indalo

30.12.2017 um 16:54 Uhr

Honigmelone mit frisch gepresstem Osaft

von: indalo

Irgendwie komm ich heute nicht ausm Tritt. Ich mache dies und das, aber dabei nichts so richtig. Ich genieße meinen roten Stuhl, aber ich räume einfach nicht auf. Manchmal ist das so, und bei mir ist das meistens so. Doch zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich gerade tolle Dinge online finde. Denn da erneuerte ich einen Tab und es hieß, es gibt eine Kiste Lebensmittel zu verschenken. Einfach vorbei gehen und mitnehmen, was man haben möchte. Es regnet, aber ich ging trotzdem aus dem Haus - so dicht wird mir nie wieder was geboten. Und plötzlich stehe ich vor einer riesigen Kiste Lebensmittel. Obst und Gemüse - gut aussehendes Obst und Gemüse! Ist das wirklich eine Honigmelone? Ich greife mir den Salatkopf in der Tüte, werfe den zweiten dazu, noch die beiden Paprika und überlege, ob ich den Blumenkohl möchte. Grünkohl lass ich gerne liegen, so viele Möhren brauche ich nicht, und Bananen hab ich auch noch da. Dann stopfe ich mir die Orangen in die Taschen, stecke ein paar Möhren dazu und nehme Honigmelone und Blumenkohl unter den Arm, während ich versuche die Salatköpfe zu balancieren. Du lieber Himmel, das ist besser als Einkaufen - so nah ist kein Einkaufsladen! Gut, dass ich seit ner Woche nichts gekauft habe. Zu Hause fällt mir eine Möhre im Treppenhaus runter und die Honigmelone in der Küche. Macht nichts, die matschige Stelle esse ich einfach direkt nach dem ich meinen Orangensaft frisch presse. Und so fühle ich mich zwar schlapp vom Nichtstun, bin aber hellauf begeistert von dem Obst! Wenn ich ein größeres Gefrierfach hätte, würde ich noch die Bananen mitnehmen. Aber vielleicht geh ich gleich doch nochmal hin und nehme zwei mit, und ein paar Mandarinen? Was man wohl mit der Aubergine anfangen könnte? Die Pilze lasse ich definitiv da, aber was ist mit dem Suppengrün? Na, erst einmal lassen wir anderen noch eine Chance, auch wenn ich glaube, dass bei Regen die meisten zu Hause bleiben werden…

29.12.2017 um 21:01 Uhr

Mein Körper baut um

von: indalo

Neulich Nacht lag ich im Bett und dachte nur „Mein Körper baut wirklich um.“ Ich fühle es, jeden Tag. Er verändert sich, und würde ich dem nicht offen gegenüber stehen, so würde ich mir echt Sorgen machen. 

„Das fängt erst später an.“ hieß es vorgestern auf die Frage eines anderen. Aber gestern lag ich auf der Couch und puzzelte auf dem Boden, als ich dachte „Moment, sie sagte doch, das finge erst später an.“ Nix da, später. Als ich mich gestern Abend ins Bett legte, blieb es bei dem Gefühl. Heute ist noch eindeutiger, wie kurios. Und so absolut ungewohnt… 

Ungewohnt, aber nicht ungewöhnlich. Ich nehme so vieles gerade einfach nur mit einem Lächeln hin. So auch die reizende Frau, die mir heute ihren Wippsessel vom großen Schweden schenkte. Er ist wunderhübsch, knallrot und mein Eigentum. Seit Jahren will ich so einen Stuhl haben, vor knapp fünf Jahren wollte man mir einen schenken und tat es bis heute nicht. Und vor wenigen Tagen fand ich ihn in den Kleinanzeigen. Einfach grandios. Es rundet die Aktionen der letzten Monate irgendwie ab. Nichts steht mehr aus, nichts bleibt zurück, alles geht voran. Das sieht auch mein Körper so. Kaum, dass er mit einer Baustelle fertig zu sein scheint, macht er mit der Nächsten weiter. Und nun beobachte ich gespannt, was als Nächstes folgt. 

