indalo

14.01.2018 um 19:00 Uhr

Ausreden über Ausreden

von: indalo

Einerseits habe ich vorgestern mit einer Freundin darüber geredet, wie grundentspannt ich bin, aber andererseits merke ich, wie mich manche Dinge auch grundlegend ärgern. Doch ich versuche, mich nicht davon ärgern zu lassen. Ich merke, dass mich manches verletzt, ich mir zweitrangig vorkomme und das Gefühl habe, niemandem mehr wichtig zu sein. Das ist nicht grundsätzlich so, aber es taucht immer und immer wieder auf, die Kleinigkeiten sind es. Nichts scheint mehr möglich, nichts ist mehr planbar. Immer kommt irgendwas dazwischen, und wenn mal nichts dazwischen kommt, dann kann man es auch nicht richtig genießen. Alle sind gestresst, irgendwie genervt, und ich sehe mich nicht in der Position, das auszugleichen. Im Gegenteil, ich mache mir Sorgen. 

Da läuft ein Ehepaar streitend durchs und der kleine Sohn guckt mich mit großen Augen an. Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Er braucht nicht so lange wie ich und stellt mir irgendeine Frage. Ich reagiere, einfach so, doch in mir entsteht Chaos. Fragt er mich, um uns abzulenken von dem Streit? Redet er mit mir, weil er offensichtlich keine Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommen kann? Ich fühle mich zurück versetzt in meine Vergangenheit und leide mit ihm, auch wenn ich gar nicht weiß, ob er leidet. Doch wenn die Wogen etwas geglättet sind und ich es angemessen rüber bringen kann, dann möchte ich die Eltern darauf ansprechen. Denn das ist doch nicht der Weg. 

Und heute von einer anderen Freundin die Nachricht mit den Worten „Ich bin heute echt genervt und leicht reizbar…“ Ich lehne das Angebot ab, sie zum Spazieren gehen zu begleiten, denn unter den Umständen lieber nicht. Da heißt es prompt „Nicht bei dir. Versprochen!“ Aber möchte ich wirklich mit jemandem Zeit verbringen, der sich nur beherrscht? 

Es wird wieder bessere Zeiten geben, da bin ich mir sicher. Durchhalten. Doch währenddessen umtreibt mich die Frage: Werde ich auch so? Denn das möchte ich nicht. Ich möchte nicht diese ständigen Ausreden von mir geben. Überall hört man sie: „Ich würde so gern, aber…“ Sei es was Kleines wie ein Spaziergang, der nur im Dunkeln geht, weil das Kind ja nachmittags schliefe, oder was Großes, wie ein Urlaub, den man einfach nie plant. Diejenigen Ausreden, die mich nicht betreffen, kann ich mir ruhig anhören, aber wenn sie in meine Richtung gehen, mich bzw. uns an etwas hindern, dann verletzt es mich. Der Mensch ist Egoist, und er merkt es nicht einmal. Doch was wird passieren, wenn ich anfange, egoistisch zu werden und mich nicht mehr nach den Zeitplänen meiner Freunde richte? Habe ich mich dann verändert? Liegt es dann an mir? 

…oder lag es viel mehr an mir und meiner Flexibilität, dass es so lange so gut lief?


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