indalo

27.01.2018 um 21:32 Uhr

Lieblingsfamilie

von: indalo

Was ist denn nun eigentlich meine Lieblingsfamilie? In welcher Familie fühle ich mich am Wohlsten? Ach, muss ich mich überhaupt entscheiden? Nein! Natürlich nicht. Das ist wie Lieblingsfreund. Ein Wandertitel. Und momentan - einfach wegen der Aktualität der Ereignisse - gewinnt eindeutig die Familie, auf deren Kinder ich gerade aufpasse. 


Gestern passte ich auf die Kleine auf und als Mama sich verabschiedete, wollte sie ihr nicht einmal einen Kuss geben. Stattdessen schmiegte sie sich an mich. Dieses Kind ist einfach grandios. Nicht nur wegen ihrer offensichtlichen Zuneigung mir gegenüber, auch das ein oder andere Video, das Mama mir in der letzten Zeit schickte, brachte mich zu dem lauten Ausruf „Geiles Kind“ Doch gestern ging es gar nicht so sehr um die Kleine. Ich weiß ja schon, dass sie mich mag. Gestern ging es um Mama. Denn meine geliebte Freundin kochte mir gestern zwei Mal essen. Und sie kocht unglaublich ungern. Sie kocht sehr selten. Doch gestern machte sie erst cremigen Milchreis für mich, den ich ohne sie aß, und dann gab’s Königsberger Klopse. Für mich. Weil… keine Ahnung warum. Ich sollte mir was aussuchen, und eigentlich isst sie die mit Reis, doch meinetwegen mit Kartoffeln. Wir sind hier doch bei „Wünsch dir was“, oder sie mein Flaschengeist. Es fühlte sich so wohlig an, erst mit der Kleinen gemeinsam zu essen, danach nochmal mit der Mama. Sie ist mein Zuhause. Ihre Familie ist mein Zuhause. Auch wenn es mich überrascht, dass die Große mich auch umarmen möchte, als wir sie vom Kindergarten abholen. Ich gehe erfüllt nach Hause und wenn ich nicht so müde gewesen wär, hätte ich das schon gestern versucht festzuhalten. Doch heute muss es sein, denn heute passierte noch mehr! Papa fragte, ob ich auf die Kinder aufpassen kann und ich hab zugesagt. Bei ihnen angekommen sitzt Papa mit den Kids am Tisch und isst, Papa steht auf um mich zu umarmen und die Kleine reißt ihre Arme auf. Will sie jetzt auch eine Umarmung? Oder raus aus ihrem Stuhl? Oder was jetzt? Dann nimmt Mama sie auf den Arm, doch die Kleine will nur zu mir. Als ich sie übernehme, kuschelt sie sich an mich. Huch! Mama wurde gar nicht richtig begrüßt. Mama guckt und lacht „Das war doch gestern schon so, da bin ich direkt abgemeldet.“ Und die Kleine strahlt mich an als gäbe es nur uns beide auf dieser Welt. Wenn ich mich nicht immer fragen würde, wie die Eltern das so finden, würde ich noch mehr in dem Moment aufgehen. Es war zauberhaft. 

Als es ins Bett geht, spielt die Kleine ihr Spiel. Sie steht an der Heizung und ruft „Eins!“, Mama zählt bis drei und das Kind läuft los um ihr in die Arme zu fallen. Da liegen beide in Mamas Armen, wie schön. Und von vorne. Doch in der zweiten Runde biegt die Kleine im neunzig Grad Winkel ab und fällt auf meinen Schoß. Doppelhuch! Die Große mault „Ich will, dass sie zu mir kommt.“ und Mama kontert „Da musst du zu Indalo gehen.“ Herrlich, einfach herrlich. Ich bin wirklich ein Magnet für dieses Kind. Und ich genieße es. Genau wie bei dem anderen Knaben - ob ich die zwei wohl später mal verkuppeln kann?