 

„Du bist dir ja auch noch nicht sicher.“ - „Doch, ich bin mir sicher. Ich habe nur noch keine offizielle Bestätigung bekommen.“ 

28.12.2017 um 19:21 Uhr

Es tut mir Leid

von: indalo

Erst heute wird es mir so richtig bewusst. Gestern schon ein wenig, vorgestern noch gar nicht. Ich entschuldige mich nicht dafür, so zu sein, wie ich bin. Aber für dich tut es mir unendlich Leid. Wirklich, unendlich Leid. Ich bin so wie ich bin. Ich will etwas, ich hole es mir. Ich stelle mir etwas vor, ich verwirkliche es. Ich träume von etwas, ich setze es um. Mein ganzes Leben lang. Und du bist der Leidtragende. Immer und immer wieder. Das ist eine Schuld, die man mir schon sehr früh eingeredet hat. Ich habe mich dagegen gewehrt, denn was kann ich denn dafür, dass es so ist? Soll ich deswegen anders sein? Das ergibt doch keinen Sinn. Immer und immer wieder gab es Diskussionen dazu, Vorwürfe, Unterstellungen, manchmal auch nur Feststellungen. Nie von dir. Kein einziges Mal hast du mir die Schuld für irgendetwas gegeben. Auch jetzt ging es nicht um Schuld. Aber da war Traurigkeit. Einfach nur Traurigkeit. Und leider eine Traurigkeit, die ich ausgelöst habe. 

Da fallen mir wieder Kuba und die Galápagos Inseln ein. Zwei Momente der langen Reise, in denen mich beschäftigte, dass ich einfach etwas mache, verdammt spontan, und andere ein Leben lang davon träumen und es nie erreichen. Ich fühlte mich irgendwie schuldig, auch wenn ich es nicht an konkreten Menschen festmachen konnte. Es war mehr der allgemeine Blick auf die Situation. Von heute auf morgen, von jetzt auf gleich habe ich entschieden dahin zu fliegen und kurz darauf war ich da. Ich habe es geliebt, geschätzt, genossen. Und doch weiß ich darum, dass der alleinige Umstand dort zu sein, für manche Menschen so viel mehr bedeutet hätte als für mich. 

Und jetzt? Jetzt sprichst du aus, was ganz offensichtlich der Realität entspricht. „Du wolltest es nie und machst es jetzt, und ich wollte es immer und werde es nie haben.“ Warum gerade du? Warum habe ich darüber nie nachgedacht? Bin ich wirklich so blind, so egoistisch? Es tut mir Leid. Es tut mir von Herzen Leid. 

…auch wenn mich wirklich keine Schuld trifft. 

