte mich vor dem rechten warnen, und dann vor meiner Bremsung. Aber die geht nun wirklich auf sein Konto. Und als er mir einige Zeit später rauchend seine Predigt hielt, war für mich wirklich klar, dass der Zahnarzttermin mir zwar zeigte, wie schwach mein Nervenkostüm ist (und wie schnell es Betäubungsmittel absorbiert), es aber auch nach all diesen Strapazen dem Straßenverkehr standhält. 

Erstaunlich, da fahr ich in drei bis vier anderen Ländern völlig unfallfrei und leg mich hier direkt hin. Ich glaube, ich bin einfach nicht dafür gemacht, etwas unter Anleitung zu tun. Blödes, bürokratisches Deutschland.

21.06.2017 um 09:37 Uhr

Te echo de menos

von: indalo

Es war ankommen, hier, in diesem Land. Es warst du, im Supermarkt, in der Pizzaabteilung. Es hat mich umgehauen, dieses Gefühl. Ich vermisse dich so sehr. So verdammt sehr, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Vor drei Jahren war ich schon hier, mit anderen. Es war toll, es war ein Erfolg, doch ich erinnere mich nicht daran, dich da auch so vermisst zu haben. Was war da anders als jetzt? Der selbe Ort, die selben Straßen, die selben Supermärkte. Ich habe seitdem so viel gesehen, so viel erlebt - vielleicht ist es das? Womöglich schlussfolgerte ich aus der letzten Reise, dass es aufgehört hat, so sehr weh zu tun. Doch es ändert nichts, die Jahre ziehen ins Land, die Kiste ist die meiste Zeit gut verschlossen, doch ein Blick auf die Pizza, über die wir immer wieder diskutierten, und die Kiste springt auf, lässt alle Gefühle raus. Du wirst immer Teil meines Lebens sein, ganz egal was passiert, ganz egal wie viel Zeit vergeht. Vergessen werde ich dich nie, aber ich dachte, die Gefühle verblassen mit den Jahren. Vielleicht hoffte ich auch einfach, sie würden verblassen. Denn es war der schlimmste Abschied meines Lebens, es war der endgültigste. Ich vermisse dich, mein wunderschönes Leben. Und der Spruch im Truck hatte ja so recht... you will never feel completely whole again. And I don't.

12.06.2017 um 22:12 Uhr

Vierte Verspätung meines Lebens

von: indalo

Wieder einmal weiß ich nicht im Geringsten, wo ich anfangen soll. HIIIILFE, mein Leben überholt mich gerade wieder. Was für ein Tag. Und nachdem ich das nach acht Stunden Arbeit mit den Worten „mal sehen, was heute noch so passiert“ abschließen wollte, erzählt mir mein hoch geschätzter Kollege, dass er für einige Jahre weg will. Ich dacht, der will mich verarschen. Das passt mir ja so gar nicht. Aber was passte heute eigentlich?

Gestern noch stellte ich freudig fest, dass ich schon lange durchschlafe und erst am Morgen (wenn auch manchmal zu früh) wach werde. Dann wurde ich heute wach, ohne Klingeln und begab mich Richtung Bad. Es war hell, aber hey, im Sommer wird es früh hell. Also guckte ich auf keine Uhr, denn dann rechnet man ja doch nur wie viel man noch zum Schlafen hat. Grober Fehler. Denn ich legte mich wieder ins Bett, die zwei Wecker werden schon klingeln. Und so schlief ich selig wieder ein, bis ich dann doch irgendwann mal auf die Uhr guckte. Nach neun. Was? Wie jetzt? Ein Blick aufs andere Handy verrät, dass mein Chef bereits versucht hat, mich zu kontaktieren. Nicht schon wieder. Verschlafen… ich?! Das passt nicht. Verdammt. Aber warte! Ich war pünktlich wach, ich wette ich war zur richtigen Zeit im Bad. Hätte ich doch nur auf die Uhr geguckt. Man ey. Also kam ich mit zwei Stunden Verspätung auf Arbeit an. Du lieber Himmel. Mein Chef streckte mir zuerst die Hand entgegen „Herzlichen Glückwunsch“ und ich murmelte nur ein „Achso, erst das Gute?“ vor mich hin, eh ich mich mit reuigem Blick für meine Verspätung entschuldigte. Aus mir unerklärlichen Gründen hat er nicht für eine Vertretung für meine Person gesorgt - wusste er, dass ich noch kommen würde? Und er lachte mich an: „Ach, ich finde es schön zu sehen, dass du auch mal Fehler machst.“ Und ich meine, er sagte noch „Sonst ist immer alles perfekt.“, aber da bin ich mir gerade nicht sicher. Gemeinsam gingen wir dann zur Chefin, die mir nicht gratulierte, sondern hin- und hergerissen war, zwischen vielem, nehme ich an. Ihr Stresslevel dürfte zu meinem passen, denn ich habe ja nun eine neue wichtige Rolle, die auch nur vergeben wurde, weil nächste Woche ein Termin ansteht, für den man jemanden in dieser Position braucht. Blöd nur, dass ich nächste Woche auf Dienstreise bin. (Das wollte ich schon immer mal sagen :)) ) Ein Vögelchen hat ihr dies schon am Morgen geflüstert, sodass sie noch während des Gesprächs mit mir eine Nachricht an alle Kollegen verfasste: aus den Zweiplatzierten wird nun als Stichwahl eine Vertretung gewählt. 