25.01.2018 um 19:37 Uhr

Freundschaft meines Lebens

von: indalo

Den Begriff „Liebe meines Lebens“ kennt man irgendwie. Der Eine sagt’s zum Anderen, und alle fühlen mit. Ich hab die Liebe meines Lebens gefunden, schon vor langer Zeit. Auch wenn ich es erst vor nem knappen halben Jahr formulierte. Ich bleib dabei, die Liebe meines Lebens ist mein Beruf. Doch letzte Nacht kam mir die Formulierung für dich. Denn du bist nicht die Liebe meines Lebens, auch wenn ich genauso leide als wärst du es gewesen. Aber du bist es nicht, du warst es nicht, sonst wären wir heute nicht wo wir sind. Aber: Du warst die Freundschaft meines Lebens. Und ich überlegte kurz, ob es fatal ist, das so allumfassend zu beschreiben. Denn „was-auch-immer meines Lebens“ beinhaltet doch, dass es das nie wieder geben kann. Doch wenn es der Wahrheit entspricht, dann kann man es auch aussprechen. Einen Menschen wie dich wird es in meinem Leben nie wieder geben. Genauso wenig wie es Hoffnung darauf gibt, dass es diese Freundschaft wieder geben wird. Die Jahre ziehen ins Land und ich denke immer noch jeden Tag an dich. Ich liege im Bett, werde nachts wach, kann nicht wieder einschlafen und denke an dich. Immer noch. Jeden Tag. Jeden verdammten Tag. Ich weiß schon, dass das nicht normal ist, doch heute setzte dem Ganzen wieder eine Krone auf. Denn offensichtlich kann ich dich auch immer noch spüren. Auch wenn das womöglich Zufall bzw. Einbildung ist, da die Wahrscheinlichkeit, dir über den Weg zu laufen nachdem ich an dich gedacht habe, ziemlich hoch ist, wenn ich doch täglich an dich denke. Doch meistens denke ich abends an dich, oder nachts. Dann, wenn ich zur Ruhe komme. Und heute war ich auf dem Weg zu einem Termin. Letzte Woche hatte ich schon so einen Termin und erinnere mich nicht daran, auf dem Weg dahin an dich gedacht zu haben. Doch als ich heute in die Straße einbog, gingen mir direkt mögliche Erklärungen durch den Kopf, die ich dir als Reaktion auf eine mögliche Frage, was ich denn hier mache, gegeben hätte. Und prompt stehst du vor mir. Erst im Laden an der Kasse, doch ich gehe noch einmal zurück. Ich möchte immer noch nicht entscheiden, ob ich an dir vorbei gehe oder bei dir stehen bleibe. Du nimmst das hin, okay. Ich verweile noch eine Weile, komme mir albern vor und gehe dann raus. Gerade als ich mich in Sicherheit wiege, kommst du auf mich zu. Mannomann, ist das bescheuert. Du willst reden, also tun wir das. Nicht reden reden, nur plänkeln. Du siehst grausig aus, und so geht es dir auch. Doch du traust dich, auch eine Frage in meine Richtung zu werfen. Total unverfänglich, aber klar und direkt. Okay. Kurz darauf muss ich los, du fragst nicht, wohin. Wir gehen einfach auseinander. Und ich komme nicht umhin zu denken, dass ich Mitleid mit dir habe. Ja, du warst die Freundschaft meines Lebens, doch das ist vorbei. Und dass ich auch wirklich an einem anderen Punkt bin, zeigt mir der Umstand, dass ich dich bemitleide. Und in meiner Welt bemitleidet man seine Freunde nicht. Aber da spielen wieder Formulierungen eine große Rolle, doch diese basieren auf Gefühlen, nicht wahr? Und es macht für mich einen Unterschied, ob ich mit jemandem mitfühle, ich mir Sorgen mache, jemand mir Leid tut, oder ob ich jemanden bemitleide. Bei Letzterem bin ich viel distanzierter. Und für dich empfinde ich Mitleid. 