26.12.2017 um 10:03 Uhr

Du bist immer wieder für Überraschungen gut

von: indalo

Zwischen meiner das Gespräch eröffnenden Frage und seinem Verstehen meiner Intention lagen genau vierundzwanzig Stunden. Ich hätte das Gespräch auch dort im Auto auf der Autobahn geführt. Ich bin ihm nicht ausgewichen, er brabbelte vor sich hin, meckerte über soziale Kontakte und Zeitfresser und kam damit vom Thema ab. Das war okay, ich musste es ihm nicht sagen. Ich wollte, aber es war genauso in Ordnung es nicht zu tun. Die Karte von der Insel im März war schon vorformuliert: „Meilenstein in Sicht“ und „Damit gehen keinerlei Erwartungen an dich einher“ Doch dann kam des nachts die nachfragende SMS. Er war vermutlich an der gleichen Stelle der Autobahn. Also antwortete ich und nach einigen verwirrten und überforderten Nachrichten rief er an. Erst ne Stunde auf dem Handy, dann noch vierzig Minuten auf dem Festnetz. Es war spannend, positiv, allumfassend und ich finde für meine Geschichte schön, dass er es nun als Erstes erfahren hat. Irgendwie macht es das rund, für mich. Und seine Worte am Ende zeigten auch, dass es gut für ihn war. „Danke für die vielen Informationen.“ sollte vielleicht eher „Danke, dass du mir davon erzählt hast.“ heißen, aber ich weiß ja, wie er ist. Und auch wenn er ein paar wenige Bedenken hat, so lachte er mehr als alles andere. Er freute sich, wenn auch nur für mich. Und er zweifelt nicht an mir, kein Stück. Vermutlich auch der Grund, wieso ich vorher nicht ansatzweise über dieses Gespräch nachgedacht habe. Andere Gespräche gehen mir seit sehr langer Zeit schon durch den Kopf, sind vorbereitet und haben dabei unterschiedliche Verläufe. Doch das Gespräch mit ihm war nicht durchdacht, und dadurch vermutlich noch entspannter. Die drei Gespräche stehen also noch an. Das Erste davon ist das Unberechenbarste, auch wenn Freude und Sorgen starke Stützpfeiler sein werden. Das Zweite wird euphorisch und hektisch, und das Dritte womöglich trotzig, allemal mit unterdrückten Gefühlen. 

„Wie soll ich denn heute schlafen? Wie soll ich denn morgen arbeiten?“

21.12.2017 um 22:15 Uhr

Schlittschuhlaufen

von: indalo

Beim besten Willen kann ich mich nicht daran erinnern, ob ich jemals Schlittschuhlaufen war. Das Konzept ist mir bekannt, ich weiß sogar, wo man das in meiner Nähe tun kann, aber… war ich jemals Schlittschuhlaufen? Ich weiß es nicht… und wenn, dann ist es mehr als nen Jahrzehnt her. Doch ab heute kann ich sagen, dass ich nicht nur mal Schlittschuhlaufen war, ich kann sogar sagen, dass ich dazu in der Lage bin. Die ersten zwei bis drei Runden schlich ich noch vor mich hin und versuchte, mich ans Fahren zu gewöhnen - mit Erfolg. Denn nicht viel später zog ich die ersten Teenager übers Eis und bot ihnen eine stützende Hand - was war das süß. Es gehört zu den Dingen, die ich einfach gemacht hab. Nicht lange nachdenken, einfach machen. Und es hat funktioniert, alles. Ich bin hochzufrieden mit dem heutigen Tag. Meine Großen haben sich als sehr sozialstark bewiesen, auch das Einschleusen seiner Freundin hat reibungslos geklappt und ich war überzeugend genug um auch die Ängstlichste aufs Eis zu bekommen. Es war gar nicht so sehr mein Ziel, dass sie auf dem Eis steht, ich wollte, dass sie es selbst will. Denn zwingen würde ich dazu niemandem, das hat doch keinen Zweck. Ach, ich bin nicht nur zufrieden, ich bin glücklich! Als sie die Richtung wechselten um mich zu begleiten und auch der Flachwitz („Was geht denn da ab?“ - „Der Motor.“) überraschend gut ankam, schien der Tag perfekt. Und als mein Moe noch eine neue Batterie bekam, waren auch die nächsten Tage geklärt. Einfach wunderbar. 

Übers Eis zu gleiten, Menschen um mich herum wahrzunehmen, aber mich nicht um alles kümmern zu müssen, das war toll. Ich sein, mich bewegen, andere unterstützen und irgendwie doch Teil des Ganzen zu sein, das fühlte sich gut an. 

Doch wieso schafft man es kaum durch nen Bahnhof ohne angerempelt zu werden, aber auf einer Eisfläche zu gleiten ohne sich in die Quere zu kommen - woran liegt das?

18.12.2017 um 21:03 Uhr

"Ich bekomme ein Kind."

von: indalo

Wird es je aufhören, weh zu tun? Wird es besser werden? Wird es weniger werden? 