Mich persönlich nervt tierisch, dass ich meine erste Amtshandlung direkt abgeben muss. Ein großer Scheiß ist das! Andererseits - ich suche ja immer das Positive - muss ich mir nun keine Gedanken um meine Neutralität machen. Etwas, das die betroffene Person anscheinend auch beschäftigt, denn der gute Herr umarmte mich heute mit den Worten „Jetzt kann ich dich ja umarmen. Jetzt, wo du nicht mehr für mich zuständig bist. Das wär ja sonst komisch.“ Tja mein Lieber, das wird auch hinterher komisch sein. 

Sagte ich schon: „Du lieber Himmel?“ Das waren die ersten vierzig Minuten meines Tages. Danach blieb es spannend, von schwangeren Kolleginnen, deren Bereich ich übernehmen könnte und wöllte, über meckrige Verlierer der Wahl der letzten Woche bis eben zu meinem Kollegen, der uns verlassen will. Und, was irgendwie noch viel spannender ist, mir das unbedingt erzählen wollte. Da waren noch andere… ach ja. Eine meiner Vorgesetzten ist alles andere als meine Freundin. Wir haben schon diverse Auseinandersetzungen hinter uns, in den meisten Fällen, weil ich etwas zur Sprache brachte. Jetzt kommt sie auf mich zu und sagt, dass sie etwas Unverschämtes gelesen hätte. Ich wusste sofort was sie meinte, auch wenn das vor Mooonaten verfasst wurde. Ein Angriff mir gegenüber, den ich mit meinem Angreifer nie klärte, da ich - nach reifer Überlegung - entschied, wütende Menschen wüten zu lassen, da ich nichts mit dem Angreifer zu tun hatte. Betroffene Personen auf die ich einwirken kann, wirkte ich ein, aber für den Verfasser verspüre ich keine Verantwortung. Besagte Vorgesetzte hätte sich das anders gewünscht, schwenkte aber auf Grund meiner Begründung um, stimmte mir zu und versicherte mir, dass ich ihren Rückhalt gehabt hätte, wenn ich gegen den Angriff hätte vorgehen wollen. 

An dieser Stelle endet die Beschreibung und beginnt die Spekulation. Hat sie das wirklich gerade jetzt gelesen? Oder wählte sie diesen Zeitpunkt, weil sie wusste, dass ich heute etwas durch den Wind bin und dadurch womöglich gefügiger? Oder wollte sie mir ihre Unterstützung zusichern, da ich jetzt offiziell das Vertrauen der Kollegen genieße? Ich werde nicht schlau aus dieser Frau. Ich weiß nur, dass ich ihr nicht trau’ - was ein Reim. 