19.01.2018 um 22:34 Uhr

Mein armer Chef

von: indalo

Da ich heute ein paar Stunden zu viel auf Arbeit hatte, entschied ich kurzerhand, meinem Chef mitzuteilen, dass ich ihm nur noch ein paar Monate zur Verfügung stehe. Mir persönlich lag viel an der Reaktion des Stellvertreters, aber ich fand schon, dass ich es dem Chef auch persönlich sagen sollte. Also zog ich meine Runde durchs Gebäude. Beim Stellvertreter war jemand, sodass ich dann doch zuerst beim Chef aufschlug. Der war absolut sprachlos. Ich konnte mir auch ein "Du musst keine Freude vortäuschen" nicht verkneifen, was er mit einem Grinsen quittierte. Denn gefreut hat er sich nicht - was ja wieder für mich spricht. Da er so gar nichts sagte, meinte ich "Gut, du hast die Info jetzt." und drehte mich zum Gehen. Dann brachte er doch noch etwas heraus und kam direkt mit Organisatorischem. Aye, aye, Captain. Und ja, er war überfordert. Ich sah ihn schon davor ne Weile total entspannt vor sich hinarbeiten, sodass ich auch fand, dass heute ein guter Zeitpunkt war. Doch dass er so geschockt war, dass er erst einmal eine rauchen muss, das war nicht in meinem Plan. Noch weniger, dass er dafür den Stellvertreter mitnimmt, damit er seinen Schock direkt verarbeiten kann. Denn ich ging vom Chef zum Stellvertreter, der gerade im Gespräch war, und als kurz darauf seine Gesprächspartnerin bei mir auftauchte, ging ich zurück zum Stellvertreter, der schon weg war. Da lagen keine fünf Minuten dazwischen, der Chef muss echt auf ihn gelauert haben. Noch mehr als ich. Und als die Herren vom Rauchen zurück kamen, folgte ich unauffällig dem Stellvertreter zu seinem Büro. Als ich in der Tür stand, grinste er schon, als ich die Tür schloss, sagte ich nur "Ich muss nichts sagen, stimmt's? Du weißt es schon?" Er nickte. Schade. Ich hätte zu gern seinen Gesichtsausdruck gesehen, seinen Ersten, den Ehrlichsten. Bei ihm war mir das wichtig. Aber nun ist es zu spät. Schön war, dass wir danach ne ganze Weile quatschten und er sich nicht verstellte. Ich sah zwar nicht den ersten, ehrlichen Blick, aber ich bekam trotzdem noch den ersten, ehrlichen Eindruck. "Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet.", "So ein Mist." und "Du kommst aber wieder, oder?" waren klare, nicht vorher durchdachte Äußerungen. Er fragte allen Ernstes, für wie lange ich wieder komme, wenn ich denn wieder komme. Und ich stellte erst nach zwei oder drei Sätzen fest, dass ich ihn missverstand. Denn es hieß noch "Du hast da auch schon wieder was geplant, oder?" als ich meinte, dass das ja nicht immer so klar zu sagen ist, und ich gewiss noch keine Pläne mache, bevor das erste Kapitel nicht geschrieben ist. Doch er meinte, dass ich schon wieder ein Jahr Urlaub geplant hätte. Als ich dies verstand, meinte ich, dass er mir das ja auch verwehren könne. Da guckte er mich an "Ach so?", überlegte kurz und sagte "Das würden wir aber nicht tun. Denn die Gefahr wäre doch, dass du dann einfach woanders hingehst." Und das war wirklich herzerwärmend. Denn sie verzichten lieber freiwillig ein Jahr auf mich, als Gefahr zu laufen, mich ganz zu verlieren. Hach ja. Er und ich, wir sind echt auf Augenhöhe. Der Chef hingegen war neulich nämlich sehr erfreut über die Möglichkeit, mir einen solchen Urlaub nicht genehmigen zu müssen. Und so werde ich jetzt nicht mehr in die Verlegenheit kommen, im Fall der Fälle zu sagen "Sorry Leute, wenn ihr mir das nicht genehmigt, dann kündige ich hiermit." Denn das wäre mein Weg, wenn man sich mir in den Weg stellen würde. Nicht, dass ich das wirklich befürchtet hätte, aber ich weiß, dass ich meinen Weg gehe.