Denn eigentlich tut es doch gar nicht weh. Es ärgert mich. Ich versteh es nicht. Und ich führe diese verfluchten Gespräche alle nur in meinem Kopf. Wie bescheuert ist das bitte?

Ich sollte darüber nicht nachdenken. Ich will darüber nicht nachdenken. Doch es ist da, ständig, fortwährend, laufend. Es hört nicht auf. Die Monate vergehen, ja, gar die Jahre ziehen schon ins Land, und trotzdem vergeht kein einziger Tag ohne… Es ändert sich, es schwankt, aber ich merke doch immer und immer wieder, dass mich manche Dinge nur stören, weil ich offensichtlich verletzt bin. Doch ich habe den Schmerz abgeschaltet oder ich ignoriere ihn. Lange genug hab ich gelitten, jetzt bin ich genervt. Verletzt genervt. Aber wenn man mir mal wieder Dinge unterstellt, mir die Worte im Mund herum dreht oder mich links liegen lässt, dann bin ich nicht traurig, dann bin ich verärgert. Letzteres wäre super, mich einfach mein neues Leben leben lassen, damit könnte ich umgehen. Aber diese unterschwelligen Vorwürfe, mir was davon zu erzählen, dass mein Verhalten sozialstressig wäre oder ich andere vor der Gruppe anschnauze - DAS geht nicht. Ich könnte traurig sein, dass man mir so etwas vorwirft, aber ich bin nicht traurig, ich bin verärgert. Aber ich weiß, mein Kopf weiß, dass ich verärgert bin, weil ich verletzt bin. 

Und ich merke, dass ich mich rächen möchte. Ich möchte, dass sie wissen, wie es ist. Doch andererseits schweige ich die ganze Zeit, führe all diese verletzenden Gespräche nur in meinem Kopf, weil ich niemanden verletzen will. Ich möchte, dass sie verstehen, ohne zu leiden. Ist das möglich?

Wir sind keine Freunde. Ihr seid nicht mehr meine Freunde. Wir sehen uns, wir reden, wir umarmen uns. Doch das ist nicht mein Konzept einer Freundschaft. Was bedeutet es (für mich), eine Freundschaft zu führen? Das fragte ich mich heute mehrmals. Meine derzeitige Antwort ist: „Dass man die Dinge, die für den anderen wichtig sind, ernst nimmt.“

Und ich werde nicht ernst genommen, von keinem von beiden. Und wenn ich die Muße hätte, könnten wir daraus auch mehr bröckelnde Beziehungen machen. Doch dazu habe ich keine Energie. Im Gegenteil. Eine Schranke ist gefallen und jetzt gibt es eine Hierarchie, nach der ich handel’. Ich habe vorher - und dessen bin ich mir sicher - meine Freunde nicht hierarchisiert. Es war immer alles in Bewegung, doch ich hätte zu jedem Zeitpunkt für jeden davon alles getan. Das ist vorbei. Es gibt die Menschen auf meiner Seite der Schranke, die, für die ich immer noch alles geben würde, und dann gibt es die anderen. Ende, aus, vorbei. 

Mein neuester Aufreger? Sam und Chris haben eine Beziehung geführt. Das ist schon etliche Jahre her. Sam wollte keine Kinder, Chris schon. Schon immer. Doch das war nicht der Grund der Trennung, der ist zur Zeit weniger relevant. Relevant ist, dass Sam so sehr keine Kinder wollte, dass Chris darauf verzichtet hat bzw. hätte. Nun hat Chris ein Kind. Und obwohl zwischen den beiden geraume Zeit Funkstille herrschte und auch so diverse Differenzen, soll nun im Zweifelsfall Sam dieses Kind bekommen. Hat jemand mal darüber nachgedacht, wie bescheuert das ist?! Es geht in wirklich keinerlei Hinsicht darum, dass sie eine gescheiterte Beziehung hinter sich haben. Ich verstehe nur nicht, wie man jemandem, für den man auf den (in diesem Fall) so grundlegenden Kinderwunsch verzichtet hätte, nun das eigene Kind geben möchte. 