11.06.2017 um 10:16 Uhr

64 Stunden barfuß und ein Elbspaziergang

von: indalo

Es war letztes Wochenende. Da war ich nur barfuß unterwegs. Ich kam abends an und zog meine Schuh aus. Dann lief ich rum, das ganze Wochenende, nicht ein einziges Mal dachte ich überhaupt an meine Schuhe. Nicht einmal, als ich Montagmittag meinen Rucksack aus dem Zirkuswagen holte und draußen fertig packte. Ich hatte meine Wasserflasche aufgefüllt und mich verabschiedet, ich war fertig. Und als ich gerade Richtung Bahnhof gehen wollte, kam mir die Erkenntnis, dass ich meine Schuhe mitnehmen sollte. Naja, und anziehen. Denn im Bus ist es meist nicht so schön, barfuß zu sein. Ich war wirklich wieder einmal total in meiner Welt, und es wär schön, das auf diese Weise zu bestätigen. 

Ein paar Tage vorher machte ich mir Sorgen, ob ich für diese entscheidenden Tage gewappnet bin. Direkt davor fühlte ich mich gewappnet. Währenddessen nicht unbedingt. Besonders die ersten vierundzwanzig Stunden waren die reinste Achterbahnfahrt. Freude, Angst, Schmerz, Wut, Trauer, Hoffnung. Da war alles dabei. Reue? Nein. Aber auch das Wissen, dass ich das erst nach dem Wochenende entscheiden kann. Und jetzt ist nach dem Wochenende. Es ist nichts Neues danach passiert, doch trotzdem bereue ich es keineswegs. Es war die richtige Entscheidung, für mich. Ich mache mir immer noch Gedanken, gar Sorgen, aber um andere Dinge. Das Leben wird nicht langweilig, in diesem Fall leider, und als mein Gesprächspartner am Telefon auf der Rückfahrt sagte „Ich möchte wirklich nicht in deiner Haut stecken.“ konnte ich - auf einen Bereich meines Lebens bezogen - nur zustimmen. Sagte aber auch, dass mein Leben endlich wieder gut, gar grandios ist. Denn das Telefonat war wichtig, es war heilsam und machte den Elbspaziergang danach überhaupt erst möglich. Mit dem Durcheinander in mir wäre ich nicht mit ihm spazieren gegangen. Denn er möchte da rausgehalten werden, und das hätte ich nicht bewerkstelligen können, wenn ich nicht zuvor meine vielen Gedanken jemandem hätte äußern können. Und so konnte ich am frühen Abend noch einen lieben Freund treffen und mit ihm am Wasser einen Krebs entdecken, mich ins Gras setzen und später noch ein kleines Versteck erkundschaften. Als wir aus dem Gestrüpp wieder ans Wasser traten und ein großes Containerschiff an uns vorbei Richtung Sonnenuntergang fuhr, umarmte ich ihn ganz fest und sagte „Du sollst bleiben. Für immer.“ und wie er eben so ist, hieß es „Da mach dir mal keine Sorgen drum.“ Mach ich auch nicht. Aber ich wollte es gesagt haben. 

Wir redeten über alles - außer das Wochenende - und er sprach unsere Unterschiede an. „Du änderst so viel, ich brauche da mehr Beständigkeit.“ hieß es. Also fragte ich, sehr interessiert: „Bedeutet das im Umkehrschluss, dass ich nicht beständig bin?“ Er überlegte. Auch laut. Und das Ergebnis lautete: „Nein, das kann man so nicht sagen.“ Und als ich meinte, dass unser Freundeskreis größtenteils meinetwegen immer noch besteht, konnte er mir nur zustimmen. Also mag ich vielleicht unbeständig wirken, bin aber in meinem sozialen Umfeld die Beständigkeit in Person. Und diese Differenzierung ist mir sehr wichtig. 