Und besonders süß - da so absolut überraschend - fand ich die Info, dass er es besonders schade findet, da er mir gerne in ein paar Monaten seinen Sohn anvertraut hätte. Ich spiele in der Tat eine solche Rolle in seinem Leben, dass ich sogar in Bezug auf seine Familie Thema bei ihm bin. Unglaublich... Wer weiß, was noch so passieren wird. 

Amüsant war noch, dass unser Mädchen für alles bei dem kurzen Gespräch zwischen dem Chef und mir den Kopf rein steckte "Stör ich?" und mein Chef unumwunden "Ja" sagte. "Schnelle Reaktion" hieß es nur von mir, da ich von der Klarheit überrascht war, und er meinte "Ja, ist ja auch ein klarer Fall". Spannend, irgendwie. Bei uns sind so oft so viele Dinge so unklar, dass es mich irritiert, wenn mal etwas so klar ist. Der selbe Herr kam bei dem langen Gespräch zwischen dem Stellvertreter und mir nach einiger Zeit rein und fragte nicht, sondern sagte "Wer so viel lacht, kann nicht arbeiten" und drängte sich somit einfach auf. Nun vermute ich, dass er ahnt, dass irgendwas im Busch ist - wie oft schließe ich auch Türen, wenn ich mit irgendwem rede? 

...ich glaube, das war das erste Mal. Zumindest bei den beiden Herren. Denn bei der Chefin erinnere ich mich daran, die Türklinke mal betätigt zu haben. 

 

So, aber nun geh ich mit dem sicheren Wissen schlafen, dass ich mindestens in drei Haushalten heute Abend Thema war. Denn endlich kam ich auch dazu, einer Freundin davon zu erzählen. Einer, die sich wirklich für mich freut. Auch wenn sie mich für bescheuert hält ;-)

16.01.2018 um 21:54 Uhr

Ich sei brilliant

von: indalo

Schon Ende letzter Woche dachte ich darüber nach, unter welchen Bedingungen ich eigentlich welche Art von Komplimenten annehme. Es gibt immerhin zig verschiedene Arten von Komplimenten, und ebenso viele unterschiedliche Dinge, die man komplimentieren kann. Angestoßen wurde dieser Gedankengang durch die zusammenhangslose Aussage "Sie haben wirklich wunderschöne, lange Wimpern." Ich bin vielleicht nicht gänzlich frei davon, über mein Äußeres nachzudenken, aber ich kann guten Gewissens sagen, dass mich Wimpern nie beschäftigen. Naja, bis auf einmal, vor bald zwanzig Jahren, als ich vor einem Tisch hockte und mir genau das gleiche Kompliment gemacht wurde. Damals wie heute von jemandem, mit dem ich kaum bis gar nichts zu tun hatte bzw. habe, beide Male total zusammenhangslos und für mich mehr als überraschend. So überraschend, dass ich es mir all die Jahre gemerkt habe - denn wie bedeutend sind denn bitte Wimpern? 
Festhalten kann ich jedenfalls, dass bei all den sonstigen Komplimenten, die man gelegentlich unter den fragwürdigsten Umständen zu hören bekommt, ich mir einer Sache wohl relativ sicher sein kann: Meine Wimpern sind eher lang als kurz und sonst auch nicht negativ auffallend. Denn in keinem der beiden Momente sollte irgendwas mit diesem Kompliment erreicht werden. Es wurde gesagt, ich bedankte mich und verließ die Situation. Fertig. 
 