…ja, mir ist auch die Bedeutung dessen bewusst. Denn es gibt offensichtlich keine andere Möglichkeit, keine bessere Möglichkeit. Doch wenn man das betrachtet, finde ich das einfach nur traurig. Trauriger als traurig. 

10.12.2017 um 21:02 Uhr

Bockshornklee

von: indalo

Dann ist wohl heute der Tag, nicht wahr? Der Tag, an dem du mir den Bockshornklee mit einem Grinsen geben kannst. Ob du gegrinst hast, weiß ich nicht. Ich jedenfalls tat es. Für mich hat das Bedeutung - erinnerst du dich noch an die Bedeutung?

Vor über zweieinhalb Jahren hast du die Packung gekauft und mir ein bisschen abgegeben. Warum du das damals gemacht hast, wusste ich nicht - ich habe darüber schlichtweg nicht nachgedacht. Du hast es halt einfach gemacht. Vor weit mehr als einem Jahr hast du mir genau diese Packung unter die Nase gehalten und gesagt: „Das habe ich nur gekauft in der Hoffnung, dass du dich doch noch in mich verliebst.“ Sinngemäß folgte noch: „Und wenn sich das erledigt hat, dann werde ich sie dir mit einem Grinsen überreichen.“

Damals hatte ich gehofft, dass ich sie früher überreicht bekäme. Doch im Laufe der Zeit - und der Aktionen - hörte ich auf daran zu glauben, sie je zu bekommen. Nicht, weil ich glaubte, dass du nie darüber hinweg kämst, sondern weil du dich so sehr verändert hast, so sehr verändern wolltest, dass du dich an dieses „Versprechen“ nicht mehr erinnern oder es gar halten würdest. Und dann gibst du mir heute ein kleines, eingepacktes Geschenk plus die Packung. Ich stelle beides hin und du erklärst, ich solle es zeitnah öffnen. Beim nächsten Hände waschen dann. Als ich wieder dahin schiele und grinse, weil ich über diesen Boxhornklee grinsen muss, heißt es „das ist nichts Schlimmes“. Und du meinst das Geschenk. Mich interessiert das Geschenk nicht, was auch immer es sein möge. Kurz darauf packe ich es aus und auch das ist etwas, das du letzten Herbst im gemeinsamen Urlaub mit meinem Freund gekauft hast. Weil ihr es witzig fandet. Und heute bekomme ich es. Weil du einiges durch gegangen bist und aufgeräumt hast. Aha. So wie den Boxhornklee. 

Die Stunden ziehen ins Land und du redest nur mit mir, schüttest mir dein Herz aus, weil du für eine Freundin jetzt die Böse bist. Als ich gegen Ende der Erzählung sage „Wie schade.“ heißt es nur „Wieso?“ Du bist verletzt, du versucht dich mit Argumenten gegen die Gefühle zu wehren. Nur zu. Ich werde dir da nicht dazwischen funken. Und doch heißt es einige Zeit später, dass du es auch schade findest. Soso. Und dann erzählst du noch von deinem Job, der dich gerade frustriert, von deinen bestimmt schönen, aber auch vermutlich unruhigen Silvesterplänen und fragst „Bleibst du hier?“ Alle deine Fragen in meine Richtung sind vorsichtig. Auch - bzw. insbesondere - diese. Zu recht. Du fürchtest, ich könnte schnippisch werden. Eine tief gehende Antwort wirst du von mir auch nicht bekommen. Ich bleibe kurz angebunden. Auch deine Entscheidung, mich zur Verabschiedung zu umarmen, ändert daran nichts. Das ist dann wohl wieder der Auftakt, was? Wir werden sehen. Darüber geredet wird jedenfalls nicht. Die Metaebene existiert nicht mehr. 