09.06.2017 um 16:49 Uhr

And the winner is

von: indalo

Du lieber Himmel. Da sind noch zwei ungeschriebene Einträge in meinem Geiste, doch dieser muss heute sein. Denn da hat mich meine Chefin ja dazu angestachelt, mich selbst aufzustellen - was ich nicht getan habe! - und dann kopiert sie den Wahlzettel ohne mich. Der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen, ich sei auf die zweite Seite gerutscht. Unwahrscheinlich, aber was soll’s. Ich glaube ihr, dass sie es nicht absichtlich gemacht hat und bin daher eher froh, dass sie mich und nicht einen anderen Kandidaten weggelassen hat. Doch weil ein Kollege gleich am Morgen seine Stimme für mich abgeben wollte, fiel es sofort auf und es wurde schnell korrigiert. Und dann stand vier Tage lang die Wahlurne auf dem Tisch. Schon als ich meine Stimme abgegeben habe, stand ich vor der Frage, ob ich das denn wirklich sein möchte. Und warum eigentlich? Dann entschied ich mich, für mich abzustimmen, da die anderen für mich keine Option waren. (Beim letzten Mal wählte ich einfach gar nicht, da mir keine Option so wirklich gefiel.) Und dann beobachtete ich die Box immer wieder. Möchte ich das wirklich sein? Vertrauensperson. Was bedeutet das? Was bedeutet das für mich? Der Titel klingt toll. Ich mag es, wenn Menschen mir vertrauen - aber möchte ich wirklich das machen, warum wir gerade jetzt neu wählen? Nein. Also ja. Aber nein. Denn da werde ich mich ganz schön anstrengen müssen, private und berufliche Wünsche nicht zu vermischen. Ich traue mir zu, fair zu bleiben, aber ich werde bewusst erst nach abgeschlossenem Verfahren (und dann auch je nach Ausgang) meine persönliche Meinung kundtun. Nun fragte ich mich die letzten Tage, ob ich Joker ziehen soll, da ich von mindestens einer Person weiß, dass sie mich wählen würde, wenn sie einen Wahlzettel in die Hand bekäme. Ich entschied mich nie dafür, da ich immer wieder dachte: Wenn ich wirklich die Vertrauensperson sein soll, dann auch nur, weil die Mehrheit für mich ist. Auch ohne mein sonstiges Gefolge. 

Dann schaute ich gestern wieder eine Serie in der es um Bewerbungen bzw. positive Rückmeldungen ging. Da dachte ich darüber nach, dass es einfach Menschen gibt, die immer alles bekommen. Diese doofen Menschen, die das nicht einmal zu schätzen wissen. Und manchmal stelle ich fest, dass ich einer dieser Menschen bin. Ich bin schon so oft gewählt worden von meinen Mitmenschen. Das begann in der Grundschule, zog sich durch die Schule bis zum Ende und jetzt im Job ist mir das auch schon mehrfach passiert. Ich war gerade mal ein paar Wochen da und bekam sofort wichtige Aufgaben. Und es scheint kein Ende zu nehmen, denn kaum dass ich heute auf die Couch fiel, bekam ich eine Nachricht auf dem Handy „Cool! Herzlichen Glückwunsch!“ mit Daumen hoch und Blumenstrauß. Hä, wieso gratuliert meine hochschwangere Kollegin mir? Wozu? Wenn dann hat doch sie das Kind bekommen. Ach warte, Moment, Freitagmittag, ist die Wochenendmail schon raus? Und siehe da, es gibt eine Mail. Ich wurde gewählt. Und irgendwie wusste ich das gestern schon. Danke für das Vertrauen, wir werden sehen, ob ich den Erwartungen gerecht werde. 

07.06.2017 um 22:29 Uhr

Der größte Fehler deines Lebens

von: indalo

Je mehr Zeit vergeht, je mehr Dinge passieren und mir auffallen, desto häufiger denke ich, dass du den größten Fehler deines Lebens begangen hast. Zumindest des Lebens, welches ich mitbekommen habe und mitbekomme. Und das tut mir unheimlich Leid für dich. Du tust mir Leid. Ich leide mit dir, oder ich fühle mit dir? Ich leide für dich? Du kannst mir sagen, was du willst - du bist nicht glücklich. Du wirkst nicht glücklich. Du kommst zurecht, aber das tatest du auch vorher. Aber so schnippisch und bissig wie du bist, kannst du nicht glücklich sein. Und wenn du mich attackierst, obwohl ich rein gar nichts mit der Situation zu tun habe, dann sollte dir auffallen, dass irgendwas schief läuft. In deinem Leben, nicht in meinem. Und wenn ihr zwei, die ihr euch so sagenhaft nahe stehen sollt, mich braucht, um eure Differenzen zu klären, dann läuft da noch mehr schief. Ich bin und bleibe der Mensch, der ich bin. Anscheinend auch in diesem Konstrukt. Mal sehen, wie viele Monate es dauern wird, bis es sich zurecht ruckelt. Denn nachdem wir drei Monate kein Wort gewechselt haben, vertraut sie mir immer noch mehr, noch intimere Details an als dir. Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie sind intim. Und sie kamen einfach so ans Licht, weil wir uns zum ersten Mal nach Monaten des bewussten Schweigens unterhielten. Nicht, weil ich es forcierte. Und diese ganzen Zusammenhänge betrachtend, stelle ich fest, dass sich einfach nichts ändert. Scheiß blödes Leben. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, so zu sein wie ich bin, und doch tut es mir unheimlich Leid für dich. 