Dann gibt es neben Äußerem ja auch Innerliches. Und ich persönlich lege mehr Wert auf die inneren Werte und freue mich über Komplimente dazu mehr als zu meinem Äußeren - denn wie krumm oder schief meine Nase ist kann ich nicht beeinflussen. Ebenso wenig die Länge meiner Wimpern. Doch wie ich bin, was mich ausmacht, das kann ich beeinflussen. Doch nun werde ich wirklich nahezu täglich mit Komplimenten überhäuft, die falsch sind. Und da es mir zu anstrengend ist, bei allem zu eruieren, welcher Wahrheitsgehalt dahinter steckt, übergeh ich einfach sämtliche Komplimente. Was schade ist, denn im Grunde sind sie doch etwas Positives. So erörterte ich gelegentlich mit Kollegen, dass Komplimente über Dritte mich eher erreichen als solche, die direkt an mich gerichtet werden. Schon früher freute ich mich, als meine Cousine mir erzählte, dass sie im Flur hörte, wie man über mich sagte, dass ich wirklich sympathisch sei. Davon hab ich meist mehr, als wenn jemand sagt "ich mag dich". Wobei es da natürlich Ausnahmen gibt. Wie dem auch sei, es ist nun mein hocherfreuliches Hobby, jedes Kompliment, welches ich über einen Kollegen aufschnappe, brühwarm an ihn weiter zu leiten. Das tat ich heute Morgen mit großer Freude, um dann kurze später die Quittung des Universums zu bekommen. Eine Kollegin erzählte mir von ihrem Gespräch mit jemandem, mit dem ich vor drei Jahren zuletzt zu tun hatte. Dort wurde meine Kollegin gelobt, aber eben auch gesagt, dass ich einfach noch besser, ja gar brilliant sei. Ha, ich glaube brilliant hat mich noch niemand genannt. Ich grinste mir einen, da es doch wirklich runtergeht wie Öl. Nichtsdestotrotz sind da jede Menge Aber-Reaktionen in meinem Kopf, und Entschuldigungen, da ein Teil des Gesprächs darauf beruhte, dass jene Person sich tierisch darauf freut, bald wieder mehr mit mir - dieser brillianten Person - zu tun zu haben... und dem leider nicht so sein wird. Wofür ich verantwortlich bin. Doch ich habe im Laufe der Jahre gelernt, mich nicht schuldig zu fühlen. Ich muss mein Leben leben, ich muss für mich leben, nicht für andere. Das weiß ich, und das tue ich auch. 
 
Wie auch immer, Komplimente hin oder her, ich bevorzuge Taten über Worte. Lächel mich ehrlich an statt mir grinsend zu sagen, wie toll ich doch sei. Ich möchte Komplimente sehen, nicht hören. Zumindest generell. Denn wie könnte man Brillianz sehen können?

14.01.2018 um 19:00 Uhr

Ausreden über Ausreden

von: indalo

Einerseits habe ich vorgestern mit einer Freundin darüber geredet, wie grundentspannt ich bin, aber andererseits merke ich, wie mich manche Dinge auch grundlegend ärgern. Doch ich versuche, mich nicht davon ärgern zu lassen. Ich merke, dass mich manches verletzt, ich mir zweitrangig vorkomme und das Gefühl habe, niemandem mehr wichtig zu sein. Das ist nicht grundsätzlich so, aber es taucht immer und immer wieder auf, die Kleinigkeiten sind es. Nichts scheint mehr möglich, nichts ist mehr planbar. Immer kommt irgendwas dazwischen, und wenn mal nichts dazwischen kommt, dann kann man es auch nicht richtig genießen. Alle sind gestresst, irgendwie genervt, und ich sehe mich nicht in der Position, das auszugleichen. Im Gegenteil, ich mache mir Sorgen. 