Doch am allerirritierendsten war die Frage: „Ich schreibe dir?“

 

Was geht in dir vor, wenn du mich fragst, ob du mir schreibst, wenn sie ihr Kind bekommt? Weißt du, dass sie es mir nicht sagen würde? Meinst du, dass es mich interessieren wird? Mehr als die anderen? Ich werde nicht fragen. Weder sie, noch dich. Wer mich nicht in seinem Leben haben möchte, dem werde ich mich nicht mehr aufdrängen. 

09.12.2017 um 22:53 Uhr

Ein Wochenende weiterer erster Male

von: indalo

Gestern war ich das erste Mal in meinem Leben tanken, heute habe ich die ersten Autogramme gegeben und morgen gibt es das erste Backevent im Freundeskreis, welches sich hoffentlich zu einer Tradition entwickeln wird. 

Über morgen kann ich noch nichts berichten, gestern war nicht weiter spektakulär und heute könnte wieder Seiten füllen. Oder auch nicht. Denn irgendwie war es alles auch total normal. Aber es gab mehrere kurze Begegnungen, die mich belebten. Irgendwie sah ich weniger aus mir heraus als auf mich drauf. Ich war das, alles davon, aber es zog auch irgendwie an mir vorbei. Da war die junge Frau, die an der Seite der großen Halle stand und ich ihr wie wild zuwinkte. Später traf ich sie mit ihrer kleinen Schwester und umarmte sie - als wäre es das Normalste der Welt. Denn das ist es auch, oder nicht? Warum nicht? Sonst machte ich mir so viele Gedanken, heute tat ich einfach Dinge ohne darüber nachzudenken. Ein anderer junger Mann bat mich um ein Autogramm (ehrlich jetzt?) und auf meine Frage, wohin er es gerne hätte, zog er seinen Kragen runter. Ich lachte und konterte nur „das müsstest du dafür schon tiefer ziehen“ und nahm nur noch wahr, wie ein anderer junger Erwachsener in Schock und Amüsement sich wegdrehte und letztlich fürs Weggehen entschied. „Entschuldigung, aber bei ihm darf ich das.“ rief ich ihm nur hinterher. Er kam nicht darüber hinweg und mein Gedankenzug nahm mich mit. Das wollte er wirklich nicht sehen, der arme Kerl. Hätte ich das an seiner Stelle miterleben wollen? Vermutlich nicht. Ein wenig tat es mir wirklich Leid, aber andererseits war es einfach so ehrlich, so natürlich, so ich. Mal sehen, ob es die Runde macht. 

Zu Hause denke ich nur wieder darüber nach, wie verrückt das doch ist. Ein bis zwei Jahre trennen die beiden Männer. Doch das Alter ist absolut unwichtig, es geht ausschließlich um Rollen. Und ich überschreite neuerdings anscheinend die ein oder andre Grenze in dieser Rolle. Denn diese Woche erwischte ich mich dabei, wie ich meinem Chef über den Arm strich. Hilfe, was tat ich da gerade? Doch letztlich weiß ich mir ohnehin nicht mehr zu helfen, wenn genau dieser Herr momentan mehrmals die Woche in unterschiedlichsten Formen äußert, dass er sich vor mir fürchtet. Wenn ich dann noch da stehe und mich vor versammelter Mannschaft über ihn lustig mache - was mir erst klar wird, als ich die versammelte Mannschaft bemerke und diese zu lachen beginnt - dann möchte ich ihm doch mit einer Geste sagen, dass das nicht so gemeint war. 

Kommen wir zurück zu den Autogrammen. Denn auch wenn ich weit mehr als vierhundert Unterschriften im Jahr leiste, so scheint man trotzdem noch an meiner Unterschrift interessiert zu sein. Da stand ich bei der Zeitung um Kekse zu stibitzen und es hieß „Ich muss noch die Zeitung kaufen, da sind Sie abgebildet! Das weiß ich schon, aber ich darf nicht reingucken…“ Ich grinste nur. Und irgendwie nahm das Gespräch dann seinen Lauf und es hieß, dass ich den Artikel ja signieren könne. Dass sie das wollen würde, konnte ich mir ja noch irgendwie erklären, aber als er mir dann als erstes die Zeitung mit Bitte einer Unterschrift reichte, war ich ziemlich irritiert. 