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du glücklich wirst. Ich wünsche dir, dass du jemanden findest, der einfach gerne mit dir zusammen ist - so wie ich es war. Jemanden, der Zeit mit dir verbringt, und das nicht, weil du ihn darum bittest, nicht, weil du es brauchst, sondern weil er möchte. Und den einzigen Menschen in deinem bisherigen Leben, der einfach da war, weil er wollte, der alles für dich getan hätte, nicht weil er es brauchte oder sich etwas erhoffte, diesen Menschen hast du aus deinem Leben geschubst. Und ich wünsche dir, dass es irgendwann nicht mehr der größte Fehler deines Lebens war, sondern vielleicht die Ebnung des Weges, der dich zu diesem Menschen - den ich dir so sehr wünsche, immer schon wünschte und auch gerne selbst gewesen wäre - führen wird. 

„Ich weiß nicht, wer bzw. ob jemand das alles auffängt..“ - „Das kann niemand auffangen.“ - „Doch, ich glaube, dass ich das könnte.“ - „Ja, womöglich.“ - „Aber ich darf nicht.“

04.06.2017 um 23:59 Uhr

Zähne putzend über den Pfingstmarkt

von: indalo

Es ist Sonntagnacht, aber das Wochenende ist noch nicht vorbei. Der morgige Montag ist frei. Wie schön. Und seit vielen Jahren verbringe ich dieses verlängerte Wochenende mit zwei der wichtigsten Menschen meines Lebens. Mit den beiden und einer Gruppe anderer Menschen, die dieses Wochenende zu dem machen, was es ist, aber ansonsten eine mindere Rolle spielen. Leider haben sich diese beiden Menschen vor einiger Zeit von der Gesellschaft vereinnahmen lassen, zumindest wenn es um mich geht. Das hat meinem Herzlein ganz schön zu gesetzt, doch ich wollte nicht auch noch diese Tradition aufgeben, sodass ich entschied, mich entgegen jeder Vernunft in die Höhle des Löwen zu begeben. Das war es mir Wert. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, womit ich rechnen sollte, weniger als gar keine. Und als ich am Vortag las, dass sie mich womöglich ausquartieren, tauchte der Gedanke auf, sofort wieder abzureisen. Ich glaub, das hätte ich auch getan. Himmel sei Dank war das nicht nötig, doch die Begrüßung, ja schon die Hinfahrt und dann die ersten Stunden nach der Begrüßung waren die übelste Achterbahnfahrt. Dass sie noch mehr Wendungen am nächsten Morgen nehmen würde, ahnte ich nicht im Geringsten. 

Ich habe in den letzten Tagen alle mir bekannten Gefühle durchlebt, einige mehrfach. Leider gehörte Freude nicht dazu. Also doch, ich empfand Freude, aber nicht unbedingt mehrfach. Und ich stellte fest: Da muss ich allein durch. Und wie eher selten in meinem Leben, wollte ich hier so gar nicht allein durch. Es war kein selbst auferlegter Druck, es war auch nicht der Gedanke, dass es so besser wäre, es war nur die Feststellung, dass die Menschen in meinem Leben, die mich dabei hätten unterstützen können, bereits vor Ort waren. Wie also agieren? Was tun? Einfach machen. Das war der Plan, und den habe ich umgesetzt. Wenn alle Welt so tun will als wär alles normal, dann mach ich da mit. Denn manches ist so normal, das hier, das ist so normal. Nur warum blutet mein Herz dann so?

Es kostet mich sooo viel Kraft, diese Gedanken nicht zu denken. Und wenn ich sie denke, dann werde ich wütend. Ich möchte nicht wütend sein, denn gegen wen soll sich meine Wut richten? Es ist sinnlos. Aber ich will die Wut auch nicht runterschlucken, also darf sie gar nicht erst aufkommen. Doch es ist gar nicht nur Wut, da keimt auch Hoffnung auf. Kleine Dinge, große Dinge. Dieses Wochenende ist eine Weggabelung, und je mehr gehandelt und je weniger theorisiert wird, desto besser geht es. Einfach machen.

Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen in Worten (nicht nur Beleidigungen) um sich schlagen. Und beide tun das. Beide haben das getan. Und ich wünschte, die Vergangenheit wäre die richtige Zeitform. Ich kann das vergessen, nein, warte, ich kann das übergehen, akzeptieren, aber es muss aufhören. Mein Herz hat bereits genug verloren, es muss irgendwann aufhören zu bluten. Und so spazierte ich eben Zähne putzend über den Pfingstmarkt nachdem wir gemeinsam eine schöne Zeit frierend auf Strand-Hänge-Liegestühlen verbracht haben. Ich kann es mir gut machen (nicht schön reden!), aber ich wünsche mir (und habe Hoffnung darauf), dass es zumindest mit einer von beiden wieder anders werden kann. Ich habe Hoffnung und hoffe jetzt nur, dass sie sie morgen nicht wieder mindert.

01.06.2017 um 17:30 Uhr

Dann sind wir keine Freunde mehr.

von: indalo

In der Tat finde ich mein Leben lustig. Amüsant. Und grandios. Oftmals frage ich mich, wie so viele Dinge an nur einem Tag passieren können. Wofür soll ich mich entscheiden, was davon will ich erinnern? Alles, am Liebsten alles. Und es erfüllt mich, das alles (wieder?) wahrzunehmen. Alles aufzusaugen, das Gute wie das Schlechte. Denn heute Morgen bin ich noch ziemlich aufgebracht ins Büro der Chefs gestürmt. Und ich muss doch sagen, dass unsere derzeitige Chaossituation viel zu all dem beiträgt. Denn seit einiger Zeit sitzt die Chefin höchstpersönlich bei den anderen Vorgesetzten und kriegt nun alles mit. Und mischt sich überall ein. So wie sie eben ist. Genauso wie sie gespielt eingeschnappt war, dass ich schon wieder nicht zu ihr, sondern zu ihm gehe. Auch der Dritte im Büro beschwerte sich „immer willst du nur zu ihm“. Ja, ich war aufgebracht, aber über so etwas kann ich trotzdem schmunzeln. Ich diskutierte meinen Ärger, welcher sich nicht gegen ihn richtete, mit ihm und die Chefin hat mal wieder beruhigende Worte dazu beigetragen. Einfach wohltuend.

Dann stürmte ich in den nächsten Raum und warf den dort Anwesenden andere, mich frustrierende Dinge vor die Füße. Sie schienen ein wenig irritiert, doch ich muss sagen, dass sie es gut aufgenommen haben, sodass ich mehr als lachend zur Kenntnis nahm, wie einer davon erzählte, dass ein anderer Kuchen in seinem Rucksack versteckt hat. Keine Ahnung, wieso er uns diese Geschichte auftischen wollte, aber wir zogen das bis zum Ende durch. Leider fiel einer aus der Rolle, sodass ich am Ende nur meinte: „Kannst du dich bei deinem Rucksack für den Kuchen bedanken?“ und er dies grinsend tat. Mein Kopf schwirrte, und es machte Spaß. 

Anschließend fragte mich jemand, ob ich mir der guten Neuigkeiten von gestern sicher bin, worauf ich meinte, dass ich es nun doch noch einmal nachgucken muss. Gestern verkündete ich gute Neuigkeiten, schaute auch da schon ein zweites Mal in den Unterlagen nach, kramte heute dann aber noch tiefer, sodass sie auf mich zustürmte: „Wenn Sie sich da irren, dann sind wir keine Freunde mehr.“ Und ich fragte nur: „Sind wir Freunde?“ Denn das sind wir nicht. Und das musste ich auch noch ein zweites Mal fragen. „Sind wir Freunde?“ - „Nein.“ Gut, okay. Und dann sagte sie „Dann gibst du mir…“ und ich schaute sie nur an. „Also erst sollen wir Freunde sein und jetzt sind wir beim Du?“ Sie guckte kurz erschrocken, nahm dann aber mein amüsiertes Grinsen wahr und redete weiter. Halleluja, ich hab sie auf meiner Seite. Ich habe es endlich geschafft, den Großteil davon zu überzeugen, dass ich kein Unmensch bin.