Da läuft ein Ehepaar streitend durchs und der kleine Sohn guckt mich mit großen Augen an. Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Er braucht nicht so lange wie ich und stellt mir irgendeine Frage. Ich reagiere, einfach so, doch in mir entsteht Chaos. Fragt er mich, um uns abzulenken von dem Streit? Redet er mit mir, weil er offensichtlich keine Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommen kann? Ich fühle mich zurück versetzt in meine Vergangenheit und leide mit ihm, auch wenn ich gar nicht weiß, ob er leidet. Doch wenn die Wogen etwas geglättet sind und ich es angemessen rüber bringen kann, dann möchte ich die Eltern darauf ansprechen. Denn das ist doch nicht der Weg. 

Und heute von einer anderen Freundin die Nachricht mit den Worten „Ich bin heute echt genervt und leicht reizbar…“ Ich lehne das Angebot ab, sie zum Spazieren gehen zu begleiten, denn unter den Umständen lieber nicht. Da heißt es prompt „Nicht bei dir. Versprochen!“ Aber möchte ich wirklich mit jemandem Zeit verbringen, der sich nur beherrscht? 

Es wird wieder bessere Zeiten geben, da bin ich mir sicher. Durchhalten. Doch währenddessen umtreibt mich die Frage: Werde ich auch so? Denn das möchte ich nicht. Ich möchte nicht diese ständigen Ausreden von mir geben. Überall hört man sie: „Ich würde so gern, aber…“ Sei es was Kleines wie ein Spaziergang, der nur im Dunkeln geht, weil das Kind ja nachmittags schliefe, oder was Großes, wie ein Urlaub, den man einfach nie plant. Diejenigen Ausreden, die mich nicht betreffen, kann ich mir ruhig anhören, aber wenn sie in meine Richtung gehen, mich bzw. uns an etwas hindern, dann verletzt es mich. Der Mensch ist Egoist, und er merkt es nicht einmal. Doch was wird passieren, wenn ich anfange, egoistisch zu werden und mich nicht mehr nach den Zeitplänen meiner Freunde richte? Habe ich mich dann verändert? Liegt es dann an mir? 

…oder lag es viel mehr an mir und meiner Flexibilität, dass es so lange so gut lief?

11.01.2018 um 21:37 Uhr

Menschen erkennen

von: indalo

Menschen ändern sich, nicht wahr? Insbesondere ihr Äußeres verändert sich. Das ist nicht zu leugnen. Und als ich vor vielen Jahren eine ältere Frau wieder sehen sollte, fürchtete ich, dass ich sie nicht wieder erkennen würde. Ich weiß noch, wie ich zum Wasser ging, über den See blickte und dachte „Was, wenn ich sie nicht erkenne?“ Als ich sie dann sah, kam ich mir albern vor. Nie im Leben wäre ich an ihr vorbei gelaufen ohne sie zu erkennen. Das lehrte mich einiges. 

Vor ein paar Jahren begegnete ich absolut unverhofft meinem Onkel. Ich hatte ihn viele, viele Jahre nicht gesehen, weit mehr als ein Jahrzehnt nicht gesprochen, und doch gab es keinen Zweifel daran, dass er es war. Und auch er erkannte mich. Das empfand ich trotz besagter anderer Begegnung als sehr überraschend. Insbesondere da wir uns nie nahe waren und ich mich nicht einmal an zehn Begegnungen mit ihm in meinem Leben erinnere. 