Alles in allem war es ein guter Tag. Ich fühlte und fühle mich gut. Wobei ich auch schon wieder zu viel fühle. Wie geht das? Zu viel fühlen. Kann man das? Was ist das? Ich fühle so viel. 

07.12.2017 um 15:34 Uhr

Es ist komisch, dass es so normal ist

von: indalo

Grundsätzlich finde ich es ziemlich normal, komisch zu sein. Ich weiß, dass ich nicht der Norm entspreche, aber für mich ist das normal. So versuchte ich gestern einer Freundin zu erklären, warum folgende zwei Sätze für mich nicht im Widerspruch stehen: „Für mich ist es total normal darüber nachgedacht zu haben, auf welche Art ich mich umbringen würde.“ und „Ich weiß, dass es nicht normal ist, über Selbstmord nachgedacht zu haben.“ Sicherlich spielt da auch meine Liebe zum Detail im Zusammenhang mit Formulierungen eine Rolle, aber auch unabhängig davon kann etwas für mich normal sein, auch wenn ich weiß, dass die meisten das komplett anders empfinden und meine Sichtweise demnach unnormal ist. 

Doch das bedarf keines Eintrages. Denn das ist für mich ja normal, gewohnt, Alltag. Auffällig war gestern, wie normal etwas total Ungewöhnliches war und dass genau diese Normalität es komisch wirken ließ. Im doppelten Sinne des Adjektives. 

Gestern habe ich etwas gemacht, was die allerwenigsten Menschen je tun werden oder auch nur tun würden. Ich bin damit nicht allein, ich kenne auch andere Menschen, die ähnliches taten, doch so auf die Gesamtbevölkerung betrachtet ist das schon sehr, sehr ungewöhnlich. Und das ist mir bewusst, unter anderem, da keiner meiner aktuellen Freunde das auch nur in Erwägung zögen. Doch trotz dieses Bewusstseins war es so unheimlich natürlich. Es war. Einfach so. Einfach. Einfach machen. Denn was anderes war es nicht. Es gab keine Zweifel, keine Gedanken drumherum, es war einfach machen. Nicht ansatzweise „Augen zu und durch“, sondern einfach machen. Meine Güte, ist das schräg. Und ich sah rote Wangen im Spiegel, ich sehe ein Lächeln, ich fühle es, immer und immer wieder. Danke liebes Leben, dass ich dich leben darf. 

Vor acht Monaten saß ich vor meinem Chef, hörte seine Worte und konnte nicht aufhören zu grinsen. Ich versuchte es zu unterbinden, wollte seriös wirken, doch es klappte nicht. Er redete, ich reagierte, er redete weiter und ich wollte ihm ganz normal zuhören, doch meine Gedanken nahmen mich auf eine Reise, die meine Mundwinkel nach oben zogen. Und genau so war es gestern. Denn auch wenn das Gespräch total normal war, so wirkte die Antischwerkraft so stark, dass ich immer und immer wieder zu grinsen begann. Zusammenhangslos. Es war einfach mächtiger als ich, mächtiger als alles andere. Ich erinnere mich nicht an ähnliche Situationen von früher, aber diese beiden, die werden in Erinnerung bleiben. 

Das klingt gar so als hätte es davor keine Momente gegeben in denen ich unwillkürlich oder dauerhaft gegrinst hätte. Die gab es, doch irgendwie waren diese Situationen besonders. Warum, das kann ich noch nicht genau sagen. Aber ich weiß (wieder) genau, was Funkeln in den Augen ist, wie es sich anfühlt, wie es jede noch so kurze Nacht in Vergessenheit geraten lässt, weil anderes für Energie sorgt. 

04.12.2017 um 18:24 Uhr

Flieg' Ego, flieg'!

von: indalo

„Indalo, ich glaub du hast nicht die geringste Ahnung, welch’ hohe Meinung die in der Chefetage von dir haben.“ Ich schwieg. „Wirklich, alle. ALLE.“ - „Okay.“

„Ich sag’s wie es ist.“ und dann noch einmal sehr nachdrücklich „Ich glaube, du hast nicht die geringste Ahnung!“

Sie sprachen neulich darüber, wer den nächsten Platz in der Chefetage besetzen könnte. Womöglich weil wir gerade wieder einen gefüllt haben. „Leider haben wir dafür niemanden. Außer Indalo. Aber Indalo will nicht.“ 

Das scheint immer noch bzw. wieder Thema zu sein. Es ist ja nun schon acht Monate her, dass mir davon berichtet wurde. Interessant finde ich jetzt, dass der Neuling in der Chefetage mir von diesem Gespräch berichtet, obwohl er sich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal auf diese Stelle beworben hatte. Es sind aktuelle Zitate. Zitate, die mit den Worten „ich weiß nicht, ob ich dir das erzählen darf“ eingeleitet wurden. 

Ich hörte mir das an, es freut mich. Doch als einzige Reaktion bleibt, dass ich dringend ein Gespräch mit dem Chef führen muss. Denn ich glaube diesen Worten nicht. Selbst nach allem hin und her überlegen, nach Abzügen für seine Überforderung oder einfach der Gedanke, dass wir nicht harmonieren, auch wenn ich all das einberechne, bleibt das Gefühl, dass er keine hohe Meinung von mir hat, ja, nicht einmal eine gute. Umso schöner waren diese wenigen Sätze. Sie taten gut. Wirklich gut. Wir redeten danach noch über anderes, doch als sich unsere Wege trennten, jubelte es in mir. Und in meiner Wohnung angekommen, dachte ich nur noch „Flieg’ Ego, flieg’!“

Doch:

„Das hast du nicht von mir.“

Pssst. 

02.12.2017 um 23:39 Uhr

Baby Gorilla

von: indalo

In dieser Familie fühle ich mich zu Hause. Vielleicht, weil ich mich von allen so richtig akzeptiert fühle, so wie ich bin. Vielleicht auch, weil ich mit beiden Eltern wunderbar entspannt allein sein kann. Da frage ich Kekse backen an und es heißt, dass Papa mit dem Ältesten Schwimmen geht. Ohne auch nur einen Ton dazu zu sagen, stellt sich heraus, dass Mama nun schwimmen geht und ich mit Papa backen werde... Und es macht für mich absolut keinen Unterschied. 

Da war dann noch deren Rumgezicke aus dem ich mich raushielt. Was für ein Theater. Er kommentiert es später mit den Worten "Du kennst mich doch" und meint damit, dass er eben schwierig sei. Doch ich kann nur ehrlich sagen "In diesem Fall sollte es eher heißen, dass ich sie kenne", denn da war definitiv sie die Unausgeglichene. Aber das ist ihr zumindest soweit bewusst, dass sie im Wohnzimmer auf mich zukommt und mir in die Arme fällt. Sie lässt mich gar nicht mehr los, auch nicht, als der Sohnemann fragte "Indalo, warum umarmst du Annemarie?" - "Weil sie eine Umarmung wollte." - "Und warum will Annemarie eine Umarmung?" - "Das musst du sie fragen." - "Mama, warum..." und ich bin fasziniert, dass er über sie mit ihrem Namen redet, aber die an sie gerichtete Frage dann doch mit Mama beginnt. 

Dann wurde noch viel gespuckt, geschlagen und gekniffen, aber eben auch mit Baby Gorilla gespielt, auf meinem Schoß Peppa geguckt und Obst gesammelt bevor der Rabe alles auffrisst. Es gab Brötchen, Kekse und Raclette - und nun bin ich fett. Da wird gelacht, gute Nacht.