Gestern ging ich von der Arbeit nach Hause. Einen Weg, den ich jeden Tag gehe - außer am Wochenende. Mir begegnen auf der kurzen Strecke immer wieder Menschen, alle Farben und Formen, das ist nichts ungewöhnliches. Doch gestern gingen vor mir zwei Frauen. Die eine eindeutig älter als alle Menschen, die ich kenne, die andere komplett in Klamotten gehüllt. Weder Haut noch Haare zu sehen. Ich ging hinter ihnen und dachte auf einmal an meine Tante. Ich musste schmunzeln, denn meine Tante fänd bestimmt nicht witzig, wenn ich die Person vor mir für sie halten würde - denn die hat echt nen riesigen Hintern gehabt. Ich beobachtete sie weiter und fragte, was in aller Welt mich auf die Idee brachte, dass es meine Tante sein könnte. Ich wollte ihr nicht begegnen, trotzdem kam ich ihr unwillkürlich näher und wollte dann zumindest ihre Stimmen hören. Ich hörte etwas und fand so gar nicht, dass es wie sie klang. Puh, ist sie also doch nicht. Doch gerade als ich zum Überholen ansetze, sehe ich ihr Gesicht von der Seite und erkenne sie. Ich bremse ab um hinter ihnen nach rechts abzubiegen. Die letzten Meter schüttel ich mit dem Kopf - keins der Kleidungsstücke kam mir bekannt vor, ich würde auch nicht behaupten, dass das ihr Stil war, und doch wusste ich intuitiv, dass sie es war. Auch ein Mensch, den ich in den letzten zehn Jahren vielleicht drei oder vier Mal gesehen habe.  

Was ist es, das uns Menschen erkennen lässt? Sind es wirklich nur Bewegungen? Sind unsere Bewegungen so individuell, dass man uns daran immer und überall erkennen kann? 

Und wie erklärt sich, dass mich jemand, der mich nie gesehen hat und auch nie ein Foto von mir sah, mich an einem riesigen Bahnhof erkennt? Wir kannten uns, wir waren verbunden, doch was gab ihr damals die Sicherheit, dass wir verabredet waren? 

Ja, ich bin mir bewusst, dass manche Menschen wartend aussehen, ich erkannte früher immer Mitfahrgelegenheiten am suchenden Blick, aber ich suchte da nicht, im Gegenteil, ich wich aus und wurde trotzdem erkannt. 

08.01.2018 um 20:12 Uhr

Mein Körper und ich

von: indalo

Mein Körper und ich, wir sind ein Team, und das schon seit ein paar Jahrzehnten. Und insbesondere in den letzten zehn Jahren sind wir wirklich zusammen gewachsen. Wir verstehen uns und harmonieren gut. So wie es sein sollte. Ich sag, was ich will, mein Körper wägt ab und letztendlich einigen wir uns. Zugegeben, oft gehen die Kompromisse zu meinen Gunsten aus, aber ehrlich, ich frag immer nach seiner Meinung. Das klappt super. Wenn er zu viel hat oder ne Möglichkeit sieht, mal wieder ein paar Fremdkörper loszuwerden, macht er das. Nicht immer fragt er vorher, aber er soll ja schließlich auch mal seinen Willen bekommen, nicht wahr? Und so begeben wir uns gemeinsam durchs Leben, als Team, oder vielmehr als Einheit. Doch jetzt hat diese Saubacke sich mit jemand anderem verbündet! Als hätte ich hier gar nichts mehr zu sagen, so ne Frechheit! Ich fühle mich verraten, hintergangen, verarscht. So hab ich mir das nicht vorgestellt. Es ist ja schön und gut, dass die zwei sich verbündet haben, aber hallo? Wir können das auch zu dritt meistern, lasst mich doch wenigstens etwas mitreden, tz. Nee, also wirklich, so geht das nicht. Das müssen wir bei nächster Gelegenheit ausdiskutieren. Ich bin zu jeglichen Kompromissen bereit, ganz ehrlich, aber ich möchte nicht nur mit geschliffen werden. Also lasst uns offen und ehrlich reden, wie auch immer das aussehen mag. Ich mach mit, versprochen, nur sagt doch bitte deutlich, was ihr wollt und zwingt mich nicht einfach in die Knie.